Am Anfang war das Wort
Am Anfang war das Wort
es war mir Heim und Hort
es rief und schuf und formte mich
bevor es sich von dannen schlich
Am Anfang war das Wort
es ist längst fort
Fischerboote
Sie schaukeln dahin auf wallenden Wogen
und folgen nicht sichtbaren Wegen
von der Macht der See gebeugt und gebogen
dem Horizont entgegen
Sie geben sich in des Schicksals Hand
im Pazifik wie im Atlantik
und sind sie des Abends wieder an Land
ist Zeit für Seemanns-Romantik
Die Segel vom wilden Wind geküsst
der reiche Fang auf den Planken
doch eines wird im Hafen vermisst
dem gelten all meine Gedanken
Die Untersuchung
Herr Professor von und zu Ohrenstein
fand sich zu meiner Untersuchung ein
ich war erstaunt, denn das ist nicht üblich
und er murmelte: „Betrüblich, betrüblich“
Er hatte vierzehn Studenten dabei
deshalb machte ich mich nur ungern frei
das Hemd zog ich aus, den Bauch zog ich ein
„Herr Professor muss das wirklich sein ?“
Er piekte mir lachend in den Bauch:
„Na, na Sie Schelm das Höschen auch“
und so stand ich da nackt wie Gott mich schuf
doch der Professor hat einen guten Ruf
Ich dachte wenn überhaupt wer versteht
was in meinem Körper so vor sich geht
dann kann es kein andrer sein
als Professor von und zu Ohrenstein
Er sagte zu einem kleinen Chinesen:
„Betrachten Sie dieses traurige Wesen
das dort steht ohne Hose
Wie ist ihre Diagnose?“
Der Chinese stotterte: „F-F-Fettleibigkeit“
Das ging mir nun doch eine Spur zu weit
Der Professor schimpfte: „Dummer Tropf“
und schlug den Chinesen kurz auf den Kopf
Ich fragte: „Darf ich vielleicht auch?“
Schon piekste er mich wieder in den Bauch
„Sie halten an sich und den Mund
Sie sind erstens krank und zweitens nicht gesund“
Nun zupfte mir eine Studentin am Schniedel
als spielte sie Mozart auf einer Fiedel
ich wollte grad meine Stimme erheben
da sprach der Professor: „Bin ich von Idioten umgeben
Natürlich ist dieser kleine Hannes
ein großes Problem dieses armen Mannes
aber es wäre wirklich schön
kämen wir endlich zum Hauptproblem“
Er griff nach Tupfer und nach Skalpell
ich griff meine Hose und rannte schnell
und fand mich nie wieder zur Untersuchung ein
bei Professor von und zu Ohrenstein
Du bist mein Winter
Samtweich lehren deine Hände
mich Begehren ohne Ende
ich tau auf und fließe weg
ohne Halt und Sinn und Zweck
Du bist mein Winter
ganz egal wohin ich geh
du wirst für mich immer jung sein
und so rein und schön wie Schnee
Und ich habe das Verlangen
mich nie wieder aufzufangen
sondern mit dir ganz allein
Mittelpunkt der Welt zu sein
Du bist mein Winter
ganz egal wohin ich geh
du wirst für mich immer jung sein
und so rein und schön wie Schnee
Du verdeckst meine Spuren
ich vergesse meine Zeit
wir sind wie ein Land im Norden
unentdeckt – unendlich weit
Du bist mein Winter
ganz egal wohin ich geh
du wirst für mich immer jung sein
und so rein und schön wie Schnee
Ein Kummer
Ein Kummer ist es, ein Gefühl
in Worte kaum zu fassen
es schmerzt zwar kaum, doch es ist kühl
und will nicht von dir lassen
Du würdest, wüsstest du ein Wort,
es gerne andren sagen
Vielleicht ist es ja morgen fort
dann ließ es sich ertragen
Vielleicht jedoch bleibt es bestehn
und treibt dich nächstens schon ins Grab
mein Freund, ich werd dir nicht gestehn
dass ich den gleichen Kummer hab
Der Lurch
Der Lurch war äußert mies gelaunt.
Hatte sich bei mir eingeschleimt
und resümierte dann erstaunt
dass sich auf Lurch rein gar nichts reimt.
Und dachte er bekäme nicht
ein zu ihm passendes Gedicht.
Ich sagte : Da musst Du jetzt durch.
Und das reimt sich, dummer Lurch.
Gedicht auf der Suche nach einer öffentlichen Bedürfnisanstalt
Es zwickt und soll doch nicht zwicken
es zwackt und soll doch nicht zwacken
und man kann noch so weit blicken
da ist kein Ort um zu kacken
Ich weiß, das ist jetzt so poetisch
wie ein Müllbeutel auf einem Drehtisch
aber hatten Sie’s mal im Magen?
