Der Atem des sterbenden Hundes
Gestrauchelt irrt dein zärtlichster Blick
zu dem Trinker im Rinnstein
und dem Dieb dort am Strick
schmiegt sich in ihre Seelen
denn ganz ungeschminkt
willst du sein wo es weh tut
und nach Wirklichkeit stinkt
Wenn der Atem des sterbenden Hundes vielleicht
im letzten Moment dein Ohr noch erreicht
legst du deine Hand auf das blutige Fell
und der Mond über dir brennt sekundenlang hell
Und wär dein Herz
nicht so offen und weit
dann ahnte es wohl
die Vergeblichkeit
dein Tasten nach Nähe
dein haltloser Mut
zu groß für die Welt
zu groß und zu gut
Verwundet fällt dein zärtlichstes Wort
auf die Hure am Hafen
doch sie wischt es fort
denn dort wo es weh tut
und nach Wirklichkeit stinkt
ist es nicht gut
wenn man Mauern durchdringt
Wenn der Atem des sterbenden Hundes vielleicht
im letzten Moment dein Ohr noch erreicht
legst du deine Hand auf das blutige Fell
und der Mond über dir brennt sekundenlang hell
Und wär dein Herz
nicht so offen und weit
dann täte es besseres
mit seiner Zeit
dein Tasten nach Nähe
dein haltloser Mut
ist zu klein für dich selbst
zu klein – doch so gut
Wenn der Atem des sterbenden Hundes vielleicht
im letzten Moment dein Ohr noch erreicht
legst du deine Hand auf das blutige Fell
und der Mond über dir verglüht unglaublich schnell
Die Linie
Angenommen ein Vogel
fiele auf ein Stück Papier
auf ein Bild das du gemalt hast
wär es dann noch immer von dir
Vielleicht kommt es darauf an
Würde er darin verschwinden
könnte man ihn nur noch erahnen
oder ließe er sich noch finden
Eine Linie erlaubt Veränderung
ein Kreis ist in sich abgeschlossen
wir nehmen Farben unterschiedlich wahr
sobald sie aufs Papier geflossen
Die Welt besteht aus Symbolen
die man nur selten erkennt
alles lässt sich wiederholen
nur nicht dies Experiment
Es wär nicht derselbe Vogel
auch wir wären anders derweil
konzentriert man sich aufs Ganze
übersieht man stets das Detail
Eine Linie erlaubt Veränderung
ein Kreis ist in sich abgeschlossen
wir nehmen Farben unterschiedlich wahr
sobald sie aufs Papier geflossen
Was der Winter dir genommen
Nichts, so scheint es, ist geblieben
was zu Trost und Freude reicht
grad war es so leicht zu lieben
und das Herz schien federleicht
In des Sommers schwüler Schwere
blühte große Seligkeit
nun jedoch blieb nur noch Leere
und ein Hauch Vergeblichkeit
Ach, mein Herz, sei nicht beklommen
und ertrage dein Geschick
was der Winter dir genommen
gibt der Frühling dir zurück
Bahnen aus Licht
Am Anfang warst du gut behütet
und hast an nichts Schlimmes gedacht
erst wenn der Sturm richtig wütet
weißt du was er mit dir macht
Vieles bleibt unausgesprochen
manches bleibt ein Vielleicht
aber du bist ungebrochen
wer hat behauptet Kindheit sei leicht?
Du gehst mit offenen Augen durchs Leben
die Zukunft ist was du daraus machst
du bist nicht bereit jemals aufzugeben
und die Welt steht kurz still wenn du lachst
Und du gehst und du schwebst
und du lebst auf Bahnen aus Licht
hab keine Angst vor den Schatten
sie bekommen dich nicht
Du trachtest nach sehr hohen Zielen
Sagt man dir: Beginn lieber klein
vertrau einfach deinen Gefühlen
was immer du willst kann auch sein
Du trägst in dir so viele Gaben
und bist für große Dinge bereit
Träume soll man niemals begraben
die Zeit die kommt - sie ist deine Zeit
Du gehst mit offenen Augen durchs Leben
die Zukunft ist was du daraus machst
du bist nicht bereit jemals aufzugeben
und die Welt steht kurz still wenn du lachst
Und du gehst und du schwebst
und du lebst auf Bahnen aus Licht
hab keine Angst vor den Schatten
