Die Sterne die du nicht fängst

 

Ich hab versucht darüber hinwegzusehn

wie nah wir uns inzwischen schon stehn

ich hab dich erstaunt, du hast mich berührt

und wir wissen genau wohin uns das führt

 

Du kommst mir zu nah

und ich sag dir ganz ehrlich

wenn du jetzt nicht aufhörst

dann wird es gefährlich

 

Ich weiß was du willst

und ich weiß was du denkst

doch das sind die Sterne die du nicht fängst

 

Wir haben es uns viel zu einfach gemacht

und über die Folgen nicht lang nachgedacht

nun stehst du vor mir und deine Hand

setzt meine Welt so unbeirrbar in Brand

 

Du bist mir zu nah

und gestehst dir nicht ein

alles was wir wollen

darf doch niemals sein

 

Ich weiß was du willst

und ich weiß was du denkst

doch das sind die Sterne die du nicht fängst

 

Ich weiß was du willst

und ich weiß was du denkst

doch das sind die Sterne die du nicht fängst

 

 

 

 

 Es schweigen alle Bäche

 

Es schweigen alle Bäche

es ruhen alle Seen

die Worte die ich spreche

werden im Wind verwehn

 

und treiben ein paar kleine

am Abend um dein Haus

dann weißt du es sind meine

such dir das Schönste aus

 

 

 

 

 Brotlos

 

Das Leben fordert ständig Referenzen

die Kunst indes sagt: „Werde was du bist“

Befolgt man dies mit allen Konsequenzen

kann’s sein dass man sehr schnell verhungert ist

 

Denn Kunst bleibt letzten Endes oftmals brotlos

sie nährt den Geist doch selten auch den Bauch

man denkt sich hungrig : „Wär ich nur die Not los

ich hatte doch fast alles was ich brauch“

 

Man wirft den ganzen Krempel in die Tonne

und geht stattdessen kleinlaut ins Büro

dort lacht dem Künstler zwar niemals die Sonne

sein Bauch jedoch ist endlich wieder froh

 

 

 

 

 Sturmrosen

 

Wie lieblich glänzt dein Angesicht

im allerersten Morgenlicht

wenn du den Weg zum Bahnhof gehst

und dort bei all den andren stehst

Und wieder mal sprichst du kein Wort

dann kommt der Zug und bringt dich fort

ich warte bis der Abend naht

und du zurückkehrst von der Fahrt

 

Dein scheues Herz kennt längst die Wahrheit

es brennt im Stillen für uns zwei

doch du verweigerst dich der Klarheit

senkst deinen Blick und gehst vorbei

 

Sturmrosen leg ich vor deine Tür

mein wildes Herz verlangt nach dir

noch tust du als ob du vergisst

dass auch deines längst in Aufruhr ist

Sturmrosen bring ich dir jede Nacht

wenn dann der Morgen neu erwacht

und du trittst in den Tag hinaus

findest du sie vor deinem Haus

 

So geht es nun seit einem Jahr

an jedem Morgen bin ich da

ich folge dir und seh dir an

was dein Mund mir noch nicht sagen kann

Egal was man auch von mir spricht

mit dieser Liebe spiel ich nicht

wie lange bleibst du noch so still

wo du doch weißt dass ich dich will

 

Dein scheues Herz kennt längst die Wahrheit

es brennt im Stillen für uns zwei

doch du verweigerst dich der Klarheit

senkst deinen Blick und gehst vorbei

 

Sturmrosen leg ich vor deine Tür

mein wildes Herz verlangt nach dir

noch tust du als ob du vergisst

dass auch deines längst in Aufruhr ist

Sturmrosen bring ich dir jede Nacht

wenn dann der Morgen neu erwacht

und du trittst in den Tag hinaus

findest du sie vor deinem Haus

 

 

 

 

 Januar-Gedanken

 

Der Welt dort draußen mangelt es an Farben

und der Kalender grüßt das neue Jahr

man reibt sich leicht die Augen und die Narben

das gab es nicht als man noch zwanzig war

 

Die Jugend trieb seitdem nur ins Vergessen

doch täuschte man sie vor und das recht fleißig

man war vom Leben regelrecht besessen

heut ist man fünfzig und wär gerne dreißig

 

Und vor dem Fenster tobt der harsche Winter

man möchte ums Verrecken nicht hinaus

man sucht nach einem Sinn und kommt dahinter:

Der Januar sah niemals anders aus

 

Mit zwanzig konnte einen das nicht schrecken

mit dreißig schien er auch nur halb so schwer

mit vierzig konnte man langsam entdecken :

Es gibt bald keine leichten Winter mehr

 

Mit fünfzig lässt der Januar dich leiden

der Frost kriecht langsam in die müden Glieder

ließe im Jahr ein Monat sich vermeiden:

Den Januar brauch ich wirklich nicht wieder

 

 

 

 

 Party bei Bonzens Junior

 

Die Eltern sind drei Wochen verreist

So kommen sie nicht in die Quere

Zwei Tage nur bis es sich beweist :

Dem Haus droht trotzdem keine Leere

 

Es nahen am Freitag die noblen Karossen

Wie schreibt man bloß Lamborghini ?

