Schwerer Wind

 

Der Weg das Ziel – das Leben eine Prüfung

ich hab mir darauf keinen Reim gemacht

Philosophie war keine meiner Schwächen

ich habe immer gradeaus gedacht

Hielt Yin und Yang für ein paar Pandabären

hatte niemals ein innres Gleichgewicht

den Krug zu leeren schien mir sichrer

als abzuwarten bis er einmal bricht

 

Dies Haus ist keine Heimat – keine Insel

der Sturm dort draußen drängt zur Tür herein

wie ein Vertreter will er ungebeten

ein Teil der dunklen Tage für uns sein

 

Es geht ein schwerer Wind

trägt lange Schatten

wir hatten keine Ahnung – waren blind

wie schnell wir an der Wahrheit doch ermatten

wie biegsam und zerbrechlich wir schon sind

 

Die Büchse der Pandora voll Ravioli

Canossa nur zwei Schritte übern Flur

die innre Stärke auf die du so stolz warst

war weiter nichts als meine Feigheit nur

Steh ich am Fenster schließe ich die Augen

nur so genieße ich die freie Sicht

du willst mir immer irgendwas erklären

doch grade das brauch ich nun wirklich nicht

 

Dies Haus ist ein Gefängnis – eine Anstalt

wir warten ewig schon auf den Befund

an uns verzweifeln lang schon alle Ärzte

das Leben schreibt uns niemals mehr gesund

 

Es geht ein schwerer Wind

trägt lange Schatten

wir hatten keine Ahnung – waren blind

wie schnell wir an der Wahrheit doch ermatten

wie biegsam und zerbrechlich wir schon sind

 

 

 

 

 Seerosenblätter

 

Wenn die Nacht kommt

mit ihren Komödien und Dramen

fragt sie Liebende

nicht nach ihren Namen

und sie will auch nicht wissen

ob du bereit bist

alles läuft aus dem Ruder

wenn ihre Zeit ist

 

Sie verwirrt die Sinne und die Gedanken

sie bringt dich ins Schleudern, ins Taumeln, ins Wanken

lass dich einfachen fallen

und gib dich ihr hin

Liebe braucht keine Regeln

und keinen Sinn

 

Seerosenblätter im Sommerwind

in traumhaften Zeiten

und endlosen Weiten

das ist es was wir für uns sind

 

Wenn die Nacht kommt

hüllt sich dich in ihre Gewänder

führt dich zu fremden Sternen

und in ferne Länder

und sie will auch nicht wissen

ob du bereit bist

alles läuft aus dem Ruder

wenn ihre Zeit ist

 

Sie verhext die Herzen und die Gefühle

und treibt mit dir ihre sinnlichen Spiele

lass dich einfach gehen

und sieh nicht weg

Liebe braucht keinen Vorwand

und keinen Zweck

 

Seerosenblätter im Sommerwind

in traumhaften Zeiten

und endlosen Weiten

das ist es was wir für uns sind

 

 

 

 

Maximal (Ein bescheuert minimales Abenteuer von Karl dem Aal)

 

Karl der Aal trieb eben mal

ab ins Meer – ihm wars egal

schließlich trug er Hut und Schal

und so leicht friert auch kein Aal

 

Vor dem Panamakanal

da traf Karl der Aal nen Wal

der kraulte ganz kolossal

durchs Wellental

 

Und so staunte Karl der Aal :

„Wal was bist du maximal“

doch der Wal knurrte nasal :

„Du kannst mich mal“

 

 

 

 

 Ich lieb dich so – ich sag es nicht

 

Wenn du mich ansiehst werd ich weich

dafür gibt es keinen Vergleich

dem Umstand wird kein Wort gerecht

es ist nur unbeschreiblich echt

 

was ich empfinde, was ich denk

so tief erfüllt doch ungelenk

seh ich dem Wunder ins Gesicht

begreifen aber kann ich`s nicht

 

Ich lieb dich so – ich sag es nicht

hab Angst daß sonst der Zauber bricht

sprech es nicht aus, seh dich nur an

mehr Glück als ich ertragen kann

 

Weil du mich liebst drum lebe ich

das klingt banal sogar für mich

ich fisch nach Worten ohne Netz

Liebe hält sich an kein Gesetz

 

Ich lieb dich so – ich sag es nicht

hab Angst daß sonst der Zauber bricht

sprech es nicht aus, seh dich nur an

mehr Glück als ich ertragen kann

 

 

 

 

 Nervöse Dompteuse

 

Eine nervöse Dompteuse

fühlte sich winzig klein

zwischen zehn Elefanten

und begann laut zu schrein

 

Wäre sie nicht rumgehampelt

wie ein albernes Suppenhuhn

hätte man sie nicht zertrampelt

schließlich wollte ihr niemand was tun

 

Elefanten sind friedlich

sofern man sie nicht erschreckt

und Dompteusen finden sie niedlich

das war Totschlag nur im Affekt

 

Der Schimpanse starrt nun betroffen

auf den blutigen Fleck

und sagt : „Ich möchte sehr hoffen

jemand wischt die Dompteuse bald weg

 

Denn das macht mir etwas Kummer

all dieses eklige Blut

versaut mir doch meine Nummer

fürs Geschäft ist das nicht gut

 

Selbst wenn ich stattdessen dort läge

und jetzt ebenso tot wär

muss ich zugeben ich erwäge

zu sagen es war doch Notwehr“

 

