Frauen in der Waffenfabrik

 

Von früh bis spät bauen wir Gewehre

Die verlädt man dann auf einen Zug

Wir sollen denken: Was für eine Ehre

Wir denken: Jetzt ist es wirklich genug

 

Wir wissen warum wir Gewehre bauen.

Die Männer schießen damit Feinde tot.

Wir würden wirklich gern darauf vertrauen

dass ihnen nicht das gleiche Schicksal droht.

 

Würden in allen Ländern alle Frauen

Gewehre die sie bauen sabotieren

würden die Männer äußerst dumm ausschauen.

Aber sie müssten dann nicht mehr krepieren.

 

 

 

Madame Mimi

 

Madame Mimi hat mir aus der Hand gelesen.

Für einen kleinen Betrag.

Gut ist der Blick in die Zukunft wohl nicht gewesen.

Denn sie sagte mir dass sie mich mag.

 

Dass sagt nicht einmal der Arzt einem Todkranken.

Bedeutet wohl ich bin noch schlimmer dran.

Soll ich mich trotzdem bei ihr bedanken?

Oder fragen ob ich noch etwas ändern kann?

 

Mit dem Trinkgeld kann ich wohl großzügig sein.

Ich hab ja nur noch Wochen. Oder Tage.

Schon jetzt stellt sich Unwohlsein bei mir ein.

Ob ich meiner Frau davon etwas sage?

 

Auf dem Rückweg schau ich im Paulaner vorbei.

Dort gibt es heute Rouladen.

Und ich trinke ein Bier. Oder auch zwei.

Kann ja nicht mehr groß schaden.

 

 

 

Kitty und das Strandhotel

 

Kitty schlendert auf der Promenade

und pfeift jedem nach der ihr gefällt

früher küsste sie für Schokolade

heute tut sie anderes für Geld

 

Und ihr alter Lehrer, Doktor Krause

ist versucht dem wilden Kind zu sagen:

Machst du dich nicht schnellstens auf nach Hause

gibt’s ein „Ungenügend“ in Betragen

 

Und doch scheint der Mond doppelt so hell

durch das kleine Fenster im Strandhotel

wenn sie so tut als wenn sie mich liebt

ach Kitty, wie schön dass es dich gibt

 

Kitty sonnt sich meistens oben ohne

und ist selbst vom Hafen noch zu sehn

so dass mancher Vater (samt dem Sohne)

Muße findet im Spazierengehn

 

Nur ihr alter Lehrer Doktor Krause

legt die Stirn in ziemlich strenge Falten

und sagt: Mädchen gönn dir mal ne Pause

es tut manchmal gut an sich zu halten

 

Und doch scheint der Mond doppelt so hell

durch das kleine Fenster im Strandhotel

wenn sie so tut als wenn sie mich liebt

ach Kitty, wie schön dass es dich gibt

 

Und ihr alter Lehrer, Doktor Krause

legt die Stirn in eben solche Falten

er sagt: Ich geh schnell unter die Brause

und du kannst das Wechselgeld behalten

 

 

 

Immer im Dienst, Dienstmädchen

 

Ich muss unser Treffen verschieben.

Die Gnädigste hat nach mir verlangt.

Du wirst mich doch weiterhin lieben?

Mir wird viel zu wenig gedankt.

 

Ich mach ihr jetzt auch die Friseuse.

Denn sie geht kaum noch aus dem Haus.

Ich bin ihr deshalb nicht böse.

Wann lässt sie mich nur wieder hinaus?

 

Vielleicht muss ich hier überwintern.

Deine Küsse fehlen mir sehr.

Deine Hand auf meinem Hintern.

Und mehr.

 

Sie zeigt mir ihre Garderobe.

Solcher Fummel ist mir zu fein.

Dass ich ihren Geschmack trotzdem lobe

muss sein.

 

Ich muss unser Treffen verschieben.

Nun schon zum zwölften Mal.

Du wirst mich doch weiterhin lieben?

Oder bin ich dir schon egal?

 

Man hörte von dir und der Gitte.

Irgendwie hab ich es ja gewusst.

Die erfüllt die versauteste Bitte.

Und hat mehr Brust.

 

Bald sagt sie es sicher allen.

Da vergeht mir dann die Geduld.

Ich werd einem andren gefallen.

Deine Schuld.

 

 

 

Der Indianer der keiner war

 

                                                        Der Indianer war kein Indianer

doch man konnte ihn dafür halten

Er lief durch einen billigen Western

und skalpierte fünf finstre Gestalten

 

Er hat von Sergio Leone geschwärmt

doch das kümmerte mich nicht die (blaue) Bohne

Ich sagte: „Also ehrlich gesagt

reicht es höchstens für Sierra Leone“

 

Zum Glück war der Kerl etwas beschränkt

und meinte strahlend: „Mein Bester,

wenn Sergio noch nicht bereit für mich ist

dann reicht mir auch seine Schwester“

 

 

 

Seefahrer

 

Nenn mich Kolumbus

und lass mich entdecken

wie Schweißperlen

auf deinem Körper schmecken

 

ich will dich erforschen

deinen Po – deine Brüste

wie ein neues Land

eine goldene Küste

 

und jede Berührung

von deinem Gesicht

soll dir versprechen:

Erobern will ich dich nicht

 

Frei will ich dich

bei mir erleben

dich nicht zähmen

und keinen Namen dir geben

 

will dich erforschen

als ob ich nichts wüßte

von deinem Leib

deiner goldenen Küste

 

Nenn mich Kolumbus

und gib dich nicht hin

beweise mir ständig

daß ich unwissend bin

 

sei kein Geschenk

keine freundliche Gabe

keine Quelle des Glücks

an der ich mich labe

 

sondern sei Sturm

und zwing mich in die Knie

nenn mich Kolumbus

Besitzen werd ich dich nie

 

 

 

Auf der anderen Seite des Mondes

 

Man sagt es sei ein wenig so wie Sterben

vielleicht fehlt mir dafür die Fantasie

ich stehe zwar inmitten all der Scherben

doch richtig weinen konnte ich noch nie

Ich brauche weder Mitleid noch Gedichte

keine Tabletten, keinen Alkohol

es ist doch nur ein Teil meiner Geschichte

und morgen fühl ich mich auch wieder wohl

 

Es sind die andren die es größer reden

zu etwas machen was es niemals war

ich frag mich warum kümmert es bloß jeden

und geht nur mir anscheinend nicht sehr nah?

