Weiteste Ferne
Manchmal braucht es weiteste Fernen
einander kennen zu lernen
alles was ich dann in dir sehe
ist unsichtbar aus der Nähe
Morgensonne
Wenn sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen
als ob sie schon des Frühlings Boten sind
und sich das Grün bewegt an dürren Zweigen
geweckt durch einen frühen warmen Wind
beginnt das Land vom Winter sich zu scheiden
und zeigt sich bald in seinem schönsten Kleid
die Blüten schmiegen farbenfroh und seiden
sich an die Ahnung einer lichten Zeit
Mein unbekannter Opa
Mein unbekannter Opa
vermisst seit Stalingrad
niemand kann mir noch sagen
war er von meiner Art
ein Tunichtgut, ein Träumer
ein Trinker, ein Poet
man kann sich vieles denken
man fragt halt nur zu spät
Ich kenn ihn nur von Fotos
ich seh sie mir oft an
und würde gerne wissen
was war das für ein Mann
Er hat ein helles Lächeln
und schönes blondes Haar
die Frauen fanden ihn
ganz sicher wunderbar
Was dachte er von Hitler
was hat ihn ausgemacht
wie hat er seine Jugend
in diesem Land verbracht
Wie oft musste er töten
was tat der Krieg ihm an
wie ist er wohl gestorben
dieser unbekannte Mann
Schleusen und Geschlechtsverkehr
Schleusen und Geschlechtsverkehr
unterscheiden sich nicht sehr
Es ist ein Heben und Senken
Komisch: An Schleusen muss ich nie denken
Ich könnte in der Zwischenzeit….
Da haben wir uns jetzt endlich gefunden
doch du bist nicht frei und ich bin gebunden
also stehen wir nun so treu wie Soldaten
und warten… und warten… und warten
Ich könnte in der Zwischenzeit
mal ein paar Bücher lesen
ich könnte auch nach Salzburg fahrn
da war ich nie gewesen
Ich könnte Wäsche waschen
ich könnte Snickers essen
nur eines kann ich nicht
Ich kann dich nicht vergessen
Ich könnte in der Zwischenzeit
nach alten Freunden sehen
ich könnte Zigaretten drehn
oder ins Kino gehen
Ich könnte etwas turnen
oder Idioten kränken
nur eines kann ich nicht
Ich kann nicht nicht an dich denken
Ich könnte in der Zwischenzeit
Ulli beim Schach besiegen
ich könnte mir ein Skateboard leihn
und auf die Schnauze fliegen
Ich könnte Nudeln kochen
und sie anschließend sieben
nur eines kann ich nicht
Ich kann dich nicht nicht lieben
Da haben wir uns jetzt endlich gefunden
und nutzlos vergehen die Tage, die Stunden
wir warten… wir warten… wir warten…
wer braucht schon treue Soldaten?
An einer Grenze
An einer Grenze stehen zwei Soldaten.
Die wissen beide nicht worauf sie warten.
Nur dass man sich nicht besser kennt
weil sie täglich der Grenzstrich trennt.
Und dass sie es vermutlich nicht genießen
müssten sie eines Tages sich erschießen.
Herbst des Lebens
Schon trennt sich das Laub von den Bäumen
und der Nordwind schleicht heulend ums Haus
Um von besseren Tagen zu träumen
reicht mein Optimismus nicht aus
Der ist ohnehin damit beschäftigt
nicht ganz vor die Hunde zu gehn
Wenn er das einmal nicht mehr bekräftigt
weiß Gott, ich könnt ihn verstehn
Man trägt viel zu schwer an den Jahren
die man mit sich selbst zugebracht
und so gut auch einige waren
der schlechten wird öfter gedacht
Und während die Blätter verwehen
nimmt die Zeit unbeirrt ihren Lauf
Ich würd weiterhin meinen Mann stehen
doch sie fordert mich dazu nicht mehr auf
Goodbye Peter P.