sie bekommen dich nicht
Du gehst mit offenen Augen durchs Leben
die Zukunft ist was du daraus machst
du bist nicht bereit jemals aufzugeben
und die Welt steht kurz still wenn du lachst
Und du gehst und du schwebst
und du lebst auf Bahnen aus Licht
hab keine Angst vor den Schatten
sie bekommen dich nicht
Zur Messe
Da lieg ich neben tausend Kameraden
ihr sprecht von uns bewegt als „Deutschlands Stolz“
ihr mögt die Hände stets in Unschuld baden
doch hier fressen sich Würmer durch das Holz
So tief versenkt nun in vertrauter Erde
denkt ihr wir fänden endlich unsre Ruh
so predigt laut der Pfarrer seiner Herde
wir aber hören von hier unten zu
Wir zogen einst mit Mut und Gottvertrauen
in jede Schlacht in die man uns befahl
heut liegen wir hier unten und wir schauen
auf jeden neuen Tag den man uns stahl
Wir waren jung und folgten den Befehlen
als dienten wir doch einem hehren Zweck
euch blieb danach die Leichen noch zu zählen
wir lagen auf dem Feld in Blut und Dreck
Ihr redet schön und uns bleibt nur das Schweigen
der Pfarrer sagt : Sie schlafen tief und fest
Wie gern würden wir aus den Gräbern steigen
allein nur damit ihr niemals vergesst
Die Meisterschaft im Schnellvergessen
Wieder so ein gottverdammter Winter
auf den Lippen nichts als Rauch und Schnee
und ich warte wo ich immer warte
kurz vor Aldi, bei der Heilsarmee
Jemand sucht dort knietief im Container
einen Mantel der ihn trocken hält
und es wär auch gut wär der gefüttert
denn es ist grad scheißkalt auf der Welt
Und du müsstest hier gleich vorübergehen
mit deinen Büchern im Arm
auf dem Weg zur S-Bahn Station
und mein Herz schlägt Feueralarm
Doch du hältst die Meisterschaft im Schnellvergessen
und weißt gar nicht mehr wer ich bin
ich würde dich gerne daran erinnern
doch das bekomm ich nicht hin
Du hältst die Meisterschaft im Schnellvergessen
auf dem Gebiet bin ich Amateur
aber glaub mir irgendwann werd ich es schaffen
und dann lieb ich dich nicht mehr
Ein Tippelbruder kotzt auf den Rinnstein
eine Frau packt ihr Kind an der Hand
und ich seh zum Himmel wo die Sonne grad eben
hinter dem Sony-Center verschwand
Ein Hund begrüßt mich als wär ich Familie
und reibt sich an meinem Bein
ganz klar wir müssen beide grad pissen
er macht es – ich lass es sein
Und du müsstest hier gleich vorübergehen
mit deinen Büchern im Arm
auf dem Weg zur S-Bahn Station
und mein Herz schlägt Feueralarm
Doch du hältst die Meisterschaft im Schnellvergessen
und weißt gar nicht mehr wer ich bin
ich würde dich gerne daran erinnern
doch das bekomm ich nicht hin
Du hältst die Meisterschaft im Schnellvergessen
auf dem Gebiet bin ich Amateur
aber glaub mir irgendwann werd ich es schaffen
und dann lieb ich dich nicht mehr
Da bist du auch schon und siehst durch mich hindurch
so als wäre ich gar nicht vorhanden
dabei hast du mich doch das Fliegen gelehrt
warum dann nicht auch das Landen?
Sprich lauter, Herz
Sprich lauter, Herz, ich kann dich nicht verstehen
die U-Bahn lärmt gar unverschämt im Schacht
da weiß man nicht, soll man nach Hause gehen
oder stürzt sich doch mutig in die Nacht?
Wo leichte Mädchen schwere Blicke werfen
und die Touristen durch die Straßen ziehn
wo Rosenhändler einen ständig nerven
und fette Tauben vor den Autos fliehn
Wo sich die Musicboxen duellieren
bis man sein eignes Wort nicht mehr versteht
wo Heimatlose in den Gassen frieren
an denen man nur schnell vorübergeht
Sprich lauter, Herz, ich kann dich nicht mehr hören
ich weiß nicht mehr was du von mir verlangst
wenn alle Träume sich schon selbst zerstören
was hat man dann noch, außer seiner Angst?