Mann, ich kann Ihnen sagen…
Brief an die Eltern
Ich denk an euch. Und leere manche Flasche.
Im Garten blühen immer noch Geranien.
Ich lieg der Tante weiter auf der Tasche.
Und statt in Kiel wäre ich gern in Spanien.
Man sieht hier täglich immer neue Schiffe.
Gestern sah ich auch ein Kanonenboot.
Der Wehrdienst ruft, aber es gibt da Kniffe.
Heut gab es Leberwurst zum Abendbrot.
Die Magda aus dem Haus schräg gegenüber
hat sich in einen Feldwebel vernarrt.
Sie sagt ein General wäre ihr lieber.
Der hätte vielleicht etwas mehr gespart.
Der Opa meint ich dürfe mich nicht drücken.
Zu dienen wäre Ehre und auch Pflicht.
Mich muss man wirklich nicht mit Orden schmücken.
Und außerdem mag ich Gewehre nicht.
Ich gehe lieber aus mit Magdas Schwester.
Ich bin mir sicher dass sie euch gefällt.
Vielleicht verloben wir uns an Silvester.
Für einen Ring fehlt mir noch etwas Geld.
Genug für heut. Ein Gruß und viele Küsse.
Wie sieht es bei euch in der Heimat aus ?
Ihr glaubt ja nicht wie sehr ich euch vermisse.
An Ostern komme ich vielleicht nach Haus.
Die Haupteigenschaft des Glücks
Die Haupteigenschaft des Glücks
ist dass man es ständig verpasst
wenn du nicht hast was du liebst
- lieb was du hast
Falscher Frühling (in Berlin)
Unerwartet neckt die Sonne
Blumen tun als ob sie blühn
und es säuselt voller Wonne
eine fette Chansonette : „Mein Berlin“
Kinderwagen fahren Rennen
auf der Uferpromenade
Herzen machen sich ans Brennen
Mücken stechen in manch Wade
Dann besinnt sich der Kalender
und denkt kopfschüttelnd „Ach nee“
schon hört man im Rundfunksender
„Vorsicht, Schnee!“
Aus deinem Blick trank ich die Tränen
Aus deinem Blick trank ich die Tränen
sie glänzten wie ein Sternenmeer
sie waren wie der reinste Nektar
deshalb trank ich dich tränenleer
Du lächelst dankbar und bist glücklich
ach wenn auch ich nur glücklich wär
nun wo du ohne Tränen bist
begehre ich dich doch nicht mehr
Drei junge Männer und ein schrecklich alter Hund
Drei junge Männer
und ein schrecklich alter Hund
schlichen rum um Rosalita
doch der wurde das zu bunt
weil die drei sie ständig quälte :
„Such dir endlich einen aus“
nahm sie fortan jeden Abend
nur den Hund mit in ihr Haus
Der Tunnel
Eben noch die Sonne viel zu grell in meinen Augen
und die Landschaft fliegt vorbei im Sommerwind
es ist leicht an Gott und an uns selbst zu glauben
so lang wir auf der Straße ohne Mautgebühren sind
Wir brauchen keinen Kompass, keinen Navi, keine Karten
denn das wilde Herz weiß allein wo Süden ist
es gibt nichts zu bedauern, es gibt nichts zu erwarten
und ich möchte gar nicht wissen ob uns irgendwer vermisst
Vor uns liegt der Tunnel und der Tunnel führt ins Licht
auch wenn sich das paradox anhört, gelogen ist es nicht
Eben noch im Rückspiegel die altvertrauten Orte
an denen unsre Sprache wie ein Verbrechen klingt
doch schon bald erschaffen wir uns neue Worte
an dem unbekannten Ziel zu dem uns die Straße bringt
Wir brauchen keine Antworten auf nie gestellte Fragen
wir bewegen uns durch Zonen schierer Unvollkommenheit
es gibt nichts zu bereuen, es gibt auch nichts zu sagen
hinter uns liegt das Gestern, vor uns eine neue Zeit
Vor uns liegt der Tunnel und der Tunnel führt ins Licht
auch wenn sich das paradox anhört, gelogen ist es nicht
Wie soll man Stille beschreiben?
Wie soll man Stille beschreiben
einem der Stille nicht kennt?
Vielleicht als ein Ball ohne Tänzer
eine Kerze die niemals brennt
Wie soll man Stille beschreiben
einem dem Stille so fremd?
Vielleicht als ein Schiff ohne Meere
vielleicht als ein Knopf ohne Hemd
Wie soll man Stille beschreiben
einem der niemals Stille gekannt?
Vielleicht als ein Haus ohne Türen
ein aufgegebenes Land
Da hilft nicht der beste Wille
man kann es nicht sagen, nicht zeigen
man kann ihm letztendlich die Stille
im besten Falle verschweigen
Die Unheilbaren
Sie feilschen nicht um Ewigkeiten.
