Spuck gegen den Wind

 

Wenn sie sagen dass du nichts verstehst

denn du wärst nur ein Kind

hör nicht auf die Orgelpfeifen

Spuck gegen den Wind

 

Stellen Lehrer und Pastoren

sich wieder mal taub und blind

obwohl die Welt grad untergeht

Spuck gegen den Wind

 

Spuck auf die ängstlich Schweigenden

auf die vor der Macht sich Verneigenden

auf die Heuchler und auf die Durchtriebenen

die Lügner und die Ewig-Gestrig-Gebliebenen

und auf alle die noch Knechte der Kriegstreiber sind

Spuck gegen den Wind

 

Wenn sie glauben dass man den Frieden

durch Wegschauen wiedergewinnt

und deshalb die Wölfe gewähren lassen

Spuck gegen den Wind

 

Wenn die Freiheit von der sie reden

ihnen inzwischen den Fingern zerrinnt

weil sie sie wieder verhökern

Spuck gegen den Wind

 

Spuck auf die ängstlich Schweigenden

auf die vor der Macht sich Verneigenden

auf die Heuchler und auf die Durchtriebenen

die Lügner und die Ewig-Gestrig-Gebliebenen

und auf alle die noch Knechte der Kriegstreiber sind

Spuck gegen den Wind

 

 

 

 

 Luftschiff

 

Flirrend tanzt das Barometer

Stimmen taumeln durch den Äther

Und es steigt und steigt und steigt

bis der Himmels sich verneigt

 

angesichts der Ambitionen

die ein jedes Wagnis lohnen

wenn ein Traum sich jäh erhebt

und in ferne Sphären schwebt

 

 

 

 

 Der brave Bürger

 

Der brave Bürger stutzt sich das Gewissen.

Ins Unvermeintliche muss man sich fügen.

Egal welch Fahne sie auch immer hissen.

Man hat nie genug davon nur zu genügen.

 

So wurde man von klein auf schon erzogen.

Wer stramm marschiert der kommt nie aus dem Tritt.

Man wurde um so vieles schon betrogen.

Und schleppt die Wunden alter Schlachten mit.

 

Der brave Bürger blockt nicht das Getriebe.

Er produziert. Er folgt. Er funktioniert.

Dem Vaterland gilt allzeit seine Liebe.

Bis er ganz brav fürs Vaterland krepiert

 

 

 

 

 Rock’n Roll Radio

 

Du und ich in meinem gelben Ford Capri

ab durch die Zone und dann Richtung Meer

Ich war grad erst knapp einundzwanzig

da lebt und liebt man als gäb es kein Hinterher

Wir cruisten rum in St. Peter Ording

und fuhren zwei Tage zu deinem Bruder auf Sylt

Wir waren so jung, wir waren so frei

und Baby, wir waren so heiß und so wild

 

Es ist lange her und doch brennt es noch so

Rock’n Roll Radio

 

Ich hab die coolen John Players geraucht

und du warst die meiste Zeit völlig bekifft

Meine Mutter war total aus dem Häuschen

und hat gefragt wo man solche Mädchen trifft

Da haben wir uns schnellstens vom Acker gemacht

In Bremervörde war eh nie sehr viel los

Die Sterne waren zwar irgendwie oben

doch der wirkliche Himmel war in deinem Schoß

 

Es ist lange her und doch brennt es noch so

Rock’n Roll Radio

 

Wenn man erwachsen wird geht so vieles verloren

Was gestern wichtig war erscheint dann so klein

Du wolltest ein Haus, einen Hund und drei Kinder

und hast verzweifelt versucht jemand anders zu sein

Wir wussten beide das kann niemals gut gehn

Nun hast du drei Kinder und bist zweimal geschieden

Ich frag mich, denkst du manchmal an die wilden Tage

und wünschst dir du wärst bei mir geblieben?

 

Es ist lange her und doch brennt es noch so

es brennt für immer

Rock’n Roll Radio

 

 

 

 

 Die Ordnung der Dinge

 

Lass die Notenblätter

auf dem Ständer am Klavier

lass die toten Vögel

vor deines Vaters Tür

Lass den Ring am Finger

lass die Blumen in dem Topf

und all die wirren Bilder

lass in meinem Kopf

 

Lass das scharfe Schwert

in der Lederscheide

lass die wilden Pferde

draußen auf der Weide

Lass den Mond am Himmel

lass den Teller auf dem Tisch

und heb all deine Liebe

auf für mich

 

Man darf die Ordnung der Dinge nicht zerstören

also lass sie dort wo sie hingehören

 

Lass die Kommandanten

stets bei ihrem Heer

lass die weißen Schiffe

draußen auf dem Meer

Lass die müden Trinker

einfach an der Bar

lass mich besser werden

als ich vor dir war

 

Lass die Kruzifixe

in dem Gotteshaus

lass dem Straßensänger

den spärlichen Applaus

Lass die grünen Blätter

an dem alten Baum

bleib für alle Zeit

ein Teil von meinem Traum

 

Man darf die Ordnung der Dinge nicht zerstören

also lass sie dort wo sie hingehören

 

Lass den Zipfel Wurst

in der Kartoffelsuppe

lass die spitzen Nadeln

in der Voodoo-Puppe

Lass die Astronauten

auf dem Trip ins All

fang mich auf wie immer

wenn ich fall

 

Man darf die Ordnung der Dinge nicht zerstören

also lass sie dort wo sie hingehören

 

 

 

 

Ich bin mit Sturmgefühlen vertraut

 

Ich bin mit Sturmgefühlen vertraut

Und ich weiß was in Stürmen zerbricht

Aber ehrlich: Wer kann schon aus seiner Haut?