 

Ich habe ihr Gesicht schon fast vergessen

auch wenn man denkt ich rede mir das ein

ich sterbe nicht sondern beschließ stattdessen

ab heut auf der anderen Seite des Mondes zu sein

 

Ich bin gewohnt die Fragen zu erdulden

auch jene die man nur aus Anstand stellt

ich weiß dass sie und ich uns nichts mehr schulden

warum begreift das nicht der Rest der Welt?

Wir hatten unsre Zeit sie ist vergangen

am Ende half nur noch ein schneller Schnitt

nun sind wir frei was neues anzufangen

und schleppen keine alten Lasten mit

 

Es sind die andren die es schöner denken

an etwas glauben das es niemals gab

ich möchte dem keine Bedeutung schenken

mich kümmert nicht was war, nur was ich hab

 

Ich habe ihr Gesicht schon fast vergessen

auch wenn man denkt ich rede mir das ein

ich sterbe nicht sondern beschließ stattdessen

ab heut auf der anderen Seite des Mondes zu sein

 

Sie nennen es verständliche Verdrängung

ich nenn es einen kleinen Schritt nach vorn

ich löse mich aus jeglicher Beengung

ich hab vielleicht gewonnen, nicht verlorn

 

Ich habe ihr Gesicht schon fast vergessen

auch wenn man denkt ich rede mir das ein

ich sterbe nicht sondern beschließ stattdessen

ab heut auf der anderen Seite des Mondes zu sein

 

 

City-West

 

Da steht dieser Typ mit der Gitarre

der Verkehr rings um ihn fließt so hektisch

zwei Schnepfen vom Ordnungsamt texten ihn zu:

„Die geht gar nicht, die ist ja elektrisch“

 

Nur gut dass die zwei mich nicht sehen

ich steh doch auch unter Strom

und den kleinsten gemeinsamen Nenner

der Blödheit nennt man Atom

 

Immer wenn der Schatten des Kirchturms

meinen Schatten berührt

möchte ich tanzen bis mich jemand abholt

und zur Besinnungslosigkeit führt

 

Wacker trotzen die Kerzen dem Regen

und die Kreide weint auf dem Asphalt

das Böse hat viele Namen

doch im Grunde nur eine Gestalt

 

Der Heuschreckenschwarm zog längst weiter

und die Stadt quält sich aus der Starre

was bleibt ist ein Lied das niemand sang

und die elektrische Gitarre

 

 

 

Resümee

 

Ich lebte, sprach der Mann, ein gutes Leben.

Natürlich tut mir heute manches leid.

Ein wenig Dreck bleibt immer an dir kleben.

Mein Urteil jedoch spricht allein die Zeit.

 

Man kann die Wahrheit biegen oder beugen.

Das tut man oft denn es fällt nicht sehr schwer.

Und ist dort niemand mehr sie zu bezeugen

kümmert sie einen schließlich selbst nicht mehr.

 

 

 

Zwischen Rostock und Stralsund

 

Heidi grüßt ihre Mutter

und Fritz seine Frau

Was ist das für ein Sender?

Kümmert das eine Sau?

Und dann spielen sie Schlager

Kann denn das sein?

Bekommen wir wirklich

hier nichts anderes rein?

 

Die Straßen leer

der Tank fast voll

und dein Körper der nicht weiß was er will

aber weiß was er soll

 

Halt einfach den Mund

zwischen Rostock und Stralsund

 

Ist diese Landschaft

wirklich bewohnt?

Mir kommt es vor

als wären wir auf dem Mond

Und die Ostsee ist nur

ein größerer Teich

ich will zum Pazifik

am besten gleich

 

Die Straßen leer

der Tank fast voll

und dein Körper der nicht weiß was er will

aber weiß was er soll

 

Halt einfach den Mund

zwischen Rostock und Stralsund

 

Mach das Fenster auf

und das Radio aus

die nächste Ausfahrt

fahren wir raus

Suchen uns ein Zimmer

oder bringen uns um

Wozu hast du Lust?

mir erscheint nichts zu dumm

 

Die Straßen leer

der Tank fast voll

und dein Körper der nicht weiß was er will

aber weiß was er soll

 

Küss mich auf den Mund

zwischen Rostock und Stralsund

 

 

 

Herr Einstein

 

Herr Einstein sitzt nebenan.

Nachts redet er mit den Raben.

Man sieht ihm die Krankheit nicht an.

Wer weiß ob wir sie wirklich haben.

 

Man darf den Ärzten nichts glauben.

Auf Vernunft haben die kein Patent.

Die Schwestern tragen weiße Hauben.

Eine tut als ob sie mich kennt.

 

Sie streichelt mir oft die Wange.

Ich weiß nicht ob sie das muss.

Es dauert auch nie sehr lange.

Und manchmal gibt sie mir einen Kuss.

 

Herr Einstein sitzt nebenan.

Ich kann ihn von hier aus nicht sehen.

Es gibt viel was man hier nicht kann.

Vor allem das alles verstehen.

