Poems for no one
Die Band heißt „Poems for Laila“
noch nie was von denen gehört
doch der originelle Name
ist mir drei Euro neunzig wert
Ich hör die CD am Computer
Mein Fazit lautet: Na ja
Ich glaube, wär ich diese Laila
wäre ich längst nicht mehr da
Sie hatten sogar einen Major-Deal
bei Polydor und Tim Renner
der Kerl ist mir höchst sympathisch
und was Musik angeht ein echter Kenner
Er zieht dieses Jahr in den Wahlkampf
vielleicht schaut er ja mal vorbei
er kandidiert in meinem Bezirk
doch ich wähl die Tierschutzpartei
Da bekommen alle gleich einen Hals
wenn ich ihnen davon erzähle
dabei ist es doch mein eigenes Ding
wem ich trau und wen ich wähle
Tiere sind Lebewesen
wird Zeit dass es jeder checkt
keine Legebatterien, keine Tierversuche
behandelt sie mit Respekt
Schaue ich aus meinem Fenster
seh ich den Fitness-Club gegenüber
da machen sie ständig Tai Chi
etwas leiseres wäre mir lieber
Die Trainerin schreit Kommandos
als bilde sie Navy Seals aus
vor Schreck steh selbst ich manchmal stramm
und spende ihr dafür Applaus
Ich müsste auch mal trainieren
für die Muskeln und gegen den Bauch
ich spiel Fußball auf der Playstation
im Zweifel tut es das ja auch
Da ich keine Laila kenne
(mein Freundeskreis ist beschränkt)
hab ich „Poems for Laila“
einer Kollegin geschenkt
Was macht eigentlich Klaus?
Lang nicht gesehen
und doch wiedererkannt
Samstag auf dem Markt
am Käsestand
Ein verlegenes Lächeln
„Du, ich muss nach Haus
es ist schon spät
und was macht eigentlich Klaus?“
Zehn Jahre früher
zu dritt auf Gomera
fiel das Lügen uns leichter
und der Abschied viel schwerer
Die ersten Falten
und schon etwas mehr Bauch
ich weiß du denkst an früher
und weißt ich tu es auch
Doch weil es keinem hilft
sprechen wir es nicht aus
„Es ist zu spät
und was macht eigentlich Klaus “
Zehn Jahre früher
zu dritt auf Gomera
fiel das Lügen uns leichter
und der Abschied viel schwerer
Ob er etwas ahnte
machte es ihm was aus
hat er uns verziehen
„Wie geht es eigentlich Klaus?“
Ich bin auch nur was ich tu
Das Zimmer fragt nach helleren Tapeten
der Fiskus bittet um ein Rendezvous
der Rotbarsch klappert albern mit den Gräten
und ich bin auch nur was ich tu
Der Regen drückt sich heftig an die Scheiben
die Cola stürzt sich mutig in den Gin
ein Blatt Papier ließe sich gern beschreiben
und ich weiß auch nicht wirklich wer ich bin
Der Fensehpastor tröstet alle Seelen
nur meine passt noch immer nicht dazu
ich würde gerne einem Menschen fehlen
und wünschte so sehr dieser Mensch wärst du
Was ich dir hinterlasse
Was ich dir hinterlasse
wenn ich mal nicht mehr bin
sind Worte, nichts als Worte
find du darin die Sinn
Find Trost darin und Liebe
denn lieg ich erst im Grab
sind diese Worte alles
was ich noch für dich hab
Sonderporto für Abschiedsbriefe
Sonderporto für Abschiedsbriefe
das wäre ein echt cooler Trend
tiefschwarze Marken mit Sensenmännern
dass man die Briefe als solche erkennt
Dann könnte man sich vorher entscheiden
Lieber gleich öffnen oder noch etwas leiden
Damit ich solch Porto nicht zahlen muss
mach ich immer per SMS Schluss
Es glühen die Kessel
Es glühen die Kessel. Es sprühen die Funken.
