Frühling in Kopenhagen

 

Frühling in Kopenhagen

Ärger mit der Polizei

war ja klar dass die uns filzen

Tina hat drei Tüten dabei

 

Kein Grund sie einzulochen

hab ich zuerst noch gedacht

jetzt hockt sie in der Zelle

und es ist inzwischen schon Nacht

 

Stella geht nicht ohne Tina

ich geh nicht ohne die zwei

zum ersten Mal im Leben

wär ich jetzt auch gern mal high

 

Ich quatsch den Kommissar voll

ist schon kurz nach null Uhr

versuch ihm was zu verklickern

von Kopenhagens Drogenkultur

 

Zeig meinen Dienstausweis

sag: Wir sind quasi Kollegen

er hat ein gutes Herz

wir ziehn ab mit seinem Segen

 

Nicht alle Bullen sind Ärsche

oft bekommt man das gar nicht mit

Tina die freche Ratte

fragt zum Abschied: Krieg ich meinen Shit? 

 

 

 

 

Seligkeit

 

Ich bin ein Mensch, ich irre und ich fehle

ich bin nichts als ein Schatten meiner Zeit

es rührt nicht viel an meiner kranken Seele

allein vielleicht der Wunsch nach Seligkeit

 

 

 

 

 Was man da liebt im Leben

 

Was man da liebt im Leben

das wird allzeit bedroht

Frieden wird es erst geben

ist es verloren oder tot

 

 

 

 

 Klage einer guten Freundin

 

Unlängst klagte eine Freundin

denn sie fand es wirklich schlecht

hat ein Mann der Frauen viele

nennt ihn jeder: Toller Hecht

 

Hat die Frau der Männer viele

nennt man sie…ich sag es nicht

nun, sie wollte eine Antwort

deshalb also dies Gedicht

 

Passepartout nennt man den Schlüssel

dem kein Schloss je widersteht

solcher ist hoch angesehen

da er sich stets erfolgreich dreht

 

Doch ein Schloss das jeder Schlüssel

leicht und einfach öffnen kann

ist von Hause aus recht billig

so ist’s auch bei Frau und Mann

 

Das würde ein Chauvi schreiben

mir käm es nie in den Sinn

diesen Scheiß lass ich nicht drucken

feminin wie ich halt bin

 

 

 

 

 Der Chor

 

Sie singen. Sopran und Tenor.

Sie singen in Gottes Ohr.

Sie singen. Wie Engel eben.

Würde es Engel geben.

 

 

 

 

 In den Sternen

 

Am Marktplatz - Mittwoch war’s gewesen -

lockte mich ein neuer Stand

da konnt man in den Sternen lesen

und das direkt aus meiner Hand

 

Da selbige ich jüngst gewaschen

- zudem war ich noch sehr vergnügt

den frischen Lohn in meinen Taschen

nichts ahnend dass manch Stern auch lügt -

 

reichte ich Geld und Patschehändchen

der Alten die dort zahnlos saß

- sie kam aus einem fernen Ländchen

dessen Namen ich vergaß -

 

und hörte dann was man so hört

wenn jemand in die Sterne schaut

doch hinterher war ich empört

mir war der Tag total versaut

 

denn ihre Kunde war nicht heiter

- so sollte dies Geschäft nicht sein -

deshalb ging ich verärgert weiter

und kaufte lieber Käse ein

 

 

 

 

 Weitblick

 

Wir sitzen auf hohen Balkonen

- zwischen Altbier und Taubenschiss -

die Miete mag sich nicht lohnen

der Ausblick aber gewiss

 

Im Osten feiert man Feste

im Westen zahlt man die Kosten

hinterm Park verrotten Paläste

da steht niemand mehr auf Posten

 

Marschieren war dort eine Tugend

das sieht man dem Pflaster noch an

FDJ oder Hitler-Jugend

Die Reihen geschlossen. Voran.

 

Die Oma kann noch viel erzählen

das macht sie auch den ganzen Tag

von dem Glück endlich frei zu wählen

und von den Panzern in Prag

 

Dynamo trägt noch seinen Namen

und das – kaum zu glauben – mit Stolz

wann immer die Hooligans kamen

waren mehr Köpfe als Pfosten aus Holz

 

Der Krenz sagt man macht jetzt in Büchern

in Frankfurt war er auf der Messe

die Rente in trockenen Tüchern

so einer hält doch besser die Fresse

 

Wir sitzen auf hohen Balkonen

- zwischen Altbier und Taubenschiss -

die Gegenwart mag sich nicht lohnen

und die Zukunft bleibt ungewiss

 

 

 

 

 Unterm Kastenwagen von Robben und Wientjes

 

Unterm Kastenwagen von Robben und Wientjes

liegt jemand – der Jemand bin ich

Ich lieg dort nicht um ein Schläfchen zu halten

dafür wär auch das Wetter zu frisch

 

Ich liege dort weil man mich überfahren

man sieht also: Aus gutem Grund

Mir klebt eine Menge Blut in den Haaren

ich hab sogar welches im Mund

 

Zum Glück hat man mich nicht am Abend erwischt

so denk ich, halb traurig, halb froh

6 Uhr 30 bedeutet ich muss heute nicht

wie sonst jeden Tag ins Büro

 

