Die Überfahrt

 

Wir haben guten Wind auf unsrer Reise

ein Wind der uns zu neuen Ufern führt

wir sprechen aus Gewohnheit noch sehr leise

und etwas in uns fühlt sich tief berührt

 

Wir haben uns und unser nacktes Leben

für mehr birgt dieser schmale Rumpf nicht Platz

was haben wir den Kindern mitzugeben

unsre Geschichte ist der größte Schatz

 

Denn Hab und Gut sind andernorts verschollen

wir klagen nicht denn wir wurden verschont

und fragen auch wenn wir’s nicht wissen wollen

wer heute wohl in unsren Zimmern wohnt

 

Ob Gott an Bord ist und uns lenkt

uns eine neue Heimat schenkt

weil er wie wir vertrieben

ich weiß es nicht

doch ist sein Licht

der einzig Kompass der uns noch verblieben

 

Wir haben guten Wind auf unsrer Reise

ein Wind der nicht nach Tod und Schwefel stinkt

hoch oben ziehen Möwen ihre Kreise

und harren ob das Schiff nicht doch noch sinkt

 

Noch immer spüren wir das kalte Grauen

wir blicken nur mit Tränen noch zurück

bald werden wir verstärkt nach vorne schauen

und etwas finden das so ähnlich ist wie Glück

 

Und wir gedenken derer die verloren

vielleicht an einem bessren Ort schon sind

wo sie in Frieden wieder neu geboren

so unbesiegbar werden wie der Wind

 

Ob Gott an Bord ist und uns lenkt

uns eine neue Heimat schenkt

weil er wie wir vertrieben

ich weiß es nicht

doch ist sein Licht

der einzig Kompass der uns noch verblieben

 

 

 

 

 Alte Dichter

 

Der Jugend Fragen sind erledigt.

Sie endeten nicht im Genuss.

Wem also hält man nun die Predigt ?

Nicht weil man will, nein weil man muss.

 

Man ist ein Rädchen im Getriebe.

Ganz ohne Unverdrossenheit.

Und näherte sich jetzt die Liebe

dann hätte man grad keine Zeit.

 

Man würd gern etwas weitergeben.

Man ist sich nur nicht sicher was.

Der Jugend neidet man das Leben.

Die Alten beißen bald in Gras.

 

Was also tun mit seinen Tagen

Wo man nur nebensächlich bleibt ?

Na ja, um es ganz kurz zu sagen :

Man schreibt und schreibt und schreibt und schreibt.

 

 

 

 

 Der Denker

 

In seinem Kopf hat es gewütet

Schon als er noch ein Knabe war

Er hat gebrütet und gebrütet

Und sah am Ende doch nicht klar

 

Nicht nur er selbst, auch andre Leute

hatten von ihm sich viel versprochen

das taten sie genau bis heute

da nämlich ist sein Kopf zerbrochen

 

 

 

 

 Es flammt, es flutet und es bricht

 

Es flammt, es flutet und es bricht

und ist doch nur das Abendlicht

das einen letzen Gruß noch bringt

bevor es dann im Meer versinkt

 

Es flammt, es flutet und es bricht

auch tief in mir, du ahnst es nicht

und wie das Licht versink auch ich

Morgen sag ich : Ich liebe dich

 

 

 

 

 Draußen mit dem Hund

 

Schlaflos sitz ich da und zähle Sterne

und mir fällt so mancher Unsinn ein

mein kleines Fenster könnte gut und gerne

ein Tor zu einem fremden Kosmos sein

 

Ich drück meine Nase an die Scheibe

erst von innen, dann von außen auch

alles was ich in solch Nächten schreibe

ist etwas was kein Mensch im Leben braucht

 

Der Mond wirft kleine Schatten an die Wände

und malt einen sanften Hintergrund

Gräser rascheln leise im Gelände

und du bist wieder draußen mit dem Hund

 

Mittlerweile kenn ich deine Zeiten

und den Weg den du dann immer machst

scheint als würde dir das Spaß bereiten

weil du oft im Dunkeln einfach lachst

 

Und ich mach für dich hier drinnen Licht an

so dass du es noch von weitem siehst

wenn du zwischen Edeka und Bahndamm

deine mir so vertrauten Kreise ziehst

 

Der Mond wirft kleine Schatten an die Wände

und malt einen sanften Hintergrund

Gräser rascheln leise im Gelände

und du bist wieder draußen mit dem Hund

 

Der Mond wirft kleine Schatten an die Wände

und zaubert dir ein Lächeln auf den Mund

deine fernen Blicke sprechen Bände

manchmal wäre ich so gern dein Hund

 

 

 

 

 Der symbolische Mensch

 

An der Wand ein Bild von Dali

aus den Uhren fließt die Zeit

sie tropft aus dem Rahmen

eine vage Möglichkeit

alles zu verändern

was noch nicht besteht

wenn man nur das Bild

in Richtung Sonne dreht

 

Und ein Punkt am Horizont

den der Künstler sich erdacht

wartet auf den Augenblick

der ihn lebendig macht

 

 

 

 

 Die Abschaffung der Wirklichkeit

 

Gestern in der Tagesschau

hat man es verkündet :

Die Zukunft gab bekannt

dass sie von hier verschwindet

Sie hätte sich schon viel zu lang

die Menschheit angesehen

und wenn es am Schönsten ist

soll man bekanntlich gehen

 

Und so gaben Staatsmänner

ihrem Volk Bescheid

von der Abschaffung der Wirklichkeit

 

Und die Menschen dachten sich:

„Na klar, das macht schon Sinn“

Nur ich hätte doch gern gewusst

Wo will die Zukunft hin ?