Eine nervöse Dompteuse

fühlte sich winzig klein

nun ist sie noch etwas kleiner

nur nervös muss sie jetzt nicht mehr sein

 

 

 

 

 Mein Schatten

 

Manchmal schleicht sich mein Schatten fort

grad wenn ich traurig bin

und sucht nach einem bessren Ort

zu dir zieht es ihn hin

 

Er hat den Mut den ich nicht hab

er liebt bedingungslos

und geh ich dir auch aus dem Weg

er kommt von dir nicht los

 

Mein Schatten kann was ich nicht kann

er tut was ich nicht tu

er wartet nicht auf irgendwann

er deckt schon heut dich zu

 

Manchmal stiehlt sich mein Schatten weg

grad wenn ich einsam bin

er fragt nicht lang nach Sinn und Zweck

zu dir zieht es ihn hin

 

Er hat den Mut den ich nicht hab

er will nur bei dir sein

von allem was mich hält und quält

kann er sich leicht befrein

 

Mein Schatten kann was ich nicht kann

er tut was ich nicht tu

er wartet nicht auf irgendwann

er deckt schon heut dich zu

 

Ich gestehe mir nur selten ein

wie nah du mir doch bist

ich seh stattdessen schweigend zu

wie mein Schatten deinen küsst

 

Mein Schatten kann was ich nicht kann

ohne dass er bereut

wartet er nicht auf irgendwann

nein, er liebt dich schon heut

 

 

 

 

 Es fürchten sich die Frommen

 

Es fürchten furchtbar sich die Frommen

denn schließlich bezweckt all ihr Gehabe

dass wir nur nicht dahinterkommen

es gibt ein Leben vor dem Grabe

 

 

 

 

 Das was nicht geschrieben steht

 

Das was nicht geschrieben steht

in all meinen Zeilen

was dir bleibt und nicht vergeht

denk es dir einstweilen

 

denn es wär, so glaub es mir

wenn es hier nun stünde

- was ich mir erträum von dir -

nur Sünde

 

 

 

 

 Der Posten

 

Der Posten macht große Ohren

und lauscht hinein in den Osten

er wirkt ein wenig verloren

auf seinem einsamen Posten

 

Er weiß er müsste schießen

und das wär rein beruflich gemeint

ohne es zu genießen

wenn da nun jemand erscheint

 

Niemand hat damit Probleme

niemand – ihn ausgenommen

er malt es sich aus – das Extreme

zum Glück ist es noch nie gekommen

 

Vom Wachturm lugt er in die Ferne

zwei Stunden dann kann er nach Haus

im Westen leuchten die gleichen Sterne

nur etwas freier sehen sie aus

 

 

 

 

 Das haben wir doch schon zu oft mitgemacht

 

Die Tür die ins Schloss fällt

und daß einer schreit

die Wut und die Tränen

und das „Tut mir leid“

Das Hoffen und Warten

das „Ich habe recht“

das bringt uns nicht weiter

man fühlt sich nur schlecht

 

Das haben wir doch schon zu oft mitgemacht

einer der leidet und einer der lacht

einer der bleibt und einer der geht

und am Ende weiß keiner wo er wirklich steht

 

Der quälende Vorwurf

der sinnlose Streit

die Leere danach

und die bittere Zeit

Das Suchen nach Stärke

der letzte Rest Mut

das kennen wir schon

und es tut uns nicht gut

 

Das haben wir doch schon zu oft mitgemacht

einer der leidet und einer der lacht

einer der bleibt und einer der geht

und am Ende weiß keiner wo er wirklich steht

 

Das haben wir doch schon zu oft mitgemacht

und erst viel zu spät haben wir nachgedacht

nun wissen wir nicht mehr wohin wir gehören

und sind weiter dabei uns selbst zu zerstören

 

 

 

 

 Nun also steh ich im Leben

 

Nun also steh ich beinah im Leben.

Und das beginnt mich zu triezen.

Auf die Jugend kann ich nichts mehr geben.

Bald werd ich mich selber siezen.

 

 

 

 

 Frühling

 

Ach schau mein Kind wie bunt der Frühling

und seine Hand streicht Dir durchs Haar

du gehst mit ihm doch er kann nie sein

was ich die Jahre für dich war

 

Mein Strauß ein Reigen sanfter Wünsche

möge dir blühen ewig Glück

mein Weinen heut - nimm du es lachend

die Zeit gibt nie etwas zurück

 

Der Ring mag sein dir ein Versprechen

doch ganz egal was du auch schwörst

vergiss es nie was ich dich lehrte :

Dass du allein dir selbst gehörst

                              

                        Für meine Tochter Melanie

 

 

 

 

 Herbst meines Lebens

 

Nebelschweigen legt sich über die verblühten Felder

ringt in trauter Zwietracht mit dem Morgenrot

der erste Hauch des Winters kriecht durch kahle Wälder

bringt die lange Stille vor dem Tod

 

Schmetterlinge fügen sich allmählich dem Erfrieren

Flüsse streiten nicht mehr mit dem Land

Lilien sind zu schwach den Straßenrand zu zieren

Tau von welken Blüten sickert in den Sand

 

Im Herbst meines Lebens gehen mir die Worte aus

ich irre wie ein Blinder durch ein großes leeres Haus

das allein aus Gedanken und Erinnerung besteht

und nur darauf wartet dass man geht

 

In den weiten Ebenen erstarren schon die Linden

harscher Wind beraubt sie und verweht ihr Laub

schon lässt sich das Licht des Sommers nicht mehr finden

und die kargen Beete sind vom Hagel taub

 

