Das Kinderbett

 

Es war aus gutem Holz gemacht

so wie die deutschen Eichen sind

der Schreiner hat‘s vorbeigebracht

nun fehlte einzig noch das Kind

 

Da stand es nun so wunderbar

und hatte schon ein Kissen

es zog ins Land so manches Jahr

man tat das Kind vermissen

 

Es mühten sich die Eltern zwar

bis zur Besessenheit

der Doktor dem nicht bange war

sprach: Es braucht seine Zeit

 

Zehn feine Deckchen schon gehäkelt

manche in rosa, manche blau

doch seine Sippschaft hat gemäkelt:

Da stimmt doch was nicht mit der Frau

 

Nach fünfzehn Jahren hat man schließlich

das Kinderbett endlich zersägt

und seine Teile höchst verdrießlich

bei all dem Brennholz abgelegt

 

 

 

 

 Bei mir brauchst du keinen Namen

 

Ich habe sie alle gesehen

den Pöbel, die Elite, die Masse

ich kannte die meisten von ihnen

von jeder Art Herkunft und Klasse

Die die sich vornehm versagten

die mit der Angst im Gesicht

die die wenn es hart kam verzagten

die die nur sprachen von Pflicht

 

Ich kannte sie alle

ob arm oder reich

im Mantel der Nacht

sind sie gleich ....alle gleich

 

Bei mir brauchst du keinen Namen

keinen Pass, keinen Bürgen, kein Geld

keine Lügen, keinen Stolz, keine Dramen

du brauchst nur Liebe in meiner Welt

Bei mir brauchst du keine Worte

keinen Ring, kein Versprechen, kein Pfand

denn trittst du erst durch diese Pforte

wird dein wahres Wesen erkannt

 

Ich habe sie alle gesehen

die Herrscher, die Sklaven, die Narren

beim Versuch sich vor mir zu maskieren

und die Wahrheit im Sand zu verscharren

Die die sich eitel bestaunten

die mit der Macht im Genick

die die nur Phrasen posaunten

die die geflohen vom Strick

 

Ich kannte sie alle

ob arm oder reich

im Mantel der Nacht

sind sie gleich ....alle gleich

 

Bei mir brauchst du keinen Namen

keinen Pass, keinen Bürgen, kein Geld

keine Lügen, keinen Stolz, keine Dramen

du brauchst nur Liebe in meiner Welt

Bei mir brauchst du keine Worte

keinen Ring, kein Versprechen, kein Pfand

denn trittst du erst durch diese Pforte

wird dein wahres Wesen erkannt

 

 

 

 

 Sie lacht nur an Tagen mit "M"

 

Am Montag strahlt sie wie die Sonne

am Dienstag ist sie kalt wie Schnee

am Mittwoch da ist sie dein Engel

und Donnerstag tut sie dir weh

 

Vom Rest der Woche mal gar nicht zu sprechen

da könnte ihr Blick sogar Steine zerbrechen

 

Sie lacht nur an Tagen mit "M"

deshalb hält man sie für plemm-plemm

dabei teilt sie sich nur

beinah strikt nach der Uhr

ihre Fröhlichkeit ein

das ist ihre Natur

 

Am Montag scheint sie dich zu mögen

am Dienstag gefriert ihr Gesicht

am Mittwoch schenkt sie dir den Himmel

und Donnerstag kennt sie dich nicht

 

Vom Rest der Woche mal gar nicht zu sprechen

da könnte ihr Blick sogar Steine zerbrechen

 

Sie lacht nur an Tagen mit "M"

deshalb hält man sie für plemm-plemm

dabei teilt sie sich nur

beinah strikt nach der Uhr

ihre Fröhlichkeit ein

das ist ihre Natur

 

 

 

 

 Was hat man nicht versucht aus mir zu machen?

 

Was hat man nicht versucht aus mir zu machen?

Es zu beschreiben fehlt mir Muße und Papier

Man könnte Bücher füllen und dann lachen

denn es steht immer noch derselbe hier

 

Ich weiß noch gut wie leid sich jene taten

denen ihr Scheitern an die Nieren ging

die Lehrer, Bosse und die Bürokraten

denn ich mach immer noch mein eignes Ding

 

Ich pfeif auf ihre Regeln und Verträge

und ihre Sicht von Anstand und Moral

und ganz egal zu wem ich mich auch lege

das bleibt auch weiterhin nur meine Wahl

 

Was hat man nicht versucht aus mir zu machen?