Nun kann der blöde Herr Meier sich

mit meinen Akten plagen

es liegen einige auf dem Tisch

da lässt das Sterben sich beinah ertragen

 

Na ja ich hätte schon gern noch einmal

meine Liebste sehr heftig geküsst

doch ich hab keine Wahl also ist es egal

solange sie mich nur vermisst

 

So erspar ich mir auch den Frühjahrsputz

und hab trotzdem ein schlechtes Gewissen

grad erst lieh ich mir etwas Geld von Lutz

das steckt nun im Sofakissen

 

Ich wär gern noch einmal zum Fußball gegangen

auch wenn mich das meist deprimiert

nun muss ich am nächsten Samstag nicht bangen

ob Hertha schon wieder verliert

 

So hat alles Schlechte auch etwas Gutes

doch für mehr bleibt nun keine Zeit

denn ich begebe mich grad frohen Mutes

was weiß ich wohin – in die Ewigkeit?

 

Ich kann den Herren Robben und Wientjes

aus tiefstem Herzen verzeihen

die wussten ja nicht an was für einen Arsch

sie ihren Kastenwagen verleihen

 

 

 

 

 Du bist von jenem Baum

 

Du bist von jenem Baum

der keine Wurzeln schlug

und dennoch seinen Traum

in alle Welten trug

 

Du bist mein ganzer Stolz

dein reines Wesen zeugt

von jenem guten Holz

das keine Seele beugt

 

Du wiegst dich nicht im Winde

du bist du selber nur

mit Sicherheit mein Kinde

doch von besserer Natur

 

Dich bangen nicht die Stunden

die kommen und vergehn

du bleibst der Welt verbunden

und blühst unendlich schön

 

Dich schreckt nicht Herr noch Himmel

du stehst beständig fest

wo sich im Erdgewimmel

ein Platz nur finden lässt

 

Dich schreckt nicht Tod noch Teufel

egal ob Tag ob Nacht

du hast dir ohne Zweifel

einen eignen Pfad gemacht

 

Du bist von jenem Baum

der keine Wurzeln schlug

du allein bist der Traum

den er als Frucht einst trug


 

                Für Melanie

 

 

 

 

 Schienenersatzverkehr

 

Da standen wir in aller Herrgotts Frühe

im schalen Licht der alten Gaslaterne

am Himmel sah man noch mit etwas Mühe

das Flackern ein paar unbestimmter Sterne

 

„Auf Wiedersehen“ sagen nur Idioten

Idioten sind wir beide sicher nicht

und ein paar Krähen - Unheilsboten -

flatterten uns beinah ins Gesicht

 

Man baut auf der S5, man baut ja immer

das heißt ich komm nicht so leicht von dir weg

diese Erkenntnis macht es nur noch schlimmer

doch weiß ich, reden hat jetzt keinen Zweck

 

Verdienen wir nicht mehr

als Schienenersatzverkehr

oder trifft es eben das genau :

Ein andrer Mann und eine andre Frau?

 

Ich denk, wenn ich es zeitlich jetzt noch schaffe

um diese Zeit ist ja der Bus nicht voll

trink ich bei Tschibo eben noch nen Kaffee

und überleg mir was das alles soll

 

Du kannst dich ja inzwischen vielleicht schminken

mal dir die Lippen einfach morgenrot

und wenn der Bus kommt darfst du gerne winken

wir wissen schließlich beide was uns droht

 

Man baut auf der S5, man baut ja immer

das heißt ich komm nicht so leicht von dir weg

diese Erkenntnis macht es nur noch schlimmer

doch weiß ich, reden hat jetzt keinen Zweck

 

Verdienen wir nicht mehr

als Schienenersatzverkehr

oder trifft es eben das genau :

Ein andrer Mann und eine andre Frau?

 

Ich sag: „Ich ruf dich an“

und du lächelst: „Na klar“

Dabei wissen wir beide

das ist nicht wahr

 

Verdienen wir nicht mehr

als Schienenersatzverkehr?

 

 

 

 

 Freie Marktwirtschaft

(erklärt von der deutschen Verteidigungsministerin)

 

Wir verkaufen Waffen in Krisengebiete

am besten an alle Parteien

das Geld können wir, wenn der Zinssatz stimmt,

denen natürlich gern leihen

 

Wenn erst der Krieg in Gange ist

dann liefern wir Medizin

und humanitär wie wir nun mal sind

wird ihnen wieder der Kaufpreis geliehn

 

Ist der Krieg dann endlich vorbei

und alles liegt in Schutt und Asche

bauen wir denen das Land wieder auf

oder stecken es uns in die Tasche

 

 

 

 

 Ohren

 

Man sagt hier hätten selbst die Wände Ohren

man sagt so viel, der Tag ist schließlich lang

ich hab jedes Gefühl für Zeit verloren

und hör nur meines eignen Herzens Klang

 

Die Sprache misst sich hier nicht mehr mit Worten

man ahnt nur noch die Sterne und den Wind

mir ist es gleich denn ich war schon an Orten

die grausamer und unbestimmter sind

 

Die Stimmen die angeblich alle hören

der Irrsinn der in ihren Blicken weilt

kann mich nicht mehr verleiten und verstören

ich wurde längst verändert und geheilt

 

