Koma-Gedanken

 

Frau, hör doch endlich auf zu erzählen

Glaubst du denn wirklich dass mich interessiert

dass die Butter bei Bolle heut drei Cent rauf ist

und Frau Müller bald ihren Kater kastriert?

So fühl ich mich auch, ohne Eier und hilflos

ausgeliefert deinem Geschwätz

warum stolperst du nicht beim Rausgehn über den Stecker?

Wenn du das tust dann verzeih ich dir jetzt

 

Diese nutzlosen Stunden die du hier vergeudest

Hast du denn wirklich nichts bessres zu tun?

Ich fühle mich wie Gary Cooper

und wart seit drei Jahren auf den High Noon

Die Schwester die mir die Scheiße vom Arsch wischt

wär sicherlich auch lieber bei ihrem Freund

ich seh manchmal zu wenn sie sich umzieht

und was ich dann denke ist nicht böse gemeint

 

Lass dich doch verdammt noch mal von mir scheiden

geh doch mit dem Meier mal ins Café

du glaubst doch nicht ernsthaft bei meinem Zustand

täte solch eine Botschaft mir irgendwie weh?

Ich bin eine Verschwendung von Zeit und von Geldern

und ganz ohne Nutzen für die Doktoren

bei Nacht träum ich mich fort in finstere Wälder

und ein Teil von mir bleibt dort für immer verloren

 

 

 

Margarethe schrieb Käthe

 

Es schrieb einst Margarethe

an ihre Freundin Käthe :

„Ob er mich wohl liebt?

Ach Gott, ich bete

 

Doch manchmal könnte ich ihn ermorden

Ach Käthe, was ist nur aus mir geworden?

Ich glaube fast ich bin ihm peinlich

und eine Zukunft ist unwahrscheinlich

ach Käthe

 

Ich würde ihm ja gerne vertrauen

er sagt, er trifft keine anderen Frauen

Doch in mir ist so ein schleichendes Gift

Ein Verdacht, weil er mich so selten nur trifft

ach Käthe

 

Ich kann mich bei ihm partout nicht benehmen

Mama würde sich für mich schämen

Ich tu was er sagt und ich tu es gern

doch die meiste Zeit bleibt er mir trotzdem fern

ach Käthe

 

Er hat mir einfach so meine Unschuld genommen

Ich würde gern Kinder von ihm bekommen

doch ich weiß ja nicht einmal wo er wohnt

Ob sich all die Verzweiflung am Ende noch lohnt?

Ach Käthe

 

Er scheint mir von Mal zu Mal etwas kälter

Ach Käthe, er ist zwanzig Jahre fast älter

doch wenn man sich liebt ist das doch egal

doch liebt er mich wirklich? Ich glaubte das mal

ach Käthe“

 

Es schrieb einst Margarethe

an ihre Freundin Käthe :

„Ob er mich wohl liebt?

Ach Gott, ich bete“

 

 

 

Die Verblühten

 

Sie treffen sich einmal im Monat.

Meistens gehen sie tanzen.

Sie träumen von Richard Gere,

von Kindern und von Romanzen.

 

Gemeinsam können sie lachen.

Und tun was man sich sonst nicht traut.

Man trägt parfümierte Wäsche

und zeigt dezent etwas Haut.

 

Sie trinken mehr als sie vertragen.

Und ehe man sich versieht

sind die besten Jahre vergangen

und die schönen Rosen verblüht

 

 

 

Drei Ecken Elfer

 

Drei Ecken – Elfer

und Maria friert im Wind

fragt sich wo die Freunde

abgeblieben sind

Verloren wie das Geld

und auch Gottes Wort

drei Ecken – Elfer

schieß den Ball nicht so weit fort

 

Drei Ecken – Elfer

die Straßen sind verwaist

und das Kind am Bahnhof

weiß nicht wie es heißt

Drückt sich an die Wände

oder einen Schuss

drei Ecken – Elfer

aber danach ist Schluss

 

Drei Ecken – Elfer

bei Paule brennt noch Licht

heut ist er auf Methadon

und morgen bei Gericht

Für sich selbst zu sprechen

hat selten einen Zweck

drei Ecken – Elfer

knall den Ball ins Eck

 

Drei Ecken – Elfer

und der fette Mann

steht allein im Zwielicht

und starrt die Kinder an

Wenn er näher kommt

gehn wir lieber nach Haus

drei Ecken – Elfer

das Spiel ist endlich aus

 

 

 

Brief an Gottes Sohn

 

Du Revoluzzer! Anarchist!

Ich hoffe, dass wohlauf du bist.

Und ja: Ich hab gesündigt.

Jedoch: Wäre ich du mein Freund

- und das ist durchaus ernst gemeint -

hätt ich der Menschheit schon gekündigt

 

 

 

Trouble im Taka-Tuka-Land

 

Trouble im Taka-Tuka-Land

Tommy und Annika sind in Gefahr

und es ist schon Jahre her

dass man zuletzt dieses seltsame Mädchen sah

Früher gab es höchstens mal Stress

mit ein paar dämlichen Affen

heut spielen die Kids in den Klassenzimmern

mit vollautomatischen Waffen

 

Pippilotta es wird langsam Zeit

die Dinge wieder zurechtzubiegen

bevor Herrn Nilsson und Kleiner Onkel

die Kugeln um die Köpfe fliegen

Es gibt keine Paradiese mehr

und die Menschen sind schlecht

entwaffnest du sie nicht mit deinem Lächeln

behalten die Zyniker recht

 

Die Villa Kunterbunt wurde zwangsversteigert

und du bist seitdem spurlos verschwunden

Manche sagen du wärst nach London gegangen

und hättest dort den Punk-Rock erfunden

Andre sagen du hättest ein Modelabel

und bekamst von der Queen einen Orden

aber ich mag das alles nicht glauben

und hoffe du bist nie erwachsen geworden

 

Trouble im Taka-Tuka-Land

alle Kinder der Welt sind in Gefahr

und man kann sich nur von Herzen wünschen

dieses seltsame Mädchen wär wieder da

Früher waren die Dinge noch einfach

heut ist das Leben viel zu kompliziert

und wie soll man noch Hoffnung haben

wenn selbst Pippi Langstrumpf kapituliert?

 

 

 

Wohin die Straßen ziehen

 

Wohin die Straßen ziehen, kannst Du’s sagen?

Sie ziehn durch Städte und auch über Land.

Dorthin wohin wir uns bestimmt nicht wagen.

Doch auch an Orte die uns schon bekannt.

 

Sie überqueren Flüsse, Bäche, Tümpel.

Letztlich scheitern sie dann allein am Meer.

Es ist ergreifend und zugleich so simpel.

Wen schert es, ob die Straßen voll, ob leer?

