Schwerer Wind
Der Weg das Ziel – das Leben eine Prüfung
ich hab mir darauf keinen Reim gemacht
Philosophie war keine meiner Schwächen
ich habe immer gradeaus gedacht
Hielt Yin und Yang für ein paar Pandabären
hatte niemals ein innres Gleichgewicht
den Krug zu leeren schien mir sichrer
als abzuwarten bis er einmal bricht
Dies Haus ist keine Heimat – keine Insel
der Sturm dort draußen drängt zur Tür herein
wie ein Vertreter will er ungebeten
ein Teil der dunklen Tage für uns sein
Es geht ein schwerer Wind
trägt lange Schatten
wir hatten keine Ahnung – waren blind
wie schnell wir an der Wahrheit doch ermatten
wie biegsam und zerbrechlich wir schon sind
Die Büchse der Pandora voll Ravioli
Canossa nur zwei Schritte übern Flur
die innre Stärke auf die du so stolz warst
war weiter nichts als meine Feigheit nur
Steh ich am Fenster schließe ich die Augen
nur so genieße ich die freie Sicht
du willst mir immer irgendwas erklären
doch grade das brauch ich nun wirklich nicht
Dies Haus ist ein Gefängnis – eine Anstalt
wir warten ewig schon auf den Befund
an uns verzweifeln lang schon alle Ärzte
das Leben schreibt uns niemals mehr gesund
Es geht ein schwerer Wind
trägt lange Schatten
wir hatten keine Ahnung – waren blind
wie schnell wir an der Wahrheit doch ermatten
wie biegsam und zerbrechlich wir schon sind
Seerosenblätter
Wenn die Nacht kommt
mit ihren Komödien und Dramen
fragt sie Liebende
nicht nach ihren Namen
und sie will auch nicht wissen
ob du bereit bist
alles läuft aus dem Ruder
wenn ihre Zeit ist
Sie verwirrt die Sinne und die Gedanken
sie bringt dich ins Schleudern, ins Taumeln, ins Wanken
lass dich einfachen fallen
und gib dich ihr hin
Liebe braucht keine Regeln
und keinen Sinn
Seerosenblätter im Sommerwind
in traumhaften Zeiten
und endlosen Weiten
das ist es was wir für uns sind
Wenn die Nacht kommt
hüllt sich dich in ihre Gewänder
führt dich zu fremden Sternen
und in ferne Länder
und sie will auch nicht wissen
ob du bereit bist
alles läuft aus dem Ruder
wenn ihre Zeit ist
Sie verhext die Herzen und die Gefühle
und treibt mit dir ihre sinnlichen Spiele
lass dich einfach gehen
und sieh nicht weg
Liebe braucht keinen Vorwand
und keinen Zweck
Seerosenblätter im Sommerwind
in traumhaften Zeiten
und endlosen Weiten
das ist es was wir für uns sind
Maximal (Ein bescheuert minimales Abenteuer von Karl dem Aal)
Karl der Aal trieb eben mal
ab ins Meer – ihm wars egal
schließlich trug er Hut und Schal
und so leicht friert auch kein Aal
Vor dem Panamakanal
da traf Karl der Aal nen Wal
der kraulte ganz kolossal
durchs Wellental
Und so staunte Karl der Aal :
„Wal was bist du maximal“
doch der Wal knurrte nasal :
„Du kannst mich mal“
Ich lieb dich so – ich sag es nicht
Wenn du mich ansiehst werd ich weich
dafür gibt es keinen Vergleich
dem Umstand wird kein Wort gerecht
es ist nur unbeschreiblich echt
was ich empfinde, was ich denk
so tief erfüllt doch ungelenk
seh ich dem Wunder ins Gesicht
begreifen aber kann ich`s nicht
Ich lieb dich so – ich sag es nicht
hab Angst daß sonst der Zauber bricht
sprech es nicht aus, seh dich nur an
mehr Glück als ich ertragen kann
Weil du mich liebst drum lebe ich
das klingt banal sogar für mich
ich fisch nach Worten ohne Netz
Liebe hält sich an kein Gesetz
Ich lieb dich so – ich sag es nicht
hab Angst daß sonst der Zauber bricht
sprech es nicht aus, seh dich nur an
mehr Glück als ich ertragen kann
Nervöse Dompteuse
Eine nervöse Dompteuse
fühlte sich winzig klein
zwischen zehn Elefanten
und begann laut zu schrein
Wäre sie nicht rumgehampelt
wie ein albernes Suppenhuhn
hätte man sie nicht zertrampelt
schließlich wollte ihr niemand was tun