Man hat einander mit Schampus begossen

Und die Mädchen trugen Bikini

 

Musik viel lauter als Donnerhall

dröhnte durch die siebzehn Zimmer

man hörte sie innen gewiss überall

aber draußen war es noch schlimmer

 

Dort reckte und streckte und neckte man sich

am Pool und auf den Liegestühlen

man erschreckte, versteckte, entdeckte sich

ohne Angst sich dabei zu verkühlen

 

Es gäbe noch vieles genau zu beschreiben

was in- und außerhäusig geschah

man müsste dafür nur noch etwas bleiben

doch da man mich nicht einlud war ich gar nicht da

 

 

 

 

 Du musst dir das Leben nehmen

 

Manchmal fühlst du gar nichts

manchmal wiederum zu viel

und du fragst nach einem Weg

doch kennst nicht einmal das Ziel

 

Du suchst deine eigne Mitte

und treibst dabei an den Rand

und aus einem kleinen Funken

wird ganz schnell ein Flächenbrand

 

Du musst dir das Leben nehmen

(dafür muss man sich nicht schämen)

weil du irgendwann vergisst

dass es von Bedeutung ist

 

Du erflehst Erlösung

doch bleibst Sklave deiner Triebe

legst ein andres Herz in Ketten

und nennst das dann auch noch Liebe

 

Du stolperst durch all die Jahre

und spürst deine Zeit verbrennen

du weißt es gibt da ein Muster

doch du kannst es nicht erkennen

 

Du musst dir das Leben nehmen

(dafür muss man sich nicht schämen)

weil du irgendwann vergisst

dass es von Bedeutung ist

 

Du musst dir das Leben nehmen

nur dann ist es etwas wert

du musst dir das Leben nehmen

damit es dir endlich gehört

 

 

 

 

 Die Heide

 

Es liegt so still die Heide

im Mittagssonnenschein

und lädt den müden Wanderer

zum Verweilen ein

 

Es duftet nach Wacholder

und emsig blüht das Kraut

das Auge findet Frieden

ganz gleich wohin es schaut

 

Es wachsen wilde Beeren

es schwirrt und flirrt und singt

es ist die Geest die mühelos

das Herz in Einklang bringt

 

 

 

 

 Zum Gedenken an Biologielehrer Storch

 

Montagmorgen, erste Stunde

ein Gerücht machte die Runde

Es geht raus in die Natur

bis knapp gegen dreizehn Uhr

 

Schnell sagte man es den andern

Heute Jungs müssen wir wandern

So was gab es früher nie

schon gar nicht in Biologie

 

Doch da half auch kein Verstecken

unter Bänken und in Ecken

Lehrer Storch kannte die Knaben

die im Kopf nur Unfug haben

 

Also ging es in die Wälder

über Hügel, über Felder

beinah wie beim Militär

mancher atmete sehr schwer

 

Kilometer von zu Hause

ohne Schulbrot, ohne Pause

lernte man bis dreizehn Uhr

manch Geheimnis der Natur

 

Wenn wer klopft ist es der Specht

klopft er nicht dann ist es schlecht

und ein Reh trägt kein Geweih

nur der Hirsch hat eins dabei

 

Lehrer Storch, welch Pädagoge

mich durchfließt manch weiche Woge

wenn ich heute an ihn denk

Sein Unterricht war ein Geschenk

 

Dreizehn Uhr, Unterrichtsende

Lehrer Storch formte die Hände

und er sagte: „Leute hört

wie ein wilder Keiler röhrt“

 

Aus des Lehrers tiefster Seele

stieg der Schrei in seine Kehle

was die Klasse sehr genoss

bis ein Jäger ihn erschoss

 

 

 

 

 Lass mich sterben eh mein Sommer stirbt

 

Das letzte Sommerleuchten scheint vergangen

bald naht der Herbst und färbt die Blätter braun

ich bin nochmal durch die Alleen gegangen

um ihre reiche Farbenpracht zu schaun

 

Bald fegt der Wind die Hitze aus den Gassen

ich setze mich auf eine Bank im Park

die Farben trotzen nicht mehr dem Erblassen

die Sträucher krümmen sich und werden karg

 

So harre ich der Dinge die da kommen

und traure um die Schönheit die verdirbt

Herr, hast Du meinen letzten Wunsch vernommen?