Käm Peter Pan zu mir heut Nacht
ich hätt das Fenster aufgemacht
fiele mir auch das Fliegen schwer
denn ich bin längst kein Junge mehr
Ein letztes Mal ins Nimmerland
zwei wilde Kinder, Hand in Hand
doch er bemerkte sicher bald
ich bin für seinen Traum zu alt
Welch Urteil er auch immer fällt
ich bin kein Teil mehr seiner Welt
vielleicht spürt er es von alleine
doch ich gehör auch nicht mehr in meine
Alle Macht dem Volk
Meine Wasserwerferheldin
meine Widerstandsgenossin
auf der Demo vor dem Rathaus
stehst du pitsche-patsch begossen
und dein T-Shirt klebt am Körper
du schreist ganz laut "Love and peace"
ich steh da und brülle mit dir
denn ich finde dich so süß
Alle Macht dem Volk
deshalb sind wir hier
alle Macht dem Volk
und deine Liebe mir
Du willst dich dem Staat verweigern
und das find ich auch okay
aber ich bin nicht sehr staatlich
nur verliebt - und das tut weh
Denn du möchtest mich zwar aufklärn
aber leider nur politisch
doch ich will so gern was andres
doch selbst da zeigst du dich kritisch
Alle Macht dem Volk
deshalb sind wir hier
alle Macht dem Volk
und deine Liebe mir
Du schwenkst wild deine Plakate
damit sie die Wahrheit wissen
und ich halte eines hoch
darauf steht "Ich will dich küssen"
Alle Macht dem Volk
deshalb sind wir hier
alle Macht dem Volk
und deine Liebe mir
Andacht
Ein weites Feld. Wie dein Gesicht.
Dahinter Asche. Oder Licht.
Und Gottes Flugblatt wirbt beredt
für einen Plan der Glück verspricht.
Die Glocke schlägt.
Zu Boden mich.
So klingt es
Dein: Ich liebe Dich
Hat mich gebeugt.
Mein krummer Gang
ist Zeichen dafür.
Gott hab Dank.
Doch das was mich am Leben hielt
habe ich Dir nur vorgespielt.
Man will ja nicht drüber reden
Haben Sie schon gehört?
Nun sagen Sie schon.
Warum sagen Sie nichts?
Sagen Sie doch einen Ton!
Also die Maria, die von der Krause
Sie glauben es nicht, die geht auf dem Strich
Deshalb ist sie nachts so selten zu Hause
Wen das was angeht? Na, mich!
Neulich im Treppenhaus
Der Marquardt wurde gefeuert.
Es lag sicher am Alkohol.
Er sei schuldlos, hat er beteuert
doch bei dem war mir nie ganz wohl.
Der hat nach jungen Dingern geschaut.
Und sich nur selten rasiert.
Des Nachts war es bei ihm immer laut.
Da ist bestimmt sonst was passiert.
Vielleicht eine satanische Messe.
Kein Wunder dass er jetzt büßt.
Der zog immer eine Fresse.
Und hat nie gegrüßt.
Hab gleich dem Vermieter berichtet..
Das ist Nachbarschaft. Man kümmert sich.
Wenn Gott über den Marquard nicht richtet
dann ich.
Bitte reden Sie jetzt!
Wir rücken noch eben die Stühle
Sie werden derweil schon geschminkt
In zehn Minuten gibt es falsche Gefühle
und die Nation wird gelinkt
Halten Sie bitte die Hand Ihrer Frau
das schafft beim Wähler Vertrauen
und vermeiden Sie wenn es geht
direkt in die Linse zu schauen
Das wirkt pressegeil
das wollen wir doch nicht
man sieht auch so Ihr Gesicht
Verdrahtet, verkabelt, vernetzt :
Bitte reden Sie jetzt!
Sprechen Sie deutlich und langsam
und vermeiden Sie bloß Synonyme
keine Angst vor dem Publikum – es bleibt stumm
das sind für Sie Anonyme
Streicheln Sie bitte mal eben Ihr Kind
das bringt garantiert ein paar Stimmen
und betonen Sie laut und klar
stets gegen den Strom zu schwimmen
Das wirkt entschlossen
und das wollen wir doch
dann kriecht man Ihnen noch lieber ins Loch
Verdrahtet, verkabelt, vernetzt:
Bitte lügen Sie jetzt!
