Jedermann
Jedermann steht morgens auf
wie jeden Morgen immer
Alles ist an seinem Platz
Er selbst, der Tag, das Zimmer
Jedermann ist sehr erfreut
denn ein Leben braucht Struktur
Feste Regeln, starre Ordnung
und die Diktatur der Uhr
Jedermann geht aus dem Haus
und nimmt den Morgenbus
Pünktlich zehn nach sieben
kommt der wie er kommen muss
Er fährt zwölf Stationen
während er die Zeitung liest
dann erwartet ihn die Stechuhr
die wie immer freundlich grüßt
Jedermann schließt sein Büro auf
und stellt den Kalender weiter
dann erscheint wie jeden Morgen
auch schon der Abteilungsleiter
Man spricht über dies und das
eh man sich an die Arbeit macht
Die ist manchmal so vergnüglich
dass man glatt darüber lacht
Jedermann liebt seinen Job
gibt es auch nur wenig Lohn
Es sind nur noch dreißig Jahre
dann geht er schon auf Pension
Der Gedanke ist bedrückend
denn was fängt man dann bloß an?
Doch ihn tröstet die Gewissheit:
Das Problem hat jedermann
Wir haben nicht geschlechtsverkehrt
Ich hab ein Recht auf perverse Gedanken
und ich flüster sie dir gerne ins Ohr
du hast ein Recht auf intime Details
denn schließlich kommst du in ihnen vor
Ich bin eine äußerst finstre Erscheinung
verdorben und abgrundtief schlecht
war das nicht schon immer deine Meinung
falls du´s wissen willst: Du hast recht
Doch was mich in den Wahnsinn treibt
mir Seele und Verstand zerreibt
ist dass du nicht meine Sehnsucht stillst
und es endlich mit mir machen willst
Wir haben nicht geschlechtsverkehrt
du hast dich mit Herz und Kopf gewehrt
und das war ein trister Umstand
den ich ausgesprochen dumm fand
Wir haben nicht geschlechtsverkehrt
du hast mir Herz und Leib verwehrt
doch brachte deine Weigerung
meiner Lust nur eine Steigerung
Dass du mich einfach so zappeln lässt
obwohl du genau weißt ich will nur dich
bestätigt meine Ansicht nur noch mehr
ja du bist perverser noch als ich
Du weidest dich an meinen Qualen
du lässt mich warten und vergehn
zwar lieb ich diese Stärke an dir
doch ich will dich zerbrochen sehn
Denn was mich in den Wahnsinn treibt
mir Seele und Verstand zerreibt
ist dass du nicht meine Sehnsucht stillst
und es endlich mit mir machen willst
Wir haben nicht geschlechtsverkehrt
du hast dich mit Herz und Kopf gewehrt
und das war ein trister Umstand
den ich ausgesprochen dumm fand
Wir haben nicht geschlechtsverkehrt
du hast mir Herz und Leib verwehrt
doch brachte deine Weigerung
meiner Lust nur eine Steigerung
Ich will dich für immer besitzen
und dich foltern mit zärtlichen Worten
du sollst Tränen der Leidenschaft schwitzen
an dunklen verschwiegenen Orten
Ich will dich für immer behalten
deine geheimsten Stellen berührn
deine Träume wie Papierblumen falten
und dich in die tiefsten Abgründe führn
Wir haben nicht geschlechtsverkehrt
du hast dich mit Herz und Kopf gewehrt
und das war ein trister Umstand
den ich ausgesprochen dumm fand
Wir haben nicht geschlechtsverkehrt
du hast mir Herz und Leib verwehrt
doch brachte deine Weigerung
meiner Lust nur eine Steigerung
Kaspar lauf
Pfingstmontag 1828 auf dem Unschlittplatz In Nürnberg
fand man einen Knaben, etwa siebzehn Jahr
der kaum aufrecht gehen konnte
gehüllt in graue Kleider, mit wirrem Blick und langem Haar
Man brachte ihn zur Wache
jemand reichte Fleisch und Bier
doch er nahm nur Brot und Wasser
das verschlang er voller Gier
Er schrieb seinen Namen
„Kaspar Hauser“ aufs Papier
doch der Rittmeister sprach zweifelnd:
„Er ist kaum Mensch, mehr Tier“
In den Turm des Vester Tors
sperrte man ihn ein
Kaspar du warst nie dafür bestimmt