 

Es sind nur Straßen und nicht Religionen.

Doch sind sie uns nicht dennoch beinah heilig?

Uns kümmern nicht die Menschen die dort wohnen.

Das Ziel scheint dringlich doch der Weg nicht eilig.

 

Wohin die Straßen ziehen, magst Du‘s wissen?

Sie ziehn durch Städte und auch über Land.

Wir wissen nichts als dass wir weiter müssen.

Wohin ist uns noch immer nicht bekannt.

 

 

 

Spätsommer, Schweden

 

Schon zwei Nächte im Auto gepennt

irgendwo mitten in Schweden

miese Laune und frisch getrennt

und keinen Bedarf darüber zu reden

Der Alkohol kaum zu bezahlen

was für ein beschissenes Land

abgesehen von Björn Borg und Abba

und Lunas tröstender Hand

 

Sie streichelt mich nicht erotisch

sondern wie einen Hund

klar, ich hab mich verlaufen

und für Erotik gibt es keinen Grund

Mit ihren paar Happen Englisch

kommen wir auch nicht sehr weit

ich habe zu wenige Träume

sie dagegen hat zu viel Zeit

 

Immerhin gibt es eine Dusche

auf dem Campingplatz wo sie wohnt

und sogar ein Schild auf Deutsch

dass man die Natur bitte schont

Ich hab nicht vor der Natur was zu tun

sie hat mir ja auch nichts getan

aber Lunas Eltern die gucken

als wäre ich Dschinghis Khan

 

Überall Deppen die angeln

mir hängt der Magen bis in die Knie

aber auf eins kann man wetten:

Fisch ess ich garantiert nie

Ein Laib Brot und ein paar Beeren

sind ja auch nicht völlig verkehrt

Lunas Mutter kann sogar lächeln

selbst in Schweden ist mein Charme noch was wert

 

Ich würde ihr ja Blumen pflücken

stehn mehr als genug davon rum

ich habe nur so eine Ahnung

die Natur nähme mir das dann krumm

Ich schenke ihr einen Fächer

der lag noch im Kofferraum

ein Teil eines anderen Lebens

ein längst gestorbener Traum

 

Ich blättere in meinem Hemingway

Lunas Hund bewacht meine Karre

Ernest wäre wohl besser gerüstet

mit Whisky und mit einer Knarre

Doch auf was sollte man hier ballern?

Mit den Elchen hab ich keinen Streit

Ich schau in die schwedische Sonne

und vergesse den Schmerz und die Zeit

 

 

 

Ein Windhauch

 

Ein Windhauch sanft und flüchtig nur

warst du in deinen Tagen

zu knapp bemessen deine Uhr

was bleibt von dir zu sagen?

 

Ein kleiner Fußabdruck im Sand

längst mit der Flut getrieben

aus Gottes Hand in Gottes Hand

mehr ist mir nicht geblieben

 

 

 

Heute vor Osterfeld-Ost

 

Schlaglöcher, Baustellen und dann ein Stau

es wird wieder mal spät ich weiß es genau

und natürlich wird einem auch noch zugemutet

dass ein Wildbach die ganze Landstraße flutet

 

Zusammengerottet haben hundert Traktoren

ihre Ladung aus Dung und aus Gülle verloren

und ein Sattelschlepper streift fast jeden Baum

wundert mich kaum

 

Ich hab Haarausfall und schlechte Laune

während ich ob der Umleitung staune

wird der Wagen zerfressen vom Rost

kurz vor Osterfeld-Ost

 

Von links kreuzt nun eine Demonstration

und erbittet Duldung und Absolution

Ich gebe natürlich achselzuckend klein bei

und nehm mir telefonisch den nächsten Tag frei

 

Und dann gibt es ja noch hundert Schnecken

die wollen nicht auf dem Asphalt verrecken

da bringe ich doch wohl kein Leid

sondern sage: Nehmt euch ruhig Zeit

 

Ich hab Haarausfall und schlechte Laune

während ich ob der Umleitung staune

wird der Wagen zerfressen vom Rost

kurz vor Osterfeld-Ost

 

Während ich vor Beherrschung fast platz

naht ein Konvoi vom Truppenübungsplatz

und ich bin auch kein Stück deprimiert

als vor mir etwas detoniert

 

Ich hab Haarausfall und schlechte Laune

während ich ob der Umleitung staune

wird der Wagen zerfressen vom Rost

kurz vor Osterfeld-Ost

 

 

 

Ich malte Gott

 

Ihr müsst euch nicht mehr für mich schämen

sagt es den Nachbarn bitte auch

ich muss die Pillen nicht mehr nehmen

und ich weiß dass ich euch nicht brauch

Mein Stundenplan hat keine Lücken

ihr kommt darin jedoch nicht vor

kein Schweigen bleibt zu überbrücken

ich fand den Weg den ich verlor

 

Ich weiß ja ihr habt Heilung

als Endziel anvisiert

doch ich hab durch simple Teilung

das Universum definiert

 

Ich malte Gott gleich nachdem ich ihn fand

und der Herr Professor hat ihn erkannt

In seine Kladde schrieb er ein Gedicht

doch dieses Geheimnis verrät er euch nicht

 

Ihr müsst euch keine Mühe machen

sagt in der Schule auch Bescheid

dass sie ohne mich weitermachen

ich bin längst jenseits ihrer Zeit

Ich muss nicht schlafen und nicht essen

bin gegen die Natur immun

ich darf kein Wort von Gott vergessen

es gibt noch furchtbar viel zu tun

 

Ich weiß ja ihr habt Heilung

als Endziel anvisiert

doch ich hab durch simple Teilung

das Universum definiert

 

Ich malte Gott gleich nachdem ich ihn fand

und der Herr Professor hat ihn erkannt

In seine Kladde schrieb er ein Gedicht

doch dieses Geheimnis verrät er euch nicht

 

Ihr findet selbst nach draußen

kommt besser nicht mehr her

ihr stört mein Gleichgewicht

ich brauche euch nicht mehr

 

 

 

Ein leichtes Mädchen in schwerer Zeit

 

Charmant, charmant

der Herr Fabrikant

doch knausert beim Lohn

doch das kenn ich schon

(ganz anders sein Sohn)

 

Und dann der Vermieter

der einem was geigt

wenn man unpünktlich zahlt

wo doch die Miete stets steigt

 

Ein Arrangement

wäre angebracht

doch er liegt bei Chantal

in der Nacht

 

Und auch die Touristen

aus dem Fernen Osten

decken soeben

die Nebenkosten

 

Man braucht ja neue Strümpfe

und auch mal Schminke

und täglich ein Bad

(nur Hans mag wenn ich stinke)

 

Ob solche wie wir

wohl schneller welken?