Elefanten sind friedlich
sofern man sie nicht erschreckt
und Dompteusen finden sie niedlich
das war Totschlag nur im Affekt
Der Schimpanse starrt nun betroffen
auf den blutigen Fleck
und sagt : „Ich möchte sehr hoffen
jemand wischt die Dompteuse bald weg
Denn das macht mir etwas Kummer
all dieses eklige Blut
versaut mir doch meine Nummer
fürs Geschäft ist das nicht gut
Selbst wenn ich stattdessen dort läge
und jetzt ebenso tot wär
muss ich zugeben ich erwäge
zu sagen es war doch Notwehr“
Eine nervöse Dompteuse
fühlte sich winzig klein
nun ist sie noch etwas kleiner
nur nervös muss sie jetzt nicht mehr sein
Mein Schatten
Manchmal schleicht sich mein Schatten fort
grad wenn ich traurig bin
und sucht nach einem bessren Ort
zu dir zieht es ihn hin
Er hat den Mut den ich nicht hab
er liebt bedingungslos
und geh ich dir auch aus dem Weg
er kommt von dir nicht los
Mein Schatten kann was ich nicht kann
er tut was ich nicht tu
er wartet nicht auf irgendwann
er deckt schon heut dich zu
Manchmal stiehlt sich mein Schatten weg
grad wenn ich einsam bin
er fragt nicht lang nach Sinn und Zweck
zu dir zieht es ihn hin
Er hat den Mut den ich nicht hab
er will nur bei dir sein
von allem was mich hält und quält
kann er sich leicht befrein
Mein Schatten kann was ich nicht kann
er tut was ich nicht tu
er wartet nicht auf irgendwann
er deckt schon heut dich zu
Ich gestehe mir nur selten ein
wie nah du mir doch bist
ich seh stattdessen schweigend zu
wie mein Schatten deinen küsst
Mein Schatten kann was ich nicht kann
ohne dass er bereut
wartet er nicht auf irgendwann
nein, er liebt dich schon heut
Es fürchten sich die Frommen
Es fürchten furchtbar sich die Frommen
denn schließlich bezweckt all ihr Gehabe
dass wir nur nicht dahinterkommen
es gibt ein Leben vor dem Grabe
Das was nicht geschrieben steht
Das was nicht geschrieben steht
in all meinen Zeilen
was dir bleibt und nicht vergeht
denk es dir einstweilen
denn es wär, so glaub es mir
wenn es hier nun stünde
- was ich mir erträum von dir -
nur Sünde
Der Posten
Der Posten macht große Ohren
und lauscht hinein in den Osten
er wirkt ein wenig verloren
auf seinem einsamen Posten
Er weiß er müsste schießen
und das wär rein beruflich gemeint
ohne es zu genießen
wenn da nun jemand erscheint
Niemand hat damit Probleme
niemand – ihn ausgenommen
er malt es sich aus – das Extreme
zum Glück ist es noch nie gekommen
Vom Wachturm lugt er in die Ferne
zwei Stunden dann kann er nach Haus
im Westen leuchten die gleichen Sterne
nur etwas freier sehen sie aus
Das haben wir doch schon zu oft mitgemacht
Die Tür die ins Schloss fällt
und daß einer schreit
die Wut und die Tränen
und das „Tut mir leid“
Das Hoffen und Warten
das „Ich habe recht“
das bringt uns nicht weiter
man fühlt sich nur schlecht
Das haben wir doch schon zu oft mitgemacht
einer der leidet und einer der lacht
einer der bleibt und einer der geht
und am Ende weiß keiner wo er wirklich steht
Der quälende Vorwurf
der sinnlose Streit
die Leere danach
und die bittere Zeit
Das Suchen nach Stärke
der letzte Rest Mut
das kennen wir schon
und es tut uns nicht gut
Das haben wir doch schon zu oft mitgemacht
einer der leidet und einer der lacht
einer der bleibt und einer der geht
und am Ende weiß keiner wo er wirklich steht
Das haben wir doch schon zu oft mitgemacht
und erst viel zu spät haben wir nachgedacht
nun wissen wir nicht mehr wohin wir gehören
und sind weiter dabei uns selbst zu zerstören
Nun also steh ich im Leben
Nun also steh ich beinah im Leben.
Und das beginnt mich zu triezen.
Auf die Jugend kann ich nichts mehr geben.
Bald werd ich mich selber siezen.