Lass mich sterben eh mein Sommer stirbt

 

 

 

 

 Kleine Ewigkeiten

 

Wie jeden Tag ein halbes Leben zu spät

das Radio im Kopf viel zu laut aufgedreht

und ich jag der verlorenen Zeit hinterher

dabei fällt mir selbst das Atmen zu schwer

 

Ich will irgendwo hin und etwas erreichen

ich hasse es wie sehr sich die Tage doch gleichen

die Stimmen in mir sind niemals stumm

irgendwann bringt die Sehnsucht mich um

 

Ich erlebe das Leben als wär es nicht meines

vielleicht ist es in Wirklichkeit keines

vielleicht schweb ich nur im luftleeren Raum

in einem Universum aus Schaum

 

 

 

 

 Jetzt hast du endlich Zeit für dich

 

Sie standen da in einer langen Schlange

ein wenig kribbelte es schon im Bauch

ein wenig war dir vor der Zukunft bange

und Schokoladentörtchen gab es auch

 

Selbst der Direktor gab sich noch die Ehre

und tat als hätte er dich furchtbar lieb

- Dass ohne dich die Firma doch nichts wäre -

du fragst dich wer ihm solchen Blödsinn schrieb

 

Jetzt hast du endlich Zeit für dich

jetzt fängt das gute Leben an

da jubelt man, da freut man sich

was man jetzt alles machen kann

Jetzt hast du endlich Zeit für dich

nie mehr gehetzt, nie mehr geschlaucht

bequem die Füße unterm Tisch

jetzt wo dich kein Mensch mehr braucht

 

Nun hast du Zeit das Dach zu reparieren

die Schindeln liegen lange schon bereit

am besten gleich von Grund auf renovieren

du hast ja jetzt den Rest des Lebens Zeit

 

Der Buchclub schickt dir monatlich zwei Bücher

die packst du jetzt – nach Jahren – endlich aus

es wird auch Zeit für neue Küchentücher

es gibt so viel zu tun in deinem Haus

 

Jetzt hast du endlich Zeit für dich

jetzt fängt das gute Leben an

da jubelt man, da freut man sich

was man jetzt alles machen kann

Jetzt hast du endlich Zeit für dich

nie mehr gehetzt, nie mehr geschlaucht

bequem die Füße unterm Tisch

jetzt wo dich kein Mensch mehr braucht

 

Nach vierzig Jahren Schinderei und Plage

den ganzen Rest des Lebens endlich frei

Was fängst du an an deinem ersten Tage?

Du schaust in der Firma mal vorbei

 

 

 

 

 Und kommt nun jene stille Zeit

 

Der Vogel Jugend, sieh ihn an

er ließ sich bei uns nieder

jedoch er flog im letzten Mai

und kommt wohl niemals wieder

 

So werden unsre Augen müd

im Haar schon erstes Grau

doch seh ich dich wie damals noch

wenn ich nur mit dem Herzen schau

 

Und kommt nun jene stille Zeit

die uns langsam vergessen lässt

so halt ich doch dein Bild allzeit

in meiner tiefsten Seele fest

 

                  Für Regine

 

 

 

 

 Banshee

 

In die sternklare Nacht

zu deinem Haus

gleitet mein Blick

unheilbringend hinaus

Du hörst meinen Schrei

und verstehst was es heißt

doch willst nicht glauben

was du längst weißt

 

Es naht der Tod

dort wo ich geh

folge mir Kind

in die irische See

Ich geleite dich heim

du bist nicht allein

ich bin deine Banshee

ich werd bei dir sein

 

Du blickst auf das Moor

siehst mein schneeweißes Kleid

hab keine Angst

versteh es ist Zeit

Sieh nicht zurück

nimm meine Hand

ich führ dich hinunter

zum Strand

 

Es naht der Tod

dort wo ich geh

folge mir Kind

in die irische See

Ich geleite dich heim

du bist nicht allein

ich bin deine Banshee

ich werd bei dir sein

 

Es gibt keinen Aufschub

dir bleibt keine Frist

erkenne dein Schicksal

es ist wie es ist

 

Es naht der Tod

dort wo ich geh

folge mir Kind

in die irische See

Ich geleite dich heim

du bist nicht allein

ich bin deine Banshee

ich werd bei dir sein

 

 

 

 

 Obdachloser am Silvesterabend

 

Da schießen sie Raketen in die Sterne

Na klar, für solchen Unfug hat man Geld

Nur einen Bruchteil davon hätt ich gerne

Für einen Mantel der mich trocken hält

 

Auch einen Wein würde ich nicht verachten

Statt einer Gans da nähme ich auch Brot

Manchmal wenn die Raketen furchtbar krachten

hab ich gedacht : Schießt nicht die Sterne tot

 

In Kürze wird das neue Jahr beginnen

Ich weiß nicht was der ganze Trubel soll

Ich hab nichts zu verlieren, zu gewinnen

Mal ist die Flasche leer, mal ist sie voll

 

Da schießen sie Raketen in die Sterne

Und jeder hat ein fröhliches Gesicht

Man sieht den Krachern nach bis in die Ferne

Was näher liegt das sehn sie leider nicht

 

 

 

 

 Tadellos

 

Mal wieder große Pläne geschmiedet

am Stammtisch bis weit in die Nacht

mal wieder die halbe Welt befriedet

und den Rest dem Erdboden gleichgemacht

 