Sie richten sich nach keinem Grad.
Und wenn sie sich je vorbereiten
dann nur auf den heutigen Tag.
Weil sie in sich selbst verweilen
sind sie sich selber genug
und trachtet man sie zu heilen
fehlt ihnen dazu der Bezug
Sie lieben ihr eignes Gelächter.
Sie lieben es aus gutem Grund.
Ihr Schlaf hat keine Wächter.
Ihre Krankheit macht sie gesund.
Du hast geschrien (als andre schwiegen)
Der Worte finden sie heut viele
nennen dich Feind und Terrorist
und spielen weiter ihre Spiele
ohne zu wissen wer du bist
Die Mauern halten deinen Atem
die Wände brechen deinen Gang
sie schlafen jetzt zwar sehr viel leichter
aber ihr Weltbild das bleibt krank
Und das was ihre Richter sprachen
war zwar Gesetz aber nicht Recht
und dabei wird es immer bleiben
sie sind von Grund auf feig und schlecht
Du hast geschrien als andre schwiegen
weil dir was lag an diesem Land
und als sie es so sehr verdarben
bist du vor Zorn beinah verbrannt
Du hast geschrien als andre schwiegen
dich nie gebeugt vor ihrer Macht
du hast gekämpft als andre feig warn
und für die Dummen mitgedacht
Der Worte finden sie heut viele
nur kein Bedauern - kein Verzeihn
denn dieser Krieg trägt ihren Namen
doch das gestehn sie sich nie ein
Die Jahre nahmen dir die Hoffnung
die Knochen sind wie morsches Holz
doch brachen sie auch deine Stärke
sie brachen niemals deinen Stolz
Und was sie ihren Kindern sagen
wird wieder nicht die Wahrheit sein
sie fälschen weiter die Geschichte
und nebeln uns mit Lügen ein
Du hast geschrien als andre schwiegen
weil dir was lag an diesem Land
und als sie es so sehr verdarben
bist du vor Zorn beinah verbrannt
Du hast geschrien als andre schwiegen
dich nie gebeugt vor ihrer Macht
du hast gekämpft als andre feig warn
und für die Dummen mitgedacht
In meiner Sprache
In meiner Sprache bist Du alles
woran ich je gedacht
zugleich das hellste Sonnenlicht
und die sternenklare Nacht
Der Morgentau der zärtlich
sich an wilde Blüten schmiegt
in meiner Sprache bist Du immer
stolz und unbesiegt
Menschen kommen, Menschen gehen
finden und verlieren sich
und in meiner Sprache gibt es
bis heute noch kein Wort für Dich
In meiner Sprache bist Du Schönheit
die ewig fortbesteht
ein ungebrochenes Herz
das seine eignen Wege geht
Der Fluss der alles fortspült
und sich in keine Bahnen fügt
in meiner Sprache gibt es
kein Wort das für Dich genügt
Dinge kommen, Dinge gehen
bleiben und verändern sich
und in meiner Sprache gibt es
bis heute noch kein Wort für Dich
In meiner Sprache bist Du alles
wofür es sich zu leben lohnt
Du bist mir näher als mein Schatten
und dabei ferner als der Mond
Du bist der beste Teil in mir
Du bist die Wahrheit und das Licht
der Grund für jeden Atemzug
für jedes Lied, jedes Gedicht
Zeiten kommen, Zeiten gehen
und überleben sich
und in meiner Sprache gibt es
vielleicht niemals ein Wort für Dich
Du bist das Universum
und alles was darin
den Dingen einen Namen gibt
Bedeutung hat und Sinn
Der Anfang und das Ende
der Weg und auch das Ziel
doch meine Sprache kennt bis heute
noch kein Wort für dies Gefühl
Träume kommen, Träume gehen
und endlich verstehe ich
„Liebe“ bleibt in meiner Sprache
das einzige Wort für Dich
Für Yvonne (1994)
Da wo du mich haben wolltest
Das Mädchen bei Starbucks vor mir in der Schlange
kann sich für keine Sorte entscheiden
Ich sag : „Willkommen im Kapitalismus“
und kann mich dafür dann selbst nicht mehr leiden
Als Einzelfall wär das nicht weiter bedeutsam
doch ich bin der geborene Fettnäpfchentreter
ruf die Polizei und du kannst drauf wetten
sie sehn in mir nie das Opfer sondern immer den Täter
Manchmal hab ich es satt mir die Schuld zu geben
und da mir sonst keiner einfällt….