Frühling
Ach schau mein Kind wie bunt der Frühling
und seine Hand streicht Dir durchs Haar
du gehst mit ihm doch er kann nie sein
was ich die Jahre für dich war
Mein Strauß ein Reigen sanfter Wünsche
möge dir blühen ewig Glück
mein Weinen heut - nimm du es lachend
die Zeit gibt nie etwas zurück
Der Ring mag sein dir ein Versprechen
doch ganz egal was du auch schwörst
vergiss es nie was ich dich lehrte :
Dass du allein dir selbst gehörst
Für meine Tochter Melanie
Herbst meines Lebens
Nebelschweigen legt sich über die verblühten Felder
ringt in trauter Zwietracht mit dem Morgenrot
der erste Hauch des Winters kriecht durch kahle Wälder
bringt die lange Stille vor dem Tod
Schmetterlinge fügen sich allmählich dem Erfrieren
Flüsse streiten nicht mehr mit dem Land
Lilien sind zu schwach den Straßenrand zu zieren
Tau von welken Blüten sickert in den Sand
Im Herbst meines Lebens gehen mir die Worte aus
ich irre wie ein Blinder durch ein großes leeres Haus
das allein aus Gedanken und Erinnerung besteht
und nur darauf wartet dass man geht
In den weiten Ebenen erstarren schon die Linden
harscher Wind beraubt sie und verweht ihr Laub
schon lässt sich das Licht des Sommers nicht mehr finden
und die kargen Beete sind vom Hagel taub
Die Landschaft verliert die Schönheit ihrer Farben
alles zerfließt und formt ein tristes Bild
am Ende bleiben nur die Schatten und die Narben
ein vergessenes Versprechen das längst nicht mehr gilt
Im Herbst meines Lebens gehen mir die Worte aus
ich irre wie ein Blinder durch ein großes leeres Haus
das allein aus Gedanken und Erinnerung besteht
und nur darauf wartet dass man geht
Die Tage geben nichts mehr her
Die Tage geben nichts mehr her
das ganze Jahr ist Winter
man fürchtet sich und leidet sehr
und sucht den Sinn dahinter
Man geht nicht gerne aus dem Haus
man bleibt nicht gern im Zimmer
man kennt sich, doch kennt sich nicht aus
und es wird immer schlimmer
Die Tage geben nichts mehr her
und auch die Nächte nicht
man ist nur noch beständig leer
und glaubt dass man zerbricht
Man fühlt sich alt, man ist so müd
man lässt sich einfach treiben
man spürt wie man langsam verglüht
und hasst es wach zu bleiben
Die Tage geben nichts mehr her
sie kommen und sie gehen
sie zu ertragen fällt so schwer
mehr noch sie zu verstehen
Man pfeift auf jeden guten Rat
man mag sich nicht mal regen
man scheut das Wort und auch die Tat
will sich zum Sterben legen
Auch ich gebe längst nichts mehr her
man mag es mir vergeben
ich wünschte dass es anders wär
ich würd gern wieder leben
Flaches Land
Das Land hier ist flacher als die Lieder im Radio
ich seh den Windrädern zu und fahre im Kreis
der Kuss einer Wölfin erweckt mich am Abend
der Tank ist leer und auf den Scheiben ist Eis
Verlorene Kinder tanzen ums Feuer
der letzte Laib Brot schmeckt nach frischem Mohn
ich folge den Blinden hinunter zum Ufer
ich bin ein Sinnbild meiner Generation
Der Tag weiß mit sich nicht viel anzufangen
die Städte sind kalt, die Straßen sind leer
eine trostlose Landschaft vernarbt nach zwei Kriegen
und blutige Flüsse fließen ins Meer
Flaches Land – so öd und eben
unstetes gebeugtes Leben
wer von hier nicht fliehen kann
der passt sich der Landschaft an
Die Menschen sprechen eine mir fremde Sprache
ich verstehe die Worte doch nicht deren Sinn
muss ich sein wie sie nur weil sie mich kennen
bin ich verflucht nur weil ich hier geboren bin
Ich singe die Lieder der schönen Zigeuner
tanze ihre Tänze, trinke ihren Wein
sie teilen ihr Wissen und ihre Liebe
ich würde so gern so rein wie sie sein
Die Nacht hält uns zu kurz nur gefangen
die Wagen fahren fort, die Wege sind breit
eine traurige Landschaft geprägt vom Vergessen
und ich finde nichts hier als verlorene Zeit
Flaches Land – so öd und eben
unstetes gebeugtes Leben
wer von hier nicht fliehen kann
der passt sich der Landschaft an
Die mit dem Herzen denken
Endlich losgelöst von allem
was dich stets in Ketten hielt
frei zu steigen und zu fallen
wo man lebt und wo man fühlt
entdeckst du nach all den Jahren
was du lange schon vermisst
lässt die Welt zum Teufel fahren
nun wo du dir kostbar bist
Lässt die falschen Freunde gehen
besinnst dich der Wichtigkeit
deines eigenen Verstehens
und Vertrauen macht sich breit
in die neu entdeckten Schwingen
den ureigenen Instinkt
egal wohin sie dich bringen
du weißt dass dir die Freiheit winkt
Keine vorbestimmten Bahnen
kein verplanter Tageslauf
keine Regeln die dich mahnen
wenn du fällst dann stehst du auf
Hast das Leben angenommen
statt es sinnlos zu verschenken
bist bei denen angekommen
die mit dem Herzen denken
Dein Akrobat
Das Leben mit dir folgte nur einem Gesetz:
Immer höher hinauf und ganz ohne Netz
ich hab die schwarzen Wolken mir rosa geträumt
und den Dreck hinter dir aufgeräumt
Du bist schonungslos über Leichen gegangen
mein Herz war zu lange von dir gefangen
in deinem Schatten blieb mir kein eigener Glanz
und ich brach mir die Beine bei deinem Tanz
Dein Akrobat ist nicht mehr schwindelfrei
er braucht festen Grund – es ist aus und vorbei
ich habe genug, ich kappe das Seil
greifst du auch lachend nach den Sternen derweil
Du warst von Anfang an meine Königin
und ich gab mich dir sogleich kampflos hin
ich hab dich behütet und ich hab dich bewacht
und mich dabei nur zum Narren gemacht
Du konntest dir meiner stets sicher sein
ich war zu schwach mich von dir zu befrein
es brach mir das Herz die Wahrheit zu sehn
doch jetzt lerne ich wieder aufrecht zu gehen
Dein Akrobat ist nicht mehr schwindelfrei
er braucht festen Grund – es ist aus und vorbei
ich habe genug, ich kappe das Seil
greifst du auch lachend nach den Sternen derweil
Wie nah uns doch die Toten manchmal sind
Manchmal wenn mich der Straßenlärm stört
setz ich mich auf die Bank bei den Linden
wo man den Wind und die Spatzen nur hört
um Momente der Stille zu finden
Es ist nicht pietätlos, auch wenn’s manche sagen
sein Mittagsbrot auf den Friedhof zu tragen
um dort als Lebendiger mal zu ruhn
die Stille zu genießen und gar nichts zu tun
Mit geschlossenen Augen, lauschend dem Wind
stellt man fest wie nah uns die Toten manchmal sind
Man findet dort einen sehr eigenen Frieden
das klingt vielleicht ungewöhnlich
doch im Kreise all jener die schon verschieden
zeigt die Welt sich mild und versöhnlich
Mitunter mag es mir sogar scheinen
als läge ein Lächeln auf all den Steinen
wenn sie flüstern: „Verschling nicht dein Mittagsbrot
sonst verschluckst du dich und dann bist du tot“
Mit geschlossenen Augen, lauschend dem Wind
stellt man fest wie nah uns die Toten manchmal sind
Sklave
Wo kamst du her du wilde Hexe?
