Der Atem des sterbenden Hundes

 

Gestrauchelt irrt dein zärtlichster Blick

zu dem Trinker im Rinnstein

und dem Dieb dort am Strick

schmiegt sich in ihre Seelen

denn ganz ungeschminkt

willst du sein wo es weh tut

und nach Wirklichkeit stinkt

 

Wenn der Atem des sterbenden Hundes vielleicht

im letzten Moment dein Ohr noch erreicht

legst du deine Hand auf das blutige Fell

und der Mond über dir brennt sekundenlang hell

 

Und wär dein Herz

nicht so offen und weit

dann ahnte es wohl

die Vergeblichkeit

dein Tasten nach Nähe

dein haltloser Mut

zu groß für die Welt

zu groß und zu gut

 

Verwundet fällt dein zärtlichstes Wort

auf die Hure am Hafen

doch sie wischt es fort

denn dort wo es weh tut

und nach Wirklichkeit stinkt

ist es nicht gut

wenn man Mauern durchdringt

 

Wenn der Atem des sterbenden Hundes vielleicht

im letzten Moment dein Ohr noch erreicht

legst du deine Hand auf das blutige Fell

und der Mond über dir brennt sekundenlang hell

 

Und wär dein Herz

nicht so offen und weit

dann täte es besseres

mit seiner Zeit

dein Tasten nach Nähe

dein haltloser Mut

ist zu klein für dich selbst

zu klein – doch so gut

 

Wenn der Atem des sterbenden Hundes vielleicht

im letzten Moment dein Ohr noch erreicht

legst du deine Hand auf das blutige Fell

und der Mond über dir verglüht unglaublich schnell

 

 

 

 

 Die Linie

 

Angenommen ein Vogel

fiele auf ein Stück Papier

auf ein Bild das du gemalt hast

wär es dann noch immer von dir

 

Vielleicht kommt es darauf an

Würde er darin verschwinden

könnte man ihn nur noch erahnen

oder ließe er sich noch finden

 

Eine Linie erlaubt Veränderung

ein Kreis ist in sich abgeschlossen

wir nehmen Farben unterschiedlich wahr

sobald sie aufs Papier geflossen

 

Die Welt besteht aus Symbolen

die man nur selten erkennt

alles lässt sich wiederholen

nur nicht dies Experiment

 

Es wär nicht derselbe Vogel

auch wir wären anders derweil

konzentriert man sich aufs Ganze

übersieht man stets das Detail

 

Eine Linie erlaubt Veränderung

ein Kreis ist in sich abgeschlossen

wir nehmen Farben unterschiedlich wahr

sobald sie aufs Papier geflossen

 

 

 

 

 Was der Winter dir genommen

 

Nichts, so scheint es, ist geblieben

was zu Trost und Freude reicht

grad war es so leicht zu lieben

und das Herz schien federleicht

 

In des Sommers schwüler Schwere

blühte große Seligkeit

nun jedoch blieb nur noch Leere

und ein Hauch Vergeblichkeit

 

Ach, mein Herz, sei nicht beklommen

und ertrage dein Geschick

was der Winter dir genommen

gibt der Frühling dir zurück

 

 

 

 

 Bahnen aus Licht

 

Am Anfang warst du gut behütet

und hast an nichts Schlimmes gedacht

erst wenn der Sturm richtig wütet

weißt du was er mit dir macht

Vieles bleibt unausgesprochen

manches bleibt ein Vielleicht

aber du bist ungebrochen

wer hat behauptet Kindheit sei leicht?

 

Du gehst mit offenen Augen durchs Leben

die Zukunft ist was du daraus machst

du bist nicht bereit jemals aufzugeben

und die Welt steht kurz still wenn du lachst

 

Und du gehst und du schwebst

und du lebst auf Bahnen aus Licht

hab keine Angst vor den Schatten

sie bekommen dich nicht

 

Du trachtest nach sehr hohen Zielen

Sagt man dir: Beginn lieber klein

vertrau einfach deinen Gefühlen

was immer du willst kann auch sein

Du trägst in dir so viele Gaben

und bist für große Dinge bereit

Träume soll man niemals begraben

die Zeit die kommt - sie ist deine Zeit

 

Du gehst mit offenen Augen durchs Leben

die Zukunft ist was du daraus machst

du bist nicht bereit jemals aufzugeben

und die Welt steht kurz still wenn du lachst

 

Und du gehst und du schwebst

und du lebst auf Bahnen aus Licht

hab keine Angst vor den Schatten

sie bekommen dich nicht

 

Du gehst mit offenen Augen durchs Leben

die Zukunft ist was du daraus machst

du bist nicht bereit jemals aufzugeben

und die Welt steht kurz still wenn du lachst

 

Und du gehst und du schwebst

und du lebst auf Bahnen aus Licht

hab keine Angst vor den Schatten

sie bekommen dich nicht

 

 

 

 

 Zur Messe

 

Da lieg ich neben tausend Kameraden

ihr sprecht von uns bewegt als „Deutschlands Stolz“

ihr mögt die Hände stets in Unschuld baden

doch hier fressen sich Würmer durch das Holz

 