 

 

 

Drei oder vier Dinge

 

Paula schneidet Tomaten

in den Paprikasalat

und hat mit Zwiebeln anschließend

auch nicht wirklich gespart

Hans sagt „Guten Abend“

das klingt fast wie Hohn

und ich bin der beste Lyriker

meiner Generation

 

Da hängen Lampions

die sehen wie Köpfe aus

und Mücken und Enkelkinder

kreisen ums Gartenhaus

 

Tina hat zu viel getrunken

Robbie hat zu viel geraucht

und es gibt drei oder vier Dinge

die wirklich keiner braucht

Eins war was mit Liebe

eins mit Kokain

und dann war da noch etwas

das hab ich dir nie verziehn

 

Meike wärmt den Braten auf

und Jens alte Geschichten

Rita kann auf Nikotin

noch immer nicht verzichten

Karin würde gerne küssen

am liebsten auf den Mund

willig für diesen Unfug

findet sich allein der Hund

 

Da tropfen Hühnchen

so trist im Bratenfett

und wird der Abend auch nicht furchtbar

so doch auch nicht furchtbar nett

 

Tina hat zu viel getrunken

Robbie hat zu viel geraucht

und es gibt drei oder vier Dinge

die wirklich keiner braucht

Eins war was mit Liebe

eins mit Kokain

und dann war da noch etwas

das hab ich dir nie verziehn

 

Und Jana weiß genau

ich hab drei Gründe nur zu bleiben

ihr Lächeln und ein Warsteiner

und um über alles das zu schreiben

 

 

 

Laiendarsteller

Sie führen ihre Kriege

präziser und schneller

und brauchen dafür

mehr Laiendarsteller

und das wird so lang gehen

bis mal ein Statist

aus lauter Zerstreutheit

das Sterben vergisst

 

 

 

Er taugte nur einen Sommer zum Fliegen

 

Er war jung und er stand mit offenen Augen

erwartungsvoll staunend vor ihrer Tür

sie wusste er würde ihr alles glauben

und am Ende zahlen dafür

 

Ihre Hand zeigte ihm einen Himmel aus Scherben

er stürzte sich blind und lachend hinein

er wusste so wenig über das Sterben

und verlangte nichts weiter als bei ihr zu sein

 

Er taugte nur einen Sommer zum Fliegen

dann gab sie ihn achtlos der Erde zurück

er konnte die Schwerkraft nicht wirklich besiegen

und ging machtlos zugrunde am Glück

 

 

 

Girlband auf dem Herrenklo

 

Ein Club in Schleswig, Freitagnacht

Vier Mädchen haben Krach gemacht

Sie waren eine Coverband

mit überschaubarem Talent

Doch noch mehr hat mich deprimiert

dass man den Laden renoviert

Das Damenklo war leider dicht

das störte diese Zicken nicht

 

Sie wollen sich schminken

Ich muss pissen

Ob wir das wirklich diskutieren müssen?

 

Nichts im Leben macht weniger froh

als eine Girlband auf dem Herrenklo

und singt sie auch noch „Ring of fire“

geht sie mir noch mehr auf die Eier

Nichts im Leben hat weniger Niveau

als eine Girlband auf dem Herrenklo

die, wenn sie sich belästigt fühlt,

auf mir ne Runde Schlagzeug spielt

 

Die am Mikro sah aus wie ein Gartenzwerg

und sang was von Marianne Rosenberg

Die anderen – ich weiß ich werd gemeiner –

waren noch eine ganze Ecke kleiner

Und dann meinten diese Emanzen

„Wir trinken nicht und wollen auch nicht tanzen“

Da war der Abend völlig ruiniert

Ich frag mich, warum sowas immer mir passiert

 

Sie wollen sich schminken

Ich muss pissen

Ob wir das wirklich diskutieren müssen?

 

Nichts im Leben macht weniger froh

als eine Girlband auf dem Herrenklo

und singt sie auch noch „Ring of fire“

geht sie mir noch mehr auf die Eier

Nichts im Leben hat weniger Niveau

als eine Girlband auf dem Herrenklo

die, wenn sie sich belästigt fühlt,

auf mir ne Runde Schlagzeug spielt

 

Nun sitzen wir zu sechst in einer Zelle

Ich, mein Stolz und die seltsame Kapelle

und ich bin vor Ärger weiß wie Mehl

denn sie trällern alle Hits von Howard Carpendale

 

 

 

Fußnote der Geschichte

 

Die eine Hälfte der Welt

man nannte sie einst Kolonien

hat der anderen Hälfte der Welt

eben jenes niemals verziehn

 

Dabei stand in manchem Schulbuch:

„Der Kaffer wird zivilisiert

mit harter Hand wie bei Tieren

also um nicht zu sagen: Dressiert

 

Dann taugt er zwar grad zum Servieren

im Herzen jedoch bleibt er Heide

so dass man jede Vertraulichkeit

doch bitte tunlichst vermeide“

 

Ich hab mir in jenem Schulbuch

sogleich mit Bleistift notiert:

„Wäre ich du, armer Kaffer

ich hätte uns massakriert“

 

 

 

Verschleudert

 

Mancher taugt fürs Glück nicht weiter

als ein Stein im Wasser springt

und das gilt erst recht für einen

der ständig von Liebe singt

 

Manchmal mag ich noch kaum glauben

was mit uns beiden geschieht

ich lief so lang durch den Regen

nun steht die Sonne im Zenit

 

Ich hab mich so oft verschleudert

und ergriff dann schnell die Flucht

wenn man so ein wildes Herz hat

wird die Suche schnell zur Sucht

aber seit wir zwei uns trafen

ist nichts mehr wie vorher

denn bin ich in deinem Hafen

sehn ich mich nicht nach dem Meer

 

Mancher taugt fürs Glück nicht länger

als ein Regenbogen bleibt

und das gilt erst recht für einen

der ständig von Liebe schreibt

 

Manchmal will ich gar nicht wissen

wie du wirklich zu mir stehst

denn ich würde dich vermissen

wenn du eines Tages gehst

 

Ich hab mich so oft verschleudert

und ergriff dann schnell die Flucht

wenn man so ein wildes Herz hat

wird die Suche schnell zur Sucht

aber seit wir zwei uns trafen

ist nichts mehr wie vorher

denn bin ich in deinem Hafen

sehn ich mich nicht nach dem Meer

 

Wie zwei Schiffe auf den Wogen

tanzen wir im Wind

das Gefühl hat nicht getrogen

schau wie glücklich wir doch sind

 

 

 

Schnauze,Frieder!

