Koma-Gedanken
Frau, hör doch endlich auf zu erzählen
Glaubst du denn wirklich dass mich interessiert
dass die Butter bei Bolle heut drei Cent rauf ist
und Frau Müller bald ihren Kater kastriert?
So fühl ich mich auch, ohne Eier und hilflos
ausgeliefert deinem Geschwätz
warum stolperst du nicht beim Rausgehn über den Stecker?
Wenn du das tust dann verzeih ich dir jetzt
Diese nutzlosen Stunden die du hier vergeudest
Hast du denn wirklich nichts bessres zu tun?
Ich fühle mich wie Gary Cooper
und wart seit drei Jahren auf den High Noon
Die Schwester die mir die Scheiße vom Arsch wischt
wär sicherlich auch lieber bei ihrem Freund
ich seh manchmal zu wenn sie sich umzieht
und was ich dann denke ist nicht böse gemeint
Lass dich doch verdammt noch mal von mir scheiden
geh doch mit dem Meier mal ins Café
du glaubst doch nicht ernsthaft bei meinem Zustand
täte solch eine Botschaft mir irgendwie weh?
Ich bin eine Verschwendung von Zeit und von Geldern
und ganz ohne Nutzen für die Doktoren
bei Nacht träum ich mich fort in finstere Wälder
und ein Teil von mir bleibt dort für immer verloren
Margarethe schrieb Käthe
Es schrieb einst Margarethe
an ihre Freundin Käthe :
„Ob er mich wohl liebt?
Ach Gott, ich bete
Doch manchmal könnte ich ihn ermorden
Ach Käthe, was ist nur aus mir geworden?
Ich glaube fast ich bin ihm peinlich
und eine Zukunft ist unwahrscheinlich
ach Käthe
Ich würde ihm ja gerne vertrauen
er sagt, er trifft keine anderen Frauen
Doch in mir ist so ein schleichendes Gift
Ein Verdacht, weil er mich so selten nur trifft
ach Käthe
Ich kann mich bei ihm partout nicht benehmen
Mama würde sich für mich schämen
Ich tu was er sagt und ich tu es gern
doch die meiste Zeit bleibt er mir trotzdem fern
ach Käthe
Er hat mir einfach so meine Unschuld genommen
Ich würde gern Kinder von ihm bekommen
doch ich weiß ja nicht einmal wo er wohnt
Ob sich all die Verzweiflung am Ende noch lohnt?
Ach Käthe
Er scheint mir von Mal zu Mal etwas kälter
Ach Käthe, er ist zwanzig Jahre fast älter
doch wenn man sich liebt ist das doch egal
doch liebt er mich wirklich? Ich glaubte das mal
ach Käthe“
Es schrieb einst Margarethe
an ihre Freundin Käthe :
„Ob er mich wohl liebt?
Ach Gott, ich bete“
Die Verblühten
Sie treffen sich einmal im Monat.
Meistens gehen sie tanzen.
Sie träumen von Richard Gere,
von Kindern und von Romanzen.
Gemeinsam können sie lachen.
Und tun was man sich sonst nicht traut.
Man trägt parfümierte Wäsche
und zeigt dezent etwas Haut.
Sie trinken mehr als sie vertragen.
Und ehe man sich versieht
sind die besten Jahre vergangen
und die schönen Rosen verblüht
Drei Ecken Elfer
Drei Ecken – Elfer
und Maria friert im Wind
fragt sich wo die Freunde
abgeblieben sind
Verloren wie das Geld
und auch Gottes Wort
drei Ecken – Elfer
schieß den Ball nicht so weit fort
Drei Ecken – Elfer
die Straßen sind verwaist
und das Kind am Bahnhof
weiß nicht wie es heißt
Drückt sich an die Wände
oder einen Schuss
drei Ecken – Elfer
aber danach ist Schluss
Drei Ecken – Elfer
bei Paule brennt noch Licht
heut ist er auf Methadon
und morgen bei Gericht
Für sich selbst zu sprechen
hat selten einen Zweck
drei Ecken – Elfer
knall den Ball ins Eck
Drei Ecken – Elfer
und der fette Mann
steht allein im Zwielicht
und starrt die Kinder an
Wenn er näher kommt
gehn wir lieber nach Haus
drei Ecken – Elfer
das Spiel ist endlich aus
Brief an Gottes Sohn
Du Revoluzzer! Anarchist!
Ich hoffe, dass wohlauf du bist.
Und ja: Ich hab gesündigt.
Jedoch: Wäre ich du mein Freund
- und das ist durchaus ernst gemeint -
hätt ich der Menschheit schon gekündigt
Trouble im Taka-Tuka-Land
Trouble im Taka-Tuka-Land
Tommy und Annika sind in Gefahr
und es ist schon Jahre her
dass man zuletzt dieses seltsame Mädchen sah
Früher gab es höchstens mal Stress
mit ein paar dämlichen Affen
heut spielen die Kids in den Klassenzimmern
mit vollautomatischen Waffen
Pippilotta es wird langsam Zeit
die Dinge wieder zurechtzubiegen
bevor Herrn Nilsson und Kleiner Onkel
die Kugeln um die Köpfe fliegen
Es gibt keine Paradiese mehr
und die Menschen sind schlecht
entwaffnest du sie nicht mit deinem Lächeln
behalten die Zyniker recht
Die Villa Kunterbunt wurde zwangsversteigert
und du bist seitdem spurlos verschwunden
Manche sagen du wärst nach London gegangen
und hättest dort den Punk-Rock erfunden
Andre sagen du hättest ein Modelabel
und bekamst von der Queen einen Orden
aber ich mag das alles nicht glauben
und hoffe du bist nie erwachsen geworden
Trouble im Taka-Tuka-Land
alle Kinder der Welt sind in Gefahr
und man kann sich nur von Herzen wünschen
dieses seltsame Mädchen wär wieder da
Früher waren die Dinge noch einfach
heut ist das Leben viel zu kompliziert
und wie soll man noch Hoffnung haben
wenn selbst Pippi Langstrumpf kapituliert?
Wohin die Straßen ziehen
Wohin die Straßen ziehen, kannst Du’s sagen?
Sie ziehn durch Städte und auch über Land.
Dorthin wohin wir uns bestimmt nicht wagen.
Doch auch an Orte die uns schon bekannt.
Sie überqueren Flüsse, Bäche, Tümpel.
Letztlich scheitern sie dann allein am Meer.
Es ist ergreifend und zugleich so simpel.