Ich nicht

 

Ich bin mit Sturmgefühlen vertraut

und ich weiß wie sie enden

Luftschlösser auf Sand gebaut

von einem König mit leeren Händen

 

 

 

 

 Rio wartet

 

Der kleine unscheinbare Mann

mit Mantel, Hut und Brille

schleicht jeden Morgen ins Büro

beinah in aller Stille

gräbt er sich zwischen Akten ein

und keiner kann kapieren

warum ihm soviel daran liegt

mit Zahlen zu jonglieren

 

Er geht nur selten vor die Tür

spricht nicht mit den Kollegen

ihm liegt nur furchtbar viel daran

die Konten zu bewegen

 

Und Rio wartet schon auf ihn

bald lernen sie sich kennen

er muss sich nur noch von der Last

des alten Lebens trennen

Dann trägt er keinen Mantel mehr

nur Shorts noch und Sandalen

und wird vom Geld der anderen

sein eignes Glück bezahlen

 

Die Frau die seinen Namen trägt

und seine Hemden bügelt

die mit ihm schimpft wenn er mal raucht

und vieles ihm verübelt

die nachts sich auf die Seite rollt

ohne ihn zu berühren

kann bald schon sehen wo sie bleibt

und selbst ihr Leben führen

 

Er hat schon lang genug von ihr

die Jahre waren mager

bald wird auch sie sich eingestehen

er ist doch kein Versager

 

Und Rio wartet schon auf ihn

bald lernen sie sich kennen

er muss sich nur noch von der Last

des alten Lebens trennen

Dann trägt er keinen Mantel mehr

nur Shorts noch und Sandalen

und wird vom Geld der anderen

sein eignes Glück bezahlen

 

Er plant den Coup seit Jahren schon

das Fälschen und Frisieren

ein Codewort noch am Telefon

dann kann er abkassieren

 

Und Rio wartet schon auf ihn

jetzt lernen sie sich kennen

er hat die Spuren gut verwischt

niemand wird sie mehr trennen

 

 

 

 

 Mir sind die Menschen so trüb erschienen

 

Ich kam in die Heimat nach recht langer Zeit

und gestehe es ganz unumwunden

so viel Seelenschmerz und so viel Leid

hab ich nirgendwo anders gefunden

 

Einst rief man mich zur Plicht und ins Heer

doch ich tat nicht den Gang zu den Waffen

ich verließ mein Zuhause war es auch schwer

mit ihrem Krieg hatte ich nichts zu schaffen

 

Und wo ich nun heute wieder hier steh

verdrücke ich still manche Träne

wie gerne ich diese Landschaft doch seh

und nach meiner Sprache mich sehne

 

Doch mir sind die Menschen so trüb erschienen

zerfleddert und stumpf ihr Gefieder

immer noch emsig zwar wie die Bienen

nur den Frohsinn fanden sie noch nicht wieder

 

Mir sind die Menschen so trüb erschienen

versehrt an Seele und Glieder

ob sie wahrhaftig nicht mehr verdienen

als meine traurigen Lieder

 

 

 

 

 Dorian

 

Nicht Hochmut war es was mich trieb

und auch nicht Sehnsucht nach der Sünde

nur der Gedanke der mir blieb

dass ich sie vielleicht wiederfinde

Sie die in reiner Jugend blühte

nie sah ich jemals solche Pracht

ach wenn ihr Herz nur für mich glühte

und sei es auch nur eine Nacht

 

Ob auf den Wiesen, bei den Buchen

auch in den Nächten trüb und kalt

überall wird mein Blick nur suchen

nach ihrer herrlichen Gestalt

In allen Gassen will ich harren

kreuz jeden Fluss, dreh jeden Stein

mach ich mich dabei auch zum Narren

um ihr nur einmal nah zu sein

 

Ihr spottet ob meiner Gesinnung

habt Ziel und Wahrheit arg verdreht

mir liegt nur dann an Lustgewinnung

wenn sie es ist die vor mir steht

Ihr saht nie Augen die wie ihre

voll Unschuld doch mit tiefem Sinn

dagegen seid ihr nichts als Tiere

nie werf ich sie zum Fraß euch hin

 