ein freier Mensch zu sein
Lauf Kaspar lauf davon bevor sie dich kriegen
deine Unbedarftheit wird nie ihren Hass besiegen
auf das Unbekannte, Fremde – auf das was nicht ist wie sie
lauf Kaspar lauf, sie verstehn dich nie
Wärter Hiltel hat den Knaben gern gehabt
er schenkte ihm ein Spielzeugpferd aus Holz
so eines hatte Kaspar schon einmal besessen
in den Jahren im Kerker und er war darauf so stolz
Der Sohn von Wärter Hiltel freundete sich mit Kaspar an
Kaspar lernte gehen und sprach auch manches Wort
doch er wurde vorgeführt wie eine Kuriosität
bestaunt und verspottet von den Menschen im Ort
Und dann wurde Kaspar jahrelang herumgereicht
von Familie zu Familie und er fühlte sich verloren
ohne Wissen um seine Herkunft doch mit wachem Geist
ein Versuchsobjekt für all die Professoren
Es ging das Gerücht dass er von vornehmer Herkunft sei
während andere sagten er wär nur ein Bauer der alle betrügt
und im Oktober 1829 wurde erstmals
ein Anschlag auf Kaspars junges Leben verübt
Lauf Kaspar lauf davon bevor sie dich kriegen
deine Unbedarftheit wird nie ihren Hass besiegen
auf das Unbekannte, Fremde – auf das was nicht ist wie sie
lauf Kaspar lauf, sie verstehn dich nie
Am 14 Dezember 1833 im Hofgarten ins Ansbach
niemand hörte Kaspar schrein
ein Unbekannter stach mit scharfer Klinge
gnadenlos auf ihn ein
Drei Tage auf dem Totenbett
dann war der Kampf verloren
keiner von ihnen hat begriffen
was sie mit dir verloren
Kaspar, armer Kaspar
Und wenn es einen Gott gibt
der dir nie beistand in den schweren Zeiten
dann hoffe ich er lässt dich jetzt auf deinem Pferdchen
glücklich über Wolken reiten
Kaspar
Die große Kunst des Scheiterns
Die große Kunst des Scheiterns
beherrsche ich wie kein Zweiter
und solange ich so gut darin bin
mache ich einfach weiter
Als Mitläufer hab ich wenig getaugt
und noch weniger war ich ein Führer
Ich hab dafür schon immer ein Herz gehabt
für die Träumer und für die Verlierer
Ich habe ein wildes Leben geführt
doch niemals war ich niederträchtig
Das Alter hat mich müde gemacht
doch auch ruhiger und bedächtig
Die große Kunst des Scheiterns
beherrschte ich wie kein Zweiter
und solange ich so gut darin bin
mache ich einfach weiter
Jan Hiddink
Jan Hiddink lief über den Dorumer Deich
und sprach zur Dörthe: „Ich bin zwar nicht reich
doch ich arbeite hart und tu was ich kann
und wenn du mich magst, nimm mich zum Mann“
Die Dörthe lachte Jan Hiddink aus:
„Du hast nur eine Hütte, nicht mal ein Haus
und bist weiß Gott ein Hungerleider
ich aber trage gern teure Kleider“
Diese Antwort tat Jan Hiddink weh
er schnürte sein Bündel und fuhr zur See
zehn Jahre zogen sodann ins Land
bis er wieder auf dem Boden der Heimat stand
Mittlerweile ein Reeder und wohl betucht
hat er nach dem ergiebigsten Gut gesucht
erwarb tausend Hektar vom fruchtbarsten Land
und baute ein großes Haus nah am Strand
In der Zeitung erschien sein Inserat
in dem er Dienstmädchen um ihr Erscheinen bat
und es fanden sich reichlich ein
um dem noblen Herren folgsam zu sein
So musterte Jan Hiddink die Schar
und entdeckte ein vertrautes Augenpaar
Die Dörthe war es die ihn bat :
„Ach, Herr nehmt mich, mein Leben ist hart
Vier Kinder hab ich doch keinen Mann
so dass ich sie kaum ernähren kann
wir leben nur von den Beeren im Wald
es regnet durchs Dach und im Winter ist’s kalt“
Jan Hiddink sagte: „So soll es denn sein
kein Kind soll hungern, ich stelle dich ein
als erstes geh in die Stadt zum Schneider
und hol meiner Ehefrau teure Kleider“
Der Mai zeigt sich erbärmlich
Der Mai zeigt sich erbärmlich.