So tief versenkt nun in vertrauter Erde

denkt ihr wir fänden endlich unsre Ruh

so predigt laut der Pfarrer seiner Herde

wir aber hören von hier unten zu

 

Wir zogen einst mit Mut und Gottvertrauen

in jede Schlacht in die man uns befahl

heut liegen wir hier unten und wir schauen

auf jeden neuen Tag den man uns stahl

 

Wir waren jung und folgten den Befehlen

als dienten wir doch einem hehren Zweck

euch blieb danach die Leichen noch zu zählen

wir lagen auf dem Feld in Blut und Dreck

 

Ihr redet schön und uns bleibt nur das Schweigen

der Pfarrer sagt : Sie schlafen tief und fest

Wie gern würden wir aus den Gräbern steigen

allein nur damit ihr niemals vergesst

 

 

 

 

 Die Meisterschaft im Schnellvergessen

 

Wieder so ein gottverdammter Winter

auf den Lippen nichts als Rauch und Schnee

und ich warte wo ich immer warte

kurz vor Aldi, bei der Heilsarmee

 

Jemand sucht dort knietief im Container

einen Mantel der ihn trocken hält

und es wär auch gut wär der gefüttert

denn es ist grad scheißkalt auf der Welt

 

Und du müsstest hier gleich vorübergehen

mit deinen Büchern im Arm

auf dem Weg zur S-Bahn Station

und mein Herz schlägt Feueralarm

 

Doch du hältst die Meisterschaft im Schnellvergessen

und weißt gar nicht mehr wer ich bin

ich würde dich gerne daran erinnern

doch das bekomm ich nicht hin

Du hältst die Meisterschaft im Schnellvergessen

auf dem Gebiet bin ich Amateur

aber glaub mir irgendwann werd ich es schaffen

und dann lieb ich dich nicht mehr

 

Ein Tippelbruder kotzt auf den Rinnstein

eine Frau packt ihr Kind an der Hand

und ich seh zum Himmel wo die Sonne grad eben

hinter dem Sony-Center verschwand

 

Ein Hund begrüßt mich als wär ich Familie

und reibt sich an meinem Bein

ganz klar wir müssen beide grad pissen

er macht es – ich lass es sein

 

Und du müsstest hier gleich vorübergehen

mit deinen Büchern im Arm

auf dem Weg zur S-Bahn Station

und mein Herz schlägt Feueralarm

 

Doch du hältst die Meisterschaft im Schnellvergessen

und weißt gar nicht mehr wer ich bin

ich würde dich gerne daran erinnern

doch das bekomm ich nicht hin

Du hältst die Meisterschaft im Schnellvergessen

auf dem Gebiet bin ich Amateur

aber glaub mir irgendwann werd ich es schaffen

und dann lieb ich dich nicht mehr

 

Da bist du auch schon und siehst durch mich hindurch

so als wäre ich gar nicht vorhanden

dabei hast du mich doch das Fliegen gelehrt

warum dann nicht auch das Landen?

 

 

 

 

 Sprich lauter, Herz

 

Sprich lauter, Herz, ich kann dich nicht verstehen

die U-Bahn lärmt gar unverschämt im Schacht

da weiß man nicht, soll man nach Hause gehen

oder stürzt sich doch mutig in die Nacht?

 

Wo leichte Mädchen schwere Blicke werfen

und die Touristen durch die Straßen ziehn

wo Rosenhändler einen ständig nerven

und fette Tauben vor den Autos fliehn

 

Wo sich die Musicboxen duellieren

bis man sein eignes Wort nicht mehr versteht

wo Heimatlose in den Gassen frieren

an denen man nur schnell vorübergeht

 

Sprich lauter, Herz, ich kann dich nicht mehr hören

ich weiß nicht mehr was du von mir verlangst

wenn alle Träume sich schon selbst zerstören

was hat man dann noch, außer seiner Angst?

 

 

 

 

 Das Reich der Mitte

 

Du duftest so orientalisch

und das macht mich animalisch

aber wärs auch nur Kamille

deine Wünsche sind mein Wille

Auf der Suche nach Besinnung

packt mich manchmal diese Stimmung

dann lieb ich dich tibetanisch

oder anders oder gar nicht

 

Du fesselst mir Blick und Hände

und das Warten hat ein Ende

wenn wir tantramäßig kommen

hat das All uns aufgenommen

 

Auf der lang geplanten Reise

durch das goldne Reich der Mitte

will ich dich zuerst von vorne

und danach von hinten - bitte

 

Du bist die zentrale Zone

in der ich so gerne wohne

wo mich alles runterzieht

in dein warmes Feuchtgebiet

Du bist schön und du bist weise

schüttelst mir wie Götterspeise

manchmal leise - manchmal laut

meine Trägheit aus der Haut

 

Du fesselst mir Blick und Hände

und das Warten hat ein Ende

wenn wir tantramäßig kommen

 

hat das All uns aufgenommen

Auf der lang geplanten Reise

durch das goldne Reich der Mitte

will ich dich zuerst von vorne

und danach von hinten - bitte

 

 

 

 

 Küstengräber

 

Hier ruhen jene die zu jung verblichen

sie setzten sich mit Stolz dem Feind zur Wehr

nicht einen Meter sind sie ihm gewichen

sie machten ihren Vätern große Ehr

 