Ich kenn die Bahnen sämtlicher Planeten

ich weiß wohin bei Nacht der Regen fließt

ich lernte nie zu eurem Gott zu beten

ich las die Schriften die sonst keiner liest

 

Man sagt hier hätten selbst die Wände Ohren

aus diesem Grund schnitt ich auch meine ab

vielleicht verrat ich heute den Doktoren

an welchem Platz ich sie begraben hab

 

 

 

 

 Kleines Klagelied des Holzwurms

 

Der Arsch Noah

hat mich nicht mitgenommen

also bin ich geschwommen

 

 

 

 

 Gespiegelt

 

Das Meer auf dem des Himmels Abbild ruht

stets schwankend zwischen Ebbe oder Flut

stets kämpfend mit dem ungezähmten Land

versprach ein Ufer das ich niemals fand

 

Es blieb für mich ein unbekannter Ort

und trug mich nicht – wie ich ersehnte – fort

so blieb der Bund zwischen uns unbesiegelt

ich war kein Teil des Meeres

ich hab mich nur darin gespiegelt

 

 

 

 

 Kerls (Brief von Lotte an ihre Schwester)

 

Acht Wochen bin ich nun schon in der Stadt

Die Häuser wachsen hier in den Himmel

Man sieht sich an all den Lichtern nicht satt

und in den Straßen ist’s ein wirres Getümmel

 

Ich wohn zur Untermiete bei der Frau Krause

Die ist so seltsam dass man es kaum glaubt

Es ist hier anders, anders als zuhause

und Männerbesuch ist mir nicht erlaubt

 

Und da wir beim Thema schon grade sind

Du Gitti, ich muss dir was verraten

Keine Sorge, ich bekomme kein Kind

darauf kann ich noch sehr gut warten

 

Aber Kerls gibt’s hier, die stinken nach Geld

laden mich ein und zahlen die Zeche

und ich weiß ja längst was denen gefällt

Die wollen mir schnell an die Wäsche

 

Ich sag dann immer ich wäre verlobt

doch das scheint sie einen Teufel zu scheren

Kommt auch mal vor dass einer tobt

dann muss ich mich schon heftig wehren

 

Ganz anders als Franz unser guter Knecht

Dem bereitet das Flirten solch Mühe

Doch Gitti, denk von ihm bloß nicht schlecht

Der mag dich mehr als seine Kühe

 

Mir hat er auch mal den Hof gemacht

und wir küssten uns an Silvester

Doch vermutlich hat er dabei an dich gedacht

Ist schon okay, kleine Schwester

 

Der Franz ist eine ehrliche Haut

Könnte er all die Kerls hier sehen

und was von denen mancher sich traut

er würd die Welt nicht mehr verstehen

 

Gitti, bleib mir nur fern von der Stadt

Sie ist ganz anders als wir es dachten

Ich glaub ich habe sie jetzt schon satt

 

Versprich mir gut auf Franz zu achten

Und wenn er fragt wie es mir erginge

fang bloß mit der Wahrheit nicht an

Die Kerls kaufen mir hier zwar schöne Dinge

doch einen wie Franz hätt ich lieber zum Mann

 

 

 

 

 Konfirmation

 

Da steht er nun als Mann verkleidet

die Hose kratzt und spannt im Schritt

er zieht den Bauch ein und er leidet

und macht den Unfug einfach mit

 

Es grummelt ihm sehr wild im Magen

er macht sich Mut: Ist doch kein Ding

Jesus hat schließlich mehr ertragen

als er da so am Kreuze hing

 

Der erste Tag in Bügelfalten

das Hemd steif bis zum letzen Knopf

Jetzt gilt es Junge, aufrecht halten

doch langsam steigt das Blut zum Kopf

 

So tanzt er auf dem Rand der Klinge

kniet nieder und die Hose reißt

all das für ein paar Silberlinge

was wohl doch einiges beweist

 

Er tut es nicht aus Überzeugung

er macht es für das liebe Geld

und jetzt nur noch eine Verbeugung

dann geht‘s gesegnet in die Welt

 

Wo ihn dann gleich die Tanten küssen

auch jene die er gar nicht kennt

weil sie ganz einfach küssen müssen

bis er fast aus Verzweiflung flennt

 

Dem Pfarrer noch die Hand gegeben

und dann geht es schon ins Lokal

dort wünscht man ihm ein frommes Leben

und er denkt: Ach, ihr könnt mich mal

 

 

 

 

 Januar

 

Im Hinterhaus wird grad gestorben

ein Mädchen weint am Kinderbett

die Milch im Topf ist schon verdorben

den Säugling nannte man Claudette

 

Der Doktor riecht nach Gin und Wermut

und stapft laut fluchend durch den Schnee

zwei Ratten kauern zwischen Leergut

die Droschke parkt in der Chaussee

 

Ein Mann ruft: „Schnell, sie ist am Glühen“

der Doktor fordert: „Erst mein Geld“

doch nutzlos endet sein Bemühen

als er den kleinen Körper hält

 

„Zu spät“ sagt er „zu bös das Fieber

das arme Herz schlägt längst nicht mehr

in Zukunft da bedenkt ihr lieber:

Im Januar lebt es sich schwer“

 

 

 

 

 Der Mann der sein Lachen verlor

 

Er erwachte und ihm war seltsam zumute

er spürte gleich dass etwas fehlt

das hat er sofort seiner Freundin - der Ute -

die noch gar nicht wach war, erzählt

 

Sie tippte verschlafen auf eine Krawatte

und er rannte deswegen zum Schrank

um festzustellen dass er noch alle hatte

das war’s also nicht, Gott sei Dank

 

Als nächstes zählte er Münzen und Scheine

auch die waren gänzlich komplett

jedes Wäscheteil hing noch auf der Leine

jedes Männerjournal war noch unter dem Bett

 

Er alarmierte die ganze Verwandtschaft

und eilte ins Fundbüro

mangelte es an einem Baum in der Landschaft

einer Rolle Papier auf dem Klo?

 

Als er sich dann schließlich im Spiegel besah

fehlte kein Auge, kein Ohr

und trotzdem fand er die Antwort da

Der Mann der sein Lachen verlor

 

 

 

 

 So vieles ist gesagt

 

So vieles ist gesagt

doch nicht vergeben

höchstens vertagt

vertagt so wie mein Leben

mein Leben

das ich nie gewagt

denn es war eben

- falls jemand danach fragt -

nur Überleben

 

 

 

 

 Der Hintergrund

 

Ich bat dich mir ein Bild zu malen.

Von Gottes wirklicher Gestalt.

Ich sollte dich mit Sex bezahlen.

Nun gut. Ich tat es halt.

 

Die Leinwand war blutrot.

Ebenso wie dein Mund.

Du sagtest Gott sei tot.

Es blieb der Hintergrund.

 

 

 

 

 Ein Strumpf

 

Ein Strumpf lag auf dem Boden

wo Strümpfe sonst nicht liegen

mir kam gleich der Gedanke

er könne vielleicht fliegen

 

Er hatte einen Bruder

den hätt ich noch gebraucht

doch der war offensichtlich

grad völlig abgetaucht

 

Solch Missgeschick am Morgen

kann jedem wohl passieren

man muss deshalb nicht gleich

den Fuß sich amputieren

 

 

 

 

 Die Pumpen

 

Morgens griffen die Männer nach ihren Helmen

und zogen in den verfluchten Tag

ich kann mich immer noch gut erinnern

an den Staub der auf ihren Gesichtern lag

wenn sie am Abend dann wiederkamen

todmüde von der zehrenden Schicht

und der Himmel hing voll schwarzer Wolken

wir sahen nur selten das Sonnenlicht

 

Türme und Schläuche wohin man auch sieht

unser Dorf liegt mitten im Fördergebiet

 

Die Pumpen hämmern bei Tag und Nacht

ich bin als Kind deswegen oft aufgewacht

dieses ständige Schlucken und Schlagen

schlug mir schon früh auf den Magen

Die Pumpen saugen die Erde leer

irgendwann ist da unten nichts mehr

dann stürzt hier oben alles ein

und wir fallen hilflos in das Dunkel hinein

 

Als Junge war es dir in die Wiege gelegt

du nimmst das Erbe des Vaters einst an

es gibt keinen Weg für dich nach draußen

die Mädchen waren da besser dran

Die konnten sich einen von draußen suchen

und schnellstmöglich von hier verschwinden

doch mit all den Staub und den Ruß in den Poren

war es schwer einen Erlöser zu finden

 

Türme und Schläuche wohin man auch blickt

diese Eintönigkeit macht dich schnell verrückt

 

Die Pumpen hämmern bei Tag und Nacht

ich bin als Kind deswegen oft aufgewacht

dieses ständige Schlucken und Schlagen

schlug mir schon früh auf den Magen

Die Pumpen saugen die Erde leer

irgendwann ist da unten nichts mehr

dann stürzt hier oben alles ein

und wir fallen hilflos in das Dunkel hinein

 

Ich leb heute längst am andren Ende der Welt

und könnte trotzdem beschwören :

Wenn ich abends die Augen schließe

kann ich die Pumpen noch immer hören

 

 

 

 

 Ein Schokoladenweihnachtsmann

 

Ein Schokoladenweihnachtsmann

zweifelt seine Herkunft an

und seine Bestimmung auch

denn er hat ein Loch im Bauch

Er möchte "Frohe Ostern" schrein

und spürt das kann nicht richtig sein

er hat ein wirklich schweres Los

denn das Loch ist ziemlich groß

 

Nun hockt er unterm Weihnachtsbaum

doch weihnachtlich ist ihm heut kaum

denn wenn ihn eine Hand erst nimmt

wird er gefressen - ganz bestimmt

 

Ein Schokoladenweihnachtsmann

blieb heut nicht länger hier

aus lauter Angst da schmolz er

und zurück blieb nur Papier

Ein Schokoladenweihnachtsmann

musste ganz dringend weg

und dort wo er gestanden hat

ist nun ein fetter Fleck

 

Ein Schokoladenweihnachtsmann

zerläuft weil er nicht laufen kann

er war des Lebens überdrüssig

und deshalb machte er sich flüssig

Zwar ist er bei Bewusstsein noch

und jetzt sogar ganz ohne Loch

doch hat die Katze ihn entdeckt

und zu zwei Dritteln weggeleckt

 