WIs hast du bloß mit mir gemacht?
ich bin ein Sklave deiner Triebe
und diene dir in jeder Nacht
Ich trag dein Mal, ich trag dein Zeichen
ich komme nicht mehr von dir frei
dein Wahnsinn ist so süß und tödlich
und ich verbrenne fast dabei
Du saugst mich aus und lässt mich fallen
nährst dich an mir wie ein Vampir
wenn du jemals von mir genug hast
trag ich kein Leben mehr in mir
Ich bin ein Sklave ohne Ketten
nicht mehr zu retten
längst verloren
du warst von Anfang an mein Schicksal
denn ich bin nur für dich geboren
Was gibst du mir du wilde Hexe?
Nur Sehnsucht die mich süchtig macht
du bist die Herrin meiner Liebe
ich diene dir in jeder Nacht
Du bist mein Tod, du bist mein Leben
bist alles das was ich begehr
egal wie tief du mich verachtest
ich brauche diesen Schmerz so sehr
Du tust mir weh und lässt mich leiden
du weißt wie hart dein Zauber trifft
es gibt um mich von dir zu trennen
kein Mittel und kein Gegengift
Ich bin ein Sklave ohne Ketten
nicht mehr zu retten
längst verloren
du warst von Anfang an mein Schicksal
denn ich bin nur für dich geboren
Vom Vergehen der Beliebtheit
Gestern sonnten sich vornehme Damen
die man sonst nur sieht mit Schirm
noch pudelwohl in meinem Namen
heut behandeln sie mich wie Gewürm
Gestern stritt man sich um meine Zeche
heute gibt man mir einen Tritt
gestern wollt man mir unter die Wäsche
heute ruft man „Igittigitt“
Gestern bat mich noch jeder zu Tische
heute wirft man mich allerorts raus
ich komm nicht einmal ohne Schliche
bei Abend in mein eigenes Haus
Der Ruhm ist ein fieser Geselle
eben stellt er sich mit dir noch gut
doch vergisst dich dann auf der Stelle
das nennt man wohl Wankelmut
Die Trauerweide
Die Trauerweide darbt im eignen Schatten
vom Sturm gebeugt neigt sie sich in den Fluss
an ihren Wurzeln nagen schon die Ratten
sie weiß dass sie in Kürze sterben muss
Man wird um sie nicht wie um Menschen weinen
denn Menschen nahmen sie kaum richtig war
so selbstverständlich mag vieles erscheinen
und fehlt erst dann ist es mal nicht mehr da
Selten ruhte an ihrem Stamm ein Kinde
sich kurz von wilden Kinderspielen aus
man ritzte auch kein Herz in ihre Rinde
doch sie war vielen Käfern ein Zuhaus
In ihrer Krone bauten Vögel Nester
auf ihren Zweigen schliefen Falter ein
manch Jahr verstrich und sie vergaß das Gestern
im nächsten Frühling wird sie nicht mehr sein
Mitteilung
Ich bin ein Deutscher, in Berlin geboren
mich lässt die Heimat nicht gehn
entweder geh ich mit ihr verloren
oder werd es mit ihr überstehn
Anmerkung :
Dies ist nicht gänzlich auf meinem Mist gewachsen,
sondern eine Variation des Gedichtes
„Notwendige Antwort auf überflüssige Fragen“
von Erich Kästner :
„Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen.
Mich lässt die Heimat nicht fort.
Ich bin wie ein Baum, der - in Deutschland gewachsen -
wenn‘s sein muss, in Deutschland verdorrt.“
Fußball, sagte er
Im Hotel zwei junge Menschen
ein gar wunderschönes Paar
hatten sich grade geliebt
und es war wirklich wunderbar
Doch als sie ihn fragte
woran er jetzt grade denkt
hat er ganz unbedarft
das Paradies verschenkt
„Fußball“ sagte er
ein Wort das jedes Glück zerstört
und ist es auch noch so ehrlich
einfach nicht ins Bett gehört
Muss man in solchen Momenten
nicht an etwas andres denken?