Sich dabei übernommen und verschätzt

Ich werd mich auch in Zukunft selbst bewachen

egal wie sehr das ihren Stolz verletzt

 

Welch List auch immer sie derweil ersannen

ich fall nicht mal auf Schmeicheleien rein

Ich lasse mich vor keinen Karren spannen

sollen doch andre ihre Ochsen sein

 

Ich liebe, leide, bete und ich fluche

manches zu wenig und manches zu sehr

doch ganz gleich ob ich finde was ich suche

ich gebe meine Freiheit niemals her

 

Was hat man nicht versucht aus mir zu machen?

Es zu beschreiben fehlt mir Muße und Papier

man könnte Bücher füllen und dann lachen

denn es steht immer noch derselbe hier

 

 

 

 

 Sperren Sie die Ohren auf

 

Sperren Sie die Ohren auf

lauschen Sie dem Schweigen

weniger ist nun mal mehr

ich werd’s Ihnen zeigen

 

Keine Lyrik die verquast

schreit nach Fragezeichen

ohne Filter ist das Hirn

leichter zu erreichen

 

Keine noch so kleinen Zweifel

an des Künstlers Intention

sperren Sie die Ohren auf

hören Sie es schon?

 

Ungehemmt vom Wortschwall

nur den Kopf leicht neigen

das ist Kunst die greifbar ist

teilen Sie mein Schweigen

 

Meine Damen, meine Herren

Sie sind ergriffen wie ich seh

am Ausgang gibt‘s für 15.90

mein Schweigen auf CD

 

 

 

 

 Verarmte Neureiche

 

Sie haben einen Ruf noch zu verlieren

ansonsten aber sind die Taschen leer

Gerichtsvollzieher kommen abkassieren

doch finden keine Puseratze mehr

 

Kein Geld mehr für die Universitäten

so dass manch Sohn doch sehr verwundert schaut

und auch manch Tochter wirkt nun sehr betreten

sie taugt im besten Falle noch als Braut

 

So schreibt das Schicksal munter seine Dramen

und schert sich nicht um Tränen oder Tadel

wären sie wenigstens von altem Adel

dann hätten sie noch ihren guten Namen

 

Noch gestern wähnten sie sich gleich den Fürsten

und ahnten nichts vom nahenden Verdruss

der Kaviar wich längst den Aldi-Würsten

und statt Mercedes fährt man nur noch Bus

 

Der Steinway-Flügel harrt schon der Auktionen

die Mademoiselle ist nicht mehr manikürt

bald wird man wohl im Gartenhäuschen wohnen

und ist dann nur noch bourgeois-deprimiert

 

So schreibt das Schicksal munter seine Dramen

und schert sich nicht um Tränen oder Tadel

wären sie wenigstens von altem Adel

dann hätten sie noch ihren guten Namen

 

 

 

 

 Verjährt

 

Amtlich lugt der Bescheid aus dem Umschlag.

Schwarz auf weiß steht dort wie es ist.

Ein Siegelabdruck klebt in der Ecke.

Und als Belehrung: Zwei Wochen Frist.

 

Zwei Wochen Frist um mich zu beweisen.

Danach sind alle Fragen geklärt.

Ich fand den Brief leider erst heute.

Das bedeutet: Ich bin längst verjährt.

 

 

 

 

 Pazifisten

 

Die Hände bequem in Unschuld gewaschen

lügt ihr euch eifrig in die eigenen Taschen

und um die Welt vor dem Unrecht zu retten

fällt euch nicht mehr ein als Lichterketten

 

Ihr singt eure Lieder, fasst euch an den Händen

als ließe ein Krieg sich damit beenden

und ihr werdet euren Kindern eure Weltsicht vererben:

Seht einfach zu wenn Menschen sterben

 

Ihr lebt in Sicherheit und werdet alt

Doch gegen Gewalt hilft nur Gewalt

Wann werdet ihr es endlich sehn?

Das ist die einzige Sprache die sie verstehn

 

 

 

 

 Missy

 

Missy trägt ein Kleid aus Flicken

ihre Oma hat’s genäht

Mutter ruft zum Abendessen

denn es ist schon ziemlich spät

Missy ist neun Jahre

und wenn sie schlechte Träume hat

liegt es an dem dumpfen Hass

der sich breitmacht in der Stadt

 

Missy hat gelernt den Blick zu senken

und sich stets zu ducken

Sie bricht längst nicht mehr in Tränen aus

wenn sie die Jungs bespucken

Missy ist zwölf Jahre

und sie weiß wie man sie nennt

Sie kennt die weißen Masken

und weiß wie ein Holzkreuz brennt

 

Missy sitzt allein

im Dämmerlicht auf der Veranda

Als Martin Luther King starb

brach ihr Leben auseinander

denn mit ihm wurde zugleich

der große Traum begraben

dass sie und ihre Leute

eine eigne Stimme haben

 