Das Reich der Mitte
Du duftest so orientalisch
und das macht mich animalisch
aber wärs auch nur Kamille
deine Wünsche sind mein Wille
Auf der Suche nach Besinnung
packt mich manchmal diese Stimmung
dann lieb ich dich tibetanisch
oder anders oder gar nicht
Du fesselst mir Blick und Hände
und das Warten hat ein Ende
wenn wir tantramäßig kommen
hat das All uns aufgenommen
Auf der lang geplanten Reise
durch das goldne Reich der Mitte
will ich dich zuerst von vorne
und danach von hinten - bitte
Du bist die zentrale Zone
in der ich so gerne wohne
wo mich alles runterzieht
in dein warmes Feuchtgebiet
Du bist schön und du bist weise
schüttelst mir wie Götterspeise
manchmal leise - manchmal laut
meine Trägheit aus der Haut
Du fesselst mir Blick und Hände
und das Warten hat ein Ende
wenn wir tantramäßig kommen
hat das All uns aufgenommen
Auf der lang geplanten Reise
durch das goldne Reich der Mitte
will ich dich zuerst von vorne
und danach von hinten - bitte
Küstengräber
Hier ruhen jene die zu jung verblichen
sie setzten sich mit Stolz dem Feind zur Wehr
nicht einen Meter sind sie ihm gewichen
sie machten ihren Vätern große Ehr
Im satten Grün der Heimat sanft gebettet
vergisst man ihre hehren Taten nicht
ihr Opfer hat das Land zwar nicht gerettet
doch sie erfüllten tapfer ihre Pflicht
Und wer von See kommt der wird schnell erahnen
die Gräber dienen nicht allein der Zier
sie sollen allzeit jeden Feind ermahnen:
Die leichten Siege findet ihr nicht hier
Klassentreffen
Man wirft sich Freitagabend sehr in Schale
(man leistete sich extra ein Jackett)
und trifft sich mit den andren im Lokale
und hofft darauf der Abend würde nett
Man hat die meisten Jahre nicht gesehen
man hat die meisten gar nicht mehr erkannt
man muss sich leider sehr bald eingestehen
die meisten sind nicht wirklich interessant
Das Mädchen das man einst so heiß begehrte
ist heute eine unscheinbare Frau
die Kameraden sind wie Kriegsversehrte
und Klassenlehrer Kohlmann ist schon blau
Der dicke Schmidt ist heute Bankdirektor
Müller kommt nicht, er hat die Bahn verpasst
der Nordmann ist nun Kriminalinspektor
der Mummelmann logiert zur Zeit im Knast
Der Friedebald war immer Klassenbester
nun gräbt er auf dem Friedhof Leichen ein
die Gärtner ließ nach 104 Semestern
am Ende das Studieren schließlich sein
Die Winter macht heut sehr auf esoterisch
die Küster ist wie früher einfach nett
die Lehner wirkt noch immer leicht hysterisch
die Stutenbock ist weiter nichts als fett
So sitzt man also in vertrauter Runde
und tauscht die schon gelebten Jahre aus
man legt sich Höflichkeiten in den Munde
und will doch weiter nichts als nur nach Haus
Die Schulzeit ist – Gott sei’s gedankt – vorüber
der Abend endlich auch – was für ein Glück
man denkt erleichtert : „Bitte niemals wieder“
und morgen bringt man das Jackett zurück
Lieder im Schatten des Mondes
Das große Kind ist alt geworden
bald legt es sich zur letzten Ruh
dann kommt ein kalter Wind von Norden
er raubt die Glut und deckt es zu
Dann trägt er es zwischen den Bäumen
hinfort zum Ende aller Zeit
es kann den Tag sich schon erträumen
und sieht sein weißes Totenkleid
Sing für das Kind, sing gegen den Wind
sing ihm Lieder im Schatten des Mondes
Du bist so sanft, du bist so gut
du wirfst dich jedem Sturm entgegen
du bist erfüllt von Löwenmut
du bist das Licht auf seinen Wegen
Du kannst es führen, kannst es leiten
mit deiner stillen Zärtlichkeit
aber du kannst es nicht begleiten
am Scheidepunkt der Zwischenzeit
Sing für das Kind, sing gegen den Wind
sing ihm Lieder im Schatten des Mondes
Es tickt die Uhr, es läuft die Frist
wie gnadenlos die Zeit doch ist
sie schenkt und stiehlt
sie nimmt und gibt
alles was man jemals geliebt
Sing für das Kind, sing gegen den Wind
sing ihm Lieder im Schatten des Mondes
Gestalten
In allen meinen Gestalten
bin ich wenig bis gar nicht enthalten
etwas anderes will ich nicht sein
als nur Schein
Gegen den Zeitvertreib
Man spricht davon die Zeit sich zu vertreiben
ich habe selten etwas Dümmeres gehört
und bin darüber stets maßlos empört
besser wär man bewegt die Zeit zum Bleiben
Detmold
Freitag in Marlenes Partykeller
ihre Eltern sind in Übersee
ein paar Sandwichs gammeln auf dem Teller
vor dem Haus lauert der erste Schnee
Disco-Mucke schmerzt in meinen Ohren
ein paar Nasen ziehen eine Line
ich fühl mich daneben und verloren
und würde jetzt gern in Detmold sein
Detmold hat so etwas Familiäres
hat mir irgendwer einmal erzählt
und mein Herz ist grad ein ziemlich schweres
ich glaub nicht dass man es in Detmold quält
Detmold ist, wenn ich es richtig checke
alles andre als grad um die Ecke