Das letzte Drittel ist recht läppisch

und es klebt noch immer im Teppich

unfähig irgendwie zu fliehn

sah´s wie ein Staubsauger erschien

 

Ein Schokoladenweihnachtsmann

blieb heut nicht länger hier

aus lauter Angst da schmolz er

und zurück blieb nur Papier

Ein Schokoladenweihnachtsmann

musste ganz dringend weg

und dort wo er gestanden hat

ist nun ein fetter Fleck

 

Ein Schokoladenweihnachtsmann

fühlte sich leer und ausgelaugt

er konnte sich nicht mehr verkrümeln

und wurde deshalb aufgesaugt

Doch kurz vor seinem Tode

hat er sich noch geschworen:

Beim nächsten Mal da werd ich

als Gummibär geboren

 

Ein Schokoladenweihnachtsmann

blieb heut nicht länger hier

aus lauter Angst da schmolz er

und zurück blieb nur Papier

Ein Schokoladenweihnachtsmann

musste ganz dringend weg

und dort wo er gestanden hat

ist nun ein fetter Fleck

 

 

 

 

 Ich habe den Verstand verloren

 

Ich habe den Verstand verloren

er ging mir aus dem Sinn

saß grad noch zwischen meinen Ohren

wo ist er jetzt bloß hin?

 

Vielleicht nur um die Ecke?

Oder doch ins Hotel?

Es gibt viele Verstecke

und der Arsch ist schnell

 

Der wird sich nicht verlaufen

der nimmt doch glatt den Bus

doch ich werd ihn mir kaufen

dann gibt’s was auf die Nuss

 

Ha, jetzt kann ich ihn sehen

hab es erst kaum geglaubt

aber kann es verstehen

du hast ihn mir geraubt

 

 

 

 

 Ruhm, Suff und Weiber

 

Den Ruhm, den Suff und die Weiber

nichts davon hab ich wirklich vermisst

verrät mir der alte Zausel

- ich wüsste nur gern wer das ist

 

 

 

 

 Das Glück klopft an

 

Lisa sitzt zu Hause

und ist so verdammt allein

denkt die ganze Zeit an Ulli

doch der will bei Klara sein

Aber Klaras Freund heißt Reiner

er kann Ulli gar nicht leiden

aber dafür leidet Klara

und kann sich nicht recht entscheiden

 

Was soll man da machen

weinen oder lachen

wenn ein Herz verwirrt

sich Tag für Tag verirrt?

 

Das Glück klopft an

das Glück klopft an

doch niemand geht zur Tür

das Glück klopft an

das Glück klopft an

und fragt sich schon: Wofür?

 

Das Glück klopft an

das Glück klopft an

doch keiner lässt sich sehn

das Glück klopft an

das Glück klopft an

und fragt sich schon: Für wen?

 

Reiner ist jetzt sauer

und schaut mal bei Lisa rein

die ihn nur zu gerne tröstet

sie sagt: Ulli ist ein Schwein

Denn der liegt derweil bei Klara

und das gar nicht einmal schlecht

aber Reiner mag jetzt Lisa

darum ist ihm das ganz recht

 

Was soll man da machen

weinen oder lachen

wenn ein Herz verwirrt

sich Tag für Tag verirrt?

 

Das Glück klopft an

das Glück klopft an

und jeder rennt zur Tür

das Glück klopft an

das Glück klopft an

und denkt: Bin richtig hier

 

 

 

 

 Es dämmert

 

Es dämmert und die Schatten werden länger

es dämmert und der Tag macht sich davon

am U-Bahneingang steht ein Straßensänger

und ein paar Kippen fliegen vom Balkon

 

Es dämmert und sie schließen grade Wertheim

es dämmert und man sollte unbeschwert sein

die klebrige unangenehme Schwüle

weicht langsam einer milden Abendkühle

 

Es dämmert und die Dönerbuden platzen

es dämmert und im Park pfeifen die Spatzen

junge Mütter schieben Frust und Kinderwagen

und ein Paar stellt fest es hat sich nichts zu sagen

 

Es dämmert und die Taxifahrer fluchen

in den Lokalen fließen Schweiß und Bier

so viele Menschen die Erlösung suchen

es dämmert……es dämmert auch in mir

 

 

 

 

 Was ich hab und was ich hatte

 

Jeder Kelch geht einst zur Neige

jedes Ding hat seine Zeit

und ich stehe da und schweige

ob dieser Vergänglichkeit

 

die manchmal im lauten Streite

und manchmal auch äußerst mild

- aber nie auf meiner Seite -

dieser Welt und allem gilt

 

was sich darin heut befindet

nun wo ich langsam ermatte

und wo alles mit mir schwindet

was ich hab und was ich hatte

 

 

 

 

 Zebras auf dem Zebrastreifen

 

Zebras auf dem Zebrastreifen

sind so gut wie unsichtbar

Hinterher kann man leicht sagen:

Vorher waren sie nicht da

 

Doch da ich nicht schadenfroh bin

hoff ich dass es nie passiert

dass jemand auf dem Zebrastreifen

mit einem Zebra kollidiert

 