damit musst du leben
Da wo du mich haben wolltest
wollte ich nie hin
doch ich bin auch nicht zufrieden
da wo ich jetzt bin
Ein Rentner sitzt im Park und füttert Tauben
ich denk dem sollte man die Rente kürzen
und wenn man schon dabei ist gleich das Brot
mit irgendwelchen Giften kräftig würzen
Als Einzelfall wär das nicht weiter bedeutsam
doch ich hab mittlerweile nur noch solche Phasen
da pöbel ich Leute an nur weil sie lächeln
und reiß blöde Blumen aus noch blöderen Vasen
Manchmal hab ich es satt mir die Schuld zu geben
und da mir sonst keiner einfällt….
damit musst du leben
Da wo du mich haben wolltest
wollte ich nie hin
doch ich bin auch nicht zufrieden
da wo ich jetzt bin
Ortschaft ohne Gedächtnis
Da ist ein alter Mann
in einer alten Stadt
der singt ein altes Lied
das man vergessen hat
Es ist ein Kinderlied
Es ist ein Lied vom Tod
Es ist ein Lied vom Leid
das allen Fremden droht
Da ist ein alter Zaun
vor einem alten Haus
dort gehen immer noch
Gespenster ein und aus
Da ist ein alter Hass
und der verweilt noch dort
in jedem alten Mann
an diesem alten Ort
Nichts zu lachen
Man hat in diesen Zeiten nichts zu lachen.
Man hat sogar darüber nachgedacht
das Lachen andrer Menschen nachzumachen
denn man hat selbst vergessen wie man lacht.
Man muss die Lachenden genau studieren.
Jede Geste, jedes Wort und jeden Blick.
Und das dann einfach nur noch repetieren.
Das ist auch schon der ganze Trick.
Gelingt es trotzdem nicht Frohsinn zu finden
obwohl man alles wie die andren macht
dann sollte man am besten schnell verschwinden
und sehn dass man über sich selber lacht.
Ein großes Missverständnis der Geschichte
Hätte Nero gewusst wie die Nachwelt ihn sieht
wäre er wohl etwas verbittert
Zurecht – denn er war ein tierlieber Mensch
Seine Löwen wurden stets gut gefüttert
Dass er Menschen nicht mochte ist auch nicht belegt
Er hat mit Wohlwollen an sie gedacht
Dass sie oft froren hat ihn aufs Tiefste bewegt
Da hat er ihnen ein wärmendes Feuer gemacht
Der weite Himmel (ein Requiem)
Zu kurz der Augenblick um ihn zu sehen
die Zeit ist wie ein steter Fluss aus Sand
nur selten lässt das Leben sich verstehen
dabei hält man den Schlüssel in der Hand
Geburt und Tod halten sich meist die Waage
getrennt von einem kurzen Zwischenraum
man spielt das Spiel doch ändert nie die Lage
und jeder Tag ist immer nur ein Traum
Was von mir bleiben wird
von Freud und Leid
von meinem Weg
und meiner Zeit
ist meine Liebe
ist einzig meine Liebe
Der weite Himmel über mir
der lange Weg zurück
und alles was dazwischen lag
mal Trauer und mal Glück
Ich werd nicht gehen ohne eine Mitte
nicht gehen ohne dass ich was vollbracht
und für das Ende hab ich eine Bitte
aus Würde sei mein letztes Bett gemacht
Und spült das Wasser morgen
meinen Namen aus dem Stein
wird doch ein Teil von mir
stets unvergänglich sein
Was von mir bleiben wird
von Freud und Leid
von meinem Weg
und meiner Zeit
ist meine Liebe
ist einzig meine Liebe
Der weite Himmel über mir
der lange Weg zurück
und alles was dazwischen lag
mal Trauer und mal Glück
.... der weite Himmel
Sonnenaufgang in Tiergarten
Wie herrlich ist der jungen Sonne Schweben
wenn sie den neuen Tag verträumt begrüßt
ich möchte innehalten und erleben
wie sanft ihr Schein in meine Seele fließt
Öffentlicher Nahverkehr
Es zieht die Leute in die Weite
und sie suchen sich was aus
manchen achten auf die Zeiten
andre wollen nur nach Haus
Mancher fände gern zu sich
mancher nur das Hallenbad
und ein Strom der Lemminge
schleudert durch die Stadt
Manche müssen Richtung Arbeit
andre treibt es an den Strand
manche wollen nur dabei sein
andre in ein andres Land
Manche wollen in die Zeitung
andre zieht’s in Morgenrot
manche wollen in die Kneipe
andre suchen nach dem Tod
Manche kreischen in den Kurven
andre halten auf dem Strich
manche träumen schon vom Urlaub
andre stinken nur nach Fisch
Manche suchen einen Parkplatz
andre zieht es ins Büro
manche suchen ihre Dealer
andre wollen nur aufs Klo
Manche tragen leichte Kleidung
andre schwer an ihrem Los
manchen ist der Gurt zu eng
und der Kofferraum zu groß
Manche sind erregt und zornig
andre kontrolliert und schlau
manche fahren auf der Standspur
andre kollabiern im Stau
Manche labern in ihr Handy