Wen schert es, ob die Straßen voll, ob leer?
Es sind nur Straßen und nicht Religionen.
Doch sind sie uns nicht dennoch beinah heilig?
Uns kümmern nicht die Menschen die dort wohnen.
Das Ziel scheint dringlich doch der Weg nicht eilig.
Wohin die Straßen ziehen, magst Du‘s wissen?
Sie ziehn durch Städte und auch über Land.
Wir wissen nichts als dass wir weiter müssen.
Wohin ist uns noch immer nicht bekannt.
Spätsommer, Schweden
Schon zwei Nächte im Auto gepennt
irgendwo mitten in Schweden
miese Laune und frisch getrennt
und keinen Bedarf darüber zu reden
Der Alkohol kaum zu bezahlen
was für ein beschissenes Land
abgesehen von Björn Borg und Abba
und Lunas tröstender Hand
Sie streichelt mich nicht erotisch
sondern wie einen Hund
klar, ich hab mich verlaufen
und für Erotik gibt es keinen Grund
Mit ihren paar Happen Englisch
kommen wir auch nicht sehr weit
ich habe zu wenige Träume
sie dagegen hat zu viel Zeit
Immerhin gibt es eine Dusche
auf dem Campingplatz wo sie wohnt
und sogar ein Schild auf Deutsch
dass man die Natur bitte schont
Ich hab nicht vor der Natur was zu tun
sie hat mir ja auch nichts getan
aber Lunas Eltern die gucken
als wäre ich Dschinghis Khan
Überall Deppen die angeln
mir hängt der Magen bis in die Knie
aber auf eins kann man wetten:
Fisch ess ich garantiert nie
Ein Laib Brot und ein paar Beeren
sind ja auch nicht völlig verkehrt
Lunas Mutter kann sogar lächeln
selbst in Schweden ist mein Charme noch was wert
Ich würde ihr ja Blumen pflücken
stehn mehr als genug davon rum
ich habe nur so eine Ahnung
die Natur nähme mir das dann krumm
Ich schenke ihr einen Fächer
der lag noch im Kofferraum
ein Teil eines anderen Lebens
ein längst gestorbener Traum
Ich blättere in meinem Hemingway
Lunas Hund bewacht meine Karre
Ernest wäre wohl besser gerüstet
mit Whisky und mit einer Knarre
Doch auf was sollte man hier ballern?
Mit den Elchen hab ich keinen Streit
Ich schau in die schwedische Sonne
und vergesse den Schmerz und die Zeit
Ein Windhauch
Ein Windhauch sanft und flüchtig nur
warst du in deinen Tagen
zu knapp bemessen deine Uhr
was bleibt von dir zu sagen?
Ein kleiner Fußabdruck im Sand
längst mit der Flut getrieben
aus Gottes Hand in Gottes Hand
mehr ist mir nicht geblieben
Heute vor Osterfeld-Ost
Schlaglöcher, Baustellen und dann ein Stau
es wird wieder mal spät ich weiß es genau
und natürlich wird einem auch noch zugemutet
dass ein Wildbach die ganze Landstraße flutet
Zusammengerottet haben hundert Traktoren
ihre Ladung aus Dung und aus Gülle verloren
und ein Sattelschlepper streift fast jeden Baum
wundert mich kaum
Ich hab Haarausfall und schlechte Laune
während ich ob der Umleitung staune
wird der Wagen zerfressen vom Rost
kurz vor Osterfeld-Ost
Von links kreuzt nun eine Demonstration
und erbittet Duldung und Absolution
Ich gebe natürlich achselzuckend klein bei
und nehm mir telefonisch den nächsten Tag frei
Und dann gibt es ja noch hundert Schnecken
die wollen nicht auf dem Asphalt verrecken
da bringe ich doch wohl kein Leid
sondern sage: Nehmt euch ruhig Zeit
Ich hab Haarausfall und schlechte Laune
während ich ob der Umleitung staune
wird der Wagen zerfressen vom Rost
kurz vor Osterfeld-Ost
Während ich vor Beherrschung fast platz
naht ein Konvoi vom Truppenübungsplatz
und ich bin auch kein Stück deprimiert
als vor mir etwas detoniert
Ich hab Haarausfall und schlechte Laune
während ich ob der Umleitung staune
wird der Wagen zerfressen vom Rost
kurz vor Osterfeld-Ost
Ich malte Gott
Ihr müsst euch nicht mehr für mich schämen
sagt es den Nachbarn bitte auch
ich muss die Pillen nicht mehr nehmen
und ich weiß dass ich euch nicht brauch
Mein Stundenplan hat keine Lücken
ihr kommt darin jedoch nicht vor
kein Schweigen bleibt zu überbrücken
ich fand den Weg den ich verlor
Ich weiß ja ihr habt Heilung
als Endziel anvisiert
doch ich hab durch simple Teilung
das Universum definiert
Ich malte Gott gleich nachdem ich ihn fand
und der Herr Professor hat ihn erkannt
In seine Kladde schrieb er ein Gedicht
doch dieses Geheimnis verrät er euch nicht
Ihr müsst euch keine Mühe machen
sagt in der Schule auch Bescheid
dass sie ohne mich weitermachen
ich bin längst jenseits ihrer Zeit
Ich muss nicht schlafen und nicht essen
bin gegen die Natur immun
ich darf kein Wort von Gott vergessen
es gibt noch furchtbar viel zu tun
Ich weiß ja ihr habt Heilung
als Endziel anvisiert
doch ich hab durch simple Teilung
das Universum definiert
Ich malte Gott gleich nachdem ich ihn fand
und der Herr Professor hat ihn erkannt
In seine Kladde schrieb er ein Gedicht
doch dieses Geheimnis verrät er euch nicht
Ihr findet selbst nach draußen
kommt besser nicht mehr her
ihr stört mein Gleichgewicht
ich brauche euch nicht mehr
Ein leichtes Mädchen in schwerer Zeit
Charmant, charmant
der Herr Fabrikant
doch knausert beim Lohn
doch das kenn ich schon
(ganz anders sein Sohn)
Und dann der Vermieter
der einem was geigt
wenn man unpünktlich zahlt
wo doch die Miete stets steigt
Ein Arrangement
wäre angebracht
doch er liegt bei Chantal
in der Nacht
Und auch die Touristen
aus dem Fernen Osten
decken soeben
die Nebenkosten
Man braucht ja neue Strümpfe
und auch mal Schminke
und täglich ein Bad
(nur Hans mag wenn ich stinke)
Ob solche wie wir
wohl schneller welken?