 

 

 

 Gerade eben

 

Es schlagen sich Kinder vor meinem Haus

in eifrigem Wettstreit die Milchzähne aus

ihre Mütter gehen derweil ungehemmt

drinnen mit guten Bekannten schnell fremd

 

Aus dem Müllkasten hängt der Arm einer Toten

da scheint es den Müllmännern wohl geboten

- tief verwurzelt im christlichen Glauben -

ihr das Geld aus der Tasche zu rauben

 

 

 

 

 Das Wahlplakat

 

Auf dem Mittelstreifen

stand ein Wahlplakat

nahm die freie Sicht mir

grad bei voller Fahrt

 

Tot jetzt drei Senioren

auf dem Damm ein Schuh

blutverschmiert am Hacken

Danke CDU

 

 

 

 

 Feuer unterm Dach

 

Oh weh! Oh weh! Hinaus auf den Hof!

Der Dachstuhl hat Feuer gefangen.

Zählt mir nur alle Kinder durch!

Ist das Lieschen nach oben gegangen?

 

Sie sollte dort nach der Wäsche sehn.

Lieschen, ach Lieschen, gib Laut!

Jemand muss schnell nach oben gehn.

Kein Mannsbild hier das sich traut?

 

Auf dem Wäscheboden liegt Marthas Plunder.

Sie nennt den Krempel antik.

Brennen wird dieser Trödel wie Zunder.

Brennen wird es wie damals im Krieg.

 

Wo bleiben die Kerls von der Feuerwehr?

Die Flammen schlagen bald über.

Dann gibt es das schöne Haus nicht mehr.

Wo steckt der Hauswart, Herr Lieber?

 

Vielleicht hat er dort oben wieder geraucht.

Und die Kippe nicht ausgetreten.

Ein Kriegsversehrter den keiner braucht.

Jetzt hilft wohl nur noch zu beten.

 

Nicht lang dann brennt auch unser Hab und Gut.

Der Qualm ist so schwarz und so dicht.

Herr Lieber ist schuld. Mich packt die Wut.

Diesen Krüppel braucht es hier nicht.

 

Der fegt das Haus nur höchst liederlich.

Und ich weiß genau dass er trinkt.

Man sollte denken der schäme sich.

Und sein Stumpen der stinkt.

 

Der hat keine Frau. Der lebt nur auf Pump.

Der schielt nach den kleinen Mädchen.

Aufknüpfen sollte man diesen Lump.

Dann wär es sicher im Städtchen.

 

Da seht doch! Da humpelt er aus dem Haus.

Auf seinem einen Bein. Ob er wohl fällt?

Was hat er im Arm? Das sieht wie das Lieschen aus.

Sagte ich nicht immer: Herr Lieber ist ein Held?

 

 

 

 

 Du bist wer du bist

 

Das gleiche Spiel

nur ein andres Motel

ein neuer Name

und wie immer geht’s schnell

Ihr Stöhnen klingt nach Verzweiflung

ihre Schreie nach Lust

danach bleibt nur Leere

und dieser Schmerz in der Brust

 

Neben mir in der Bar

sitzt ein alter Vertreter

und wenn ich ihm nicht zuhör

trinkt er aus und dann geht er

 

„Bist du jetzt glücklich oder hast du’s bereut?“

fragt mein imaginärer blöder Therapeut

und als ob das alles noch nicht schräg genug ist

sagt er: „Du bist nicht wer du sein willst

du bist wer du bist“

 

Durch die Kurven

mit zweihundert Sachen

und einen Moment lang

die Augen zumachen

um einen flüchtigen Eindruck

von Furcht zu kriegen

doch vielleicht ist Sterben

ja nichts andres als Fliegen

 

Der Sanitäter könnte mir sagen

wie schnell ein Hals bricht

sofern er es drauf hat

dass er mit Toten spricht

 

„Bist du jetzt glücklich oder hast du’s bereut?“

fragt mein imaginärer blöder Therapeut

und als ob das alles noch nicht schräg genug ist

sagt er: „Du bist nicht wer du sein willst

du bist wer du bist“

 

 

 

 

 Der Leichenwagen

 

Schaut doch! Der Leichenwagen fährt vor.

Raus auf den Hof. Es gibt was zu sehen.

Sag Mutter, ich komm etwas später hoch.

Gewiss wird sie es verstehen

 

Einen Fünfer dass es die Hauswartsfrau ist.

Schließlich ist sie unsagbar fett.

Und von Paule weiß ich – ganz höchst vertraulich:

Sie kam seit Wochen nicht aus dem Bett.

 

Ach, wie spannend das alles doch ist.

Hat jemand was zu knabbern dabei?

Vielleicht hat sich ja auch der Meier erschossen.

Das gäb eine blutige Schweinerei.

 

Oder die Lisa. Die ist blöde im Kopf.

Und fällt ihren Eltern zur Last.

Vielleicht hat sie mit ihren Fingern

in eine Steckdose rein gefasst.

 

Sie bringen einen Säugling heraus.

Von wem mag der wohl sein?

Zudem ist er für den großen Wagen,

wie ich finde, doch enttäuschend klein.