andre sagen nicht ein Wort
manche hören deutsche Schlager
andre planen einen Mord
Manche spielen mit dem Navi
andre spielen an sich rum
manche gucken in den Spiegel
manche Spiegel gucken dumm
Es zieht Leute in die Ferne
in das Nichts und in das Glück
manche steigen aus und flüchten
andre kommen nie zurück
Mancher fühlt sich wie ein König
andere sind müd und matt
und ein Strom der Lemminge
schleudert durch die Stadt
In den Wolken
In den Wolken lässt sich manches sehen
Dafür braucht es einfach Fantasie
Ich dagegen muss verschämt gestehen:
Anderes als Wolken sah ich in Wolken nie
Für den Mann im Schacht
Fünf Uhr in der Frühe
und er schält sich aus der Nacht
sieht das Spiegelbild im Kaffee
das ihn täglich älter macht
und er würde gern noch schlafen
doch ihn mahnt sein Pflichtgefühl
also tritt er in den Tag raus
und der Tag ist grau und kühl
Wie für seinen Vater
und dessen Vater auch
besteht für ihn die Welt
nur aus Kohlenstaub und Rauch
Die Türme sind wie Kreuze
und bohren sich ins Herz
der vernarbten Landschaft
aus schwarzem Gold und Erz
Für den Mann im Schacht
ist es immer Nacht
während er den Stollen tiefer in die Erde treibt
hat er oft gedacht
ob oben wohl die Sonne lacht
und ob nach der Schicht
etwas von ihrem Licht
für seine müden Augen übrig bleibt
Wenn er dann im Korb steht
und nach unten sieht
betet er zum Herren
dass ihm kein Leid geschieht
Nicht immer gibt die Erde
was sie verschluckt zurück
und wem Demut fremd ist
den verlässt oft das Glück
Für den Mann im Schacht
ist es immer Nacht
während er den Stollen tiefer in die Erde treibt
hat er oft gedacht
ob oben wohl die Sonne lacht
und ob nach der Schicht
etwas von ihrem Licht
für seine müden Augen übrig bleibt
Liebe auf Vorschuss
Da hat man nun endlich die eine gefunden
da stellt sich heraus sie ist längst gebunden
so bleibt einem schließlich das Warten nur
doch Geduld lag niemals in meiner Natur
Wir können uns doch beinahe gut leiden
von deinem Mann lässt du dich irgendwann scheiden
und ich gestand dir längst mein Begehren
Weshalb dein Zaudern? Weshalb das Sich-Wehren?
Liebe auf Vorschuss
wär sehr vergnüglich
Vorschuss ist überall
anerkannt und auch üblich
Liebe auf Vorschuss
und geht’s in die Binsen
zahlt man wenigstens
dafür keine Zinsen
Da stehst du nun und erzählst was von Treue
so ein Vortrag überrascht mich immer aufs Neue
die Marktwirtschaft hat ihre eignen Gesetze
und du kannst dir sicher sein dass ich nicht petze
Warum also nicht mal es kurz ausprobieren
du hast viel zu gewinnen und nichts zu verlieren
na ja außer vielleicht deine Ehe samt Mann
aber mal ehrlich: Was geht mich das an ?
Liebe auf Vorschuss
wär sehr vergnüglich
Vorschuss ist überall
anerkannt und auch üblich
Liebe auf Vorschuss
und geht’s in die Binsen
zahlt man wenigstens
dafür keine Zinsen
Liebe auf Vorschuss
tut keinem weh
und ist überhaupt
meine beste Idee
Meine Tage gehen leise
Meine Tage gehen leise
streben ihrem Ende zu
doch am Ende meiner Reise
guter Gott, da wartest du
Du magst strafen, du magst richten
dies gebührt dir ganz allein
vergiss nur nicht ob all der Pflichten
Liebe heißt auch zu verzeihn
Die gebrochene Blüte
Der Frühling sah sie lächeln
im ersten Morgenlicht
da zeigte sie der Erde
ganz schüchtern ihr Gesicht
Der Frühling sah sie lächeln
und lächelte zurück
und als er weiter musste
da sagte er: Viel Glück
Der Sommer sah sie wachsen
in seinem warmen Wind
erwachte es zur Blüte
das schöne Blumenkind
Der Sommer sah sie wachsen
in ihrer ganzen Pracht
hat ihr die Zeit der Jugend
so unbeschwert gemacht
Der Herbst sah sie zerbrechen
im eisig kalten Wind
ganz ohne Schutz und Stärke
erfroren und fast blind
Der Herbst sah sie zerbrechen
doch es war ihm egal
er lachte laut und spöttisch:
So geht es allen mal
Der Winter sah sie sterben
in jener dunklen Zeit
und schenkte ihr am Ende
ein weißes Totenkleid
Der Winter sah sie sterben
und hat dabei gedacht:
Ich wünschte so viel Schönheit
wär für die Ewigkeit gemacht
Auch die Trauer trägt ein schönes Kleid
Schon wieder ist einer gegangen
Gefährte, Freund, Kamerad
und man misst mit Bangen
seinen eigenen Pfad
Wir sind doch nichts andres als Kerzen
den Geliebten spenden wir Licht
und wir bleiben in ihren Herzen
sie vergessen uns nicht
