Nichts Besonderes
Herr F. der sich jüngst erschossen
stand heute in meinem Büro
so dass gleich die Tränen mir flossen:
„Herrje, was bin ich doch froh
Sie unversehrt vor mir zu sehen
und das in vortrefflicher Blüte
aber, Gott, Sie müssen nicht stehen,
setzen Sie sich….meine Güte“
Herr F.. der sich jüngst erschossen
sah mich recht verärgert an
und murmelte sehr verdrossen
sein Tod gehe mich gar nichts an
Der wäre nämlich genaugenommen
nur seine Privatangelegenheit
er wär nur aus Gewohnheit vorbeigekommen
und hätte eigentlich gar keine Zeit
Ich sagte: „Dann husch, zurück in die Erde
oder gehen Sie meinetwegen nach Haus
bevor ich jetzt vielleicht ausfallend werde
werfe ich Sie doch lieber hinaus“
Und während Herr F. durch die Wand verschwand
ohne mich noch einmal zu grüßen
- was ich ausgesprochen unhöflich fand -
beschloss ich mich besser nie zu erschießen
Träume sind Schäume
Würd ich dich mir träumen
wie du gar nicht bist
würd ich all das versäumen
was an dir wirklich ist
Spaziergang im Zoo
Der Sommer ist mal wieder überfällig.
Und trotzdem schlüpft man in ein Sommerkleid.
Das kommt grad aus dem Sack und ist noch wellig.
Fürs Bügeln fehlte leider doch die Zeit.
Der Gatte, der das Unheil sofort wittert
sieht alles andre nur nicht glücklich aus.
Auch seine Sommerhose ist zerknittert.
So geht man doch bitte nicht aus dem Haus.
Es lohnt sich nicht mit einer Frau zu streiten.
Sie sagt ganz einfach „Basta“ oder „Schluss“.
Jemand muss schließlich die Geschicke leiten.
So steigt man also grimmig in den Bus.
Am Eingang wartet schon die erste Schlange.
Bis man nach vorne kommt fällt sicher Schnee.
Es dauert schließlich doch nicht ganz so lange.
Der Mann entrichtet fluchend das Entree.
Die Kinder schreien freudig nach den Affen.
Die Eltern folgen weil man sie wüst zieht.
Der Mann denkt, während alle andren gaffen:
Es gibt nicht wirklich einen Unterschied.
Er würde jetzt gerne was Kühles trinken.
Und späht nach rechts, nach links und gradeaus.
Die Kinder wollen erst noch Pfauen winken.
Und anschließend ins Elefantenhaus.
Man läuft herum für circa sieben Stunden.
Und hört nur „Wuff“ und „Waff“ und „Mäh“ und „Muh“.
Dann hat man endlich ein Café gefunden.
Doch jemand sagt: „Wir machen grade zu.“
So trollt man sich dem Ausgang dann entgegen.
Und grüßt noch immer jedes dumme Tier.
So mancher der dort trottet auf den Wegen
denkt wie der Mann: Warum bleib ich nicht hier?
Sowohl als auch
Ali bringt den Giftmüll in die Wälder
ist schon klar, der Boss zahlt wirklich gut
Ali hat vier Kinder in der Heimat
und am Abend spuckt er immer Blut
Tina tanzt wieder ganz eng mit Stella
wollen wissen wen ich heute brauch
Gott, was soll ein Mann dazu schon sagen
außer nur: Sowohl als auch
Jemand der das liest könnte wohl fragen:
„Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun“
und dann würde ich wahrscheinlich sagen:
„Dirty Dancing“ ist ein Remake von „High Noon”
Das verstünden nur die Abgedrehten
schön dass es davon so viele gibt
Ali kotzt jetzt ständig bei der Chemo
und ich bin froh dass mich noch jemand liebt
Es gibt Dinge die will niemand wissen
es gibt Dinge die will jeder tun
„Dirty Dancing“ ist totale Kacke
und es gibt bessre Western als „High Noon“
Ali wüsste sicher mehr als einen
zum Beispiel „Spiel mir das Lied vom Tod“
Tina ist dabei sich zu befummeln
Stella macht für uns das Abendbrot
Später liegen wir dann auf dem Sofa
ich bin satt, aber mir schmerzt der Bauch
fühl ich mich nun scheiße oder super
ich denk mal: Sowohl als auch
Totenschein
Eingetroffen einst im Mai
Reanimation vergebens
Ab sofort wieder frei
Verstorben an den Folgen des Lebens
Verlorene Ausblicke
So steht man also da und ist verloren.