Im satten Grün der Heimat sanft gebettet

vergisst man ihre hehren Taten nicht

ihr Opfer hat das Land zwar nicht gerettet

doch sie erfüllten tapfer ihre Pflicht

 

Und wer von See kommt der wird schnell erahnen

die Gräber dienen nicht allein der Zier

sie sollen allzeit jeden Feind ermahnen:

Die leichten Siege findet ihr nicht hier

 

 

 

 

 Klassentreffen

 

Man wirft sich Freitagabend sehr in Schale

(man leistete sich extra ein Jackett)

und trifft sich mit den andren im Lokale

und hofft darauf der Abend würde nett

 

Man hat die meisten Jahre nicht gesehen

man hat die meisten gar nicht mehr erkannt

man muss sich leider sehr bald eingestehen

die meisten sind nicht wirklich interessant

 

Das Mädchen das man einst so heiß begehrte

ist heute eine unscheinbare Frau

die Kameraden sind wie Kriegsversehrte

und Klassenlehrer Kohlmann ist schon blau

 

Der dicke Schmidt ist heute Bankdirektor

Müller kommt nicht, er hat die Bahn verpasst

der Nordmann ist nun Kriminalinspektor

der Mummelmann logiert zur Zeit im Knast

 

Der Friedebald war immer Klassenbester

nun gräbt er auf dem Friedhof Leichen ein

die Gärtner ließ nach 104 Semestern

am Ende das Studieren schließlich sein

 

Die Winter macht heut sehr auf esoterisch

die Küster ist wie früher einfach nett

die Lehner wirkt noch immer leicht hysterisch

die Stutenbock ist weiter nichts als fett

 

So sitzt man also in vertrauter Runde

und tauscht die schon gelebten Jahre aus

man legt sich Höflichkeiten in den Munde

und will doch weiter nichts als nur nach Haus

 

Die Schulzeit ist – Gott sei’s gedankt – vorüber

der Abend endlich auch – was für ein Glück

man denkt erleichtert : „Bitte niemals wieder“

und morgen bringt man das Jackett zurück

 

 

 

 

 Lieder im Schatten des Mondes

 

Das große Kind ist alt geworden

bald legt es sich zur letzten Ruh

dann kommt ein kalter Wind von Norden

er raubt die Glut und deckt es zu

Dann trägt er es zwischen den Bäumen

hinfort zum Ende aller Zeit

es kann den Tag sich schon erträumen

und sieht sein weißes Totenkleid

 

Sing für das Kind, sing gegen den Wind

sing ihm Lieder im Schatten des Mondes

 

Du bist so sanft, du bist so gut

du wirfst dich jedem Sturm entgegen

du bist erfüllt von Löwenmut

du bist das Licht auf seinen Wegen

Du kannst es führen, kannst es leiten

mit deiner stillen Zärtlichkeit

aber du kannst es nicht begleiten

am Scheidepunkt der Zwischenzeit

 

Sing für das Kind, sing gegen den Wind

sing ihm Lieder im Schatten des Mondes

 

Es tickt die Uhr, es läuft die Frist

wie gnadenlos die Zeit doch ist

sie schenkt und stiehlt

sie nimmt und gibt

alles was man jemals geliebt

 

Sing für das Kind, sing gegen den Wind

sing ihm Lieder im Schatten des Mondes

 

 

 

 

 Gestalten

 

In allen meinen Gestalten

bin ich wenig bis gar nicht enthalten

etwas anderes will ich nicht sein

als nur Schein

 

 

 

 

 Gegen den Zeitvertreib

 

Man spricht davon die Zeit sich zu vertreiben

ich habe selten etwas Dümmeres gehört

und bin darüber stets maßlos empört

besser wär man bewegt die Zeit zum Bleiben

 

 

 

 

 Detmold

 

Freitag in Marlenes Partykeller

ihre Eltern sind in Übersee

ein paar Sandwichs gammeln auf dem Teller

vor dem Haus lauert der erste Schnee

Disco-Mucke schmerzt in meinen Ohren

ein paar Nasen ziehen eine Line

ich fühl mich daneben und verloren

und würde jetzt gern in Detmold sein

 

Detmold hat so etwas Familiäres

hat mir irgendwer einmal erzählt

und mein Herz ist grad ein ziemlich schweres

ich glaub nicht dass man es in Detmold quält

 

Detmold ist, wenn ich es richtig checke

alles andre als grad um die Ecke

was mir ausgesprochen gut gefällt

Detmold ist wirklich am Arsch der Welt

 

Alle reden ohne was zu sagen

und das blöde Bier ist viel zu warm

„Tainted Love“ kann ich kaum noch ertragen

Donna malt mir Herzen auf den Arm

Ich glaub, ich bin schon zu lang geblieben

dabei hätte mir ein Drink genügt

manchmal ist es schwer sich selbst zu lieben

und daher besser wenn man sich belügt

 

Detmold scheint mir wie der Garten Eden

ab Sieben ist dort jeder hackedicht

und um Acht schließen sie dann die Läden

ich muss sagen besser geht es nicht

 