Deutsche Waffen aus deutschem Stahl.
Es profitieren die bekannten Halunken.
Und das auch noch nach der nächsten Wahl.
Und der Wahl danach und der Wahl danach auch.
Und der Wahl in zehntausend Jahren.
Das ist hier Usus, das ist hier Brauch.
Darüber ist sich jeder im Klaren.
Politiker, Waffenhändler und Schieber.
Alle kommen auf ihre Kosten.
Deshalb sorgen die gewissenlosen Betrüger
dafür dass die Kessel nie rosten.
Ein Freudenfeuer liegt im Funkenflug.
Ein Versprechen von Macht und Moneten.
Davon bekommen sie niemals genug.
Doch genau dafür sollte man beten.
Nachts auf dem Dach
Heut Nacht wurde ich plötzlich wach
und sah zwei Menschen auf dem Dach
die standen da ganz dicht am Rand
völlig romantisch Hand in Hand
Ich dachte mir: Die wollen springen
da sollte man was Schönes singen
was ihnen in so einer Nacht
das Springen angenehmer macht
Das ist nicht edel, sondern Pflicht
nur singen kann ich leider nicht
doch hab ich mich nicht lang geziert
sondern Gedichte rezitiert
Die eigenen. Das ist doch klar.
Und staunend lauschte mir das Paar.
Bevor es sprang. Ich dachte nur:
Wer schätzt heut noch Literatur?
Radoslav B. am Tage seines Todes
Die Augen sind mir müde
ich seh nicht dein Gesicht
sieh du für mich den Morgen
sieh du für mich das Licht
Und wenn die Schwalben fliegen
an einem Sommertag
erinner du dich doch für mich
wie lange ich hier lag
auf Stroh und Stein gebettet
die Wunden voll von Sand
den Fuß stets angekettet
an diese kalte Wand
Mein Henker kommt am Morgen
erlöst mich von dem Leid
den Schlägen und den Tritten
und der gestohlnen Zeit
Und wenn die Schwalben fliegen
über das weite Meer
wird hier ein andrer liegen
liebe auch ihn so sehr
sprich Mut ihm zu und Hoffnung
an diesem dunklen Ort
denn außer unsrem Glauben
nahm man uns alles fort
Das Recht auf unsre Würde
das Recht ein Mensch zu sein
und nur der Tod – mein Freund du weißt –
kann meine Seele noch befrein
Die Augen sind mir müde
ich seh nicht dein Gesicht
sieh du für mich den Morgen
sieh du für mich das Licht
Mädchen vom Feld
Man kann sich mit vielem den Tag versauen
man nehme zum Beispiel die Deutsche Bahn
da kann man stundenlang aus dem Fenster schauen
ohne auch nur einen Kilometer zu fahrn
Setzt sich der Zug schließlich mal in Bewegung
- was, wie man mir sagte, ab und an doch geschieht -
betrachtet man gelangweilt oder mit Erregung
jede Reisende die man dann dort so sieht
Man begegnet einer Menge vornehmer Damen
die sind ausnahmslos sehr modisch gekleidet
und tragen bisweilen ein „von“ im Namen
was sie von anderen sehr unterscheidet
Solche spreche nicht offen über ihre Gelüste
die werden manchmal von Blicken schon rot
dann heben und senken sich ihre Brüste
ich kannte mal eine die schämte sich tot
Man hat nicht viel von solch einer Bekanntschaft
selbst wenn sie mitunter den Augen gefällt
besser man späht hinaus in die Landschaft
und schaue nach den Mädchen draußen auf dem Feld
Die laufen barfuß in der strahlenden Sonne
und haben ein Lächeln in ihrem Gesicht
für die ist das Leben Freude und Wonne
und die schämen sich auch ihrer Wünsche nicht
Strebt man daher nach einer schnellen Romanze
so beachte man nicht die Damen von Welt
die sind verstockt hinter dem feinen Glanze
besser hat man es mit den Mädchen vom Feld
Grinsen, Frankie, grinsen
Blaulicht im Rotlichtviertel
Stillstand im Nahverkehr
Wir wollten nach St.Pauli
Doch das will uns nicht mehr
Mit zwanzig war es super
mit dreißig noch okay
Am nächsten Tag der Kater
tut heut doppelt so weh
Grinsen, Frankie, grinsen
Mal wieder abgebrannt
Kein Geld für Sprit und Fluppen
und Stress am Taxistand
Wir haben keiner Fliege
jemals etwas getan
doch die Welt geht vor die Hunde
selbst Maria lebt vegan
Sie kann uns nicht mehr leiden
dabei weiß sie genau
die Katze lässt das Mausen nicht
und nachts sind alle Katzen grau
Grinsen, Frankie, grinsen,
das ist so eine Nacht
aber wir haben schließlich
schon ganz andres mitgemacht
Wieder mal die Daumen raus
und die Nasen in den Wind
wir sind nicht was sie glauben
wir sind nur was wir sind
Ein Schiff legt ab
Ein Schiff legt ab. Ein Mädchen winkt.