So wie alle Kerzen verbrennen
sind auch wir nur ein Spielball der Zeit
und es liegt an uns zu erkennen:
Auch die Trauer trägt ein schönes Kleid
Nordstrand
Da stehen wir zwei und sind etwas verlegen
na klar, es ist Jahre her
wir betrachten uns stumm im Sommerregen
denn Worte zu finden fällt schwer
Ich bin klatschnass und reichlich verwirrt
und dein Make-Up ist völlig verschmiert
vielleicht haben wir uns damals geirrt
und wer liebt der verliert
Der Eisverkäufer sieht aus wie ein Clown
und einem Clown kann man nicht vertraun
mach die Augen zu - zähl bis drei
mach sie auf und du bist frei
Aber lässt du sie geschlossen und zählst bis vier
bist du wieder am Nordstrand mit mir
Ich hab nicht vergessen was einmal war
und nun stehn wir plötzlich hier
ich leg meinen Kopf auf dein nasses Haar
ich hab mich so sehr gesehnt nach dir
Auch wenn ich weiß dass es nicht möglich ist
würd ich die Zeit gerne rückwärts drehn
so dass du immer noch bei mir bist
als wär alles danach nicht geschehn
Siehst Du das Kind mit dem Luftballon
lässt es los dann fliegen die Träume davon
mach die Augen zu - zähl bis drei
mach sie auf und du bist frei
Aber lässt du sie geschlossen und zählst bis vier
bist du wieder am Nordstrand mit mir
In deiner Nacht
Ich weiß, dass du dort bist in deiner Nacht
wenn schlaflos ich durch meine Nächte gehe
so bleibt die fernste Ferne mir doch Nähe
ich weiß was du geträumt, was du gedacht
Ich weiß, dass du dort bist in deiner Nacht
wo sich die Sterne unbeirrbar zeigen
behütet und beschützt durch jenes Schweigen
das ich in deinem Traum für dich erdacht
Der Junge mag Mozart
Taub und stumm zur Welt gekommen
niemand hätte je gedacht
dass ein Bub von fünfzehn Jahren
solche schönen Lieder macht
Seine Welt kennt nichts als Stille
und um diese zu zerstörn
spielt er seine Traumsonaten
ohne einen Ton zu hörn
Aber er fühlt all die Klänge
in der Seele ständig schwingen
und auch wenn sein Mund nicht redet
er kann mit dem Herzen singen
Der Junge mag Mozart
niemand sonst hört ihn so
voller Licht - voller Kraft
tonlos - doch farbenfroh
Manchmal steht er vor den Boxen
und presst seine Stirn dagegen
fühlt mit seiner Haut die Klänge
jedes Streicheln - jedes Beben
Seine Welt besteht aus Stille
aber das bedeutet nicht
dass die Poesie der Töne
diese Mauern nie zerbricht
Denn er fühlt all diese Klänge
in der Seele ständig schwingen
und auch wenn sein Mund nicht redet
er kann mit dem Herzen singen
Der Junge mag Mozart
niemand sonst hört ihn so
voller Licht - voller Kraft
tonlos - doch farbenfroh
Der Junge mag Mozart
niemand sonst hört ihn so
voller Licht - voller Kraft
tonlos - doch farbenfroh
Nicht der Tod tut weh, nur das Sterben
Gleich einem verwunschenen Garten
erblüht das Leben und breitet sich aus
man ist bereit auf Wunder zu warten
und erbaut sich ein sturmfestes Haus
Dort lebt man dann mit der Welt im Reinen
zeugt Kinder, pflanzt Bäume, wähnt sich am Ziel
egal wie zerbrechlich die Träume auch scheinen
es gibt anfangs so viele in diesem Spiel
Wenn die Jahre dann schließlich vergehen
und man will sein Wissen vererben
bleibt einem nur sich einzugestehen :
Nicht der Tod tut weh, nur das Sterben
Man wird gefunden und man wird verlassen
das Glück fällt einem manchmal in den Schoß
der Sinn von alldem lässt sich nicht erfassen
manches hält man fest, anderes lässt man los
Egal wofür man sich auch entscheidet
es gibt weder Sicherheit noch Garantie
man geht seinen Weg, man lebt und man leidet
und manche Träume erfüllen sich nie
Wenn die Jahre dann schließlich vergehen
und man will sein Wissen vererben
bleibt einem nur sich einzugestehen :
Nicht der Tod tut weh, nur das Sterben
Der Bär
Er steht und blickt verständnislos ins Runde
nicht wissend wo er ist und was er soll
es sammelt sich das Blut in seinem Munde
er spürt Verwirrung nur doch keinen Groll
Man führt ihn kreuz und quer durch die Manege
an einer Kette die gar furchtbar reibt
doch kennt er weder Prozedur noch Wege
so dass allein der Peitschenknall ihn treibt
Er fügt sich in sein Schicksal ohne Klage
der Nasenring scheuert sein Fleisch ganz wund
er ahnt so werden fortan alle Tage
und wünschte nur er wüsste auch den Grund
Pensionswirtin Schmidt
Sie fragte morgens mich wie ich das Bett fand.
