Das Kinderbett
Es war aus gutem Holz gemacht
so wie die deutschen Eichen sind
der Schreiner hat‘s vorbeigebracht
nun fehlte einzig noch das Kind
Da stand es nun so wunderbar
und hatte schon ein Kissen
es zog ins Land so manches Jahr
man tat das Kind vermissen
Es mühten sich die Eltern zwar
bis zur Besessenheit
der Doktor dem nicht bange war
sprach: Es braucht seine Zeit
Zehn feine Deckchen schon gehäkelt
manche in rosa, manche blau
doch seine Sippschaft hat gemäkelt:
Da stimmt doch was nicht mit der Frau
Nach fünfzehn Jahren hat man schließlich
das Kinderbett endlich zersägt
und seine Teile höchst verdrießlich
bei all dem Brennholz abgelegt
Bei mir brauchst du keinen Namen
Ich habe sie alle gesehen
den Pöbel, die Elite, die Masse
ich kannte die meisten von ihnen
von jeder Art Herkunft und Klasse
Die die sich vornehm versagten
die mit der Angst im Gesicht
die die wenn es hart kam verzagten
die die nur sprachen von Pflicht
Ich kannte sie alle
ob arm oder reich
im Mantel der Nacht
sind sie gleich ....alle gleich
Bei mir brauchst du keinen Namen
keinen Pass, keinen Bürgen, kein Geld
keine Lügen, keinen Stolz, keine Dramen
du brauchst nur Liebe in meiner Welt
Bei mir brauchst du keine Worte
keinen Ring, kein Versprechen, kein Pfand
denn trittst du erst durch diese Pforte
wird dein wahres Wesen erkannt
Ich habe sie alle gesehen
die Herrscher, die Sklaven, die Narren
beim Versuch sich vor mir zu maskieren
und die Wahrheit im Sand zu verscharren
Die die sich eitel bestaunten
die mit der Macht im Genick
die die nur Phrasen posaunten
die die geflohen vom Strick
Ich kannte sie alle
ob arm oder reich
im Mantel der Nacht
sind sie gleich ....alle gleich
Bei mir brauchst du keinen Namen
keinen Pass, keinen Bürgen, kein Geld
keine Lügen, keinen Stolz, keine Dramen
du brauchst nur Liebe in meiner Welt
Bei mir brauchst du keine Worte
keinen Ring, kein Versprechen, kein Pfand
denn trittst du erst durch diese Pforte
wird dein wahres Wesen erkannt
Sie lacht nur an Tagen mit "M"
Am Montag strahlt sie wie die Sonne
am Dienstag ist sie kalt wie Schnee
am Mittwoch da ist sie dein Engel
und Donnerstag tut sie dir weh
Vom Rest der Woche mal gar nicht zu sprechen
da könnte ihr Blick sogar Steine zerbrechen
Sie lacht nur an Tagen mit "M"
deshalb hält man sie für plemm-plemm
dabei teilt sie sich nur
beinah strikt nach der Uhr
ihre Fröhlichkeit ein
das ist ihre Natur
Am Montag scheint sie dich zu mögen
am Dienstag gefriert ihr Gesicht
am Mittwoch schenkt sie dir den Himmel
und Donnerstag kennt sie dich nicht
Vom Rest der Woche mal gar nicht zu sprechen
da könnte ihr Blick sogar Steine zerbrechen
Sie lacht nur an Tagen mit "M"
deshalb hält man sie für plemm-plemm
dabei teilt sie sich nur
beinah strikt nach der Uhr
ihre Fröhlichkeit ein
das ist ihre Natur
Was hat man nicht versucht aus mir zu machen?
Was hat man nicht versucht aus mir zu machen?
Es zu beschreiben fehlt mir Muße und Papier
Man könnte Bücher füllen und dann lachen
denn es steht immer noch derselbe hier
Ich weiß noch gut wie leid sich jene taten
denen ihr Scheitern an die Nieren ging
die Lehrer, Bosse und die Bürokraten
denn ich mach immer noch mein eignes Ding
Ich pfeif auf ihre Regeln und Verträge
und ihre Sicht von Anstand und Moral
und ganz egal zu wem ich mich auch lege
das bleibt auch weiterhin nur meine Wahl
Was hat man nicht versucht aus mir zu machen?