was mir ausgesprochen gut gefällt
Detmold ist wirklich am Arsch der Welt
Alle reden ohne was zu sagen
und das blöde Bier ist viel zu warm
„Tainted Love“ kann ich kaum noch ertragen
Donna malt mir Herzen auf den Arm
Ich glaub, ich bin schon zu lang geblieben
dabei hätte mir ein Drink genügt
manchmal ist es schwer sich selbst zu lieben
und daher besser wenn man sich belügt
Detmold scheint mir wie der Garten Eden
ab Sieben ist dort jeder hackedicht
und um Acht schließen sie dann die Läden
ich muss sagen besser geht es nicht
Detmold ist, wenn ich es richtig checke
alles andre als grad um die Ecke
was mir ausgesprochen gut gefällt
Detmold ist wirklich am Arsch der Welt
Philosophisch gesprochen
Ein reicher Mann kann frohlocken
beim Anblick von zwanzig Socken
doch trotzdem sieht man ihn weinen
denn ihm mangelt es an achtzehn Beinen
Von ruheloser Sehnsucht getragen
Von ruheloser Sehnsucht getragen
strebt man – voran – nach dem Glück
bis weisere Menschen einem dann sagen:
Halt an und blicke zurück
Narrenkönigs Braut
Es tanzt das wilde Volk um mich zu ehren
mir wurde manches Opfer dargebracht
kein Kelch, kein Becher möge sich heut leeren
sie feiern wieder die Walpurgisnacht
Und eine holde Maid in ihrer Mitte
wie es der Brauch verlangt grad sechzehn Jahr
nähert sich meiner Gruft mit bangem Schritte
im Mondlicht funkelt hell ihr goldnes Haar
Sie neigt ihr Antlitz scheu vor meinen Blicken
bevor des Priesters Spruch uns endlich traut
und ich gewähre ihr die Gunst durch stummes Nicken:
Heut Nacht, mein Kind, seiest du meine Braut
Liebe in lausigen Zeiten
Ich träume von Liebe in lausigen Zeiten
dass jemand ein Feuer für mich entfacht
und in den kleinen Ewigkeiten
zwischen Nacht und Tag meine Seele bewacht
Von einer Hand die meine nicht loslässt
einem guten Geist der Besitz von mir nimmt
einer schweigenden Zuversicht die mich befällt
wenn in den Dämmerstunden die Welt verschwimmt
Ich träume von Mut in mutlosen Zeiten
von einer Hoffnung die nie von mir lässt
einer Ahnung vom Glück, einen Hauch von Erkenntnis
was auch immer es sei – ich halte es fest
Einem Herzschlag der dem meinen nicht fremd ist
einer Stimme der noch die Wahrheit vertraut
ein sanftes Schweben in friedliche Sphären
vereintes Empfinden, warm, Haut an Haut
Ich träume von Liebe in lausigen Zeiten
von einer Gewissheit die nie von mir weicht
ich träume von Liebe in lausigen Zeiten
die auch für die guten Zeiten noch reicht
Wir träumen zu wenig im Wachen
Ich stand heute auf und bin glücklich gewesen
so als hätte ich grad eine Botschaft gelesen
die du in Gedanken mir schriebst
und die sagte dass du mich liebst
Doch trifft diese Botschaft auch erst später ein
ist das kein Grund nicht trotzdem fröhlich zu sein
und sich schon Gedanken über die Antwort zu machen
denn wir träumen zu wenig im Wachen
Wortgefecht
Liefern wir uns ein Wortgefecht
schlägst du dich gar nicht so schlecht
Dadurch hab ich auch endlich kapiert
warum jemand Germanistik studiert
Ambitionen
Regionalzüge sind nicht wirklich glücklich
zwar bringen sie viele Menschen nach Haus
doch keiner von denen bedankt sich dafür
Sie steigen nur ein und wieder aus
Und was man von der Welt so sieht
zählt man doch ab an einer Hand
Bahnsteige, Straßen, Häuser und Bäume
und ansonsten nur Ackerland
Regionalzüge sind nicht wirklich glücklich
Manchen fällt immer öfter ein
sie würden lieber der Orient-Express
oder die Transsibirische Eisenbahn sein
Doch da niemand sich um ihre Wünsche kümmert
und ihnen erlaubt auch mal fern zu reisen
werden alle Regionalzüge irgendwann streiken
oder schlimmer noch: Entgleisen
Auf den Wannseeterrassen
Die vornehme Dame spreizt den kleinen Finger
Der kühle Mann krümelt mit seinem Baguette
Rings um ihn werben die jungen Dinger
dabei kennen die nicht mal das Wörtchen „kokett“
Sie tragen die Röcke bis knapp über die Hüften
Der vornehmen Dame fiele solches nie ein
Zwischen all den Kaffee- und Frühlingsdüften
ist sie einfach froh nicht mehr jung zu sein
Sie bleibt zugeknöpft bis hoch zum Kragen
und bietet den Blicken Raum für Fantasie
In Gedanken hört sie den kühlen Mann sagen:
Diese albernen Gänse lernen es nie
Zum Schlachter
Zum Schlachter muss das Pferdchen
nun weine nicht mein Kind
du weißt doch nur zu gut
wie hungrig alle sind
Wir haben harte Zeiten
der Feind steht vor der Tür
und auch der lange Winter
niemand kann was dafür
Du musst der Mutter glauben
dass es nicht anders geht
wir haben jede Münze
schon zehnmal umgedreht
Die Kleine braucht die Milch doch
sie hustet sich halb tot
du kriegst auch einen Apfel
dafür beim Abendbrot
Zum Schlachter muss das Pferdchen