 

Schnauze, Frieder!

Es kommt jetzt hart auf hart.

Da braucht es echte Männer.

Nicht solche seiner Art.

 

Die sich maniküren.

Wie es ein Weibsbild tut.

Da kann man nur verlieren.

Solche tun uns nicht gut.

 

Der Feind steht vor den Toren

Vielleicht geht es jetzt schnell.

Da ist man gnadenlos.

Nicht homosexuell.

 

Schnauze, Frieder!

Er putze die Latrine.

Es wäre wahrlich kein Verlust

trät er auf eine Mine.

 

Er taugt als Kamerad nicht.

Da kommen schon die Russen.

Drum gehe er voran.

Die schießen nicht auf Tussen.

 

 

 

Ein Beispiel für den Artenschutz

 

Wenn ich ganz cool bin bin ich dir zu männlich

wenn ich mal heule bin ich dir zu schwach

wenn ich dich will dann bist du immer müde

wenn ich mal schlafe dann machst du mich wach

 

Wenn ich was sage willst du es nicht hören

wenn ich mal schweige ist es dir nicht recht

wenn ich dir treu bin dann nennst du mich dämlich

wenn ich dir untreu bin nennst du mich schlecht

 

Wenn ich zuhause bleib bin ich ein Nichtsnutz

wenn ich nach draußen will ist´s dir zu kalt

rasier ich mich dann seh ich dir zu jung aus

und mach ich´s nicht dann bin ich dir zu alt

 

Lad ich mal Freunde ein wird es dir stressig

mach ich es nicht dann ist es dir zu öd

wenn ich mal kuscheln will magst du es härter

mag ich es hart dann ist dir das zu blöd

 

Les ich die "Bild" bin ich für dich ein Spießer

les ich die "taz" dann bin ich ein Rebell

sitz ich im Park dann bin ich dir zu träge

und wenn ich jogge bin ich dir zu schnell

 

Mach ich den Haushalt nennst du mich ein Weichei

mach ich ihn nicht nennst du mich faules Schwein

bin ich nicht da dann hast du nach mir Sehnsucht

und wenn ich komm dann wärst du gern allein

 

Ein Beispiel für den Artenschutz

war deine Art zu lieben nie

 

 

 

Die Narren sind näher bei Gott

 

Er war groß wie ein Riese, doch ein armer Tropf

man sagte er sei nicht ganz richtig im Kopf

wenn er kam dann rief man die Kinder hinein

und mancher warf nach ihm mit einem Stein

Doch er hat von den Menschen nie böses gedacht

hat leise gesummt und freundlich gelacht

ein ewiger Kreislauf, der stets gleiche Trott

doch die Narren sind näher bei Gott

 

Ein Mädchen hat ihn im Stadtpark verführt

ganz zögernd und sanft hat er es berührt

doch vor ihren Eltern da log es alsbald

„Ich hab’s nicht gewollt, er tat mir Gewalt“

Man schlug ihn halbtot, er kam in den Knast

und man legte ihm schlimme Dinge zur Last

ein ewiger Kreislauf, der stets gleiche Trott

doch die Narren sind näher bei Gott

 

Man drückte ihm einen Stift in die Hand

er unterschrieb obwohl er nicht verstand

und hat dann den Richter nur angegafft

als der verkündete: „Zehn Jahre Haft“

Man sperrte ihn in eine Zelle

und er erhängte sich dort auf der Stelle

ein ewiger Kreislauf, der stets gleiche Trott

doch die Narren sind näher bei Gott

 

 

 

Asyl

 

Es fliegen die Stare nach Afrika

und suchen im Winter Asyl

so wie es seit allen Zeiten geschah

bis jemand sprach: Ihr werdet zu viel

 

Also herrscht im Luftraum nun arges Gedränge

sie dürfen nicht mehr einfach so landen

ihnen kam ob neuer Regeln und Zwänge

die Leichtigkeit schnell abhanden

 

Und wer als unerwünscht eingestuft wird

der muss sich schleunigst entfernen

kein Wunder wenn die Stare verwirrt

irgendwann das Fliegen verlernen

 

 

 

Japan

 

Du führst mich ins Land des Lächelns

dein Tee schmeckt nicht nach Kamille

und ich folg dem Honigfalter

durch die rote Abendstille

Du senkst deine Augen

ich verberge mein Gesicht

ich kenne deine Sprache

doch deine Seele kenn ich nicht

 

Du bringst mich so durcheinander

Lotusblüte – Oleander

und ich sag: Verzeih

ich wär gern dein Samurai

 

Zeig mir dein geheimes Japan

und dein süßes Tokyo

lass mich heut ein wenig reisen

unter deinem Kimono

Zeig mir dein geheimes Japan

dann wird mein Zauberdrachen

dir im Wind des Südens

ein warmes Feuer machen

 

Du führst mich ins Land des Lächelns

deine Lippen sind wie Seide

und im Schatten deiner Sonne

gibt es heute nur uns beide

Du senkst deine Augen

ich verberge mein Gesicht

ich kenne deine Sprache

doch deine Seele kenn ich nicht

 

Du bringst mich so durcheinander

Lotusblüte – Oleander

und ich sag: Verzeih

ich wär gern dein Samurai

 

Zeig mir dein geheimes Japan

und dein süßes Tokyo

lass mich heut ein wenig reisen

unter deinem Kimono

Zeig mir dein geheimes Japan

dann wird mein Zauberdrachen

dir im Wind des Südens

ein warmes Feuer machen

 

 

 

Kannst Du hören was ich nicht sag?