Sich dabei übernommen und verschätzt
Ich werd mich auch in Zukunft selbst bewachen
egal wie sehr das ihren Stolz verletzt
Welch List auch immer sie derweil ersannen
ich fall nicht mal auf Schmeicheleien rein
Ich lasse mich vor keinen Karren spannen
sollen doch andre ihre Ochsen sein
Ich liebe, leide, bete und ich fluche
manches zu wenig und manches zu sehr
doch ganz gleich ob ich finde was ich suche
ich gebe meine Freiheit niemals her
Was hat man nicht versucht aus mir zu machen?
Es zu beschreiben fehlt mir Muße und Papier
man könnte Bücher füllen und dann lachen
denn es steht immer noch derselbe hier
Sperren Sie die Ohren auf
Sperren Sie die Ohren auf
lauschen Sie dem Schweigen
weniger ist nun mal mehr
ich werd’s Ihnen zeigen
Keine Lyrik die verquast
schreit nach Fragezeichen
ohne Filter ist das Hirn
leichter zu erreichen
Keine noch so kleinen Zweifel
an des Künstlers Intention
sperren Sie die Ohren auf
hören Sie es schon?
Ungehemmt vom Wortschwall
nur den Kopf leicht neigen
das ist Kunst die greifbar ist
teilen Sie mein Schweigen
Meine Damen, meine Herren
Sie sind ergriffen wie ich seh
am Ausgang gibt‘s für 15.90
mein Schweigen auf CD
Verarmte Neureiche
Sie haben einen Ruf noch zu verlieren
ansonsten aber sind die Taschen leer
Gerichtsvollzieher kommen abkassieren
doch finden keine Puseratze mehr
Kein Geld mehr für die Universitäten
so dass manch Sohn doch sehr verwundert schaut
und auch manch Tochter wirkt nun sehr betreten
sie taugt im besten Falle noch als Braut
So schreibt das Schicksal munter seine Dramen
und schert sich nicht um Tränen oder Tadel
wären sie wenigstens von altem Adel
dann hätten sie noch ihren guten Namen
Noch gestern wähnten sie sich gleich den Fürsten
und ahnten nichts vom nahenden Verdruss
der Kaviar wich längst den Aldi-Würsten
und statt Mercedes fährt man nur noch Bus
Der Steinway-Flügel harrt schon der Auktionen
die Mademoiselle ist nicht mehr manikürt
bald wird man wohl im Gartenhäuschen wohnen
und ist dann nur noch bourgeois-deprimiert
So schreibt das Schicksal munter seine Dramen
und schert sich nicht um Tränen oder Tadel
wären sie wenigstens von altem Adel
dann hätten sie noch ihren guten Namen
Verjährt
Amtlich lugt der Bescheid aus dem Umschlag.
Schwarz auf weiß steht dort wie es ist.
Ein Siegelabdruck klebt in der Ecke.
Und als Belehrung: Zwei Wochen Frist.
Zwei Wochen Frist um mich zu beweisen.
Danach sind alle Fragen geklärt.
Ich fand den Brief leider erst heute.
Das bedeutet: Ich bin längst verjährt.
Pazifisten
Die Hände bequem in Unschuld gewaschen
lügt ihr euch eifrig in die eigenen Taschen
und um die Welt vor dem Unrecht zu retten
fällt euch nicht mehr ein als Lichterketten
Ihr singt eure Lieder, fasst euch an den Händen
als ließe ein Krieg sich damit beenden
und ihr werdet euren Kindern eure Weltsicht vererben:
Seht einfach zu wenn Menschen sterben
Ihr lebt in Sicherheit und werdet alt
Doch gegen Gewalt hilft nur Gewalt
Wann werdet ihr es endlich sehn?