Angeschwemmt
Man kann am Strand so manches finden
das angeschwemmt kam mit der Flut
bei der nächsten wird’s vielleicht verschwinden
wie Strandgut das recht häufig tut
Manchmal ist es ein Autoreifen
ein andres Mal ein alter Schuh
man kann sie ansehn, kann sie greifen
und lohnt es sich dann greift man zu
Die Flaschen die dort häufig liegen
muschelbedeckt in Schlick und Sand
kann man in seinen Händen wiegen
mit Hoffnung auf das Flaschenpfand
Botschaften bringen sie nur selten
und mir ist wirklich nicht bekannt
dass jemand schrieb: „Gott wird’s vergelten
rettest Du mich von Helgoland“
Mitunter findet man auch Leichen
und stellt dann mit Erstaunen fest
dass sie den Lebenden nicht gleichen
(oft fehlt von ihnen auch ein Rest)
Manches beginnt oft aufzutauchen
dort wo einstmals ein Schiff in Not
doch vieles kann man nicht gebrauchen
wie beispielsweise Möwenkot
Doch ist nicht alles angeschwemmt
denn manche Dinge hat stattdessen
- wie ich neulich mein neues Hemd –
ein Mensch einfach am Strand vergessen
Heimliche Verlobte
Du probierst gerne Brautkleider an
ich spiele den nicht existierenden Mann
wenn dein Vater das wüsste – er hätte getobt
es ist als wären wir heimlich verlobt
Ich schieß Fotos von dir wie ein williger Depp
die schickst du deinen Freundinnen per WhatsApp
und wirst von ihnen für deine Wahl sehr gelobt
es ist als wären wir heimlich verlobt
Mir fällt vieles ein was ich dir nicht gesteh
wenn ich dich ganz in Weiß so vor mir seh
es ist als hätten wir die Zukunft geprobt
und wären da wirklich verlobt
Engel und Dämonen
Ich hab Engel und Dämonen gesehn
und mit beiden gerungen
zwei Seiten – und ich konnte beide verstehn
und blieb dennoch unbezwungen
Bodyguard
Er ist ein Junge aus dem Kiez
hat manchen Unfug ausgefressen
war mit den Fäusten schnell dabei
und hat im Jugendknast gesessen
Jetzt steuert er ne Limousine
und sein Jackett ist ausgebeult
und er kennt jedes Hinterzimmer
wo man des Bären Fell verteilt
Er schützt den Arsch eines andren
auf seine ganz besondre Art
erst schlägt er zu, dann stellt er Fragen
Bodyguard
Er räumt den Dreck weg von der Straße
das Leben machte ihn früh hart
und niemals stellt er dumme Fragen
Bodyguard
Sein Boss ist eine große Nummer
hat Dreck am Stecken, Geld wie Heu
er mimt den Biedermann nach außen
aber das ist nicht wirklich neu
Er kennt die Macher in der Wirtschaft
die Spitzen in der Politik
und zieht im Hintergrund die Fäden
vor ihm da kuscht die Republik
Klar so ein Mann hat viele Feinde
und auch wenn er keinem vertraut
braucht er den Jungen aus dem Kiez doch
denn der schützt selbstlos seine Haut
Er schützt den Arsch eines andren
auf seine ganz besondre Art
erst schlägt er zu, dann stellt er Fragen
Bodyguard
Er räumt den Dreck weg von der Straße
das Leben machte ihn früh hart
und niemals stellt er dumme Fragen
Bodyguard
Heut lief der Job mal etwas anders
der Boss war auf ner Konferenz
sagte: Fahr meine Frau zum Shoppen
und gib gut Acht auf den Benz
Personenschutz ist so ne Sache
die Lady nahm es zu genau
sie sagte: Zeig mir deine Wumme
dann blies sie ihm den Himmel blau
Später da hörten sie im Radio
von einer wüsten Schießerei