Na ja, auch auf dem Hof

bliebe es doch beim Melken

 

 

 

Badesee

 

Es treibt an heißen Tagen zum Vergnügen

die Menschenmassen raus zum Badesee

mir würde ein Glas Wasser schon genügen

ein kühler Lufthauch um den großen Zeh

 

Doch nein, ich schleppe Speisen, Schirm und Zeitung

zehn Kilometer stöhnend durch den Wald

„Beeil dich schon“ keift vor mir die Begleitung

ich fürchte ich erschlage sie alsbald

 

Als wir den Strand nach Stunden dann erreichen

seh ich nur Menschen, Wasser seh ich nicht

und keinen scheint mein Schicksal zu erweichen

ich lass mich fallen, mitten aufs Gesicht

 

Der Platz ist eng, reicht kaum für eine Decke

fünf Zentimeter sind’s bis nebenan

zunächst begrüßt mich hinterrücks ne Zecke

und dann schleicht sich ein Hund von vorne an

 

Er hebt sein Bein und lässt sich auch nicht stören

soviel zum ersten Nass das ich erblick

doch niemand will mein Flehen wohl erhören:

Ich will nicht baden, ich will nur zurück

 

Nun sitz ich da mit cremeverschmierten Pfoten

meine Begleitung stürmt schon gradeaus

um eine Möglichkeit zum Plantschen auszuloten

in meiner Wanne wär mehr Platz – bei mir zuhaus

 

Ein Ghettoblaster rappt mir in die Ohren

ich quäl mich – äußerst ungern – aus dem Hemd

ich fühl mich nicht nur absolut verloren

ich fühl mich zwischen diesen Massen fremd

 

Ich hol ein Brot aus meiner Reisetasche

und seh der Butter zu wie sie zerläuft

vom Nebenmann krieg ich ne Ladung Asche

und wünsch mir dass er möglichst bald ersäuft

 

Mein Kopf missbraucht als Ziel für Volleybälle

ne fette Dame stampft mir auf die Hand

ich denk jetzt: Ab ins Wasser auf die Schnelle

dort ist man sicher sichrer als an Land

 

Ich kletter über Berge brauner Leiber

und frag mich warum bin ich bloß so blass

ich zieh den Bauch ein wegen all der Weiber

und endlich wird es vor mir langsam nass

 

Zwei Kinder strullern fröhlich um die Wette

das Wasser riecht ganz mächtig nach Pipi

ich würd ja auch gern mal auf die Toilette

doch pinkel nicht ins Wasser – niemals nie

 

Ich tauch den Knöchel mutig in die Wogen

und ziehe ihn noch schneller wieder raus

er fühlt sich sehr polar an – ungelogen

erwähnte ich schon: Ich will nur nach Haus

 

Ein Halbstarker springt vor mir in die Fluten

macht mich klatschnass, ich glaube ich erfrier

ich tret auf einen Stein, werd gleich verbluten

ach Welt leb wohl, du warst nicht gut zu mir

 

Da höre ich die Stimme der Begleitung

„Ein schöner Tag und jetzt nichts wie nach Haus

triff du schon mal in Ruh die Vorbereitung

ich zieh nur noch die nassen Sachen aus“

 

Da steht sie nun und jeder kann sie sehen

hat sie denn überhaupt kein Schamgefühl?

Ich werd in nasser Hose heimwärts gehen

selbst wenn ich mir die Hoden arg verkühl

 

Nun schlepp ich unser Zeug wieder von hinnen

und frag mich warum wir hier draußen warn

ich kann mich meiner Worte noch besinnen:

Ein Glas Wasser hätt‘ es auch getan

 

 

 

Das sind die Gedanken

 

Da ist diese Frau

auf dem Aquarell

halbnackt im Schnee

in der Hand ein Skalpell

 

und ich starr lange Zeit

auf ihre Augen

und den Riss in dem roten Kleid

 

Dann merke ich

wie mein Atem gefriert

und meine Hände

und die Wände

sind blutverschmiert

 

Das sind die Gedanken

die ein anderer denkt

der die Marionette

erschaffen hat

und immer noch lenkt

 

Ich öffne das Fenster

steige hinaus

und folge den Spuren im Schnee

um das Haus

 

Da steht sie und wartet

in dem blutroten Kleid

und flüstert in den Wind

„Es tut mir so leid“

 

und ich sterbe noch einmal

in ihren Armen

und die fremde Stimme kennt kein Erbarmen

 

Das sind die Gedanken

die ein anderer denkt

wenn er uns einen Traum

vom Leben schenkt

 

 

 

Die Näherin

 

Ein winzig kleines Zimmer

im großen Herrenhaus

dort übt sie ihr Gewerbe

tagein tagaus aus

Sie näht mit bestem Zwirn

und bleibt doch unbewegt

vom Umstand dass sie selbst

nur Lumpen trägt

 

Die Dame des Hauses

in feinstem Geschmeide

schwebt wie ein Traum

aus Samt und aus Seide

und wenn es den Gatten

zu den Stallungen zieht

trägt er meistens Cord

oder Tweed

 

Die Näherin näht sich

aus den Resten ein Tuch

und trägt es stolz

bei des Herzogs Besuch

doch als der Herr

sie derart erblickt

macht er ihr klar

dass sich solches nicht schickt

 

Und neben ihm

steht lächelnd der Sohn:

„Das ist Diebstahl, Vater

kürz ihr den Lohn“

 

 

 

Bei laufendem Motor

 

Ein Novemberabend

viertel vor zehn

zu früh für sie

um nach Hause zu gehn

Dort kreischen die Kinder

dort wartet ein Mann

der nicht begreift

dass sie längst nicht mehr kann

 

Sie hat sich geschämt

für ihr Versagen

jahrein- und jahraus

an qualvollen Tagen

und sah sie die Sterne

am Nachthimmel wandern

hat sie gedacht

Ich wär gern wie die andern

 

Bei laufendem Motor

steht das Herz still

sie weiß wer sie ist

aber nicht was sie will

denn da ist nichts weiter

als trostlose Leere

und es gibt keinen Ort

an dem sie gern wäre

 

Sie hat alles versucht

aber gar nichts gefunden

und ihre Gedanken

sind wie offene Wunden

die nie mehr verheilen

doch die keiner sieht

selbst wenn der Schmerz

sie zu Boden zieht

 

Sie hat Regeln befolgt

sie hat Regeln gebrochen

doch was sie wirklich fühlt

blieb unausgesprochen

denn es gibt keine Worte

für die Wüste in ihr

wo sie verendet

wie ein waidwundes Tier

 

Bei laufendem Motor

steht das Herz still

sie weiß wer sie ist

aber nicht was sie will

denn da ist nichts weiter

als trostlose Leere

und es gibt keinen Ort

an dem sie gern wäre

 

 

 

Die Krähe

 

Es pickt eine dürre Krähe im Schnee

und droht am Frost zu erblinden

ich frage mich, wie ich sie so seh,

was erhofft sie sich dort zu finden?