Missy ist jetzt zwanzig

und sie wird die Stadt verlassen

denn sie ist zu klug

um ihre Chance zu verpassen

und als sie am Busdepot

mit ihrer Tasche steht

ist ihr jeder Bus recht

wenn es nur nach Norden geht

 

 

 

 

 Kavaliersdelikt

 

Im Dritten Reich die Juden verpfiffen

weil „so schlimm das ja schließlich nicht wäre“

später zur Stasi dann emigriert

so etwas nennt man Karriere

 

Der krisensicherste Job

nicht nur in unserem Land

Kinder, fragt mal nach einem Praktikum

Berufsbezeichnung: Denunziant

 

 

 

 

 Alter Freund

 

Tod

so vertraut erscheinst du mir

du hast ein offenes Gesicht

wie seltsam dass nur ich verstehe :

Nicht Schatten bist du

sondern Licht

 

 

 

 

 Eine sehr zersägte Dame

 

Er stand auf der Bühne

und sah tief in ihre Augen

da blieb ihr nichts weiter übrig

als an seine Kunst zu glauben

deshalb stieg sie in den Kasten

und es wurde applaudiert

niemals hätte sie gedacht

dass grade ihr so was passiert

 

Was im Fernsehen gut geht

klappt bestimmt auch live

dachte sie im Kasten

regungslos und steif

Heute ist sie schlauer

denn solch Zeitvertreib

trennt den Oberkörper

oft vom Unterleib

 

Eine sehr zersägte Dame

die dem Magier nie vergisst

dass sie nicht mehr weiß

was ihre bessre Hälfte ist

fühlt sich so zerteilt

und irgendwie entzwei

Scheiß – Zauberei

 

 

 

 

 Es wächst in mir

 

Es wächst in mir ein Klagen fremder Stimmen

durchdringt mich und ist heiß und nass vor Gier

als wäre ich kein Mensch sondern ein Tier

ein Tier dazu bestimmt im Blut zu schwimmen

 

Es wächst in mir ein Durst so dass mein Willen

sich unterwirft kaum dass es nur gedacht

ein Durst, zu groß um ihn jemals zu stillen

der mich allzeit zu einem Sklaven macht

 

Es wächst in mir die Ahnung von Bedeutung

wie ein Geschwür macht sie sich in mir breit

und fordert unablässig meine Häutung

als Vorbereitung auf die Ewigkeit

 

Es wächst in mir das Wissen um Umnachtung

ich spür dass meine Seele heftig krankt

ein Mann der solchermaßen wankt und schwankt

verdient nicht mehr als nur schiere Verachtung

 

 

 

 

 Die Traurigkeit der Ozeane

 

Die Traurigkeit der Ozeane

wurde manches Mal schon besungen

Vornehmlich von Buckelwalen

Schöner hat kein Lied je geklungen

 

Doch so sehr es die Menschen bezaubert

die Botschaft wird ignoriert

Sie vergiften weiter die Meere

Ob ein Buckelwal das kapiert?

 

 

 

 

 Aas

 

Ich bin das Aas

das man vergaß

das nun zum Himmel stinkt

im Sand von toten Wüsten

wo nie ein Vogel singt

 

Ich bin das Fell der Robben

noch frisch und blutgetränkt

das weggeworfne Herz

an das man nicht mehr denkt

 

In einem Meer der Tränen

der ölverschmierte Wal

den es nach oben treibt

zum allerletzten Mal

 

Ich bin das Schwein im Viehtransport

blind weggekarrt von Ort zu Ort

ganz wundgerieben hab ich kaum

einen halben Meter Lebensraum

 

Ich bin der stumme Schrei der Welt

der letzte Elefant der fällt

das Blut das sinnlos man vergießt

das Reh das irgendwer erschießt

 

Die Katze im Versuchslabor

mit Eiteraugen – Blut im Ohr

geröstet mit zweitausend Volt

Hat Gott das alles wohl gewollt ?

 

Ich bin das Aas

das man vergaß

das nun zum Himmel stinkt

ich bin das Opfer dem der Henker

niemals wirklich Frieden bringt

 

 

 

 

 Friederike

 

Friederike hat so kleine Füße

Friederike läuft meist ohne Schuh

Friederike bringt der Oma Grüße

Friederike hört den Vögeln zu

 

Friederike liebt den Sommerregen

Friederike liegt so gern im Gras

Friederike trödelt auf den Wegen

Friederike malt Bilder auf Glas

 

Friederike ist voll Gottvertrauen

Friederike hat so langes Haar

Friederike ist schön anzuschauen

Friederike tanzt ganz wunderbar

 

Friederike wurd im Wald gefunden

Friederike war ganz starr und kalt

Friederikes Körper war voll Wunden

sie wurde nur sieben Jahre alt

 

 

 

 

 Echt jetzt, Franky?

