Mit keinem Bein im Leben
Einer
der mit keinem Bein
im Leben steht
ist womöglich
einer
der nicht mehr
aus deinem Leben geht
Hitzeflecken
Es fließt das Bier in Strömen
in der warmen Sommernacht
Das Leben ist heut Open Air
und das Bett ist schon gemacht
Muss sich nur jemand finden
um auf mir zu liegen
und auf der Großbildleinwand
sieht man Südkorea siegen
Der Sommer ist sympathisch
die meisten Menschen nicht
ich habe fast vergessen
wie man mit ihnen spricht
Hitzeflecken auf der Haut
kann niemand wirklich leiden
trotzdem scheut man sich davor
sie einfach rauszuschneiden
Die Stadt liegt halb im Koma
man bläst zur Großwildjagd
und was sich nicht erlegen lässt
wird kurzerhand vertagt
Man muss nur daran glauben
dass man nicht gewinnen kann
und schon geht man die Dinge
gleich viel entspannter an
Der Sommer ist euphorisch
die meisten Menschen auch
und ich bin recht zufrieden
weil ich sie nicht wirklich brauch
Hitzeflecken auf der Haut
kann niemand wirklich leiden
trotzdem scheut man sich davor
sie einfach rauszuschneiden
Ist Sterben immer so?
Er liegt nur da und starrt auf die Wände.
Er liegt da so seit Monaten schon.
Er wartet dort nur auf sein eigenes Ende.
Es kommt kein Besuch. Nicht einmal sein Sohn.
Da sind Frauen die ihn pflegen und waschen.
und die Nasen rümpfen wenn er mal scheißt.
Es würde ihn, weiß Gott, überraschen
wüsste auch nur eine wie er mit Vornamen heißt.
An seiner Tür steht einfach „Herr Meier“.
Er ist den Schwestern deshalb nicht bös.
Sein Alltag ist nichts als die gleiche Leier.
Drei Mahlzeiten am Tag. Intravenös.
Er hat seinen Frieden mit Gott gemacht.
Gibt es am Ende vom Tunnel ein Licht?
Oder ist dort nur die ewige Nacht?
Ist Sterben immer so? Er weiß es nicht.
Der Schuhputzer
Ich bin nicht mehr da.
Von der Geschichte vergessen.
Das geht keinem nah.
Hab ich auch nichts zu fressen.
Da ist ein schwarzes Loch.
Das war niemals mein Wille.
Vielleicht tauge ich noch
für Brecht oder Zille.
Ob die mich entlohnen?
Ich weiß es nicht.
Man zahlt wohl, so wie die wohnen,
wenig für ein Gedicht.
Strafe
Du hast die Hände auf den Herd gelegt
und einen schlimmen Schmerz gespürt
die Hände, die mich so bewegt
die mich gestreichelt, mich berührt
und hast die Lippen zart und rot
gar blutig dir gebissen
als sollten bis zu deinem Tod
sie mich nur nie mehr küssen
So sage mir nun frei heraus
wo du so feig der Liebe fliehst
stichst du dir auch die Augen aus
damit du mich bloß nie mehr siehst?
Die Jahre vergehen wie im Flug
Im ICE zwischen Hamburg und Stade
ein junger unauffälliger Mann
im Nichtraucherabteil – er isst Schokolade
und schaut sich die Landschaft dann und wann an
Dort draußen schneit es Rosen und Kühe
denn dies ist sein höchstpersönlicher Traum
er weiß das Erwachen lohnt nicht die Mühe
er spricht mit sich selbst und atmet kaum
In seinem Ohr klingt es italienisch
doch die Batterien sind beinah leer
er versteht von der Sprache weiterhin wenig
und den Walkman mag er ohnehin längst nicht mehr
Er schreibt mit dem Finger ein kurzes Gedicht
auf das beschlagene Fensterglas
mehr als zehn Zeilen sind es sicher nicht
dafür ist die Scheibe zu glatt und zu nass
Die Jahre vergehen wie im Flug
an einem Tag wie heute
sie sind immer zu kurz und es gibt nicht genug
Orte darin und Leute
Draußen bilden sich endlose Reihen
aus Gebäuden, aus Menschen, aus Bäumen
und er zwingt sich verzweifelt nicht aufzuschreien
bei der Erkenntnis fremde Gedanken zu träumen
Autos tanzen auf schwarzen Gewässern
ihr Scheinwerferlicht wird vom Regen verschluckt