 

Ich hab Freunde die taugen für Frohsinn

ich hab Feinde die taugen für mehr

es gibt Orte die hab ich nie gesehen

und doch ist mir als ob ich dort wär

 

Ich hab Narben die lassen mich lächeln

ich hab Wissen das macht mich dumm

ich bin von Liebe durchflutet

irgendwann da bringt sie mich um

 

Du hörst mir zu wenn ich rede

jahrein, jahraus, Tag für Tag

dabei wär es nur wichtig zu wissen

Kannst du hören was ich nicht sag?

 

Ich hab Augen die müd sind vom Sehen

ich hab Füße die müd sind vom Gehn

ich hab Fragen die kann kein andrer

auch nur ansatzweise verstehn

 

Ich hab Stolz der ist ohne Stärke

ich hab Trauer die ist ohne Wut

ich hab Sehnsucht grad nach den Dingen

von denen ich weiß sie tun mir nicht gut

 

Du hörst mir zu wenn ich rede

jahrein, jahraus, Tag für Tag

dabei wär es nur wichtig zu wissen

Kannst du hören was ich nicht sag?

 

 

 

Morpheus und Morphine

 

Morpheus und Morphine

trafen sich im Schattenland

und griffen wie selbstverständlich

nach des andren Hand

 

Morpheus sprach: Ich schenke dir

den allertiefsten Schlaf

weil ich ein Geschöpf wie dich

in keinem Traum je traf

 

Und Morphine sagte:

Ich werde mich dir geben

nimm meinen toten Körper

und empfang durch ihn das Leben

 

 

 

Leichenbestatter

 

Leichenbestatter sind auch nur Menschen

mit einem Acht-Stunden-Tag

kommen wie andere müde nach Hause

und schweigen dann wie ein Grab

Sie sind wunderbar darin geübt

ein Maß an Worten zu haben

zwischen leicht optimistisch und schwer betrübt

und alles ganz tief zu vergraben

 

Aber wer glaubt sie hätten Connections

der liegt ganz eindeutig daneben

sie fürchten wie jeder andre den Tod

oder das Leben

 

Leichenbestatter – ein Job mit Zukunft

denk mal drüber nach mein Kind

wenn sie dich bei der Bank nicht nehmen

weil deine Noten nur durchschnittlich sind

Diese Branche boomt immer und wird staatlich gefördert

und ist mit nichts zu vergleichen

wenn du mir nicht glaubst schalt den Fernseher an

wohin man auch blickt nichts als Leichen

 

Leichenbestatter sind auch nur Menschen

und nebenberuflich manchmal Florist

was bei den ganzen Blumen, Kränzen und Grünzeug

mit Sicherheit auch von Vorteil ist

Sie empfehlen dir wetterbeständige Rosen

oder Alpenveilchen, die brauchen wenig Licht

und sie raten den größten Mimosen

etwas sarkastisch zu Vergissmeinnicht

 

Aber wer glaubt sie hätten Connections

der liegt ganz eindeutig daneben

sie fürchten wie jeder andre den Tod

oder das Leben

 

Leichenbestatter – ein Job mit Zukunft

denk mal drüber nach mein Kind

wenn sie dich bei der Bank nicht nehmen

weil deine Noten nur durchschnittlich sind

Diese Branche boomt immer und wird staatlich gefördert

und ist mit nichts zu vergleichen

wenn du mir nicht glaubst schalt den Fernseher an

wohin man auch blickt nichts als Leichen

 

Es empfiehlt sich ein Auslandspraktikum

in Syrien oder Afghanistan

auch Libyen eignet sich ausgezeichnet

der Jemen, der Kongo oder der Iran

 

Leichenbestatter – ein Job mit Zukunft

denk mal drüber nach mein Kind

wenn sie dich bei der Bank nicht nehmen

weil deine Noten nur durchschnittlich sind

Diese Branche boomt immer und wird staatlich gefördert

und ist mit nichts zu vergleichen

wenn du mir nicht glaubst schalt den Fernseher an

wohin man auch blickt nichts als Leichen

 

 

 

Der letzte faule Trick

 

Es gibt kein weißes Kaninchen mehr

Ich habe das letzte gestern verspeist

Der Mensch muss ja von irgendwas leben

und man wird hungriger je weiter man reist

 

Mein Zylinder ist reichlich zerbeult

Da ist kein Wunder mehr drin zu entdecken

Vielleicht wenn ich tief genug rein schau

kann ich mich in ihm verstecken

 

Die Blumen waren schon immer aus Plastik

und auch ich bin nur eine Imitation

Meine Kunst bestand nur aus einem doppelten Boden

und das Leben bleibt die schaurigste Illusion

 

Der letzte faule Trick missglückt

Hat man euch nicht gewarnt?

Von einem Magier bleibt nur heiße Luft

wenn man sein Taschenspiel enttarnt

 

Das Publikum wird schnell zum Pöbel

versetzt man es nicht mehr in Staunen

dann lechzt man arg nach seiner Gnade

und fügt sich klaglos seinen Launen

 

Man jongliert dreist mit bunten Lügen

und spielt mit den gezinkten Karten

doch sieht beim Blick in ihre Augen

es ist kein Beifall zu erwarten

 

Mein Zauber ist nur eine Masche

zudem von anderen geraubt

Wie also soll ich Wunder wirken

wenn niemand mehr an Wunder glaubt?