mein Kind nun weine nicht
wir bringen alle Opfer
und tun nur unsre Pflicht
Ach, meine gute Tochter
noch ist es nicht zu spät
steig auf dein kleines Pferdchen
und flieh so schnell es geht
Wenn man es nur sicher wüsste
Wenn man eines schönen Tages
ganz plötzlich nicht mehr erwacht
stellt man sich zunächst die Frage
wer jetzt wohl die Betten macht
Dann entschwebt die Seele friedlich
vielleicht in die Stratosphäre
und man hätte nicht gedacht
dass es doch so einfach wäre
Auf dem Riesenrad stets schwindlig
hier jedoch fühlt man sich wohl
kommt den Sternen langsam näher
und das ohne Alkohol
Schließlich landet dann die Seele
lichtumhüllt an einer Küste
wo man friedlich und so weiter…
Wenn man es nur sicher wüsste
Geliebtes Herz
Geliebtes Herz der Erde angetragen
ein jede Zeit hat endlich ihren Schluss
was gibt es noch zu sagen, noch zu fragen
wo ich dich schließlich gehen lassen muss
Morgenandacht
Da stehen sie im Angesicht des Zweifels
und vor ihrem Gesang da weicht die Nacht
als wäre sie doch nur ein Werk des Teufels
und sei für Menschenaugen nicht gemacht
Doch stünden sie nur fest in ihrem Glauben
dann wäre ihnen gleich, ob Nacht, ob Tag
am höchsten hingen von jeher die Trauben
dem der sich nicht zufriedengeben mag
Die Seligkeit gebührt nicht nur den Treuen
sondern auch jedem andren Menschenschlag
der wagt sich an der Schlichtheit zu erfreuen
die Gott den Menschen als Vermächtnis gab
Kataloge
Menschen aus dem Katalog zu bestellen
ist eine uralte Erfindung
Da sind Frauen aus asiatischen Ländern
mit dem Wunsch nach fester Bindung
Man wirbt auf Hochglanz mit genauen Maßen
auch schon seit halben Ewigkeiten
mit gazellenartigen Exemplaren aus Togo
und mit slawischen Weiblichkeiten
Erstaunlich wie viele Jungfrauen es gibt
Das ist es was Männern gefällt
Nur Kataloge mit ehrlichen Männern
die gibt es nirgendwo auf der Welt
Lebensbilder
Draußen vor der Baracke
spielt ein Flüchtlingskind
und würde gerne wissen
wo die Eltern sind
Dann kommen fremde Leute
nehmen es mit fort
doch von deren Sprache
versteht es nicht ein Wort
Ein Raum mit dreißig Betten
wo man es manchmal schlägt
wenn es unter der Treppe sitzt
und sich nicht bewegt
Das Leben malt gern Bilder
während es ansonsten schweigt
und man weiß bei manchem Bild
nicht wirklich was es zeigt
Das Leben malt gern Bilder
und nicht alle haben Sinn
mal sieht man sie von weitem an
mal ist man mittendrin
Da ist die Ballprinzessin
in dem zerrissenen Kleid
neben ihr hockt ein Junge
und flüstert: „Tut mir leid“
Dann reicht er ihr die Flasche
und während sie trinkt
spürt sie dass ihre Welt
in der Dunkelheit versinkt
Sie sieht der Rose nach
die im Rinnstein treibt
und weiß dass nach dem Regen
von ihr nichts übrig bleibt
Das Leben malt gern Bilder
während es ansonsten schweigt
und man weiß bei manchem Bild
nicht wirklich was es zeigt
Das Leben malt gern Bilder
und nicht alle haben Sinn
mal sieht man sie von weitem an
mal ist man mittendrin
Die Schatten werden länger
im ersten Morgenlicht
und sie ist hier nicht zu Hause
auch wenn sie längst die Sprache spricht
Das Leben malt gern Bilder
während es ansonsten schweigt
und man weiß bei manchem Bild
nicht wirklich was es zeigt
Das Leben malt gern Bilder
und nicht alle haben Sinn
mal sieht man sie von weitem an
mal ist man mittendrin
Nacht liegt auf den fernen Wegen
Nacht liegt auf den fernen Wegen
doch ich ahn des Himmels Blau
wenn wir in das Gras uns legen
und ich nach den Sternen schau
Heller sind nur deine Augen
nirgendwo will ich sonst sein
nicht zu andren Taten taugen
als zur Liebe ganz allein
Nacht liegt auf den fernen Wegen
und wir zwei vertrauen fest
dass uns Gottes guter Segen
tief und friedlich schlafen lässt
Draußen
Der Abend legt seinen Schleier
liebevoll über das Land
es ist stets die gleiche Leier
so sagt es mir mein Verstand
Doch trotzdem bin ich ergriffen
bis tief in den Magen hinein
und winke den kommenden Schiffen
ohne Teil ihres Wirkens zu sein
Es rinnt mir dabei manche Träne
auf mein frisch gewaschenes Hemd
wie sehr ich mich nach der Ferne auch sehne
sie bleibt mir flüchtig und fremd
Doch ist das kein Grund zu verzagen
so wild das Herz mir auch klopft
und mein ergriffener Magen
wird mit einem Wurstbrot gestopft
Die Kanzel
Da sitz ich, in der dritten Reihe
die Kanzel zehn Meter entfernt
und gestehe, ich bin ein Laie
hab biblisches nie gelernt
Die Orgel mag ich nicht leiden
sie dröhnt mir in jedem Ohr
hätte ich hier was zu entscheiden
dann sänge ein Gospel-Chor
Dann ginge es in diesem Hause
vielleicht etwas fröhlicher zu
Klatschen würd ich ohne Pause
und stampfen mit jedem Schuh
Ist Jesus ein Griesgram gewesen?