Und was sollen wir tun

mit dem Rest von unsrer Zeit ?

Ich hatte mich so sehr gewöhnt

an die Wirklichkeit

 

Zum Glück gibt es ja Workshops

da erklärt man lang und breit

die Existenz jenseits der Wirklichkeit

 

Ich hab als Konsequenz

nicht mehr wirklich gedichtet

du blöde Zukunft du

was hast du angerichtet ?

 

Ich würd mich gern beschweren

doch gibt’s weder Raum noch Zeit

nach der Abschaffung der Wirklichkeit

 

 

 

 

 Gebt jedem seinen eignen Gott

 

Gebt jedem seinen eignen Gott

macht Religion persönlich

kein Platz für Fanatismus mehr

stattdessen wird’s versöhnlich

 

Glaub jeder doch woran er mag

nach eigener Fasson

gebt jedem seinen eignen Gott

es gibt genug davon

 

Gebt jedem seinen eignen Gott

ganz gleich ob man den kennt

ober man ihn Allah oder Odin

oder Thomas Müller nennt

 

Das alles spielt doch keine Rolle

ganz genau wie das Geschlecht

auch ich hab meine eigne Göttin

und das ist mein gutes Recht

 

Gebt jedem seinen eignen Gott

von Kindesbeinen an

Pikachu oder Homer Simpson

wen man halt leiden kann

 

Kein Grund für einen Dschihad mehr

niemand wird mehr geknechtet

und wer doch lieber gottlos lebt

wird deshalb nicht geächtet

 

Gebt jedem seinen eignen Gott

dass er nur nicht vergisst

dass keiner größer oder kleiner

oder besser als der andre ist

 

 

 

 

 Der Maler

 

Er saß vor seiner Leinwand

Ihm fehlte ein Motiv

Er rief nach seiner Katze

Die kam nicht – weil sie schlief

 

Draußen nahte der Morgen

Der Himmel war schon hell

Er starrte auf die Wolken

Die waren ihm zu schnell

 

Er dachte an Christine

Und an ihr Gesicht

Er dachte wirklich lange

Doch erinnerte sich nicht

 

Er nahm sich einen Apfel

Vom letzten Wochenkauf

Der war nicht inspirierend

Also aß er ihn auf

 

So kam alsbald der Abend

Da wollte er nicht mehr

Er fütterte die Katze

Die Leinwand die blieb leer

 

 

 

 

 Berlin-Besuch von Onkel Erwin

(Ein Tatsachenbericht – kein Gedicht)

 

Unlängst hatten meine Tante Frieda und mein Onkel Erwin

ihren ersten Berlin-Besuch geplant.

Beide kommen aus der tiefsten Provinz. Da Tante Frieda

kurz vor der Abreise erkrankte und sich die Reise nicht

stornieren ließ, bestand sie darauf, dass Onkel Erwin

allein reisen sollte.

Zur Erleichterung stellte sie ihm einen genauen Plan auf,

was er in Berlin besichtigen soll. Leider ist ihre Rechtschreibung

sehr eigenwillig, ihre Handschrift unleserlich und ihr Gedächtnis

nicht mehr das Beste.

 

Mein Schnuckel,

Dein Flugzeug landet in Schönewelt. Dein Hotel ist im Bezirk

Tümpelhof. Dort kannst Du Dir auch gleich das Denkmal

anschauen. Von der Luftkrücke. Die sogenannte Lungerschnalle.

Zwischen Heringdamm und Zwergmannstrasse ist eine große

Freiluftveranstaltung, wahrscheinlich eine Demo der Uhrmachergilde,

der sogenannte „Krawall der Kult-Uhren.“

Am nächsten Tag unbedingt in den Bezirk Biergarten-Mitte.

Durchs Brandenberger Tor gehen, Checkpoint-Shirley anschauen.

Dann zur Vielharmonie und zur Amerika Geschenkbibliothek.

Am Putzdammer Platz das Pony-Center bewundern.

Und wenn du noch Puste hast unbedingt auf die Siegeseule steigen.

Da dir ein wenig Kultur nicht schaden würde :

Ab ins Pergament-Museum. Oder in die Akademie der Dünste.

Dann einen großen Bogen um die Nackischen Höfe machen

und dir das Tote Rathaus angucken.

Von da müsstest du auch den Fernsehwurm sehen können

Dann mit der S-Bahn nach Karottenburg. Bahnhof Klo aussteigen.