Na ja, auch auf dem Hof
bliebe es doch beim Melken
Badesee
Es treibt an heißen Tagen zum Vergnügen
die Menschenmassen raus zum Badesee
mir würde ein Glas Wasser schon genügen
ein kühler Lufthauch um den großen Zeh
Doch nein, ich schleppe Speisen, Schirm und Zeitung
zehn Kilometer stöhnend durch den Wald
„Beeil dich schon“ keift vor mir die Begleitung
ich fürchte ich erschlage sie alsbald
Als wir den Strand nach Stunden dann erreichen
seh ich nur Menschen, Wasser seh ich nicht
und keinen scheint mein Schicksal zu erweichen
ich lass mich fallen, mitten aufs Gesicht
Der Platz ist eng, reicht kaum für eine Decke
fünf Zentimeter sind’s bis nebenan
zunächst begrüßt mich hinterrücks ne Zecke
und dann schleicht sich ein Hund von vorne an
Er hebt sein Bein und lässt sich auch nicht stören
soviel zum ersten Nass das ich erblick
doch niemand will mein Flehen wohl erhören:
Ich will nicht baden, ich will nur zurück
Nun sitz ich da mit cremeverschmierten Pfoten
meine Begleitung stürmt schon gradeaus
um eine Möglichkeit zum Plantschen auszuloten
in meiner Wanne wär mehr Platz – bei mir zuhaus
Ein Ghettoblaster rappt mir in die Ohren
ich quäl mich – äußerst ungern – aus dem Hemd
ich fühl mich nicht nur absolut verloren
ich fühl mich zwischen diesen Massen fremd
Ich hol ein Brot aus meiner Reisetasche
und seh der Butter zu wie sie zerläuft
vom Nebenmann krieg ich ne Ladung Asche
und wünsch mir dass er möglichst bald ersäuft
Mein Kopf missbraucht als Ziel für Volleybälle
ne fette Dame stampft mir auf die Hand
ich denk jetzt: Ab ins Wasser auf die Schnelle
dort ist man sicher sichrer als an Land
Ich kletter über Berge brauner Leiber
und frag mich warum bin ich bloß so blass
ich zieh den Bauch ein wegen all der Weiber
und endlich wird es vor mir langsam nass
Zwei Kinder strullern fröhlich um die Wette
das Wasser riecht ganz mächtig nach Pipi
ich würd ja auch gern mal auf die Toilette
doch pinkel nicht ins Wasser – niemals nie
Ich tauch den Knöchel mutig in die Wogen
und ziehe ihn noch schneller wieder raus
er fühlt sich sehr polar an – ungelogen
erwähnte ich schon: Ich will nur nach Haus
Ein Halbstarker springt vor mir in die Fluten
macht mich klatschnass, ich glaube ich erfrier
ich tret auf einen Stein, werd gleich verbluten
ach Welt leb wohl, du warst nicht gut zu mir
Da höre ich die Stimme der Begleitung
„Ein schöner Tag und jetzt nichts wie nach Haus
triff du schon mal in Ruh die Vorbereitung
ich zieh nur noch die nassen Sachen aus“
Da steht sie nun und jeder kann sie sehen
hat sie denn überhaupt kein Schamgefühl?
Ich werd in nasser Hose heimwärts gehen
selbst wenn ich mir die Hoden arg verkühl
Nun schlepp ich unser Zeug wieder von hinnen
und frag mich warum wir hier draußen warn
ich kann mich meiner Worte noch besinnen:
Ein Glas Wasser hätt‘ es auch getan
Das sind die Gedanken
Da ist diese Frau
auf dem Aquarell
halbnackt im Schnee
in der Hand ein Skalpell
und ich starr lange Zeit
auf ihre Augen
und den Riss in dem roten Kleid
Dann merke ich
wie mein Atem gefriert
und meine Hände
und die Wände
sind blutverschmiert
Das sind die Gedanken
die ein anderer denkt
der die Marionette
erschaffen hat
und immer noch lenkt
Ich öffne das Fenster
steige hinaus
und folge den Spuren im Schnee
um das Haus
Da steht sie und wartet
in dem blutroten Kleid
und flüstert in den Wind
„Es tut mir so leid“
und ich sterbe noch einmal
in ihren Armen
und die fremde Stimme kennt kein Erbarmen
Das sind die Gedanken
die ein anderer denkt
wenn er uns einen Traum
vom Leben schenkt
Die Näherin
Ein winzig kleines Zimmer
im großen Herrenhaus
dort übt sie ihr Gewerbe
tagein tagaus aus
Sie näht mit bestem Zwirn
und bleibt doch unbewegt
vom Umstand dass sie selbst
nur Lumpen trägt
Die Dame des Hauses
in feinstem Geschmeide
schwebt wie ein Traum
aus Samt und aus Seide
und wenn es den Gatten
zu den Stallungen zieht
trägt er meistens Cord
oder Tweed
Die Näherin näht sich
aus den Resten ein Tuch
und trägt es stolz
bei des Herzogs Besuch
doch als der Herr
sie derart erblickt
macht er ihr klar
dass sich solches nicht schickt
Und neben ihm
steht lächelnd der Sohn:
„Das ist Diebstahl, Vater
kürz ihr den Lohn“
Bei laufendem Motor
Ein Novemberabend
viertel vor zehn
zu früh für sie
um nach Hause zu gehn
Dort kreischen die Kinder
dort wartet ein Mann
der nicht begreift
dass sie längst nicht mehr kann
Sie hat sich geschämt
für ihr Versagen
jahrein- und jahraus
an qualvollen Tagen
und sah sie die Sterne
am Nachthimmel wandern
hat sie gedacht
Ich wär gern wie die andern
Bei laufendem Motor
steht das Herz still
sie weiß wer sie ist
aber nicht was sie will
denn da ist nichts weiter
als trostlose Leere
und es gibt keinen Ort
an dem sie gern wäre
Sie hat alles versucht
aber gar nichts gefunden
und ihre Gedanken
sind wie offene Wunden
die nie mehr verheilen
doch die keiner sieht
selbst wenn der Schmerz
sie zu Boden zieht
Sie hat Regeln befolgt
sie hat Regeln gebrochen
doch was sie wirklich fühlt
blieb unausgesprochen
denn es gibt keine Worte
für die Wüste in ihr
wo sie verendet
wie ein waidwundes Tier
Bei laufendem Motor
steht das Herz still
sie weiß wer sie ist
aber nicht was sie will
denn da ist nichts weiter
als trostlose Leere
und es gibt keinen Ort
an dem sie gern wäre
Die Krähe
Es pickt eine dürre Krähe im Schnee
und droht am Frost zu erblinden
ich frage mich, wie ich sie so seh,
was erhofft sie sich dort zu finden?