Natürlich nur wie immer verbal

und natürlich auch ohne Gewähr

mit der Hoffnung es könnte in der Zukunft einmal…

die guten Zeiten sind so lange her

 

Tadellos und ergraut in Würde

lernen die Greise den Nachwuchs an

die Vergangenheit ist eine schwere Bürde

doch man tut was man muss

man tut was man kann

 

Mal wieder die Grenzen aufs Neue vermessen

aus vollem Herzen mit Sturm und Drang

mannhaft sträubt man sich gegen das Vergessen

mit einem klaren und lauten Gesang

 

Natürlich wie immer nur in kleiner Runde

nach außen hin bewahrt man den Schein

kameradschaftlich träumen sie von der Stunde

wo sie Deutschland endlich vom Abschaum befrein

 

Tadellos und ergraut in Würde

lernen die Greise den Nachwuchs an

die Vergangenheit ist eine schwere Bürde

doch man tut was man muss

man tut was man kann

 

Wer immer wegsieht der macht sich schuldig

seid nicht blind, seid nicht taub

seid nicht länger geduldig

schreitet ein und stellt sie bloß

sie sind nicht tadellos

 

 

 

 

 Neulich am Teich im Stadtpark

 

Neulich am Teich im Stadtpark

da traf ich einen Schwan

der hing da auch nur rum

und hat nicht viel getan

 

Wir haben uns betrachtet

und dabei wohl gedacht

was macht man wenn der andre

jetzt irgendetwas macht

 

Ich mach nur selten etwas

auch nicht an diesem Tag

vielleicht dachte der Schwan

dass es am Wetter lag

 

Und wie wir da nichts taten

fühlten wir uns verbunden

und taten weiter nichts

für circa sieben Stunden

 

Dann wollt der Schwan ins Wasser

und ich wollte nach Haus

und als wir das dann taten

machte es uns nichts aus

 

 

 

 

 Was wir in andren sehen

 

Bewahre deinen Glauben dir

verliere nicht den Mute

fürwahr mein Freund ich sage dir

es existiert: Das Gute

 

Man muss es suchen, das ist klar

es zeigt sich nicht gleiche jedem

es ist nicht immer offenbar

und nicht herbeizureden

 

Doch wenn du es erst einmal siehst

ist es wie eine Blüte

und alles was du darin liest

erleichtert dein Gemüte

 

Und schließlich wirst du auch verstehen

im Grunde liegt’s an dir allein

denn das was wir in andren sehen

ist nur der eigne Widerschein

 

 

 

 

 Auf der Straße die du nicht gehst

 

Drei Kinder, kein Mann, immer müde

acht Stunden am Fließbrand pro Tag

kein Auto, kein Luxus, kein Urlaub

nur Sonntag ein paar Stunden im Park

Dabei warst du mal Hochschulprinzessin

und dir war etwas bessres bestimmt

es ist manchmal todtraurig

welchen Lauf unser Schicksal doch nimmt

 

Eine einzige falsche Entscheidung

und es ist für immer zu spät

jeder steht mal vor dieser Kreuzung

und muss wählen welchen Weg er dann geht

 

Sag mir wen du liebst

und zu welchem Gott du flehst

auf der Straße die du nicht gehst

Zeig mir wer du bist

und was möglich ist

wenn du zu dir selber stehst

auf der Straße die du nicht gehst

 

In der Chefetage ganz oben

so leicht kommt niemand dort hin

ein Konto auf den Kaimans

jeden Tag immenser Gewinn

Dabei wolltest du früher nur malen

und dir war etwas andres bestimmt

es ist manchmal ironisch

welchen Lauf unsrer Leben doch nimmt

 

Eine einzige falsche Entscheidung

und es ist für immer zu spät

jeder steht mal vor dieser Kreuzung

und muss wählen welchen Weg er dann geht

 

Sag mir wen du liebst

und zu welchem Gott du flehst

auf der Straße die du nicht gehst

Zeig mir wer du bist

und was möglich ist

wenn du zu dir selber stehst

auf der Straße die du nicht gehst

 

Vieles könnte möglich sein

doch nur du allein

würdest wissen ob du es verstehst

auf der Straße die du nicht gehst

 

 

 

 

 In Neuendorf zur Unzeit

 

Es gibt dort fünf sehr schöne Straßen

Man braucht davon auch nicht mehr

Man plant und baut dort in Maßen

Und verzichtet auf den Verkehr

 

Die Straßen führen im Kreise

Man kommt nicht hinein und hinaus

Es ist dort immer sehr leise

Man bleibt dort vornehmlich zuhaus

 

Es fehlt dort an Attraktionen

Es hält dort nicht einmal ein Zug

Doch man kann da sehr schön wohnen

Und denkt sich : Das ist schon genug

 

Man lebt dort ein sehr schlichtes Leben

Man ist fernab vom Geschehn

Es soll sogar Menschen dort geben

Ich hab da nie welche gesehn

 

 

 

 

 Prominenz

 