„Ganz leicht“ sprach ich „wo es doch an der Wand stand“
Ein guter Junge
Man hält ihn allgemein für scheu und schüchtern
kein Nachbar der ihn nicht von Herzen mag
er war zur Tatzeit allerdings nicht nüchtern
mancher vermutet dass es daran lag
Die Lehrer sind von ihm sehr eingenommen
der Notendurchschnitt ist Eins Komma Vier
er ist so gut wie nie zu spät gekommen
und spielt sehr schön Chopin auf dem Klavier
Im Sportverein ist er sehr angesehen
er ist seit Jahren Mannschaftskapitän
und die Betreuer können nicht verstehen
wie konnte ihm so etwas nur geschehn?
Auch seine Freundin ist aus gutem Hause
sie sind zusammen seit knapp einem Jahr
zwischendurch gab es eine kurze Pause
wo er verwirrt und ziemlich traurig war
Er hat ein schönes helles Jugendzimmer
er hört nicht Heavy Metal oder so
das alles macht es irgendwie noch schlimmer
er wirkte doch meistens so lebensfroh
Er saß auch nie sehr lang vor dem Computer
verkehrte nie in dubiosen Chats
er zockte nie brutale Ego-Shooter
und ging um 21 Uhr ins Bett
Nun brennt allen die Frage auf der Zunge
woran ihr armer Liebling wirklich litt
wie kommt es bloß dass so ein guter Junge
ohne Anlass jemanden ins Koma tritt?
Der Westwind brachte die Krähen zurück
Herbstschatten auf goldnen Feldern
in den frühen Abendstunden
Landarbeiter ziehn zum Haupthaus
von dem langen Tag zerschunden
Und ich seh von einem Hügel
runter auf das trockne Land
und in bittere Gesichter
aus denen die Hoffnung schwand
Der Fluss trägt kein Wasser mehr
und sie beten um Regen
der Fluss trägt kein Wasser mehr
und Wasser heißt Leben
Und der Westwind brachte die Krähen zurück
Verdorrt die Ernte und die Menschen
in diesem einst fruchtbaren` Land
bevor die Krähen erstmals kamen
und man dann nie mehr Frieden fand
Ich seh die dürren Pferde stolpern
wenn sie die Saat zur Scheune tragen
und sich auf Feldern ohne Farben
vor einem Pflug vergeblich plagen
Der Fluss trägt kein Wasser mehr
und sie beten um Regen
der Fluss trägt kein Wasser mehr
doch Wasser heißt Leben
Und der Westwind brachte die Krähen zurück
In den Brunnen krabbeln Käfer
und der Wald gibt faules Holz
aber in den müden Augen
flammt noch Stärke auf und Stolz
Der Fluss trägt kein Wasser mehr
und sie beten um Regen
der Fluss trägt kein Wasser mehr
und Wasser heißt Leben
Und der Westwind brachte die Krähen zurück
Der Mann mit der Posaune
Er hatte ein Zimmer direkt unterm Dach.
Da gab es auch Schwalbennester.
Er lag nachts oft stundenlang wach.
Bei Tag spielte er im Orchester.
Er komponierte eigene Lieder.
Der Maestro wollt sie nicht spielen.
Die Frau verließ ihn und kam nie wieder.
Er begann sich einsam zu fühlen.
Er übte auf seiner Posaune.
Das nahmen die Nachbarn ihm krumm.
So brachte er aus einer Laune
sich eines Tages um.
Ich bin Gehirnchirurg
Normale Menschen streicheln
einen gerne übern Kopf
ich schneid ihn lieber auf
vom Scheitel bis zum Schopf
Ich bin Gehirnchirurg
der Job ist wirklich geil
ich tausch das eine Teil
gegen ein andres Teil
Da haben wir Herrn Meyer
ein wirklich krummer Hund
der kriegt das Hirn von Hasso
dann bellt er zwar – na und ?
Und da ist der Minister
da krieg ich einen Schreck
da ist kein Hirn zu finden
wie lang ist das wohl weg ?