Ein Schwur an den ich mich heut binde

ist auch der Preis ein großes Leid

ich ruhe erst wenn ich sie finde

kostet es mich auch alle Zeit

Ist ihre Jugend dann vergangen

und ich erkenn nicht ihr Gesicht

dann soll zur Ehre mir gelangen

dass meine Hand den Spiegel bricht

 

 

 

 

Wenn ich auch heut nicht schlafen kann

 

Wenn ich auch heut nicht schlafen kann

hab ich die Nacht doch gerne

mein Blick flieht durch das Fensterglas

und fängt sich ein paar Sterne

 

Und himmelwärts steigt auch mein Herz

von oben ist die Welt so klein

in manchen Stuben brennt noch Licht

in anderen schläft man schon ein

 

Und wie ein Irrlicht streife ich

in unbenannten Räumen

wenn ich auch heut nicht schlafen kann

kann ich doch träumen

 

 

 

 

 Kerosin

 

Auf dem Schrottplatz lebt Mareike

pennt in einem roten Wagen

und ich hör die Leute sagen:

Dieses Mädchen ist verrückt

 

Doch wenn ich in Sommernächten

auf dem Rücksitz bei ihr liege

ist es so als ob ich fliege

wenn sie sich kurz an mich drückt

 

Sie duftet so nach Kerosin

nach Pech und Schwefel und Benzin

doch ihr steht das viel besser

als Veilchen und Jasmin

 

Oft dreht sie das Radio leise

um die Vögel nicht zu stören

und ich kann sie reden hören

mit den Blumen und dem Wind

 

Und wenn ich in Sommernächten

mich mit ihr im Wellblech ducke

und in ihre Augen gucke

weiß ich dass wir glücklich sind

 

Sie duftet so nach Kerosin

nach Pech und Schwefel und Benzin

doch ihr steht das viel besser

als Veilchen und Jasmin

 

 

 

 

 Das modebewusste Zebra

 

Ein Zebra sprach zum Nilpferd:

„Ich kann es nicht begreifen

man trägt in diesem Sommer

eindeutig keine Streifen

 

Du kannst mir wirklich glauben

ich bin voll deprimiert

ich wäre soviel lieber

ganz grün/gelb kariert

 

schließlich bin ich eine Dame

stilbewusst und mit Niveau“

da sagte das Nilpferd :

„Ah ja, hmm, hmm, soso“

 

 

 

 

 Bei Regen

 

Man trägt Schirm oder Mütze

sieht es auch nicht verwegen aus

und fällt man in eine Pfütze

steigt man wieder hinaus

 

Alles was man der Pfütze verübelt

verkehrt sich sofort in Dank

wenn man sich in ihr spiegelt

und feststellt: Was ist man doch schlank

 

Auch ich gehöre zu diesen Herren

die deshalb gern im Regen spazieren

und das Pfützen Perspektiven verzerren

kann mich rein gar nicht tangieren

 

 

 

 

 Es war nur kurze Zeit lustig

 

Juliane mit dem T-Shirt von Che

und ihrem dreijährigen Sohn

Müsli am Morgen, Rotwein am Abend

und jeder Kuss wie eine Revolution

Der Abwasch in Konkurrenz zum Mount Everest

Pizzareste haben an Gläsern geklebt

(Die Pizza aß man gleich aus der Schachtel)

In diesem Berg in der Spüle hat etwas gelebt

 

Es war nur kurze Zeit lustig

Man soll ja alles einmal mitmachen

aber ehrlich, wer hat schon Lust

ständig zu lachen?

 

Steine auf Bullen zu schmeißen

ist nur dann nicht verkehrt

wenn man mit dem Scheiß nicht anfängt

sondern sich nur gegen sie wehrt

Und all die oberschlauen Genossen

die nur labern und haschen

pennten irgendwo auf dem Boden

und vergaßen sich morgens zu waschen

 

Es war nur kurze Zeit lustig

Man soll ja alles einmal mitmachen

aber ehrlich, wer hat schon Lust

ständig zu lachen?

 

Was soll aus dem Kleinen mal werden?

Der lernt von euch doch nur Mist

Der endet entweder in der Psychiatrie

oder als Terrorist

 

 

 

 

 Blinder Aktionismus im Bürgeramt

 

Lassen Sie mich mal sehen.

Willkommen Nummer fünfhundertzehn.

Wie schnell doch vier Wochen vergehen.

Was? Sie mussten die ganze Zeit stehn?

 

Keine Angst, ich schick Sie nicht nach Hause.

Der Termin heute geht schon klar.

Nur noch zwei Stunden Mittagspause

dann bin ich auch schon für Sie da.

………………………………………...................

Noch da? Und Sie lächeln noch immer?

Eine Bürgerin wie ich sie mag.

Hier wird es von Tag zu Tag schlimmer.

Doch heut retten Sie mir den Tag.

 

Wohngeld? Da muss ich ja lachen.

Im Park sind die Bänke sehr schön.

Da trifft man freundliche Menschen

und nachts kann man die Sterne sehn.