Man wundert sich bisweilen sehr

was man so in der Zeitung liest

versteht die Hälfte gar nicht mehr

was einem den Genuss vermiest

 

Man liest das Wörtchen „prominent“

und was die Prominenz so treibt

erstaunt dass man jene nicht kennt

über die jeder Schmierfink schreibt

 

Vielleicht liegt es ja auch am Alter

doch das gesteht man nicht so gern

man kennt Herrn Kästner und Fritz Walter

doch die sind längst nicht mehr modern

 

Bildung bedeutet heutzutage

nicht dass man reimt und Brüche trennt

sondern – so ungern ich das sage -

dass man Gina-Lisa Lohfink kennt

 

 

 

 

 Klatsch

 

Die Meißner hat mit dem Schobert

der Hansen hat mit der Specht

ich weiß es vertraulich von Robert

der ist blind, doch hört er nicht schlecht

 

Die Meier hat mit dem Krause

und das nicht nur bei Nacht

ihr Mann kommt erst Freitag nach Hause

haha, das hat sie gedacht

 

Schon Mittwoch kam er von Montage

da staunten die beiden nicht schlecht

Was tut man in so einer Lage ?

Man biegt sie sich halt zurecht

 

Nun ist man zu dritt fortan heiter

Sowas steht in der Bibel nicht drin

Ich denke da erst gar nicht weiter

Besser jemand geht da mal hin

 

Dies Haus soll ehrenwert bleiben

man schämt sich ja für solches Pack

Ich werd dem Vermieter mal schreiben

So von wegen : Gutem Geschmack

 

Nun Kind schlüpf in deine Kleider

sonst wirst du von den Eltern vermisst

ich vergesse manchmal doch leider

dass du grad erst fünfzehn bist

 

 

 

 

 Am Kanal

 

Am Kanal, sag ihr, kann sie mich finden

dort wo er beinah das Meer berührt

wenn die letzten Sonnenstrahlen schwinden

und kein Lotse dich nach Hause führt

 

Wo die schweren Kähne friedlich schlafen

nur ein weißer Schwan noch Kreise zieht

wo wir uns in unsrer Jugend trafen

und man heut nur noch Fabriken sieht

 

Am Kanal, sag ihr, soll sie mich suchen

wo die Kräne sich im Wind verdrehn

vor dem Deich gleich drüben bei den Buchen

wo manchmal noch Shetland-Ponys stehn

 

Wo die Jungen früher heimlich rauchten

und es penetrant nach Flieder stank

wo sie damals nach dem Jansen tauchten

als sein Boot bei schwerem Wetter sank

 

Am Kanal, sag ihr, werde ich warten

so wie früher in so manchem Jahr

nicht fern von dem alten Schrebergarten

der für uns ein stiller Himmel war

 

Sag ihr auch ich hätte mich verändert

vielleicht ist es ihr ja ganz egal

und sie kommt so lässig angeschlendert

wie vor dreißig Jahren, am Kanal

 

 

 

 

 Tausend traurige Trunkenbolde

 

Tausend traurige Trunkenbolde

tanzen tristen Twist

wenn du nicht bei mir bist

wenn du nicht bei mir bist

 

Tausend traurige Trunkenbolde

tanzen tristen Twist

ich aber kann nicht tanzen

deshalb schreib ich solchen Mist

 

 

 

 

 Als hätte es dich nie gegeben

 

Ich steh im kalten Regen

dreh mir eine Zigarette

ich such nicht nach der Zukunft

ich brauch nur eine Toilette

einen Kaffee und ein Frühstück

beim Warten auf den Bus

denn mir ist klar geworden

dass ich endlich gehen muss

 

Klammern tun nur Affen

und ein Affe bin ich nicht

ich mach nur manchmal ein ganz ähnliches

nämlich ein dämliches Gesicht

 

Und egal wie sehr es wehtut

da wartet noch ein Leben

und bald wird es so sein

als hätte es dich nie gegeben

 

Du stehst noch am Fenster

und du blickst mir hinterher

Abschiede kann man nicht üben

deshalb sind sie auch so schwer

Aber irgendwie geht’s weiter

irgendwo geht’s immer hin

und ich werd es überstehn

egal wie traurig ich grad bin

 

Klammern tun nur Affen

und ein Affe bin ich nicht

ich mach nur manchmal ein ganz ähnliches

nämlich ein dämliches Gesicht

 

Und egal wie sehr es wehtut

da wartet noch ein Leben

und bald wird es so sein

als hätte es dich nie gegeben

 

 

 

 

 Marie, auf dem Weg ins Kloster

 

Ach, was war sie ausgelassen

ein gar schönes, wildes Kind

durfte mich mit ihr befassen

und ihr Kleidchen flog im Wind

 

War zwar nur ein scheuer Knabe

nicht gewandt, nur ungelenk

doch sie hatte diese Gabe

und gab sie mir als Geschenk

 

Jahre sind seitdem vergangen

oft hab ich an sie gedacht

wie sie so ganz unbefangen

einen Mann aus mir gemacht

 