Man kennt das zur Genüge.
Es ist egal worauf man trinkt.
Es bleibt doch eine Lüge.
Der Skipper fordert ein „Ahoi!“
sobald die Wellen tosen.
Der See allein nur war er treu.
So wie seine Matrosen.
Ein Schiff legt ab. Ein Mädchen winkt.
Schon wartet der Atlantik.
Wenn es nicht heimkommt sondern sinkt
dann ist das auch Romantik.
Streichen Sie das besser aus dem Protokoll
Herr Ankläger, ich bitte Sie,
das ist doch lächerlich.
Und das soll nun ein Rechtsstaat sein?
Weiß Gott, ich schäme mich.
Das ist nur Zeitverschwendung
frisst Steuergelder auf
Solche wie meinen Mandanten
gab es doch zuhauf
Er kann sich nicht erinnern
was wohl keinen verwundert
sehn Sie sich ihn doch an
er ist beinah einhundert
Das alles ist schon so lang her
Was soll die Litanei?
So lang man nichts beweisen kann
war er nicht dabei.
Und schließlich war nicht alles schlimm
Manches war sogar toll
Entschuldigung, streichen Sie das
besser aus dem Protokoll
Was sollte man denn machen?
Wer hat sich was getraut?
Es ging ja letzten Endes
auch um die eigne Haut.
Was den Menschen dort geschah
ist wirklich unaussprechlich
Und mein Mandant ist nicht nur alt
sondern auch sehr gebrechlich
Wenn er sich erinnern könnte
fühlte er sich wohl elendig
doch wenn er ins Gefängnis muss
macht dies keinen lebendig
Wo bitte sind die Zeugen denn?
Die mit den Fingern zeigen?
Was kann denn mein Mandant dafür
dass Tote schweigen?