 

Der letzte faule Trick missglückt

Hat man euch nicht gewarnt?

Von einem Magier bleibt nur heiße Luft

wenn man sein Taschenspiel enttarnt

 

 

 

Hamburg und ich

 

Jenen jungen Dingern die mit leicht verhangnen Augen

in den trüben Nächten vor den Hafenkneipen stehn

kann mein Herz seit jeher mit Leichtigkeit entsagen

nur mein verdammter Leib lernt nicht zu widerstehn

 

Hamburg und ich – das war niemals Liebe

doch wir kommen nicht übereinander hinweg

auf unsere Art sind wir beide Diebe

und taumeln beständig zwischen Schönheit und Dreck

 

Hamburg und ich - das geht schon zu lange

wir reiben uns aneinander nur wund

wir reichen zu leicht die andere Wange

und leiden einsam wie ein verkrüppelter Hund

 

Auf den schweren Schiffen die nach fernen Küsten streben

war mein Herz schon immer ein Blinder Passagier

doch ich hab es nie geschafft fern von ihr zu leben

auch wenn mir ganz klar ist dass ich hier krepier

 

Hamburg und ich – das war niemals Liebe

doch wir kommen nicht übereinander hinweg

auf unsere Art sind wir beide Diebe

und taumeln beständig zwischen Schönheit und Dreck

 

Hamburg und ich - das geht schon zu lange

wir reiben uns aneinander nur wund

wir reichen zu leicht die andere Wange

und leiden gemeinsam wie ein verkrüppelter Hund

 

 

 

An meine Witwe

 

Du hast mich warm gehalten

du lieblich, süßes Ding

mein Leben zu gestalten

gelang dir ohne Ring

 

Es brauchte keinen Priester

kein Amt und keinen Stand

wir schlossen unsre Ehe

von allen unerkannt

 

mit Blicken und mit Taten

mit Sehnsucht und Verzicht

wer Gottes Segen hat

braucht den der Menschen nicht

 

und nun wo jüngst im Mai

ich unverhofft verstorben

geb ich dich wieder frei

und wünsche dich umworben

 

auf dass ein Herz wie meines

das an der Welt erblindet

fortan in deinen Armen

Zuflucht findet

 

 

 

Du hast vom Tod gesungen (Merlins Lied)

 

Die Götter gaben dir Britannien

und auch die Gabe der Magie

heut lästerst du die alten Bräuche

dein wildes Herz verachtet sie

Hoch von den Klippen deines Schicksals

siehst du hinunter auf das Land

und eine Rose die nie blühte

trägst du verloren in der Hand

 

Dein Blick verirrt sich zu den Möwen

dein Schrei nach Liebe gilt der Welt

Merlin – dein Licht gleicht einer Sonne

die sterbend in die Fluten fällt

 

Du hast vom Tod gesungen

in der Walpurgisnacht

dein Zauber hat den Feinden

tödlichen Sturm gebracht

Kein Schiff kam bis zur Küste

vom kalten Nass umschlungen

sanken sie in die Tiefe

von deiner Macht bezwungen

 

Die Götter schenkten dir Britannien

doch du dientest nur einem König

und als sein Licht erloschen war

erschien die Welt dir viel zu wenig

Du liebtest nie den Klang der Schwerter

und ihrer Schlachten Melodie

du wolltest einen Weg aus Blumen

doch fandest ihn im Leben nie

 

Dein Blick verirrt sich zu den Möwen

dein Schrei nach Liebe gilt der Welt

Merlin – dein Licht gleicht einer Sonne

die sterbend in die Fluten fällt

 

Du hast vom Tod gesungen

in der Walpurgisnacht

dein Zauber hat den Feinden

tödlichen Sturm gebracht

Kein Schiff kam bis zur Küste

vom kalten Nass umschlungen

sanken sie in die Tiefe

von deiner Macht bezwungen

 

Und eine Barke trägt im Nebel

deines Königs Leib davon

diesmal kannst du ihm nicht folgen

auf seinem Weg nach Avalon

 

 

 

Februar-Bilder

 

Noch wähnt es sich sicher das staunende Kind

im Meer der Worte und Zahlen

und hebt es die kleine Hand in den Wind

kann es Bilder vom Februar malen

 

Es schaut ihnen nach wenn sie dann

in endlosen Weiten verschwinden

und verschwendet keinen Gedanken daran

sie jemals wiederzufinden

 

 

 

Wo die Liebe hinfällt

 

Malte, Literaturstudent

Rollkragenpulli und Birkenstock-Treter

kratzte sich verlegen am Hintern

und artikulierte: „Sehn wir uns später ?“

Svetlana, sympathisch, zweiundzwanzig

aus irgend so einer Slowakei

reagierte mit hochroten Wangen

in gebrochenem Deutsch: „Um drittel vor drei“

 

Paula hat Paul ihre Liebe versichert

doch der Blödmann hat nur gekichert

dabei stand er ihr grammatikalisch sehr nah

abgesehen von dem fehlenden „a“

 

Wo die Liebe hinfällt

fällt sie auch mal aufs Maul

nicht bei Svetlana und Malte

doch bei Paula und Paul

Wo die Liebe hinfällt

bleibt sie mitunter liegen

aber dich und mich

lässt sie weiterhin fliegen

 

Malte, Literaturstudent

mittlerweile hundertzwölftes Semester

popelt verträumt in seiner Nase

und fragt: „Wird unsre Beziehung mal fester ?“

Svetlana, sympathisch und eingebürgert

- ihr Großvater stammte aus Iserlohn -

rechnete: „Ich bin dreiundsechzig

da würde ich sagen, ich denke mal schon“

 