Mir fröstelt im Gemüt.
Der Kontostand ist ärmlich.
Wer weiß was mir noch blüht.
Mit Sicherheit nicht Rosen.
Die Miete braucht ein Weilchen.
Ich helf dem Glück mit Losen.
Vom Vermieter gibt es Veilchen.
Ist keine gute Richtung
in die das Leben geht.
Im Bad tropft eine Dichtung.
Der Mond ist auch zu spät.
Bald wird der Sommer kommen.
Er kam ja stets bisher.
Das sei ihm unbenommen.
Kümmert mich längst nicht mehr.
Ich habe andre Sorgen
als dass mich solches quält
wo heute und auch morgen
die Zuversicht mir fehlt.
Familiengrab
Der Vater kommt von der Arbeit heim
Lisa, bring ihm die flauschigen Schuhe
Fritz, nimm ihm Tasche und Mantel ab
und Kinder: Vor allem Ruhe!
Keine Schulgeschichten und kein Gejammer
Das verträgt der Vater nur schlecht
Lisa, hol ihm ein kaltes Bier
Fritz, rück seinen Sessel zurecht
Stellt den Hocker ihm hin für seine Füße
und lasst ihn in Ruhe die Tagesschau sehn
ohne ihm mit Herumtollen und Streiterei
dabei gehörig auf die Nerven zu gehn
Ich bin mit dem Essen heut etwas spät dran
Sagt dem Vater ich entschuldige mich
Der Schmorbraten hat etwas länger gebraucht
doch in Kürze steht er auf dem Tisch
Wascht euch schon mal gründlich die Hände
Nein, der Vater muss selbiges nicht
Der hat die Hände die uns ernähren
Der tut tagein, tagaus treu seine Pflicht
Drei Scheiben Fleisch für den Herrn Vater
und Fritz, die kleine dort ist für dich
Lisa, wir können auf Fleisch wohl verzichten
Zappelt nicht mit den Füßen unter dem Tisch
War das Essen nicht köstlich? Nun seid mir artig
Denn ich geh kurz mit dem Vater nach oben
Er will dort ein kleines Nickerchen machen
Wehe man hört euch hier unten toben
Killing Fields
Tod kommt aus der Luft
Ein grelles buntes Feuerwerk
Wofür starb der Mann am Kreuz?
Wofür stieg Moses auf den Berg?
