Briefverkehr in Zeiten ohne E-Mail
Es schrieb mir mein guter Winfried
es hätte in Kremmen geschneit
ich schrieb, kaum dass ich es gelesen:
Es tut mir um Kremmen leid
Dann schrieb mir meine Mutter
dem Vater gehe es schlecht
ich schrieb sogleich an den Vater
mit der Frage: Hat Mutter recht?
Mir schrieb auch die Luise
sie mache mit mir nun Schluss
ich nahm dies tapfer zur Kenntnis
und schrieb zurück: Dumme Nuss
Es schrieb auch noch die GEZ
deren Briefe lese ich nie
ich schrieb denen schon prophylaktisch:
Fickt euch bitte ins Knie
Angenommen du sagst….
Angenommen du sagst
etwas schrecklich liebes zu mir
bliebe ich mit ziemlicher Sicherheit
noch eine Weile hier
Angenommen du sagst
etwas furchtbar blödes zu mir
tränke ich mit ziemlicher Sicherheit
mindestens noch ein Bier
Angenommen ich sag dir
vorher schon was ich tu
würde jemand sehr schnell verschwinden
Ich vermute mal das wärst du
Bei Regen bist du schön
Du gehst nie am Tage nach draußen
bist in deiner Welt gefangen
ich versuch seit vierzehn Jahren
näher zu dir zu gelangen
doch nur wenn die Nacht ganz schwarz ist
treffen wir uns auf dem Dach
füttern dort die fetten Tauben
und bleiben gemeinsam wach
Und du weißt ich möchte zu dir
nicht nur so – ich will dich ganz
aber du ziehst eine Grenze
bleibst auf sicherer Distanz
Wenn wir beide in den Nächten
barfuß in den Pfützen stehn
wenn es schüttet und wir zitternd
auf die Stadt heruntersehn
wenn die Wolken schwarz und schwer sind
und wir uns ganz stumm verstehn
sag ich dir zum Abschied immer:
Bei Regen bist du schön
Du gehst nie am Tag nach draußen
willst von dieser Welt nichts wissen
und ich bin seit vierzehn Jahren
innerlich total zerrissen
weil ich nicht mehr von dir loskomm´
nur für diese Nächte leb
wo ich mit dir auf dem Dach bin
und den Tauben Futter geb
Und du weißt ich möchte zu dir
nicht nur so – ich will dich ganz
aber du ziehst eine Grenze
bleibst auf sicherer Distanz
Wenn wir beide in den Nächten
barfuß in den Pfützen stehn
wenn es schüttet und wir zitternd
auf die Stadt heruntersehn
wenn die Wolken schwarz und schwer sind
und wir uns ganz stumm verstehn
sag ich dir zum Abschied immer:
Bei Regen bist du schön
Glaub mir: Bei Regen bist du schön
Wer ich bin
Wer ich bin das brauchst du nicht zu wissen
was ich will ist eher von Belang
du weißt dass wir alle sterben müssen
ich mach mir die Zeit nicht gerne lang
Nichts ist hier im Überfluss vorhanden
nur zwei Körper und die lange Nacht
sei ganz einfach froh dass wir uns trafen
denn was hätten wir jetzt sonst gemacht
Wer ich bin das brauchst du nicht zu wissen
was du brauchst weiß ich nur zu genau
ich drück dich hinunter in dein Kissen
wir sind weiter nichts als Mann und Frau
Nach dem Rettungswagen (Lang lebe der Tote!)
Irgendwo in irgendeiner Vorstadt
ist ein kleiner dicker Mann krepiert
ich sah seine Alte auf dem Gehsteig
da hab ich es irgendwie kapiert
Seine Tochter schien doch etwas heller
hat den Notruf irgendwann gewählt
und dem Kerl der dummerweise abnahm
das halbe Evangelium erzählt
Nach dem Rettungswagen
kommen Kinder und die Presse
und man fragt sich dann schon:
Wem haut man jetzt in die Fresse?
Nach der Spurensicherung
erscheint der Pizzabote
und dann ist das fast ein Happening:
Lang lebe der Tote!
Schaulustige schießen Fotos
ein paar toughe Skater chillen
und der Nachbar sieht so aus
als wolle er jetzt Burger grillen
Sanitäter trinken Kaffee
jemand schreibt einen Bericht
und der Sohnemann, total auf Speed,
kotzt Mama ins Gesicht
Nach dem Rettungswagen
kommen Maden und die Bullen
und selbst die Zeugen Jehovas
mögen Tee und Vollkornstullen
Nach der Herzmassage
jault der Doc wie ein Kojote
und dann stimmt die ganze Straße ein:
Lang lebe der Tote!
Und es ist ein bisschen traurig
aber irgendwie charmant
ja es ist ein bisschen schaurig
denn man hat den Kerl gekannt
Ja es ist ein wenig furchtbar
doch hat eine heitre Note
da ja sonst hier nicht viel los ist
Lang lebe der Tote!