es gäbe viel zu verändern, viel zu verbessern
doch die Zeit ist nur ein Nebenprodukt
Die Wolken kommen dem Zug immer näher
die Landschaft schwankt zwischen ocker und braun
und er weiß genau später oder eher
kann er seinen Gefühlen auch nicht mehr traun
Er lehnt sich zurück und zählt die Blitze
dann schläft er mit offenen Augen ein
der Regen besiegt am Ende die Hitze
und in seinem Traum stirbt er allein
Die Jahre vergehen wie im Flug
an einem Tag wie heute
sie sind immer zu kurz und es gibt nicht genug
Orte darin und Leute
Das dritte Feld
Der Friedhof hinter der Kapelle
sehr ehrwürdig und gut gepflegt
ein Ort an dem man seine Liebsten
zur allerletzten Ruhe legt
mit dem Gefühl sie finden Frieden
auf diesem weiten, lichten Feld
ein guter Ort für ihre Reise
in eine andre, bessre Welt
Hinter dem Friedhof liegt ein Feld
da werden die begraben
die nicht im Ort verwurzelt sind
die keine Heimat haben
Die Särge ohne Schmuck und Zier
die Leichentücher schlicht
sie bleiben die Vergessenen
von denen niemand spricht
Im dritten Feld jedoch dahinter
da ist die Erde ungeweiht
da harren jene armen Seelen
denen die Kirche nicht verzeiht
dass sie sich selbst das Leben nahmen
so dass man sie posthum verstieß
man gab sie der Verdammnis preis
sie kommen nie ins Paradies
Ich war dabei als man dich dort
der feuchten Erde übergab
ein Teil von mir verstarb mit dir
und heut steh ich an deinem Grab
ein Hügel zwischen wildern Gräsern
ganz ohne Kreuz und ohne Stein
wie kann eines von Gottes Kindern
nur ohne seinen Segen sein?
Der Herbst
Der Herbst vermag den Dichter zu erfreuen
führt er doch schnurstracks in die Depression
den Müßiggang des Sommer kurz bereuen
den Stift gespitzt, die Worte purzeln schon
Man muss nicht mehr an Badestätten weilen
und fetten Weibern auf die Ärsche sehn
man darf im Kämmerlein an Versen feilen
nur Müll raustragen muss man manchmal gehn
Wenn andere sich bitterlich beklagen
ob Wind und Wetter oder fallend Laub
möchte man ihnen beinah tröstend sagen:
Wie ihr wird alles andere zu Staub
Der Herbst vermag den Dichter zu erfreuen
die Finsternis ist ihm das Elixier
das Sonnenlicht jedoch möge er scheuen
das überlässt er kurzerhand dann dir
Wachkoma
Ich bin ins Wachkoma gefallen
Niemand bekam es mit
Früher erkannte man Zombies
noch leicht an ihrem Schritt
Heut könnte das auch Techno sein
wenn jemand ruckt und zuckt
Man macht sich erst dann Gedanken
wenn er Gedärme spuckt
Ob fremde oder die eigenen
sei mal dahingestellt
Es gibt viel zu viel Zombies
für viel zu wenig Welt
Ich bin ins Wachkoma gefallen
und betrachtet man es rein faktisch
hat sich rein gar nichts geändert
Wirklich praktisch
Geiseln
Sie finden ihn durchweg sympathisch
bis auf das Maschinengewehr
denn er hat so einen nervösen Tick
und schwingt das Teil hin und her
Er sieht beinahe wie Al Pacino aus
in seinen besten Jahren
vielleicht eine Spur zu blass im Gesicht
und mit etwas längeren Haaren
Er hat ihnen ja glaubhaft versichert
dass er ihnen nichts tut
und wenn er erst seinen Wagen bekommt
wird für ihn und für sie alles gut
Geiseln zeigen oft artfremdes Benehmen
doch dafür muss sich niemand schämen
denn es liegt doch klar auf der Hand
das Stockholm-Syndrom ist auch ihnen bekannt
Die Scharfschützen bestellen sich Kaffee
Der wärmt von innen und er hält wach
Denn es herrscht gottverdammte Kälte
und zugig ist es auch auf dem Dach
Das Männchen am Megafon quatscht eifrig Arien
In der Einsatzzentrale wird recherchiert
Hat der Kerl eine Mutter oder eine Freundin
die ihm zureden kann dass er kapituliert?