Und schließlich war nicht alles schlimm
Manches war sogar toll
Entschuldigung, streichen Sie das
besser aus dem Protokoll
Gießen
Ich bitte Sie freundlichst bleiben Sie ruhig
ich müsste Sie sonst leider erschießen
sagt der Bankräuber und ich denke
So höfliche Menschen gibt es doch nur in Gießen
Die Prinzessin von nebenan
Sie wohnt nicht in einem Märchenschloss
sondern im Plattenbau
hat keine goldne Krone auf
sondern ist oft schon mittags blau
Sie hat auch keine Kutsche
vor der zehn Pferde laufen
sie nimmt ihr altes Fahrrad
um bei „Lidl“ einzukaufen
Kein Ritter steigt vom edlen Ross
um ihr Herz zu rauben
ihr Fernseher läuft immerzu
und sie hat müde Augen
sie hat so müde Augen
Die Prinzessin von nebenan
sucht keinen Prinzen – sie sucht einen Mann
keinen der ihr das Blaue vom Himmel verspricht
sondern der ihr nur sagt: Ich verlasse dich nicht
Die Prinzessin von nebenan
kämpft sich durchs Leben so gut sie kann
ohne Job, ohne Zukunft und ohne Halt
dabei ist sie erst knapp neunzehn Jahre alt
Sie lebt nicht in einem Märchenland
sondern in Friedrichshain
hat keinen Hofstaat der ihr folgt
sondern ist meistens ganz allein
Sie kennt auch keine Feen
die ihr was gutes wollen
und ihre Träume sind schon lang
im Häusermeer verschollen
Kein Wunder stellt sich jemals ein
und sie verliert den Glauben
dass sich je etwas ändern wird
und sie hat müde Augen
sie hat so müde Augen
Die Prinzessin von nebenan
sucht keinen Prinzen – sie sucht einen Mann
keinen der ihr das Blaue vom Himmel verspricht
sondern der ihr nur sagt: Ich verlasse dich nicht
Die Prinzessin von nebenan
kämpft sich durchs Leben so gut sie kann
ohne Job, ohne Zukunft und ohne Halt
dabei ist sie erst knapp neunzehn Jahre alt
B7
Jana spült die Gläser
es ist erst kurz nach vier
außer mir und Einbein-Erwin
ist weiter keiner hier
Er erzählt seit 10 Minuten
immer den gleichen Witz
Jana rollt mit den Augen
ich werf Münzen in den Schlitz
Drück B7 und die Jukebox explodiert
alle sterben bevor jemand es kapiert
es gibt einen lauten Knall
unsre Asche fliegt ins All
ich wart schon lang darauf dass es passiert
Da war Feuer über Dresden
mein Großvater war da
er wurde niemals müde
zu berichten was er sah
Manche sind der Meinung
er hätte den Verstand verloren
er sah Marmorengel weinen
das hat er mir geschworen
Drück B7 und die Jukebox explodiert
alle sterben bevor jemand es kapiert
es gibt einen lauten Knall
unsre Asche fliegt ins All
ich wart schon lang darauf dass es passiert
Jana ist leicht panisch
ein Touristenpulk aus Schweden
möchte sich besaufen
doch kann nicht verständlich reden
Einbein-Erwin kippt vom Hocker
vor Schreck pisst er sich ein
manche Party kann dich töten
ich hoffe das wird so eine sein
Drück B7 und die Jukebox explodiert
alle sterben bevor jemand es kapiert
es gibt einen lauten Knall
unsre Asche fliegt ins All
ich wart schon lang darauf dass es passiert
Identität
Vor dem Fenster Sonne
in den Augen Schnee
Antidepressiva
und Kamillentee
Hier kann ich nicht bleiben
schon morgens ist es spät
ich hab keine Ahnung
wohin die Welt sich dreht
Alle stellen Fragen
nach meinem Gemüt
Türen haben Augen
und der Teppich blüht
Hier will ich nicht leben
schon atmen fällt mir schwer
ich hab keine Ahnung
wo es besser wär
Draußen herrscht ein König
der von mir nichts weiß
er treibt seine Hunde
keuchend übers Eis
Wenn er einmal tot ist
wird es ewig Nacht
und wir werden wünschen
wir wären nie erwacht
Orchideen
Das Jahr verblüht auf seine eigne Weise
fast unbemerkt, so wie es immer war
es regt ein Widerwillen sich nur leise
denn jedem alten folgt ein neues Jahr
Dabei sollten wir Menschen doch wohl wissen