 

 

 

 

 Als Freundschaft noch eine Kette war

 

Als Freundschaft noch eine Kette war

da war man sich ihrer gewiss

doch es zog dahin so manches Jahr

bis die Kette irgendwann riss

 

So sieht man die Freunde unverhofft fallen

und sich in der Landschaft verteilen

man sieht ihnen nach (einem oder allen)

und versäumt es ihnen schnell nachzueilen

 

So dass sie alsbald schon verloren sind

es liegt in des Menschen Natur

du bewahrst dir die kostbare Treue als Kind

später bleibt dir nur die leere Schnur

 

 

 

 

 Kriegsgedichtsbestatter

 

Heut ist mir ein gutes Gedicht geglückt

die Kameraden waren entzückt

und selbst Munz, seines Zeichens Gefreiter

sagte: Dichte er weiter

 

Es hat zwar keinen praktischen Nutzen

doch müsste ich sonst die Latrinen putzen

da gehört dann wohl das Dichten

zu den angenehmeren Pflichten

 

Mir schien angesichts all der Toten

ein Gedicht vom Sieg nicht geboten

doch es hilft auch keinem bittere Schwere

also dichtete ich von der Ehre

 

Ich würde auch dir davon schreiben

dann verstündest du ich muss bleiben

denn ich schoss zwar kein einziges Mal

doch bin wichtig für die Moral

 

Der Gefreite Munz hat sogar gemeint:

„Brüll das Gedicht mal rüber zum Feind

dann wird er schaudern und flennen

und hasengleich von dannen rennen“

 

Ich hab nur Angst dass sie auf mich schießen

wenn sie das Gedicht nicht genießen

und tot zu sein wäre sehr ärgerlich

denn wer dichtete dann über mich?

 

 

 

 

 Letzte Nacht an Land

 

Morgen schon läuft der Kreuzer aus

darum solltest du dich heute besaufen

vielleicht kommst du nie mehr nach Haus

es lohnt nicht Souvenirs zu kaufen

 

Was nützt der Helga ein Unterrock

liegt er auf dem Meeresboden

investiere in einen steifen Grog

der wärmt das Hirn und die Hoden

 

Vergiss die Helga und dein kleines Städtchen

nimm dir heut Nacht ein käufliches Mädchen

pfeife auf Sitte und auf Moral

vielleicht lieber Freund ist es das letzte Mal

 

Es scheint als würde der Herrgott uns grollen

selbst die gute Bismarck ist noch verschollen

sie jagen uns wie räudige Hunde

also genieß jede dir bleibende Stunde

 

Der Kaleu ist eine ehrliche Haut

der hat sich die Wahrheit zu sagen getraut

wir werden da draußen sinnlos verbraten

vom Oberkommando verkauft und verraten

 

Es wäre klüger zu desertieren

wo wir ohnehin bald kapitulieren

doch das ist keine Alternative für mich

man lässt Kameraden niemals im Stich

 

Vielleicht wird dies unsre letzte Nacht

ich hab mit Gott meinen Frieden gemacht

nun lass uns die restliche Zeit genießen

bevor die Tommys ihre Torpedos abschießen

 

 

 

 

 Hermannplatz

 

Wieder mal kurz vorm Abflug

und die Birne zugeknallt

das Leben ist kein „Buddy-Movie“

und ich bin für den Scheiß zu alt

Frank zockt mit den Pakistanis

steht mit Hundert in der Kreide

ein paar Zivis laufen Amok

drüben in der Hasenheide

 

Ich kämpfe mit einem Döner

und beschmiere mir das Hemd

die Nächte waren schon mal schöner

mir wird hier langsam alles fremd

 

Hermannplatz – das Tor zur Hölle

Zocker, Stricher, Dealer, Nutten

warten auf die nächste Welle

der Hoffnungslosen, der Kaputten

Hermannplatz – ein Sammelbecken

in dem sich der Abschaum drängt

wer hier strandet wird verrecken

es geht schneller als man denkt

 

Lena schiebt grad eine Nummer

in den Büschen hinterm Park

drückt dann was gegen den Kummer

und ihr Lude faselt Quark

Will zwei Zehner extra schnappen

wegen der Fuck-Inflation

und der Freier reicht die Lappen

„Wer braucht die Scheiß-Gummis schon?“

 

Ich frag mich warum ich bleibe

wo doch alles hier mich schlaucht

mein Spiegelbild in einer Scheibe

lächelt müde und verbraucht

 

Hermannplatz – das Tor zur Hölle

Zocker, Stricher, Dealer, Nutten

warten auf die nächste Welle

der Hoffnungslosen, der Kaputten

Hermannplatz – ein Sammelbecken

in dem sich der Abschaum drängt

wer hier strandet wird verrecken

es geht schneller als man denkt

 

 

 

 

 Ich schätze ein ehrliches Schweigen

 

Ich schätze ein ehrliches Schweigen

du bevorzugst ein offenes Wort

die Zeit wird dir alles zeigen

es sei denn du bist dann schon fort

 

Und da ich eben solches nicht will

- denn was wir haben soll nicht zerbrechen -

bin ich heute schon etwas weniger still

und morgen werde ich vielleicht sprechen

 

 

 

 

 Ihr Fenster

 

Ihr Fenster ist ein belebter Platz.