Man zieht den Mantel aus und löscht das Licht.
Man gibt der Trauer wild bewegt die Sporen.
Bevor man still in sich zusammenbricht.
Und es erscheinen Fenster in den Wänden.
Durch die blickt man in eine fremde Welt
Es gälte irgendetwas zu beenden.
Man denkt darüber nach. Man denkt und fällt.
Es droht der Kopf zu platzen in der Enge.
All die Gedanken sind nur ein Geflecht.
Man zieht die Fragen endlos in die Länge.
Man fühlt nichts mehr. Und fühlte sich gern schlecht.
Dann steht man auf und wähnt sich neu geboren.
Und spült sich mit dem Morgen aus dem Haus.
Dabei ist man noch immer sehr verloren.
Man weiß es nicht. Nur so hält man es aus.
Zwei
Sie sitzen sich gegenüber
und teilen ein ratloses Schweigen
dabei würden sie doch viel lieber
Gefühle und solchen Quatsch zeigen
Sie hat einen Frosch in der Kehle
Er ist der Frosch den sie nie küsst
Keine Ahnung warum ich das erzähle
Vielleicht weil es so traurig ist
Sie pieksen in ihren Kuchen
und wahren vollendet den Schein
Sie sollten besser versuchen
mal unvollkommen zu sein
Atem der Nacht
Mein Blick malt für dich
einen Himmel aus Stein
und mein Herz ruft dir zu :
Bitte fall doch hinein
Es ist hart was wir tun
es ist hart was wir sind
der Traumakrobat
und das fliegende Kind
Da sind Feuergefühle
doch nirgends ein Halt
und die Liebe steht da
wie ne Schattengestalt
Der Atem der Nacht
trägt unsre Gedanken
wir fliegen - wir fallen
wir laufen - wir wanken
auf Brücken der Angst
mal kalt und mal sacht
von uns fort - zu uns hin
im Atem der Nacht
Dein Mund formt für mich
einen Himmel aus Schnee
und dein Herz ruft mir zu :
Bitte tu mir nicht weh
Es ist hart was wir tun
es ist hart was wir sind
der Traumakrobat
und das fliegende Kind
Da sind Sturmwolkenträume
und nirgends ein Licht
und die Liebe steht rum
wie ein trauriger Wicht
Der Atem der Nacht
trägt unsre Gedanken
wir fliegen - wir fallen
wir laufen - wir schwanken
auf Brücken der Angst
mal kalt und mal sacht
von uns fort - zu uns hin
im Atem der Nacht
Die Liebe steht da
macht ein dummes Gesicht
und ich hab manchmal Angst
sie findet uns nicht
Bogarts Schatten
Ein hochgeschlagner Kragen
verbirgt ein Augenpaar
das in der Finsternis
lang auf der Suche war
Im Nebel ein Geheimnis
das an den Nerven nagt
als eine fremde Stimme
mein Herz nach Feuer fragt
Im Trenchcoat bin ich sicher
er wurd für mich gemacht
ich trage Bogarts Schatten
durch die Dezembernacht
Im Trenchcoat bin ich sicher
dein Blick hat mir vertraut
und nun küsst Bogarts Schatten
behutsam deine Haut
Mein Lachen war gestohlen
und deines war aus Eis
man zahlt für alle Lügen
am Ende seinen Preis
Wir spielen doch nur Rollen
und pokern mit der Zeit
geschützt durch unsre Masken
und fern der Wirklichkeit