 

Ist es mein Geruch, hört sie meinen Schritt?

Ich vermag es nicht wirklich zu sagen

Sie bekommt meine Gegenwart jedenfalls mit

doch scheint sie nicht zu verzagen

 

Aus einem fast erfrorenen Auge

starrt sie mich regungslos an

und ich lese darin, wie ich glaube,

die Frage: Was sucht dieser Mann?

 

 

 

 

 

 

Süße 16

 

Süße 16 - mit dem Verlangen

alle Träume dieser Welt einzufangen

sie dann in ein Poesiealbum kleben

und aufzuheben für ein anderes Leben

 

Vater trinkt und Mutter weint

was hilft es da schon wenn die Sonne scheint?

Sie möchte sich unter dem Bett verstecken

und warten bis sie beide verrecken

 

Vater säuft und Mutter heult

und ihr Gesicht ist manchmal verbeult

sie ist deshalb immer zu stark geschminkt

und hat längst kapiert: Das Leben stinkt

 

Süße 16 - mit dem Verlangen

alle Träume dieser Welt einzufangen

sie dann in ein Poesiealbum kleben

und aufzuheben für ein besseres Leben

 

 

 

Unbekümmert

 

Kannst du noch unbekümmert sein

nun nachdem ich mich dir offenbarte

oder quält dich fortan der Gedanke allein

wie sehr ich doch auf dich warte?

 

Findest du mich jetzt nur noch peinlich

und meidest deshalb meine Nähe

erscheine ich dir deshalb sehr kleinlich

wenn ich klage dass ich dich kaum noch sehe?

 

Ist meine Liebe statt Freude dir Last

würdest du mich lieber gar nicht mehr kennen

und hast nur den rechten Zeitpunkt verpasst

dich von meinem Luftschloss zu trennen?

 

Kannst du noch unbekümmert sein

oder bist du für meine Worte schon taub

möchtest du dich von meiner Nähe befrein

und machst dich unbemerkt aus dem Staub?

 

Findest du mich jetzt nur noch kläglich

und verweigerst dich jedem Bekenntnis

bin ich für dich nichts weiter als schädlich

und hast du für mich kein Verständnis?

 

Bringt meine Liebe statt Frohsinn dir Pein

fängst du an mich schon zu verfluchen

fällt dir wirklich nichts besseres ein

als nach Ausreden zu suchen?

 

Kannst du noch unbekümmert sein

oder raube ich dir Schlaf und Glück?

Wenn dem so ist fällt mir nur eines ein:

Ich nehm meine Worte zurück

 

 

 

Ich schrieb ein Leben lang nur von dir

 

Ist schon wirklich seltsam

wie das Leben manchmal tickt

und dass man erst in der Finsternis

in die hellste Sonne blickt

 

Hab nicht mehr mit dir gerechnet

und ich weiß du kommst zu spät

so um etwa dreißig Jahre

ahnst du was in mir vor sich geht?

 

Ich schrieb so viele Gedichte

opulente und auch schlichte

und ich trage Welten voller Worte in mir

doch ich schrieb ein Leben lang nur von dir

 

Alles was ich jemals wollte

könntest du leicht für mich sein

doch uns trennen Ewigkeiten

und mein Kopf sieht das auch ein

 

Doch mein Herz kann nicht vergessen

dass es dich dort draußen gibt

und wenn ich nur an dich denke

ist es als hätt ich nie vorher geliebt

 

Ich schrieb so viele Gedichte

opulente und auch schlichte

und ich trage Welten voller Worte in mir

doch ich schrieb ein Leben lang nur von dir

 

Du hast mich heut schon vergessen

ich bin ganz alleine hier

und du wirst es niemals wissen

Ich schreib mein ganzes Leben lang von dir

 

 

 

Erinner Dich

 

Erinner dich als die Musik

der Inhalt unsres Lebens war

ein guter Freund, sie stand uns nah

Tag für Tag und Jahr für Jahr

 

Erinner dich als die Musik

der Schlüssel war ins Paradies

die Freude und die Einigkeit

und Hoffnung die uns nie verließ

 

Erinner dich als die Musik

unsere Herzen so berührte

uns Trost und Stärke gab

und uns zusammenführte

 

Erinner dich als die Musik

der Spiegel unsrer Seelen war

so unschuldig, so rein und klar

Tag für Tag und Jahr für Jahr

 

Erinner dich als die Musik

uns stets bewachte

und Liebe brachte

aus Fremden Freunde machte

 

Erinner dich als die Musik

unsere Herzen so berührte

uns Trost und Stärke gab

und uns zusammenführte

 

Erinner dich als die Musik

noch ganz und gar

der große Halt in unsrem Leben war

Tag für Tag und Jahr für Jahr

 

Erinner dich als die Musik

uns immer neue Wunder schenkte

und uns veränderte

uns formte und uns lenkte

 

Erinner dich als die Musik

der Inhalt unsres Lebens war

und glaube mir

sie ist noch da

 

 

 

Bei mir ist es immer die Venus

 

Ein Blick in die Sterne gefällig?

Ein paar Groschen nur, gnädige Frau.

Die Zukunft winkt ihnen rosig.

Meine dagegen ist blau.

 

Doch um sie derart zu gestalten

braucht es eine Zuwendung schon

auf dem Weg zur Destille

von Malte Marquardt & Sohn.

 

Seien Sie doch nicht so schüchtern.

Das Leben verlangt nach Mut.

Und ich weiß, wenn ich Sie so betrachte:

Ihres ist grau, aber gut.

 

Sie leiden nicht Hunger, nur Kummer.

Ach, ich weiß doch wie leicht ein Herz bricht.

Und wie schwer man sich tut

mit Verzicht.

 

In ihren Augen sind Fragen.

In ihrer Börse ist Geld.

Ich könnte Ihnen wohl manches sagen

was Ihnen mit Bestimmtheit gefällt.

 

So ist es recht, werte Dame.

Zum Vorteil gereicht es uns beide.

Ihnen prophezeie ich Glück

während ich weiterhin leide.

 

Ihnen lachen die Sterne.

Frisch voran also und nur Mut.

Bei mir ist es immer die Venus.

Bekanntlich geht das selten gut.