Er nimmt dich bei Nacht
und er holt dich bei Sonnenlicht
Er macht keinen Unterschied
er sieht nicht dein Gesicht
Manchmal kommt er offen
manchmal bleibt er unentdeckt
und du bist für ihn nicht mehr
als ein lästiges Insekt
Er fragt nicht nach deinem Namen
ihn kümmert nicht wer du bist
er kommt um zu ernten
und du bist das was er frisst
Tod kommt aus der Luft
aber der Mensch sitzt hinterm Steuer
drückt den Knopf und lässt die Bestie los
auf dem Feld aus Feuer
Stärker als die Nacht
Kein Wort das ich finde
beschreibt dich perfekt
vielleicht wurde das Wort
ja noch gar nicht entdeckt
Und ich müh mich vergeblich
ich weiß du bist da
doch meine Sprache
kommt dir nie wirklich nah
Hab die Regeln gebrochen
bin zu Kreuze gekrochen
und hab schließlich nur noch gedacht:
Manche Träume sind stärker als die Nacht
Kein Wort das ich finde
macht anderen klar
was ich in dir schon
von Anfang an sah
Und wie ich es letztendlich
auch wende und dreh
niemand wird je verstehen
was ich jetzt in dir seh
Hab den Kopf mir zerbrochen
mit mir selber gesprochen
und dann schließlich nur noch gedacht:
Manche Träume sind stärker als die Nacht
Kein Wort das ich finde
wird dir gerecht
es ist stets zu klein
oder klingt nicht echt
Vielleicht liegt es daran
dass es keines gibt
ohne einzugestehen
dass man dich liebt
Nichts anderes hast du mir beigebracht :
Manche Träume sind stärker als die Nacht
Das Auto
Die Polster sind weich
der Lack schimmert matt
ein silberner Halbton
er sieht sich nie satt
an den breiten Felgen
und der Karosserie
einen Wagen wie diesen
fuhr er noch nie
Noch dreißig Raten offen
bis zum Sonnenuntergang
und die Straße in die Zukunft
war noch nie so leer und lang
doch dann klappert der Zylinderkopf
und irgendeine Dichtung
und der Mann in seinem Auto
lebt in eine andre Richtung
Möglichkeiten
Da ist der zornige Junge im Büro des Rektors
die betroffene Mutter und die Peinlichkeit
Da ist die Schulpsychologin mit den schlauen Büchern
und ein unerwarteter Knick in der Zeit
Das ist nur eine Phase, das geht vorüber
aber wir müssen…..blah, blah, blah, blah
Wenn man die Augen schließt und wieder öffnet
sind all die Knallköpfe nicht mehr da
Man kann alles bestreiten außer Möglichkeiten
Möglichkeiten sind möglich ganz gleich was geschieht
Sie sind überall im Universum
auch wenn man sie nicht immer gleich sieht
Da ist das Mädchen mit den Stimmen im Kopf
das seine Existenz fortwährend bereut
Da ist der Vater mit dem ledernen Gürtel
und der diplomarschige Therapeut
Das ist nur eine Phase, das geht vorüber
aber wir müssen…..blah, blah, blah, blah
Wenn man die Augen schließt und wieder öffnet
sind all die Knallköpfe nicht mehr da
Man kann alles bestreiten außer Möglichkeiten
Möglichkeiten sind möglich ganz gleich was geschieht
Sie sind überall im Universum
auch wenn man sie nicht immer gleich sieht
Der Mensch steht falsch zu den Sternen
Mein Bauchgefühl hat mich nie getrogen
es warnt mich nur manchmal zu spät
wie vor Astronomen und Astrologen
die haben das Hirn mir verdreht
Die wollten mir den Himmel erklären
mit Bauernschläue und Leidenschaft
stattdessen musste ich sie belehren:
Nicht einmal Gott hat das je geschafft
Während sie mit meiner Weisheit gesegnet
sich kopfschüttelnd von mir entfernen
sage ich jedem der mir noch begegnet:
Der Mensch steht falsch zu den Sternen
Beweise vernichten
Ich hab mit Geistern gesprochen und mit Hexen gefickt
und auf den Grund jedes Glases geblickt
ich hab geliebt, gelogen und unendlich gelitten
und bin auf weißen Pferden durch die Nacht geritten
Ich hab das Feuer gesucht und bin im Feuer verbrannt
doch ich hab die Liebe immer Liebe genannt
und nagelt man mich ans Kreuz dann werde ich lachen
ich starb schon tausendmal nur um wieder zu erwachen
Wer maßt sich an über mich zu richten
wer aus diesem Volk der Wilden
kann sich schon ein Urteil bilden
ohne die Beweise meiner Reise zu vernichten
Ich klopfte an den Toren zur Unendlichkeit
auf der Suche nach ein wenig Menschlichkeit