Im Trenchcoat bin ich sicher
er wurd für mich gemacht
ich trage Bogarts Schatten
durch die Dezembernacht
Im Trenchcoat bin ich sicher
dein Blick hat mir vertraut
und nun küsst Bogarts Schatten
behutsam deine Haut
Hast Du vielleicht erwartet
dass man dein Herz nie bricht
ach ja du kennst die Liebe
doch mich - mich kennst du nicht
Im Trenchcoat bin ich sicher
er wurd für mich gemacht
ich trage Bogarts Schatten
durch die Dezembernacht
Im Trenchcoat bin ich sicher
dein Blick hat mir vertraut
und nun brennt Bogarts Schatten
auf deiner kalten Haut
Unworte zur Mittagszeit
Sie saßen in einem Hotel in Wien
sich bei Kerzenlicht gegenüber
obgleich die Sonne draußen schwer bemüht schien
doch Kerzenlicht mag man halt lieber
Sie wollte partout vegetarisch dinieren
dies erschien ihm bösartig und dreist
denn er wollte lieber das Schnitzel probieren
(also wenn man nach Wien schon reist)
So gerieten sie sich lauthals in die Haare
(von denen er kaum noch welche hatte)
Sie philosophierte über magere Jahre
grad als sei der Streit eine Debatte
Er empfand sie – wie schon oftmals zuvor –
als ausgesprochen peinlich
und flüsterte ihr ungehalten ins Ohr:
„Weib, sei doch nicht immer so kleinlich“
Da stand sie auf und ging einfach hinaus
und spazierte drei Stunden im Prater
Er probierte mit Genuss das Schnitzel aus
und dachte: Was für ein Theater
Schlafendes Kind
So süß von kindlichen Träumen belogen
- die Finger zu kleinen Fäustchen gebogen -
lag es da selig und schlief
egal wie laut die Mutter auch rief
Mutter, was soll das dumme Geschrei?
Tage eilen zu hastig vorbei
Mag das Kind doch die Schule versäumen
Es hat Besseres in seinen Träumen
Verständigungsschwierigkeiten
Mein Kumpel Kuddel, ein schlichtes Gemüt
den es zur See oder zur nächsten Kneipe zieht
stand vor eben einer solchen bei Nacht
ich stand neben ihm und wir haben gelacht
Da kam so ein feiner Piefke daher
er lief ziemlich hurtig und atmete schwer
und sprach zu Kuddel: „Du, Seemann, sag schnell
wo finde ich hier das nächste Bordell?“
Da stand er nun also, der suchende Mann
und Kuddel schaute ihn nur ratlos an
darum klärte ich die Lage dann lieber:
„Das Etablissement ist gleich gegenüber“
Als der Mann ohne Dank darin verschwand
sah ich dass Kuddel auch endlich verstand
herzlich gab er mir einen Knuff:
„Sagt doch gleich ihr redet vom Puff“
Türen
Du hast in mir viel mehr gesehn
als ein fälliges Versprechen
wie also käme ich dazu
dir nun das Herz zu brechen?
Du hast mir deine Hand gereicht
und über mich gewacht
du hast aus diesem dummen Mann
etwas besseres gemacht
Liebte ich dich nicht ohnehin
liebte ich dich dafür
wo vorher eine Mauer war
da ist jetzt eine Tür
Aber weißt du was mir seitdem
nun ständig Angst bereitet?