sein Boss sang längst schon mit den Engeln
und er nahm sich ne Zeit lang frei
Bedenken
Antworten die wir suchen
sind meist in uns selbst verborgen
so dass eine gute Chance besteht
dass wir sie finden – heut oder morgen
Und dass wir uns bis es soweit ist
noch etwas Bedenkzeit schenken
erklärt sich durch das Wort ja schon selbst
Wir haben starke Bedenken
Bedenken eine Antwort zu suchen
Bedenken ob sie uns gefällt
wir bestehen nur aus Bedenken
so wie auch der Rest dieser Welt
Anspruchslose Liebschaft
Sie ist eine farblose Liebschaft
und nicht sehr anspruchsvoll
Was immer er sagt, was immer er tut
sie findet es einfach toll
Ihr fällt nicht ein sich je zu beklagen
wenn er nach dem Geschlechtsakt nach Hause geht
Er sagt dann niemals: „Ich habe Dich lieb“
Er sagt immer nur: „Es ist schon spät“
Sie könnte etwas Besseres finden
Das ist es was ihre Freundin ihr sagt
Sie hat auch schon darüber nachgedacht
und die Entscheidung doch immer vertagt
Zum Glück wurde ihr die dann abgenommen
auch wenn sie nun ungläubig blickt
weil der Mann an den sie ihr Herz verlor
nicht mehr sie sondern ihre Freundin fickt
Grenzstadt
Hier haben sie einst eine Mauer gezogen
und die Stadt in zwei Hälften geteilt
beide wurden um die Zukunft betrogen
es bleibt eine Narbe die nie ganz verheilt
Inzwischen ist die Mauer verschwunden
zusammenwachsen soll was zusammen gehört
als wäre alles einfach so überwunden
solche Phrasen haben mich schon immer gestört
Die Landkarten sind inzwischen berichtigt
doch keiner versteht welche Regeln jetzt gelten
und wenn man die Stadt heute besichtigt
dann sieht man noch immer: Zwei Welten
Hausfrauenart
Wir speisten gediegen im „Alten Fritz“
und bestellen uns Blaue Forelle
da schlug etwas ein und zwar der Blitz
und grillte selbige auf die Schnelle
Als der Ober dann mit der Rechnung erscheint
kratzt er sich verlegen den Bart
was dort steht ist wohl keinesfalls ernst gemeint :
Forelle auf Hausfrauenart
Die Nebensächlichkeit
Eine Nebensächlichkeit
klopfte an und suchte Streit
es gab keinen Grund dafür
doch ich öffnete die Tür
Und während wir zwei uns maßen
dabei fast den Streit vergaßen
fühlten wir uns für Sekunden
sehr verbunden
Sie sagte: „Es tut mir leid
ich stehle Dir nur die Zeit
Du bist in Deiner Einsamkeit
auch nur ne Nebensächlichkeit“
Der nicht vorhandene Wal
Da sitzt ein Mann
auf der Bank am Kanal
und staunt ins Wasser
als würde ein Wal
dort Kapriolen
vollführen
zum Beispiel mit der Flosse
sein Maul berühren
Doch dort ist kein Wal
kein Maul, keine Flosse
weshalb also staunt
dieser Zeitgenosse
nun schon seit Stunden
in den Kanal
Ehrlich gesagt:
Ist mir egal
Wenn gute Vorsätze Kinder bekommen
Wenn gute Vorsätze Kinder bekommen
- was leider viel zu häufig passiert -
frage ich mich wer so blöd ist
und diese Bälger dann adoptiert
Es lebte ein Kind auf den Dächern
Es lebte ein Kind auf den Dächern
den allerhöchsten der Stadt
es kannte nicht Durst und nicht Hunger –
Luft und Regen machten es satt
Ohne Eltern und Namen und Sprache
hat es auf die Menschen geschaut
es war eins mit sich selbst in der Höhe
der Sonne und dem Wind anvertraut
Und niemand erblickte es jemals