Die Schatten lassen sich kaum noch zählen.

Und jeden einzelnen nennt sie „Schatz“.

Das vermag mich schon etwas zu quälen.

 

Denn ich steh jeden Abend hier ganz allein

und betrachte das muntere Treiben.

Einst wollte sie nur die Meinige sein.

Und ließ es dann lieber bleiben.

 

Morgens dann treten die Schatten ins Licht.

Nichts als namenlose Gespenster.

Ich neide ihr dieses Leben nicht.

Und bleib auf der anderen Seite vom Fenster.

 

 

 

 Fräuleins

 

Dem Fräulein ist leicht blümerant

will sagen: Es hat weiche Knie

Das ist bei Fräuleins bekannt

Uns Burschen plagt so etwas nie

 

 

 

 Sagen Sie nicht „Tippse“

 

Sagen Sie nicht „Tippse“

sagen Sie das besser nicht

Ihnen flöge unvermindert

etwas Schweres ins Gesicht

 

Nein, nicht meine Brüste

Was sind sie für ein Schwein?

Wenn man das vorher wüsste…

Wo sonst sollte man sein?

 

Die Kinder haben Hunger

der Mann kämpft mit der Gicht

sagen Sie nicht „Tippse“

sagen Sie es lieber nicht

 

Dreihundert Anschläge die Minute

Sie wissen nicht wie das ist

Ich werd ihnen mal etwas sagen:

DIe schafft nicht einmal ein Terrorist

 

Sie alter geiler Bock!

Hände weg von der „Tippse“

weil ich sonst eben mal

ein kleines bisschen schnipse

 

Ich schnips nicht Ihre Nase

ich schnips Sie nicht zu Boden

ich schnips nur meinen Absatz

ganz fest in Ihre Hoden

 

Sagen Sie ruhig „Tippse“

doch sagen Sie es mit Respekt

Sie haben ja gekostet

wie meine Antwort schmeckt

 

 

 

 

 Über die Eisenbahn

 

Sie verbindet Punkte.

Punkte auf einer Karte.

Ein Punkt ist der

an dem ich auf dich warte.

 

Du bist an dem andern.

Deshalb wurd gut getan

mit der Erfindung

der Eisenbahn.

 

Um es noch schlüssiger

der ganzen Welt zu beweisen:

Reisen! Reisen!

Menschen - ihr könnt reisen!

 

Von den Alpen zur Ostsee.

Was für ein Glück.

Und das lässt sich noch steigern:

Ihr könnt auch zurück.

 

Ihr sitzt auf Bänken.

Das ist der Bänke Zweck

Doch damit nicht genug.

Sie fährt auch euer Gepäck.

 

Wir können uns treffen!

Wir sind endlich frei.

Wir fahren in Zügen

aneinander vorbei.

 

 

 

 

 Ohne Milka in den Alpen

 

Es trotten zwei trächtige Kühe

einträchtig auf einer Weide

- wenn auch mit einiger Mühe -

ich fotografiere sie beide

 

Sie lassen sich unterbrechen

und gucken nun recht saudumm

könnten die beiden sprechen

würden sie mich fragen: Warum?

 

Das frage ich mich jetzt auch

was bin ich doch für ein Knilch

mich schert keine Kuh noch ihr Bauch

morgen früh trink ich Kaffee statt Milch

 

 

 

 

 Mann vor dem Spiegel

 

Ein Mann steht vor dem Spiegel

doch er erkennt sich nicht

Er hatte doch noch gestern

ein viel jüngeres Gesicht

 

Ihm ist als ging die Zeit

ihm über Nacht verloren

Sein einstmals langes Haar

bedeckt kaum noch die Ohren

 

Grausam erscheint ihm alles

was der Spiegel grad bezeugt

Er sieht sich nicht mehr aufrecht stehen

sondern gramgebeugt

 

Die Schultern hängen träge

Der Bauch ist reichlich fett…..

Der Mann zerstört den Spiegel

und geht zurück ins Bett

 

 

 

 

 Risiko-Beitragserhöhung

 

Unter Berufung

auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen

muss der Basistarif

- auch unter Berücksichtigung der Billigungsklausel -

entsprechend Ihrem Eintrittsalter

selbst bei freiwilligen Verzicht

auf Zusatzleistungen

ungeachtet der Härtefallregelung in der GKV

gemäß der Gebührenminderungspflicht

unter Hinweis auf die Obliegenheitspflicht

des Versicherungsnehmers

im Rahmen der Beitragsanpassung

unter Beachtung der Gebundenheitsfrist

in Verbindung mit einem Risikozuschlag

angeglichen werden

 

 

 

 

 Schwarze Schwäne

 

Sie spreizen graziös ihr Gefieder

und verlassen kurz ihr Element

schon bald hat das Wasser sie wieder

es war nicht mehr als ein Moment

 

Doch es reicht dass der Staub der Zechen

ihnen nicht die Flügel verklebt

neue Morgen werden anbrechen

und auch fortan in Freiheit erlebt

 

Ich sitze am Ufer und schweige

und betrachte ergriffen die Szene

auch wenn ich es keinem zeige

ich wär gern wie die Schwarzen Schwäne

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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