Türen sind sinnlos
wenn niemand sie durchschreitet
Was soll dieser Quatsch? Das ist Braunschweig
Ein junger schwer verliebter Mann
schmachtet seine Erwählte an
im Eiscafé vor zwanzig Leuten
das sollte ihr etwas bedeuten
Ganz langsam sinkt er auf die Knie
und zitiert schöne Poesie
doch statt der Holden schmilzt das Eis
und sie sagt: „Mensch, lass doch den Scheiß
Was soll dieser Quatsch? Das ist Braunschweig
Hier kann man nicht träumen, nur sterben
und so mies wie ich grade drauf bin
solltest du nicht um mich werben“
Da sieht der arme junge Mann
sein Objekt der Begierde an
und stottert wie verliebt er sei
aber ihr ist das einerlei
Ich finde sie zwar sonderbar
aber ihr Standpunkt ist mir klar
und wäre mir sowas passiert
dann hätte ich sie wohl zitiert
„Was soll dieser Quatsch? Das ist Braunschweig
Hier kann man nicht träumen, nur sterben
und so mies wie ich grade drauf bin
solltest du nicht um mich werben“
Springen
Da stehst du nun und der Tag schließt sein blutendes Auge
in deiner Tasche klimpert das Kleingeld sich wach
du streitest um diesen Platz mit einer Taube
und der Himmel ist flach.....viel zu flach
Auf dem Asphalt der klebrige Glanz kalter Sterne
eine Pfütze aus Cola und Regen sprudelt empor
du spürst den Wind und in dir ist nur noch Ferne
und dein Blut pocht im Ohr
Und du fragst dich nur eins:
Wirst du es heut endlich bringen
Sieh nicht zurück – geh nach vorn
du musst springen
springen
......springen
Da stehst du nun und die Nacht lacht dir hämische Lieder
in deinem Magen bricht eine Pizza entzwei
und ganz leis sagst du es dir immer wieder :
Es ist gar nichts dabei.....nichts dabei
Auf dem Asphalt der einsame Rest toter Sterne
eine Pfütze aus Regen und Cola trocknet schon aus
du nimmst den Wind und vor dir ist nur noch Ferne
und der Schatten vom Haus
Und du denkst nur noch eins :
Endlich werd ich es bringen
seh nicht zurück – geh nach vorn
ich werd springen
springen
......springen
Angenehm ist anders
Es ist so heiß dass das Bier
in den Gläsern verdampft
Ich bin zu nüchtern und deshalb
grad völlig verkrampft
angenehm, angenehm ist anders
Da sind Mädchen die schwafeln
und Männer die schweigen
und Kellner die einen Anflug
von Selbstmitleid zeigen
angenehm, angenehm ist anders
Rechts eine Demo dafür
links eine dagegen
dazwischen Polizisten
die ihre Schlagstöcke heben
angenehm, angenehm ist anders
Am tiefblauen Himmel
schwebt ein Ballon
mit einer Werbebotschaft
gelangweilt davon
angenehm, angenehm ist anders
Der Tag schleicht sich langsam
der Abend naht träge
und die Stadtreinigung
besprüht die trockenen Wege
angenehm ist ganz anders
Dein, mein, unser
Über das Innenleben von Außenministern
ist mir so gut wie gar nichts bekannt
doch dreht sich mir der Magen jedes Mal um
wenn so einer sagt: „Mein Land“
Binnenhäfen
Ich hab das Herz eines Seemanns
Das weiß ich seit langer Zeit
Ich schnürte oft mein Bündel
doch kam niemals sehr weit
Ich hab all die Schiffe im Hafen
bei ihren Namen gekannt
doch sie fuhren nie auf die See raus
Sie kreuzten nur auf Flüssen durchs Land
Sie hielten an unzähligen Schleusen
und das Ufer war immer in Sicht
Binnenhäfen sind Orte
an denen das Herz eines Seemanns zerbricht
Siebenmeilenstiefel
Mit Siebenmeilenstiefeln hastet
die Zeit davon, eilt sich so sehr
dass auf uns die Gewissheit lastet
man kommt ihr kaum noch hinterher
Die Sommer werden immer kälter
die Winter dauern viel zu lang
wir werden zwischen ihnen älter
das ist nun mal des Lebens Gang
Des Menschen Weg führt von der Wiege
zielstrebig hin in Richtung Grab
so lang ich darin noch nicht liege
tröstet mich sehr dass ich dich hab
Die langen Jahre die wir teilten
haben mich dankbarer gemacht
denn wenn wir beieinander weilten
schreckten mich weder Tag noch Nacht
Dem Kommenden seh ich entgegen
und fürchte mich dabei doch nicht
schließlich leuchtet auf allen Wegen
unser Liebe treues Licht
Für Regine
Lauer Wind auf Promenaden
Der Wind fängt Sommerkleider.
So viele er nur kann.
Man könnte deshalb denken
der Wind wäre ein Mann.
Doch fliegen sie nicht hoch genug.
Welch eine schwache Lunge.
Der Wind wäre wohl gern ein Mann.
Doch pustet wie ein Junge.