Das ist die einzige Sprache die sie verstehn
Missy
Missy trägt ein Kleid aus Flicken
ihre Oma hat’s genäht
Mutter ruft zum Abendessen
denn es ist schon ziemlich spät
Missy ist neun Jahre
und wenn sie schlechte Träume hat
liegt es an dem dumpfen Hass
der sich breitmacht in der Stadt
Missy hat gelernt den Blick zu senken
und sich stets zu ducken
Sie bricht längst nicht mehr in Tränen aus
wenn sie die Jungs bespucken
Missy ist zwölf Jahre
und sie weiß wie man sie nennt
Sie kennt die weißen Masken
und weiß wie ein Holzkreuz brennt
Missy sitzt allein
im Dämmerlicht auf der Veranda
Als Martin Luther King starb
brach ihr Leben auseinander
denn mit ihm wurde zugleich
der große Traum begraben
dass sie und ihre Leute
eine eigne Stimme haben
Missy ist jetzt zwanzig
und sie wird die Stadt verlassen
denn sie ist zu klug
um ihre Chance zu verpassen
und als sie am Busdepot
mit ihrer Tasche steht
ist ihr jeder Bus recht
wenn es nur nach Norden geht
Kavaliersdelikt
Im Dritten Reich die Juden verpfiffen
weil „so schlimm das ja schließlich nicht wäre“
später zur Stasi dann emigriert
so etwas nennt man Karriere
Der krisensicherste Job
nicht nur in unserem Land
Kinder, fragt mal nach einem Praktikum
Berufsbezeichnung: Denunziant
Alter Freund
Tod
so vertraut erscheinst du mir
du hast ein offenes Gesicht
wie seltsam dass nur ich verstehe :
Nicht Schatten bist du
sondern Licht
Eine sehr zersägte Dame
Er stand auf der Bühne
und sah tief in ihre Augen
da blieb ihr nichts weiter übrig
als an seine Kunst zu glauben
deshalb stieg sie in den Kasten
und es wurde applaudiert
niemals hätte sie gedacht
dass grade ihr so was passiert
Was im Fernsehen gut geht
klappt bestimmt auch live
dachte sie im Kasten
regungslos und steif
Heute ist sie schlauer
denn solch Zeitvertreib
trennt den Oberkörper
oft vom Unterleib
Eine sehr zersägte Dame
die dem Magier nie vergisst
dass sie nicht mehr weiß
was ihre bessre Hälfte ist
fühlt sich so zerteilt
und irgendwie entzwei
Scheiß – Zauberei
Es wächst in mir
Es wächst in mir ein Klagen fremder Stimmen
durchdringt mich und ist heiß und nass vor Gier
als wäre ich kein Mensch sondern ein Tier
ein Tier dazu bestimmt im Blut zu schwimmen
Es wächst in mir ein Durst so dass mein Willen
sich unterwirft kaum dass es nur gedacht
ein Durst, zu groß um ihn jemals zu stillen
der mich allzeit zu einem Sklaven macht
Es wächst in mir die Ahnung von Bedeutung
wie ein Geschwür macht sie sich in mir breit
und fordert unablässig meine Häutung
als Vorbereitung auf die Ewigkeit
Es wächst in mir das Wissen um Umnachtung
ich spür dass meine Seele heftig krankt
ein Mann der solchermaßen wankt und schwankt
verdient nicht mehr als nur schiere Verachtung
Die Traurigkeit der Ozeane
Die Traurigkeit der Ozeane
wurde manches Mal schon besungen
Vornehmlich von Buckelwalen
Schöner hat kein Lied je geklungen
Doch so sehr es die Menschen bezaubert
die Botschaft wird ignoriert
Sie vergiften weiter die Meere
Ob ein Buckelwal das kapiert?
Aas
Ich bin das Aas
das man vergaß
das nun zum Himmel stinkt
im Sand von toten Wüsten
wo nie ein Vogel singt
Ich bin das Fell der Robben
noch frisch und blutgetränkt
das weggeworfne Herz
an das man nicht mehr denkt
In einem Meer der Tränen
der ölverschmierte Wal
den es nach oben treibt
zum allerletzten Mal
Ich bin das Schwein im Viehtransport
blind weggekarrt von Ort zu Ort
ganz wundgerieben hab ich kaum
einen halben Meter Lebensraum
Ich bin der stumme Schrei der Welt
der letzte Elefant der fällt
das Blut das sinnlos man vergießt
das Reh das irgendwer erschießt
Die Katze im Versuchslabor
mit Eiteraugen – Blut im Ohr
geröstet mit zweitausend Volt
Hat Gott das alles wohl gewollt ?
Ich bin das Aas
das man vergaß
das nun zum Himmel stinkt
ich bin das Opfer dem der Henker
niemals wirklich Frieden bringt
Friederike
Friederike hat so kleine Füße
Friederike läuft meist ohne Schuh
Friederike bringt der Oma Grüße
Friederike hört den Vögeln zu
Friederike liebt den Sommerregen
Friederike liegt so gern im Gras
Friederike trödelt auf den Wegen
Friederike malt Bilder auf Glas
Friederike ist voll Gottvertrauen
Friederike hat so langes Haar
Friederike ist schön anzuschauen
Friederike tanzt ganz wunderbar
Friederike wurd im Wald gefunden
Friederike war ganz starr und kalt
Friederikes Körper war voll Wunden
sie wurde nur sieben Jahre alt
Echt jetzt, Franky?