Ist man sonst nicht wie die Stürmer
die manch Chance leicht verschenken?
Warum hat man keinen Coach
der einen darauf trainiert
dass einem solch Missgeschick
einfach nicht passiert?
„Fußball“ sagte er
und ihre Liebe war dahin
oder anders ausgedrückt:
Der Ball war doch nicht drin
So lang der Vorrat reicht
Ein Feiern ist’s, ein ungetrübter Jubel
allerorts bewundert man Monarchen gern
vereint sowohl im Stumpfsinn wie im Trubel
und Gaffer reisen an von nah und fern
Uniformierte spähen in die Menge
und Funkgeräte flüstern pausenlos
ein Schwitzen macht sich breit in dem Gedränge
der Himmel blau und die Erwartung groß
Das Volk ist überall genau das gleiche
beherrscht zu werden ist so herrlich leicht
und Herrscher gibt’s in jedem Reiche
noch mindestens so lang der Vorrat reicht
Die Kameras bereit der Zeit zu zeugen
Kinder flanieren blumig ausstaffiert
man übt den Blick zu senken, das Verbeugen
man hat so lang man atmen kann hofiert
Es naht der Tross der großen schwarzen Wagen
und aus dem Fenster winkt ein fetter Mann
mehr gibt’s von der Parade nicht zu sagen
man rollt die Fahnen ein und trollt sich dann
Das Volk ist überall genau das gleiche
beherrscht zu werden ist so herrlich leicht
und Herrscher gibt’s in jedem Reiche
noch mindestens so lang der Vorrat reicht
Zwei Senegalesen
Zwei Senegalesen
mit fröhlichem Wesen
fragten einen Flegel:
„Wo bitte geht es nach Tegel?“
Der machte sich einen Witz
schickte sie nach Britz
da waren die Senegalesen
nicht mehr so fröhlich gewesen
Von einem Schluchzen zu einem Schrei
Sie kommt aus Thailand oder aus Korea
ich weiß das wirklich nicht so ganz genau
hat Mandelaugen und ganz schwarze Haare
eine kleine ziemlich unscheinbare Frau
Sie lebt im dritten Stock in unsrem Mietshaus
ihr Mann ist Deutscher und Polier beim Bau
er ist ein Berg aus Muskeln, Fleisch und Stumpfsinn
und nicht sehr freundlich das weiß ich genau
Sie hat oft blaue Flecken und verweinte Augen
und wenn ich frag sagt sie dass es nichts sei
ich weiß so fängt es immer an
und dass man nicht viel machen kann
das alte Lied: Von einem Schluchzen zu einem Schrei
Ich seh sie meistens nur beim Müll raus tragen
sie geht ansonsten kaum alleine aus
ich glaub ihr Mann hat ihr das verboten
und sicher weiß es jeder hier im Haus
Der alte Hanselmann vom gleichen Stockwerk
schwört Stein und Bein dass man sie oft verhaut
aber ihn ginge das ja nun wirklich nichts an
er drehe dann das Radio einfach laut
Sie hat oft blaue Flecken und verweinte Augen
und wenn ich frag sagt sie dass es nichts sei
ich weiß so fängt es immer an
und dass man nicht viel machen kann
das alte Lied: Von einem Schluchzen zu einem Schrei
Heute stand vor dem Haus ein Notarztwagen
und auf der Straße war die Polizei
ihr Mann sagte sie wäre nur gestolpert
das alte Lied: Von einem Schluchzen zu einem Schrei
Was immer dich durch die Nacht bringt
Ein Köter schleicht dem neuen Tag entgegen
die Sterne brennen Löcher in sein Fell
auf halben Weg sinkt er zum Sterben nieder
als er die Augen schließt wird’s endlich hell
Und unsre Schatten treffen sich aus Zufall
in dieser Nacht an eben jenem Ort
wir harren stumm der Dinge die geschehen
und alle Wirklichkeit treibt soweit fort
Was immer dich durch die Nacht bringt
dich wieder in die Spur zwingt
was dir hilft aufzustehn
und weiterzugehn
das will ich dir geben
mein Wort und mein Leben
was immer dich durch die Nacht bringt Baby
Der Asphalt wird niemals ein weiches Bett sein
und in der Dunkelheit ist es meist kalt
schau dir den Köter an um zu kapieren
wer schwach ist wird an diesem Ort nicht alt
Noch sind wir jung genug um zu verschwinden
noch muss das hier nicht unser Ende sein
wenn du mir deine Hand gibst und nicht loslässt
dann schwör ich dir: Die Angst holt uns nicht ein
Was immer dich durch die Nacht bringt
dich wieder in die Spur zwingt
was dir hilft aufzustehn
und weiterzugehn
das will ich dir geben
mein Wort und mein Leben
was immer dich durch die Nacht bringt Baby
Vertrau mir und lass uns zusammen fliehen
wir kommen weiter als das arme Tier
es war allein – vielleicht gab das den Ausschlag
wir sind zu zweit und wir sterben nicht hier
Tee mit Tanja in Tibet
Ich ess Sushi mit Sarah am Sonntag
und spiel Halma mit Hilde aus Herne