Herrenlose Hüte
Herrenlose Hüte
hatten einen Club gegründet
Jeder Hut war dort willkommen
wenn sein Herr verschwindet
Das wirkte etwas kopflos
und nicht sehr durchdacht
weil man ja grundsätzlich
Hüte für Herren macht
Man wählte einen Vorstand
und legte Regeln fest
und wünschte sich dann heftig
Kriege, Cholera und Pest
Und schon nach ein paar Jahren
war kaum noch Platz im Haus
Man wies undeutsche Hüte
deshalb umgehend aus
Forscher
Die Theorie ist uns die meiste Zeit
zu öde, zu mühsam, zu trocken
die Welt ist schließlich unglaublich weit
und vermag uns vortrefflich zu locken
Uns hält nichts an Universitäten
uns rufen die Dschungel und Meere
wir träumen ständig von fremden Planeten
und basteln unsre eigene Lehre
Wir wollen sein wo niemand je war
wir wollen das Weltall entwirren
wir trotzen tapfer jeder Gefahr
vor allem der dass wir uns irren
Die Schatten schlafender Engel
Der Wettermann sagt es ist kalt hier draußen
und heut Nacht fällt der erste Schnee
ich denke an dein verlorenes Lächeln
als ich von der U-Bahn nach Hause geh
Ein paar Tauben hocken auf einem Mercedes
und in Hassans Döner-Bude brennt Licht
wahrscheinlich rief er mir grad etwas zu
doch ich bin in Gedanken und höre ihn nicht
Die Spätvorstellung im Kino ist aus
im Park joggt jemand mit seinem Hund
ich schlag den Kragen meiner Jacke hoch
und spür den Geschmack von Rauch im Mund
Ich denk an dich und weiß ich darf dich nicht lieben
ich will weiter nichts als dich wiederzusehn
ich wünschte du wärst etwas länger geblieben
um mit mir am Rad des Schicksals zu drehn
Mir scheint die Zeit wäre eingefroren
ich hör in der Ferne die Glocken läuten
und frage mich so allein und verloren
was die Schatten schlafender Engel bedeuten
Der Mond drängt sich durch wirbelnde Wolken
Willi macht sein Nachtquartier unter der Brücke
Lola steht da im knappen Rock
und zwei Taxen streiten sich um eine Lücke
Am Bretterzaun künden die Plakate
die Stones wären im März wieder in der Stadt
eine schwarze Katze blickt mir in die Augen
und fragt sich wer von uns es wohl schwerer hat
An Trudes Imbiss riecht es nach Curry
drei Flachmänner prosten mir grinsend zu
im Hausflur kommt mir jemand entgegen
und ich frage mich warum bist das nicht du?
Ich denk an dich und weiß ich darf dich nicht lieben
ich will weiter nichts als dich wiederzusehn
ich wünschte du wärst etwas länger geblieben
um mit mir am Rad des Schicksals zu drehn
Mir scheint die Zeit wäre eingefroren
ich hör in der Ferne die Glocken läuten
und frage mich so allein und verloren
was die Schatten schlafender Engel bedeuten
Diese Tasten
Jeder Idiot tippt schneller als ich
und ich lieg nach vier Whisky unter dem Tisch
deshalb trink ich nur Bier
und ansonsten ist niemand hier
Dafür ist es inzwischen zu spät
ich hab nur noch dieses Alphabet
auf der versifften Tastatur
nachts um drei Uhr
Das ist die Zeit um sich zu entscheiden
wie sehr kann man sich selber noch leiden
auf Dauer hält das keiner aus
selbst von den Sternen gibt es keinen Applaus
Man ist dabei sich die Kante zu geben
und in so einer Nacht schreibt man um sein Leben
ich hab viele davon durchlebt
keinen Schimmer wie man das erträgt
Ich glaub es liegt nur an den Tasten
über die meine Finger grad hasten
so schnell ich das eben kann
und der Rest geht keinen was an
Ein Haus aus Schmerz gebaut
Ich setzte mich ins Auto und bin losgefahren