 

Ich kann Ihnen nichts bescheiden.

Und mit Sicherheit nicht positiv.

So etwas gilt es zu vermeiden.

Und Ihr Unglück ist nur relativ.

 

Doch wie wäre es mit einem Kaffee?

Ich schließ hier einfach zu.

Wo ich die Arbeit eh niemals schaffe.

Ich heiß Martin und wie heißt Du?

 

 

 

 

 Die Sterne werden bluten

 

Ich hab mit Gott gepokert

er hat zu viel riskiert

und ehe er sich recht besann

da war es schon passiert

Das As in meinem Ärmel

das sah der Alte nicht

nun ist er ziemlich fertig

hat Tränen im Gesicht

 

Er könnte mir fast leid tun

doch wie gesagt: Nur fast

denn schließlich hat der Zocker

grad eure Welt verprasst

 

Die Sterne werden bluten

doch ich tanz auf dem Tisch

und schicke seine Engel

ab morgen auf den Strich

Der Alte wird mein Hofnarr

der Himmel restauriert

die Sterne werden bluten

denn jetzt wird abkassiert

 

Nun jammert er gar schrecklich

doch mir macht das nichts aus

ich rate ihm zu beichten

in einem Gotteshaus

Ich werde ihn begleiten

falls ich den Papst dort treff

kann ich ihm gleich verklickern

er hat nen neuen Chef

 

Ich krieg jetzt beinah Mitleid

mit diesem armen Mann

was fangen seine Schäfchen

bloß ohne Hoffnung an?

 

Die Sterne werden bluten

doch ich tanz auf dem Tisch

und schicke seine Engel

ab morgen auf den Strich

Der Alte wird mein Hofnarr

der Himmel restauriert

die Sterne werden bluten

 

 

 

 

Vom Verdacht der Vernunft

 

Vom Verdacht der Vernunft

wurden wir freigesprochen

Und was war der Beweis?

Zwei Herzen die gebrochen

 

 

 

 

 Missmutige Moleküle

 

Missmutige Moleküle

schämen sich ihrer Gefühle

schließlich ist klar definiert

dass ihnen so was nicht passiert

 

Klar sie dürfen sich verbinden

ohne etwas zu empfinden

aber mehr geht wirklich nie

ist doch alles nur Chemie

 

Das sag mal den Molekülen

wenn sie sich grad einsam fühlen

in so einer Sommernacht

wo man besser Liebe macht

 

Sie hören Helene Fischer

und sind sich ganz plötzlich sicher:

Liebe ist schön, Chemie ist Mist

egal wie molekü(h)l man ist

 

 

 

 

 Bewaffnet

 

Ich bin bewaffnet

mit Stift und Papier

doch ich schieße nicht scharf

dafür bin ich nicht hier

 

Aus eurem Papierkrieg

halt ich mich heraus

ich mal hinterher

das Schlachtfeld bunt aus

 

 

 

 

Unversöhnt

 

Nur Zorn im Blick, dahinter stete Leere

gebückt, gebeugt vom harten Waffengang

der Jugend kam ein Weltkrieg in die Quere

davon wurd er an Leib und Seele krank

 

Sibirien, drei Winter unter Tage

geplagt von Skorbut, Wundstarrkrampf und Ruhr

ganz ohne Trost in aussichtsloser Lage

bis ihn der Zug zurück nach Mühlheim fuhr

 

Die Frau die ihn am Bahnsteig „Liebster“ nannte

erschrak vor seinem hageren Gesicht

er war ein Fremder den sie kaum erkannte

doch sie hielt sich an ihre Ehepflicht

 

Er schrie im Schlaf, aber er schwieg am Tage

sein dürrer Leib bot keinen Halt bei Nacht

das Leben mit ihm war nur Last und Plage

doch sie hat selten an sich selbst gedacht

 

Er ging nicht aus dem Haus, trank ohne Maßen

doch schlug sie nie und wurde auch nicht laut

und wenn sie schweigend auf dem Sofa saßen

wünschte sie sich in eine fremde Haut

 

Er starb so lautlos wie er mit ihr lebte

ein Husten und dann kurz nochmal gestöhnt

er starb so lautlos wie er lebte

- unversöhnt

 

 

 

 

 Neuschnee

 

Nicht verwunderlich dass man am Sessellift

oft auf die Gattung Skihase trifft

doch heutzutage zieht es mich eher schon

in die Reihen der Glühweinfraktion

 

Da hab ich dann darüber nachgedacht

warum man aus Pudeln meist Mützen macht

und ob jemand der hier standsicher Slalom fährt

in der wirklichen Welt davon noch lange zehrt

 

Neuschnee in den Augen tut anfangs weh

doch man weiß ja es ist nur Schnee

und wenn man sich die Augen reibt

gibt es nicht was von ihm noch übrigbleibt

 

Wenn man das weiß dann fällt einem ein

er könnt ein Synonym für Liebe sein

und schließlich hat man auch geschnallt:

Neuschnee ist viel weniger kalt

 

 

 

 

 Protestbewegung

 

Ich bin eine Protestbewegung

Ich stell was auf die Beine

Und zwar meistens mich selbst

und das auch noch alleine

 

Ich stell mich auf die Beine

fühl ich mich auch unsäglich

- wenn das mal kein Protest ist -

und das vollzieh ich täglich!