David keins – Mandy eins
An der Hamburger-Bude
am Samstag um drei
auf dem Weg zum Stadion
sah er an ihr vorbei
Sie stand da wie damals
und kaute Pommes Frites
doch ihm fiel nicht mehr ein
als ein dämlicher Witz
Was sie hatten war kurz
was sie hatten war flüchtig
der Ball rollt ins Tor
und der Jubel macht süchtig
David keins – Mandy eins
eine Chance verschenkt
doch wer fragt schon danach
es kommt nie wie man denkt
David keins – Mandy eins
vielleicht muss es so sein
doch sie schreien noch immer
für den gleichen Verein
Es ging gegen den Abstieg
der Schiri war blind
als sie zu ihm sagte:
Wir kriegen ein Kind
Doch er sagte: Nein
Das Spiel ging verloren
dritte Liga seitdem
und das Kind nicht geboren
Was sie hatten war kurz
was sie hatten war flüchtig
der Ball rollt ins Tor
und der Jubel macht süchtig
David keins – Mandy eins
eine Chance verschenkt
doch wer fragt schon danach
es kommt nie wie man denkt
David keins – Mandy eins
vielleicht muss es so sein
doch sie schreien noch immer
für den gleichen Verein
Der Tisch
Der Tisch ist alt
Kratzer im Furnier
Der Tisch ist alt
so wie wir
Leicht lassen die leeren Plätze sich zählen
die an jene erinnern die heute fehlen
Es blieben nur du und ich
und der Tisch
Von jenen die einst dort mit uns gegessen
haben wir manche niemals vergessen
und gehen erst du und ich
bleibt nur noch der Tisch
Der Tisch ist alt
an einer Ecke zersplittert
Auch wir sind alt
und längst verbittert
Einst war dieser Tisch
ein heimeliger Ort
für Fremde und Freunde
Sie sind längst alle fort
Wir sind einsam
doch der Tisch wird sich nicht einsam fühlen
wenn wir erst fort sind
zwischen all den Stühlen
Blinde Sterne
Stadteinwärts klebt ein Wolkenband
so dicht über den Dächern fest
dass es sich mit der bloßen Hand
beinahe schon berühren lässt
Ein warmer Wind fällt aus der Nacht
direkt herab in dein Gesicht
du hast ein Lächeln mitgebracht
und mehr verlangt mein Blick heut nicht
Du legst dein Ohr aufs Herz der Stadt
atmest die Wärme die sie hat
mit vollen Zügen gierig ein
um kurz ein Teil von ihr zu sein
Alles ist heut so sonderbar
nicht Traum und auch nicht wirklich wahr
und blinde Sterne tanzen sacht
im Mantel dieser Juli-Nacht
in deinem Haar - fast unsichtbar
Stadtauswärts sinkt der Mond ins Meer
treibt trunken auf den Wellen hin
die ganze Welt scheint still und leer
wenn ich so nahe bei dir bin
Ein Regentropfen schwimmt vorbei
und bettet sich in deinem Mund
dein Kuss lässt ihn behutsam frei
und er zerfließt ganz warm und bunt
Du legst dein Herz aufs Ohr der Stadt
ob sie dich wohl verstanden hat
und atmest ihre Schatten aus
denn du warst nie in ihr zuhaus
Alles ist heut so sonderbar
nicht Traum und auch nicht wirklich wahr
und blinde Sterne tanzen sacht
im Mantel dieser Juli-Nacht
in deinem Haar - fast unsichtbar
Die Heimgekehrten
Still seid ihr. Euch fehlen mehr als Worte.
Ihr saht Grauen und das Grauen bleibt
eine unheilvolle ewige Eskorte
die euch nun zurück ins Leben treibt.
Unablässig bringen lange Züge
euch aus der Vergessenheit zurück.
Noch scheint Hoffnung euch wie eine Lüge.
Ihr traut keinem mehr, auch nicht dem Glück.
Dann erblicken euch vertraute Augen.
Doch sie scheinen euch nicht mehr vertraut.
Ihre Liebe scheint euch aufzusaugen
doch geht euch nicht mehr unter die Haut.
Ihr hört nicht was rings um euch gesprochen.
Dabei nennt man euch „Vater“ und „Mann“.
Doch ihr bleibt für diese Welt zerbrochen
und seht verständnislos einander an.
Denn nur ihr seid euch wirklich geblieben.
Brüder wie es keine bessren gibt.
Und in euren Herzen steht geschrieben
ihr habt vergessen wie man andre liebt.
Die einst Lieben sind euch gleich geworden.
Nur der Kamerad ist es der zählt.
Ihr habt dort im eisig kalten Norden
ihn als letzten Halt für euch erwählt.
Treu bis in den Tod, so das Versprechen.
Eins das man mit Blut und Tränen schreibt.
Dieses Band wird niemand je zerbrechen.
Ihr seid die einzige Familie die euch bleibt.