Mit einem ernsten Gesicht?
Ich hab nicht viel von ihm gelesen
doch denke ich: Wahrscheinlich nicht
Ein Partylöwe schon eher
Wer sonst macht aus Wasser wohl Wein?
Ein Tänzer, ein Poser, ein Steher
Sollten wir nicht Ähnliches sein?
Also lasset den Herren uns loben
aber bitte doch nicht so steif
lasst uns singen, tanzen und toben
denn lieber Pastor: That’s life
Gaukler
Du hast dir manchen Schmerz zugefügt
sind die Narben auch kaum noch zu sehn
ich weiß, es ist schwer wenn man alle belügt
doch du weißt, ich kann dich verstehn
Ich stand, wie du, auch schon ganz nah am Rand
vielleicht hatte ich einfach nur Glück
leg deine Hand einfach in meine Hand
dann hol ich dich immer wieder zurück
Du allein bist mein Grund jeden Tag aufzuwachen
du weißt ich lass dich nie im Stich
und es ist leichter gemeinsam zu lachen
vergiss es nie: Ich liebe dich
Wir sind Gaukler, wir handeln mit Lächeln und Scherzen
so erfährt niemals jemand von unseren Schmerzen
denn keiner würde je wirklich verstehn
wie hart der Weg ist den wir täglich gehn
Wir sind Gaukler, wir spielen mit Träumen und Worten
im Zwielicht der Zeit an vergessenen Orten
keiner kann uns folgen, niemand sieht uns zu
jenseits der Schatten sind nur ich und du
Manchmal fühl ich mich so sehr daneben
und wünsche mir wie die andern zu sein
dann will ich nicht mehr als ein einfaches Leben
und die Gewissheit ich bin nicht allein
Doch das Schicksal kann man nicht betrügen
es hat eigene Pläne für uns gemacht
so dass wir weiterhin täuschen und lügen
denn man liebt den Clown nur wenn er lacht
Du allein bist mein Grund jeden Tag aufzuwachen
du weißt ich lass dich nie im Stich
und es ist leichter gemeinsam zu lachen
vergiss es nie: Ich liebe dich
Wir sind Gaukler, wir handeln mit Lächeln und Scherzen
so erfährt niemals jemand von unseren Schmerzen
denn keiner würde je wirklich verstehn
wie hart der Weg ist den wir täglich gehn
Wir sind Gaukler, wir spielen mit Träumen und Worten
im Zwielicht der Zeit an vergessenen Orten
keiner kann uns folgen, niemand sieht uns zu
jenseits der Schatten sind nur ich und du
Im zweiten Hinterhof
Ron gibt sich wieder mal die Kante
Marlene trägt ein weißes Kleid
Es riecht nach Bratenfett und Fusel
und einem Hauch Vergeblichkeit
Ich teil mit Max die letzte Kippe
der Kohlenlaster parkt vom Haus
Frau Meier schimpft an ihrem Fenster
die Gaslaternen gehen aus
Der Qualm der Schlote ist zu dicht
man kann hier nie den Himmel sehn
Max klopft mir zögernd auf die Schulter
„Bruder, es wird jetzt Zeit zu gehn“
Dann wirft er seinen Seesack über
ich sehe ihn im Dunst verschwinden
und hoffe er wird anderswo
vielleicht ein bessres Leben finden
Blinde Krähe
Hätte nie gedacht
dass ich sie wiedersehe
doch sie steht dort auf dem Dach
die blinde Krähe
Zwar zerzaust und struppig
aber noch am Leben
als solle ihr Anblick
Trost und Hoffnung geben
Ich würde gern wissen:
Wie fand sie zurück?