Vorbei an der Verächtniskirche zum Uropa-Center. Da ist ein

Brunnen, wo du etwas entspannen kannst. Der heißt im

Volksmund : Blasser Drops.

 

Alles Liebe, Deine Frieda.

PS : Wehe Du gehst ins Bikini! Ist bestimmt ein Puff.

 

 

 

 

 Eine ledige Dame jammert

 

Ich wollte doch nur einem was bedeuten.

Ich traf zwar viele. Doch den einen nicht.

Und höre ich mal Hochzeitsglocken läuten

ist mir als ob mein Herz dabei zerbricht.

 

Früher konnt mir kein Junge widerstehen.

Mit vierzehn war ich beinah schon verlobt.

Ich wollte es dem Vater nicht gestehen.

Er erfuhr es doch. Und hat getobt.

 

Der Bub hieß Klaus und kam mir schnell abhanden.

Anfangs verspürte ich noch Traurigkeit

doch ließ dann andre Bienen auf dem Honig landen

und das war wirklich keine schlechte Zeit.

 

Die Freundinnen die mir noch verblieben

gingen alsbald geschlossen in die Ehe.

Ich übte mich derweil schwer im Verlieben.

Und das sehr oft, wie ich verschämt gestehe.

 

Die anderen hatten inzwischen Kinder.

Nur ich war immer noch, man sagt wohl : Frei

Und liebte dabei doch keineswegs minder.

Statt einem Mann hatte ich manchmal drei.

 

Doch wie sie kamen gingen sie auch wieder.

Ich merkte kaum : Die Jahre gingen auch.

Ich hatte immer Feuer unterm Mieder

und mehr als einen Schmetterling im Bauch.

 

Doch irgendwann verging das wüste Treiben.

Die Sehnsucht blieb und sie machte mir klar :

Keiner zieht in Betracht bei mir zu bleiben

und niemand führt mich jemals zum Altar.

 

Ich wollte doch nur einem was bedeuten.

Ich traf zwar viele. Doch den einen nicht.

Und höre ich mal Hochzeitsglocken läuten

ist mir als ob mein Herz dabei zerbricht.

 

 

 

 

 Das Namenlose

 

Die Menschen haben für alles ein Wort

das mag mir nicht so recht behagen

entkommt man ihnen nicht weit genug fort

muss man es leidend ertragen

 

Es scheint allzeit der Gelehrten Last

zu füllen die scheinbare Leere

doch wenn man den Dingen Namen verpasst

verlieren sie das Ungefähre

 

Das Abstrakte ist den Menschen suspekt

sie trachten nach dem Bekannten

sie haben selbst den Himmel befleckt

indem sie alle Sterne benannten

 

Das Namenlos mag ich zu gern

doch ihr schnüffelt schon nach der Spur

Warum bleibt ihr nicht einfach fern?

Ihr tötet es nur

 

 

 

 

 Botanik

 

Du sagst Worte sind wie Blumen

und man müsse sich bemühn

sie zu hegen und zu pflegen

weil sie sonst nicht richtig blühn

 

Deine Stilblüten sind albern

und versetzen mich in Panik

du hast kein Gefühl für Sprache

ich hab keines für Botanik

 

 

 

 

 Armenfriedhof

 

Vom Eingang aus war es der dritte Gang

den ging man bis etwa zur Mitte

dann folgte man links dem Pfad entlang

genau hundertvierzehn Schritte

 

Da stand eine Bank, ich weiß es genau

und neben der Bank eine Linde

doch fürchte ich, wo ich jetzt schau

dass ich dein Grab nicht mehr finde

 

Ich seh keine Linde, ich seh keine Bank

und einen Stein hast du nicht besessen

Ich fühle mich vor Verzweiflung ganz krank

glaub mir : Ich habe dich nicht vergessen

 

Da stehe ich nun und bin tränenblind

Warum hilft mir denn keiner?

Ich weiß wieso ich dein Grab nicht find

meine Schritte waren früher viel kleiner

 

 

 

 

 Vor der Weiterfahrt

 

Der Zug machte hier Pause.

Ich kehrte ins Wirtshaus ein.

Lieber wär ich zu Hause.

Ich trank ein Glas Wein.

 

Habe an dich gedacht.

Draußen stürmte es sehr.

Außerdem war es Nacht.

Ich trank noch ein Glas mehr.

 

Mir wurde der Mantel gestohlen.

Nun schlotter ich bis zum Knie.

Man kann sich ja sonst was holen.

Woher und wieso weiß man nie.

 

Man stahl mir auch Geld und Papiere.

Ich schreibe dir aus dem Knast.

In Zukunft trink ich lieber Biere.

Die Weiterfahrt hab ich verpasst.