Schwimmer
Es war damals am Kiesteich
ich hatte Sekt eingepackt
hab die Flasche geöffnet
da warst du schon nackt
und ich hätte diese Nacht
für nichts eingetauscht
wir waren so jung
und vom Leben berauscht
Du sprangst ins Wasser
ich sprang hinterher
über uns schien der Mond
manchmal braucht man nicht mehr
Und du sagtest zu mir:
„Wir sind Schwimmer
ganz egal was geschieht
für immer
Säuft die Welt auch ab
ich lass dich nie allein
hab keine Angst
ein Schwimmer zu sein“
Es war damals am Kiesteich
ich hab oft dran gedacht
an den zärtlichen Zauber
dieser traumhaften Nacht
doch im Leben kommt vieles
anders als man denkt
wir haben all dieses Glück
so sorglos verschenkt
Du sprangst ins Wasser
ich sprang hinterher
über uns schien der Mond
manchmal braucht man nicht mehr
Und du sagtest zu mir:
„Wir sind Schwimmer
ganz egal was geschieht
für immer
Säuft die Welt auch ab
ich lass dich nie allein
hab keine Angst
ein Schwimmer zu sein“
Manchmal komme ich heut
aus Gewohnheit noch her
es sieht hier aus wie früher
nur der Traum lebt nicht mehr
und wenn ich an dich denke
gesteh ich mir ein
Ich war nie mutig genug
um ein Schwimmer zu sein
Tragische Liebe in Moll
Er war ein Künstler dem es nicht behagte
ein Leben lang im Rampenlicht zu stehn
so kam es dass er sich der Welt versagte
um in die Einsamkeit zurück zu gehn
Sie war ne Dame der es nicht behagte
den Männern stets die Köpfe zu verdrehn
so kam es dass sie irgendwann verzagte
sie wollte diese Blicke nicht mehr sehn
Und ohne dass die beiden sich je trafen
landeten sie doch an dem gleichen Strand
und suchten dort nach ihrem Seelenhafen
wie schade dass man sich dabei nie fand
Eine tragische Liebe
auf einem fernen Atoll
sie spielte mit Muscheln
er spielte in Moll
Doch der Wind trug sein Lied
leider knapp ungefähr
einen Meter an ihr vorbei
und fort übers Meer
Er schwelgte stets in unerfüllten Träumen
und sehnte sich nach einem warmen Kuss
sie sah die Brandung wild und heiser schäumen
und schlürfte Milch aus einer Kokosnuss
Die beiden trennte nur ein Kilometer
zwei Klippen und ein urig dichter Wald
vielleicht trifft man sich früher oder später
oder man wird allein und einsam alt
Und selbst wenn sich die beiden niemals sehen
so haben sie doch für sich selbst entdeckt
die Liebe -und das mag wer will verstehen-
die sie nicht haben ist beinah perfekt
Treu
Es hockten zwei Mädchen im Heu
waren seit drei Jahren sich treu
doch damit ist es nun aus
die Soldaten kommen nach Haus
Vollrausch
Vollrausch ist ein Zustand
bei dem sieht man ganz klar
den Augenblick wo Hemingway
im Einklang mit dem Universum war
Man sieht Kerouac und Cassidy
und eine Welt die nicht kapiert
warum zum Teufel Jane Fonda
vor einem nordvietnamesischen Panzer posiert
Man sieht die Schiffe vor Ellis Island
und Oppenheimers tödliches Kind
und man stellt keine Fragen, denn Antworten
kennt niemand sonst als der Wind
Vollrausch ist der Zustand
als Gorbatschow erkannte
wie hell der Funken Freiheit
in Menschenherzen brannte
Man sieht Gorleben und Bitburg
und die Lager tief im Wald
den Kampf der deutschen Jugend
gegen Polizeigewalt
Man sieht die Whistleblower
im einsamen Exil
im Fadenkreuz der CIA
im ewig gleichen Todesspiel
Vollrausch ist ein Zustand
von Hawkings Definition der Zeit
von Schwarzen Löchern und dem Trip
in die Unendlichkeit
Vollrausch ist ein Zustand
wo ein Dichter manches schreibt
was ihn überdauert
selbst wenn es unverständlich bleibt
Weiterhin aufrecht und gegen den Wind
Weiterhin aufrecht und gegen den Wind
denn die Mutigen werden siegen
Wie die Mutter so auch das Kind
Wer träumen kann, kann auch fliegen
Weiterhin gegen Mauern laufen
denn keine Mauer der Welt hält euch stand
Ihr lasst euch nicht brechen, ihr lasst euch nicht kaufen
Ihr habt so viel Herz und so viel Verstand
Weiterhin nach den Sternen streben
denn dafür sind die Sterne gedacht
Jedes Leben ist ein besonderes Leben
wenn man es dazu macht
Schwül
Fünfundzwanzig Grad im Schatten
Zeit und Röcke viel zu knapp
so ein Business-Heini schleppt
bei Starbucks ne Lolita ab
Etwas weiter ist ne Demo
und das Zentrum deshalb dicht
jemand fragt mich nach dem Weg
aber ich mag Touristen nicht
Halb Deutschland wartet schon
um das Endspiel anzuschauen
und die andre Hälfte träumt davon
für immer abzuhauen
Es ist schwül in den Straßen
aber kalt in den Museen
und ich kenne tausend Gründe
nicht nach Haus zu gehn
doch egal wovon ich träume
und ganz gleich was ich auch tu
am Ende aller Lieder wartest du
Immer näher kommt der Abend
die Cafés sind überfüllt
und die Stadt in einen Schleier
aus Sushi eingehüllt
Politessen schieben Spätschicht
und ein Dampfer läuft auf Grund
jemand fragt nach einem Euro
ich hab zu viel Rauch im Mund
Halb Deutschland wartet schon
um das Endspiel anzuschauen
und die andre Hälfte träumt davon
für immer abzuhauen
Es ist schwül in den Straßen
aber kalt in den Museen
und ich kenne tausend Gründe
nicht nach Haus zu gehn
doch egal wovon ich träume
und ganz gleich was ich auch tu
am Ende aller Lieder wartest du
In den Parks rollen die Skateboards
fetten Tauben hinterher
und wenn man die Augen zumacht
glaubt man fast man wär am Meer
Es ist schwül in den Straßen
aber kalt in den Museen
und ich kenne tausend Gründe
nicht nach Haus zu gehn
doch egal wovon ich träume
und ganz gleich was ich auch tu
am Ende meiner Lieder wartest du
Herr Peters vom Postamt
Herr Peters vom Postamt
denn kenne ich gut
wenn wir uns sehen
packt mich gleich die Wut
Er steht arrogant
hinter dem Schalter
und ist saudumm
sogar für sein Alter
Er trägt die Mütze
tief in der Stirn
warum steht da nicht drauf:
„Vorsicht kein Hirn“?