 

 

 

 

 Das Klimakterium des Sommers

 

Der Sommer gibt sich verwegen

Der macht keine halben Sachen

Man denkt sich: Das wird sich schon legen

Und noch kann man darüber lachen

 

Er kümmert sich nicht um Mensch und Natur

bei all seiner inneren Hitze

Nur anfangs taugt seine Temperatur

noch für Ignoranz oder Witze

 

Doch sind erst ein paar Wochen vergangen

begreift man was wirklich passiert

und man beginnt zu bangen

ob die Menschheit bald ganz dehydriert

 

 

 

 

 Gefängnisse

 

Sie reden nicht gut von einem wie mir.

Das bringt mich oft in Bedrängnis.

Sie tun so als sei ich ein wildes Tier.

Doch jeder Mensch hat sein eignes Gefängnis.

 

Meines war aus Gittern. Und ist verschwunden.

Die Freiheit vermag mich nicht zu kränken.

Ihres dagegen wird nie überwunden.

Man weiß es bei dem was sie denken

 

 

 

 

 Wichtige Leute

 

Neulich erst hat mir jemand gesagt:

Schreiben Sie doch mal von wichtigen Leuten

Ich hab mich seitdem ständig gefragt:

Was mag das wohl bedeuten?

 

Ist da die Rede von den Bankdirektoren?

Von Politikern und Generälen?

Zählt man dazu auch Professoren?

Es gilt bedacht auszuwählen

 

Früher hätte ich das nicht ernst genommen

Diese Einmischung in mein Revier

Und meine Antwort wäre prompt gekommen:

Tu ich doch - ich schreib von mir

 

Solche Späße werd ich mir verkneifen

denn ich habe inzwischen bedacht:

Wenn die Leute sie nicht begreifen

bin ich der einzige der darüber lacht

 

Wichtige Leute nehmen sich zu wichtig

Die können mir gut gestohlen bleiben

Dagegen erscheint es mir durchaus richtig

von bedeutenden Leuten zu schreiben

 

Und dass wir uns nicht falsch verstehen

bei der Definition von bedeutenden Leuten

Die müssen nicht übers Wasser gehen

Es reicht aus wenn sie mir etwas bedeuten

 

 

 

 

 Der letzte Sommertag am Meer

 

Das war der letzte Sommertag. Wir gingen

an einem Fluss. Der mündete im Meer.

Wo Möwenschwärme eifrig Fische fingen.

Und mich berührte dieser Anblick sehr.

 

Dir lag nicht viel an Meeren und an Flüssen.

Denn dafür warst du einfach viel zu jung.

Dir lag viel mehr am Streicheln und am Küssen.

Das taten wir dann bis zur Dämmerung.

 

 

 

 

 Mittag mit Frank

 

Der Chef de Cuisine trägt heut Schürze

die Nudeln schaun ihn misstrauisch an

er feuert eine Ladung Gewürze

bis keine Nudel sich mehr wehren kann

 

Wir wollen noch zu Hertha-Bayern

vor ausverkauftem Haus

da sollte man vorher schon feiern

denn siegreich geht das selten aus

 

Die Nudeln kämpfen ums Überleben

das Wasser ist übergekocht

aber darauf muss man nichts geben

Wasser hab ich eh nie gemocht

 

Frank sieht es wohl so ähnlich

er sagt: Ein Bier und ein Korn

ich frage ihn: Bist du dämlich?

Er probiert es noch einmal von vorn

 

Drei Bier sind ein gutes Ergebnis

mit Korn hab ich nichts im Sinn

die Nudeln sind ein Erlebnis

niemand sonst hunzt Nudeln so hin

 

Im Stadion sitzen wir später

wie zwei begossene Pudel

der Schiri ist ein Übeltäter

Frank brüllt: Dir tret ich in die Nudel

 

Das lässt sich nicht überbieten

0:3 gegen Berlin

und die drei schwarzen Nieten

streiten mit dem Chef de Cuisine

 

 

 

 

 Schlaflos

 

Nun schleppt die Nacht mir die Träume an

nun wo ich doch kaum schlafen kann

doch ich brauch einen Traum

so kümmert es mich kaum

vielleicht heb ich ihn auf für irgendwann

 

 

 

 

 Der Fabrikant

 

Er sitzt an seinem Schreibtisch, raucht Zigarre

und lächelt Richtung Ahnengalerie

Harte Gesichter, wie in Leichenstarre

Er schuf nicht, doch er erbte – so wie sie

 

Der erste Patriarch ist fast vergessen

Man lästerte sogar: Er hatte Herz

Die Nachkommen jedoch dachten indessen:

Das ist nicht wahr. Das ist ein übler Scherz

 

Der Fabrikant ergötzt sich an Tabellen

Gewinne werden ständig maximiert

Es gibt in dem Betrieb nie freie Stellen

Niemand riskiert dass er den Job verliert

 

Er zahlt seit jeher nichts als Hungerlöhne

und sind die Väter kränklich oder tot

verschlingt der Moloch eben ihre Söhne

Ein Schicksal das hier jedem Armen droht

 

Der Fabrikant jedoch rafft ohne Ende

nie mangelte es ihm an Wein und Brot

Er schuf nichts durch die Arbeit seiner Hände

ihn kümmert nicht das Elend und die Not

 

Vielleicht werden sie eines Tages kommen

vielleicht werden sie kein Pardon ihm geben

vielleicht werden ihm Hab und Gut genommen

vielleicht bleibt ihm nichts als sein nacktes Leben

 

 

 

 

 Monster

 

Als Kind hast du dir vorgemacht

es kämen Monster in der Nacht

du suchtest sie vor Angst ganz krank

unterm Bett und im Kleiderschrank

 

Aber du hast schnell festgestellt

die wahren Monster dieser Welt

die lächeln und verstellen sich

und sehen aus wie du und ich

 

So viele Monster hier auf Erden

die es gilt zu bekämpfen

ohne selbst eins zu werden

 

Damaskus, Bagdad und Beirut

heilige Kriege, blinde Wut

mit Tyrannen manchen Pakt geschlossen

und trotzdem weiter Blut vergossen

 

In Langley haben sie die Listen

der Warlords und der Terroristen

sie schicken Drohnen auf die Reise

und töten auf die gleiche Weise

 

So viele Monster hier auf Erden

die es gilt zu bekämpfen

ohne selbst eins zu werden

 

Moral ist billig heutzutage

und niemand ist mehr unbeteiligt

sie sagen dass in solcher Lage

der Zweck immer die Mittel heiligt

 

 

 

 

 Die Nacht legt ihren Mantel nieder

 

Die Nacht legt ihren Mantel nieder

der Morgen trägt ein frisches Hemd

wie jeden Tag erwach ich wieder

und bleib mir bis zum Abend fremd

 

Des Tages Licht mag uns wohl leiten

manchen verleiht es sicher Ruh

doch mir fällt schon seit allen Zeiten

die Dunkelheit viel leichter zu

 

Ich zürne nicht der Sonne Blüte

und ihren hellen frohen Schein

doch nur die Nacht erweist die Güte

von allen Schatten frei zu sein

 

 

 

 

 Rorschach hat sich geirrt

 

Ich sehe die Madonna

sie trinkt von meinem Blut

sie bringt der Welt das Feuer

ich fühl mich neu und gut

Ich weiß dies ist ein Zeichen

das niemand sonst erkennt

sie wissen nicht dass Gott

mich oft beim Namen nennt

 

Sie machen sich Notizen

und schreiben den Bericht

sie sehen nur die Maske

die Schönheit sehn sie nicht

 

Sie folgen falschen Fährten

verwundert und verwirrt

weil ihnen niemand klarmacht

Rorschach hat sich geirrt

 

Der Garten Gethsemane

vom Regen überschwemmt

die Sprache der Propheten

bleibt ihnen ewig fremd

Sie haben ihre Bücher

die ohne Antwort sind

ich sehe Judas weinen

um Gottes schönstes Kind

 

Sie diagnostizieren

suchen einen Beleg

und haben nicht begriffen

Krankheit ist der Weg

 

Sie folgen falschen Fährten

verwundert und verwirrt

weil ihnen niemand klarmacht

Rorschach hat sich geirrt

 

 

 

 

Bei zehn noch auf den Beinen

 

Kutte sagt: Boxen ist wie Sex

und schlägt auf den Sandsack ein

da zum Sex mindestens zwei gehören

muss das wohl Masturbation sein

 

Meine Gedanken sind ihm zu hoch

er sagt: Komm doch mal in den Ring

ich sag: Also blaue Augen

sind nur bei Frauen mein Ding

 

Jeder Morgen ist Sparring

der Rest des Tages bringt wenig Glück

das Leben ist ein zu harter Gegner

es schlägt schnell und trocken zurück

 

Immer eins in die Fresse

da dürfen Jungs auch mal weinen

am Ende zählt nur eins

Sei bei zehn noch auf den Beinen

 

 

 

 

 Weltanschauung

 

Der Arme hat unrecht, der Reiche hat recht

nur ein Narr stellt das jemals in Frage

die Welt ist wie sie ist und sie ist schlecht

und das seit Anbeginn aller Tage

 

Hat man das erst einmal begriffen

sei auf Moral und Anstand gepfiffen

ein jeder kämpft nur für sich allein

und das Lamm beugt sich dem Schwein

 

Ich vermag keinen Trost euch zu dichten

Gibt es Trost fragt ihr – es gibt ihn mitnichten

deshalb sorgt meine Weltanschauung

bei meinen Lesern auch nie für Erbauung

 