Detmold ist, wenn ich es richtig checke

alles andre als grad um die Ecke

was mir ausgesprochen gut gefällt

Detmold ist wirklich am Arsch der Welt

 

 

 

 

 Philosophisch gesprochen

 

Ein reicher Mann kann frohlocken

beim Anblick von zwanzig Socken

doch trotzdem sieht man ihn weinen

denn ihm mangelt es an achtzehn Beinen

 

 

 

 

 Von ruheloser Sehnsucht getragen

 

Von ruheloser Sehnsucht getragen

strebt man – voran – nach dem Glück

bis weisere Menschen einem dann sagen:

Halt an und blicke zurück

 

 

 

 

 Narrenkönigs Braut

 

Es tanzt das wilde Volk um mich zu ehren

mir wurde manches Opfer dargebracht

kein Kelch, kein Becher möge sich heut leeren

sie feiern wieder die Walpurgisnacht

 

Und eine holde Maid in ihrer Mitte

wie es der Brauch verlangt grad sechzehn Jahr

nähert sich meiner Gruft mit bangem Schritte

im Mondlicht funkelt hell ihr goldnes Haar

 

Sie neigt ihr Antlitz scheu vor meinen Blicken

bevor des Priesters Spruch uns endlich traut

und ich gewähre ihr die Gunst durch stummes Nicken:

Heut Nacht, mein Kind, seiest du meine Braut

 

 

 

 

 Liebe in lausigen Zeiten

 

Ich träume von Liebe in lausigen Zeiten

dass jemand ein Feuer für mich entfacht

und in den kleinen Ewigkeiten

zwischen Nacht und Tag meine Seele bewacht

 

Von einer Hand die meine nicht loslässt

einem guten Geist der Besitz von mir nimmt

einer schweigenden Zuversicht die mich befällt

wenn in den Dämmerstunden die Welt verschwimmt

 

Ich träume von Mut in mutlosen Zeiten

von einer Hoffnung die nie von mir lässt

einer Ahnung vom Glück, einen Hauch von Erkenntnis

was auch immer es sei – ich halte es fest

 

Einem Herzschlag der dem meinen nicht fremd ist

einer Stimme der noch die Wahrheit vertraut

ein sanftes Schweben in friedliche Sphären

vereintes Empfinden, warm, Haut an Haut

 

Ich träume von Liebe in lausigen Zeiten

von einer Gewissheit die nie von mir weicht

ich träume von Liebe in lausigen Zeiten

die auch für die guten Zeiten noch reicht

 

 

 

 

 Wir träumen zu wenig im Wachen

 

Ich stand heute auf und bin glücklich gewesen

so als hätte ich grad eine Botschaft gelesen

die du in Gedanken mir schriebst

und die sagte dass du mich liebst

 

Doch trifft diese Botschaft auch erst später ein

ist das kein Grund nicht trotzdem fröhlich zu sein

und sich schon Gedanken über die Antwort zu machen

denn wir träumen zu wenig im Wachen

 

 

 

 

 Wortgefecht

 

Liefern wir uns ein Wortgefecht

schlägst du dich gar nicht so schlecht

Dadurch hab ich auch endlich kapiert

warum jemand Germanistik studiert

 

 

 

 

 Ambitionen

 

Regionalzüge sind nicht wirklich glücklich

zwar bringen sie viele Menschen nach Haus

doch keiner von denen bedankt sich dafür

Sie steigen nur ein und wieder aus

 

Und was man von der Welt so sieht

zählt man doch ab an einer Hand

Bahnsteige, Straßen, Häuser und Bäume

und ansonsten nur Ackerland

 

Regionalzüge sind nicht wirklich glücklich

Manchen fällt immer öfter ein

sie würden lieber der Orient-Express

oder die Transsibirische Eisenbahn sein

 

Doch da niemand sich um ihre Wünsche kümmert

und ihnen erlaubt auch mal fern zu reisen

werden alle Regionalzüge irgendwann streiken

oder schlimmer noch: Entgleisen

 

 

 

 

 Auf den Wannseeterrassen

 

Die vornehme Dame spreizt den kleinen Finger

Der kühle Mann krümelt mit seinem Baguette

Rings um ihn werben die jungen Dinger

dabei kennen die nicht mal das Wörtchen „kokett“

 

Sie tragen die Röcke bis knapp über die Hüften

Der vornehmen Dame fiele solches nie ein

Zwischen all den Kaffee- und Frühlingsdüften

ist sie einfach froh nicht mehr jung zu sein

 

Sie bleibt zugeknöpft bis hoch zum Kragen

und bietet den Blicken Raum für Fantasie

In Gedanken hört sie den kühlen Mann sagen:

Diese albernen Gänse lernen es nie

 

 

 

 

 Zum Schlachter

 

Zum Schlachter muss das Pferdchen

nun weine nicht mein Kind

du weißt doch nur zu gut

wie hungrig alle sind

 

Wir haben harte Zeiten

der Feind steht vor der Tür

und auch der lange Winter

niemand kann was dafür

 

Du musst der Mutter glauben

dass es nicht anders geht

wir haben jede Münze

schon zehnmal umgedreht

 