 

 

 

Die liederliche Liese

 

Die liederliche Liese

aus der neunten Klasse

hat an den rechten Stellen

schon vorteilhafte Masse

 

Sie trägt ein Herrenhemd

das ist nicht zugeknöpft

fehlt nur dass man sie deshalb

einsperrt oder köpft

 

Es ist ja nicht Berechnung

wie doch wohl jeder weiß

sie macht ganz unbedarft

die halbe Schule heiß

 

Das gilt auch für die Lehrer

der Notendurchschnitt zeigt

man kann es zu was bringen

wenn man genießt und schweigt

 

Die liederliche Liese

ein ewig feuchter Traum

für etwa achtzehn Jungen

in unsrem Klassenraum

 

Die Mütter sind sehr wütend

und ziehen ein Gesicht

doch was die Väter denken

sag ich mal lieber nicht

 

Man hat oft im Kollegium

nur wegen ihr gezankt

aber die halbe Schule

hat sich bei ihr bedankt

 

 

 

Halleluja

 

Halleluja Big Fat Momma

in Altona liegt Schnee

Traurige Trunkenbolde tanzen Twist

vorm Büro der Heilsarmee

In der Suppenküche ist es voll

es brodelt in der Schüssel

und wer partout nicht warten kann

bekommt was auf den Rüssel

 

Halleluja Sailor-Boy

dein Kutter ist gestrandet

und Lola wartet schon am Pier

dass jemand bei ihr landet

Ihr Bett duftet nach Rosen

ihr Haar duftet nach Heu

und dir und all den andern

ist sie so gut wie treu

 

Halleluja, Halleluja

das Leben hat es eilig

und wer zu kurz gekommen ist

dem ist gewiss nichts heilig

Halleluja, Halleluja

wer nicht an sich selber denkt

bekommt eins in die Fresse

aber ansonsten nichts geschenkt

 

Halleluja Preacher-Man

drückt dich der steife Kragen?

In Nächten die so kalt sind

kann ein Mann schon was vertragen

Ob Alkohol nun Sünde ist

oder doch eher nicht

man sollte ihn probieren

damit man weiß wovon man spricht

 

Halleluja Boa-Bea

tanzt du an deiner Stange

hat sich so mancher schon gefragt

bist du Mädchen oder Schlange?

So wie die Kerle glotzen

auf deine langen Beine

kannst du dir wohl sicher sein

es regnet heute Scheine

 

Halleluja, Halleluja

das Leben hat es eilig

und wer zu kurz gekommen ist

dem ist gewiss nichts heilig

Halleluja, Halleluja

wer nicht an sich selber denkt

bekommt eins in die Fresse

aber ansonsten nichts geschenkt

 

 

 

Wie klein bin ich von oben?

 

Steig mein Ballon und flieg davon

entfern dich von der Erde

du kannst dort sein wo ich gern wär

doch niemals hingelangen werde

 

Du siehst den Bolzplatz unter dir

dort schoss ich dann und wann ein Tor

die alte Schule wo ich oft

so manch kostbaren Tag verlor

 

Da sind der Marktplatz und der Park

das Kino und das Bürgerhaus

die Rodelbahn, der Kreisverkehr

wie sieht das wohl von oben aus?

 

Die Kirche, das Seniorenheim

Schwimmbad und Waschanlage

was du dort siehst ist ewig schon

Mittelpunkt meiner Tage

 

Der Bahnhof und der Schienenstrang

der ab und an den Wald berührt

und wenn man ihm lang genug folgt

vielleicht in bessre Städte führt

 

Das Rathaus und das Burger King

und die Fabrikgebäude

in denen ich wenn ich nicht geh

mein Leben ganz vergeude

 

Der Radiosender auf dem Berg

wo sie nur Heimatlieder senden

und auf dem Friedhof nebenan

da werd auch ich mal enden

 

Steig mein Ballon und flieg davon

entfern dich von der Erde

du kannst dort sein wo ich gern wär

doch niemals hingelangen werde

 

Steig mein Ballon und fang den Wind

du darfst in Freiheit toben

verrat zum Abschied mir nur noch

wie klein bin ich von oben?

 

 

 

Mächtig mutlose Matrosen

 

Mächtig mutlose Matrosen

machten sich fast in die Hosen

weil ein jeder schnell begriff

unterm Bug da knirscht ein Riff

Und sie wurden noch viel blasser

denn durchs Leck drang reichlich Wasser

und man hat den Kapitän

nach dem Sturm nicht mehr gesehn

 

Ihr stolzes Schiff schaukelte munter

auf den Wellen, dann gings unter

und die nächste Küste war

schon aus Bosheit grad nicht da

 

Mächtig mutlose Matrosen

die im Brausen und im Tosen

kurze Zeit nur noch zusammen

an der Oberfläche schwammen

kehrten nie nach Hause wieder

und so bleiben nur die Lieder

die den Müttern, Schwestern, Nichten

nun von ihrem Los berichten

 

Mächtig mutlose Matrosen

warn wie Haifutter in Dosen

allesamt sehr schnell verschlungen

nur das Lied ist nie verklungen

 

Und daheim trauern die Lieben

um jene die auf See geblieben

und verstreun am Kai heut Rosen

für die ersoffenen Matrosen

 

 

 

Lou und das hinkende Mädchen

 

Es gibt Dinge im Leben

die man nicht vergisst

auch wenn manches davon

nicht bedeutungsvoll ist

Es sind oft Kleinigkeiten

die wie von fremder Hand

Spuren hinterlassen

ins Gedächtnis eingebrannt

 

Die Gefühle dabei

vergaß man lange schon

doch der Film läuft noch ab

wie eine Simulation

 

Lou und das hinkende Mädchen

und ihre Schatten auf dem Asphalt

in den traumlosen Nächten des Winters

damals war ich zwölf Jahre alt

Ich stand da mit meinem Fahrrad

und mein Blick floh in die Nacht

Lou und das hinkende Mädchen

ich hab oft an die beiden gedacht

 

Es gibt Dinge im Leben

ob klein oder groß

die dich verfolgen

manches lässt dich nie los

Und du weißt nicht warum

es geschieht einfach so

sie machen dich

weder traurig noch froh

 

Denn es sind nur Bilder

Abdrücke auf Glas

Schemen und Geister

die man nicht vergaß

 

Lou und das hinkende Mädchen

und ihre Schatten auf dem Asphalt

in den traumlosen Nächten des Winters

damals war ich zwölf Jahre alt

Ich stand da mit meinem Fahrrad

und mein Blick floh in die Nacht

Lou und das hinkende Mädchen

ich hab oft an die beiden gedacht

 

 

 

Die Hoffnungslose

 

Mit fast selbstverliebter Pose

wandelt in dem grünen Hain

schluchzend eine Hoffnungslose

und beschließt nicht mehr zu sein

 

Jenem den sie heiß begehrte

lag rein nichts an ihren Küssen

und wie sehr sie sich verzehrte

wird der eitle Narr nie wissen

 