Echt jetzt, Franky?
Alles auf die Zehn?
Der Gaul sieht aus wie Ingrid.
Der kann ja kaum noch stehn.
Echt jetzt, Franky?
Wieder zu Fuß nach Haus?
Halt dich das nächste Mal
aus meinen Wetten raus.
Echt jetzt, Franky?
An den Ballermann?
Da gibt es mehr zu saufen
als ich schlucken kann.
Echt jetzt, Franky?
Ein Dreier mit Mareike?
Ich bin wirklich nicht prüde.
Aber trotzdem: Ich streike.
Echt jetzt, Franky?
Du lässt mich im Stich?
Ziehst nach Brandenburg?
Was mach ich ohne Dich?
Der Glockenschlag
Der Glockenschlag mahnt ungeduldig:
Beachte Mensch, die Zeit vergeht
So also bleibe dir nichts schuldig
Denn irgendwann ist es zu spät
Fest eingepasst ins Weltgefüge
verweilt man ohne jeden Wert
als hätt man Zeit noch zur Genüge
doch wer so denkt, der lebt verkehrt
Die Zeit zieht ständig ihre Kreise
und geht fast unbemerkt dahin
auf diese oder jene Weise
Darin liegt weder Zweck noch Sinn
Der Glockenschlag mahnt ungeduldig:
Erwache Mensch und tritt ins Leben
Nichts anderes bist du dir schuldig
als dich der Zeit nicht zu ergeben
Auf der Suche nach einem Gedanken
Sie ist zweiundzwanzig und läuft im Park rum
mit ihrem Hund in einer eiskalten Nacht
sie ist auf der Suche nach einem Gedanken
ich hätt ihn so gerne für sie gedacht
Am Arbeiterdenkmal nimmt sie ein Streichholz
und verbrennt heulend ein Stück Papier
letzte Woche war jemand an ihrer Seite
nun läuft nur noch der Hund neben ihr
Es ist ihre Geschichte die mich auch nichts angeht
ich halte mich besser aus allem heraus
ich bin auf der Suche nach einem Gedanken
und nehme fremde Probleme nicht gern mit nach Haus
Am Arbeiterdenkmal rauch ich eine Kippe
auf dem Boden liegt ein Stück Papier
ich kann ein paar Worte darauf noch lesen
und teil die Wut und Verzweiflung mit ihr
Ich kenne das alles aus eigner Erfahrung
ich weiß was sie durchmacht – es ist nicht leicht
wir sind auf der Suche nach einem Gedanken
einen Grund der uns zum Weitergehn reicht
Ich hab dich losgelassen
Ich hab Dich losgelassen
es hat mir nicht gepasst
es ist noch schwer zu fassen
dass du eigne Flügel hast
Dass sie dich weiter tragen
als ich jemals gedacht
ich kann dazu nur sagen:
Fein gemacht
Wie gut sie dir doch passen
du liegst so leicht im Wind
ich hab Dich losgelassen
doch du bleibst stets mein Kind
Für Melanie
Besoffne Elfe
Montag früh im Herz der City
haucht sie Lippenstiftgraffiti
auf die Burger King Reklame
und lallt: "Wie war doch mein Name ?"
Schnappte sich ein paar Passanten
die in Richtung U-Bahn rannten
und die Augen sanft und groß
fragen: "Ey ist hier nichts los ?"
Blonder Blick zu schwer zum Fliegen
kleines Herz zu müd zum gehn
ihre Beine wollen tanzen
- wird sie je den Frühling sehn?
Du nur du besoffne Elfe
siehst den Mond im Rinnstein scheinen
wenn in den zerbrochnen Stunden
tausend Engel um dich weinen
Du nur du besoffne Elfe
tanzt dann barfuß in den Pfützen
um die Tränen dieser Engel
vor der kalten Welt zu schützen
Montag früh im Staub der Straßen
wo die Sterne sie vergaßen
hoffte sie dass man ihr zeigt
wo hier noch ne Party steigt
Und sie wollte nicht kapieren
warum alle resignieren
wenn sie ganz verträumt und still
Fremde einfach küssen will
Blonder Blick zu schwer zum Fliegen
kleines Herz zu müd zum gehn
ihre Beine wollen tanzen
- wird sie je den Frühling sehn?