 

Echt jetzt, Franky?

Alles auf die Zehn?

Der Gaul sieht aus wie Ingrid.

Der kann ja kaum noch stehn.

 

Echt jetzt, Franky?

Wieder zu Fuß nach Haus?

Halt dich das nächste Mal

aus meinen Wetten raus.

 

Echt jetzt, Franky?

An den Ballermann?

Da gibt es mehr zu saufen

als ich schlucken kann.

 

Echt jetzt, Franky?

Ein Dreier mit Mareike?

Ich bin wirklich nicht prüde.

Aber trotzdem: Ich streike.

 

Echt jetzt, Franky?

Du lässt mich im Stich?

Ziehst nach Brandenburg?

Was mach ich ohne Dich?

 

 

 

 

Der Glockenschlag

 

Der Glockenschlag mahnt ungeduldig:

Beachte Mensch, die Zeit vergeht

So also bleibe dir nichts schuldig

Denn irgendwann ist es zu spät

 

Fest eingepasst ins Weltgefüge

verweilt man ohne jeden Wert

als hätt man Zeit noch zur Genüge

doch wer so denkt, der lebt verkehrt

 

Die Zeit zieht ständig ihre Kreise

und geht fast unbemerkt dahin

auf diese oder jene Weise

Darin liegt weder Zweck noch Sinn

 

Der Glockenschlag mahnt ungeduldig:

Erwache Mensch und tritt ins Leben

Nichts anderes bist du dir schuldig

als dich der Zeit nicht zu ergeben

 

 

 

 

 Auf der Suche nach einem Gedanken

 

Sie ist zweiundzwanzig und läuft im Park rum

mit ihrem Hund in einer eiskalten Nacht

sie ist auf der Suche nach einem Gedanken

ich hätt ihn so gerne für sie gedacht

 

Am Arbeiterdenkmal nimmt sie ein Streichholz

und verbrennt heulend ein Stück Papier

letzte Woche war jemand an ihrer Seite

nun läuft nur noch der Hund neben ihr

 

Es ist ihre Geschichte die mich auch nichts angeht

ich halte mich besser aus allem heraus

ich bin auf der Suche nach einem Gedanken

und nehme fremde Probleme nicht gern mit nach Haus

 

Am Arbeiterdenkmal rauch ich eine Kippe

auf dem Boden liegt ein Stück Papier

ich kann ein paar Worte darauf noch lesen

und teil die Wut und Verzweiflung mit ihr

 

Ich kenne das alles aus eigner Erfahrung

ich weiß was sie durchmacht – es ist nicht leicht

wir sind auf der Suche nach einem Gedanken

einen Grund der uns zum Weitergehn reicht

 

 

 

 

 Ich hab dich losgelassen

 

Ich hab Dich losgelassen

es hat mir nicht gepasst

es ist noch schwer zu fassen

dass du eigne Flügel hast

 

Dass sie dich weiter tragen

als ich jemals gedacht

ich kann dazu nur sagen:

Fein gemacht

 

Wie gut sie dir doch passen

du liegst so leicht im Wind

ich hab Dich losgelassen

doch du bleibst stets mein Kind

 

                 Für Melanie

 

 

 

 

 Besoffne Elfe

 

Montag früh im Herz der City

haucht sie Lippenstiftgraffiti

auf die Burger King Reklame

und lallt: "Wie war doch mein Name ?"

Schnappte sich ein paar Passanten

die in Richtung U-Bahn rannten

und die Augen sanft und groß

fragen: "Ey ist hier nichts los ?"

 

Blonder Blick zu schwer zum Fliegen

kleines Herz zu müd zum gehn

ihre Beine wollen tanzen

- wird sie je den Frühling sehn?

 

Du nur du besoffne Elfe

siehst den Mond im Rinnstein scheinen

wenn in den zerbrochnen Stunden

tausend Engel um dich weinen

Du nur du besoffne Elfe

tanzt dann barfuß in den Pfützen

um die Tränen dieser Engel

vor der kalten Welt zu schützen

 

Montag früh im Staub der Straßen

wo die Sterne sie vergaßen

hoffte sie dass man ihr zeigt

wo hier noch ne Party steigt

Und sie wollte nicht kapieren

warum alle resignieren

wenn sie ganz verträumt und still

Fremde einfach küssen will

 

Blonder Blick zu schwer zum Fliegen

kleines Herz zu müd zum gehn

ihre Beine wollen tanzen

- wird sie je den Frühling sehn?