wenn es nachts über die Dächer sprang
um die Sterne am Himmel zu fangen
mit wortlosem Gesang
Es lebte ein Kind auf den Dächern
und die Menschen schienen so klein
in den lauten Straßen dort unten
Teil anderer Welten zu sein
Doch es fühlte sich trotz seiner Neugier
ihnen nicht im geringsten verwandt
und so hielt es sich sorgsam verborgen
damit niemand es jemals fand
Bei Nacht kam der Mond manchmal näher
und führte es mit seinem Licht
sicher über die steinernen Gärten
und verriet es den Menschen nicht
Es lebte ein Kind auf den Dächern
und weil kein Mensch es je sah
wäre es durchaus möglich
es ist noch da
Tadelnde Vögel
Ihr tadelnden Vögel im Apfelbaum
ich dachte mein Sein das kümmert euch kaum
doch mittlerweile hab ich kapiert
dass ihr mein Tagewerk kontrolliert
Gelingen mir keine brauchbaren Zeilen
übt auch ihr euch im trägen Verweilen
erschaff ich jedoch ein schönes Gedicht
schämt ihr des Flügelschlagens euch nicht
Doch es gibt auch Tage da mag ich nicht schreiben
da verfallt ihr in ein schamloses Treiben
macht bösartig und wütend Radau
ich durchschau euch tadelnde Vögel genau
Nebelmorgen
Der Nebelmorgen frisst die Farben
Lichter mühen sich durch das Grau
In dürren Bäumen hängen Raben
und laben sich am Morgentau
Der dumpfe Schleier legt sich nieder
über dem tristen Häusermeer
und so wie jeden Morgen wieder
fällt jeder Schritt darunter schwer
Egal wie forsch man sucht zu schreiten
man leidet an seinem Gewicht
sehnt sich nach nebellosen Zeiten
und einer Spur von Sonnenlicht
Mondblind
Null Uhr dreißig, beinah Winter
und ich sitze hier und frier
denn ich weiß ein andrer Mann
ist heute Nacht bei ihr
Du kommst raus, setzt dich zu mir
auf die kalten Kellerstufen
und wir hören wie die Engel
nach verlorenen Seelen rufen
Du fragst mich ob ich traurig wär
und ich lüg so gut ich kann
doch du siehst mit deinen sechzehn Jahren
mir schon alle Lügen an
Ich bin mondblind, Kind
und das ist nicht weiter schlimm
wenn du noch ein wenig hier bleibst
kriege ich das sicher hin
Ich bin mondblind, Kind
ich würd dir das gern ersparen
doch du wirst das kennenlernen
mit den Jahren
Ein Uhr zwanzig und schon Winter
du sitzt immer noch bei mir
und ich habe fast vergessen
was ich fühl und wie ich frier
Du hältst meine Hand in deiner
und ich streichel dein Gesicht
wir hören die Engel rufen
Kommt und tretet in das Licht
Du fragst mich ob ich einsam wär
und ich lüg so gut ich kann
doch du siehst mit deinen sechzehn Jahren
mir schon alle Lügen an
Ich bin mondblind, Kind
und das ist nicht weiter schlimm
wenn du noch ein wenig hier bleibst
kriege ich das sicher hin
Ich bin mondblind, Kind
ich würd dir das gern ersparen
doch du wirst das kennenlernen
mit den Jahren
Ich bin mondblind, Kind
doch halt meinen Schmerz verborgen
denn du hilfst mir durch die Nacht
und danach folgt ein neuer Morgen
Am Tag als ich zu atmen vergaß
Rasenmäher rasten um die Wette
Kinder fielen aus so manchem Baum
und das Glück war eine Silhouette
die jemand vergaß in meinem Traum
Rosensträucher sehnten sich nach Regen
Eisverkäufer strömten in die Stadt
Skater kollidierten auf den Wegen
und schlugen sich ihre Nasen platt
Am Tag als ich zu atmen