auf der Flucht vor all den verlorenen Jahren
ich sah nicht zurück, doch kam nicht wirklich weit
wir alle sind Gefangene unserer Zeit
Sie stand allein bei Nacht am Straßenrand
ich fuhr zwar ziemlich schnell aber sie hob die Hand
draußen wars lausig kalt und es begann zu schnein
deshalb hielt ich an und sagte: Komm schon rein
Sie roch nach Hasch, nach Jugend und nach Freiheit
ich las in ihrem Blick so etwas wie: „Mein Beileid“
und war erstaunt wie schnell man mich durchschaut
vielleicht kennt sie ja auch ein Haus aus Schmerz gebaut
Ich dachte, ganz egal was sie auch immer fragt
ich habe heut den Mut und hätte ja gesagt
und würde sie nur sagen: „Bitte halt nicht an“
fahr ich so weit die Nacht uns jetzt noch bringen kann
Sie sagte: „Ich weiß genau woran du jetzt denkst
wie leicht du dich an einen neuen Traum verschenkst
aber du kannst mir glauben ich bring keinem Glück
also lass mich hier raus, dreh um und fahr zurück“
Ich tat was sie verlangte, denn mir war schon klar
dass dies kein Ausweg und auch keine Chance war
denn letztlich kann niemand aus seiner Haut
und ich fuhr heim in dieses Haus aus Schmerz gebaut
Kummer
Kummer ist wie ein Feuer
langsam wird er verglühen
und dann naht bald ein neuer
man muss sich darum gar nicht bemühen
Rück zur Seite
Rück zur Seite, Zeit. Du bliebst schon viel zu lang.
Ich würde dich jetzt gern von hinten sehen.
Nimm die Beine in die Hand. Nimm einfach deinen Gang.
Du sollst verschwinden. Oder auch nur vergehen.
Die Alten haben dich heraufbeschworen.
Wir anderen haben an dir gekrankt.
Uns ging so vieles wegen dir verloren.
Also erwarte nicht dass man dir dankt.
Mach dich vom Acker, Zeit. Und such das Weite.
Du warst uns alles andre als ein Schatz.
Wir standen niemals auf der gleichen Seite.
Darum mach einer besseren nun Platz.
Mehr als einen Grund
Musstest dich von mir entfernen
gab dir mehr als einen Grund
und jetzt heul ich zu den Sternen
wie ein ausgesetzter Hund
Tröste mich bei Nacht, am Tage
recht verwegen in Lokalen
wo ich Fremden alles sage
um im Mitleid mich zu aalen
Ja, ich saufe mir die Nacht blond
und die Erde wieder rund
und es gibt für mein Verhalten
mehr als einen guten Grund
Musstest dich von mir befreien
unser Glück war ungesund
und es gibt nichts zu verzeihen
denkt dein Herz und sagt mein Mund
Tröste mich bei Nacht, am Tage
mit sehr zweifelhaften Frauen
wenn ich nach dem Namen frage
schafft das Nähe und Vertrauen
Ja, ich saufe mir die Nacht blond
und die Erde wieder schön
es gibt mehr als einen Grund
an dir nicht zugrunde zu gehn
Nahe Hackescher Markt
In den Höfen stapeln sich Touristen
und es riecht wieder verdammt nach Kunst
Abseits tummeln sich ein paar Rassisten
und pöbeln sich wütend in den Dunst
Eine Malerin ordnet die Schilder
in der furchtbar schicken Galerie
Zwar kauft niemand jemals ihre Bilder
doch sie erntet reichlich Sympathie
Nebenan da kann man wieder speisen
wie man es im Osten früher tat
und der Wirt erklärt zwei müden Greisen
weshalb er an den Gewürzen spart
Zwei auf jung getrimmte Bordsteinschwalben
wildern etwas abseits vom Revier
dafür machen sie’s für einen Halben
und die Inflation sagt Dank dafür
Straßensänger fleddern Brel und Dylan
Jemand uriniert in die Natur
Jugendliche üben sich im Chillen
und der Schneemann ist wieder auf Tour
Wachend hängt der Mond über den Schloten
und bewahrt dabei den Überblick