Normale Menschen streicheln
einen gerne übern Kopf
ich schneid ihn lieber auf
vom Scheitel bis zum Schopf
Ich bin Gehirnchirurg
der Job ist wirklich geil
ich tausch das eine Teil
gegen ein andres Teil
Und heut liegt meine Alte
vor mir auf dem Tisch
weil sie mir zu viel plappert
kriegt sie ein Hirn vom Fisch
Ich schnitze und ich schneide
geschickt und äußerst schnell
doch bin ich kein Friseur
ich mach‘s mit dem Skalpell
Normale Menschen streicheln
einen gerne übern Kopf
ich schneid ihn lieber auf
vom Scheitel bis zum Schopf
Ich bin Gehirnchirurg
der Job ist wirklich geil
ich tausch das eine Teil
gegen ein andres Teil
Der Mann auf dem Rücken des Esels
Im Sand saß ein Kind mit einer hölzernen Puppe
und sagte zu ihr: „Los iss deine Suppe
denn bist du nicht artig dann muss ich dich schlagen
das höre ich Papa doch auch immer sagen“
Und der Mann auf dem Rücken des Esels
berührte ganz sanft ihr Gesicht
dann ritt er weiter der Sonne entgegen
und verschmolz mit dem Licht
Eine Hure vom Mob an den Pranger gestellt
rief wütend aus: „Ich tu es für Geld
doch wer von euch beansprucht das Recht
zu sagen ich wäre verdorben und schlecht?“
Und der Mann auf dem Rücken des Esels
berührte ganz sanft ihr Gesicht
dann ritt er weiter der Sonne entgegen
und verschmolz mit dem Licht
Ein Soldat die Beine von Minen zerfetzt
hustete heiser: „Gott sterbe ich jetzt?
Wirst du es sein der mich zu sich nimmt
oder ist mir am Ende die Hölle bestimmt?“
Und der Mann auf dem Rücken des Esels
berührte ganz sanft sein Gesicht
dann ritt er weiter der Sonne entgegen
und verschmolz mit dem Licht
Straßenbahnenvollverrückt
Ich stieg morgens in die Straßenbahn
wie ich es tausendmal getan
bei Regen, Sonne oder Schnee
an der Haltestelle Obstallee
Mein Blick fand was er immer fand
kannte längst jede Häuserwand
manchmal war ein Plakat zwar neu
doch sonst blieb sich der Ausblick treu
Und ich tat was ich immer tat
seit Jahren schon auf dieser Fahrt
erfand für jeden Menschen dort
ein ganz spezielles eignes Wort
Das Mädchen dort am Blumenstand
das ich heut primelrosig fand
sprach grade mit demselben Kunden
den ich gestern walschwer gefunden
Da rennt auch schon der Zeitungsjunge
den tauf ich heute Newsflashlunge
und ich seh diesen Polizist
der heut ein Fischkopfpfeiffer ist
So tu ich was ich immer tat
seit Jahren schon auf dieser Fahrt
erfind für jeden Menschen dort
ein ganz spezielles eignes Wort
Ein schönes Mädchen steigt grad ein
ich lass es Bella-Ella sein
und draußen seh ich einen Punk
der scheint mir bierrasiertierkrank
Jedoch macht mir am meisten Spaß
mich selbst zu sehn im Scheibenglas
und heute dachte ich entzückt :
Ich bin strassenbahnenvollverrückt
Die Sucht
Die Sucht hat viele Namen
und meistens etwas Lautes
sie fällt aus jedem Rahmen
und hält sich an Vertrautes
Sie fordert und verzehrt
kennt nur den Augenblick
wie sehr man sich auch wehrt
sie kehrt doch stets zurück
Wie eines Gauklers Posse
die ein Trugbild schafft
treibt sie dich in die Gosse
und raubt dir deine Kraft
Sie macht dich immer kleiner
belügt dich und erkennt dich
wird mit der Zeit gemeiner
betrügt dich und verbrennt dich
Ein jede Flucht bleibt flüchtig
endet schon beim Versuch
so fügst du dich, bleibst süchtig
und lebst mit diesem Fluch
Noahs Taube
Auf dem Ozean verloren
treibt ein kleines Boot umher
und die Seelen die dort harren
haben keine Heimat mehr
Sind die Sterne auch ihr Kompass
bleibt die Hoffnung doch nur schwach
wo das Trinkwasser knapp wird
hält allein die Angst sie wach
Werden sie wie viele andre
in der See verloren gehn
oder zeigt der Herr Erbarmen
und lässt sie Noahs Taube sehn?
Schaufensterpuppen
Sie sind mir nicht so recht geheuer
wie sie da so schweigend stehn
ich hab immer so eine Ahnung
dass sie ihre Köpfe verdrehn
wenn sie sich unbemerkt glauben
und im nächtlichen Sternenglanz
gucken und rucken und zucken
und sich berühren beim Tanz