Die Landschaft verliert die Schönheit ihrer Farben

alles zerfließt und formt ein tristes Bild

am Ende bleiben nur die Schatten und die Narben

ein vergessenes Versprechen das längst nicht mehr gilt

 

Im Herbst meines Lebens gehen mir die Worte aus

ich irre wie ein Blinder durch ein großes leeres Haus

das allein aus Gedanken und Erinnerung besteht

und nur darauf wartet dass man geht

 

 

 

 

 Die Tage geben nichts mehr her

 

Die Tage geben nichts mehr her

das ganze Jahr ist Winter

man fürchtet sich und leidet sehr

und sucht den Sinn dahinter

 

Man geht nicht gerne aus dem Haus

man bleibt nicht gern im Zimmer

man kennt sich, doch kennt sich nicht aus

und es wird immer schlimmer

 

Die Tage geben nichts mehr her

und auch die Nächte nicht

man ist nur noch beständig leer

und glaubt dass man zerbricht

 

Man fühlt sich alt, man ist so müd

man lässt sich einfach treiben

man spürt wie man langsam verglüht

und hasst es wach zu bleiben

 

Die Tage geben nichts mehr her

sie kommen und sie gehen

sie zu ertragen fällt so schwer

mehr noch sie zu verstehen

 

Man pfeift auf jeden guten Rat

man mag sich nicht mal regen

man scheut das Wort und auch die Tat

will sich zum Sterben legen

 

Auch ich gebe längst nichts mehr her

man mag es mir vergeben

ich wünschte dass es anders wär

ich würd gern wieder leben

 

 

 

 

 Flaches Land

 

Das Land hier ist flacher als die Lieder im Radio

ich seh den Windrädern zu und fahre im Kreis

der Kuss einer Wölfin erweckt mich am Abend

der Tank ist leer und auf den Scheiben ist Eis

Verlorene Kinder tanzen ums Feuer

der letzte Laib Brot schmeckt nach frischem Mohn

ich folge den Blinden hinunter zum Ufer

ich bin ein Sinnbild meiner Generation

 

Der Tag weiß mit sich nicht viel anzufangen

die Städte sind kalt, die Straßen sind leer

eine trostlose Landschaft vernarbt nach zwei Kriegen

und blutige Flüsse fließen ins Meer

 

Flaches Land – so öd und eben

unstetes gebeugtes Leben

wer von hier nicht fliehen kann

der passt sich der Landschaft an

 

Die Menschen sprechen eine mir fremde Sprache

ich verstehe die Worte doch nicht deren Sinn

muss ich sein wie sie nur weil sie mich kennen

bin ich verflucht nur weil ich hier geboren bin

Ich singe die Lieder der schönen Zigeuner

tanze ihre Tänze, trinke ihren Wein

sie teilen ihr Wissen und ihre Liebe

ich würde so gern so rein wie sie sein

 

Die Nacht hält uns zu kurz nur gefangen

die Wagen fahren fort, die Wege sind breit

eine traurige Landschaft geprägt vom Vergessen

und ich finde nichts hier als verlorene Zeit

 

Flaches Land – so öd und eben

unstetes gebeugtes Leben

wer von hier nicht fliehen kann

der passt sich der Landschaft an

 

 

 

 

 Die mit dem Herzen denken

 

Endlich losgelöst von allem

was dich stets in Ketten hielt

frei zu steigen und zu fallen

wo man lebt und wo man fühlt

entdeckst du nach all den Jahren

was du lange schon vermisst

lässt die Welt zum Teufel fahren

nun wo du dir kostbar bist

 

Lässt die falschen Freunde gehen

besinnst dich der Wichtigkeit

deines eigenen Verstehens

und Vertrauen macht sich breit

in die neu entdeckten Schwingen

den ureigenen Instinkt

egal wohin sie dich bringen

du weißt dass dir die Freiheit winkt

 

Keine vorbestimmten Bahnen

kein verplanter Tageslauf

keine Regeln die dich mahnen

wenn du fällst dann stehst du auf

Hast das Leben angenommen

statt es sinnlos zu verschenken

bist bei denen angekommen

die mit dem Herzen denken

 

 

 

 

 Dein Akrobat

 

Das Leben mit dir folgte nur einem Gesetz:

Immer höher hinauf und ganz ohne Netz

ich hab die schwarzen Wolken mir rosa geträumt

und den Dreck hinter dir aufgeräumt

 

Du bist schonungslos über Leichen gegangen

mein Herz war zu lange von dir gefangen

in deinem Schatten blieb mir kein eigener Glanz

und ich brach mir die Beine bei deinem Tanz

 

Dein Akrobat ist nicht mehr schwindelfrei

er braucht festen Grund – es ist aus und vorbei

ich habe genug, ich kappe das Seil

greifst du auch lachend nach den Sternen derweil

 

Du warst von Anfang an meine Königin

und ich gab mich dir sogleich kampflos hin

ich hab dich behütet und ich hab dich bewacht

und mich dabei nur zum Narren gemacht

 

Du konntest dir meiner stets sicher sein

ich war zu schwach mich von dir zu befrein

es brach mir das Herz die Wahrheit zu sehn

doch jetzt lerne ich wieder aufrecht zu gehen

 

Dein Akrobat ist nicht mehr schwindelfrei

er braucht festen Grund – es ist aus und vorbei

ich habe genug, ich kappe das Seil

greifst du auch lachend nach den Sternen derweil

 