Die Fernsehtante prüft im Spiegel ihr Make-up
und posaunt lächelnd hinaus in die Welt:
„Wie wir aus sicherer Quelle wissen
hat er Pizza und Cola für alle bestellt“
Geiseln zeigen oft artfremdes Benehmen
doch dafür muss sich niemand schämen
denn es liegt doch klar auf der Hand
das Stockholm-Syndrom ist auch ihnen bekannt
Nun also wird die Pizza geliefert
Zehnmal Salami und einmal vegetarisch
Als Austausch soll eine Geisel nach draußen
doch die sind plötzlich so verflucht solidarisch
Sie wollen den netten Mann nicht verlassen
und auch nicht ihre Leidensgenossen
Am Ende muss schließlich das Los entscheiden
und es werden bittere Tränen vergossen
Man umarmt sich, man küsst sich
und beim Blick zurück
haucht die Sekretärin:
„Ich wünsch Ihnen Glück“
Geiseln zeigen oft artfremdes Benehmen
doch dafür muss sich niemand schämen
denn es liegt doch klar auf der Hand
das Stockholm-Syndrom ist auch ihnen bekannt
Es sind achtundvierzig Stunden vergangen
und die Lage wird immer schräger
denn hinter der Absperrung prügeln sich
die Filmproduzenten und die Verleger
Es wurd keine Mutter, keine Freundin gefunden
Auch keine Katze und auch kein Hund
In der Tagesschau brilliert ein Psychologe:
„Ich würde sagen, der ist nicht gesund“
Der Bürgermeister ist ein glücklicher Mensch
Er kann seinen großen Auftritt genießen
klettert auf einen Panzerwagen
und brüllt: „Stürmen und alle erschießen!“
Die Geschichte hat kein trauriges Ende
Alle verlassen lebend das Haus
Der Geiselnehmer hat sich da drinnen verlobt
Na ja, sieht man wie Al Pacino aus….
Gedanken im Hotel
Ich kam kurz vor acht.
Und buchte mit Visa.
Bleib nur über Nacht.
Wieder mit Lisa.
Sie kommt um zehn.
Weil sie früher nicht kann.
Und muss zeitig gehn.
Wegen ihrem Mann.
Muss ihm Frühstück machen.
Er kommt von der Schicht.
Sagt oft seltsame Sachen.
Doch von uns weiß er nicht.
Würde er es genießen
und empfände gar nichts dabei
jemanden zu erschießen?
Doch wen von uns drei?
Ein Tag
Der Wecker gähnt für einen neuen Morgen.
Man schüttelt Kaffeepulver aus der Dose.
Gern würde man sich noch ein Stündchen borgen.
Und klettert schlechtgelaunt in seine Hose.
Im Radio schlägt das Wetter Kapriolen.
Man kämpft mit Unlust und mit der Frisur.
Wie immer wird man von der Zeit bestohlen.
Wie jeden Morgen siegt dann doch die Uhr.
Man eilt zum Bahnhof nur um zu erfahren:
Es fährt voraussichtlich heute kein Zug
weil sich Opposums auf den Schienen paaren.
Ausreden hat die S-Bahn stets genug.
Verspätet um fast eine ganze Stunde
erreicht man schließlich dennoch das Gericht
und vernimmt schon am Eingang dann die Kunde:
Die PC’s laufen mal wieder nicht.
Es stapeln sich die Akten Richtung Decke.
Man starrt frustriert auf das Kalenderblatt.
Der Tag kriecht langsamer als eine Schnecke.
Und schon am Mittag ist man völlig platt.
Der Nahverkehr macht auch nachmittags Pause.
Diesmal sind wohl die Sonnenflecken schuld.
Wer klug ist bleibt sein Leben lang zu Hause.
Wer nicht klug ist braucht Ruhe und Geduld
Von Brixton nach Luton
Von Brixton nach Luton
geht’s leichter als man denkt
sofern man ein paar Regeln
dabei Beachtung schenkt
In England fährt nicht nur
der offensichtlich Breite
sondern tatsächlich jeder
auf der falschen Seite
Man bremse zwar für Hasen
doch nicht für Straßenräuber
erst recht nicht wenn die aussehn
wie Seehofer und Stoiber
Man achte auf sein Limit
und auf das Tempo auch
fahre mit klarem Kopfe
doch nicht mit leerem Bauch
Ganz gleich ob nun Beifahrer
oder Beifahrerin
ein Beischlaf ist auf jeden Fall
während der Fahrt nicht drin
Beachtet man die Regeln
und hat ein wenig Glück
kommt von Brixton man nach Luton
und auch wieder zurück
Mir kam der Mond abhanden
Mir kam der Mond abhanden
Wie ist das nur geschehn?
Hat ihn in fernen Landen
vielleicht wer scheinen sehn?
Wirkt er stumm und verdrossen?
Verzagt ob dieser Welt?
Oder zecht er mit Genossen
unter dem Sternenzelt?