kauf Kartoffeln mit Katrin bei Karstadt
und mag Gerda aus Gera ganz gerne
Ich knutsch Kerstin Karfreitag im Kino
flipp mit Frieda ganz fröhlich im Flieder
rodel mit Rita auf rostigen Rutschen
und Wilhelmine will ich auch gerne wieder
Es gibt mehr Frauen als Sand am Meer
da fällt die Auswahl mitunter recht schwer
ich will es vermeiden
mich zu entscheiden
doch eine gibt`s bei der ich gern immer wär
Tee mit Tanja in Tibet
nichts berührte mich tiefer
im Lotussitz
und die Nacht roch nach Kiefer
im Himalaya
mit nur einem Pyjama
hat sie mich erleuchtet
wie der Dalai Lama
Ich mag Monis Massagen am Morgen
und schwimm im Sommer mit Sonja im See
im Frühling fang ich Falter mit Flora
samstags sitz ich mit Susi im Separee
Montags bin ich meist bei Mutti
sie spült und sie putzt und sie kocht
wenn ich ihr von den Frauen erzähle
sagt sie: „Du hast ja einen am Docht“
Es gibt mehr Frauen als Sand am Meer
da fällt die Auswahl mitunter recht schwer
ich will es vermeiden
mich zu entscheiden
doch eine gibt`s bei der ich gern immer wär
Tee mit Tanja in Tibet
nichts berührte mich tiefer
im Lotussitz
und die Nacht roch nach Kiefer
im Himalaya
mit nur einem Pyjama
hat sie mich erleuchtet
wie der Dalai Lama
Ich ließ alle Frauen der Welt für sie stehen
um barfuß mit ihr durch den Schneesturm zu gehen
wo auch immer ich bin – was auch immer ich seh
ich denk immer nur an Tanja und Tee
Fortsetzung folgt
Vor dem Grand Hotel zu später Stunde
saß ein Köter und der Köter schiss
in der Lobby machte dies die Runde
doch Herr P. raunte: „Gewiss, gewiss“
Zum Erschrecken der piekfeinen Diven
von denen schon manche eingedöst
jonglierte er zunächst mit drei Oliven
und hat sich danach völlig entblößt
Jene die nicht gleich in Ohnmacht sanken
riefen lautstark nach der Polizei
ich jedoch beschloss Herrn P. zu danken
ohne ihn wär dies Gedicht sonst schon vorbei
Der Clown
Es duftet nach Zimt in der Manege
und der Mond fällt silbern ins Zelt
zwei Tage noch bis zur Premiere
ob es dem Publikum wohl gefällt?
Es ist spät doch alle sind noch am proben
nur die dicke Bertha hat keiner gesehn
ihre Tanzbären tapsen nervös durch das Rund
sie spüren es ist etwas Schlimmes geschehn
Die bengalischen Tiger sind äußerst träge
und der Grund liegt auf der Hand
sie verspeisten die arme Bertha zu Abend
das war zwar bekömmlich doch nicht sehr galant
Sie liegt den Tieren gar schwer im Magen
doch die können gar nichts dafür
und im Raum schwebt die bedrohliche Frage
wer verdammt öffnete die Käfigtür?
Der Messerwerfer hat gar nichts gesehen
könnte nur was vermuten – bestenfalls
doch er hat augenblicklich ganz andere Sorgen
nämlich sein eigenes Messer im Hals
Der Zirkusdirektor wär äußerst verdächtig
schließlich zahlt die Versicherung gut
doch dieser Vorwurf ist nicht lange haltbar
denn man findet ihn in einer Lache Blut
Die Wahrsagerin holt die gläserne Kugel
und verzweifelt reibt sie das Teil
derweil stirbt der Kraftprotz an einer Vergiftung
und der fliegende Freddy stürzt schreiend vom Seil
Die Schlangenfrau wurde inzwischen erwürgt
mit einem Schal aus indischer Seide
und der Jongleur jongliert wohl im Jenseits
hier findet man nur seine Eingeweide
Es brennen die Wagen- es flüchten die Tiere
der Hauptmast stürzt krachend ein
und der vorletzte Lebende kommt zu der Erkenntnis:
„Ich war es nicht – der Clown muß es sein“
Da trifft ihn ein Schuss genau in die Schläfe
jawohl er hatte richtig gedacht
und der Clown trottet vergnügt von dannen:
„Selten so gelacht“
Es war der Clown – es war der Clown
niemals darfst du dem Clown vertraun
Es war der Clown – es war der Clown
niemals darf man dem Clown vertraun
Rand der Welt
Du hast zu früh dein Wort
einem anderen gegeben
und nun spürst du dass es nicht mehr reicht
schon gar nicht für ein Leben
doch da sind die Kinder
Freunde und die Hypothek
aber sag mir was du siehst
wenn ich die Hand auf deine Augen leg
Ist es Schnee, Schnee, Schnee
so wie in jenem Winter
als wir beide fast noch Kinder
durch die weißen Felder rannten?
Tut es weh, weh, weh
sich daran zu erinnern
wie heiß die Sehnsucht war
an der wir uns verbrannten?
Du stehst am Rand der Welt – es geht nicht weiter
An welchen Lügen hältst du dich jetzt fest?
Machten die Jahre dich denn nicht gescheiter?