Heut hat man mir zugetragen

man hätte Marie gesehn

und man hörte sie wohl sagen

sie wolle ins Kloster gehn

 

So lief ich mit schnellem Schritte

quer durch unser Städtelein

und rief lauthals meine Bitte :

„Oh Marie, mein Gott, halt ein“

 

Sie drehte ihr süßes Köpfchen

sah mich an und grinste breit

(immer noch mit langen Zöpfchen) :

„Na, das wurde aber Zeit“

 

 

 

 

 Die Antwort

 

Die Gelehrten wälzen gerne

sich in wilden Hypothesen

befragen sogar die Sterne

nicht vertraut mit deren Wesen

 

Suchen mehr als sie je finden

wollen über Grenzen gehen

doch so sehr sie sich auch schinden

scheitern sie doch am Verstehen

 

So verschleudern sie ihr Leben

und verschwenden ihre Gaben

ohne jemals zuzugeben

dass sie längst die Antwort haben

 

Nicht im Reich der Wissenschaften

nicht im Kreis der Religion

in uns selber bleibt sie haften

und so war das immer schon

 

 

 

 

 Der geträumte Junge

 

Er saß den ganzen Tag in seinem Zimmer

Er hatte Angst und konnte nichts dafür

Die Nächte waren noch um vieles schlimmer

Er malte seinem Zimmer eine Tür

 

Durch die trat er ganz unverhofft ins Freie

Und dachte sich dann draußen eine Welt

Die Menschen standen dort in einer Reihe

Sie sprachen mit den Blumen auf dem Feld

 

Er suchte nach dem Mann der ihn erdachte

Und lief dabei ins Sonnenlicht hinein

Doch ganz egal was er dort sah und machte

Der geträumte Junge blieb ein Leben lang allein

 

 

 

 

 Überdauern heißt nicht überstehn

 

Mühsam quält die Nacht sich aus dem Mieder

schon versetzt der Tag ihr einen Tritt

und das graue Leben mahnt uns wieder

Müde und verkatert geht man mit

Statt Salons erwarten uns Fabriken

und das Leben wird zu leicht verschenkt

der Verstand fügt sich längst in Rubriken

schlummert friedlich aber sehr beengt

 

Viel zu kurz nur sind die bunten Fluchten

wo wir nicht in Warteschlangen stehn

sondern uns verliern in eignen Buchten

wo wir glücklich in Erfüllung gehn

Später zehren wir an kalten Tagen

von den Bildern die wir in uns sehn

manches lässt sich leichter zwar ertragen

doch überdauern heißt nicht überstehn

 

Aus Gewöhnung bleiben wir genügsam

reihen uns ganz brav in Reih und Glied

dabei ist das Schicksal äußerst fügsam

wenn man es auf seine Seite zieht

So jedoch bleibt es nur ein Versprechen

eine Handbreit weg und doch so weit

lockt es uns nun endlich auszubrechen

doch wir haben grade keine Zeit

 

Viel zu kurz nur sind die bunten Fluchten

wo wir nicht in Warteschlangen stehn

sondern uns verliern in eignen Buchten

wo wir glücklich in Erfüllung gehn

Später zehren wir an kalten Tagen

von den Bildern die wir in uns sehn

manches lässt sich leichter zwar ertragen

doch überdauern heißt nicht überstehn

 

 

 

 

 

 Über Gräben, über Gräber

 

Auf dem Bildschirm nacktes Grauen

welchen Sender wir auch schauen

Bilder die sich immer gleichen

Attentate, Blut und Leichen

Wir sehen es ständig brennen

an Orten die wir nicht kennen

zynisch spürt man die Gewöhnung

wartet nicht mehr auf Versöhnung

 

Doch ich weiß der Tag wird kommen

wo Nationen sich nicht teilen

wo die Waffen endlich schweigen

und die Wunden langsam heilen

 

Über Gräben, über Gräber

reichen Menschen sich die Hand

um gemeinsam zu begraben

was lang zwischen ihnen stand

Wenn die Menschlichkeit das Gut ist

das wir immerfort vererben

wird es nie mehr Gründe geben

für ein Vaterland zu sterben

 

Noch finden sie viele Gründe

falsche Götzen, fette Pfründe

um Gebote zu verbiegen

und sich weiter zu bekriegen

Kriegsgewinnler, Waffenhändler

füllen sich zu gern die Tasche

unsre Welt jedoch zerfällt

immer mehr zu Schutt und Asche

 

Doch ich weiß der Tag wird kommen

wo Nationen sich nicht teilen

wo die Waffen endlich schweigen

und die Wunden langsam heilen

 

Über Gräben, über Gräber

reichen Menschen sich die Hand

um gemeinsam zu begraben

was lang zwischen ihnen stand

Wenn die Menschlichkeit das Gut ist

das wir immerfort vererben

wird es nie mehr Gründe geben

für ein Vaterland zu sterben

 