Mir kam mein Mond abhanden
das hätt ich nie gedacht
seit wir uns erstmals fanden
war ich Teil seiner Nacht
Träge Gegend
Ach, wie träge scheint die Gegend
wirklich jenen Windhauch missend
der selbst wenn er kaum bewegend
doch um ihre Sehnsucht wissend
sie umschmeichelt, wartend, sinnend
bis sie sich ihm zeigt ergeben
so dass er schließlich gewinnend
niedersinkt in Gras und Reben
Ich hab Angst
Ich hab Angst und Angst kann ich nicht leiden
jemand hat die Uhr aus Bosheit vorgestellt
und ein schwarzer Vogel hockt zwischen uns beiden
draußen vor dem Fenster brennt die ganze Welt
Wären wir doch neunzehn nur geblieben
hätten noch was andres ausprobiert
damals war es einfach dich zu lieben
heute ist es einfach nur passiert
Ich hab Angst und Angst mag ich nicht haben
hungrig lauern Schatten vor der Tür
alles was wir uns einander gaben
ist seit Ewigkeiten nicht mehr hier
Hätten wir nur früher mehr gesprochen
und uns unsre Freiheit nicht geraubt
wär vielleicht nicht ganz so viel zerbrochen
und wir hätten uns heut noch geglaubt
Ich hab Angst und kann sie nicht besiegen
um uns ist die Luft schon viel zu schwer
wir bleiben nah beieinander liegen
dabei kennen wir uns längst nicht mehr
Die Gewohnheit
Die Gewohnheit ist ein geduldiges Wesen
das es sich nicht gerne mit dir verscherzt
es kann problemlos in deiner Zukunft lesen
mit dem Wissen dass du die Auskunft verschmerzt
Sie hat für gewöhnlich nicht viel zu berichten
wo doch das Gestern dem Morgen stets gleicht
und niemals würde sie über dich richten
weil dir das Unerlebte schon reicht
Sie ist gewohnt sich gut zu betragen
und redet wenn es sein muss dir nach dem Mund
sie bietet niemals Anlass für Zweifel und Klagen
sie ist gut für dich – aus gutem Grund
Die Gewohnheit ist ein treuer Gefährte
der dich vor den Klippen des Lebens beschützt
weil er Zeit deines Lebens dich inständig lehrte
dass der Aufruhr des Herzens der Seele nicht nützt
Auf den Schwingen der Nacht
Wir atmen das Leben so tief es nur geht
denn wir sind so müd und beladen
doch wenn der Wind sich erst endlich dreht
führt er uns zu fremden Gestaden
Dort erwartet uns neue Zuversicht
und ein Maß an glücklichen Tagen
der Herr ist bei uns und wir zweifeln nicht
seine Güte wird uns allzeit tragen
Wir gleiten sanft auf den Wellen dahin
sie führen uns in die Ferne
auf den Schwingen der Nacht
werden wir heimgebracht
und uns leiten alleine die Sterne
Was hinter uns liegt ist für immer vorbei
uns erwarten fruchtbare Auen
im Herzen ist ein jeder Mensch frei
vermag er auf Gott zu vertrauen
In seiner Gnade vermag er allein
das Gute vom Schlechten zu scheiden
er wird all unsre Seelen befrein
und nie wieder werden wir leiden
Wir gleiten sanft auf den Wellen dahin
sie führen uns in die Ferne
auf den Schwingen der Nacht
werden wir heimgebracht
und uns leiten alleine die Sterne
Der ungelesenste Dichter der Welt
Ich hab mal wieder mit Jörg
ein Streitgespräch darüber geführt
wer der ungelesenste Dichter der Welt ist
und Jörg hat sich etwas geziert
denn er ist ein freundliches Kerlchen
und kann mich wohl gut leiden
deshalb druckste er auch so rum:
„Na ja, einer von uns beiden“
Das hat uns schon etwas bekümmert
zum Glück kam Jörg dann drauf:
„Jetzt liest jeder die Gedichte des andern
und schon holen wir mächtig auf“
Ein brillanter Fehler mehr
Sie war dreißig und hat auf zwanzig gemacht
und zog durch die Clubs in jeder Nacht
Ihr Mann war daheim und hat das Baby gefüttert
war abwechselnd traurig, wütend und verbittert
Sie stand vor mir und hat mich nach Feuer gefragt
da hab ich alle Bedenken zum Teufel gejagt
und nicht einmal die Wahrheit machte ihr Angst:
Lady, ich hab mehr Feuer als du verlangst
Ein brillanter Fehler mehr
wenn die Endabrechnung kommt
ein brillanter Fehler mehr
und natürlich wieder blond
Sie war fünfzehn und von zuhaus abgehaun
und konnte so sehnsüchtig schaun
Zur Hälfte ein Engel, zur Hälfte Lolita
und sie hielt sich fest an einem Glas Margarita
Nicht dass ich es wollte oder mich dafür schäme
doch ich habe zwei Händchen für solche Probleme
und es mag vielleicht etwas einfältig klingen
aber irgendwo muss sie die Nacht ja verbringen
Ein brillanter Fehler mehr
wenn die Endabrechnung kommt
ein brillanter Fehler mehr
und natürlich wieder blond
Ich und die Frauen
Die Frauen und ich
Irgendwie kommt das Thema
doch niemals vom Tisch
Wenn vor dem Jüngsten Gericht
man auf schuldig plädiert
kann ich nur sagen:
Brünett hat mich nie interessiert
Lolas WG-Bericht
Ich schmier mir ein Brot.