 

Du nur du besoffne Elfe

siehst den Mond im Rinnstein scheinen

wenn in den zerbrochnen Stunden

tausend Engel um dich weinen

Du nur du besoffne Elfe

tanzt dann barfuß in den Pfützen

um die Tränen dieser Engel

vor der kalten Welt zu schützen

 

 

 

 

 Übers Impfen

 

Man kann die Menschen leicht überzeugen

Krankheiten besser schnell vorzubeugen

Ob Masern, ob Mumps oder ob Diphterie

das Gesundheitswesen versagt wirklich nie

 

Mag ja sein, das Volk ist grundsätzlich gesund

trotzdem gibt es noch einen guten Grund

auf Biologen und Ärzte zu schimpfen:

Fangt endlich an es gegen Dummheit zu impfen

 

 

 

 

 Das Haus

 

Wer dort lebt der ist verbittert.

Doch er spricht das nie laut aus.

Alle Fenster sind vergittert.

Raben kreisen um das Haus.

 

Hier stirbt jedes Kinderlachen.

Man weiß nichts vom Sonnenlicht.

Draußen sieht man viele Wachen.

Ihre Opfer sieht man nicht.

 

Denn die kommen und die gehen.

Nichts als Namen auf Papier.

Nicht gelebt sondern geschehen.

Auch ich war einmal hier.

 

Doch es gibt nichts zu bezeugen.

Nur eins weiß ich gewiss:

Ich ertrag das Schweigen

doch nicht die Düsternis.

 

In mir.

 

 

 

 

 Herrenclub

 

Dies ist ein Club für Herren.

Frauen sperren wir aus.

Sollen sie nörgeln und plärren.

Frauen gehören ins Haus.

 

Da können sie kochen und putzen.

Und tun was ihnen sonst noch gefällt.

Hier wären sie ohne Nutzen.

Wir lösen die Probleme der Welt.

 

Für Frauen kann das nichts sein.

Die wissen nichts von fernen Ländern.

Die denken grundsätzlich klein.

Und daran wird sich nichts ändern.

 

Politik ist ein weites Feld.

Da sind Frauen intolerabel.

Wir lösen die Probleme der Welt.

Wenn auch nur mit dem Schnabel.

 

 

 

 

 Eine junge Frau spart sich auf

 

Nur keinen Sex vor der Ehe.

Manch einen mag das wohl wundern.

Während ich es verstehe.

Ein Goldfisch unter Flundern.

 

 

 

 

 Freundlicher Nachruf

 

Herr M. ist jüngst verschieden

Die Morgenpost hat’s gebracht

Ich las die Traueranzeige

und habe pietätlos gelacht

 

Ein treusorgender Vater?

Ein liebender Ehemann?

Herr M. ist wirklich der letzte

von dem man das sagen kann

 

Die Witwe sollte jubilieren

die Kinder rundum glücklich sein

Was Herr M. tat in einem Leben

ist in hundert Leben nicht zu verzeihn

 

 

 

 

 Blutkörperchen in Fußgängerzonen

 

Blutkörperchen in Fußgängerzonen

meiden den schmutzigen Schnee

Sie möchten in solchen Städten nicht wohnen

Sie gehn dort nur mal ins Café

 

Sie lassen sich nur ungern bestaunen

und verstecken sich oft auf dem Klo

Man hört die Leute dann irritiert raunen:

Blutkörperchen haben kein Niveau

 

Doch dieser Eindruck verfliegt mal eben

wenigstens beim Personal

wenn sie dann reichlich Trinkgeld geben

dabei denken sie sich: Scheißegal

 

Denn Blutkörperchen sind äußerst spendabel

sie gäben ihr letztes Hemd

Diese Einstellung ist äußerst passabel

nur sind Hemden ihnen ganz fremd

 

Aber das sind doch nur Kleinigkeiten

und der Erwähnung nicht wert

Man sollte darüber nun wahrhaft nicht streiten

denn Blutkörperchen finden Streit voll verkehrt

 

Sie haben Interesse an anderen Dingen

das liegt ihnen sozusagen im Blut

Sie schunkeln, sie tanzen, sie springen und singen

Ich find Blutkörperchen einfach unheimlich gut

 

 

 

 

 Sebastian

 

In Frauenkleidern vor dem Spiegel

und alles andre als dezent geschminkt

du hast gewusst wenn Vater dich erwischt

dass dir eine Tracht Prügel winkt

Sebastian

 

Spießrutenlaufen überall

schon damals in der Schule

Da kommt die Tunte, kommt die Schwuchtel

kommt dieser gottverdammte Schwule

Es ändern sich die Zeiten

aber die Menschen nicht

geh aufrecht und gib nicht klein bei

zeig ihnen dein Gesicht

Zeig ihnen dein schönes Gesicht

Sebastian

 