Längst gleichen die Lebenden den Toten
und der Mond verlangt sein Licht zurück
Nacht, oh Nacht
Nacht, oh Nacht, vernimm mein Klagen
einsam geht die Zeit dahin
lass mich deinen Mantel tragen
dass ich Teil der Sterne bin
Nacht, oh Nacht, auf deinen Schwingen
will ich gleiten fern dem Licht
losgelöst von allen Dingen
wo kein Wort das Schweigen bricht
Nacht, oh Nacht, lass mich vergehen
führ mich in dein dunkles Reich
vermagst du denn nicht zu sehen
Nacht, oh Nacht – wir sind uns gleich
Elektrische Krankheit
Ich sah ihn bei Viva
mit Schaum vor dem Maul
er nannte sich Diva
dabei heißt er Paul
hat Pickel wie Krater
in seinem Gesicht
doch im Video - seltsam -
da sieht man das nicht
Die elektrische Krankheit
hat alle gepackt
man steht unter Strom
und fühlt sich halbnackt
denn das Spotlight
ist ein hungriges Messer
wenn es dich benutzt
geht es dir besser
Ich traf ihn im Kempinski
er zahlte mit Scheck
hatte Pickel wie Krater
und sah schnell weg
Sein Bodyguard
verriet mir den Grund:
Man legt ihm die Worte
druckreif in den Mund
Die elektrische Krankheit
hat alle gepackt
man schwimmt mit dem Strom
und wird abgewrackt
denn das Spotlight
ist ein modisches Tier
wenn du nicht mehr „in“ bist
will es nichts mehr von dir
Ihr hattet ihn einmal geliebt
Ihr hattet ihn einmal geliebt
das war vor langer Zeit
denn er war ein Versprechen
auf die Ewigkeit
Er trug eure Last
und gab euch Lebensmut
ihr hattet ihn einmal geliebt
es endete nicht gut
Ihr hattet ihn einmal geliebt
doch das ist lange her
er gab euch Trost und Zuversicht
und noch so vieles mehr
Er heilte eure Kranken
und brach mit euch das Brot
ihr hattet ihn einmal geliebt
nun ist er tot
Ihr hattet ihn einmal geliebt
das war vor langer Zeit
denn er wies euch die Richtung
er gab euch Sicherheit
Er ist für euch gestorben
das ist schon lange her
ihr hattet ihn einmal geliebt
nun liebt ihr ihn nicht mehr
Flieg mit den Raben
Flieg mit den Raben
flieg mit den Raben
Weißt du nicht dass Raben
reine Seelen haben?
Steig mit den Raben
mach dich auf mein Kind
Steig mit den Raben
und reite den Wind
Flieg mit den Raben
flieg mit den Raben
Lass dich himmelwärts
zu bessren Orten tragen
Flieg mit den Raben
flieg mit den Raben
Weißt du nicht dass Raben
reine Seelen haben?
Gästebuch
An manchem Urlaubsdomizil
- davon gab‘s in den Jahren viel -
erblickte ich - gleich einem Fluch -
so ein verdammtes Gästebuch
Vom Gastgeber sehr gern gesehn
sollen darin nette Worte stehn
und so reimten schon Hinz und Kunz
absurden Plunz
Man schrieb wie höchst erfreut man sei
dass man sein weiches Frühstücksei
mit einem Löffel löffeln kann
(als tät man das nur dann und wann)
Man rühmte Wetter, Bett und Bad
und Air und Flair der nahen Stadt
und dass die Sonne morgens winkt
und abends dann wieder versinkt
Man schrieb so manchen Blödsinn nieder
(ein jeder schrieb er käm gern wieder)
das einzige was ich verstand
war ein Klecks gemalt von Kinderhand
Doch wirkt das Teil wie ein Magnet
(drum besah ich es von früh bis spät)
mir juckte es in jedem Finger
(ich hasse die verfluchten Dinger)
Auch ich ließ eine Botschaft hier
ich schrieb sie auf das Klopapier:
Ich möchte dankbar sagen
Mein Arsch schätzt die drei Lagen
Blüten
Es zeigen sich die Farben wilder Blüten
dem Wanderer der in die Heide blickt
und ohne dass sie sich darum bemühten
haben sie seine Sinne sehr verzückt
Ach, wie sie da so knospen, wie sie sprießen