Er zeigt lachend auf mich
und mein Paket
und auf die Uhr:
„Zu schwer und zu spät“
Herrn Peters vom Postamt
kann keiner leiden
sogar seine Olle
ließ sich von ihm scheiden
weil er sie stets wog
mit ernstem Gesicht
und dann immer befand:
„Leider Übergewicht“
Er hat ein Gesicht
zum Kinder erschrecken
und taugt grad dafür
Marken anzulecken
Wenn er sich bewegt
dann knirscht der Rost
doch wer bewegt sich
schon bei der Post?
Herrn Peters vom Postamt
kann keiner leiden
er ist von einem Postsack
nicht zu unterscheiden
Irgendwann werd ich
ganz furchtbar ausrasten
dann falte ich ihn
und steck ihn in den Kasten
Der Tod
Mancher befasst zu Lebzeiten sich
sehr ausgiebig mit dem Sterben
Er regelt seine Beerdigung schon
und den Nachlass für seine Erben
Er wählt schon Sarg und Friedhof aus
oft selbst die Grabesstelle
löst langsam seinen Hausrat auf
Regelt das Finanzielle
Der Tod kommt unerwartet oft
und lässt sich nie vermeiden
Der kluge Mensch also baut vor
und plant genau sein Scheiden
Ich sollte langsam gleiches tun
Doch tu ich es? Mitnichten
Ich vertröste den Tod so gut ich kann
mit neuerlichen Gedichten
Als ich?
Um 6 schlüpfe ich in die Uniform.
Von da an pausiert mein Leben.
Ich bin durchtrainiert. Durchaus in Form.
Doch darauf kann man hier nichts geben.
Der Kopf ist eine andere Sache.
Und nur auf den kommt es an.
Denn der Job den ich hier mache
ist etwas was nicht jeder kann.
Sie hocken in den Zellen wie Tiere.
Mancher sagt dass sie nichts anderes sind.
Es bringt nichts wenn ich derart sinniere.
Ich hab einen Flachmann im Spind.
Manchmal wollen sie nur sprechen.
Manche haben ja sonst keinen.
Ich seh einige von ihnen zerbrechen.
Doch ich darf nicht weinen.
Auch dieser Tag geht vorüber.
Acht Stunden dauert die Schicht.
Ein anderer Job wäre mir lieber.
Doch ich kündige nicht.
Sie hocken in den Zellen wie Tiere.
Vor solchen da fürchtet man sich.
Wie lang ich wohl noch funktioniere?
Sind solche wirklich anders als ich?
Bäckereigedanken
Jedes Mal beim Bäcker
wenn ich vor dem Tresen steh
überrascht mich all die Vielfalt
die ich dort versammelt seh
Graubrot, Weißbrot, Schwarzbrot
und manch anderes Gemisch
liegt ganz friedlich beieinander
im Regal und auf dem Tisch
Da kommt es mitunter vor
dass ich nur ergriffen schweig
und so bei mir denke:
Alles stammt vom selben Teig
Ob nun dunkel oder hell
oder apfeltaschenrot
warum sind wir Menschen
nicht wie Brot?