Gott liebt all seine Kinder

doch der Pastor hat dich verflucht

dabei hast du doch nichts getan

nur deinen eignen Weg gesucht

Sebastian

 

Spießrutenlaufen überall

auch später in der Lehre

du hast nie eine Chance gehabt

schon gar nicht eine faire

Es ändern sich die Zeiten

aber die Menschen nicht

geh aufrecht und gib nicht klein bei

zeig ihnen dein Gesicht

Zeig ihnen dein schönes Gesicht

Sebastian

 

Und selbst jetzt wo dich jemand liebt

wo es so viele andre gibt

die mutig zu sich stehn

hast du noch immer Angst

nachts allein durch einen Park zu gehn

weil hinter Büschen, hinter Mauern

immer noch die Basher lauern

mit Baseballschlägern und mit Messern

du weißt das wird sich niemals bessern

gib auf dich acht, Sebastian

 

Es ändern sich die Zeiten

aber die Menschen nicht

geh aufrecht und gib nicht klein bei

zeig ihnen dein Gesicht

Zeig ihnen dein schönes Gesicht

Sebastian

 

 

 

 

 

 Tag viertel-rot

 

Dem Hund einen Knochen – daran mag er kauen

bis ihm der Kiefer schwer wird wie Blei

inzwischen werd ich dir das Leben versauen

bis du lachst und mir schwörst es wär gar nichts dabei

 

unter Tränen zu lieben

und Gedanken zu kriegen

die man besser verschweigt aber nie mehr vergisst

also komm - also geh

also sag wie es ist

 

Tag viertel-rot treibt mit hämmernden Stunden

uns etwas zu weit und zu zweit in das Glück

wir haben uns irgendwie anders gefunden

und können nicht weiter und auch nicht zurück

 

Dem Glück eine Schleife – da kann es sich freuen

bis es genug hat oder uns nicht mehr will

ich würde so gerne von Herzen bereuen

aber wenn du mir zuhörst werd ich immer still

 

und berühr dich nicht peinlich

denn es wäre kleinlich

um Vergebung zu feilschen wenn man grade lacht

also bleib – also geh

aber gib auf mich acht

 

Tag viertel-rot treibt mit hämmernden Stunden

uns etwas zu weit und zu zweit in das Glück

wir haben uns irgendwie anders gefunden

und können nicht weiter und auch nicht zurück

 

 

 

 

 Wer will den Himmel begreifen?

 

Wer will den Himmel begreifen

der sich nicht verlor in der Welt?

Wer will in Vollkommenheit reifen

der nicht weiß wie es ist wenn man fällt?

 

Wer will die Herrlichkeit schauen

der in den Abgrund nie sah?

Wer will der Ewigkeit trauen

der niemals ein Zweifler war?

 

Wer will Erlösung empfangen

der nichts weiß von brennender Qual?

Wer will zu Gott gelangen

der nicht wanderte im tiefen Tal?

 

 

 

 

 Unbelehrbar

 

Unbelehrbar lass die Liebe bleiben

sie taugt nur bedingt als Kompliment

und ich wollte niemals von ihr schreiben

hatte Angst dass man sie sonst erkennt

 

Sie ist nicht gemacht aus Winkelzügen

geht nicht mit der Zeit, hat keinen Stand

sie muss keinem – nur sich selbst – genügen

und gibt sich stets völlig aus der Hand

 

Man fängt sie nicht ein mit großen Worten

sie ist Weg und Ziel und das zugleich

öffnet sie dir endlich ihre Pforten

erschafft sie dich neu und macht dich reich

 

Unbelehrbar soll die Liebe bleiben

und in ihren Tiefen unerkannt

denn beginnt man erst von ihr zu schreiben

ist sie nur noch ein besetztes Land

 

 

 

 

 Was man in den Fenstern sieht

 

Der Bus ist billig. Deshalb voll.

Zum Glück muss man nicht stehen.

Wohin? Und was man dann dort soll?

Man wird es sehen.

 

Die Reise geht weit über Land.

Man sieht bald karge Felder.

Nie hier gewesen. Doch bekannt.

Und dann riecht man die Wälder.

 

Das stellt sich schnell als Irrtum raus.

Denn irgendein verschwitzter Schuft

zog sein Deodorant hinaus.

Und sprühte eifrig Fichtenduft.

 

Dann kamen Städtchen, Dörfer, Orte.

Die meisten sauber jedoch schlicht.

Dafür gibt es wohl viele Worte.

Jedoch: Man braucht sie alle nicht.