Komm ich fang dich auf wenn du dich fallen lässt
Du hast zu lang die Route
andre für dich planen lassen
selbst der allerletzte Strohhalm
ist nicht mehr so leicht zu fassen
denn du drehst dich um dich selbst
auf der Suche nach dem Weg
aber sag mir was du siehst
wenn ich die Hand auf deine Augen leg
Ist es Licht, Licht, Licht
so wie aus tausend Sonnen
hat dein Herz nicht schon begonnen
einen neuen Pfad zu gehn?
Ist es nicht, nicht, nicht
die Antwort auf die Frage
wo wir beide heut
nach all den Jahren stehn?
Du stehst am Rand der Welt – es geht nicht weiter
An welchen Lügen hältst du dich jetzt fest?
Machten die Jahre dich denn nicht gescheiter?
Komm ich fang dich auf wenn du dich fallen lässt
Wer will solche Dinge wirklich wissen ?
Steht mein Foto noch auf deinem Schreibtisch?
Oder hast du es vor Wut zerrissen?
Wenn ich wieder zu dir komme - bleib ich?
Wer will solche Dinge wirklich wissen ?
Macht mein Flüstern dich erneut verlegen?
Wirst du wohl die weiße Fahne hissen?
Kann mein Lächeln noch dein Herz bewegen?
Wer will solche Dinge wirklich wissen?
Fällt noch immer Mondlicht in dein Zimmer?
Spricht dein Körper zu mir vom Vermissen?
Wird es mit uns besser oder schlimmer?
Wer will solche Dinge wirklich wissen?
Neulich bei Familie Spatz
Vor meinem Fenster in einem Apfelbaum
wohnt Familie Spatz schon seit Jahren und stört mich kaum
da herrscht so ein emsiges, eifriges Treiben
da muss man einfach mal stehen bleiben
und genießen wie die Kinder das Fliegen lernen
oder Vater Spatz betrachten beim Apfelentkernen
Jedoch scheint seit circa zwei Wochen
die Leidenschaft dort überzukochen
ich wollte nicht lauschen, es geht mich nichts an
doch was soll man tun wenn man‘s nicht überhören kann
Neulich bei Familie Spatz
gab es mächtigen Rabatz
denn Frau Spatz war in einen Specht verschossen
und hat die Affäre herzhaft genossen
doch ihr Alter fragte völlig belämmert:
Wirst du wirklich vom Specht gehämmert?
Die tratschenden Drosseln von nebenan
flogen sofort sensationsgeil heran
und verrieten Herrn Spatz: „Wir haben‘s gesehn
ihre Frau ließ sich den Kopf verdrehn
kaum warn Sie fort putzte sie ihr Gefieder
und Herr Specht ließ sich bei ihr nieder“
Und von gegenüber rief ein bunter Fink:
„Mann, Herr Spatz, doch das ist wirklich ein Ding
ich kann bestätigen er klopft nicht schlecht
der nimmersatte scharfe Herr Specht“
Neulich bei Familie Spatz
gab es mächtigen Rabatz
denn Frau Spatz war in einen Specht verschossen
und hat die Affäre herzhaft genossen
ihr Alter fragte völlig belämmert:
Wirst du wirklich vom Specht gehämmert?
Zum Glück hat sich Frau Spatz dann besonnen
und keinen weiteren Seitensprung unternommen
und Herr Specht hämmert auf seine Weise
gar nicht leise seitdem Frau Meise
Lippenstiftmond
Am Hafen gestrandet in einer Julinacht
zwischen Avocados und spanischen Rosen
der Wind trug das Lachen der Mädchen herüber
und den Gesang der Matrosen
Es roch nach See und nach warmer Erde
nach Sommer und nach billigem Wein
und ich hatte nichts besseres vor
als einfach nur gegenwärtig zu sein
Der Lippenstiftmond fiel aus allen Wolken
und malte ein heimliches Bild in den Sand
das niemand außer den Liebenden sah
bevor es in den Fluten verschwand
Nun trägt es das Meer im Wellenspiel fort
den fernen Küsten entgegen
und ich – ich hatte nichts besseres vor
als mich und die Welt zu erleben
Bald kommt die Dämmerung, dann kommt der Tag
dann kommt der Herbst und der Regen
und ich werde weiterhin nichts weiter tun
nichts weiter tun als zu leben
Diskriminierter Raucher im Restaurant
Der Gast sprach zum Ober:
Ich hätte
jetzt gern eine fette Boulette
und mir wär wohl
gäbe es dazu Kohl
und zum Nachtisch eine Zigarette
Der Ober sprach sehr gefasst
mit ruhiger Stimme zum Gast:
Mein Herr
ich glaube ich hätte
für Sie noch ne fette Boulette
und ich hätte auch wohl
dazu sicher Kohl
darauf halt ich jede Wette
Doch ich sag es Ihnen frei ins Gesicht:
Rauchen mein Herr dürfen Sie hier drin nicht
darum wird es nichts mit der Zigarette
Der Gast sprach zum Ober:
Ich finde
dass ich dann wohl besser verschwinde
Leben Sie wohl
schieben Sie sich ihren Kohl
doch rückwärts in Ihr Gewinde
Und sollten Sie das nicht schaffen
kommen Sie raus zu mir – eine paffen
Reisebericht, 1978
Ist London weit genug sich abzunabeln?