Ich stamme aus der Dunkelheit
Ich stamme aus der Dunkelheit
und bin ihr nie entronnen
ich habe bestenfalls
ein wenig Zeit gewonnen
und auch wenn ich mich sehnte
nach dem reinen Licht
hab ich immer gewusst
es gebührt mir nicht
Katholisches Mädchen
Ein goldener Schimmer berührt sanft ihr Haar
als wäre er von Gott gesandt
sie strich darüber mit ihrer Hand
als ob mein Gedanke nur Einbildung war
Sie liest in der Bibel und schaut nicht empor
als wäre sie dieser Welt nicht verbunden
wie gern flüsterte ich in ihr Ohr:
Endlich habe ich dich gefunden
Doch sie würde es nicht verstehen
denn alles woran sie glaubt
was ihr Frieden bringt und ihn mir raubt
lässt verschiedene Wege uns gehen
Altpapier
Je mehr ich von mir weiß
desto klarer wird die Lage
und ich rate meinem Anwalt
dass ich ihm nichts weiter sage
denn ich könnte ihn belasten
und ich würd mir nie verzeihn
würde er am jüngsten Tage
schuldiger als andre sein
Und die Briefe meiner Mutter
sind wie Butterbrotpapier
sie würd mir gern eine kleben
doch ich leb nicht mehr bei ihr
Es wird bald – es wird bald
ich werd bald furchtbar kalt
und die sieben Zwerge ziehen
deinen Glassarg durch den Wald
Ich bin hier – ich bin hier
ich kam nur wegen dir
aber du hast mich verschleudert
als wär ich nur Altpapier
Je mehr ich an dich denk
desto klarer wird die Lage
und ich sage meinem Richter
dass ich mich zunächst vertage
auf den übernächsten Montag
oder auf mein nächstes Leben
denn ich könnte nichts gestehen
sondern mich nur übergeben
Und die Briefe meiner Mutter
sind wie Butterbrotpapier
sie würd mir gern eine kleben
doch ich leb nicht mehr bei ihr
Es wird bald – es wird bald
ich werd bald furchtbar kalt
und die sieben Zwerge ziehen
deinen Glassarg durch den Wald
Ich bin hier – ich bin hier
ich kam nur wegen dir
aber du hast mich verschleudert
als wär ich nur Altpapier
Und der Prinz der dich nicht wachküsst
das bin immer wieder ich
erst seitdem du scheintot rumliegst
checkst du wohl: Ich liebte dich
Blasse Katzen in Chicago
In dem Eckhaus da wohnt Katja
Katja mit dem schwarzen Haar
und sie liebt den dicken Freddy
das geht nun schon fast ein Jahr
Ihre Oma ist echt sauer
und sagt: „Wem soll das was nutzen?
Freddy bringt es nie zu etwas
und am Ende gehst du putzen“
Und da ist der coole Carlos
er sieht aus wie ein Bandito
sagt er wär geflohn aus Cuba
doch ist aus Puerto Rico
An fast jedem Freitag Abend
spielt er vor in Lolas Bar
und sie sagt dann immer: „Sorry
doch aus dir wird nie ein Star“
Blasse Katzen in Chicago
und der Mond spuckt ständig flach
ein paar abgenutzte Träume
auf das nasse Wellblechdach
Und der Wind heult durch die Straßen
bis er auf sein Echo trifft
diese Nacht verlangt nach Liebe
doch ihr Kuss der schmeckt nach Gift
Harry hockt in seinem Chevy
und späht durch die trüben Scheiben
wartet dass hier etwas abgeht
will ne heiße Story schreiben
Doch die Freaks sind hier zu müde
heute geht kein Deal mehr klar
und das Warten ist so trostlos
wie sein ganzes Leben war
Julia linkt nen blöden Freier
klaut ihm ein paar grüne Scheine
und als er ihr dann ans Fell will
macht ihr Lover ihm schnell Beine
Dann kaufen sie Bier und Hot Dogs
und sehn kuschelnd MTV
ihre Hand auf seinen Muskeln
seine Hand auf ihrem Knie
Blasse Katzen in Chicago
und der Mond spuckt ständig flach
ein paar abgenutzte Träume
auf das nasse Wellblechdach
Und der Wind heult durch die Straßen
bis er auf sein Echo trifft
diese Nacht verlangt nach Liebe
doch ihr Kuss der schmeckt nach Gift
Eliteinternat
Da sitzen die „von“ und „zu“
alter Adel, vornehmes Geschlecht
Jedoch haben sie keine Manieren
und sie hören nicht oder nur schlecht
Sie gehören zur herrschenden Klasse
und bilden sich darauf etwas ein
Denen sollte man anderes lehren
als das Einmaleins und Latein
Die beschmutzen sich nicht ihre Hände
die versauen sich nur das Gemüt
Die stehn auf der Sonnenseite
wo das Glück ihnen unverdient blüht
Die stinken vor Geld und vor Hochmut
solch einer wird nie Hunger leiden
und bevor er sich die feinen Schuhe befleckt
die gewöhnlichen Gegenden meiden
Solch einer benimmt sich im Unterricht
als würde er dort residieren
und den armen Wicht der vor der Klasse steht
zur Belustigung dirigieren
Was man so einem ins Zeugnis schreibt
übers Betragen und übers Benehmen?