Die Kleine braucht die Milch doch

sie hustet sich halb tot

du kriegst auch einen Apfel

dafür beim Abendbrot

 

Zum Schlachter muss das Pferdchen

mein Kind nun weine nicht

wir bringen alle Opfer

und tun nur unsre Pflicht

 

Ach, meine gute Tochter

noch ist es nicht zu spät

steig auf dein kleines Pferdchen

und flieh so schnell es geht

 

 

 

 

 Wenn man es nur sicher wüsste

 

Wenn man eines schönen Tages

ganz plötzlich nicht mehr erwacht

stellt man sich zunächst die Frage

wer jetzt wohl die Betten macht

 

Dann entschwebt die Seele friedlich

vielleicht in die Stratosphäre

und man hätte nicht gedacht

dass es doch so einfach wäre

 

Auf dem Riesenrad stets schwindlig

hier jedoch fühlt man sich wohl

kommt den Sternen langsam näher

und das ohne Alkohol

 

Schließlich landet dann die Seele

lichtumhüllt an einer Küste

wo man friedlich und so weiter…

Wenn man es nur sicher wüsste

 

 

 

 

 Geliebtes Herz

 

Geliebtes Herz der Erde angetragen

ein jede Zeit hat endlich ihren Schluss

was gibt es noch zu sagen, noch zu fragen

wo ich dich schließlich gehen lassen muss

 

 

 

 

 Morgenandacht

 

Da stehen sie im Angesicht des Zweifels

und vor ihrem Gesang da weicht die Nacht

als wäre sie doch nur ein Werk des Teufels

und sei für Menschenaugen nicht gemacht

 

Doch stünden sie nur fest in ihrem Glauben

dann wäre ihnen gleich, ob Nacht, ob Tag

am höchsten hingen von jeher die Trauben

dem der sich nicht zufriedengeben mag

 

Die Seligkeit gebührt nicht nur den Treuen

sondern auch jedem andren Menschenschlag

der wagt sich an der Schlichtheit zu erfreuen

die Gott den Menschen als Vermächtnis gab

 

 

 

 

 Kataloge

 

Menschen aus dem Katalog zu bestellen

ist eine uralte Erfindung

Da sind Frauen aus asiatischen Ländern

mit dem Wunsch nach fester Bindung

 

Man wirbt auf Hochglanz mit genauen Maßen

auch schon seit halben Ewigkeiten

mit gazellenartigen Exemplaren aus Togo

und mit slawischen Weiblichkeiten

 

Erstaunlich wie viele Jungfrauen es gibt

Das ist es was Männern gefällt

Nur Kataloge mit ehrlichen Männern

die gibt es nirgendwo auf der Welt

 

 

 

 

 Lebensbilder

 

Draußen vor der Baracke

spielt ein Flüchtlingskind

und würde gerne wissen

wo die Eltern sind

Dann kommen fremde Leute

nehmen es mit fort

doch von deren Sprache

versteht es nicht ein Wort

 

Ein Raum mit dreißig Betten

wo man es manchmal schlägt

wenn es unter der Treppe sitzt

und sich nicht bewegt

 

Das Leben malt gern Bilder

während es ansonsten schweigt

und man weiß bei manchem Bild

nicht wirklich was es zeigt

Das Leben malt gern Bilder

und nicht alle haben Sinn

mal sieht man sie von weitem an

mal ist man mittendrin

 

Da ist die Ballprinzessin

in dem zerrissenen Kleid

neben ihr hockt ein Junge

und flüstert: „Tut mir leid“

Dann reicht er ihr die Flasche

und während sie trinkt

spürt sie dass ihre Welt

in der Dunkelheit versinkt

 

Sie sieht der Rose nach

die im Rinnstein treibt

und weiß dass nach dem Regen

von ihr nichts übrig bleibt

 

Das Leben malt gern Bilder

während es ansonsten schweigt

und man weiß bei manchem Bild

nicht wirklich was es zeigt

Das Leben malt gern Bilder

und nicht alle haben Sinn

mal sieht man sie von weitem an

mal ist man mittendrin

 

Die Schatten werden länger

im ersten Morgenlicht

und sie ist hier nicht zu Hause

auch wenn sie längst die Sprache spricht

 

Das Leben malt gern Bilder

während es ansonsten schweigt

und man weiß bei manchem Bild

nicht wirklich was es zeigt

Das Leben malt gern Bilder

und nicht alle haben Sinn

mal sieht man sie von weitem an

mal ist man mittendrin

 

 

 

 

 Nacht liegt auf den fernen Wegen

 

Nacht liegt auf den fernen Wegen

doch ich ahn des Himmels Blau

wenn wir in das Gras uns legen

und ich nach den Sternen schau

 

Heller sind nur deine Augen

nirgendwo will ich sonst sein

nicht zu andren Taten taugen

als zur Liebe ganz allein

 

Nacht liegt auf den fernen Wegen

und wir zwei vertrauen fest

dass uns Gottes guter Segen

tief und friedlich schlafen lässt

 

 

 

 

 Draußen

 

Der Abend legt seinen Schleier

liebevoll über das Land

es ist stets die gleiche Leier

so sagt es mir mein Verstand

 