 

 

 

 Der Inquisitor betet

 

Gott aller Seelen erbarme dich meiner

lass mich dem Fegefeuer entgehn

keine Seele war jemals reiner

allen Sünden konnte ich widerstehn

 

Die meisten Gebote hab ich nie gebrochen

ich schied mich als Mensch vom unheiligen Tier

ich hab stets in deinem Namen gesprochen

und für deine Herrlichkeit wirkte ich hier

 

Ich hab jeden Ketzer ans Kreuz geschlagen

und Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt

auf den Kreuzzügen hab ich dein Zeichen getragen

und trug den Glauben in das Heilige Land

 

Gott aller Seelen gewähre mir Milde

für dich hab ich gefoltert und hab ich gequält

für dich trug ich treu das Schwert und den Schilde

du hast mich zu deinem Schlächter erwählt

 

 

 

 

 Pfefferminzland

 

Er war ein Handelsvertreter

für Damenunterwäsche

und flötete in Mutters Ohr:

„Ich weiß wovon ich spreche

Und wenn es Ihnen recht ist

probieren wir´s mal an

die Rechnung schicken wir

dann später Ihrem Mann“

 

Und dieser weiche Stoff

lag gut auf ihrer Haut

da hat sie sich dem Fremden

gleich völlig anvertraut

 

Mit einem rosaroten Kombi

sind die beiden durchgebrannt

während Vater grad verkatert

beim Sozialamt Schlange stand

Als er abends torkelnd heimkam

stand kein Essen auf dem Herd

und ich hab so gut ich konnte

ihm die Sache gleich erklärt

 

Er starrte in die Glotze

tat als gäbe es mich nicht

und ihm lief etwas feuchtes

nach unten durchs Gesicht

Ob Träne oder Speichel

konnte ich nicht richtig sehn

und dann hat er geschrien :

„Du Sau kannst doch nicht gehn“

 

Und eine Visitenkarte

lag mitten im Karton:

„Dessous von Müller – traumhaft

da fliegt man glatt davon“

 

Und der rosarote Kombi

stand allein im Sternenschimmer

auf dem Parkplatz vor dem Motel

und da lachte wer im Zimmer

als zwei Körper sich entdeckten

in dem weichen trüben Licht

waren die Falten Schnee von gestern

denn mit Müller gibt’s die nicht

 

 

 

 

 Aus Mangel an Beweisen

 

Morgens blickst du dir den Tag müd

suchst das Glück in einer Flasche

und ich steh hier knietief ängstlich

an dem Strand aus Schutt und Asche

fang die Botschaft ab und heule

mit den Wölfen – ich vergaß

wenn du mich vom Schlitten abwirfst

dann auch ihnen wohl zum Fraß

 

Wo ist unser Gang zu neuen Ufern

der das Schweigen bricht – die Wellen teilt

wer hat uns verleugnet und verraten

warum fühl ich mich noch nicht verheilt?

 

Schuldig – aus Mangel an Beweisen

vor Liebe blind und krank

bin ich schuldig – lebenslang

 

Abends trinkst du dir die Welt still

steckst das Leben in die Tasche

und ich stehe hier und hoffe

dass ich etwas Glück erhasche

schipp den Staub aus deinen Träumen

hülle mich in Ungeduld

ich will sagen: Sei nicht kleinlich

doch ich meine: Du bist schuld

 

Wo ist dein Versprechen stummer Nähe

wo das Band das uns auf ewig eint

wie perfekt ist diese taube Leere

die mir fast wie ein Verbrechen scheint?

 

Schuldig – aus Mangel an Beweisen

vor Liebe blind und krank

bin ich schuldig – lebenslang

 

 

 

 

 Oberschicht an der Unterhavel

 

Es gibt Bowle zur Begrüßung im Pavillon.

Geflissentlich wird sie übersehen.

An den Bäumen baumeln die Lampions.

Die haben bessere Zeiten gesehen.

 

Der Graf kommt noch mit eignem Chauffeur.

Seinen Rolls den musste er leasen.

Der Weg zum Ufer fällt ihm recht schwer.

Doch das vergisst er an Tagen wie diesen.

 

Ein Serviermädchen lockt ihn mit Häppchen

und er schaut es begehrlich an.

„Graf! Alter Freund! Die ist kein Schnäppchen

wie ich aus Erfahrung wohl sagen kann.“

 

Der Anton ist es – Minister a.D.

der jovial auf die Schulter ihn klopft.

Die tut dem Graf seit Wochen schon weh.

so dass die Crême Fraîche vom Schnittchen ihm tropft

 

Die Hauskapelle ist weit über sechzig

und trifft schon seit Jahren kaum einen Ton

Man könnte sagen der Sparzwang rächt sich

Zum Glück gibt es noch das Grammophon

 

Madame Toussier wirbelt ihre Boa.

Immer noch Diva, doch inzwischen verblüht

Etwas zu krampfhaft haucht sie „Aloa“.