Paula hat Paul ihre Liebe versichert

und der Blödmann hat nicht mehr gekichert

er war mittlerweile tatsächlich verstorben

das hat die Aussicht aufs Happy End arg verdorben

 

Wo die Liebe hinfällt

fällt sie auch mal aufs Maul

nicht bei Svetlana und Malte

doch bei Paula und Paul

Wo die Liebe hinfällt

bleibt sie mitunter liegen

aber dich und mich

lässt sie weiterhin fliegen

 

Wo die Liebe hinfällt

kommt nicht jeder gleich drauf

man geht nicht weiter

sondern hebt sie auf

 

Wo die Liebe hinfällt

fällt sie auch mal aufs Maul

nicht bei Svetlana und Malte

doch bei Paula und Paul

Wo die Liebe hinfällt

bleibt sie mitunter liegen

aber dich und mich

lässt sie weiterhin fliegen

 

 

 

Es ist immer davor

 

Es blühen die Felder

es trocknet das Heu

nach dem Sommerregen

entsteht die Welt neu

 

In prächtigen Farben

und jungfräulichem Glanz

bittet sie Mädchen und Knaben

zum Tanz

 

Vergessen bleibt

was man im Regen verlor

es ist niemals danach

es ist immer davor

 

 

 

Begrabene Worte

 

Ich find keine Worte die Dich beschreiben

die so schön sind wie Du und so bedeutungsvoll bleiben

sie müssten Dir ein Leben lang zu Füßen liegen

und gleichzeitig über den Wolken mit Dir fliegen

 

Sie müssten heller als das Sonnenlicht sein

wie kristallklares Wasser schimmernd und rein

wie Kirchenglocken müssten sie läuten

und Dir den Himmel auf Erden bedeuten

 

Es wären Worte die kein andrer Dir schenkt

weil niemand sonst wie ich von Dir denkt

Es wären Worte die ich nicht sagen darf

so dass ich wenn ich sie erst gefunden hab

sie vor der Welt verberge

und tief in mir begrab

 

Ich find keine Worte um Dich zu vergleichen

alle Blumen der Welt würden nicht reichen

um bevor ihre Blätter im Wind verwehn

nur einen Augenblick neben Dir zu bestehn

 

Sie müssten Tag sein und Nacht zugleich

Träume in einem verzauberten Reich

sie müssten wie Wind und Sommerregen

Dich begleiten auf all Deinen Wegen

 

Es wären Worte die kein andrer Dir schenkt

weil niemand sonst wie ich von Dir denkt

Es wären Worte die ich nicht sagen darf

so dass ich wenn ich sie erst gefunden hab

sie vor der Welt verberge

und tief in mir begrab

 

Auch wenn Du willst dass wir Fremde sind

weiß ich dass ich irgendwann diese Worte find

und ich werde sie der Welt verschweigen

bis Du mir gestattest sie Dir zu zeigen

 

 

 

Die Magd

 

Schmutz auf Kleidern, Händen, Wangen

aller Lebenslust entsagt

jeder Tag ein wehes Bangen

von der Liebe ungefragt

 

wenn sie still ihr Werk verrichtet

hin zum Brunnen und zurück

bevor sich der Morgen lichtet

und sich bricht in ihrem Blick

 

Krumm gebeugt der schmale Rücken

von der Arbeit auf dem Feld

wird kein Auge je entzücken

taugt nicht für die große Welt

 

bleibt bei Hühnern, Schweinen, Kühen

wo das Glück sich stets vertagt

niemand lohnt ihr Treu und Mühen

wen kümmert schon eine Magd?

 

 

 

Glascontainer

 

Was erwartest du von Glascontainern?

Sag jetzt bloß nicht: „Liebe oder so“

Dann müsste man Eichhörnchen verhaften

und griffe Politessen an den Po

 

Glascontainer haben Eigenschaften

die gar nicht bei Wikipedia stehn

Unbedarften muss man sie erklären

Träumer können sie meist selber sehn

 

Jedes Klirren kann verwirren

ganz egal wie es auch klingt

doch Glas bringt dich erst zum Weinen

im Moment wo es zerspringt

 

Was erwartest du von Glascontainern?

Redselig sind sie beileibe nicht

Scherben könnten ganz zauberhaft funkeln

doch die Dinger schlucken jedes Licht

 

Glascontainer kann kein Mensch gebrauchen

Auch dem Glas sind sie wohl recht egal

Doch es gibt sie trotzdem und zwar grundlos

Und es sind recht viele an der Zahl

 

Jedes Klirren kann verwirren

ganz egal wie es auch klingt

doch Glas bringt dich erst zum Weinen

im Moment wo es zerspringt

 

Was erwartest du von Glascontainern?

Sicherlich wohl viel mehr als von mir

Und in manchen Dingen sind sie mir voraus:

Meistens sind sie viel näher bei dir

 

 

 

Luder

 

Sie ist eine Pastorentochter

doch ein Engel ist sie nicht

dabei sollte man das denken

bei so einem Gesicht

Aber schon als kleines Mädchen

hat sie jeden Kopf verdreht

und der Knabenchor singt schaurig falsch

wenn sie vorüber geht

 

Sie ist ein Luder

sie ist ein Luder

trotz all der Schminke und dem Puder

sie ist ein Luder

sie ist ein Luder

da staunst du wohl du frommer Bruder

Was deiner Lenden Saat entsprang

ist heut des Himmels Untergang

 

Du tauftest sie mit Wasser

doch sie mag lieber Wein

und ihre Himmelspforte

lässt jeden Sünder ein

Doch ist sie deshalb heilig

nur weil sie teuflisch küßt

ich weiß nur dass das Paradies

wie ihre Lippen ist

 

Sie ist ein Luder

sie ist ein Luder

trotz all der Schminke und dem Puder

sie ist ein Luder

sie ist ein Luder

da staunst du wohl du frommer Bruder

Was deiner Lenden Saat entsprang

ist heut des Himmels Untergang

 

 

 

Vom Austreten

 

Ich mag nicht beim Austreten raustreten.