Um es ihm nun klarzumachen

- Frauen schätzen solche Dinge -

legt mit einem letzten Lachen

sie den Hals in eine Schlinge

 

Also baumelt zwischen Fichten

nun die nicht mehr Hoffnungslose

So kann ich ihr dankbar dichten:

Schön bist du wie eine Rose

 

 

 

Eine andere Art Emigration

 

Die Würfel sind gefallen, die ersten Köpfe rollen

wir fragen uns wie lang wir das erdulden wollen

doch es spielt keine Rolle ob wir bleiben oder gehn

wir werden dieses Land ab heut mit andren Augen sehn

 

Wir haben uns nicht angemaßt zu mahnen und zu richten

wir haben einfach zugesehn wie sich die Reihen lichten

wie mancher brave Mann nicht der Verlockung widerstand

wie falsch und wie verlogen klingt heute „Heimatland“

 

Wir haben denen nachgeschaut die über Grenzen gingen

zu mutlos um im eignen Land noch mit dem Feind zu ringen

wir aber ziehen uns zurück in innere Isolation

das ist nur eine andere Art Emigration

 

Wenn keine Stimme sich erhebt in Deutlichkeit zu warnen

wenn man sich wieder stolz bekennt zu lang verbannten Fahnen

dann wissen wir nur allzu gut wohin das alles führt

und sind doch viel zu müde als dass es uns tief berührt

 

Heut sollten längst schon andere in unsrem Namen sprechen

Generationen die nie mehr Kriege vom Zaune brechen

wir haben sie doch alles was wichtig ist gelehrt

doch ihnen scheint die Freiheit unglaublich wenig wert

 

Wir haben denen nachgeschaut die über Grenzen gingen

zu mutlos um im eignen Land noch mit dem Feind zu ringen

wir aber ziehen uns zurück in innere Isolation

das ist nur eine andere Art Emigration

 

 

 

Wir Schizophrene

 

Wir sind den Herren Doktoren

seit langer Zeit ein Begriff

sie liegen uns gern in den Ohren

meinen uns fehle der letzte Schliff

 

Die Welt ist eine Kugel

aus diesem Grund dreht sie sich

doch was wissen sie schon

von uns und von sich?

 

Wir Schizophrene

sind eine eigene Zunft

man packt uns am Schlafittchen

statt bei der Vernunft

 

Wir sind den Professoren

seit jeher ein Nagel im Sarg

irgendwann geben sie uns verloren

bis dahin dozieren sie Quark

 

Die Welt ist eine Kugel

aus diesem Grund dreht sie sich

doch was wissen sie schon

von uns und von sich?

 

Wir Schizophrene

gestehen uns freimütig ein

wir haben es besser als andre

denn wir sind selten allein

 

Wir Schizophrene

sind der Ansicht dass es nicht eilt

dass man uns heilt

 

 

 

Spielzeugautos unnummeriert

 

Der Teppich ist länger als Panama

beim Schrank eine Kurve die ich zu spät sah

es wölbt sich der Boden – das Fahrzeug wird schneller

die Treppe hinab stürzt es in den Keller

wo mich keiner findet – auch Vater nicht

bin ich ganz leise und mache kein Licht

und wenn ich etwas höre red ich mir ein

es kommt von draußen und kann nicht gefährlich sein

 

Spielzeugautos unnummeriert

hab ich nach ihrem Klang sortiert

wirft man sie im Dunkeln gegen die Wand

zerbrechen sie nicht – sie halten stand

 

Der Boden ist kälter als Grönland

was ich im Sommer oft schön fand

wenn ich dort lag und mich nicht regte

während oben die Welt sich weiter bewegte

und mich keiner vermisste – auch Vater nicht

hielt ich mir die Hände dicht vors Gesicht

und wenn jemand rief hörte ich nicht hin

und tat so als ob ich verstorben bin

 

Spielzeugautos unnummeriert

hab ich nach ihrem Klang sortiert

wirft man sie im Dunkeln gegen die Wand

zerbrechen sie nicht – sie halten stand

 

 

 

Kein Doktor weiß was mir fehlt

 

Kein Doktor weiß was mir fehlt

da kann er noch so sehr suchen

da wüsste selbst Tante Kathi mehr

Sonntags, bei Kaffee und Kuchen

 

Die hat kein Röntgengerät

darf mir auch kein Morphium geben

sie studierte auch nicht Medizin

sie studierte stattdessen das Leben

 

Die braucht nicht den Puls mir zu messen

die will weder Stuhl noch Urin

und die kommt mir nie mit solchem Unfug

von wegen dem Cholesterin

 

Kein Doktor weiß was mir fehlt

das muss er dann auch akzeptieren

er sollte als Spezialistin

Tante Kathi wohl konsultieren

 

Die läse ihm gleich die Leviten

von wegen der Litanei

dass ein guter Tropfen

für die Leber doch schädlich sei

 

Die kennt mit Herzen sich aus

obwohl sie nicht oft davon spricht

der Doktor weiß wie ein Herz schlägt

Tante Kathi weiß wie ein Herz bricht

 

Kein Doktor weiß was mir fehlt

der sagt nur: „Die Brust mal kurz frei“

Tante Kathi sagt ob meines Befindens:

„Solcher Schmerz, Bub, geht bald vorbei“

 

 

 

Blonde Episode

 

Wieder mal so ein Skandal

schon naht die ganze Brut

schart sich um den Newsticker

und lechzt nach frischem Blut

Und es kümmert keinen

wessen Würde man verletzt

denn das Recht auf Sensationen

steht schon fast im Grundgesetz

 

Mich schert nicht wer mit wem grad pennt

ein Starlet und ein Präsident

warum kümmert das jede Sau

mehr als die eigne Ehefrau?

 

Mir geht der Zeitgeist auf den Geist

ich geh nicht mit der Mode

und ich zerreiß mir nicht das Maul

über die blonde Episode

 

Wieder mal so ein Skandal

vor aller Welt enthüllt

das ist kläglich, man wird täglich

damit völlig zugemüllt

Die Bedeutung von „intim“

ist mir nicht mehr ganz klar

gehört der Mensch der Presse

wirklich längst mit Haut und Haar?

 

Die Paparazzi zählen schon

ganz freudig ihren Judaslohn

und mein Nachbar kreischt völlig wild:

„Morgen steht alles in der BILD“

 

Mir geht der Zeitgeist auf den Geist

ich geh nicht mit der Mode

und ich zerreiß mir nicht das Maul

über die blonde Episode

 

 

 

Der Bub

 

Was steht er da der Bub mit großen Augen

mit Augen, deren Blick doch stets gesenkt?