 

Gesichter hart. Blicke verschlossen.

Hier wirkt das Leben sehr verlebt.

Da wird dann doch beinah genossen

dass man drinnen an der Scheibe klebt.

 

Was man in den Fenstern sieht

ist auch nur mühsam zu beschreiben.

Und so schnell wie man weiterzieht

lässt man es gerne bleiben.

 

 

 

 

 Engel ohne Flügel

 

Silbermond tanzt über toten Bäumen

im Gewand der Nacht ruht starr ein Fluss

sanft berührt das Licht das stille Wasser

regungslos empfängt es diesen Kuss

Tausendmal bricht sich das helle Funkeln

taucht ins Nass und schimmert perlengleich

Harmonie, Vereinigung und Frieden

Dämmerschattenfarben fließen weich

 

Und ein Engel ohne Flügel

trägt im Sturm der Niemalszeit

einen Ring aus Flammenblüten

und ein helles Sternenkleid

Er geht leise durch die Stille

und im Glanz der Sommernacht

hat er dieser kalten Erde

einen Traum aus Licht gebracht

 

Schwerelos versinkt der Mond im Nebel

und der Fluss schmiegt sich an seine Spur

langsam gleiten Wolken auseinander

folgen den Gesetzen der Natur

Tausendmal krümmt sich die neue Sonne

bis sie wieder ihren Platz erreicht

noch ist sie nur eine ferne Ahnung

die sich in den Rand des Bildes schleicht

 

Und ein Engel ohne Flügel

trägt im Sturm der Niemalszeit

einen Ring aus Flammenblüten

und ein helles Sternenkleid

Er geht leise durch die Stille

und im Glanz der Sommernacht

hat er dieser kalten Erde

einen Traum aus Licht gebracht

 

Ganz behutsam lässt der Mond sich fallen

doch der Fluss bewahrt noch lang sein Licht

trägt es fort zu irgendwelchen Ufern

und verliert das helle Funkeln nicht

 

Und ein Engel ohne Flügel

trägt im Sturm der Niemalszeit

einen Ring aus Flammenblüten

und ein helles Sternenkleid

Er geht leise durch die Stille

und im Glanz der Sommernacht

hat er dieser kalten Erde

einen Traum aus Licht gebracht

 

 

 

 

 Weiße Bank

 

Wir standen dort

an den Spielautomaten

so wild und so frei

junge Sommersoldaten

die Herzen aus Gold

und die Augen voll Glut

es war nie mehr so heiß

es war nie mehr so gut

 

wie 78

in jenem August

und wir hatten noch nichts

von der Liebe gewusst

bis sie uns

zwischen Dünen und Strand

einfach so nachlief

und unverhofft fand

 

In die weiße Bank

ritzte ich mit einem Stein

zwei Herzen

und unsre Namen hinein

und mein Finger fuhr sanft

an den Rillen entlang

in diesem Sommer

auf der weißen Bank

 

Wir saßen dort

zwischen Sträuchern und Klippen

teilten den Wein

das Brot und die Kippen

die Herzen aus Gold

und die Augen voll Glut

es war nie mehr so heiß

es war nie mehr so gut

 

wie 78

und in jener Nacht

haben wir nur

geliebt und gelacht

und die Sterne sanken

so leuchtend ins Meer

doch wir liefen der Liebe

zu lang hinterher

 

In die weiße Bank

ritzte ich mit einem Stein

zwei Herzen

und unsre Namen hinein

und mein Finger fuhr sanft

an den Rillen entlang

in diesem Sommer

auf der weißen Bank

 

Heut ging ich aus Zufall

die Küste entlang

und sie stand dort noch immer

- unsere Bank

Ich bückte mich

und nahm einen Stein

ritzte unter die Herzen:

Es sollte nicht sein

 

 

 

 

 Der Herbert

 

Der Herbert hängt im Hof

Er baumelt an der Leine

zwischen den frischen Laken

Noch zucken seine Beine

 

Daneben stehen Kinder

die auf sein Schicksal wetten

Der Hans meint gutgelaunt:

Der ist nicht mehr zu retten

 

Sie finden das viel schöner

als ein Computerspiel

Sie hören Herbert röcheln

doch man versteht nicht viel

 

Na ja, so sind halt Kinder

Sie probieren manches aus

und Rita schlägt den anderen vor:

Morgen verbrennen wir den Klaus

 

 

 

 

 Ich habe mich verlaufen

 

Ich habe mich verlaufen

ich kann dich nicht mehr sehn

wollt Zigaretten kaufen

was ist mit mir geschehn?