am Tag als ich zu atmen
am Tag als ich zu atmen vergaß
Schwiegermütter stürzten sich in Scheren
Uhren ignorierten Pflicht und Zeit
aus den Zirkussen flohen die Bären
und machten sich in den Straßen breit
Schlagersänger übten sich im Schweigen
eine Katze küsste eine Maus
Politessen tanzten einen Reigen
und zogen sich ihre Blusen aus
Am Tag als ich zu atmen
am Tag als ich zu atmen
am Tag als ich zu atmen vergaß
Am Tag als ich zu atmen
am Tag als ich zu atmen
am Tag als ich für immer zu atmen vergaß
Frühlingsfest
Das ganze Dorf hat sich herausgeputzt
und die Landpomeranzen
denen man zu früh die Flügel gestutzt
träumen wieder von großen Romanzen
Sie binden sich bunte Schleifen ins Haar
und schnüren die engen Mieder
Der Frühling kommt und wie in jedem Jahr
kehrt die Sehnsucht mit ihm wieder
Die Lampions schwingen hin und her
und der Tanzboden bebt
Die Musikanten bemühen sich sehr
und manch Freundschaft wird wiederbelebt
Einer den man grad noch als Bub gekannt
ist inzwischen ein stattlicher Mann
schüchtern greift man nach seiner Hand
und sieht ganz verlegen ihn an
Wenn die Eltern grad mal nicht schauen
und der Moment günstig ist
flüstert man ihm zu, ganz im Vertrauen:
„Ich sag es keinem wenn du mich jetzt küsst“
Doping in der Tierwelt
Ein Glühwürmchen sah einen Leuchtturm
der da stand in finsterer Nacht
und dachte: Da kann man mal sehen
was Anabolika aus einem macht
Graceland nonstop
Meine Sorgen sind meistens ausgedacht
deine dagegen sind hausgemacht
wir sind ein seltsames Paar in einer seltsamen Zeit
mehr Micky & Minnie als Bonnie & Clyde
Von dir könnten zehn Therapeuten lang existieren
doch neun davon würden die Fassung verlieren
ich therapiere mich selbst mit Massen von Sprit
die meisten Leute kriegen davon nichts mit
Wie Ahab auf der Jagd nach Moby Dick
sind wir auf einem höllischen Trip
es heißt nur: Hopp oder top
Wie Ahab auf der Jagd nach dem Weißen Wal
ist uns alles andere scheißegal
Graceland nonstop
Der King wird seit Ewigkeiten vermisst
wir wissen trotzdem dass er noch lebendig ist
er sitzt vor einem Bildschirm und flucht
weil keiner mehr wirklich nach ihm sucht
Aber wenn Jim Morrison und John Lennon
am Wochenende mal bei ihm pennen
haben sie fast so viel Spaß wie wir
und John sagt: Zum Glück ist Paul jetzt nicht hier
Wie Ahab auf der Jagd nach Moby Dick
sind wir auf einem höllischen Trip
es heißt nur: Hopp oder top
Wie Ahab auf der Jagd nach dem Weißen Wal
ist uns alles andere scheißegal
Graceland nonstop
Graceland, wir kommen, mach dich schon bereit
du kannst darauf wetten: Das ist unsere Zeit
Graceland, wir kommen, dein Ruf ist nachhaltig
Graceland, wir kommen, wir kommen gewaltig
Die Eiche
Es steht eine Eiche vor meinem Haus
die hat niemals Blätter getragen
bei Nacht sieht sie wie der Sensenmann aus
und der Wind singt schaurige Klagen
Klettert ein Kind in den knorrigen Zweigen
scheint es totengleich zu erbleichen
eingehüllt in ein trauriges Schweigen
fühlt es sein Leben entweichen
Ob wohl alle Eichen so sind?
Grausame alte Gespenster?
Ich fürchte den kalten spottenden Wind
und schließe fröstelnd das Fenster
Studentenschicksal
Er war noch jung und er kam vom Lande.