ich fand sie dort wo sie keiner vermutet
an Orten die zerstört waren und ausgeblutet
Dort wo die Verstoßenen und Aussätzigen harrten
ihr Schicksal beklagen und auf Erlösung warten
dort nur dort war ich ein Freund unter Freunden
und keiner wollte mich verraten und verleumden
Wer maßt sich an über mich zu richten
wer aus diesem Volk der Wilden
kann sich schon ein Urteil bilden
ohne die Beweise meiner Reise zu vernichten
Ich hab den Himmel und die Hölle gesehn
und konnt an beiden Orten aufrecht gehen
wer mich kannte der wird es bezeugen
ich ließ mich nicht biegen, nicht brechen, nicht beugen
Wer maßt sich an über mich zu richten
wer aus diesem Volk der Wilden
kann sich schon ein Urteil bilden
ohne die Beweise meiner Reise zu vernichten
Mia J. - Anhang zum Obduktionsbericht
Mia hatte sehr schöne Augen
in einem schönen Gesicht
diese Augen sahen vieles
ihren Mörder sahen sie nicht
Dem muss man zugutehalten
er ließ ihr dafür reichlich Zeit
nach zehn langen Jahren der Sehnsucht
war er des Wartens dann leid
Hätte sie ihn nur einmal gesehen
wäre vieles anders gekommen
nun ist dafür reichlich Zeit:
Ihre Augen hat er mitgenommen
Für den Fanclub
Einmal im Monat kommt ihr zusammen
so habt ihr mich unterrichtet
ich dankte es euch mit Autogrammen
und hab ein paar Zeilen gedichtet
Ich bin gerührt bis in Mark und Bein
ob eurer Heldenverehrung
doch gestehe ich recht kleinlaut ein
Dafür gibt es keine Erklärung
Ich bin kein besserer Mensch als ihr
ich hab meine Fehler und Schwächen
doch ihr seht nur die Worte auf dem Papier
die können wohl gut für mich sprechen
Doch denkt sie euch fort, was bin ich dann
ich hab keine andere Gabe
dann bin ich nur noch ein einfacher Mann
so trägt man Idole zu Grabe
Ich weiß davon wollt ihr nichts hören
weil euch von mir sonst nichts bleibt
so werd ich die Illusion nicht zerstören
dies Gedicht wird euch nicht gezeigt
Die Kaserne
Sie saß am Abend gern vor der Kaserne
und sah den jungen strammen Burschen zu
die robbten durch den Matsch im Glanz der Sterne
und brüllten dabei laut: Juchhe, Juchhu
Wenn dann der Spieß ins Horn blies kurz nach neune
schlich sich manch Schatten übers Blumenbeet
man traf sich kurz und still in einer Scheune
war zackig nackig und doch sehr diskret
Und was kein Oberst wirklich je vollbrachte
gelang ihr leicht schon in der ersten Nacht
sie hat mal wild, mal zügellos, mal sachte
aus jedem Burschen einen Mann gemacht
Als dann die Kompanie ins Feld entrückte
winkten ihr hundert Hände fröhlich zu
während sie manche Träne doch verdrückte
brüllten die Männer laut: Juche, Juchhu
Gute Menschen
Sie sind gute Menschen. Das ist abgesegnet.
Von den Nachbarn und der Partei.
Zum Glück ist man grad solchen begegnet.
Denn denen ist man nicht einerlei.
Die nehmen einen sofort ins Gebet.
Um einen besser zu machen.
Egal wie viel Wein. Egal auch wie spät:
Nur nicht über sie lachen.
Man danke ihnen stattdessen auf Knien.
Umgehend. Besser noch: Schneller.
Wird von guten Menschen dir nicht verziehn
foltern sie dich in ihrem Keller.
Kaninchen Karl
Kaninchen Karl wurde im Garten begraben
um einen Ort zum Trauern zu haben
So macht man Kinder mit dem Tod vertraut
aber Dick die Dogge hat alles versaut
Hat Karl ausgebuddelt und die Leiche verspeist
womit sich den Kinder allerhöchstens beweist:
Ist man im Leben auch noch so gerissen
Letztlich wird man vom Tod dann doch angeschissen
Der Boss
Der Boss hat ein schönes Büro
in bester City-Lage
Air Condition auf dem Klo
in der dreißigsten Etage
Seine Sekretärin ist schlau
ansehnlich, jung und gesund
Versteht ihn besser als seine Frau
und macht es ihm auch mit dem Mund
Er weiß höher kann es nicht gehen
und diese Erkenntnis tut weh
Man sieht ihn oft am Fenster stehen
da blickt er hinab auf die Spree
Dann kommen die eifrigen Schleimer
um ihm die Bilanzen zu bringen
Er wirft die Ordner gleich in den Eimer
und wünscht sich den Mut zu springen
Wo Amy ist und die Wildgänse fliegen
Es brennt kein Licht mehr in der Bahnhofsmission.