Die Straßen wurden breiter

mit jedem neuen Schritt

und ich ging immer weiter

doch dich nahm ich nicht mit

 

Ich habe mich verlaufen

dies ist ein fremdes Land

ging nur kurz einen saufen

schon war mein Kopf verbrannt

Die Worte wurden leichter

das Leben wurde klar

mein Gestern schien mir seichter

als es wohl wirklich war

 

Ich habe mich verlaufen

bin ohne Ziel und Mut

aber mir dämmert langsam

nie ging es mir so gut

Ich habe mich verlaufen

ich komme nirgends an

ich geh nur einfach weiter

so weit und gut ich kann

 

Ich habe mich verlaufen

es wird schon langsam hell

ich fange an zu schnaufen

vielleicht ging ich zu schnell

Hier draußen zahlt man teuer

für jede Art von Glück

das Leben scheint mir neuer

ich komm nicht mehr zurück

 

Ich habe mich verlaufen

bin ohne Ziel und Mut

aber mir dämmert langsam

nie ging es mir so gut

Ich habe mich verlaufen

ich komme nirgends an

ich geh nur einfach weiter

so weit und gut ich kann

 

 

 

 

 Gypsy

 

Bist du noch immer jeden Tag

in einen andren Kerl verliebt

und wohin willst du trampen

wenn es hier keine mehr gibt

So viele Kerben auf dem Banjo

wie auf Billys Colt

wir beide waren immer Freunde

und haben niemals mehr gewollt

 

Der Truck fährt Richtung Süden

und man sieht dem Fahrer an

dass er in deiner Nähe

nicht lang ruhig bleiben kann

Ich sag „Ist schon okay

ich rauch draußen ne Zigarette

doch morgen hat sie dich vergessen

darauf halt ich jede Wette“

 

Gypsy - pass auf dich auf

wir werden langsam älter

sie spielen immer noch Cajun

aber die Nächte werden kälter

Gypsy – gib auf dich acht

Herzen stehen zu leicht in Flammen

und mancher denkt von uns

wir wären schon zu lang zusammen

 

Ich hab ne Schwester in Monroe

vielleicht schau ich bei der mal rein

sie hat nen Jungen namens Franky

der muss auch schon vierzehn sein

Vielleicht find ich da einen Job

der uns durch den Winter bringt

wir treffen uns in Baton Rouge

wenn uns hier beiden nichts gelingt

 

Gypsy - pass auf dich auf

wir werden langsam älter

sie spielen immer noch Cajun

aber die Nächte werden kälter

Gypsy – gib auf dich acht

Herzen stehen zu leicht in Flammen

und mancher denkt von uns

wir wären schon zu lang zusammen

 

 

 

 

 Ein kluger Mann belehrt eine dumme Frau

 

Ach Weib, man kann es überall lesen

Sie überrennen uns bald, die Chinesen

Die sind mit den Russen verbündet

Und wollen dass der Westen verschwindet

 

Ein Westen kann nicht verschwinden?

Konnte ich keine Klügere finden?

Ich hab Westen, nicht Weste, gesagt.

Ach, hättest du mich bloß nicht gefragt

 

Du hast nicht gefragt? Auch noch feige?

Anstatt mir dankbar zu sein

Dass ich mir Zeit nehme und dir zeige….

Ohne mich würdest du doch verloren sein

 

 

 

 

 Der Affe

 

Im Käfig aus Stahl

ein gebrochener Wille

der Rechner summt leise

ansonsten nur Stille

Und Licht bohrt sich tief

in die müden Pupillen

der Arm geht zum Mund

der Mund schluckt die Pillen

 

Und während er spielt

mit den teuren Geräten

würde ich gerne wissen

ob Affen wohl beten

 

Wir haben nur den einen Planeten

doch Gäste wie wir sind nirgends erbeten

wir kamen mit List

und tödlichen Waffen

in diesen Käfig

gehören wir – nicht die Affen

 

Ein Stückchen Metall

gleitet ins Ohr

und sendet die Daten

sofort ins Labor

Und dann brennt der Laser

so schmerzhaft und grell

ein paar kleine Löcher

ins flauschige Fell

 

Und während er stirbt

in all diesen Drähten

denk ich es lohnt nicht

für Menschen zu beten

 

Wir haben nur den einen Planeten

doch Gäste wie wir sind nirgends erbeten

wir kamen mit List

und tödlichen Waffen

in diesen Käfig

gehören wir – nicht die Affen

 

 

 

 

 Angst oder Mut?

Warum musste ich erst mit denen sprechen

die Mut haben

um Angst zu bekommen

?

und warum musste ich erst mit denen sprechen

die Angst haben

um Mut zu bekommen

?

Und habe ich nun Angst oder Mut ?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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