Er mag von mir ach-was-weiß-ich-denn glauben

Natürlich weiß ich bestens was er denkt

 

Dass Leute mit den Fingern auf mich zeigen

und flüstern, tuscheln, tratschen immerzu

dass nur wenn sie sehr nah sind kurz mal schweigen

das alles lässt ihm sichtlich keine Ruh

 

Ich weiß genau was er sehr gerne wüsste

er schaut mich nur im Glas der Scheiben an

am liebsten lugt er mir dann auf die Brüste

Man ahnt aus diesem Bub wird bald ein Mann

 

Für einen Kuss von mir würde er sterben

und ganz kalt lässt mich sein Verlangen nicht

doch ist zu jung er um ihn zu verderben

zudem hat er ein freundliches Gesicht

 

Würd er für mich sein Sparschwein doch zerschlagen

während er sich fast in die Hosen macht

müsste ich schuldbewusst ihm trotzdem sagen:

Geh heim. Dein Vater kommt zu mir um kurz nach acht

 

 

 

 

 

Borderline-Prinzessin

 

Es gibt Tage an denen dir alles gelingt

doch die Karten des Schicksals sind leider gezinkt

eben glaubst du noch es sei alles okay

dann geht die Sonne unter und dein Herz liegt im Schnee

Manchmal kannst du den Himmel auf Erden versprechen

doch schon kurze Zeit später seh ich dich zerbrechen

manchmal ist kein Platz für mich in deiner Welt

manchmal bin ich der einzige der zu dir hält

 

Borderline-Prinzessin

am Scheitelpunkt der Welle

weißt du nie was dich erwartet

Himmel oder Hölle

Borderline-Prinzessin

dein Leben ist ein Tanz

zwischen den Extremen

verlierst du dich oft ganz

 

Es gibt Tage da kannst du dich klar definieren

und bist dir so sicher nichts könne passieren

doch dann kommen die Stunden in denen du bangst

du gingest verloren in den Stürmen der Angst

Du verlierst jeden Halt und sträubst dich gegen Nähe

und verstehst es nicht dass ich trotzdem nicht gehe

du fragst dich warum ich all das für dich tu

vielleicht fürchte ich nur so zu werden wie du

 

Borderline-Prinzessin

am Scheitelpunkt der Welle

weißt du nie was dich erwartet

Himmel oder Hölle

Borderline-Prinzessin

dein Leben ist ein Tanz

zwischen den Extremen

verlierst du dich oft ganz

 

Du glaubst ich sei stark und mir könnte gelingen

dich jedes Mal sicher ans Ufer zu bringen

doch ich halte dich nur in dieser stürmischen See

um zu verhindern dass ich selbst untergeh

 

 

 

 

Claire, du Hure

 

Ich fand in der Küche

was von ihm übrig blieb

den Brief mit Blut geschrieben

„Claire, ich hab dich lieb“

In seiner Hand die Klinge

die Schlagader zerfetzt

warum zum Teufel, Claire

hast du ihn so verletzt?

 

Ich hab geschrien

ich hab geweint

du Dreckstück

nahmst mir meinen Freund

 

Claire, du Hure

was hast du getan

mit diesen Augen

die voll Liebe auf dich sahn?

Claire, du Hure

ich find dich bald

und wenn ich dich finde

dann mach ich dich kalt

 

Er liebte dich so sehr

und war nach dir verrückt

doch du hast ihn betrogen

und dich dann verdrückt

Er hat es nicht verwunden

er war ein guter Mann

warum nur Claire

tatest du ihm das an?

 

Ich hab geschrien

ich hab geweint

du Dreckstück

nahmst mir meinen Freund

 

Claire, du Hure

was hast du getan

mit diesen Augen

die voll Liebe auf dich sahn?

Claire, du Hure

ich find dich bald

und wenn ich dich finde

dann mach ich dich kalt

 

Nun knie ich hier

halt seinen toten Leib

glaub bloß nicht

dass ich dir was schuldig bleib

 

Claire, du Hure

was hast du getan

mit diesen Augen

die voll Liebe auf dich sahn?

Claire, du Hure

ich find dich bald

und wenn ich dich finde

dann mach ich dich kalt

 

 

 

 

 

Danke

 

Dass es euch gab

ihr zu mir kamt

all meine Schwächen

auf euch nahmt

mir Trost gabt

wenn ich mutlos war

an manchem Tag

in manchem Jahr

 

dass Halt ihr wart

wenn ich gewankt

dafür sei euch

ewig gedankt

 

Für eure Freundschaft

eure Kraft

die Mauern einreißt

Brücken schafft

die mich beständig

manches Mal

führte aus jenem

finstren Tal

 

zurück ins Leben

und ins Licht

all das vergesse

ich euch nicht

 

Dass eure Liebe

ehrlich war

und eure Worte

gut und klar

dass ihr nicht zweifelt

und nicht neidet

und stets im Guten

von mir scheidet

 

dass ihr mich stützt

und um mich bangt

dafür sei euch

ewig gedankt

 

Dass ihr mit mir

lacht und auch weint

dass ihr es ehrlich

mit mir meint

dass ihr mir nachseht

wenn ich schwanke

dass es euch gibt

Danke

 

 

 

Der Regen

 

Der Regen lehrt uns Demut

die Sonne schenkt uns Glück

ich blicke gleichermaßen

auf beide gern zurück

 

 

 

 

 

 

Halbkreis

 

Deine Augen haben viel zu dunkle Ränder

meine Hände haben viel zu wenig Zeit

auf einer Brücke klammern wir uns ans Geländer

und ertasten kaum Gemeinsamkeit

Unten fahren graue Güterzüge

oben formen Wolken eine Faust

jeder Blick von mir ist eine Lüge

und der Wind hat dir das Haar zerzaust

 

Es ist kalt und du kannst mich nicht leiden

es wird spät und ich mag dich nicht sehn

ganz egal wofür wir uns entscheiden

nichts wird jemals in Erfüllung gehn

 

Fast verschmierte Kreide auf dem Asphalt

nichts mehr zu erkennen von dem Bild

nur ein Halbkreis in der toten Zone

wo das Gestern lange nicht mehr gilt

Herzen aus Papier in trüben Pfützen

Wasserringe drängen an den Rand

nur ein Halbkreis in gequälter Stille

und wir haben nichts mehr in der Hand

 

Keine Argumente die noch zählen

keine Untat die den Krieg beginnt

keine Waffe die es lohnt zu wählen

wenn die Einsamkeit den Kampf gewinnt

Tausend Fragen in den Manteltaschen

den Besitz alleine schon bereut

und wir haben durch die Drahtzaunmaschen

unsre Liebe in die Nacht gestreut

 

Es ist kalt und du wirst mich nicht finden

es wird früh und ich vertrag kein Licht

möglich dass wir ganz vereint erblinden

aber so viel Nähe will ich nicht

 