 

 

 

 Wie nah uns doch die Toten manchmal sind

 

Manchmal wenn mich der Straßenlärm stört

setz ich mich auf die Bank bei den Linden

wo man den Wind und die Spatzen nur hört

um Momente der Stille zu finden

 

Es ist nicht pietätlos, auch wenn’s manche sagen

sein Mittagsbrot auf den Friedhof zu tragen

um dort als Lebendiger mal zu ruhn

die Stille zu genießen und gar nichts zu tun

 

Mit geschlossenen Augen, lauschend dem Wind

stellt man fest wie nah uns die Toten manchmal sind

 

Man findet dort einen sehr eigenen Frieden

das klingt vielleicht ungewöhnlich

doch im Kreise all jener die schon verschieden

zeigt die Welt sich mild und versöhnlich

 

Mitunter mag es mir sogar scheinen

als läge ein Lächeln auf all den Steinen

wenn sie flüstern: „Verschling nicht dein Mittagsbrot

sonst verschluckst du dich und dann bist du tot“

 

Mit geschlossenen Augen, lauschend dem Wind

stellt man fest wie nah uns die Toten manchmal sind

 

 

 

 

 Sklave

 

Wo kamst du her du wilde Hexe?

WIs hast du bloß mit mir gemacht?

ich bin ein Sklave deiner Triebe

und diene dir in jeder Nacht

 

Ich trag dein Mal, ich trag dein Zeichen

ich komme nicht mehr von dir frei

dein Wahnsinn ist so süß und tödlich

und ich verbrenne fast dabei

 

Du saugst mich aus und lässt mich fallen

nährst dich an mir wie ein Vampir

wenn du jemals von mir genug hast

trag ich kein Leben mehr in mir

 

Ich bin ein Sklave ohne Ketten

nicht mehr zu retten

längst verloren

du warst von Anfang an mein Schicksal

denn ich bin nur für dich geboren

 

Was gibst du mir du wilde Hexe?

Nur Sehnsucht die mich süchtig macht

du bist die Herrin meiner Liebe

ich diene dir in jeder Nacht

 

Du bist mein Tod, du bist mein Leben

bist alles das was ich begehr

egal wie tief du mich verachtest

ich brauche diesen Schmerz so sehr

 

Du tust mir weh und lässt mich leiden

du weißt wie hart dein Zauber trifft

es gibt um mich von dir zu trennen

kein Mittel und kein Gegengift

 

Ich bin ein Sklave ohne Ketten

nicht mehr zu retten

längst verloren

du warst von Anfang an mein Schicksal

denn ich bin nur für dich geboren

 

 

 

 

 Vom Vergehen der Beliebtheit

 

Gestern sonnten sich vornehme Damen

die man sonst nur sieht mit Schirm

noch pudelwohl in meinem Namen

heut behandeln sie mich wie Gewürm

 

Gestern stritt man sich um meine Zeche

heute gibt man mir einen Tritt

gestern wollt man mir unter die Wäsche

heute ruft man „Igittigitt“

 

Gestern bat mich noch jeder zu Tische

heute wirft man mich allerorts raus

ich komm nicht einmal ohne Schliche

bei Abend in mein eigenes Haus

 

Der Ruhm ist ein fieser Geselle

eben stellt er sich mit dir noch gut

doch vergisst dich dann auf der Stelle

das nennt man wohl Wankelmut

 

 

 

 

 Die Trauerweide

 

Die Trauerweide darbt im eignen Schatten

vom Sturm gebeugt neigt sie sich in den Fluss

an ihren Wurzeln nagen schon die Ratten

sie weiß dass sie in Kürze sterben muss

 

Man wird um sie nicht wie um Menschen weinen

denn Menschen nahmen sie kaum richtig war

so selbstverständlich mag vieles erscheinen

und fehlt erst dann ist es mal nicht mehr da

 

Selten ruhte an ihrem Stamm ein Kinde

sich kurz von wilden Kinderspielen aus

man ritzte auch kein Herz in ihre Rinde

doch sie war vielen Käfern ein Zuhaus

 

In ihrer Krone bauten Vögel Nester

auf ihren Zweigen schliefen Falter ein

manch Jahr verstrich und sie vergaß das Gestern

im nächsten Frühling wird sie nicht mehr sein

 

 

 

 Mitteilung

 

Ich bin ein Deutscher, in Berlin geboren

mich lässt die Heimat nicht gehn

entweder geh ich mit ihr verloren

oder werd es mit ihr überstehn


 

   Anmerkung :

                                                                 Dies ist nicht gänzlich auf meinem Mist gewachsen,

                                          sondern eine Variation des Gedichtes

                                                      „Notwendige Antwort auf überflüssige Fragen“

            von Erich Kästner :

                                                         „Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen.

                               Mich lässt die Heimat nicht fort.

                                                                      Ich bin wie ein Baum, der - in Deutschland gewachsen -

                                                   wenn‘s sein muss, in Deutschland verdorrt.“

 

 

 Fußball, sagte er

 

Im Hotel zwei junge Menschen

ein gar wunderschönes Paar

hatten sich grade geliebt

und es war wirklich wunderbar

Doch als sie ihn fragte

woran er jetzt grade denkt

hat er ganz unbedarft

das Paradies verschenkt

 

„Fußball“ sagte er

ein Wort das jedes Glück zerstört

und ist es auch noch so ehrlich

einfach nicht ins Bett gehört

 

Muss man in solchen Momenten

nicht an etwas andres denken?