kostbar ist jedes Jahr und jeder Tag
wenn wir vom Leben uns erst trennen müssen
scheint Zeit uns nicht mehr als ein Wimpernschlag
Dass Orchideen uns überstehn
und ewig blühn – es wäre schön
Ich werd nie müd dich anzusehn
vielleicht sind wir ja Orchideen
Die Wissenschaft strebt nach einer Erklärung
die Religion hält sich am Glauben fest
Verstand jedoch ist nicht die rechte Währung
mit der ein Wunder sich erwerben lässt
Es liegt kein Sinn im Klagen und im Trauern
das stete Wasser höhlt den stärksten Stein
wir müssen um uns selbst zu überdauern
mehr als die Summe unsrer Träume sein
Dass Orchideen uns überstehn
und ewig blühn – es wäre schön
Ich werd nie müd dich anzusehn
vielleicht sind wir ja Orchideen
Langsame Helden
Wir stoßen uns wund an alltäglichen Dingen
die uns im Regelfall furchtbar misslingen
wir greifen das Wort auf das andre verloren
und haben uns pünktliches Frühstück geschworen
Wir schleichen ums Glück wie trächtige Katzen
und blähn uns wie Airbags bis wir irgendwann platzen
Dies ist keine Zeit für langsame Helden
der Sommer ist tot und wir tanzen auf Glas
wir holen viel nach – Abitur und Affären
und haben davon mehr Bauchweh als Spaß
Dies ist nicht der Ort für schiere Verzweiflung
der Zeitgeist verlangt einen mutigen Blick
dies ist keine Zeit für langsame Helden
sie wirft uns beide um Jahre zurück
Wir suchen nach Halt in stilsicheren Phrasen
die wir was weiß ich wo mal hörten – mal lasen
wir putzen uns raus zum eignen Begräbnis
und protzen dann nachher: Was für ein Erlebnis
Wir jubeln uns hoch nur um zu erleben
dass da nichts mehr ist was wir uns noch geben
Dies ist keine Zeit für langsame Helden
der Sommer ist tot und wir tanzen auf Glas
wir holen viel nach – Abitur und Affären
und haben davon mehr Bauchweh als Spaß
Dies ist nicht der Ort für schiere Verzweiflung
der Zeitgeist verlangt einen mutigen Blick
dies ist keine Zeit für langsame Helden
sie wirft uns beide um Jahre zurück
Dies ist keine Zeit für langsame Helden
sie wirft uns beide um Jahre zurück
Mein Ringelnatz
Ich saß auf einer Wiese
und schrieb dort ein Gedicht
es war für Anneliese
doch die verstand es nicht
Ich warf es in die Oder
oder einen Nebenfluss
trank einen Becher Soda
und schrie: Ich mache Schluss
Da sprangst du mit ins Wasser
mit traurigem Gesicht
und hauchtest – merklich blasser –
Ich liebe dein Gedicht
Und unten bei den Fischen
war für uns reichlich Platz
hörte dich blubbernd zischen:
Mein süßer Ringelnatz
Jenseits des Glockenschlags
Man nennt diesen Ort: Vornehme Gegend.
Vor zehn Jahren war das sicher wahr.
Damals war die Welt noch sehr bewegend.
Heute ist sie nur noch ein Basar.
Träume werden billig feilgeboten.
Unterm Schleier liegt ein fernes Land.
Manche sprechen ständig mit den Toten.
Andre fressen Priestern aus der Hand.
Menschenköpfe neigen sich gen Mekka.
Und die gute alte Sonne sticht.
Ich geh lieber erst einmal zum Bäcker.
Und bin froh: Der Bursche betet nicht.
Jenseits des Glockenschlags ist nur noch Stille.
Ich seh wie sich die Menschenmenge teilt.
Bis zuletzt bleibt uns der freie Wille.
Ganz gleich welch Los auch immer uns ereilt.
Im Parlament sitzen die Spekulanten
und schachern wild um eines Volkes Seele.
Sie waren da als manche Bücher brannten.
Nur frag ich mich, wem ich das noch erzähle.
Die Jugend treibt betäubt in das Fatale
Der Rest steht mit dem Rücken an der Wand.
Keine Identität und Ideale.
Ein schwerer Sturm fegt übers Heimatland.
Der Wahnsinn hat inzwischen schon Methode.
Die forschen Stiefel üben ihren Schritt.
Der Zeitgeist klüngelt eifrig mit der Mode.
Und alle Dummen machen fröhlich mit.
Jenseits des Glockenschlags ist nur noch Trauer.