Fast verschmierte Kreide auf dem Asphalt

nichts mehr zu erkennen von dem Bild

nur ein Halbkreis in der toten Zone

wo das Gestern lange nicht mehr gilt

Herzen aus Papier in trüben Pfützen

Wasserringe drängen an den Rand

nur ein Halbkreis in gequälter Stille

und wir haben nichts mehr in der Hand

 

 

 

 

 

Sei nicht die die ich hab

 

Mein Blick für dich

ist seit Jahren verklärt

und du hast dich zum Glück

erfolgreich gewehrt

ignorierst mein Bemühen

und trotzt meinen Plänen

so bleibt dieses Glühen

und das schmerzhafte Sehnen

 

Sieh auf mich herab

zeig mir was ich bin

bleib stolz und kühl

die Königin

führ mich in Versuchung

und geh über Leichen

ich bin es nicht wert

dir das Wasser zu reichen

 

Steig bitte niemals

von deinem Podest

bleib für mich jene

die sich nicht erobern lässt

und lieb ich dich laut

wehr dich weiter still

sei nicht die die ich hab

sei die die ich will

 

Bleib bitte standhaft

lass mich weiter flehen

und keine Schwäche

an dir jemals sehen

Bleib einzigartig

mit nichts zu vergleichen

so unglaublich nah

und doch nicht zu erreichen

 

Steig bitte niemals

von deinem Podest

bleib für mich jene

die sich nicht erobern lässt

und lieb ich dich laut

wehr dich weiter still

sei nicht die die ich hab

sei die die ich will

 

 

 

 

 

Was weißt Du von den Dämonen?

 

Was weißt du von den Dämonen

die in meiner Seele wohnen

sich an meinem Leid erfreuen

und ihr Dasein nie bereuen?

 

Und wie gern sie mich verführen

mit so wonnevollen Schwüren

viel zu leicht und jederzeit

zu manch Widerwärtigkeit

 

Könnte ich nur widerstehen

und das Gute in mir sehen

das jene verlognen Schergen

allzu tief vor mir verbergen

 

Hätte ich nur Mut und Willen

ihr Verlangen nicht zu stillen

um in meiner Zeit auf Erden

noch ein bessrer Mensch zu werden

 

Was weißt du von den Dämonen

die in meiner Seele wohnen?

Ich verschweig dir diese Last

weil du deine eigne hast

 

 

 

Von Gott und den Inseln

 

Da liegen sie so aufgereiht

wie es Perlen sind an einer Schnur

und trotzen schon seit langer Zeit

ein jeder Willkür der Natur

 

Egal wie sehr die See auch steigt

wie wild der Wind auch wütet

sie sind – bis er dann wieder schweigt –

von höherer Macht behütet

 

Es hält der Deich den Wogen stand

er tut es Jahr für Jahr

die Menschen dort in Gottes Hand

sagen dass Gott ein Seemann war

 

 

 

 

 

Paranoid im Feuchtgebiet

 

Jeder hier ist ein Jäger

und jeder Jäger schießt

ich esse kein Wild

und für mich gilt

ich pass eh nicht ins Bild

denn ich mag es nicht

wenn man das Töten genießt

 

Und ist die Gesellschaft auch noch so fein

würd ich lieber mit dir alleine sein

doch dein Vater gibt mir nicht den Segen

dich heute Nacht zu erlegen

 

Paranoid im Feuchgebiet

verschluck ich tausend Flüche

und find den Weg nicht mehr zurück

zu deiner Mutter in die Küche

 

Jeder hier trägt eine Flinte

und jede Flinte knallt

ich esse kein Wild

und für mich gilt

ich pass eh nicht ins Bild

denn ich muss leider gestehen

ich verirre mich immer im Wald

 

Und ist die Gesellschaft auch noch so fein

würd ich lieber mit dir alleine sein

doch dein Vater gibt mir nicht den Segen

dich heute Nacht zu erlegen

 

Paranoid im Feuchgebiet

verschluck ich tausend Flüche

und find den Weg nicht mehr zurück

zu deiner Mutter in die Küche

 

Hier wickeln sie selbst die Kleinen schon ein

mit Luftgewehren und Jägerlatein

doch ich weiß nicht erst seit heute:

Du bist die einzige lohnende Beute

 

Paranoid im Feuchgebiet

verschluck ich tausend Flüche

und find den Weg nicht mehr zurück

zu deiner Mutter in die Küche

 

 

 

Die Sonntagshose

 

Die Sonntagshose hat gewiss

schon manches Loch und manchen Riss

so hörte ich mich sagen

Mutter, die kann ich nicht tragen

 

Sie hat nicht Riss, sie hat nicht Loch

sprach meine Mutter dann jedoch

und selbstverständlich war mir klar

dass sie näher an der Wahrheit war

 

Doch den Versuch war es wohl wert

und später hab ich mich beschwert

Die war sowas von unbequem

Mutter lachte nur: Dein Problem

 

 

 

 

 

 

 

Bierdeckel

 

Wir kennen uns schon seit der Buddelkiste

deinetwegen hab ich damals Robert verhaun

denn dem Arsch fiel nichts besseres ein

als dir dein Plastik-Pony zu klaun

 

In der Schule hab ich von dir abgeschrieben

ohne dich wäre ich sitzengeblieben

und zu deiner Konfirmation

pflückte ich dir einen Strauß Mohn

 

Heut haben wir uns in der Kneipe getroffen

ich fürchte fast ich war ziemlich besoffen

du siehst mich jetzt so seltsam an

Mist dass ich mich nicht mehr erinnern kann

 

Ich hab vergessen

was ich auf den Bierdeckel schrieb

könnte sein dass da stand:

Ich hab dich lieb

 

Ich hab dir Tampons gekauft weil du dich nicht trautest

und aufgepasst als du nen Lippenstift klautest

wir sind nachts nackt im Freibad geschwommen

und keiner ist uns auf die Schliche gekommen

 

Du besorgtest mir damals Christines Nummer

und halfst mir danach beim Liebeskummer

und ich hab für dich in der Silvesternacht

dein erstes Date mit Jens klargemacht

 

Heut haben wir uns in der Kneipe getroffen

ich fürchte fast ich war ziemlich besoffen

du siehst mich jetzt so seltsam an

Mist dass ich mich nicht mehr erinnern kann

 

Ich hab vergessen

was ich auf den Bierdeckel schrieb

könnte sein dass da stand:

Ich hab dich lieb

 

Ich hab dir beigebracht wie man Auto fährt

und du hast mir Kant und Nietzsche erklärt

kann sein heute Nacht läuft alles verkehrt

doch ich glaube das ist es wert

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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