Ist man sonst nicht wie die Stürmer

die manch Chance leicht verschenken?

Warum hat man keinen Coach

der einen darauf trainiert

dass einem solch Missgeschick

einfach nicht passiert?

 

„Fußball“ sagte er

und ihre Liebe war dahin

oder anders ausgedrückt:

Der Ball war doch nicht drin

 

 

 

 So lang der Vorrat reicht

 

Ein Feiern ist’s, ein ungetrübter Jubel

allerorts bewundert man Monarchen gern

vereint sowohl im Stumpfsinn wie im Trubel

und Gaffer reisen an von nah und fern

 

Uniformierte spähen in die Menge

und Funkgeräte flüstern pausenlos

ein Schwitzen macht sich breit in dem Gedränge

der Himmel blau und die Erwartung groß

 

Das Volk ist überall genau das gleiche

beherrscht zu werden ist so herrlich leicht

und Herrscher gibt’s in jedem Reiche

noch mindestens so lang der Vorrat reicht

 

Die Kameras bereit der Zeit zu zeugen

Kinder flanieren blumig ausstaffiert

man übt den Blick zu senken, das Verbeugen

man hat so lang man atmen kann hofiert

 

Es naht der Tross der großen schwarzen Wagen

und aus dem Fenster winkt ein fetter Mann

mehr gibt’s von der Parade nicht zu sagen

man rollt die Fahnen ein und trollt sich dann

 

Das Volk ist überall genau das gleiche

beherrscht zu werden ist so herrlich leicht

und Herrscher gibt’s in jedem Reiche

noch mindestens so lang der Vorrat reicht

 

 

 

 

 Zwei Senegalesen

 

Zwei Senegalesen

mit fröhlichem Wesen

fragten einen Flegel:

„Wo bitte geht es nach Tegel?“

 

Der machte sich einen Witz

schickte sie nach Britz

da waren die Senegalesen

nicht mehr so fröhlich gewesen

 

 

 

 

 Von einem Schluchzen zu einem Schrei

 

Sie kommt aus Thailand oder aus Korea

ich weiß das wirklich nicht so ganz genau

hat Mandelaugen und ganz schwarze Haare

eine kleine ziemlich unscheinbare Frau

 

Sie lebt im dritten Stock in unsrem Mietshaus

ihr Mann ist Deutscher und Polier beim Bau

er ist ein Berg aus Muskeln, Fleisch und Stumpfsinn

und nicht sehr freundlich das weiß ich genau

 

Sie hat oft blaue Flecken und verweinte Augen

und wenn ich frag sagt sie dass es nichts sei

ich weiß so fängt es immer an

und dass man nicht viel machen kann

das alte Lied: Von einem Schluchzen zu einem Schrei

 

Ich seh sie meistens nur beim Müll raus tragen

sie geht ansonsten kaum alleine aus

ich glaub ihr Mann hat ihr das verboten

und sicher weiß es jeder hier im Haus

 

Der alte Hanselmann vom gleichen Stockwerk

schwört Stein und Bein dass man sie oft verhaut

aber ihn ginge das ja nun wirklich nichts an

er drehe dann das Radio einfach laut

 

Sie hat oft blaue Flecken und verweinte Augen

und wenn ich frag sagt sie dass es nichts sei

ich weiß so fängt es immer an

und dass man nicht viel machen kann

das alte Lied: Von einem Schluchzen zu einem Schrei

 

Heute stand vor dem Haus ein Notarztwagen

und auf der Straße war die Polizei

ihr Mann sagte sie wäre nur gestolpert

das alte Lied: Von einem Schluchzen zu einem Schrei

 

 

 

 

 Was immer dich durch die Nacht bringt

 

Ein Köter schleicht dem neuen Tag entgegen

die Sterne brennen Löcher in sein Fell

auf halben Weg sinkt er zum Sterben nieder

als er die Augen schließt wird’s endlich hell

Und unsre Schatten treffen sich aus Zufall

in dieser Nacht an eben jenem Ort

wir harren stumm der Dinge die geschehen

und alle Wirklichkeit treibt soweit fort

 

Was immer dich durch die Nacht bringt

dich wieder in die Spur zwingt

was dir hilft aufzustehn

und weiterzugehn

das will ich dir geben

mein Wort und mein Leben

was immer dich durch die Nacht bringt Baby

 

Der Asphalt wird niemals ein weiches Bett sein

und in der Dunkelheit ist es meist kalt

schau dir den Köter an um zu kapieren

wer schwach ist wird an diesem Ort nicht alt

Noch sind wir jung genug um zu verschwinden

noch muss das hier nicht unser Ende sein

wenn du mir deine Hand gibst und nicht loslässt

dann schwör ich dir: Die Angst holt uns nicht ein

 

Was immer dich durch die Nacht bringt

dich wieder in die Spur zwingt

was dir hilft aufzustehn

und weiterzugehn

das will ich dir geben

mein Wort und mein Leben

was immer dich durch die Nacht bringt Baby

 

Vertrau mir und lass uns zusammen fliehen

wir kommen weiter als das arme Tier

es war allein – vielleicht gab das den Ausschlag

wir sind zu zweit und wir sterben nicht hier

 

 

 

 

 Tee mit Tanja in Tibet

 