 

 

 

 

 Ich hab ein dummes Herz

 

Ich hab ein dummes Herz

es lacht noch wenn es bricht

es glaubt nur an sich selbst

dem Kopf dem glaubt es nicht

 

Ich hab ein dummes Herz

und es gehört der einen

der dieses dumme Herz

niemals wird recht erscheinen

 

Ich hab ein dummes Herz

doch wie könnt ich es schelten

nur weil es mir beweist

dass keine Regeln gelten

 

Ich hab ein dummes Herz

es mag sich nicht bescheiden

und kann es dich nicht haben

dann wird es ewig leiden

 

Ich hab ein dummes Herz

vielleicht bringt es mich um

dann aber sterb ich liebend

Ach wär auch deins nur dumm

 

 

 

 

 Der Herr der Anekdoten

 

Mein steinalter Biolehrer

hatte was erlebt im Leben

und das war mir Grund genug

an den Lippen ihm zu kleben

 

Doch in Zeiten der Verblödung

ist der Geist meist knapp bei Kasse

deshalb stand er oft wie Falschgeld

vor der hirnentsorgten Klasse

 

Doch ich lieh ihm mein Öhrchen

für seine Histörchen

 

Der Herr der Anekdoten

verschenkt sich an Idioten

sein Witz streicht ganz verloren

um taub gewordne Ohren

Der Herr der Anekdoten

konnt manch Wirrwarr entknoten

doch folgte man ihm nie

- welch bittre Ironie

 

Er verzauberte mich täglich

mit den komischen Geschichten

mit den bilderhaften Worten

und den seltsamen Berichten

 

Seine Weisheit war verblüffend

auch wenn er nie damit protzte

und sie diesen Ignoranten

nie laut in die Köpfe kotzte

 

Doch ich lieh ihm mein Öhrchen

für seine Histörchen

 

Der Herr der Anekdoten

verschenkt sich an Idioten

sein Witz streicht ganz verloren

um taub gewordne Ohren

Der Herr der Anekdoten

konnt manch Wirrwarr entknoten

doch folgte man ihm nie

- welch bittre Ironie

 

So warf er trotz seiner Schläue

oftmals Perlen vor die Säue

doch nahm schmunzelnd es in Kauf

denn ich hob sie alle auf

 

Der Herr der Anekdoten

verschenkt sich an Idioten

sein Witz streicht ganz verloren

um taub gewordne Ohren

Der Herr der Anekdoten

konnt manch Wirrwarr entknoten

doch folgte man ihm nie

- welch bittre Ironie

 

 

 

 

 Der Barmann, der Pianist und die Schöne

 

Es ist morgens um vier und die Bar wird geschlossen

Die meisten Gäste sind eh schon fort

Sie haben die Zeit hier wie immer genossen

Über diesen Club fiel nie ein schlechtes Wort

 

Der Barmann mixt Drinks wie es sonst niemand kann

der Pianist fängt nicht bei weniger an

und der Femme Fatal

sind die Leute egal

sie betört jede Frau und jeden Mann

 

Der Barmann, der Pianist und die Schöne

kennen sich mittlerweile recht gut

Sie sagt: „Ihr habt so geschickte Hände

ihr wisst ja gar nicht wie gut mir das tut“

 

Sie wissen alle sie müssten jetzt gehen

doch keiner von ihnen macht den ersten Schritt

bei ihrer Geschichte ist das gut zu verstehen

doch von den Gästen bekommt das keiner mit

 

Der Barmann mixt Drinks wie es sonst niemand kann

der Pianist fängt nicht bei weniger an

und der Femme Fatal

sind die Leute egal

sie betört jede Frau und jeden Mann

 

Der Barmann, der Pianist und die Schöne

kennen sich mittlerweile recht gut

Sie sagt: „Ihr habt so geschickte Hände

ihr wisst ja gar nicht wie gut mir das tut“

 

Es gibt diesen Moment wo die Schatten verblassen

diesen einen Moment wo man glaubt man sei frei

doch man weiß man wird sich nie im Leben verlassen

und dann ist der Moment auch schon vorbei

 

 

 

 

 Algen und Teer

 

Als Frieder Hansen nach Hause kam

da wollte sein Weib ihn nicht mehr

er traf sie an in Petersens Arm

den verabscheute er fortan sehr

 

Zwei Jahre zur See und so hatten sie

nun beide ihr Abenteuer

Frieder Hansen versoff voll Melancholie

noch am gleichen Abend die Heuer

 

Was dann geschah unterscheidet sich

je nachdem wer es erzählt

mancher dachte die Anke leidet nicht

mancher dachte dass sie sich quält

 

Klar ist nur dass man Petersen fand

nur seinen Schädel fand man nicht mehr

der Rest lag blutend am Büsumer Strand

wie schlafend zwischen Algen und Teer

 

Frieder Hansen ward seitdem nicht gesehn

die Anke wurde verrückt

doch wegen dem was sonst noch geschehn

wurde kaum eine Träne verdrückt

 

Der Pastor sprach an Petersens Grab

„Der Herr zürnt dir nimmer mehr

doch da ich sonst keinen Trost für dich hab

such ihn dir zwischen Algen und Teer“

 

 

 

 

 Die Höfe

 

Im ersten Hof wohnen die besser Betuchten.