Vielleicht fliegt man nach Gefühl
besser als nach dem Blick
Aus verschollenen Tagen
Hätte ich mir einst als Kind
einen langen Brief geschrieben
und würd dieser heute noch
gut verwahrt im Stammbuch liegen
könnte ich erfüllt von Neugier
ihn nun öffnen und ihn lesen
und da würde dann wohl stehen
Ich bin nie ein Kind gewesen
Nachtwache
Die Stadt ist vom Schlummer befallen
Nur ein einsamer Wächter gibt acht
Man hört seine Schritte hallen
auf dem Pflaster in jeder Nacht
Er trägt mit Stolz die Laterne
und erfüllt treu seine Pflicht
er dient tapfer und er dient gerne
und die Dunkelheit fürchtet er nicht
Er dreht unbeirrt seine Runden
und ist sein Licht auch nur klein
vermag er in den finstersten Stunden
der Hüter aller Träume zu sein
Unterschiede
Man ist ins Leben getreten.
So sagt es der Lebenslauf aus.
Gewollt oder ungebeten.
Man mache sich nichts daraus.
Daran lässt sich nichts mehr drehen.
Am Datum nicht und nicht am Ort.
Man möchte das Leben verstehen?
Solche Pläne wische man fort.
Man muss das Beste draus machen.
Oder man mache halt Schluss.
Das scheidet den Starken vom Schwachen.
Der tut das was er muss.
Die Schwachen sind es die klagen.
Besseres fällt denen nicht ein.
Ich würd gern was anderes sagen.
Doch ich lernte noch nicht stark zu sein.
For the Mockingbird
Spottdrossel – du schäbiges Wesen
flickst notdürftig das zerzauste Gefieder
so richtig wirst du wohl nie genesen
und trällerst trotzdem die höhnischsten Lieder
Ich hab mir auch schon die Flügel gebrochen
vielleicht kommst du deshalb gern zu mir nach Haus
ist man gewohnt auf halber Flamme zu kochen
kommt man zur Not auch damit gut aus
Wir belauern uns scheinbar, jedoch mit Vertrauen
wir kennen uns schließlich schon manchen Tag
wir sind beide zu alt um noch Nester zu bauen
und auch ansonsten vom gleichen Schlag
Die Freiheit des Zeichners
Mein Bleistift malt dir ein Haus ohne Türen
jetzt bist du gefangen und kannst nicht hinaus
und wenn du nicht aufhörst laut zu protestieren
dann zeichne ich auch noch eine Maus
Bei ihrem Anblick wirst du dich erschrecken
du wirst vor Angst hysterisch und krank
doch hast keinen Ort um dich zu verstecken
ich zeichnete dir weder Stühle noch Schrank
Wenn du lieb zu mir bist dann mal ich dir Nelken
und bist du ganz lieb mal ich uns ein Bett
doch wenn du dich sträubst lass ich die Nelken verwelken
und zeichne die Maus gleich doppelt so fett
Blondes Gift
Liebster ich hätt dir gern erzählt
wie sehr dein Lachen mir heut fehlt
dass es hier still ist - viel zu still
und dass ich dich noch immer will
Ich hätte dir auch gern erklärt
dass sich mein Herz dagegen wehrt
doch hat es auch schon viel gelernt
noch ist´s nicht weit genug entfernt
Nicht weit genug von deinem Blick
der sagt : "Nun komm doch schon zurück"
von deiner Selbstgefälligkeit
die ich verdrängte lange Zeit
bis ich dann irgendwann verstand
dass ich bei dir nie Achtung fand
Du hast mich blondes Gift genannt
und nie die Frau in mir erkannt
dir mehr sein wollte - soviel mehr
und viel zu leicht gabst du mich her
Du hast mich blondes Gift genannt
mir weh getan und mich verkannt
und mir ist heute leider klar
dass ich ein Spielzeug für dich war
Hätt ich nur früher nachgedacht
und es dir nicht so leicht gemacht
dann hättest du vielleicht gesehn
wie schlecht die Dinge um uns stehn
Ich hab gemeint du wärst mein Freund
und wenn auch manches schwierig scheint
geglaubt wir finden einen Weg
doch nun weiß ich es ist zu spät
Zu spät für deinen tiefen Blick
der sagt : "Nun komm doch schon zurück"
und deine Überheblichkeit
die ich einmal vor langer Zeit
für Stärke hielt - bis ich verstand
dass uns im Grunde nichts verband
Du hast mich blondes Gift genannt
und nie die Frau in mir erkannt
dir mehr sein wollte - soviel mehr
und viel zu leicht gabst du mich her
Du hast mich blondes Gift genannt
mir weh getan und mich verkannt
und mir ist heute leider klar
dass ich ein Spielzeug für dich war
Was für dich leicht zu haben war
das hast du gern an mir gesehn
doch nie die Mühe dir gemacht
das was ich wollte zu verstehn
Du hast mich blondes Gift genannt
und nie die Frau in mir erkannt
dir mehr sein wollte - soviel mehr
und viel zu leicht gabst du mich her
Du hast mich blondes Gift genannt
mir viel zu oft das Herz verbrannt
und mir ist heute leider klar
dass ich ein Spielzeug für dich war
An einer Klowand
Da saß ich also auf der Brille
und wartete in aller Stille
auf das worüber keiner spricht
schon gar nicht in einem Gedicht
und las was dort gekritzelt stand
mit Filzstift an der weißen Wand
und dachte dabei immer nur:
Das taugt nicht als Literatur
Das weibliche Geschlechtsorgan
hat sich dort sehr hervorgetan
und mich hat wirklich deprimiert
wie derb man es da oft zitiert
Ich will jetzt nicht die Worte nennen
die meine Leser sicher kennen
solche nehm ich zu keiner Stund
in ein Gedicht und in den Mund
Da kommt mir bessres in den Sinn
so kritzelte auch ich was hin
mit schwarzem Filzer, lang und breit
über der Frauen Herrlichkeit
Zwar ist die Mühe wohl verschenkt
der Nächste der hier sitzt und denkt
erweist mir sicher nicht die Gunst
zu jubeln: Ach, welch große Kunst
Doch als ich schließlich dann gespült
hab ich mich richtig wohl gefühlt
und dachte mir beim Gehen so:
Ich schreib jetzt nur noch auf dem Klo
Du hasst mich weil du weißt du liebst mich
Du hasst mich weil du weißt du liebst mich
und du würdest lieber nicht
doch daran ist nichts zu ändern
und es steht dir im Gesicht
Hilft kalt duschen auch bei Frauen?