Du nur du besoffne Elfe
siehst den Mond im Rinnstein scheinen
wenn in den zerbrochnen Stunden
tausend Engel um dich weinen
Du nur du besoffne Elfe
tanzt dann barfuß in den Pfützen
um die Tränen dieser Engel
vor der kalten Welt zu schützen
Übers Impfen
Man kann die Menschen leicht überzeugen
Krankheiten besser schnell vorzubeugen
Ob Masern, ob Mumps oder ob Diphterie
das Gesundheitswesen versagt wirklich nie
Mag ja sein, das Volk ist grundsätzlich gesund
trotzdem gibt es noch einen guten Grund
auf Biologen und Ärzte zu schimpfen:
Fangt endlich an es gegen Dummheit zu impfen
Das Haus
Wer dort lebt der ist verbittert.
Doch er spricht das nie laut aus.
Alle Fenster sind vergittert.
Raben kreisen um das Haus.
Hier stirbt jedes Kinderlachen.
Man weiß nichts vom Sonnenlicht.
Draußen sieht man viele Wachen.
Ihre Opfer sieht man nicht.
Denn die kommen und die gehen.
Nichts als Namen auf Papier.
Nicht gelebt sondern geschehen.
Auch ich war einmal hier.
Doch es gibt nichts zu bezeugen.
Nur eins weiß ich gewiss:
Ich ertrag das Schweigen
doch nicht die Düsternis.
In mir.
Herrenclub
Dies ist ein Club für Herren.
Frauen sperren wir aus.
Sollen sie nörgeln und plärren.
Frauen gehören ins Haus.
Da können sie kochen und putzen.
Und tun was ihnen sonst noch gefällt.
Hier wären sie ohne Nutzen.
Wir lösen die Probleme der Welt.
Für Frauen kann das nichts sein.
Die wissen nichts von fernen Ländern.
Die denken grundsätzlich klein.
Und daran wird sich nichts ändern.
Politik ist ein weites Feld.
Da sind Frauen intolerabel.
Wir lösen die Probleme der Welt.
Wenn auch nur mit dem Schnabel.
Eine junge Frau spart sich auf
Nur keinen Sex vor der Ehe.
Manch einen mag das wohl wundern.
Während ich es verstehe.
Ein Goldfisch unter Flundern.
Freundlicher Nachruf
Herr M. ist jüngst verschieden
Die Morgenpost hat’s gebracht
Ich las die Traueranzeige
und habe pietätlos gelacht
Ein treusorgender Vater?
Ein liebender Ehemann?
Herr M. ist wirklich der letzte
von dem man das sagen kann
Die Witwe sollte jubilieren
die Kinder rundum glücklich sein
Was Herr M. tat in einem Leben
ist in hundert Leben nicht zu verzeihn
Blutkörperchen in Fußgängerzonen
Blutkörperchen in Fußgängerzonen
meiden den schmutzigen Schnee
Sie möchten in solchen Städten nicht wohnen
Sie gehn dort nur mal ins Café
Sie lassen sich nur ungern bestaunen
und verstecken sich oft auf dem Klo
Man hört die Leute dann irritiert raunen:
Blutkörperchen haben kein Niveau
Doch dieser Eindruck verfliegt mal eben
wenigstens beim Personal
wenn sie dann reichlich Trinkgeld geben
dabei denken sie sich: Scheißegal
Denn Blutkörperchen sind äußerst spendabel
sie gäben ihr letztes Hemd
Diese Einstellung ist äußerst passabel
nur sind Hemden ihnen ganz fremd
Aber das sind doch nur Kleinigkeiten
und der Erwähnung nicht wert
Man sollte darüber nun wahrhaft nicht streiten
denn Blutkörperchen finden Streit voll verkehrt
Sie haben Interesse an anderen Dingen
das liegt ihnen sozusagen im Blut
Sie schunkeln, sie tanzen, sie springen und singen
Ich find Blutkörperchen einfach unheimlich gut
Sebastian
In Frauenkleidern vor dem Spiegel
und alles andre als dezent geschminkt
du hast gewusst wenn Vater dich erwischt
dass dir eine Tracht Prügel winkt
Sebastian
Spießrutenlaufen überall
schon damals in der Schule
Da kommt die Tunte, kommt die Schwuchtel
kommt dieser gottverdammte Schwule
Es ändern sich die Zeiten
aber die Menschen nicht
geh aufrecht und gib nicht klein bei
zeig ihnen dein Gesicht
Zeig ihnen dein schönes Gesicht
Sebastian
Gott liebt all seine Kinder