Doch trotzdem bin ich ergriffen

bis tief in den Magen hinein

und winke den kommenden Schiffen

ohne Teil ihres Wirkens zu sein

 

Es rinnt mir dabei manche Träne

auf mein frisch gewaschenes Hemd

wie sehr ich mich nach der Ferne auch sehne

sie bleibt mir flüchtig und fremd

 

Doch ist das kein Grund zu verzagen

so wild das Herz mir auch klopft

und mein ergriffener Magen

wird mit einem Wurstbrot gestopft

 

 

 

 

 Die Kanzel

 

Da sitz ich, in der dritten Reihe

die Kanzel zehn Meter entfernt

und gestehe, ich bin ein Laie

hab biblisches nie gelernt

 

Die Orgel mag ich nicht leiden

sie dröhnt mir in jedem Ohr

hätte ich hier was zu entscheiden

dann sänge ein Gospel-Chor

 

Dann ginge es in diesem Hause

vielleicht etwas fröhlicher zu

Klatschen würd ich ohne Pause

und stampfen mit jedem Schuh

 

Ist Jesus ein Griesgram gewesen?

Mit einem ernsten Gesicht?

Ich hab nicht viel von ihm gelesen

doch denke ich: Wahrscheinlich nicht

 

Ein Partylöwe schon eher

Wer sonst macht aus Wasser wohl Wein?

Ein Tänzer, ein Poser, ein Steher

Sollten wir nicht Ähnliches sein?

 

Also lasset den Herren uns loben

aber bitte doch nicht so steif

lasst uns singen, tanzen und toben

denn lieber Pastor: That’s life

 

 

 

 

 Gaukler

 

Du hast dir manchen Schmerz zugefügt

sind die Narben auch kaum noch zu sehn

ich weiß, es ist schwer wenn man alle belügt

doch du weißt, ich kann dich verstehn

Ich stand, wie du, auch schon ganz nah am Rand

vielleicht hatte ich einfach nur Glück

leg deine Hand einfach in meine Hand

dann hol ich dich immer wieder zurück

 

Du allein bist mein Grund jeden Tag aufzuwachen

du weißt ich lass dich nie im Stich

und es ist leichter gemeinsam zu lachen

vergiss es nie: Ich liebe dich

 

Wir sind Gaukler, wir handeln mit Lächeln und Scherzen

so erfährt niemals jemand von unseren Schmerzen

denn keiner würde je wirklich verstehn

wie hart der Weg ist den wir täglich gehn

Wir sind Gaukler, wir spielen mit Träumen und Worten

im Zwielicht der Zeit an vergessenen Orten

keiner kann uns folgen, niemand sieht uns zu

jenseits der Schatten sind nur ich und du

 

Manchmal fühl ich mich so sehr daneben

und wünsche mir wie die andern zu sein

dann will ich nicht mehr als ein einfaches Leben

und die Gewissheit ich bin nicht allein

Doch das Schicksal kann man nicht betrügen

es hat eigene Pläne für uns gemacht

so dass wir weiterhin täuschen und lügen

denn man liebt den Clown nur wenn er lacht

 

Du allein bist mein Grund jeden Tag aufzuwachen

du weißt ich lass dich nie im Stich

und es ist leichter gemeinsam zu lachen

vergiss es nie: Ich liebe dich

 

Wir sind Gaukler, wir handeln mit Lächeln und Scherzen

so erfährt niemals jemand von unseren Schmerzen

denn keiner würde je wirklich verstehn

wie hart der Weg ist den wir täglich gehn

Wir sind Gaukler, wir spielen mit Träumen und Worten

im Zwielicht der Zeit an vergessenen Orten

keiner kann uns folgen, niemand sieht uns zu

jenseits der Schatten sind nur ich und du

 

 

 

 

 Im zweiten Hinterhof

 

Ron gibt sich wieder mal die Kante

Marlene trägt ein weißes Kleid

Es riecht nach Bratenfett und Fusel

und einem Hauch Vergeblichkeit

 

Ich teil mit Max die letzte Kippe

der Kohlenlaster parkt vom Haus

Frau Meier schimpft an ihrem Fenster

die Gaslaternen gehen aus

 

Der Qualm der Schlote ist zu dicht

man kann hier nie den Himmel sehn

Max klopft mir zögernd auf die Schulter

„Bruder, es wird jetzt Zeit zu gehn“

 

Dann wirft er seinen Seesack über

ich sehe ihn im Dunst verschwinden

und hoffe er wird anderswo

vielleicht ein bessres Leben finden

 

 

 

 

 Blinde Krähe

 

Hätte nie gedacht

dass ich sie wiedersehe

doch sie steht dort auf dem Dach

die blinde Krähe

 

Zwar zerzaust und struppig

aber noch am Leben

als solle ihr Anblick

Trost und Hoffnung geben

 

Ich würde gern wissen:

Wie fand sie zurück?