Ich vertrau auf unsre Kinder

und ich kann sie vor mir sehen

wie sie zu der Einsicht kommen

aufeinander zu zugehen

Sie legen die Waffen nieder

über Gräber, über Gräben

begraben sie die alten Fehden

und entscheiden sich fürs Leben

 

 

 

 

 Ein Taxifahrer tötet das Weihnachtsfest

 

Da saß ich nun und chauffierte

die Leute von kreuz nach quer

und was ich partout nicht kapierte :

Das Trinkgeld wurde nicht mehr

 

Ich hatte mir durchaus Hoffnung gemacht

denn wenn nicht an Weihnacht wann dann

so fuhr ich durch die Heilige Nacht

na ja, der Nacht sah man das nicht an

 

Ich fuhr eine vollschlanke Mademoiselle

die triefte vor Eleganz

und fiepste ständig „So fahrn Sie doch schnell“

Frohe Weihnachten – du blöde Gans

 

Ich fuhr auch noch Pastor Krause

der nahm mich gestresst ins Gebet :

Keine Zeit, Sohn, für eine Pause

ich komm sonst zur Messe zu spät

 

Die Leute knausern und geizen

selbst jene die stinken vor Geld

Mann, ich hab eine Bude zu heizen

und ein Mädchen das mir gefällt

 

Woanders saßen die Kinder

mit glänzenden Augen vorm Baum

ich kutschierte derweil einen Inder

nur verstanden hab ich ihn kaum

 

Dann nahm mich ein schräger Kerl auf den Arm

- es gibt schon, weiß Gott, was für Pack -

er nuschelte : Mein Rentier ist lahm

Ich sprach : Geh mir nicht auf den Sack

 

So stolperte er schwer beladen von dannen

und ich sah ihm hinterher

er verschwand für immer hinter den Tannen

Weihnachten gibt es seitdem nicht mehr

 

 

 

 

 

 Es stellt sich eine Sehnsucht ein

 

Es stellt sich eine Sehnsucht ein

zaghaft und unerbeten

am Anfang hat es noch den Schein

als läg’s an den Tapeten

so dass man eifrig renoviert

und himmelblau die Decke streicht

bis man dann irgendwann kapiert

dass dies bei weitem noch nicht reicht

 

Es stellt sich eine Sehnsucht ein

ein Grund lässt sich nicht finden

und selbst nach ein paar Gläsern Wein

mag sie noch nicht verschwinden

Vielleicht tut eine Reise Not

man setzt sich in den nächsten Zug

und fährt entspannt ins Abendrot

doch ist auch das noch nicht genug

 

Es stellt sich eine Sehnsucht ein

und stellt sich ein aufs Bleiben

inzwischen ist sie nicht mehr klein

doch lässt sich nicht beschreiben

Sie schmerzt, sie bohrt, sie nagt, sie brennt

und sie lässt sich nicht heilen

und weil man das endlich erkennt

lässt man sie halt verweilen

 

 

 

 

 

 

 Auf der Nebenstrecke

 

Mein Freund hat es zu etwas gebracht

der kennt jetzt die ganz hohen Damen

der weiß wen man schmiert und was man so macht

und er trägt jetzt ein „von“ im Namen

 

Wenn wir uns mal treffen, weiht er mich ein:

„Alles hat seinen Preis

Die Hände dürfen schmutzig sein

nur die Weste bleibt tunlichst weiß“

 

Er sagt: „Das ist die Überholspur

du nimmst nur die Nebenstrecke

warum diese Ochsentour nur

das Glück lauert an jeder Ecke“

 

Er sagt: „Die Welt ist im Wandel

ich sprang früh genug auf den Zug

nach außen hin heißt es zwar Handel

doch ganz ehrlich, es ist Betrug

 

Aber das soll mich nicht kümmern

die Dritte Welt ist ganz weit

ob die da nun hungern und wimmern

na ja, manchmal tut es mir leid

 

Doch tanzte ich aus der Reihe

der Nächste spränge gleich ein

das Becken ist voller Haie

genau genommen bin ich ganz klein

 

Es ist auch nicht so richtig verboten

man könnte fast sagen: Legal

Ich träume nachts nicht von den Toten

ich hab im Grunde doch keine Wahl

 

Ich hab nun mal immense Kosten

drei Frauen, zwei Häuser, ein Boot

und bald einen ganz hohen Posten

mein Leben ist völlig im Lot“

 

Heut war in der Zeitung zu lesen :

Man brachte ihn um die Ecke

Ich bin nicht wirklich traurig gewesen

und bleib auf der Nebenstrecke

 

 

 

 

 Zeit der Raben

 

Im Dorfkrug tagt der Rat seit vielen Stunden

der Krieg ist da, schon zieht man Knaben ein

ein Ausweg wird schlussendlich doch gefunden

der Handel scheint von Vorteil wohl zu sein

Blut gegen Gold, die Werber ziehen weiter

kein Kind verliert sein Leben in der Schlacht

doch wie ein unsichtbarer Wegbegleiter

huscht schon ein dunkler Schatten durch die Nacht

 