doch der Pastor hat dich verflucht
dabei hast du doch nichts getan
nur deinen eignen Weg gesucht
Sebastian
Spießrutenlaufen überall
auch später in der Lehre
du hast nie eine Chance gehabt
schon gar nicht eine faire
Es ändern sich die Zeiten
aber die Menschen nicht
geh aufrecht und gib nicht klein bei
zeig ihnen dein Gesicht
Zeig ihnen dein schönes Gesicht
Sebastian
Und selbst jetzt wo dich jemand liebt
wo es so viele andre gibt
die mutig zu sich stehn
hast du noch immer Angst
nachts allein durch einen Park zu gehn
weil hinter Büschen, hinter Mauern
immer noch die Basher lauern
mit Baseballschlägern und mit Messern
du weißt das wird sich niemals bessern
gib auf dich acht, Sebastian
Es ändern sich die Zeiten
aber die Menschen nicht
geh aufrecht und gib nicht klein bei
zeig ihnen dein Gesicht
Zeig ihnen dein schönes Gesicht
Sebastian
Tag viertel-rot
Dem Hund einen Knochen – daran mag er kauen
bis ihm der Kiefer schwer wird wie Blei
inzwischen werd ich dir das Leben versauen
bis du lachst und mir schwörst es wär gar nichts dabei
unter Tränen zu lieben
und Gedanken zu kriegen
die man besser verschweigt aber nie mehr vergisst
also komm - also geh
also sag wie es ist
Tag viertel-rot treibt mit hämmernden Stunden
uns etwas zu weit und zu zweit in das Glück
wir haben uns irgendwie anders gefunden
und können nicht weiter und auch nicht zurück
Dem Glück eine Schleife – da kann es sich freuen
bis es genug hat oder uns nicht mehr will
ich würde so gerne von Herzen bereuen
aber wenn du mir zuhörst werd ich immer still
und berühr dich nicht peinlich
denn es wäre kleinlich
um Vergebung zu feilschen wenn man grade lacht
also bleib – also geh
aber gib auf mich acht
Tag viertel-rot treibt mit hämmernden Stunden
uns etwas zu weit und zu zweit in das Glück
wir haben uns irgendwie anders gefunden
und können nicht weiter und auch nicht zurück
Wer will den Himmel begreifen?
Wer will den Himmel begreifen
der sich nicht verlor in der Welt?
Wer will in Vollkommenheit reifen
der nicht weiß wie es ist wenn man fällt?
Wer will die Herrlichkeit schauen
der in den Abgrund nie sah?
Wer will der Ewigkeit trauen
der niemals ein Zweifler war?
Wer will Erlösung empfangen
der nichts weiß von brennender Qual?
Wer will zu Gott gelangen
der nicht wanderte im tiefen Tal?
Unbelehrbar
Unbelehrbar lass die Liebe bleiben
sie taugt nur bedingt als Kompliment
und ich wollte niemals von ihr schreiben
hatte Angst dass man sie sonst erkennt
Sie ist nicht gemacht aus Winkelzügen
geht nicht mit der Zeit, hat keinen Stand
sie muss keinem – nur sich selbst – genügen
und gibt sich stets völlig aus der Hand
Man fängt sie nicht ein mit großen Worten
sie ist Weg und Ziel und das zugleich
öffnet sie dir endlich ihre Pforten
erschafft sie dich neu und macht dich reich
Unbelehrbar soll die Liebe bleiben
und in ihren Tiefen unerkannt
denn beginnt man erst von ihr zu schreiben
ist sie nur noch ein besetztes Land
Was man in den Fenstern sieht
Der Bus ist billig. Deshalb voll.
Zum Glück muss man nicht stehen.
Wohin? Und was man dann dort soll?
Man wird es sehen.
Die Reise geht weit über Land.
Man sieht bald karge Felder.
Nie hier gewesen. Doch bekannt.
Und dann riecht man die Wälder.
Das stellt sich schnell als Irrtum raus.
Denn irgendein verschwitzter Schuft
zog sein Deodorant hinaus.
Und sprühte eifrig Fichtenduft.
Dann kamen Städtchen, Dörfer, Orte.
Die meisten sauber jedoch schlicht.
Dafür gibt es wohl viele Worte.
Jedoch: Man braucht sie alle nicht.
Gesichter hart. Blicke verschlossen.