„Ich hab als Ihr Lehrer gründlich versagt,
denn Sie lernten es nicht sich zu schämen.“
Ich bring die Jungs zurück
Hemingway, ich und der Teufel
in einem Hohlraum der Zeit
pokerten um das Universum
und waren mächtig breit
Der Teufel hat natürlich betrogen
und Ernest Karten waren gezinkt
Ich hab nach drei Runden kapiert
dass ehrlich zu spielen nichts bringt
Der Teufel brachte Marylin Monroe
Ernest hat Gandhi gesetzt
Ich hatte nur noch meine Seele
und klar, die setzt man zuletzt
Die beste Karte auf Agent Orange
und dann hilft nur noch Glück
Ich hatte der Air Waitress versprochen:
Ich bring die Jungs zurück
Jim Morrison mit den wilden Augen
hatte damals noch kurze Haare
Ich sagte: „Janis ist für mich okay
aber ihm gebt noch ein paar Jahre“
Der Teufel war davon sehr amüsiert:
„Okay, das hast du nun davon
My Lay stand eh nicht mehr zur Debatte
also geht es ab jetzt um Saigon“
Ernest lachte: „Du bist so ein Arsch
das lass uns heut fröhlich begießen
doch bevor ich dir Iwo Jima lass
würd ich mich eher erschießen“
In der Zeit hin und her zu springen
war ein äußerst billiger Trick
doch ich hatte der Air Waitress versprochen:
Ich bring die Jungs zurück
Als die Postzusteller noch Briefträger hießen
Erinnerst du dich an die leidige Plage
an meine Geburt und die folgenden Tage?
Du hieltest Ted Herold für Rockmusik
zum Glück für dich machte das keiner publik
Hinterher ist man sowieso immer schlauer
egal ob nun Erhard oder ob Adenauer
es ließ sich nie übertünchen
nur Bauknecht weiß was Frauen wünschen
Ich hätt dir ein besseres Leben gegönnt
eines mit Symphonien und mit Happy-End
in einer Zeit wo die Väter die Mütter verließen
und die Postzusteller noch Briefträger hießen
Erinnerst du dich an die bohrenden Fragen
beim Versuch mich alleine durchs Leben zu tragen?
Ich hörte dich weinen in mancher Nacht
doch du hast trotzdem an meinem Bettchen gewacht
Hinterher ist man sowieso immer schlauer
und nichts im Leben ist jemals von Dauer
es ließ sich zu keiner Zeit übersehn
dein Stolz lehrte dich aufrecht zu gehn
Ich hätt dir ein besseres Leben gegönnt
eines mit Symphonien und mit Happy-End
in einer Zeit wo die Väter die Mütter verließen
und die Postzusteller noch Briefträger hießen
Die Seligen
Sie wissen nichts von Freude und von Qualen
sie scheinen wie in Watte eingepackt
wenn sie sich selbst für Psychologen malen
sind sie ohne Gesichter und stets nackt
Sie sehen sich nicht selbst als Existenzen
sie sehen sich als bloßen Sonnenschein
sie kennen keine Regeln, keine Grenzen
ihr Sinn liegt einfach im Vorhandensein
Die Wissenschaft strebt stets nach dem Konformen
da fühlt sie sich in ihrem Element
sie scheut das Selbstverständnis der Abnormen
und fürchtet alles das was sie nicht kennt
Der Wind
Der Wind geht über das Land bei Tag
vom Alpenrand bis zur Nordseeküste
vom Oderbruch bis zum Kohlenpott
kein Ort von dem er nicht alles wüsste
der Wind geht über das Land bei Tag
Über Straßenschluchten und Schienenstränge
ländliche Weite und städtische Enge
über Wolkenkratzer und über Ruinen
und Menschen die ihr täglich Brot verdienen
Über Bosse und Bettler, über jung, über alt
über blühende Hoffnung und nackte Gewalt
über Grenzen und Gräben, über Nehmen und Geben
über Angst und Mut, über Sterben und Leben
Manchmal ist es ein warmer Wind
der uns zeigt wie lebendig wir sind
der uns Trost gibt in schwieriger Zeit
ein Rückenwind der uns sanft vorwärts treibt
manchmal ist es ein warmer Wind
der über das Land geht bei Tag
Der Wind geht über das Land bei Nacht
von Lichtenburg bis Buchenwald
von Bergen-Belsen bis Dachau
ein schneidender Wind, grausam und kalt
der Wind geht über das Land bei Nacht
Über Friedhöfe, Denkmäler, Stacheldraht
über Panzer, Kanonen, den Bundestag
über Witwen, Waisen und Kriegsgewinnler
Politiker, Börsenmakler und Schwindler
Über Opfer, Verbrecher, Missgunst und Neid
über Intoleranz und Ungerechtigkeit
über Grenzen und Gräben, über Nehmen und Geben
über Angst und Mut, über Sterben und Leben
Manchmal ist es ein kalter Wind
der uns zeigt wie zerbrechlich wir sind
der uns Angst macht in schwieriger Zeit
ein Totenwind der uns ins Verderben treibt
manchmal ist es ein kalter Wind
der über das Land geht bei Nacht
Dem Freund der sich dem Wein ergeben
Der Freund der sich dem Wein ergeben
weil seine Liebste ihn verstieß
genießt seitdem das süße Leben
schuf sich sein eignes Paradies
Ihn lockt der Nektar reifer Reben
beständig ohne Unterlass
wo andre einen Becher heben
da leert er gleich ein ganzes Fass
Dem Freund der sich dem Wein ergeben
dem spend ich Beifall und nicht Trost
beneid ihn um sein hehres Streben
und sage ihm von Herzen: Prost
Brief, 1942
Gretchen, was soll ich dir schreiben?