ein Liebreiz wie er keinen gleichen kennt
wenn Farben zögernd ineinander fließen
bevor ein Windhauch sie dann wieder trennt
Wie gern lässt er sich doch bei ihnen nieder
und wird ein Teil von ihrem Farbenspiel
er findet längst Vergessenes dort wieder
und ihn durchströmt ein zärtliches Gefühl
In ihrer Schlichtheit dennoch so vollkommen
bieten sie ohne Scheu sich immer dar
er fühlt manch schwere Last von sich genommen
und er verfällt dem Zauber ganz und gar
So lang die Liebe zu mir spricht
So lang die Liebe zu mir spricht
widme ich ihr manches Gedicht
Erst wenn sie sich mir nicht mehr zeigt
bleib ich dem Schreiben abgeneigt
Traum vom Aufstand der Klofrauen
Der Staatssekretär in der Vorabendsendung
sprach: Dies ist eine Zeit der Verblendung
darum geht in die Kirche, kauft Nussbaummöbel
zahlt Steuern, zeugt Kinder und schießt auf den Pöbel
Und in jeder Zeitung konnte man lesen
Schuld am Krieg sind die andern gewesen
Ich träumte vom grenzenlosen Vertrauen
in weißgekleidete duftende Frauen
die sprachen bei der Arbeit kein einziges Wort
und spülten die Scheiße für immer fort
Und am Morgen hab ich es groß in der Zeitung gefunden:
Der Staatssekretär ist leider verschwunden
Leichentücher
Bring Leichentücher, Vater
wir brauchen noch viel mehr
Es blieb nicht sehr viel übrig
von unsrem stolzen Heer
Gemetzelt faulen Körper
im scharfen Totenwind
die fest darauf vertrauten
dass sie die Schlachter sind
Nun sind die großen Mäuler
für alle Zeiten stumm
Wer mit dem Schwert lebt, Vater
kommt durch das Schwert auch um
Bring Leichentücher, Mutter
hier liegt unsre Armee
Es ist das Blut der Schuldigen
in dem ich knietief steh
Es rotten ihre Knochen
dort wo man fiel und sank
ist nicht viel mehr geblieben
als wesender Gestank
Bringt noch mehr Leichentücher
Manchen erkenn ich wieder
Auf diesem Feld des Todes
liegen auch meine Brüder
Ich und Malte Matuschek
Ich und Malte Matuschek
hauten vierzehn Whisky weg
am fünfzehnten hab ich genippt
da war Malte schon umgekippt
Ich tu es doch auch für dich
Mama ich muss los
draußen steht der LKW
Zupf mir nicht am Kragen
das tut richtig weh
Ja, ich hab ganz sicher
warme Socken eingepackt
auch den Zahnputzbecher
nein, ich dusch nicht nackt
Siehst du dort den Großen?
Das ist mein General
der weiß was da los ist
der war da schon mal
Kein Grund sich zu fürchten
er gibt auf mich acht
er weißt wie man schießt
und wie man Betten macht
Ich tu es doch auch für dich
unser aller Freiheit verteidigen
und zu fragen warum grade wir
würde alle beleidigen
Ich tu es doch auch für dich
es hat bestimmt Sinn und Zweck
denn wenn dem nicht so wäre
müssten wir doch nicht weg
Mama, du kannst mir glauben
der Einsatz ist humanitärer Natur
und die Handgranaten
sind zur Sicherheit nur
Wir müssen bestimmt nicht schießen
doch wenn wär es kein Problem
irgendjemand wird uns schon sagen
wann und auf wen
Siehst du dort den Großen?
Das ist mein General
Er sagt wir wären jetzt Männer
und der Feind könne uns mal
Die haben doch nicht einmal Laser
die schießen da drüben mit Schrot
was soll mir da schon passieren?
Mama, ich lache mich tot
Ich tu es doch auch für dich
wir verstehn was von diesen Sachen
dafür wurden wir doch trainiert
irgendjemand muss es schließlich machen
Ich tu es doch auch für dich
sie sagen ich sei ein Held
ich tu es doch auch für dich
für Deutschland und die freie Welt