Dem Gerd schmier ich keins.
Das ist eine WG.
Das heißt: Jeder macht seins.
Nur am Wochenende
nach Disco und Tanz
und viel Alkohol
lutsch ich ihm den Schwanz.
Schaulustige
Unsere Liebe ist ein Auffahrunfall
zwei Tote
wir sind zugleich Opfer und Schaulustige
Ballade vom traurigen Platzwart
Vierzig Stunden in der Woche
pflegte er den grünen Rasen
und er kannte jeden Halm
auf der Bielefelder Alm
Jedoch samstags – fünfzehndreißig
kamen ein paar junge Herren
und die jagten überall
einen runden Lederball
Meistens war nicht sehr ästhetisch
was sein Auge dort erblickte
wenn ein Wald- und Wiesenkicker
achtlos manchen Grashalm knickte
und er hasste diese Füße
mit den Schuhen und den Stollen
jener Männer die´s nicht können
obwohl sie so gerne wollen
Und der ramponierte Rasen
nach der furchtbar wüsten Schlacht
war nicht tot – nein Gott sei Dank
nur äußerst krank
Und als Bielefeld dann abstieg
und das Städtchen Trauer trug
schrie der Platzwart laut : Hurra
nie mehr Bundesligaga
Das Gleichgewicht meiner Welt
Ich hab mein halbes Leben
auf der Flucht vor den Schatten verbracht
und lief wie Jack O’Lantern
auf den dunkelsten Wegen der Nacht
Ich sah Menschen kommen und gehen
und sah teilnahmslos zu
die Besten sind mir geblieben
doch niemand ist so kostbar wie du
Du hast geduldig und wissend
das Feld meiner Liebe bestellt
du bist ein leuchtender Fixstern
und das Gleichgewicht meiner Welt
Mit dir ist der Weg sehr viel leichter
und der tägliche Kampf nicht vergebens
du bist das Licht am Ende des Tunnels
und der Atem des Lebens
Meistens lauf ich in zu großen Schuhen
und fall über die eigenen Beine
doch du bist da und hilfst mir wieder hoch
denn manchmal schaff ich es nicht alleine
Du hast geduldig und wissend
das Feld meiner Liebe bestellt
du bist ein leuchtender Fixstern
und das Gleichgewicht meiner Welt
Für Regine
Unter meinem Fenster
Unter meinem Fenster
eine alte Gaslaterne
da steht ein Pärchen rum
und hat sich scheinbar gerne
Es scheint dass sie sich küssen
im milchig trüben Licht
sollen sie doch wenn sie müssen
mich stört das wirklich nicht
Ich denk mir in der Stille
ich hätt es auch gemacht
dort unter meinem Fenster
in eben dieser Nacht
Doch es hat sich nicht ergeben
denn ich war heut allein
so wünsche ich den beiden
sie mögen glücklich sein
Unten meinem Fenster
eine alte Gaslaterne
da steht ein Pärchen rum
und hat sich gar nicht gerne
Sieht aus als ob sie streiten
im ersten Tageslicht
na macht mal ruhig weiter
mich stört das wirklich nicht
Ich denk bei dem Gebrülle
ich würd jetzt auch gern schrein
denn man sieht ihnen an
es muss wohl Liebe sein
Doch es hat sich nicht ergeben
dass ich heut so was tu
nun ja so ist das Leben
- ich mach das Fenster zu
Südliche Einsamkeit
Es brennt eine südliche Sonne
über den weißen Häusern am Meer.
Und jeder meiner Gedanken
sehnt sich nach deiner Wiederkehr.
Die Fischer sitzen am Hafen
der Fang ist schon eingebracht.
Sie warten auf ihre Frauen
und die kühle Frische der Nacht.
Es duftet nach würzigem Tabak
und nach tröstendem Wein.
Ich bin und bleibe ein Fremder
und trinke für mich allein.
Der Abend treibt lauwarme Winde
über den träumenden Strand.
Mir fehlt ein vertrautes Gesicht
in diesem glücklichen Land.
Die Sonne fällt in die Wellen,
die Möwen entkommen dem Tag.
Einsamkeit ist eine Droge
und manchmal macht sie dich stark.