Und es fahren nur noch wenige Züge.
Ein paar Saisonarbeiter versaufen den Lohn.
Ich kenn das alles schon zu Genüge.
Der Mond sieht aus wie ein trauriger Tramp
und die Möwen kreischen am Hafen.
Ich geh hinüber zu dem einsamen Camp
wo die Freunde der Nacht auf mich warten.
Sie fragen mich wo ich gern wäre auf Erden
die Gefährten die dort mit mir am Feuer liegen
und ich sag: Wenn Träume je Wirklichkeit werden
bin ich wo Amy ist und die Wildgänse fliegen
Ich schlaf schon zu lang unter fremden Sternen
trotz dem Versprechen das ich ihr gab.
Es gibt nichts mehr zu entdecken oder zu lernen.
Ich habe nichts wenn ich sie nicht mehr hab.
Sie fragen mich wo ich gern wäre auf Erden
die Gefährten die heut mit mir am Feuer liegen
und ich sag: Wenn Träume je Wirklichkeit werden
bin ich wo Amy ist und die Wildgänse fliegen
Nimm mich nicht immer so persönlich
Heul doch nicht ständig
in dein dämliches Kissen
da bekomm ich ja fast noch
so etwas wie ein Gewissen
und das brauche ich nicht
dafür bist du zu gewöhnlich
nimm dich endlich zusammen
und nimm mich nicht immer so persönlich
Fräuleins in frivolen Gedichten
Fräuleins in frivolen Gedichten
mancher fragt sich: Wo find ich die nur?
Verrat ich es ihm? Mitnichten
Das ist höhere Literatur
Fräuleins in frivolen Gedichten
sind mehr liebenswert als kokett
selten Tanten, viel eher Nichten
und mitunter schläfrig im Bett
Fräuleins in frivolen Gedichten
keusch oft und noch unerfahren
wie könnte ich über sie richten
wo so oft sie hilfreich mir waren?
Helden
Sie scharrten sich um ihn beinah wie Tauben
dabei gab er ihnen kein Stückchen Brot
es war nur der Geruch – denn der ließ glauben –
er wisse mehr als sie – und zwar vom Tod
Er trug verwegen eine Augenklappe
sein linker Arm jedoch der hat gefehlt
mit rechts schrieb er – er war ja nicht aus Pappe –
und hat dabei sehr frei heraus erzählt
Die Zahl der Feinde die er traf am Himmel
führt jeden der es einmal recht bedenkt
zum Schluss da oben wär so viel Gewimmel
dass unten niemand mehr befiehlt und lenkt
Wenn man die Zahl wirklich genau betrachtet
müsst es ein Krieg von vielen Welten sein
na ja, er wird halt gerne angeschmachtet
wer bin ich denn zu sagen: Halte ein
So werden dann aus fünf auch schnell mal hundert
doch soll man das nun irgendeinem melden?
Ich registriere es und bin verwundert
doch andrerseits: Wofür hat man denn Helden?
Der Nebel
Mit sechzig die ersten Symptome
er hat sich dabei nichts gedacht
es war ja auch beinah alltäglich
nichts was nicht jeder mal macht
Einen Geburtstag vergessen
einen Namen oder ein Gesicht
das kann doch jedem passieren
so schlimm ist das nicht
Der Verfall kam schleichend
und es gab kein Mittel dagegen
heute fragt er sich oft
Wo ist mein Leben?
Der Nebel ist grausam und immer präsent
kriecht durch die Gedanken und saugt permanent
wie ein Schwamm die Vergangenheit auf
und dahinter nimmt die Dunkelheit ihren Lauf
Die Frau neben ihm eine Fremde
sie zeigt ihm Fotographien
auf denen sie beide gemeinsam sind
doch er möchte nichts weiter als fliehn
Irgendwohin wo es einsam ist
und wo keiner von ihm verlangt
dass er sich für jede Gefälligkeit
mit schlechtem Gewissen bedankt
Der Verfall schreitet fort
und es gibt kein Mittel dagegen
heute fragt er sich oft
Hatte ich je ein Leben?