Ein Brandmal das niemals so ganz verheilt.
Die Menschheit wächst aber sie wird nicht schlauer.
Und sie verdient das Los das sie ereilt.
Fritten
Die Fritten baden fröhlich im Fett
Der Hund hat sein Futter erbrochen
Mutter singt mit dem Radio im Duett
Vater ist Zigaretten holen seit Wochen
Das Baby ist vollgekackt bis zum Hals
Der Opa stopft seine Pfeife
Die Fritten freuen sich auf das Salz
Die Töchter duften nach Seife
Sie teilen sich das Baby und auch den Mann
Irgendjemand muss sie schließlich versorgen
Und auch wenn er das heute noch nicht kann
vielleicht kann er es ja morgen
In den Fabriken gibt es Arbeit genug
doch dafür ist der Herr sich zu fein
Er macht lieber Geschäfte nah am Betrug
doch viel bringen die auch nicht ein
Auf dem Fensterbrett glucksen die Tauben
verlangend nach einem Stück Brot
Sie sind die einzigen die noch an etwas glauben
Im Hof stinkt es nach Abfall und Tod
Die Polizei hat nach Vater gefragt
Darauf konnte man irgendwie wetten
Natürlich hat niemand ein Wort gesagt
Der ist ohnehin nicht zu retten
Das Baby spuckt den Brei durchs Zimmer
Es lässt sich eben gern bitten
Mutter sagt dann wie immer:
Der Schreihals will Fritten
Der Zeitvogel
Eine Klinik am Stadtrand
geschlossener Raum
und der Arzt sagt zu Kim:
"Erzähl von dem Traum"
Sie sieht durch ihn durch
und weiß nicht was er meint
denn es ist kein Traum
wenn der Schatten erscheint
Das Flügelschlagen
das langsamer wird
wenn es sich in ihre Seele verirrt
Und sie schaut zu dem Mann
der davon nichts weiß
schließt ihre Augen
und flüstert ganz leis:
"Der Zeitvogel stirbt
es wird kalt auf der Welt
wenn sein Leib aus den Wolken
zu uns runterfällt
Der Zeitvogel stirbt
ich spür seinen Schmerz
sein Atem ist flach
und ich hör kaum sein Herz"
Der Arzt gibt ihr Spritzen
und tröstet wie immer
"Keine Angst kleine Kim
es wird nicht mehr schlimmer
Wir erhöhen die Dosis
um null Komma zehn
bald bist du geheilt
kein Problem - du wirst sehn"
Das Flügelschlagen
vor seinem Gesicht
ist laut genug doch er hört es nicht
Und Kim sieht ihm an
ihm ist alles egal
doch bevor sie einschläft
sagt sie noch einmal:
"Der Zeitvogel stirbt
es wird kalt auf der Welt
wenn sein Leib aus den Wolken
zu uns runterfällt
Der Zeitvogel stirbt
ich spür seinen Schmerz
sein Atem ist flach
und ich hör kaum sein Herz"
Neigung
Ich habe mich dir zugeneigt
ein Baum mit harter Rinde
doch dir hab ich mich weich gezeigt
du sahst den Narr – das Kinde
Ich habe mich für dich verrenkt
ein Baum mit starken Ästen
für dich hab ich mich leicht verschenkt
tat es zu deinem Besten
Ich habe mich für dich gebeugt
ein Baum mit graden Zweigen
von Liebe hat mein Sein gezeugt
so wollt ich mich dir zeigen
Ich hab mich dir zugeneigt
ein Baum mit harter Rinde
du hast mir was ich bin gezeigt
nämlich ein Blatt im Winde
Eine Straße die Freiheit heißt
Eine Straße die Freiheit heißt
stehn lauter Nutten drauf rum
hat das nun was zu bedeuten
ist das genial oder dumm?
Man könnte doch auch zum Beispiel
da eine Schule errichten
oder eine Deponie
wo sie Raketen vernichten
Oder ein Museum
für Uschi Obermaier
ich meine: Hallo Uschi
wann war die Liebe je freier?