Suchst du dir ne Therapie?
Sei doch einfach zu dir ehrlich
dann weißt du das klappt doch nie
Du hasst mich weil Du weißt du liebst mich
und du weißt was du verpasst
doch ich bin genauso seltsam
Ich lieb dich nur weil du mich hasst
Was die Autobahn wohl dachte?
Was die Autobahn wohl dachte
als sie einen Bogen machte
nur um Stuttgart anzubinden?
Bestimmt: Stuttgart soll verschwinden
Viel zu schwere See heut Nacht
Zwei Wermutbrüder torkeln Arm in Arm
laut grölend Richtung Reeperbahn
Ein Gossenköter hebt sein Bein
sieht mich und fährt es wieder ein
da er jetzt lieber bellt statt pisst
Na ja es ist halt wie es ist
Ich hab mir daraus nichts gemacht
Viel zu schwere See heut Nacht
Fans von St. Pauli und vom HSV
prügeln sich ihre Ärsche blau
Den Aufruhr hätt ich gern vermieden
es endet doch bloß unentschieden
Doch der Friseur muss länger bleiben
und stellt sich schützend vor die Scheiben
bevor es klirrt und kracht
Viel zu schwere See heut Nacht
Ein Fischhändler lässt sich verspotten
denn allzu mickrig sind die Sprotten
und wie zudem auch jeder weiß
mal wieder überhöht im Preis
Er zieht deshalb gleich ein Gesicht
dabei kümmern mich Sprotten nicht
Was hat der Kerl gedacht?
Viel zu schwere See heut Nacht
Die Gaslaternen blinzeln blöd
wo ein Schutzmann seine Runde dreht
Der wär jetzt sicher lieber drin
bei Wein und Weib, Gina und Gin
Die Sturmfront ist längst schwarz und dicht
und Lulu fragt mich: „Willst du nicht..?“
Doch ich hab nur gelacht:
„Viel zu schwere See heut Nacht“
otel ollywood
Es lag zwischen Stade und Bremerhaven
wo zwei Umgehungsstraßen sich trafen
und wann immer ich das Neonschild sah
leuchtete dort niemals ein „H“
Ich hab dort in so mancher Nacht
auf dem Weg nach Hause kurz Rast gemacht
um in die flauschigen Polster der Lobby zu sinken
und einen starken Kaffee zu trinken
In den schlechten Nächten hab ich Freddy getroffen
in den guten konnte ich auf Christina hoffen
Wir saßen da und starrten in die nächtliche Weite
und sie sagte: „Der Laden ist längst schon pleite“
otel ollywood
ich denk manchmal an dich
an den zerschlissenen Teppich
und den wackligen Tisch
Das Klo war immer verstopft
die Musicbox war kaputt
und trotzdem warst du schön
otel ollywood
Oft blieb ich noch bis zwei Uhr oder später
und würfelte mit dem Staubsaugervertreter
mit der rosa Fliege und den speckigen Hemden
Wenn ich mich recht erinnere kam er aus Emden
Auf der Veranda lag stets ein dösender Bernhardiner
Manchmal fütterte ich ihn mit einer Wiener
Die Hälfte davon hat er im nahen Wald versteckt
und mir danach dankbar die Hände geleckt
Der schlechten Nächte gab es nicht viele
Christina sagte: „Ich hab im Leben noch Ziele
Der Schuppen hier bringt mir kein Glück
nach dem Sommer geh ich an die Uni zurück“
otel ollywood
ich denk manchmal an dich
an den zerschlissenen Teppich
und den wackligen Tisch
Das Klo war immer verstopft
die Musicbox war kaputt
und trotzdem warst du schön
otel ollywood