Ich ess Sushi mit Sarah am Sonntag

und spiel Halma mit Hilde aus Herne

kauf Kartoffeln mit Katrin bei Karstadt

und mag Gerda aus Gera ganz gerne

Ich knutsch Kerstin Karfreitag im Kino

flipp mit Frieda ganz fröhlich im Flieder

rodel mit Rita auf rostigen Rutschen

und Wilhelmine will ich auch gerne wieder

 

Es gibt mehr Frauen als Sand am Meer

da fällt die Auswahl mitunter recht schwer

ich will es vermeiden

mich zu entscheiden

doch eine gibt`s bei der ich gern immer wär

 

Tee mit Tanja in Tibet

nichts berührte mich tiefer

im Lotussitz

und die Nacht roch nach Kiefer

im Himalaya

mit nur einem Pyjama

hat sie mich erleuchtet

wie der Dalai Lama

 

Ich mag Monis Massagen am Morgen

und schwimm im Sommer mit Sonja im See

im Frühling fang ich Falter mit Flora

samstags sitz ich mit Susi im Separee

Montags bin ich meist bei Mutti

sie spült und sie putzt und sie kocht

wenn ich ihr von den Frauen erzähle

sagt sie: „Du hast ja einen am Docht“

 

Es gibt mehr Frauen als Sand am Meer

da fällt die Auswahl mitunter recht schwer

ich will es vermeiden

mich zu entscheiden

doch eine gibt`s bei der ich gern immer wär

 

Tee mit Tanja in Tibet

nichts berührte mich tiefer

im Lotussitz

und die Nacht roch nach Kiefer

im Himalaya

mit nur einem Pyjama

hat sie mich erleuchtet

wie der Dalai Lama

 

Ich ließ alle Frauen der Welt für sie stehen

um barfuß mit ihr durch den Schneesturm zu gehen

wo auch immer ich bin – was auch immer ich seh

ich denk immer nur an Tanja und Tee

 

 

 

 

 Fortsetzung folgt

 

Vor dem Grand Hotel zu später Stunde

saß ein Köter und der Köter schiss

in der Lobby machte dies die Runde

doch Herr P. raunte: „Gewiss, gewiss“

 

Zum Erschrecken der piekfeinen Diven

von denen schon manche eingedöst

jonglierte er zunächst mit drei Oliven

und hat sich danach völlig entblößt

 

Jene die nicht gleich in Ohnmacht sanken

riefen lautstark nach der Polizei

ich jedoch beschloss Herrn P. zu danken

ohne ihn wär dies Gedicht sonst schon vorbei

 

 

 

 

 Der Clown

 

Es duftet nach Zimt in der Manege

und der Mond fällt silbern ins Zelt

zwei Tage noch bis zur Premiere

ob es dem Publikum wohl gefällt?

Es ist spät doch alle sind noch am proben

nur die dicke Bertha hat keiner gesehn

ihre Tanzbären tapsen nervös durch das Rund

sie spüren es ist etwas Schlimmes geschehn

 

Die bengalischen Tiger sind äußerst träge

und der Grund liegt auf der Hand

sie verspeisten die arme Bertha zu Abend

das war zwar bekömmlich doch nicht sehr galant

Sie liegt den Tieren gar schwer im Magen

doch die können gar nichts dafür

und im Raum schwebt die bedrohliche Frage

wer verdammt öffnete die Käfigtür?

 

Der Messerwerfer hat gar nichts gesehen

könnte nur was vermuten – bestenfalls

doch er hat augenblicklich ganz andere Sorgen

nämlich sein eigenes Messer im Hals

Der Zirkusdirektor wär äußerst verdächtig

schließlich zahlt die Versicherung gut

doch dieser Vorwurf ist nicht lange haltbar

denn man findet ihn in einer Lache Blut

 

Die Wahrsagerin holt die gläserne Kugel

und verzweifelt reibt sie das Teil

derweil stirbt der Kraftprotz an einer Vergiftung

und der fliegende Freddy stürzt schreiend vom Seil

Die Schlangenfrau wurde inzwischen erwürgt

mit einem Schal aus indischer Seide

und der Jongleur jongliert wohl im Jenseits

hier findet man nur seine Eingeweide

 

Es brennen die Wagen- es flüchten die Tiere

der Hauptmast stürzt krachend ein

und der vorletzte Lebende kommt zu der Erkenntnis:

„Ich war es nicht – der Clown muß es sein“

Da trifft ihn ein Schuss genau in die Schläfe

jawohl er hatte richtig gedacht

und der Clown trottet vergnügt von dannen:

„Selten so gelacht“

 

Es war der Clown – es war der Clown

niemals darfst du dem Clown vertraun

 

Es war der Clown – es war der Clown

niemals darf man dem Clown vertraun

 

 

 

 

 Rand der Welt

 

Du hast zu früh dein Wort

einem anderen gegeben

und nun spürst du dass es nicht mehr reicht

schon gar nicht für ein Leben

doch da sind die Kinder

Freunde und die Hypothek

aber sag mir was du siehst

wenn ich die Hand auf deine Augen leg

 

Ist es Schnee, Schnee, Schnee

so wie in jenem Winter

als wir beide fast noch Kinder

durch die weißen Felder rannten?

Tut es weh, weh, weh

sich daran zu erinnern

wie heiß die Sehnsucht war

an der wir uns verbrannten?

 

Du stehst am Rand der Welt – es geht nicht weiter

An welchen Lügen hältst du dich jetzt fest?

Machten die Jahre dich denn nicht gescheiter?