Da war es immer äußerst familiär.
Das ist nun wirklich keine große Schande.
Der Großstadt mangelt es daran doch sehr.
Die Mieten waren einfach unerschwinglich.
Da gab es keinen Kniff und keinen Dreh.
Der Wohnungswunsch jedoch war mehr als dringlich.
Am Schwarzen Brett stand : Platz in der WG
So hat er also nun sein eignes Zimmer.
Der Raum darin jedoch ist mehr als knapp.
Das oft besetzte Klo findet er schlimmer.
Drei Tage in der Woche wäscht er ab.
Man speist im Stehen meist und aus der Dose.
Und vor dem Fenster sieht man häufig Dunst.
Für Medizin gibt es eine Prognose.
Und die ist schlecht. Also studiert er Kunst.
Er würde gern expressionistisch malen.
Doch auf dem Stundenplan steht leider : Akt.
Der Schock haut ihn beinah aus den Sandalen :
Eine Kommilitonin macht sich nackt.
Entsetzt ob solcher üblen Schweinerei
verschwendet er nicht weiter Zeit und Mühe.
Er fährt nach Haus und fühlt sich wieder frei.
Er malt nicht mehr. Er melkt jetzt lieber Kühe.
Pfarrer Wagenknecht zum Gedenken
Am Sonntag sprach Pfarrer Wagenknecht
von Sitte und von Moral
am Montag jedoch – man staunte nicht schlecht –
traf man ihn im Lokal
Er zeigte sich – wenn auch nicht beschämt –
so doch unvermindert weise:
„Es lohnt sich Freunde, wenn ihr hier einen nehmt
Montags gibt es halbe Preise“
Nun ist er tot und an seinem Grab
weinte heute die halbe Stadt
ich hoffe er bekommt - weil er Montag verstarb -
für die Reise einen Rabatt
Der Mond und ich
Man kann behaupten dass wir uns verstehen
der Mond und ich – und das seit langer Zeit
wir kamen rum und haben viel gesehen
und trotzdem kamen wir nicht wirklich weit
Wir wissen nur zu gut wo wir uns finden
uns beiden ist ein fester Platz bestimmt
auch wenn wir zwischendurch mal kurz verschwinden
wissen wir welchen Weg der andre nimmt
Man kann behaupten dass wir uns verstehen
der Mond und ich – wir sind vom gleichen Schlag
so rastlos wir durch unsre Nächte gehen
so unscheinbar sind wir am hellen Tag
Erinnerung
Einst schritt ich in Gedanken versunken
an einer fernen Küste dahin
von der Schönheit des Tages fast trunken
kam mir nur fröhliches in den Sinn
Mir fiel es nicht schwer zu bekennen
dass mein Blick manch göttliches fand
es ließ sich so einfach benennen:
Himmel und Meer und Gräser und Sand
Dieser Platz lud ein zum Verweilen
frei von jeglicher weltlichen Pein
ließ die Wunden des Heimwehs verheilen
und mich einen Moment lang zufrieden sein
Ischariot
Ich habe nur geliebt wie Menschen lieben
und labte mich an deiner Herrlichkeit
jedoch ist mir kein Wort, kein Trost verblieben
mein Handel schuf nichts als Vergeblichkeit
Vertrauensvoll war ich zu dir gekommen
voll Demut senkte ich vor dir mein Haupt
doch als du das Gericht auf dich genommen
verrietst du alles woran ich geglaubt
Ich habe nur geliebt wie Menschen lieben
und hielt fest an dem Wissen das ich fand
jedoch ist mir kein Wort, kein Trost verblieben
und alles starb was uns einst eng verband
An jenem Abend sprach zu mir dein Schweigen
als ich zum letzten Kuss die Stirn dir bot
anstatt den Spöttern deine Macht zu zeigen
wähltest du für mich die Schuld, für dich den Tod
Das Ministerium
Auf dem Hügel verblichener Gebeine
steht ein Haus (noch in einem Gerüst)
kahle, glatte, kühle, graue Steine