Trugschluss
Sie riefen laut: „Der Krieg endet jetzt“
als wär das gleichbedeutend mit Frieden
haben ein Kind in die Welt gesetzt
und sich für die Zukunft entschieden
Sie tauschten das Schwert gegen den Pflug
und waren wieder gewöhnliche Leute
doch der Krieg hatte von ihnen noch nicht genug
und er kann warten auf seine Beute
Sie lernten es auf die harte Tour:
Der Geschichte wird es nie genügen
dass jemand glaubt seine blutige Spur
ließe sich auf ewig verpflügen
Solche Tage sind längst gezählt
Der Sommer zu kalt
um ihn wirklich zu lieben
wir sind eine Nacht lang
in Bremen geblieben
dafür muss man sich nicht schämen
es gibt schlimmere Städte als Bremen
Dort nennt man das Kino noch Lichtspielhaus
und scheucht dich um fünf mit den Hunden raus
das Leben findet im Wochenblatt statt
das hat mehr Bilder als Leser
und wo Nebel steigt ist die Weser
Solche Tage sind längst gezählt
wir haben das Glück nur eine Handbreit verfehlt
und die Mehrheit der Passanten
hielt uns ohnehin für Komödianten
Der Kaffee zu dünn
um ihn wirklich zu trinken
die Arme zu schwer
um dem Kellner zu winken
dafür muss man nicht studieren
das kann jedem von uns passieren
Mir scheint die Bremer Stadtmusikanten
waren die Vorboten der Asylanten
das Wetter findet im Verborgenen statt
der Nordwind peitscht hart die Gräser
und wo es nass wird da ist die Weser
Solche Tage sind längst gezählt
wir haben das Glück nur eine Handbreit verfehlt
und die meisten der Passanten
taten als ob sie uns kannten
Mist
Es ist Mist
wenn der Bademeister Nichtschwimmer ist
du deine Braut in der Kirche vergisst
wenn dein Hund deine Hausschuhe frisst
das ist Mist
Geht man zum Bach-Konzert
und sie spielen dort Liszt
das ist Mist
Es ist Mist
wenn man auf deine Klobrille pisst
Mick Jagger sagt er wär ab heut Pianist
und dein Spiegel dich fragt wer du bist
das ist Mist
Ist man Bauarbeiter
und fällt vom Gerüst
das ist Mist
Es ist Mist
wenn man deinen Geburtstag vergisst
die eigene Frau dich nicht vermisst
wenn dein Hamster deine Briefmarken frisst
das ist Mist
Wenn man träumt man wär tot
und es dann gar kein Traum ist
das ist Mist
Es ist Mist
wenn man Cabrio fährt und es pisst
man seinen Schlüssel in der Wohnung vergisst
wenn einen nur die eigne Mutter noch küsst
das ist Mist
Fällt dir ne Kippe beim Tanken
in den Kanister
und entdeckst du im Bett
die Miss ist ein Mister
und statt Sonnenschein
gibt’s einen Twister
dann ist das nicht nur Mist
sondern mister
Ich hab einen Engel gesehen
Ich hab einen Engel gesehen
einen Engel mit künstlichen Haaren
in der Station mit den Türen aus Stahl
wo die Träume unheilbar waren
Ich hab einen Engel gesehen
es ging ihm nicht gut
war nur Haut und Knochen
und spuckte Blut
und sein Gebet
trieb den Herren Doktoren
das Gleichmutsschmalz
aus den sauberen Ohren
Ich hab einen Engel gesehen
mit offenen Geschwüren
und hatte den Wunsch
ihn sanft zu berühren
Ich hab einen Engel gesehen
man trug ihn aus dem Haus
und er sah selbst im Tode
noch würdevoll aus
- wie ein Mensch
Leiser Gesang
Es folgt meinen Schritten ein leiser Gesang
mit Worten wie nur Engel sie wagen
ein niemals endender euphorischer Klang
erfüllt jedoch von zahlreichen Klagen
Aber dennoch Lobpreisung zugleich
das Hohelied vom Garten Eden
ein Fingerzeig auf des Schöpfers Reich
das Versprechen von Gnade für jeden
Es folgt meinen Schritten ein leiser Gesang
bis zum Eintritt in die Kapelle
es scheint als würde den Engeln bang
ob des Priesters dort an Gottes Stelle
Und auch wenn er mit Gottvertrauen
zu seinen Schafen spricht
wird er niemals die Engel schauen
und auch nicht ihr heiliges Licht
Es folgt meinen Schritten ein leiser Gesang
als ich die Kapelle verlasse
und ich höre, als ich mich beuge zum Dank:
Ewig ist der Herr, doch du, Mensch, verblasse
Wer fliegen will muss fallen lernen