Ist es mein Geruch, hört sie meinen Schritt?
Ich vermag es nicht wirklich zu sagen
Sie bekommt meine Gegenwart jedenfalls mit
doch scheint sie nicht zu verzagen
Aus einem fast erfrorenen Auge
starrt sie mich regungslos an
und ich lese darin, wie ich glaube,
die Frage: Was sucht dieser Mann?
Süße 16
Süße 16 - mit dem Verlangen
alle Träume dieser Welt einzufangen
sie dann in ein Poesiealbum kleben
und aufzuheben für ein anderes Leben
Vater trinkt und Mutter weint
was hilft es da schon wenn die Sonne scheint?
Sie möchte sich unter dem Bett verstecken
und warten bis sie beide verrecken
Vater säuft und Mutter heult
und ihr Gesicht ist manchmal verbeult
sie ist deshalb immer zu stark geschminkt
und hat längst kapiert: Das Leben stinkt
Süße 16 - mit dem Verlangen
alle Träume dieser Welt einzufangen
sie dann in ein Poesiealbum kleben
und aufzuheben für ein besseres Leben
Unbekümmert
Kannst du noch unbekümmert sein
nun nachdem ich mich dir offenbarte
oder quält dich fortan der Gedanke allein
wie sehr ich doch auf dich warte?
Findest du mich jetzt nur noch peinlich
und meidest deshalb meine Nähe
erscheine ich dir deshalb sehr kleinlich
wenn ich klage dass ich dich kaum noch sehe?
Ist meine Liebe statt Freude dir Last
würdest du mich lieber gar nicht mehr kennen
und hast nur den rechten Zeitpunkt verpasst
dich von meinem Luftschloss zu trennen?
Kannst du noch unbekümmert sein
oder bist du für meine Worte schon taub
möchtest du dich von meiner Nähe befrein
und machst dich unbemerkt aus dem Staub?
Findest du mich jetzt nur noch kläglich
und verweigerst dich jedem Bekenntnis
bin ich für dich nichts weiter als schädlich
und hast du für mich kein Verständnis?
Bringt meine Liebe statt Frohsinn dir Pein
fängst du an mich schon zu verfluchen
fällt dir wirklich nichts besseres ein
als nach Ausreden zu suchen?
Kannst du noch unbekümmert sein
oder raube ich dir Schlaf und Glück?
Wenn dem so ist fällt mir nur eines ein:
Ich nehm meine Worte zurück
Ich schrieb ein Leben lang nur von dir
Ist schon wirklich seltsam
wie das Leben manchmal tickt
und dass man erst in der Finsternis
in die hellste Sonne blickt
Hab nicht mehr mit dir gerechnet
und ich weiß du kommst zu spät
so um etwa dreißig Jahre
ahnst du was in mir vor sich geht?
Ich schrieb so viele Gedichte
opulente und auch schlichte
und ich trage Welten voller Worte in mir
doch ich schrieb ein Leben lang nur von dir
Alles was ich jemals wollte
könntest du leicht für mich sein
doch uns trennen Ewigkeiten
und mein Kopf sieht das auch ein
Doch mein Herz kann nicht vergessen
dass es dich dort draußen gibt
und wenn ich nur an dich denke
ist es als hätt ich nie vorher geliebt
Ich schrieb so viele Gedichte
opulente und auch schlichte
und ich trage Welten voller Worte in mir
doch ich schrieb ein Leben lang nur von dir
Du hast mich heut schon vergessen
ich bin ganz alleine hier
und du wirst es niemals wissen
Ich schreib mein ganzes Leben lang von dir
Erinner Dich
Erinner dich als die Musik
der Inhalt unsres Lebens war
ein guter Freund, sie stand uns nah
Tag für Tag und Jahr für Jahr
Erinner dich als die Musik
der Schlüssel war ins Paradies
die Freude und die Einigkeit
und Hoffnung die uns nie verließ
Erinner dich als die Musik
unsere Herzen so berührte
uns Trost und Stärke gab
und uns zusammenführte
Erinner dich als die Musik
der Spiegel unsrer Seelen war
so unschuldig, so rein und klar
Tag für Tag und Jahr für Jahr
Erinner dich als die Musik
uns stets bewachte
und Liebe brachte
aus Fremden Freunde machte
Erinner dich als die Musik
unsere Herzen so berührte
uns Trost und Stärke gab
und uns zusammenführte
Erinner dich als die Musik
noch ganz und gar
der große Halt in unsrem Leben war
Tag für Tag und Jahr für Jahr
Erinner dich als die Musik
uns immer neue Wunder schenkte
und uns veränderte
uns formte und uns lenkte
Erinner dich als die Musik
der Inhalt unsres Lebens war
und glaube mir
sie ist noch da
Bei mir ist es immer die Venus
Ein Blick in die Sterne gefällig?
Ein paar Groschen nur, gnädige Frau.
Die Zukunft winkt ihnen rosig.
Meine dagegen ist blau.
Doch um sie derart zu gestalten
braucht es eine Zuwendung schon
auf dem Weg zur Destille
von Malte Marquardt & Sohn.
Seien Sie doch nicht so schüchtern.
Das Leben verlangt nach Mut.
Und ich weiß, wenn ich Sie so betrachte:
Ihres ist grau, aber gut.
Sie leiden nicht Hunger, nur Kummer.
Ach, ich weiß doch wie leicht ein Herz bricht.
Und wie schwer man sich tut
mit Verzicht.
In ihren Augen sind Fragen.
In ihrer Börse ist Geld.
Ich könnte Ihnen wohl manches sagen
was Ihnen mit Bestimmtheit gefällt.
So ist es recht, werte Dame.
Zum Vorteil gereicht es uns beide.
Ihnen prophezeie ich Glück
während ich weiterhin leide.
Ihnen lachen die Sterne.
Frisch voran also und nur Mut.
Bei mir ist es immer die Venus.
Bekanntlich geht das selten gut.