Im zweiten gewöhnliche Leute.

Die sich einander niemals besuchten.

Doch das weiß man nicht erst seit heute.

 

Alles muss schließlich Grenzen haben.

Im zweiten Hof hat niemand ein Klavier.

Und dann ist da ein unsichtbarer Graben.

Denn im dritten Hof leben wir.

 

Acht Menschen in grad zwei Zimmern.

Und die Armut sieht man uns an.

Die kann man auch nicht verschlimmern.

Uns scheut selbst der Leierkastenmann.

 

Im ersten Hof wirft man mit Groschen.

Im zweiten winkt man hinaus.

Wir hätten nur unsre Galoschen.

Doch die bleiben lieber im Haus.

 

So scheiden sich Arme von Reichen.

Und keiner hat eine Wahl.

Nur die Kinder sind es die sich gleichen.

Denen ist der Hof ganz egal

 

 

 

 

 Ballade vom Mann mit dem zu großen Hut

 

Es gab mal einen Mann

mit einem zu großen Hut

er trug ihn voller Stolz

und fand er stand ihm gut

 

Die Leute aber lachten

Wie sieht denn der bloß aus?

Der Mann ging einfach weiter

und machte sich nichts draus

 

Geschützt bei Wind und Wetter

und was es sonst noch gibt

so lief er durch sein Leben

und hat den Hut geliebt

 

Die Leute aber sagten

Der Kerl ist wirklich dumm

Der Mann jedoch ging weiter

und sah sich nicht mehr um

 

Es gab mal einen Mann

mit einem zu großen Hut

er trug ihn voller Stolz

und fand er stand ihm gut

 

Ob es wohl Gottes Werk war

die große schwere Flut?

Die Leute gingen unter

der Mann saß in dem Hut

 

So trieb er auf den Wellen

und dankte seinem Hut :

Du stehst mir nicht nur prima

du schwimmst auch ziemlich gut

 

 

 

 

 Blumen auf meinem Grab

 

Ich sage es besser beizeiten

- und darüber muss man nicht streiten -

ich will - dass wenn ihr mich einst verscharrt -

das Geld für die Blumen euch spart

 

Weil ich keine Freude hab

an Blumen auf meinem Grab

Es wäre schön wenn ihr daran denkt

dass man Blumen den Lebenden schenkt

 

 

 

 

 Das Leiden

 

Der Hans hat ein heftiges Leiden

es plagt ihn sein rechtes Bein

das kam im Krieg ihm abhanden

doch der Schmerz fährt noch immer hinein

 

 

 

 

 Aus Doras Tagebuch

 

Mutter sagt ich soll den andren nehmen

doch der Herr ist mir zu hoch betagt

Mutter sollte sich, weiß Gott, was schämen

muss ich wirklich tun was Mutter sagt?

 

Mit dem Klaus hat es so gut begonnen

und es geht schon fast ein halbes Jahr

ich hab ihn inzwischen liebgewonnen

vielleicht führt er mich vor den Altar

 

Mutter sagt, der wird nichts rechtes lernen

niemals baut dir dieser Tropf ein Haus

Doch er trägt mich täglich zu den Sternen

meistens nächtlich, so sieht`s aus mit Klaus

 

 

 

 

 Punkt

 

Ging als großes Kind durchs Leben

ob’s wen ärgert oder freut

kümmerte mich nie - bis eben

da hab ich es kurz bereut

 

Sieht man sich testamentarisch

zieht es plötzlich in der Brust

mir wurde ganz exemplarisch

mancher Unfug nun bewusst

 

Soll ich nun die letzten Stunden

ernsthaft sein, bis dass es funkt ?

Nachgedacht, für schlecht befunden

Punkt.

 

 

 

 

 Eis auf dem Schnee von Gestern

 

Ich häng da am Tresen

es ist grad mal kurz vor neun

neun Uhr morgens wohlgemerkt

denn da kann man sich noch freun

über jeden blöden Arsch

der jetzt zur Arbeit muss

ich geb mir die Kante

das ist besser als der Bus

 

Wieder mal ne Liebe

die kaputtgegangen ist

wieder mal ein Winter

den man nicht mehr vergisst

Ich quatsch wieder nichts als Scheiß

es ist fast wie in nem Western

noch nen Whisky mit viel Eis

Eis auf dem Schnee von gestern

 

Jemand tippt mich an und meint

ich hätte wohl genug

ich geb keine Antwort

und nehm lieber noch nen Zug

von der Zigarette

die mir Maxe übrig ließ

Danke, Maxe, danke

hier ist’s wie im Paradies

 

Wieder mal ne Liebe

die nicht lang gehalten hat

wieder mal der letzte Cowboy

in der Geisterstadt

Ich quatsch wieder nichts als Scheiß

es ist fast wie in nem Western

noch nen Whisky mit viel Eis

Eis auf dem Schnee von gestern

 

 

 

 

 In einer Tasse Tee

 

Es zogen weiße Wolken

gleich einem edlen Ross

als ich ein wenig Milch

in meine Tasse goss

 