Komm ich fang dich auf wenn du dich fallen lässt

 

Du hast zu lang die Route

andre für dich planen lassen

selbst der allerletzte Strohhalm

ist nicht mehr so leicht zu fassen

denn du drehst dich um dich selbst

auf der Suche nach dem Weg

aber sag mir was du siehst

wenn ich die Hand auf deine Augen leg

 

Ist es Licht, Licht, Licht

so wie aus tausend Sonnen

hat dein Herz nicht schon begonnen

einen neuen Pfad zu gehn?

Ist es nicht, nicht, nicht

die Antwort auf die Frage

wo wir beide heut

nach all den Jahren stehn?

 

Du stehst am Rand der Welt – es geht nicht weiter

An welchen Lügen hältst du dich jetzt fest?

Machten die Jahre dich denn nicht gescheiter?

Komm ich fang dich auf wenn du dich fallen lässt

 

 

 

 

Wer will solche Dinge wirklich wissen ?

 

Steht mein Foto noch auf deinem Schreibtisch?

Oder hast du es vor Wut zerrissen?

Wenn ich wieder zu dir komme - bleib ich?

Wer will solche Dinge wirklich wissen ?

 

Macht mein Flüstern dich erneut verlegen?

Wirst du wohl die weiße Fahne hissen?

Kann mein Lächeln noch dein Herz bewegen?

Wer will solche Dinge wirklich wissen?

 

Fällt noch immer Mondlicht in dein Zimmer?

Spricht dein Körper zu mir vom Vermissen?

Wird es mit uns besser oder schlimmer?

Wer will solche Dinge wirklich wissen?

 

 

 

 

 Neulich bei Familie Spatz

 

Vor meinem Fenster in einem Apfelbaum

wohnt Familie Spatz schon seit Jahren und stört mich kaum

da herrscht so ein emsiges, eifriges Treiben

da muss man einfach mal stehen bleiben

und genießen wie die Kinder das Fliegen lernen

oder Vater Spatz betrachten beim Apfelentkernen

 

Jedoch scheint seit circa zwei Wochen

die Leidenschaft dort überzukochen

ich wollte nicht lauschen, es geht mich nichts an

doch was soll man tun wenn man‘s nicht überhören kann

 

Neulich bei Familie Spatz

gab es mächtigen Rabatz

denn Frau Spatz war in einen Specht verschossen

und hat die Affäre herzhaft genossen

doch ihr Alter fragte völlig belämmert:

Wirst du wirklich vom Specht gehämmert?

 

Die tratschenden Drosseln von nebenan

flogen sofort sensationsgeil heran

und verrieten Herrn Spatz: „Wir haben‘s gesehn

ihre Frau ließ sich den Kopf verdrehn

kaum warn Sie fort putzte sie ihr Gefieder

und Herr Specht ließ sich bei ihr nieder“

 

Und von gegenüber rief ein bunter Fink:

„Mann, Herr Spatz, doch das ist wirklich ein Ding

ich kann bestätigen er klopft nicht schlecht

der nimmersatte scharfe Herr Specht“

 

Neulich bei Familie Spatz

gab es mächtigen Rabatz

denn Frau Spatz war in einen Specht verschossen

und hat die Affäre herzhaft genossen

ihr Alter fragte völlig belämmert:

Wirst du wirklich vom Specht gehämmert?

 

Zum Glück hat sich Frau Spatz dann besonnen

und keinen weiteren Seitensprung unternommen

und Herr Specht hämmert auf seine Weise

gar nicht leise seitdem Frau Meise

 

 

 

 

 Lippenstiftmond

 

Am Hafen gestrandet in einer Julinacht

zwischen Avocados und spanischen Rosen

der Wind trug das Lachen der Mädchen herüber

und den Gesang der Matrosen

 

Es roch nach See und nach warmer Erde

nach Sommer und nach billigem Wein

und ich hatte nichts besseres vor

als einfach nur gegenwärtig zu sein

 

Der Lippenstiftmond fiel aus allen Wolken

und malte ein heimliches Bild in den Sand

das niemand außer den Liebenden sah

bevor es in den Fluten verschwand

 

Nun trägt es das Meer im Wellenspiel fort

den fernen Küsten entgegen

und ich – ich hatte nichts besseres vor

als mich und die Welt zu erleben

 

Bald kommt die Dämmerung, dann kommt der Tag

dann kommt der Herbst und der Regen

und ich werde weiterhin nichts weiter tun

nichts weiter tun als zu leben

 

 

 

 

 Diskriminierter Raucher im Restaurant

 

Der Gast sprach zum Ober:

Ich hätte

jetzt gern eine fette Boulette

und mir wär wohl

gäbe es dazu Kohl

und zum Nachtisch eine Zigarette

 

Der Ober sprach sehr gefasst

mit ruhiger Stimme zum Gast:

Mein Herr

ich glaube ich hätte

für Sie noch ne fette Boulette

und ich hätte auch wohl

dazu sicher Kohl

darauf halt ich jede Wette

 

Doch ich sag es Ihnen frei ins Gesicht:

Rauchen mein Herr dürfen Sie hier drin nicht

darum wird es nichts mit der Zigarette

 

Der Gast sprach zum Ober:

Ich finde

dass ich dann wohl besser verschwinde

Leben Sie wohl

schieben Sie sich ihren Kohl

doch rückwärts in Ihr Gewinde

 

Und sollten Sie das nicht schaffen

kommen Sie raus zu mir – eine paffen

 

 

 

 

 Reisebericht, 1978

 

Ist London weit genug sich abzunabeln?