Die liederliche Liese
Die liederliche Liese
aus der neunten Klasse
hat an den rechten Stellen
schon vorteilhafte Masse
Sie trägt ein Herrenhemd
das ist nicht zugeknöpft
fehlt nur dass man sie deshalb
einsperrt oder köpft
Es ist ja nicht Berechnung
wie doch wohl jeder weiß
sie macht ganz unbedarft
die halbe Schule heiß
Das gilt auch für die Lehrer
der Notendurchschnitt zeigt
man kann es zu was bringen
wenn man genießt und schweigt
Die liederliche Liese
ein ewig feuchter Traum
für etwa achtzehn Jungen
in unsrem Klassenraum
Die Mütter sind sehr wütend
und ziehen ein Gesicht
doch was die Väter denken
sag ich mal lieber nicht
Man hat oft im Kollegium
nur wegen ihr gezankt
aber die halbe Schule
hat sich bei ihr bedankt
Halleluja
Halleluja Big Fat Momma
in Altona liegt Schnee
Traurige Trunkenbolde tanzen Twist
vorm Büro der Heilsarmee
In der Suppenküche ist es voll
es brodelt in der Schüssel
und wer partout nicht warten kann
bekommt was auf den Rüssel
Halleluja Sailor-Boy
dein Kutter ist gestrandet
und Lola wartet schon am Pier
dass jemand bei ihr landet
Ihr Bett duftet nach Rosen
ihr Haar duftet nach Heu
und dir und all den andern
ist sie so gut wie treu
Halleluja, Halleluja
das Leben hat es eilig
und wer zu kurz gekommen ist
dem ist gewiss nichts heilig
Halleluja, Halleluja
wer nicht an sich selber denkt
bekommt eins in die Fresse
aber ansonsten nichts geschenkt
Halleluja Preacher-Man
drückt dich der steife Kragen?
In Nächten die so kalt sind
kann ein Mann schon was vertragen
Ob Alkohol nun Sünde ist
oder doch eher nicht
man sollte ihn probieren
damit man weiß wovon man spricht
Halleluja Boa-Bea
tanzt du an deiner Stange
hat sich so mancher schon gefragt
bist du Mädchen oder Schlange?
So wie die Kerle glotzen
auf deine langen Beine
kannst du dir wohl sicher sein
es regnet heute Scheine
Halleluja, Halleluja
das Leben hat es eilig
und wer zu kurz gekommen ist
dem ist gewiss nichts heilig
Halleluja, Halleluja
wer nicht an sich selber denkt
bekommt eins in die Fresse
aber ansonsten nichts geschenkt
Wie klein bin ich von oben?
Steig mein Ballon und flieg davon
entfern dich von der Erde
du kannst dort sein wo ich gern wär
doch niemals hingelangen werde
Du siehst den Bolzplatz unter dir
dort schoss ich dann und wann ein Tor
die alte Schule wo ich oft
so manch kostbaren Tag verlor
Da sind der Marktplatz und der Park
das Kino und das Bürgerhaus
die Rodelbahn, der Kreisverkehr
wie sieht das wohl von oben aus?
Die Kirche, das Seniorenheim
Schwimmbad und Waschanlage
was du dort siehst ist ewig schon
Mittelpunkt meiner Tage
Der Bahnhof und der Schienenstrang
der ab und an den Wald berührt
und wenn man ihm lang genug folgt
vielleicht in bessre Städte führt
Das Rathaus und das Burger King
und die Fabrikgebäude
in denen ich wenn ich nicht geh
mein Leben ganz vergeude
Der Radiosender auf dem Berg
wo sie nur Heimatlieder senden
und auf dem Friedhof nebenan
da werd auch ich mal enden
Steig mein Ballon und flieg davon
entfern dich von der Erde
du kannst dort sein wo ich gern wär
doch niemals hingelangen werde
Steig mein Ballon und fang den Wind
du darfst in Freiheit toben
verrat zum Abschied mir nur noch
wie klein bin ich von oben?
Mächtig mutlose Matrosen
Mächtig mutlose Matrosen
machten sich fast in die Hosen
weil ein jeder schnell begriff
unterm Bug da knirscht ein Riff
Und sie wurden noch viel blasser
denn durchs Leck drang reichlich Wasser
und man hat den Kapitän
nach dem Sturm nicht mehr gesehn
Ihr stolzes Schiff schaukelte munter
auf den Wellen, dann gings unter
und die nächste Küste war
schon aus Bosheit grad nicht da
Mächtig mutlose Matrosen
die im Brausen und im Tosen
kurze Zeit nur noch zusammen
an der Oberfläche schwammen
kehrten nie nach Hause wieder
und so bleiben nur die Lieder
die den Müttern, Schwestern, Nichten
nun von ihrem Los berichten
Mächtig mutlose Matrosen
warn wie Haifutter in Dosen
allesamt sehr schnell verschlungen
nur das Lied ist nie verklungen
Und daheim trauern die Lieben
um jene die auf See geblieben
und verstreun am Kai heut Rosen
für die ersoffenen Matrosen
Lou und das hinkende Mädchen
Es gibt Dinge im Leben
die man nicht vergisst
auch wenn manches davon
nicht bedeutungsvoll ist
Es sind oft Kleinigkeiten
die wie von fremder Hand
Spuren hinterlassen
ins Gedächtnis eingebrannt
Die Gefühle dabei
vergaß man lange schon
doch der Film läuft noch ab
wie eine Simulation
Lou und das hinkende Mädchen
und ihre Schatten auf dem Asphalt
in den traumlosen Nächten des Winters
damals war ich zwölf Jahre alt
Ich stand da mit meinem Fahrrad
und mein Blick floh in die Nacht
Lou und das hinkende Mädchen
ich hab oft an die beiden gedacht
Es gibt Dinge im Leben
ob klein oder groß
die dich verfolgen
manches lässt dich nie los
Und du weißt nicht warum
es geschieht einfach so
sie machen dich
weder traurig noch froh
Denn es sind nur Bilder
Abdrücke auf Glas
Schemen und Geister
die man nicht vergaß
Lou und das hinkende Mädchen
und ihre Schatten auf dem Asphalt
in den traumlosen Nächten des Winters
damals war ich zwölf Jahre alt
Ich stand da mit meinem Fahrrad
und mein Blick floh in die Nacht
Lou und das hinkende Mädchen
ich hab oft an die beiden gedacht
Die Hoffnungslose
Mit fast selbstverliebter Pose
wandelt in dem grünen Hain
schluchzend eine Hoffnungslose
und beschließt nicht mehr zu sein
Jenem den sie heiß begehrte