Der Nebel ist grausam und immer präsent
kriecht durch die Gedanken und saugt permanent
wie ein Schwamm die Vergangenheit auf
und dahinter nimmt die Dunkelheit ihren Lauf
All die guten Worte und die Tabletten
können ihn nicht vor der Dunkelheit retten
und er weiß irgendwann vergisst er sogar
dass er überhaupt je gewesen war
Männer ohne Hüte
Männer ohne Hüte! Meine Güte!
Sind wir hier vielleicht im Senegal?
All die Form um die man sich bemühte
ist den kahlen Köpfen wohl egal.
Keinen Anstand und auch keine Sitte.
Das tut der Gesellschaft nicht sehr gut.
Bescheidener war niemals eine Bitte:
Wer ein Mann ist trag gefälligst Hut.
Ergibt man sich so seinen Neurosen
ist es sicher nicht mehr allzu weit
und die Frauen tragen plötzlich Hosen
statt wie es sich ziemt Rock oder Kleid.
Sterne und Wissenschaft
Wenn die Dunkelheit ihre Schatten verstreut
und die Stimmen sich langsam entfernen
naht jene Stunde die mich herzlich freut
und ich blicke empor zu den Sternen
Noch ist es zu hell um sie gut zu erkennen
doch man weiß ja um ihre Gegenwart
ich könnte sie alle beim Namen benennen
und ordnen nach Größe und Art
Die Wissenschaft macht uns gerne klar
dass wir sie ja nicht wirklich sehen
denn ihr Licht braucht bis hier viel mehr als ein Jahr
ach das mag doch wer will verstehen
Ich sehe sie also sind sie auch da
und seh ich sie nicht sind sie`s auch
da wird mir wieder mal sonnenklar
wie wenig ich die Wissenschaft brauch
Was ich vom Glück nicht weiß
Der Gnädigsten biss ein Labrador
zärtlich ein Stück Fleisch aus dem Ohr
Kommt vor
Sie hat stark geblutet und laut gekichert:
„Alfred, sind wir dagegen versichert?“
Alfred tut was er muss
und gibt ihr den Gnadenschuss
Was ich vom Glück nicht weiß
macht die Pferde nicht scheu
und die Pizza nicht heiß
denn die Sonne scheint so oder so
und in Italien sogar am Po
Nahe von Flensburg am Straßenrand
hat sich ein fahrender Musikant
die Zehen verbrannt
Üblicherweise hilft gegen solch ein Problem
Brandsalbe oder Sonnencreme
doch der Dödel hatte nur Zahncreme dabei
auwei
Was ich vom Glück nicht weiß
macht die Pferde nicht scheu
und die Pizza nicht heiß
denn die Sonne scheint so oder so
und in Italien sogar am Po
Neulich traf ich bei einem Rockertreffen
meine Tanten anstatt meine Neffen
denn während die Kleinen brav studieren
wollten die Mütter mal etwas Neues probieren
Was ich vom Glück nicht weiß
macht die Pferde nicht scheu
und die Pizza nicht heiß
denn die Sonne scheint so oder so
und in Italien sogar am Po
Die besseren Leute
Ich bin zu dumm es dir zu erklären
also frag lieber nicht, Kind
warum solche wie die Hornschuhs
einfach bessere Leute sind
Die essen nicht mit den Fingern
und haben eine eigne Toilette
und wenn die uns nicht grüßen
nennt sich das wohl Etikette
Du darfst solchen niemals zürnen
Denen sagt man von Herzen Dank
dass sie im gleichen Haus wohnen
Trotz all dem Gestank
Man öffnet denen die Türen
und senke dabei den Blick
und wenn sie die Nasen nicht rümpfen
ist das unser höchstes Glück
Die tragen Schuhe aus Leder
und laufen nicht barfuß herum
Die gehen sogar in die Oper
Vor denen macht man sich gern krumm
Denen gehören im Zweifel Geschäfte
und meistens sind sie sehr studiert
Die werfen mit Wörtern um sich