Hier wirkt das Leben sehr verlebt.
Da wird dann doch beinah genossen
dass man drinnen an der Scheibe klebt.
Was man in den Fenstern sieht
ist auch nur mühsam zu beschreiben.
Und so schnell wie man weiterzieht
lässt man es gerne bleiben.
Engel ohne Flügel
Silbermond tanzt über toten Bäumen
im Gewand der Nacht ruht starr ein Fluss
sanft berührt das Licht das stille Wasser
regungslos empfängt es diesen Kuss
Tausendmal bricht sich das helle Funkeln
taucht ins Nass und schimmert perlengleich
Harmonie, Vereinigung und Frieden
Dämmerschattenfarben fließen weich
Und ein Engel ohne Flügel
trägt im Sturm der Niemalszeit
einen Ring aus Flammenblüten
und ein helles Sternenkleid
Er geht leise durch die Stille
und im Glanz der Sommernacht
hat er dieser kalten Erde
einen Traum aus Licht gebracht
Schwerelos versinkt der Mond im Nebel
und der Fluss schmiegt sich an seine Spur
langsam gleiten Wolken auseinander
folgen den Gesetzen der Natur
Tausendmal krümmt sich die neue Sonne
bis sie wieder ihren Platz erreicht
noch ist sie nur eine ferne Ahnung
die sich in den Rand des Bildes schleicht
Und ein Engel ohne Flügel
trägt im Sturm der Niemalszeit
einen Ring aus Flammenblüten
und ein helles Sternenkleid
Er geht leise durch die Stille
und im Glanz der Sommernacht
hat er dieser kalten Erde
einen Traum aus Licht gebracht
Ganz behutsam lässt der Mond sich fallen
doch der Fluss bewahrt noch lang sein Licht
trägt es fort zu irgendwelchen Ufern
und verliert das helle Funkeln nicht
Und ein Engel ohne Flügel
trägt im Sturm der Niemalszeit
einen Ring aus Flammenblüten
und ein helles Sternenkleid
Er geht leise durch die Stille
und im Glanz der Sommernacht
hat er dieser kalten Erde
einen Traum aus Licht gebracht
Weiße Bank
Wir standen dort
an den Spielautomaten
so wild und so frei
junge Sommersoldaten
die Herzen aus Gold
und die Augen voll Glut
es war nie mehr so heiß
es war nie mehr so gut
wie 78
in jenem August
und wir hatten noch nichts
von der Liebe gewusst
bis sie uns
zwischen Dünen und Strand
einfach so nachlief
und unverhofft fand
In die weiße Bank
ritzte ich mit einem Stein
zwei Herzen
und unsre Namen hinein
und mein Finger fuhr sanft
an den Rillen entlang
in diesem Sommer
auf der weißen Bank
Wir saßen dort
zwischen Sträuchern und Klippen
teilten den Wein
das Brot und die Kippen
die Herzen aus Gold
und die Augen voll Glut
es war nie mehr so heiß
es war nie mehr so gut
wie 78
und in jener Nacht
haben wir nur
geliebt und gelacht
und die Sterne sanken
so leuchtend ins Meer
doch wir liefen der Liebe
zu lang hinterher
In die weiße Bank
ritzte ich mit einem Stein
zwei Herzen
und unsre Namen hinein
und mein Finger fuhr sanft
an den Rillen entlang
in diesem Sommer
auf der weißen Bank
Heut ging ich aus Zufall
die Küste entlang
und sie stand dort noch immer
- unsere Bank
Ich bückte mich
und nahm einen Stein
ritzte unter die Herzen:
Es sollte nicht sein
Der Herbert
Der Herbert hängt im Hof
Er baumelt an der Leine
zwischen den frischen Laken
Noch zucken seine Beine
Daneben stehen Kinder
die auf sein Schicksal wetten
Der Hans meint gutgelaunt:
Der ist nicht mehr zu retten
Sie finden das viel schöner
als ein Computerspiel
Sie hören Herbert röcheln
doch man versteht nicht viel
Na ja, so sind halt Kinder
Sie probieren manches aus
und Rita schlägt den anderen vor:
Morgen verbrennen wir den Klaus
Ich habe mich verlaufen
Ich habe mich verlaufen
ich kann dich nicht mehr sehn
wollt Zigaretten kaufen
was ist mit mir geschehn?