Und alle lachten herzhaft

was ich da wieder seh

Für mich war es die ganze Welt

für die anderen nur Tee

 

 

 

 

 Nichts auf Erden vermag zu dauern

 

Nichts auf Erden vermag zu dauern

die Kindheit fliegt einem Schmetterling gleich

kaum erlebt ist sie schon zu betrauern

doch erst der Verlust macht wirklich reich

 

So tasten wir zwischen Pflichten und Zwängen

uns allmählich der Weisheit des Alters entgegen

wir lassen uns leiten und lassen uns drängen

und folgen längst vermessenen Wegen

 

Das hungrige Herz wird irgendwann fügsam

schafft sich ein Heim, schafft sich ein Haus

richtet sich ein und sehr genügsam

richtet es sich nach anderen aus

 

So vergehen wir und wähnen uns glücklich

dabei sind wir nur ängstlich und blind

wir verhalten uns kontrolliert und schicklich

und sind doch nicht mehr als ein Blatt nur im Wind

 

Nichts auf Erden vermag zu bestehen

was beginnt wird enden, einfach weil es muss

die Jahre kommen, die Jahre vergehen

und alles bleibt im steten Fluss

 

Nichts auf Erden vermag zu dauern

alles hat seine bemessene Zeit

deshalb gibt es nichts zu betrauern

Leben bedeutet auch Vergänglichkeit

 

 

 

 

 Ringe

 

Unbedarft entlassen an das Leben

grade einmal süße sechzehn Jahr

nimmt sie jedes Wort für bare Münze

und glaubt ihre Träume werden wahr

Doch statt Prinzen trifft sie nur Hyänen

sie ist wehrlos und wird tief verletzt

Mutter schließt sie tröstend in die Arme

und sagt : Kind, vielleicht glaubst du mir jetzt

 

Mädchen sehnen sich nach vielen Dingen

doch am liebsten träumen sie von Ringen

aber Süße, du kannst mir glauben

die einzigen Ringe

die Männer dir bringen

trägst du dann unter den Augen

 

Alter schützt beileibe nicht vor Dummheit

man ist auch mit vierzig noch naiv

wenn Männer mit Engelszungen reden

hofft man dieses Mal geht es nicht schief

Manche lernt allmählich aus Erfahrung

andere bleiben so dumm wie Heu

denen ist dann auch nicht mehr zu helfen

die Erkenntnis ist schließlich nicht neu

 

Frauen sehnen sich nach vielen Dingen

doch am liebsten träumen sie von Ringen

aber Liebste, du kannst mir glauben

die einzigen Ringe

die Männer dir bringen

trägst du dann unter den Augen

 

An der Seele arg verbeult

schlaflos und total verheult

stellt so manche Frau dann fest

was halt nicht zu ändern ist

 

Mädchen sehnen sich nach vielen Dingen

doch am liebsten träumen sie von Ringen

aber Süße, du kannst mir glauben

die einzigen Ringe

die Männer dir bringen

trägst du dann unter den Augen

 

 

 

 

 Bromberg (erklärt mir die Welt)

 

Pass auf, sagt Bromberg

ich sag dir wie es geht

die Welt dreht sich nur dann

wenn man sie selber dreht

Man ist entweder Macher

oder man ist Knecht

du brauchst nicht so zu gucken

du weißt ich habe recht

 

Pass auf, sagt Bromberg

ich sag dir wie es läuft

man geht so lang zum Brunnen

bis man darin ersäuft

Wenn man das erst kapiert hat

macht alles einen Sinn

geh niemals selbst zum Brunnen

schick lieber andre hin

 

Pass auf, sagt Bromberg

ich sag dir wie es ist

einer schippt Moneten

der andere schippt Mist

Es gibt genau zwei Seiten

such dir eine aus

und jetzt zahl mal die Rechnung

ich muss langsam nach Haus

 

 

 

 

 Tiefe Schläge

 

Man hat ihr stets eingetrichtert

sie wär von geringem Wert

einfach weil sie eine Frau ist

nur gemacht für Haus und Herd

und um Söhne zu gebären

es ziemt sich nicht wenn sie denkt

Widerworte sind verboten

und der Blick gehört gesenkt

 

Es steht irgendwo geschrieben

es ist ihre Pflicht

die Hand die schlägt zu lieben

ein Gebot das man nicht bricht

 

Unergründlich sind des Herren Wege

tiefe Schläge

 

Was sie braucht ist keine Bildung

ihre Mutter bringt ihr bei

Mann und Kinder zu versorgen

wie es nun mal üblich sei

Geboren um zu dienen

so lautet der Schöpfung Plan

fürsorglich und treu und reinlich

und dem Manne Untertan

 

Es steht irgendwo geschrieben

es ist ihre Pflicht

die Hand die schlägt zu lieben

ein Gebot das man nicht bricht

 

Unergründlich sind des Herren Wege

tiefe Schläge

 