lag rein nichts an ihren Küssen
und wie sehr sie sich verzehrte
wird der eitle Narr nie wissen
Um es ihm nun klarzumachen
- Frauen schätzen solche Dinge -
legt mit einem letzten Lachen
sie den Hals in eine Schlinge
Also baumelt zwischen Fichten
nun die nicht mehr Hoffnungslose
So kann ich ihr dankbar dichten:
Schön bist du wie eine Rose
Eine andere Art Emigration
Die Würfel sind gefallen, die ersten Köpfe rollen
wir fragen uns wie lang wir das erdulden wollen
doch es spielt keine Rolle ob wir bleiben oder gehn
wir werden dieses Land ab heut mit andren Augen sehn
Wir haben uns nicht angemaßt zu mahnen und zu richten
wir haben einfach zugesehn wie sich die Reihen lichten
wie mancher brave Mann nicht der Verlockung widerstand
wie falsch und wie verlogen klingt heute „Heimatland“
Wir haben denen nachgeschaut die über Grenzen gingen
zu mutlos um im eignen Land noch mit dem Feind zu ringen
wir aber ziehen uns zurück in innere Isolation
das ist nur eine andere Art Emigration
Wenn keine Stimme sich erhebt in Deutlichkeit zu warnen
wenn man sich wieder stolz bekennt zu lang verbannten Fahnen
dann wissen wir nur allzu gut wohin das alles führt
und sind doch viel zu müde als dass es uns tief berührt
Heut sollten längst schon andere in unsrem Namen sprechen
Generationen die nie mehr Kriege vom Zaune brechen
wir haben sie doch alles was wichtig ist gelehrt
doch ihnen scheint die Freiheit unglaublich wenig wert
Wir haben denen nachgeschaut die über Grenzen gingen
zu mutlos um im eignen Land noch mit dem Feind zu ringen
wir aber ziehen uns zurück in innere Isolation
das ist nur eine andere Art Emigration
Wir Schizophrene
Wir sind den Herren Doktoren
seit langer Zeit ein Begriff
sie liegen uns gern in den Ohren
meinen uns fehle der letzte Schliff
Die Welt ist eine Kugel
aus diesem Grund dreht sie sich
doch was wissen sie schon
von uns und von sich?
Wir Schizophrene
sind eine eigene Zunft
man packt uns am Schlafittchen
statt bei der Vernunft
Wir sind den Professoren
seit jeher ein Nagel im Sarg
irgendwann geben sie uns verloren
bis dahin dozieren sie Quark
Die Welt ist eine Kugel
aus diesem Grund dreht sie sich
doch was wissen sie schon
von uns und von sich?
Wir Schizophrene
gestehen uns freimütig ein
wir haben es besser als andre
denn wir sind selten allein
Wir Schizophrene
sind der Ansicht dass es nicht eilt
dass man uns heilt
Spielzeugautos unnummeriert
Der Teppich ist länger als Panama
beim Schrank eine Kurve die ich zu spät sah
es wölbt sich der Boden – das Fahrzeug wird schneller
die Treppe hinab stürzt es in den Keller
wo mich keiner findet – auch Vater nicht
bin ich ganz leise und mache kein Licht
und wenn ich etwas höre red ich mir ein
es kommt von draußen und kann nicht gefährlich sein
Spielzeugautos unnummeriert
hab ich nach ihrem Klang sortiert
wirft man sie im Dunkeln gegen die Wand
zerbrechen sie nicht – sie halten stand
Der Boden ist kälter als Grönland
was ich im Sommer oft schön fand
wenn ich dort lag und mich nicht regte
während oben die Welt sich weiter bewegte
und mich keiner vermisste – auch Vater nicht
hielt ich mir die Hände dicht vors Gesicht
und wenn jemand rief hörte ich nicht hin
und tat so als ob ich verstorben bin
Spielzeugautos unnummeriert
hab ich nach ihrem Klang sortiert
wirft man sie im Dunkeln gegen die Wand
zerbrechen sie nicht – sie halten stand
Kein Doktor weiß was mir fehlt
Kein Doktor weiß was mir fehlt
da kann er noch so sehr suchen
da wüsste selbst Tante Kathi mehr
Sonntags, bei Kaffee und Kuchen
Die hat kein Röntgengerät
darf mir auch kein Morphium geben
sie studierte auch nicht Medizin
sie studierte stattdessen das Leben
Die braucht nicht den Puls mir zu messen
die will weder Stuhl noch Urin
und die kommt mir nie mit solchem Unfug
von wegen dem Cholesterin
Kein Doktor weiß was mir fehlt
das muss er dann auch akzeptieren
er sollte als Spezialistin
Tante Kathi wohl konsultieren
Die läse ihm gleich die Leviten
von wegen der Litanei
dass ein guter Tropfen
für die Leber doch schädlich sei
Die kennt mit Herzen sich aus
obwohl sie nicht oft davon spricht
der Doktor weiß wie ein Herz schlägt
Tante Kathi weiß wie ein Herz bricht
Kein Doktor weiß was mir fehlt
der sagt nur: „Die Brust mal kurz frei“
Tante Kathi sagt ob meines Befindens:
„Solcher Schmerz, Bub, geht bald vorbei“
Blonde Episode
Wieder mal so ein Skandal
schon naht die ganze Brut
schart sich um den Newsticker
und lechzt nach frischem Blut
Und es kümmert keinen
wessen Würde man verletzt
denn das Recht auf Sensationen
steht schon fast im Grundgesetz
Mich schert nicht wer mit wem grad pennt
ein Starlet und ein Präsident
warum kümmert das jede Sau
mehr als die eigne Ehefrau?
Mir geht der Zeitgeist auf den Geist
ich geh nicht mit der Mode
und ich zerreiß mir nicht das Maul
über die blonde Episode
Wieder mal so ein Skandal
vor aller Welt enthüllt
das ist kläglich, man wird täglich
damit völlig zugemüllt
Die Bedeutung von „intim“
ist mir nicht mehr ganz klar
gehört der Mensch der Presse
wirklich längst mit Haut und Haar?
Die Paparazzi zählen schon
ganz freudig ihren Judaslohn
und mein Nachbar kreischt völlig wild:
„Morgen steht alles in der BILD“
Mir geht der Zeitgeist auf den Geist
ich geh nicht mit der Mode
und ich zerreiß mir nicht das Maul
über die blonde Episode
Der Bub
Was steht er da der Bub mit großen Augen
mit Augen, deren Blick doch stets gesenkt?