Die Tage hier sind bitterkalt
Doch sie sagen wir müssen noch bleiben
Ich hoffe der Nachschub kommt bald
Zwei Finger sind mir erfroren
so fällt mir das Schreiben recht schwer
Ich hab mein Zeitgefühl längst verloren
und aß schon seit langem nichts mehr
Der Gustav sprach nur noch von zuhause
und von seiner Frau sprach er auch
Gestern nach der Feuerpause
da schoss man ihm in den Bauch
Wir können ihn nicht mal begraben
dafür ist der Boden zu hart
Frag nicht, ob wir noch Hoffnung haben
Du Gretchen, ich hab was gespart
So kommst du über die Runden
falls ich nicht….ach Gretchen, du weißt
und hast du einen Sohn mir entbunden
wär mir lieb wenn er Gustav heißt
Jeder halbe
Wieder mal zu viel getrunken
ein paar Nächte rumgetrieben
und mein T-Shirt hat gestunken
habe kaum ein Wort geschrieben
Alle reden von Poeten
ich komm grad mal bis zum Po
und kann dann nur beten
du siehst es ebenso
Bestenfalls kannst du es ahnen
schlimmstenfalls wirst du es wissen
ich will weiter nichts als dich zu küssen
Jeder halbe, jeder volle
jeder noch so dumme Mond
wirft sein Licht in dieses eine Fenster
wo meine Liebe wohnt
Jedes leise, jedes laute
jedes noch so dumme Wort
ruft dir durch die Nacht zu:
Geh nicht fort
Wieder mal zu viel vergessen
wieder ohne jeden Halt
Träume in der Nacht vermessen
in gestohlener Gestalt
Alle reden von der Liebe
nur ich rede sie mir aus
all die wundervollen Diebe
lauern stets vor deinem Haus
Bestenfalls kannst du es ahnen
schlimmstenfalls wirst du es wissen
sie wollen weiter nichts als dich zu küssen
Jeder halbe, jeder volle
jeder noch so dumme Mond
wirft sein Licht in dieses eine Fenster
wo meine Liebe wohnt
Jedes leise, jedes laute
jedes noch so dumme Wort
ruft dir durch die Nacht zu:
Geh nicht fort
Die perfekte Mami
Die perfekte Mami war so müde
Nun parkt Polizei vorm Reihenhaus
Passend dazu ist das Wetter trübe
Und der Hund sieht sehr betreten aus
Sehr betreten wurde auch der schöne Rasen
Nun muss sich ja Mami nicht mehr mühn
Drinnen aß man gestern Falschen Hasen
Draußen ducken echte sich im Grün
Schwer genervt erscheint nun auch der Gatte
Nimmt die armen Kinder in den Arm
Schimpft weil Mami sie vergessen hatte
So etwas nennt man im Zweifel Charme
Mami liegt noch immer in der Wanne
Und der Badeschaum ist herrlich rot
Duftet mehr metallisch als nach Tanne
Nun ist Mami nicht mehr müde sondern tot
Der weite Blick
Inmitten der skeptischen Landschaft
verirrte sich mein fragender Blick
schloss mit den Schwalben Bekanntschaft
und kam nie mehr zur Erde zurück
Alte Helden
All unsere kostbaren Helden
seit Jahren in Watte gepackt
Sie haben nichts mehr zu melden
Irgendwann werden sie abgewrackt
Es ist nicht leicht das zu schreiben
schließlich waren sie mal etwas wert
Könnten Helden doch nur Helden bleiben
die Welt wär nicht ganz so verkehrt
Vom stolzen Schwan zur lahmen Ente
das ist so was von unsympathisch
Idole schickt man nicht einfach auf Rente
ihr Abgang sei bitte dramatisch
Ihre Poster haben mal Wände geziert
jetzt sind sie nur klappernde Knochen
Es ist frustrierend wenn man kapiert
dass auch sie nur mit Wasser kochen
Alte Helden, muss man leider sagen,
sind in der Hauptsache alt
Diese Last wollen wir nicht mehr tragen
besser sie sterben bald
Frieden in Fertighäusern
Eine Faust knallt aus den Wolken
volle Pulle auf die Stadt
haut mit ungebremster Power
all die Scheiße einfach platt
Ach das wäre richtig prima
hab ich so bei mir gedacht
immer wenn ich diesen Traum hab
wie zum Beispiel letzte Nacht
Aber da uns Gott ja mag
schenkt er uns nur jeden Tag:
Frieden in Fertighäusern
für seinen Ameisenstamm
Frieden in Fertighäusern
für den Wolf und das Lamm
Frieden in Fertighäusern
für Mutter und Kind
Frieden für alle
egal wie fertig sie sind
Schluck die bunten Pillen
es ist Gottes Wille
darfst die Heiden killen
es ist Gottes Wille
Schufte viel und gern
und sieh abends fern
leb in Angst und Stille
es ist Gottes Wille