Der Tod lässt sich nur ungerne betrügen

mit zwanzig steht das Dorf in seiner Schuld

doch das will ihm schon längst nicht mehr genügen

der Zins ist hoch und er voll Ungeduld

 

Das ist die Zeit der Raben und der Krähen

der grimme Schnitter schleicht nachts durch den Ort

gar grausig treibt er ein sein Lehen

am Morgen da sind alle Kinder fort

 

Und furchtbar ist am Tage dann die Trauer

als man begreift was man bei Nacht verlor

man dachte man wär klug, der Tod war schlauer

man folgt den Kinderspuren bis ins Moor

Dort enden sie und laut ist nun das Klagen

und es gibt manchen der auch heut noch schwört

dass er an ganz bestimmten Vollmondtagen

im Moor sowas wie Kinderlachen hört

 

Der Tod lässt sich nur ungerne betrügen

mit zwanzig stand das Dorf in seiner Schuld

doch das wollte ihm längst nicht mehr genügen

der Zins ist hoch und er voll Ungeduld

 

Das war die Zeit der Raben und der Krähen

der grimme Schnitter schlich nachts durch den Ort

gar grausig trieb er ein sein Lehen

am Morgen waren alle Kinder fort

 

 

 

 

 Die Kapelle

 

Zwanzig Jahre Hände harter Arbeit

fügten unablässig Stein auf Stein

stolz ragt nun das Monument zum Himmel

lädt zum Betrachten und Bewundern ein

 

Prunk und Pracht spiegelt sich in den Scheiben

jeder Winkel ist erfüllt von Licht

unablässig prahlen Ornamente

der Altar erstickt fast am Gewicht

 

Überlebensgroß die Kruzifixe

und die Orgel hämmert ohne Rast

Jesus dem das Schlichte stets behagte

wäre hier bestimmt nicht gern zu Gast

 

 

 

 

 Artist

 

Vor dem Fenster ist ein Park

und hinterm Park da ist ein See

auf dem See da schwimmen Enten

und um vier Uhr gibt es Tee

 

Dann kommt man um ihn zu holen

denn er kommt nicht von allein

und gibt es zum Tee auch Kuchen

wird vermutlich Sonntag sein

 

Er war Artist, Bassist und Optimist

Anarchist und Atheist

doch heute weiß er nicht mehr wer er ist

 

Die anderen sitzen nur rum

sehn fern und spielen Karten

viel mehr kann man hier auch nicht tun

als auf den Tod zu warten

 

Und wird ein Zimmer ausgeräumt

fragt man nicht weiter an

es werden immer weniger

man gewöhnt sich schnell daran

 

Er war Artist, Bassist und Optimist

Anarchist und Atheist

doch heute weiß er nicht mehr wer er ist

 

Auch die Schwestern und die Pfleger

wechseln von Jahr zu Jahr

er hat sein Leben fast vergessen

und alles was er einmal war

 

 

 

 

 Herr von Klausewitz und die traurige Chansonette

 

Herr von Klausewitz betrat den Saal im Dunkeln

denn er war hier nicht die Attraktion

mancher jedoch begann schon zu schunkeln

und hoffte vielleicht auf Finderlohn

Wie der dicke Herr in Reihe sieben

der da rief : Das ist der Pianist

Herr von Klausewitz ist stumm geblieben

schließlich weiß er selber wer er ist

 

Also nahm er Platz auf seinem Hocker

und die Hände die geplagt von Gicht

schüttelte er sich dort langsam locker

bis dann jemand rief : Es werde Licht

Es erschien Marie, die Chansonette

die sich Madame Claire von Schaumburg nannte

und vollführte jene Pirouette

die er nun seit zwanzig Jahren kannte

 

Sie sang sich die Seele aus dem Leibe

doch im Saal hat’s kaum einen gejuckt

man versprach sich heitren Zeitvertreibe

nicht dass jemand in die Suppe spuckt

Aber wie so oft zu später Stunde

hat Marie gespottet und geflegelt

sang mehr mit dem Herz als mit dem Munde

und ist dann frontal abwärts gesegelt

 

Jemand schrie : Die ist total besoffen

und ein ganzer Chor fiel ein : Genau

Herr von Klausewitz schwor tief betroffen :

Allerhöchstens nur ein wenig blau

Und am nächsten Tag stand in der Presse :

Die Premiere war totaler Mist

kein Talent, nur eine große Fresse

und sehr mäßig auch der Pianist

 

Dies brachte Marie ganz schwer in Rage :

Das haben wir wirklich nicht verdient

Herr von Klausewitz zählte die Gage

und hat ihr gebrochnes Bein geschient

Ihr gebrochnes Herz jedoch war schlimmer

nie stand sie so schlecht in Volkes Gunst

Herr von Klausewitz lief durch das Zimmer :

Was weiß dieser Pöbel schon von Kunst?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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