Er mag von mir ach-was-weiß-ich-denn glauben
Natürlich weiß ich bestens was er denkt
Dass Leute mit den Fingern auf mich zeigen
und flüstern, tuscheln, tratschen immerzu
dass nur wenn sie sehr nah sind kurz mal schweigen
das alles lässt ihm sichtlich keine Ruh
Ich weiß genau was er sehr gerne wüsste
er schaut mich nur im Glas der Scheiben an
am liebsten lugt er mir dann auf die Brüste
Man ahnt aus diesem Bub wird bald ein Mann
Für einen Kuss von mir würde er sterben
und ganz kalt lässt mich sein Verlangen nicht
doch ist zu jung er um ihn zu verderben
zudem hat er ein freundliches Gesicht
Würd er für mich sein Sparschwein doch zerschlagen
während er sich fast in die Hosen macht
müsste ich schuldbewusst ihm trotzdem sagen:
Geh heim. Dein Vater kommt zu mir um kurz nach acht
Borderline-Prinzessin
Es gibt Tage an denen dir alles gelingt
doch die Karten des Schicksals sind leider gezinkt
eben glaubst du noch es sei alles okay
dann geht die Sonne unter und dein Herz liegt im Schnee
Manchmal kannst du den Himmel auf Erden versprechen
doch schon kurze Zeit später seh ich dich zerbrechen
manchmal ist kein Platz für mich in deiner Welt
manchmal bin ich der einzige der zu dir hält
Borderline-Prinzessin
am Scheitelpunkt der Welle
weißt du nie was dich erwartet
Himmel oder Hölle
Borderline-Prinzessin
dein Leben ist ein Tanz
zwischen den Extremen
verlierst du dich oft ganz
Es gibt Tage da kannst du dich klar definieren
und bist dir so sicher nichts könne passieren
doch dann kommen die Stunden in denen du bangst
du gingest verloren in den Stürmen der Angst
Du verlierst jeden Halt und sträubst dich gegen Nähe
und verstehst es nicht dass ich trotzdem nicht gehe
du fragst dich warum ich all das für dich tu
vielleicht fürchte ich nur so zu werden wie du
Borderline-Prinzessin
am Scheitelpunkt der Welle
weißt du nie was dich erwartet
Himmel oder Hölle
Borderline-Prinzessin
dein Leben ist ein Tanz
zwischen den Extremen
verlierst du dich oft ganz
Du glaubst ich sei stark und mir könnte gelingen
dich jedes Mal sicher ans Ufer zu bringen
doch ich halte dich nur in dieser stürmischen See
um zu verhindern dass ich selbst untergeh
Claire, du Hure
Ich fand in der Küche
was von ihm übrig blieb
den Brief mit Blut geschrieben
„Claire, ich hab dich lieb“
In seiner Hand die Klinge
die Schlagader zerfetzt
warum zum Teufel, Claire
hast du ihn so verletzt?
Ich hab geschrien
ich hab geweint
du Dreckstück
nahmst mir meinen Freund
Claire, du Hure
was hast du getan
mit diesen Augen
die voll Liebe auf dich sahn?
Claire, du Hure
ich find dich bald
und wenn ich dich finde
dann mach ich dich kalt
Er liebte dich so sehr
und war nach dir verrückt
doch du hast ihn betrogen
und dich dann verdrückt
Er hat es nicht verwunden
er war ein guter Mann
warum nur Claire
tatest du ihm das an?
Ich hab geschrien
ich hab geweint
du Dreckstück
nahmst mir meinen Freund
Claire, du Hure
was hast du getan
mit diesen Augen
die voll Liebe auf dich sahn?
Claire, du Hure
ich find dich bald
und wenn ich dich finde
dann mach ich dich kalt
Nun knie ich hier
halt seinen toten Leib
glaub bloß nicht
dass ich dir was schuldig bleib
Claire, du Hure
was hast du getan
mit diesen Augen
die voll Liebe auf dich sahn?
Claire, du Hure
ich find dich bald
und wenn ich dich finde
dann mach ich dich kalt
Danke
Dass es euch gab
ihr zu mir kamt
all meine Schwächen
auf euch nahmt
mir Trost gabt
wenn ich mutlos war
an manchem Tag
in manchem Jahr
dass Halt ihr wart
wenn ich gewankt
dafür sei euch
ewig gedankt
Für eure Freundschaft
eure Kraft
die Mauern einreißt
Brücken schafft
die mich beständig
manches Mal
führte aus jenem
finstren Tal
zurück ins Leben
und ins Licht
all das vergesse
ich euch nicht
Dass eure Liebe
ehrlich war
und eure Worte
gut und klar
dass ihr nicht zweifelt
und nicht neidet
und stets im Guten
von mir scheidet
dass ihr mich stützt
und um mich bangt
dafür sei euch
ewig gedankt
Dass ihr mit mir
lacht und auch weint
dass ihr es ehrlich
mit mir meint
dass ihr mir nachseht
wenn ich schwanke
dass es euch gibt
Danke
Der Regen
Der Regen lehrt uns Demut
die Sonne schenkt uns Glück
ich blicke gleichermaßen
auf beide gern zurück
Halbkreis
Deine Augen haben viel zu dunkle Ränder
meine Hände haben viel zu wenig Zeit
auf einer Brücke klammern wir uns ans Geländer
und ertasten kaum Gemeinsamkeit
Unten fahren graue Güterzüge
oben formen Wolken eine Faust
jeder Blick von mir ist eine Lüge
und der Wind hat dir das Haar zerzaust
Es ist kalt und du kannst mich nicht leiden
es wird spät und ich mag dich nicht sehn
ganz egal wofür wir uns entscheiden
nichts wird jemals in Erfüllung gehn
Fast verschmierte Kreide auf dem Asphalt
nichts mehr zu erkennen von dem Bild
nur ein Halbkreis in der toten Zone
wo das Gestern lange nicht mehr gilt
Herzen aus Papier in trüben Pfützen
Wasserringe drängen an den Rand
nur ein Halbkreis in gequälter Stille
und wir haben nichts mehr in der Hand
Keine Argumente die noch zählen
keine Untat die den Krieg beginnt
keine Waffe die es lohnt zu wählen
wenn die Einsamkeit den Kampf gewinnt
Tausend Fragen in den Manteltaschen
den Besitz alleine schon bereut
und wir haben durch die Drahtzaunmaschen
unsre Liebe in die Nacht gestreut
Es ist kalt und du wirst mich nicht finden
es wird früh und ich vertrag kein Licht
möglich dass wir ganz vereint erblinden
aber so viel Nähe will ich nicht
Fast verschmierte Kreide auf dem Asphalt
nichts mehr zu erkennen von dem Bild
nur ein Halbkreis in der toten Zone
wo das Gestern lange nicht mehr gilt
Herzen aus Papier in trüben Pfützen
Wasserringe drängen an den Rand
nur ein Halbkreis in gequälter Stille
und wir haben nichts mehr in der Hand
Sei nicht die die ich hab
Mein Blick für dich
ist seit Jahren verklärt
und du hast dich zum Glück
erfolgreich gewehrt
ignorierst mein Bemühen
und trotzt meinen Plänen
so bleibt dieses Glühen
und das schmerzhafte Sehnen
Sieh auf mich herab
zeig mir was ich bin
bleib stolz und kühl
die Königin
führ mich in Versuchung
und geh über Leichen
ich bin es nicht wert
dir das Wasser zu reichen
Steig bitte niemals
von deinem Podest
bleib für mich jene
die sich nicht erobern lässt
und lieb ich dich laut
wehr dich weiter still
sei nicht die die ich hab
sei die die ich will
Bleib bitte standhaft
lass mich weiter flehen
und keine Schwäche
an dir jemals sehen
Bleib einzigartig
mit nichts zu vergleichen
so unglaublich nah
und doch nicht zu erreichen
Steig bitte niemals
von deinem Podest
bleib für mich jene
die sich nicht erobern lässt
und lieb ich dich laut
wehr dich weiter still
sei nicht die die ich hab
sei die die ich will
Was weißt Du von den Dämonen?