Das soll sinnlich wirken doch klingt nur bemüht.

 

Von Jahr zu Jahr wird der Kreis etwas kleiner.

Und der Graf meint, ein wenig verwundert:

„Die Zeit wird auch ständig gemeiner

letztes Jahr waren wir noch hundert.

 

Vorbei die Zeit der gewagten Tänze

Vorbei der verbotene Sprung in den Busch.

Die Brüste sind schlaff, genau wie die Schwänze.

Und das ganze Buffet ist auch nur noch Pfusch.

 

 

 

 

 Heilige Hinterlist

 

Zahl Ablass, Bruder

sei dabei

von deinen Sünden

kauf dich frei

All das gehört

zum großen Plan

wen kümmert schon

was du getan?

 

Der Klerus nährt wohl seine Meister

und jeder Schilling macht sie feister

Würde ihr Werk von Ehre sein

wie fett würde ihr Gott dann sein?

 

Zahl für deine Sünden

zahl damit man sie vergisst

zahl dass die Pastoren künden

dass du frei von Tadel bist

Heilige Hinterlist

 

Sei demütig

senk deinen Kopf

füll eifrig

ihren Betteltopf

egal ob Silber

oder Gold

dann bleibt ihr Wohlwollen

dir hold

 

So geh dahin mit ihrem Segen

auf allen Pfaden, allen Wegen

welch Bosheit dir auch innewohnt

wer zahlt der wird dafür belohnt

 

Zahl für deine Sünden

zahl damit man sie vergisst

zahl dass die Pastoren künden

dass du frei von Tadel bist

Heilige Hinterlist

 

 

 

 

 Mamas neuer Mann

 

Mamas neuer Mann

schaut mich so seltsam an

und bin ich mit ihm allein

schließe ich im Bad mich ein

 

Er sagt ich sei prüde

er sagt ich sei schön

er sagt er würde

gern mehr von mir sehn

 

Mamas neuer Mann

fasst mich manchmal an

als wär’s nebenbei

mir ist nicht wohl dabei

 

Er will mit mir ins Kino

oder spazieren gehn

und Mama nickt erfreut

zu blöd um’s zu verstehn

 

Mamas neuer Mann

ist nicht auf Mama scharf

ständig fragt er mich

ob er mich küssen darf

 

Er kramt in meiner Wäsche

er kommt nackt in mein Zimmer

Mama hört mir nicht zu

und es wird täglich schlimmer

 

Mamas neuer Mann

ist nun endlich froh

heut früh warf er sich auf mich

und kam in meinem Po

 

 

 

 

 Schöne Stadt

 

Es gibt einen Bahnhof mit einem Kiosk

da stehn alte Männer um einen zu saufen

man kann da zur Not auch eine Zeitung

Zigaretten oder Kaugummis kaufen

Und wenn ein Zug kommt sehn fremde Gesichter

gelangweilt aus dem Fenster hinaus

es gibt keinen Grund hier auszusteigen

man lädt meistens nur die Postsäcke aus

 

Ich fahr mit dem Fahrrad über die Gleise

der Kies knirscht dann leise

und ich komm kaum vom Fleck

ich hab fast vergessen

Zeit zum Abendessen

vielleicht komm ich morgen ein Stück weiter weg

 

Dies ist eine schöne Stadt

das kann man schon sagen

gefaltet passt sie in einen Prospekt

den kann man an alte Menschen verschicken

und schreiben

dass man hier glücklich verreckt

 

Es gibt einen Teich – da sind sogar Enten

und schenkt man ihnen ein Vollkornbrot

posieren sie für ein romantisches Foto

schnabelumschlungen vorm Abendrot

Im Park sitzen Rentner und sprechen mit Blumen

ich weiß nicht ob die so scharf darauf sind

sie kräuseln die Blätter, kriegen dicke Hälse

und hängen die Köpfchen genervt in den Wind

 

Ich fahr mit dem Fahrrad über den Rasen

ich hab solchen Phasen

da werd ich ganz wild

man darf hier nicht liegen

keinen Grashalm verbiegen

das steht hochamtlich auf einem Schild

 

Dies ist eine schöne Stadt

das kann man schon sagen

gefaltet passt sie in einen Prospekt

den kann man an alte Menschen verschicken

und schreiben

dass man hier glücklich verreckt

 

Es gibt eine Schule die darf man besuchen

dort lernt man wie man im Leben besteht

man darf dort nicht rauchen, nicht dösen, nicht fluchen

und wehe man kommt fünf Minuten zu spät

Menschen stehn abends vor ihren Häusern

gießen die Blumen, schauen über den Zaun

ob alles in Ordnung ist bei den Nachbarn

man kann seinem Nächsten hier blind vertraun

 

Dies ist eine schöne Stadt

das kann man schon sagen

gefaltet passt sie in einen Prospekt

den kann man an alte Menschen verschicken

und schreiben

dass man hier glücklich verreckt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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