So folgt sie ihrer Bestimmung

vor der ganzen Welt verhüllt

niemand weiß von ihren Wunden

und sie bleibt stets unerfüllt

 

Unergründlich sind des Herren Wege

tiefe Schläge

 

 

 

 

 Abhanden gekommene Romanze

 

Sie saßen schweigend im Café

und starrten auf den Müggelsee

waren beide ohne Worte

also aßen sie nur Torte

es tat ihnen erstens leid und zweitens weh

 

Und sie guckten auf die Bäume

so als würden sie die Träume

die ihnen verloren gingen

wiederbringen

 

Doch es hing in deren Zweigen

auch nichts weiter als das Schweigen

dass der Herbst so mit sich bringt

wenn er schon mit dem Winter ringt

 

Ohne Streit, ohne Gezeter

gingen sie ein wenig später

auseinander ohne Worte

wieder frei

 

Es flog ein Spatz vorbei

und aß den Rest der Torte

 

 

 

 

 Der Befund

 

Meine gute Mutter machte sich Sorgen

„Junge, Du bist ja so blass im Gesicht

Du gehst zum Arzt, spätestens morgen

und übermorgen erwart ich Bericht“

 

So begab ich mich also derart gezwungen

in die Obhut der nächstbesten Kapazität

man röntgte den Hals, die Brust und die Lungen

und ich wurde betastet, besehn und verdreht

 

Er sprach nicht viel, der Halbgott in Weiß

und schlug mit dem Hammer mir gegens Knie

doch blieb er wohl aus der erhoffte Beweis

(wer mich schlägt verliert meine Sympathie)

 

Er verzichtete auf jede Art von Befragung

- na klar, was weiß denn schon der Patient -

und sagte: „Ich muss gleich auf eine Tagung

und was wir hier tun ist ineffizient

 

Sie sind nicht schwer krank, doch auch nicht gesund

die Wahrheit, gleich ob Sie Ihnen gefällt,

und das ist schlussendlich auch mein Befund:

Sie leiden an sich selbst und an der Welt“

 

 

 

 

 Der wunderbare Herr Schmidt

 

Er seufzt so tief bei jeder Operette

aber das hat die Frauen nie gestört

im Gegenteil, sie halten jede Wette

dass er wohl weint sobald er Wagner hört

 

Er ist gesittet und stets gut gekleidet

wär er ne Frau dann würd man sagen: Schick

er sieht nicht aus als ob er Hunger leidet

ja er ist gut genährt, jedoch nicht dick

 

Ganz selbstverständlich hat er auch Manieren

er kennt sich aus mit Büchern und mit Wein

er lässt sich seine Hände maniküren

und geht man mit ihm aus dann lädt er ein

 

Man kann von ihm partout nur Gutes sagen

so dass man gern in seiner Nähe weilt

man weiß ja nichts von den bestimmten Tagen

wo er Frauen verstümmelt und zerteilt

 

 

 

 

 Die Karawane

 

Ein Morgen über der Wüste

in flammende Farben getaucht

wir hatten nichts weiter als uns

mehr haben wir auch nicht gebraucht

 

Wir zogen mit fahrenden Händlern

der nächsten Oase entgegen

sie sprachen von ihren Familien

und wir träumten ständig von Regen

 

Sie kannten geheime Pfade

durch die tiefen Täler der Nacht

und lebten in der Gewissheit

dass ein guter Gott sie bewacht

 

Sie teilten ihr Brot mit uns Fremden

und brachten uns sicher zum Meer

wir reichten uns lachend die Hände

dabei fiel der Abschied uns schwer

 

Ein letzter Blick von der Reling

zurück auf die furchtlosen Reiter

wir fuhren zurück in die Heimat

und ihre Karawane zog weiter

 

Sie lehrten uns Ehrfurcht und Demut

und die wahre Bedeutung von Glück

ein Teil von uns blieb für immer

bei unsren fernen Freunden zurück

 

 

 

 

 Das alte Eisen

 

Dreißig Jahre krumm gemacht

und dann kurzerhand entlassen

der Chef zuckt mit den Schultern :

„Überall sind leere Kassen

Wir müssen nun einmal sparen

und so leid es mir auch tut

Sie sind leider nicht mehr zwanzig

doch verliern Sie nicht den Mut“

 

Dann hört man auf dem Arbeitsamt :

„Klar wir melden uns bald

doch sie sind mit über Fünfzig

definitiv zu alt“

 

Das alte Eisen

ist härter als man denkt

es kann dir noch beweisen

wo der Hammer hängt

 

Überall sitzen nun Bubis

frisch von der Akademie

und die wissen wirklich alles

in der Theorie

Geht’s an Eingemachte

stehen sie ratlos rum

„Das hat uns keiner beigebracht“

ja das ist wirklich dumm

 

Jugend ist doch keine Tugend

Erfahrung ist von Wert

irgendetwas läuft hier

absolut verkehrt

 

Das alte Eisen

ist härter als man denkt

es kann dir noch beweisen

wo der Hammer hängt

 