Eine Faust knallt aus den Wolken
und ich glaub es beinah kaum
dieses Mal da ist sie wirklich
größer noch als in dem Traum
Und sie schlägt mir in die Fresse
während eine Stimme spricht
"Kritik mein Sohn - das merke dir
verträgt der Schöpfer nicht"
Schließlich schenkt er jeden Tag
nicht nur denen die er mag:
Frieden in Fertighäusern
für seinen Ameisenstamm
Frieden in Fertighäusern
für den Wolf und das Lamm
Frieden in Fertighäusern
für Mutter und Kind
Frieden für alle
bis sie mit ihm fertig sind
Mich fragt ja keiner
Die offenen Grenzen
das Problem mit dem Klima
die traurige Trennung
von Brad und Angelina
Das Ebola-Virus
die Rechtsextremen
und das Verlangen
sich für Deutschland zu schämen
Mich fragt ja keiner
was ich dazu sage
Das einzige was stabil ist
ist die Seitenlage
Mich fragt ja keiner
dabei würde ich wissen
manchmal muss man wollen
manchmal muss man müssen
Selbstmordattentäter
sexistische Präsidenten
und der verdammte Betrug
mit den Löhnen und Renten
Die Gender-Debatte
die Massentierhaltung
die Ratlosigkeit
bei der Freizeitgestaltung
Mich fragt ja keiner
was ich dazu sage
Das einzige was stabil ist
ist die Seitenlage
Mich fragt ja keiner
dabei würde ich wissen
manchmal muss man wollen
manchmal muss man müssen
Der Friedensnobelpreis
das Verbot der Vermummung
die Springer-Presse
und die Volksverdummung
Mich fragt ja keiner
doch würd man mich fragen
hätte ich eine Menge
dazu zu sagen
Leichenhund ist der totale Scheißjob
Der Kreislauf spinnt – das Herz pumpt schneller
wann immer jemand vor der Haustür steht
Wer möchte da ernsthaft behaupten
dass das Leben einfach weitergeht?
Es sind schon zweiundzwanzig Wochen
da hat man sie zuletzt gesehn
Sie trug ihr neues Shirt von Nike
und wollte noch kurz shoppen gehn
Leichenhund ist der totale Scheißjob
das möchte man nicht ums Verrecken sein
Solange man versagt ist alles gut
doch es wird schlimm stellt der Erfolg sich ein
Schlagzeilen werden schnell vergessen
wo es doch täglich immer neue gibt
und was zu sagen war ist längst gesagt
„Komm doch zurück, Du weißt Du wirst geliebt“
Man deckt den Tisch noch so wie früher
Ihr Kinderzimmer wurde zu einem Schrein
Solange Ungewissheit vorherrscht
stellt sich noch kein Gefühl der Trauer ein
Leichenhund ist der totale Scheißjob
das möchte man nicht ums Verrecken sein
Solange man versagt ist alles gut
doch es wird schlimm stellt der Erfolg sich ein
Gutes Betragen
So mancher Dummkopf den ich kannte
(es hat da einige gegeben)
kam dann doch dank einer Konstante
sorgenfrei durchs Pennälerleben
War auch manch Mangel recht ersichtlich
zum Beispiel fehlende Kultur
wurde es dennoch nie gerichtlich
Der Schuldirektor feixte nur
Talent hat niemand ohne Ende
vom Fleiß muss man wohl gleiches sagen
doch eine elterliche Spende
ermöglicht doch „Gutes Betragen“
So manchen Dummkopf den ich kannte
hab aus den Augen ich verloren
doch wenn man ihre Namen nannte
waren sie mindestens Doktoren
Heut hat man dich der Erde übergeben
Heut hat man dich der Erde übergeben
den letzten Weg gehst du nun ganz allein
Ich könnte fragen: Wie viel wiegt ein Leben?
Oder auch: Soll das wirklich alles sein?
Ich sollte wie die andren eifrig klagen
Vereint in Trauer brechen sie das Brot
Ich hatte dir im Leben nichts zu sagen
Also erwarte es auch nicht im Tod
Der Rechenkünstler
Er saß im Tanzsaal und zählte die Beine
und dividierte sie dann durch seine
das machte er beinah jede Nacht
es hat keinem etwas ausgemacht
Das hüpfende Volk war ihm nicht böse
denn er wirkte äußerst seriöse
und wenn er sprach dann sehr gewählt
aber lieber hat er gezählt
So schlug er ohne Eile und Not
die Zeit - so gut er es konnte - tot
nur sein Zuhaus schien ihn zu deprimieren
denn da ließ er sich nicht subtrahieren
Das fromme Zimmer
Das fromme Zimmer
verlangt dass ich bete
da sind Kruzifixe
auf der Tapete
und wenn man es nicht tut
dann macht man sich Feinde
denn dieses Zimmer
bezahlt die Gemeinde