Na ja, man wird es wohl in Kürze sehn
In Heathrow denke ich noch in Vokabeln
Und: Im Regen könnt ich auch zuhause stehn
Im Linksverkehr werd ich fast überfahren
die Pubs schließen schon weit vor Mitternacht
Ich habe mir mit meinen sechzehn Jahren
von dieser Stadt ein andres Bild gemacht
Mit Fish & Chips kann man zwar überleben
nur der verdammte Tee macht mich verrückt
und am Trafalgar Square beschloss ich eben:
Betrachten wir den Plan mal als geglückt
London war weit genug sich abzunabeln
ich konnte dort auf eignen Füßen stehn
In Gatwick denk ich nicht mehr in Vokabeln
und sag „Goodbye“ und nicht „Auf Wiedersehn“
Hinter jeder Liebe
Hinter jeder Liebe steht ein Warten
hinter jedem Warten steht der Tod
ich wünschte mein Herz wäre ein Garten
und von solchem Unheil nicht bedroht
Leicht wär es der Liebe dann zu harren
ob sie mich nun findet oder nicht
und bis sie mich irgendwann verscharren
lebte ich mit Frohsinn, nicht aus Pflicht
Jim Beam und Johnny Walker
Jim Beam und Johnny Walker das waren noch echte Männer
die ritten aufrecht in den Sonnenuntergang
ich kam nicht hinterher mit meinem alten Fahrrad
und sah die zwei nie wieder – Gott sei Dank
Jim Beam und Johnny Walker haben mir viel bedeutet
sie kannten die Lösung für jedes Problem
es ist schon gut wenn man so treue Freunde hat
so einfach, so berauschend, so bequem
Jim Beam und Johnny Walker die wußten echt Bescheid
denen konnte man nicht dämlich kommen
nicht Warmduscher, nicht Sitzpinkler
sie haben ihr Image wirklich ernst genommen
Jim Beam und Johnny Walker das waren dufte Kumpel
was haben wir in dieser Zeit gelacht
mir hat jemand erzählt, der sie kürzlich traf
dass ihnen die Leber etwas Probleme macht
Jim Beam und Johnny Walker ich habe euch geliebt
für alles das was ihr mir einmal gabt
und heute lieb ich euch noch um so vieles mehr
weil ihr mich rechtzeitig verlassen habt
Der alte Lotse
Der schwere Schoner quer im Wind
getrieben von den Wellen
ein Spielball nur von Neptuns Macht
bald droht er zu zerschellen
an Klippen scharf wie Haifischs Zahn
dem Steuermann verborgen
im Nebelgrau – im wilden Sturm
an jenem Wintermorgen
Im Hafen hilflos klagt das Volk
die Glocken warnend klingen
wenn nicht ein Wunder bald geschieht
kann niemand Rettung bringen
Der alte Lotse eilt zum Boot
und hört nicht auf die Leute:
„Zu wild die See – zu arg der Sturm
Du Narr bleib drinnen heute“
"Ein Schiff voll Seelen – noch so jung
da gibt's nichts zu bedenken
wenn ich sie noch erretten kann
will ich mein Leben schenken"
So sprach der Lotse aus mit Grimm
sein Boot schon in den Wogen
den Kurs grad auf den Schoner hin
über die Gischt geflogen
Und durch das Sprachrohr drang sein Schrei
trotzte den Urgewalten:
„Klippen voraus – gebt auf euch acht
müsst euch nach backbord halten“
Ganz haarscharf nur am Tod vorbei
erreicht das Schiff den Hafen
und sogleich fragt der Steuermann:
„Wer ist es den wir trafen
welch tapfrem Manne gilt der Dank
wer hat uns dort gewunken?“
Da hört als Antwort er sodann":
„Der Lotse ist gesunken“
Ein Schiff voll Seelen – noch so jung
da gibt's nichts zu bedenken
wenn ich sie noch erretten kann
will ich mein Leben schenken"
Sie sagt
Sie sagt es wär schön könnten wir uns mal treffen
auf eine Pizza oder ein Bier
ich weiß nicht ob das eine gute Idee ist
doch ich nicke: Na wegen mir
Sie sagt sie sei eigentlich schüchtern
und nicht sofort mit jedem per Du
Sie sagt es sei schwierig Freunde zu finden
und ich frag verwundert: Wozu ?
Und würde sie sagen dass der Himmel aus Glas wär
mir fiele darauf auch nicht mehr ein
als mir zu wünschen dass wenn dem so wäre
ich nicht derjenige wäre mit dem ersten Stein
Sie sagt sie wolle gern mehr von mir wissen
was ich so mache und wer ich so sei
ich borg mir den Lebenslauf eines andern
das ist bequemer und ich find nichts dabei
Sie sagt sie würde gern mit mir schlafen
wenn ich von ihr bloß nichts falsches dächte
wie könnte ich das – ich denk schon lang an was andres
doch ich sag nur: Ich denk nicht schlechtes
Und würde sie sagen dass sie mich liebe
dass sie mich begehre und dass sie mich brauch
ich würde nur stumm zu allem nicken
und sie würde denken das hieße: Ich auch