Die Straßen wurden breiter
mit jedem neuen Schritt
und ich ging immer weiter
doch dich nahm ich nicht mit
Ich habe mich verlaufen
dies ist ein fremdes Land
ging nur kurz einen saufen
schon war mein Kopf verbrannt
Die Worte wurden leichter
das Leben wurde klar
mein Gestern schien mir seichter
als es wohl wirklich war
Ich habe mich verlaufen
bin ohne Ziel und Mut
aber mir dämmert langsam
nie ging es mir so gut
Ich habe mich verlaufen
ich komme nirgends an
ich geh nur einfach weiter
so weit und gut ich kann
Ich habe mich verlaufen
es wird schon langsam hell
ich fange an zu schnaufen
vielleicht ging ich zu schnell
Hier draußen zahlt man teuer
für jede Art von Glück
das Leben scheint mir neuer
ich komm nicht mehr zurück
Ich habe mich verlaufen
bin ohne Ziel und Mut
aber mir dämmert langsam
nie ging es mir so gut
Ich habe mich verlaufen
ich komme nirgends an
ich geh nur einfach weiter
so weit und gut ich kann
Gypsy
Bist du noch immer jeden Tag
in einen andren Kerl verliebt
und wohin willst du trampen
wenn es hier keine mehr gibt
So viele Kerben auf dem Banjo
wie auf Billys Colt
wir beide waren immer Freunde
und haben niemals mehr gewollt
Der Truck fährt Richtung Süden
und man sieht dem Fahrer an
dass er in deiner Nähe
nicht lang ruhig bleiben kann
Ich sag „Ist schon okay
ich rauch draußen ne Zigarette
doch morgen hat sie dich vergessen
darauf halt ich jede Wette“
Gypsy - pass auf dich auf
wir werden langsam älter
sie spielen immer noch Cajun
aber die Nächte werden kälter
Gypsy – gib auf dich acht
Herzen stehen zu leicht in Flammen
und mancher denkt von uns
wir wären schon zu lang zusammen
Ich hab ne Schwester in Monroe
vielleicht schau ich bei der mal rein
sie hat nen Jungen namens Franky
der muss auch schon vierzehn sein
Vielleicht find ich da einen Job
der uns durch den Winter bringt
wir treffen uns in Baton Rouge
wenn uns hier beiden nichts gelingt
Gypsy - pass auf dich auf
wir werden langsam älter
sie spielen immer noch Cajun
aber die Nächte werden kälter
Gypsy – gib auf dich acht
Herzen stehen zu leicht in Flammen
und mancher denkt von uns
wir wären schon zu lang zusammen
Ein kluger Mann belehrt eine dumme Frau
Ach Weib, man kann es überall lesen
Sie überrennen uns bald, die Chinesen
Die sind mit den Russen verbündet
Und wollen dass der Westen verschwindet
Ein Westen kann nicht verschwinden?
Konnte ich keine Klügere finden?
Ich hab Westen, nicht Weste, gesagt.
Ach, hättest du mich bloß nicht gefragt
Du hast nicht gefragt? Auch noch feige?
Anstatt mir dankbar zu sein
Dass ich mir Zeit nehme und dir zeige….
Ohne mich würdest du doch verloren sein
Der Affe
Im Käfig aus Stahl
ein gebrochener Wille
der Rechner summt leise
ansonsten nur Stille
Und Licht bohrt sich tief
in die müden Pupillen
der Arm geht zum Mund
der Mund schluckt die Pillen
Und während er spielt
mit den teuren Geräten
würde ich gerne wissen
ob Affen wohl beten
Wir haben nur den einen Planeten
doch Gäste wie wir sind nirgends erbeten
wir kamen mit List
und tödlichen Waffen
in diesen Käfig
gehören wir – nicht die Affen
Ein Stückchen Metall
gleitet ins Ohr
und sendet die Daten
sofort ins Labor
Und dann brennt der Laser
so schmerzhaft und grell
ein paar kleine Löcher
ins flauschige Fell
Und während er stirbt
in all diesen Drähten
denk ich es lohnt nicht
für Menschen zu beten
Wir haben nur den einen Planeten
doch Gäste wie wir sind nirgends erbeten
wir kamen mit List
und tödlichen Waffen
in diesen Käfig
gehören wir – nicht die Affen
Angst oder Mut?
Warum musste ich erst mit denen sprechen
die Mut haben
um Angst zu bekommen
?
und warum musste ich erst mit denen sprechen
die Angst haben
um Mut zu bekommen
?
Und habe ich nun Angst oder Mut ?