Na ja, man wird es wohl in Kürze sehn

In Heathrow denke ich noch in Vokabeln

Und: Im Regen könnt ich auch zuhause stehn

 

Im Linksverkehr werd ich fast überfahren

die Pubs schließen schon weit vor Mitternacht

Ich habe mir mit meinen sechzehn Jahren

von dieser Stadt ein andres Bild gemacht

 

Mit Fish & Chips kann man zwar überleben

nur der verdammte Tee macht mich verrückt

und am Trafalgar Square beschloss ich eben:

Betrachten wir den Plan mal als geglückt

 

London war weit genug sich abzunabeln

ich konnte dort auf eignen Füßen stehn

In Gatwick denk ich nicht mehr in Vokabeln

und sag „Goodbye“ und nicht „Auf Wiedersehn“

 

 

 

 

 Hinter jeder Liebe

 

Hinter jeder Liebe steht ein Warten

hinter jedem Warten steht der Tod

ich wünschte mein Herz wäre ein Garten

und von solchem Unheil nicht bedroht

 

Leicht wär es der Liebe dann zu harren

ob sie mich nun findet oder nicht

und bis sie mich irgendwann verscharren

lebte ich mit Frohsinn, nicht aus Pflicht

 

 

 

 

 Jim Beam und Johnny Walker

 

Jim Beam und Johnny Walker das waren noch echte Männer

die ritten aufrecht in den Sonnenuntergang

ich kam nicht hinterher mit meinem alten Fahrrad

und sah die zwei nie wieder – Gott sei Dank

 

Jim Beam und Johnny Walker haben mir viel bedeutet

sie kannten die Lösung für jedes Problem

es ist schon gut wenn man so treue Freunde hat

so einfach, so berauschend, so bequem

 

Jim Beam und Johnny Walker die wußten echt Bescheid

denen konnte man nicht dämlich kommen

nicht Warmduscher, nicht Sitzpinkler

sie haben ihr Image wirklich ernst genommen

 

Jim Beam und Johnny Walker das waren dufte Kumpel

was haben wir in dieser Zeit gelacht

mir hat jemand erzählt, der sie kürzlich traf

dass ihnen die Leber etwas Probleme macht

 

Jim Beam und Johnny Walker ich habe euch geliebt

für alles das was ihr mir einmal gabt

und heute lieb ich euch noch um so vieles mehr

weil ihr mich rechtzeitig verlassen habt

 

 

 

 

 Der alte Lotse

 

Der schwere Schoner quer im Wind

getrieben von den Wellen

ein Spielball nur von Neptuns Macht

bald droht er zu zerschellen

an Klippen scharf wie Haifischs Zahn

dem Steuermann verborgen

im Nebelgrau – im wilden Sturm

an jenem Wintermorgen

 

Im Hafen hilflos klagt das Volk

die Glocken warnend klingen

wenn nicht ein Wunder bald geschieht

kann niemand Rettung bringen

Der alte Lotse eilt zum Boot

und hört nicht auf die Leute:

„Zu wild die See – zu arg der Sturm

Du Narr bleib drinnen heute“

 

"Ein Schiff voll Seelen – noch so jung

da gibt's nichts zu bedenken

wenn ich sie noch erretten kann

will ich mein Leben schenken"

 

So sprach der Lotse aus mit Grimm

sein Boot schon in den Wogen

den Kurs grad auf den Schoner hin

über die Gischt geflogen

Und durch das Sprachrohr drang sein Schrei

trotzte den Urgewalten:

„Klippen voraus – gebt auf euch acht

müsst euch nach backbord halten“

 

Ganz haarscharf nur am Tod vorbei

erreicht das Schiff den Hafen

und sogleich fragt der Steuermann:

„Wer ist es den wir trafen

welch tapfrem Manne gilt der Dank

wer hat uns dort gewunken?“

Da hört als Antwort er sodann":

„Der Lotse ist gesunken“

 

Ein Schiff voll Seelen – noch so jung

da gibt's nichts zu bedenken

wenn ich sie noch erretten kann

will ich mein Leben schenken"

 

 

 

 

 Sie sagt

 

Sie sagt es wär schön könnten wir uns mal treffen

auf eine Pizza oder ein Bier

ich weiß nicht ob das eine gute Idee ist

doch ich nicke: Na wegen mir

 

Sie sagt sie sei eigentlich schüchtern

und nicht sofort mit jedem per Du

Sie sagt es sei schwierig Freunde zu finden

und ich frag verwundert: Wozu ?

 

Und würde sie sagen dass der Himmel aus Glas wär

mir fiele darauf auch nicht mehr ein

als mir zu wünschen dass wenn dem so wäre

ich nicht derjenige wäre mit dem ersten Stein

 

Sie sagt sie wolle gern mehr von mir wissen

was ich so mache und wer ich so sei

ich borg mir den Lebenslauf eines andern

das ist bequemer und ich find nichts dabei

 

Sie sagt sie würde gern mit mir schlafen

wenn ich von ihr bloß nichts falsches dächte

wie könnte ich das – ich denk schon lang an was andres

doch ich sag nur: Ich denk nicht schlechtes

 

Und würde sie sagen dass sie mich liebe

dass sie mich begehre und dass sie mich brauch

ich würde nur stumm zu allem nicken

und sie würde denken das hieße: Ich auch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

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