Vielleicht fliegt man nach Gefühl

besser als nach dem Blick

 

 

 

 

 Aus verschollenen Tagen

 

Hätte ich mir einst als Kind

einen langen Brief geschrieben

und würd dieser heute noch

gut verwahrt im Stammbuch liegen

 

könnte ich erfüllt von Neugier

ihn nun öffnen und ihn lesen

und da würde dann wohl stehen

Ich bin nie ein Kind gewesen

 

 

 

 

 Nachtwache

 

Die Stadt ist vom Schlummer befallen

Nur ein einsamer Wächter gibt acht

Man hört seine Schritte hallen

auf dem Pflaster in jeder Nacht

 

Er trägt mit Stolz die Laterne

und erfüllt treu seine Pflicht

er dient tapfer und er dient gerne

und die Dunkelheit fürchtet er nicht

 

Er dreht unbeirrt seine Runden

und ist sein Licht auch nur klein

vermag er in den finstersten Stunden

der Hüter aller Träume zu sein

 

 

 

 

 Unterschiede

 

Man ist ins Leben getreten.

So sagt es der Lebenslauf aus.

Gewollt oder ungebeten.

Man mache sich nichts daraus.

 

Daran lässt sich nichts mehr drehen.

Am Datum nicht und nicht am Ort.

Man möchte das Leben verstehen?

Solche Pläne wische man fort.

 

Man muss das Beste draus machen.

Oder man mache halt Schluss.

Das scheidet den Starken vom Schwachen.

Der tut das was er muss.

 

Die Schwachen sind es die klagen.

Besseres fällt denen nicht ein.

Ich würd gern was anderes sagen.

Doch ich lernte noch nicht stark zu sein.

 

 

 

 

 For the Mockingbird

 

Spottdrossel – du schäbiges Wesen

flickst notdürftig das zerzauste Gefieder

so richtig wirst du wohl nie genesen

und trällerst trotzdem die höhnischsten Lieder

 

Ich hab mir auch schon die Flügel gebrochen

vielleicht kommst du deshalb gern zu mir nach Haus

ist man gewohnt auf halber Flamme zu kochen

kommt man zur Not auch damit gut aus

 

Wir belauern uns scheinbar, jedoch mit Vertrauen

wir kennen uns schließlich schon manchen Tag

wir sind beide zu alt um noch Nester zu bauen

und auch ansonsten vom gleichen Schlag

 

 

 

 

 Die Freiheit des Zeichners

 

Mein Bleistift malt dir ein Haus ohne Türen

jetzt bist du gefangen und kannst nicht hinaus

und wenn du nicht aufhörst laut zu protestieren

dann zeichne ich auch noch eine Maus

 

Bei ihrem Anblick wirst du dich erschrecken

du wirst vor Angst hysterisch und krank

doch hast keinen Ort um dich zu verstecken

ich zeichnete dir weder Stühle noch Schrank

 

Wenn du lieb zu mir bist dann mal ich dir Nelken

und bist du ganz lieb mal ich uns ein Bett

doch wenn du dich sträubst lass ich die Nelken verwelken

und zeichne die Maus gleich doppelt so fett

 

 

 

 

 Blondes Gift

 

Liebster ich hätt dir gern erzählt

wie sehr dein Lachen mir heut fehlt

dass es hier still ist - viel zu still

und dass ich dich noch immer will

 

Ich hätte dir auch gern erklärt

dass sich mein Herz dagegen wehrt

doch hat es auch schon viel gelernt

noch ist´s nicht weit genug entfernt

 

Nicht weit genug von deinem Blick

der sagt : "Nun komm doch schon zurück"

von deiner Selbstgefälligkeit

die ich verdrängte lange Zeit

bis ich dann irgendwann verstand

dass ich bei dir nie Achtung fand

 

Du hast mich blondes Gift genannt

und nie die Frau in mir erkannt

dir mehr sein wollte - soviel mehr

und viel zu leicht gabst du mich her

Du hast mich blondes Gift genannt

mir weh getan und mich verkannt

und mir ist heute leider klar

dass ich ein Spielzeug für dich war

 

Hätt ich nur früher nachgedacht

und es dir nicht so leicht gemacht

dann hättest du vielleicht gesehn

wie schlecht die Dinge um uns stehn

 

Ich hab gemeint du wärst mein Freund

und wenn auch manches schwierig scheint

geglaubt wir finden einen Weg

doch nun weiß ich es ist zu spät

 

Zu spät für deinen tiefen Blick

der sagt : "Nun komm doch schon zurück"

und deine Überheblichkeit

die ich einmal vor langer Zeit

für Stärke hielt - bis ich verstand

dass uns im Grunde nichts verband

 

Du hast mich blondes Gift genannt

und nie die Frau in mir erkannt

dir mehr sein wollte - soviel mehr

und viel zu leicht gabst du mich her

Du hast mich blondes Gift genannt

mir weh getan und mich verkannt

und mir ist heute leider klar

dass ich ein Spielzeug für dich war

 

Was für dich leicht zu haben war

das hast du gern an mir gesehn

doch nie die Mühe dir gemacht

das was ich wollte zu verstehn

 

Du hast mich blondes Gift genannt

und nie die Frau in mir erkannt

dir mehr sein wollte - soviel mehr

und viel zu leicht gabst du mich her

Du hast mich blondes Gift genannt

mir viel zu oft das Herz verbrannt

und mir ist heute leider klar

dass ich ein Spielzeug für dich war

 

 

 

 

 An einer Klowand

 