Das Leben ist nicht leicht
und folgt nicht immer einem Plan
man lernt es nicht so einfach
wie beispielsweise Fahrrad fahrn
Trotzdem gibt’s Ähnlichkeiten
Man muss im Sattel bleiben
und wenn man dann freihändig fährt
sollte man’s nicht übertreiben
Es ist okay größer zu denken
darum greif ruhig nach den Sternen
so lange du nur nicht vergisst:
Wer fliegen will muss fallen lernen
Die feiste Frieda
Club Havanna - 17 Kerle
Luft zu trocken - Drinks zu warm
dann kommt Bea mit der Boa
um den Hals und überm Arm
Schlängeln können alle beide
so dass man beinah vergisst
wer von ihnen denn nun wirklich
eine echte Schlange ist
Aber jetzt verlangt die Runde
nach der nächsten Attraktion
und zum Wabbeln ihrer Pfunde
haucht nun Frieda: "Komme schon"
Und dann quillt der feisten Frieda
Frischfleisch aus dem lila Mieder
und sie duftet so nach Flieder
und nach Moos
Und dann lässt die feiste Frieda
sich auf ihrem Hocker nieder
und man guckt ihr gerne wieder
in den Schoß
Club Havanna - 17 Kerle
Luft zu trocken und kein Eis
es fließt Whisky und Tequila
und vor allem reichlich Schweiß
Und sie gaffen wie die Affen
auf die Perlenschimmerhaut
von der immer netten fetten
Samstagabendstripteasebraut
Und dann schreit die ganze Runde
"Ey zeig uns noch etwas mehr"
Frieda schaut auf ihre Pfunde
und sagt: "Das ist ja nicht schwer"
Und dann quillt der feisten Frieda
Frischfleisch aus dem lila Mieder
und sie duftet so nach Flieder
und nach Moos
Und dann lässt die feiste Frieda
sich auf ihrem Hocker nieder
und man guckt ihr immer wieder
in den Schoß
Clown-Tag
Die zersägte Jungfrau ist heut nicht gut drauf
und fragt: „Hat jemand meine Beine gesehn?“
Der Messerwerfer ist grade dabei
seine Klingen aus der Assistentin zu drehn
Der Kopf des Dompteurs steckt im Löwenmaul fest
und dass der nervige Zwerg nicht mehr hampelt
hat auch einen mehr als guten Grund:
Er wurde von Elefanten zertrampelt
Es ist wiedermal Clown-Tag
Zeit Leute zu erschrecken
denn Lachen hat nur einen wirklichen Wert
bleibt es einem im Halse stecken
Oben in der Manege entdeckt ein Artist
dass der vierfache Salto doch nichts für ihn ist
Er bricht sich beim Sturz sein zartes Genick
immerhin war das mal ein ganz neuer Trick
Der Feuerschlucker muss ins Krankenhaus
und die Ärzte die ihn dort behandeln
kriegen sich vor Freude kaum ein:
Endlich wieder gebrannte Mandeln
Es ist wiedermal Clown-Tag
Zeit Leute zu erschrecken
denn Lachen hat nur einen wirklichen Wert
bleibt es einem im Halse stecken
Der Clown pustet sich mal eben das Hirn weg
und hat dabei gelacht
denn sein letzter Gedanke war:
Er hatte schon hirnlosere Dinge gemacht
Der Herr Bischof
Der Herr Bischof liebt die Menschen
ganz besonders zarte Knaben
die nicht im geringsten ahnen
was sie zu erwarten haben
Also öffnet er die Arme
um die Botschaft zu verkünden
und bedauert kleine Kinder
ob ihrer gar großen Sünden
Anchorage ist nicht real
Das Balg des Präsidenten
nur Schabernack im Kopf
spielte mit Daddys Koffer
und mit dem roten Knopf
Mama war in der Kirche
Daddy triebs im Büro
mit seiner Sekretärin
Oma war auf dem Klo
Der Vize wollte retten
was noch zu retten ist
denn tief in seinem Herzen
war er doch Pazifist
Er fluchte laut "Scheiß-Technik"
spielte am Hebel rum
und brachte aus Versehen
dann halb Alaska um
Anchorage ist nicht real
morgen wird es wieder schnein
und dann friert der Wind der Zeit
all die Toten einfach ein
Anchorage ist nicht real
alles das ist nicht passiert
und bevor noch jemand fragt
wird Alaska dementiert
Ein alter Herr im Kreml
und fröhliche Genossen
drücken ihr Beileid aus :
Ätsch, ätsch vorbeigeschossen
Aber so sind die Bälger
verdammte Vaterpflicht
Parole auch in Moskau :
Alaska gibt es nicht
Der Präsi vor der Presse
hebt grüßend seine Hand
Alaska war ne Scheinwelt
ne Art von Disneyland