Was weißt du von den Dämonen
die in meiner Seele wohnen
sich an meinem Leid erfreuen
und ihr Dasein nie bereuen?
Und wie gern sie mich verführen
mit so wonnevollen Schwüren
viel zu leicht und jederzeit
zu manch Widerwärtigkeit
Könnte ich nur widerstehen
und das Gute in mir sehen
das jene verlognen Schergen
allzu tief vor mir verbergen
Hätte ich nur Mut und Willen
ihr Verlangen nicht zu stillen
um in meiner Zeit auf Erden
noch ein bessrer Mensch zu werden
Was weißt du von den Dämonen
die in meiner Seele wohnen?
Ich verschweig dir diese Last
weil du deine eigne hast
Von Gott und den Inseln
Da liegen sie so aufgereiht
wie es Perlen sind an einer Schnur
und trotzen schon seit langer Zeit
ein jeder Willkür der Natur
Egal wie sehr die See auch steigt
wie wild der Wind auch wütet
sie sind – bis er dann wieder schweigt –
von höherer Macht behütet
Es hält der Deich den Wogen stand
er tut es Jahr für Jahr
die Menschen dort in Gottes Hand
sagen dass Gott ein Seemann war
Paranoid im Feuchtgebiet
Jeder hier ist ein Jäger
und jeder Jäger schießt
ich esse kein Wild
und für mich gilt
ich pass eh nicht ins Bild
denn ich mag es nicht
wenn man das Töten genießt
Und ist die Gesellschaft auch noch so fein
würd ich lieber mit dir alleine sein
doch dein Vater gibt mir nicht den Segen
dich heute Nacht zu erlegen
Paranoid im Feuchgebiet
verschluck ich tausend Flüche
und find den Weg nicht mehr zurück
zu deiner Mutter in die Küche
Jeder hier trägt eine Flinte
und jede Flinte knallt
ich esse kein Wild
und für mich gilt
ich pass eh nicht ins Bild
denn ich muss leider gestehen
ich verirre mich immer im Wald
Und ist die Gesellschaft auch noch so fein
würd ich lieber mit dir alleine sein
doch dein Vater gibt mir nicht den Segen
dich heute Nacht zu erlegen
Paranoid im Feuchgebiet
verschluck ich tausend Flüche
und find den Weg nicht mehr zurück
zu deiner Mutter in die Küche
Hier wickeln sie selbst die Kleinen schon ein
mit Luftgewehren und Jägerlatein
doch ich weiß nicht erst seit heute:
Du bist die einzige lohnende Beute
Paranoid im Feuchgebiet
verschluck ich tausend Flüche
und find den Weg nicht mehr zurück
zu deiner Mutter in die Küche
Die Sonntagshose
Die Sonntagshose hat gewiss
schon manches Loch und manchen Riss
so hörte ich mich sagen
Mutter, die kann ich nicht tragen
Sie hat nicht Riss, sie hat nicht Loch
sprach meine Mutter dann jedoch
und selbstverständlich war mir klar
dass sie näher an der Wahrheit war
Doch den Versuch war es wohl wert
und später hab ich mich beschwert
Die war sowas von unbequem
Mutter lachte nur: Dein Problem
Bierdeckel
Wir kennen uns schon seit der Buddelkiste
deinetwegen hab ich damals Robert verhaun
denn dem Arsch fiel nichts besseres ein
als dir dein Plastik-Pony zu klaun
In der Schule hab ich von dir abgeschrieben
ohne dich wäre ich sitzengeblieben
und zu deiner Konfirmation
pflückte ich dir einen Strauß Mohn
Heut haben wir uns in der Kneipe getroffen
ich fürchte fast ich war ziemlich besoffen
du siehst mich jetzt so seltsam an
Mist dass ich mich nicht mehr erinnern kann
Ich hab vergessen
was ich auf den Bierdeckel schrieb
könnte sein dass da stand:
Ich hab dich lieb
Ich hab dir Tampons gekauft weil du dich nicht trautest
und aufgepasst als du nen Lippenstift klautest
wir sind nachts nackt im Freibad geschwommen
und keiner ist uns auf die Schliche gekommen
Du besorgtest mir damals Christines Nummer
und halfst mir danach beim Liebeskummer
und ich hab für dich in der Silvesternacht
dein erstes Date mit Jens klargemacht
Heut haben wir uns in der Kneipe getroffen
ich fürchte fast ich war ziemlich besoffen
du siehst mich jetzt so seltsam an
Mist dass ich mich nicht mehr erinnern kann
Ich hab vergessen
was ich auf den Bierdeckel schrieb
könnte sein dass da stand:
Ich hab dich lieb
Ich hab dir beigebracht wie man Auto fährt
und du hast mir Kant und Nietzsche erklärt
kann sein heute Nacht läuft alles verkehrt
doch ich glaube das ist es wert