In den unteren Stock.

Denn da hockt der olle Hansen.

Und schielt mir unter den Rock.

 

Der schielt nicht nach seiner Alten.

Denn die hockt nur auf dem Balkon.

Deshalb schielt er nach mir.

Das hat sie nun davon.

 

Doch der Hansen ist alt.

Man könnte fast sagen: Ranzig.

Ich dagegen bin siebzehn.

Na ja. War gemogelt. Zwanzig.

 

Der Ludwig dürfte schon schielen.

Doch der hat sich jüngst verlobt.

Ob, wenn der doch schielen würde,

seine Verlobte wohl tobt?

 

Ich will nicht beim Austreten raustreten.

Ich seh schon den Hansen sein Kopf.

Bevor ich mir ins Höschen mache

greif ich jetzt zu einem Topf.

 

 

 

Feine Leute beim Sonntagsspaziergang

 

Feine Leute beim Sonntagsspaziergang

müssen sich des Feinseins nicht schämen

Sie veredeln die gewöhnliche Landschaft

Sie sollten Eintritt nehmen

 

Von all jenen, die weit weniger fein,

sie hemmungslos begaffen,

so als wären die feinen Leute

eine Rasse seltener Affen

 

Meiner Freundin erschien mein Vorschlag verrückt,

doch ich lasse es dabei nicht bewenden

Ich weiß, die feinen Leute brauchen kein Geld

Sie können es ja Affen spenden

 

 

 

Mutter Küchenschabe

 

                                                         Auf dem kalten Küchenboden

in einer Zeit der Depression

bewegt sich beinah unmerklich

festlich eine Prozession

Käferähnliche Gestalten

pietätvoll in schwarz gekleidet

stützen einen alten Herrn

der ganz offensichtlich leidet

 

Und sie ziehn zu einer Nische

halblinks hinterm Küchenherd

und da wird dann die Verstorbene

ziemlich feierlich geehrt

 

Mutter Küchenschabe

trägt man heut zu Grabe

mit Tränen beim Beten

denn sie wurde zertreten

Mutter Küchenschabe

trägt man heut zu Grabe

gestern war es ihr Gatte

den man bestattet hatte

 

Ihr Vater flüstert heiser

noch einen letzten Gruß

und schaut voller Entsetzen

auf den zermanschten Fuß

Auch ihre Kinder heulen

und können nicht verstehn

wie konnte diese Unglück

nur grade ihr geschehn

 

Der Schabenpastor tröstet sie

- er ist von weit gekommen -

und voller Andacht flüstert er :

"Von Schabe gegeben - von Schabe genommen"

 

Mutter Küchenschabe

trägt man heut zu Grabe

mit Tränen beim Beten

denn sie wurde zertreten

Mutter Küchenschabe

trägt man heut zu Grabe

gestern war es ihr Gatte

den man bestattet hatte

 

 

 

Südlich von Kabul

 

                                            Man hat uns gesagt die würden uns brauchen

und ohne uns liefe der Laden doch nie

Ich würde gern wissen wofür man uns braucht

und wer sind eigentlich „die“?

 

Wir fahren seit Wochen mit schweren Transportern

auf geheimen Routen umher

Ich hab gefragt was sich in den Kisten befindet

Man fragt das nur einmal und danach nie mehr

 

Südlich von Kabul gibt es nur Sand

Wer mag schon sterben für so ein trostloses Land?

 

Die Menschen verstecken sich in ihren Häusern

wenn unser Konvoi die Dörfer durchquert

und wenn man uns anschaut dann nur mit Verachtung

Irgendetwas läuft hier doch mächtig verkehrt

 

Wir sind total in den Arsch gekniffen

Fünf Helis und vierzig Panzer nur

Mit Sicherheit ist das viel zu wenig

für einen Einsatz humanitärer Natur

 

Südlich von Kabul gibt es nur Sand

Wer mag schon sterben für so ein trostloses Land?

 

Südlich von Kabul gibt es nur Sand

Trotzdem sterben Menschen für dieses Land

 

 

 

Zurück von den Sternen

 

Mit beiden Beinen fest auf dem Boden.

Wacklig ist uns jetzt nur noch ums Herz.

Ein wenig schmerzen mir auch noch die Hoden.

Es waren fünf schöne Tage im März.

 

Du schminkst dir die Lippen. Dein Zug geht in Kürze.

Ich geh vielleicht zurück ins Hotel.

Morgen bist du daheim – trägst bestimmt eine Schürze

und sicher vergisst du mich schnell.

 

Zurück von den Sternen – die Welt unverändert.

Wie lange rauscht wohl das Meer noch im Ohr?

Zurück von den Sternen – man macht sich da oben

wenig Gedanken und viel zu viel vor.

 

Was jetzt noch kommt am Ende der Reise?

Ein Kuss auf den Mund – ein Schluck schwarzer Tee.

Du sagst noch was doch du sagst es ganz leise.

Was man nicht hört das tut auch nicht weh.

 

Du suchst dein Ticket. Ich zähl die Sekunden.

Irgendwo wartet ein anderer Mann.

Wir haben uns nicht wirklich gefunden.

Wir sahen uns kaum richtig an.

 

Zurück von den Sternen – die Welt unverändert.

Wie lange rauscht wohl das Meer noch im Ohr?

Zurück von den Sternen – man macht sich da oben

wenig Gedanken und viel zu viel vor.

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