das von weitem gut zu sehen ist
Die Eröffnung zieht sich noch für Wochen
doch es herrscht schon Leben in dem Haus
Menschen strömen dort ununterbrochen
zu jeder Tageszeit hinein, hinaus
Es ist ein Mysterium
das Ministerium
willst du es ergründen
lässt man dich verschwinden
Drum herum vier Türme und viel Wachen
und ein dichter Zaun aus Stacheldraht
keiner weiß was die dahinter machen
doch an Sicherheit wurd nicht gespart
Da sind Kameras und auch Bewegungsmelder
niemand kommt dort unbemerkt hinein
vielleicht plant man auch noch Minenfelder
abwegig scheint mir das nicht zu sein
Es ist ein Mysterium
das Ministerium
willst du es ergründen
lässt man dich verschwinden
Auf dem Parkplatz kreuzen Panzerwagen
und ein Hubschrauber steht auf dem Dach
Leute die hier wohnen hört man sagen :
Nachts werden wir oft von Schreien wach
Es bleibt ein Mysterium
das Ministerium
Mach mich mal halblang
Ich hab die Weisheit mit Löffeln gefressen
und hab ich den Löffel zufällig vergessen
steck ich die Nase in den Honigtopf
und steig mir selber zu Kopf
Ich hab zu allem etwas beizutragen
wenn du was nicht weißt dann kannst du mich fragen
und willst du nichts wissen dann sag ich’s trotzdem
- das ist mein Problem
Mach mich mal halblang
sonst hebe ich ab
von mir selbst berauscht
und flieg über die Stadt
Mach mich mal halblang
mach mich mal halblang
mach mich mal halblang
und das nicht zu knapp
Wenn du mich nicht ab und zu runterholst
und mir sprichwörtlich den Hintern versohlst
dann bliebe ich abgehoben
und hätte mich längst verflogen
Mach mich mal halblang
sonst hebe ich ab
von mir selbst berauscht
und flieg über die Stadt
Mach mich mal halblang
mach mich mal halblang
mach mich mal halblang
und das nicht zu knapp
Mach mich mal halblang
und stutz mich zurecht
sonst wachs ich wie Unkraut
über mich hinaus – das wär schlecht
Der blinde Maler
Er fühlt den Stoff der Leinwand
und streicht mit seiner Hand
über die dünnen Risse
auf dem vertrauten Land
Ein Land aus Krieg und Liebe
ewig im Dämmerlicht
und er spürt die Verzweiflung
die aus den Farben spricht
Der Pinsel zieht die Linien
so unbeschreiblich fein
und er taucht in den Strudel
aus Kunst und Chaos ein
Ein Muster seiner Sehnsucht
das wie ein erster Kuss
das Werk vor der Vollendung
segnen und schützen muss
Er fühlt den Stoff der Leinwand
und wie ein stummer Schrei
setzt dieses Beieinander
Gefühle in ihm frei
Er lässt sich davon leiten
und seine Wut zerbricht
der blinde Maler weiß
sein Bild besteht aus Licht
Beziehungsstatus: Astronaut
In unsren Augen ewiger Winter
wir stehn bis zum Hals im Schnee
und kommen langsam dahinter
Nähe tut uns nur noch weh
Wir haben uns nichts mehr zu sagen
doch das sagen wir mit Bedacht
wir liegen uns schwer im Magen
und haben das Glück längst zerdacht
Wir fallen in brennende Betten
verlieren uns Haut an Haut
wir sind nicht mehr zu retten
Beziehungsstatus: Astronaut
Wir haben uns weit verflogen
es gibt kein sicheres Haus
die Zukunft ist nur erlogen
und der Himmel sieht traurig aus
Der Plan nach dem wir uns richten
richtet uns nur zugrunde
und wenn die Nebel sich lichten
gehen wir vor die Hunde
Wir fallen in brennende Betten
verlieren uns Haut an Haut
wir sind nicht mehr zu retten
Beziehungsstatus: Astronaut