die unsereins kaum buchstabiert
Man sei denen stets unterwürfig
denn deine Mutter kam jüngst darauf:
Solange solche hier wohnen
wertet deren Nähe uns auf
Ein Fremdwort
Ein Fremdwort zeigte sich bemüht
sich einfach einzufügen
doch ganz egal was es auch tat
das schien nicht zu genügen
Es suchte ohne Unterlass
und fand doch keinen Platz
die andren Worte schubsten es
einfach aus jedem Satz
Ein Fremdwort stand ganz ratlos da
es schien jeden zu stören
und wollte dabei weiter nichts
als nur dazugehören
Ein Fremdwort stand verloren da
fand keine Akzeptanz
was irgendwie zu ahnen war
denn es hieß Toleranz
Das Fabeltier weint lautlos
Wir warben mal wieder mit Glasperlen
und haben den Häuptling als Geisel genommen
zu dessen eigener Sicherheit
wenn die Motorsägen erst kommen
Dieses Land ist keinen Händedruck wert
bei der geografischen Lage
ganz abgesehen von den Temperaturen
und der verdammten Moskitoplage
Das Fabeltier weint lautlos im Wald
es ist das letzte seiner Art
es ist wunderschön, es ist uralt
und hat sich niemals gepaart
Wir haben Tabletten gegen Durchfall dabei
und bewaffneten uns mit Gewehren
man weiß ja nicht welche grausamen Götzen
diese strohdummen Völker verehren
Die lassen sich einfach nicht missionieren
und sind auf ihre Einfachheit stolz
Sie nennen uns die weißen Teufel
dabei wollen wir nichts als ein wenig Holz
Das Fabeltier weint lautlos im Wald
es ist das letzte seiner Art
es ist wunderschön, es ist uralt
und hat sich niemals gepaart
Katie
Katie, ich schreib dir aus Freiburg
ich hab hier mein eigenes Zimmer
Sie glauben es ginge mir besser
doch die Träume werden nur schlimmer
Ich muss mit den andren nicht reden
doch sie wünschen sich dass ich es tu
Manchmal verlässt mein Geist meinen Körper
und ich seh mir von außen zu
Das kann man gar nicht beschreiben
man muss es selbst erleben
Es ist beängstigend und berauschend
ein Gefühl zwischen Sterben und Schweben
Katie, ich würde gern wissen
ob du mich noch immer vermisst
Hab lang nichts von dir gehört
ich weiß gar nicht was mit dir ist
Lernst du fleißig fürs Abi?
Oder gehst du öfter mal aus?
Ich würde dich so gerne sehen
doch man lässt uns nicht aus dem Haus
Vielleicht hast du längst einen andern
irgendwie könnte ich es verstehn
Man sagt mir hier, es wäre besser
nur noch nach vorne zu sehn
Katie, das war es für heute
du weißt, schreiben fiel mir stets schwer
doch ich gebe mir wirklich Mühe
Katie, du fehlst mir so sehr
Nacht der tausend Sterne
Nacht der tausend Sterne
unerfülltes Schweigen
Schatten die dir Bilder
eines fremden Lebens zeigen
Und du stehst da, nur ein Mädchen
mit dem Rücken an der Wand
tausend Träume fort
vom Nimmerland
Du kannst fliegen, du kannst fliegen
doch du weißt nicht mehr wohin
und ich würde für dich sterben
weil ich dir so ähnlich bin
Nacht der tausend Sterne
unbedachte Zeichen
Zweifel die ganz langsam
der Versuchung weichen
Und ich steh da, nur ein Junge
der sich nicht finden kann
auf dem langen Weg
von einem Kind zu einem Mann
Ich will fliegen, ich will fliegen
doch ich weiß nicht wie es geht
und du wendest deinen Blick ab
denn du ahnst es ist zu spät
Nacht der tausend Sterne
lange schon vergangen
mir ist nie gelungen
so wie du den Wind zu fangen