Da gab es auch nur Puppen
und jener große Knall
waren die Special Effects
für: Donald fliegt ins All
Anchorage ist nicht real
morgen wird es wieder schnein
und dann friert der Wind der Zeit
all die Fragen einfach ein
Anchorage ist nicht real
alles das ist nicht passiert
und bevor noch jemand fragt
wird Alaska dementiert
Neujahrsgruß eines deutschen Soldaten
Mutter, was für ein Neujahrfest
wir schießen Raketen auf Polen
der Führer hat uns versprochen
Alles werden wir uns holen
Wiederholen wollte ich sagen
nicht dass mich wer falsch versteht
selbst im Memelland weiß jeder Mensch
dass auf deutschem Boden er geht
Mutter hab ein gesundes Jahr
feiert, ich wär gern dabei
schreib auch der Natascha in Königsberg:
Schon bald ist sie wieder frei
Klein – groß
Man kann nicht zu klein
für große Fragen sein
denn wenn man das glaubt
kriegen die Großen einen klein
Beat Café
Die Grenze nur einen Steinwurf entfernt
da lebten die Bösen – so hat man’s gelernt
und nur ein Stück weiter dahinter
der kalte russische Winter
Die geteilte Stadt, versehrt und verbittert
in eine ungewissen Zukunft gezittert
ohne jede eigene Identität
wie ein Spielball in den Händen fremder Mächte gedreht
Dann kamen die Hehler und die Spekulanten
die außer ihrem Profit nichts anderes kannten
und eine Jugend im kalten Krieg geboren
hatte viel zu schnell ihre Unschuld verloren
Im Beat Café lief der Soldatensender
und spielte jede Nacht zwanzigmal „Love me tender“
GI Johnny sagte: „Im Großen und Ganzen
seid ihr Deutschen okay, aber ihr könnt nicht tanzen“
Die Bordsteinschwalben im Schatten der Mauer
waren immer blass, aber dafür auch schlauer
und für ein paar selbstgedrehte Zigaretten
gab es französische Küsse in amerikanischen Betten
Auf dem Flugplatz in Gatow hat man uns bei Nacht
als kein Flugverkehr war Baseball beigebracht
So cool wie wir waren haben wir nicht gekniffen
doch von dem Spiel rein gar nichts begriffen
Am 17. Juni standen wir stolz und grade
und salutierten bei der Parade
unsren neuen Freunden aus Übersee
und die Vergangenheit tat nicht mehr ganz so sehr weh
Im Beat Café lief der Soldatensender
und spielte jede Nacht zwanzigmal „Love me tender“
GI Johnny sagte: „Im Großen und Ganzen
seid ihr Deutschen okay, aber ihr könnt nicht tanzen“
Lebenslauf
Ich bin vor viel zu langer Zeit geboren
in einer Klinik namens „Waldesruh“
zwei Hebammen und einige Doktoren
gesellten zur Geburt sich noch dazu
Mein Vater jedoch war leider verschollen
doch wenigstens war Mutter ja noch da
um mich in Creme und Puder einzurollen
so dass ich einem Schnitzel ähnlich sah
Ich wuchs heran und war stets eine Plage
mein Lieblingswort lautete damals „Nein“
ich arrangierte mich mit meiner Lage
ich fiel nicht auf, mehr fiel mir auch nicht ein
Ein Lehrer der nicht gleich an mir verzagte
hielt mich in manchen Dingen für begabt
auch wenn er sich schlussendlich dann beklagte
weil ich mich nie hinaus aufs Eis gewagt
So hieß es dann: Hinein ins Leben treten
die Aussicht machte damals manche froh
ich hab mir derlei Unfug strikt verbeten
und statt ins Leben trat ich ins Büro
Da sitz ich täglich nun meine acht Stunden
und widme mich dem Trübsinn und der Pflicht
Erfüllung hab ich bisher nicht gefunden
doch reicht es immerhin für dies Gedicht
Es geht ein stiller Mond dahin
Es geht ein stiller Mond dahin
über den weiten Weiden
und grübelt nicht über den Sinn
die Nacht vom Tag zu scheiden
So üb auch ich mein Handwerk aus
bei Nacht und auch am Tage
und wie der Mond über dem Haus
stell ich es nicht infrage
Ein jedem ist sein Los bestimmt
egal ob groß, ob klein
welch Last man dabei auf sich nimmt
darf nie der Maßstab sein
Es geht ein stiller Mond dahin
und schwankt in seinem Glauben nicht
so wie auch ich mir sicher bin
ob meiner Schuld, ob meiner Pflicht