Das alte Eisen

ist härter als man denkt

es kann dir noch beweisen

wo der Hammer hängt

 

 

 

 

 Mir ward ein Herz genommen

 

„Mir ward ein Herz genommen

ganz unschuldig und klein“

so klagt die arme Mutter

und mag Gott nicht verzeihn

 

So bleibt dann auch vergeblich

des Pastors Hilf und Müh

als er zur Mutter spricht :

„Wen Gott liebt, holt er früh“

 

 

 

 

 Katzenaugen

 

Sie weiß am Tag und auch bei Nacht

wo man die beste Beute macht

und ist sie erst auf deiner Spur

kapitulierst du einfach nur

denn du weißt es tief mittendrin

Widerstand hätte keinen Sinn

du bist erobert und besiegt

selbst wenn sie dir zu Füßen liegt

 

Sie kommt daher auf leisen Pfoten

hat alle andren überboten

sie gibt dir das Gefühl dass sie dich braucht

doch pass auf wenn sie faucht

 

Sie macht den stärksten Mann zur Maus

fährt sie die süßen Krallen aus

Sie lässt dich an Wunder glauben

mit ihren Katzenaugen

Sie schnurrt zwar sanft doch ist ein Biest

das all deine Gedanken liest

sie kann dir die Sinne rauben

mit ihren Katzenaugen

 

Sie ist ein Raubtier ganz und gar

alle Geschichten die sind wahr

man kann nichts weiter als dich warnen

beginnt sie erst dich zu umgarnen

schmeichelt sich unablässig ein

wirkt dabei hilflos und so klein

du fühlst dich wie der sichre Sieger

doch aus dem Kätzchen wird ein Tiger

 

Sie kommt daher auf leisen Pfoten

hat alle andren überboten

sie gibt dir das Gefühl dass sie dich braucht

doch pass auf wenn sie faucht

 

Sie macht den stärksten Mann zur Maus

fährt sie die süßen Krallen aus

Sie lässt dich an Wunder glauben

mit ihren Katzenaugen

Sie schnurrt zwar sanft doch ist ein Biest

das all deine Gedanken liest

sie kann dir die Sinne rauben

mit ihren Katzenaugen

 

Pass gut auf dich auf

es ist kein Scherz

Katzenaugen verhexen

jedes wehrlose Herz

 

Sie macht den stärksten Mann zur Maus

fährt sie die süßen Krallen aus

Sie lässt dich an Wunder glauben

mit ihren Katzenaugen

Sie schnurrt zwar sanft doch ist ein Biest

das all deine Gedanken liest

sie kann dir die Sinne rauben

mit ihren Katzenaugen

 

 

 

 

 Adretter Freitod

 

Er knotete seine Krawatte

(die einzige übrigens die er hatte)

und knüpfte sich auf am Genick

(mit der Krawatte statt mit einem Strick)

 

Als die Sanitäter ihn fanden

(und ihm die Krawatte abbanden)

dachten sie : „Das ist schon nett

Nicht jeder Mensch stirbt so adrett“

 

 

 

 

 Sauhunde unter sich

 

Wir betreten den Schuppen

und schon tanzen die Puppen

und ein Raunen wird laut

doch das ist uns vertraut

Wir sind die Hirsche

das ist unser Platz

und wir begrüßen

Honey, Sweetheart und Schatz

 

Wir fahren den Schnellsten, wir haben den Längsten

uns macht so leicht keiner was vor

wir brauchen den Kick, kennen jeden Trick

für uns öffnen sich Türen und Tor

 

Sauhunde unter sich

saufen sich unter den Tisch

und bleiben dort besinnungslos liegen

mit dem Gefühl sie würden fliegen

wir sind wie Brüder

und immer wieder

markieren wir unser Revier

nichts ist so ehrlich

und so gefährlich

wie Sauhunde wie wir

 

Schnippen wir mit dem Finger

dann hauchen die Dinger

„Wir sind bereit

für euch jederzeit“

Das sind wir gewohnt

so muss es auch sein

wir sind die Kings

jeder geht auf uns ein

 

Wir fahren den Schnellsten, wir haben den Längsten

uns macht so leicht keiner was vor

wir brauchen den Kick, kennen jeden Trick

für uns öffnen sich Türen und Tor

 

Sauhunde unter sich

saufen sich unter den Tisch

und bleiben dort besinnungslos liegen

mit dem Gefühl sie würden fliegen

wir sind wie Brüder

und immer wieder

markieren wir unser Revier

nichts ist so ehrlich

und so gefährlich

wie Sauhunde wie wir

 

Werden wir mal älter

und die Prostata drückt

machen wir uns deswegen

gewiss nicht verrückt

Wir treten dann ab

mit großem Getöse

denn Jungs wie uns

ist man nicht böse

 

Auf unseren Grabstein

meißelt man einst ein

„Sauhunden muss man

einfach alles verzeihn“

 

Und die Hölle wird frieren

wenn wir sie einkassieren

und wir saufen den Teufel

unter den Tisch

Sauhunde unter sich


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

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