Da saß ich also auf der Brille

und wartete in aller Stille

auf das worüber keiner spricht

schon gar nicht in einem Gedicht

 

und las was dort gekritzelt stand

mit Filzstift an der weißen Wand

und dachte dabei immer nur:

Das taugt nicht als Literatur

 

Das weibliche Geschlechtsorgan

hat sich dort sehr hervorgetan

und mich hat wirklich deprimiert

wie derb man es da oft zitiert

 

Ich will jetzt nicht die Worte nennen

die meine Leser sicher kennen

solche nehm ich zu keiner Stund

in ein Gedicht und in den Mund

 

Da kommt mir bessres in den Sinn

so kritzelte auch ich was hin

mit schwarzem Filzer, lang und breit

über der Frauen Herrlichkeit

 

Zwar ist die Mühe wohl verschenkt

der Nächste der hier sitzt und denkt

erweist mir sicher nicht die Gunst

zu jubeln: Ach, welch große Kunst

 

Doch als ich schließlich dann gespült

hab ich mich richtig wohl gefühlt

und dachte mir beim Gehen so:

Ich schreib jetzt nur noch auf dem Klo

 

 

 

 

 Du hasst mich weil du weißt du liebst mich

 

Du hasst mich weil du weißt du liebst mich

und du würdest lieber nicht

doch daran ist nichts zu ändern

und es steht dir im Gesicht

 

Hilft kalt duschen auch bei Frauen?

Suchst du dir ne Therapie?

Sei doch einfach zu dir ehrlich

dann weißt du das klappt doch nie

 

Du hasst mich weil Du weißt du liebst mich

und du weißt was du verpasst

doch ich bin genauso seltsam

Ich lieb dich nur weil du mich hasst

 

 

 

 

 Was die Autobahn wohl dachte?

 

Was die Autobahn wohl dachte

als sie einen Bogen machte

nur um Stuttgart anzubinden?

Bestimmt: Stuttgart soll verschwinden

 

 

 

 

 Viel zu schwere See heut Nacht

 

Zwei Wermutbrüder torkeln Arm in Arm

laut grölend Richtung Reeperbahn

Ein Gossenköter hebt sein Bein

sieht mich und fährt es wieder ein

da er jetzt lieber bellt statt pisst

Na ja es ist halt wie es ist

Ich hab mir daraus nichts gemacht

Viel zu schwere See heut Nacht

 

Fans von St. Pauli und vom HSV

prügeln sich ihre Ärsche blau

Den Aufruhr hätt ich gern vermieden

es endet doch bloß unentschieden

Doch der Friseur muss länger bleiben

und stellt sich schützend vor die Scheiben

bevor es klirrt und kracht

Viel zu schwere See heut Nacht

 

Ein Fischhändler lässt sich verspotten

denn allzu mickrig sind die Sprotten

und wie zudem auch jeder weiß

mal wieder überhöht im Preis

Er zieht deshalb gleich ein Gesicht

dabei kümmern mich Sprotten nicht

Was hat der Kerl gedacht?

Viel zu schwere See heut Nacht

 

Die Gaslaternen blinzeln blöd

wo ein Schutzmann seine Runde dreht

Der wär jetzt sicher lieber drin

bei Wein und Weib, Gina und Gin

Die Sturmfront ist längst schwarz und dicht

und Lulu fragt mich: „Willst du nicht..?“

Doch ich hab nur gelacht:

„Viel zu schwere See heut Nacht“

 

 

 

 

 otel ollywood

 

Es lag zwischen Stade und Bremerhaven

wo zwei Umgehungsstraßen sich trafen

und wann immer ich das Neonschild sah

leuchtete dort niemals ein „H“

 

Ich hab dort in so mancher Nacht

auf dem Weg nach Hause kurz Rast gemacht

um in die flauschigen Polster der Lobby zu sinken

und einen starken Kaffee zu trinken

 

In den schlechten Nächten hab ich Freddy getroffen

in den guten konnte ich auf Christina hoffen

Wir saßen da und starrten in die nächtliche Weite

und sie sagte: „Der Laden ist längst schon pleite“

 

otel ollywood

ich denk manchmal an dich

an den zerschlissenen Teppich

und den wackligen Tisch

Das Klo war immer verstopft

die Musicbox war kaputt

und trotzdem warst du schön

otel ollywood

 

Oft blieb ich noch bis zwei Uhr oder später

und würfelte mit dem Staubsaugervertreter

mit der rosa Fliege und den speckigen Hemden

Wenn ich mich recht erinnere kam er aus Emden

 

Auf der Veranda lag stets ein dösender Bernhardiner

Manchmal fütterte ich ihn mit einer Wiener

Die Hälfte davon hat er im nahen Wald versteckt

und mir danach dankbar die Hände geleckt

 

Der schlechten Nächte gab es nicht viele

Christina sagte: „Ich hab im Leben noch Ziele

Der Schuppen hier bringt mir kein Glück

nach dem Sommer geh ich an die Uni zurück“

 

otel ollywood

ich denk manchmal an dich

an den zerschlissenen Teppich

und den wackligen Tisch

Das Klo war immer verstopft

die Musicbox war kaputt

und trotzdem warst du schön

otel ollywood

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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