Man könnte Blumen da pflanzen
und sie am besten auch gießen
oder den Bundestag
dort kurzerhand erschießen
Eine Straße die Freiheit heißt
da fällt mir so vieles ein
aber Nutten, Mensch, Nutten
das muss nun wirklich nicht sein
Mit der Hand an der Waffe
Harald B. war vierundvierzig
und Versicherungsvertreter
das Geschäft lief nicht sehr rosig
abends wurde es oft später
Die Kredite wuchsen ständig
durch die Zinsen auf das Haus
und er sah an manchen Tagen
fast wie achtundachtzig aus
Seine Frau war sehr viel jünger
und sie wollte was erleben
etwas von dem süßen Leben
doch das konnt er ihr nie geben
Also zog sie los mit Kerlen
die so alt warn wie sein Sohn
und er hockte ganz verzweifelt
nächtelang vorm Telefon
Als der Umsatz nicht mehr stimmte
wurde Harald B. entlassen
und entdeckte dass es leicht ist
Gott und diese Welt zu hassen
Wenn man abgebrannt und down ist
alle über einen lachen
wird es Zeit für einen Schlussstrich
muss man etwas anders machen
Harald B. war vierundvierzig
und zu lange Fußabtreter
wer ein Leben lang sein Maul hält
wird vom Opfer leicht zum Täter
Seine Frau stand in der Haustür
sagte ihm: „Ich lass mich scheiden“
und da brachen alle Dämme
er wollte nicht länger leiden
Mit der Hand an der Waffe
saß er achtundvierzig Stunden
auf dem Boden vor der Leiche
dann hat ihn sein Sohn gefunden
Und mit starrem Blick nach unten
sagte er: „Du musst verstehn
ich tat alles nur für sie
und da kann sie doch nicht gehn“
Brügge
Annemarie du wirst allmählich flügge
du siehst beinahe schon zum Naschen aus
dich zieht es diesen Sommer wohl nach Brügge
ich bleib – wie immer – hier, also zu Haus
Ich sollte dich nun wohl vor Brügge warnen
selbst wenn dich dieser Rat vielleicht verstört
man zählt ein Kind wie dich dort zu den Damen
man hat von Brügge einiges gehört
Sie schmeicheln dort mit wüsten Komplimenten
verdrehen jungen Mädchen schnell den Kopf
und geizen später mit den Alimenten
ich hoffe du hast Grips unter dem Schopf
Du könntest diesem Schicksal wohl entrinnen
wenn du mit mir jetzt…..ganz egal wohin
du würdest dabei einiges gewinnen
so selbstlos wie ich immer zu dir bin
Dann gingest du als Frau und nicht als Mädchen
und wenn dich dann ein übler Strolch verführt
sagst du: „Es gibt bereits in meinem Städtchen
jemanden der mich sehr intim berührt“
So würdest du den Sommer überstehen
und die Versuchung wär dir einerlei
und wenn wir uns im Herbst dann wiedersehen
wär Brügge längst vergessen und vorbei
Inventur
Die Gegenwart macht Inventur.
Sie rechnet auf. Sie rechnet ab.
Die Menschheit gegen die Natur.
Da wird die Zukunft recht knapp
Domina Deluxe
Sie lebt First Class rund um die Uhr
Jet Set Madonna – Luxus pur
ihr Business ist von jener Art
wo man am großen Geld nicht spart
Deshalb ist sie auch niemals klamm
hat einen festen Kundenstamm
die Wirtschaftskrise war nie schlimmer
doch ihre Sparte die boomt immer
Sie hat ein breites Repertoire
von hart bis hin zu ganz bizarr
Domina Deluxe
sie kennt alle Tricks
krümmt dir Haut und Haar
für ihr Honorar
Domina Deluxe
Hüterin des Glücks
schlägt dich windelweich
in ihr Himmelreich
Bei ihr kommst du unter die Räder
für dich da trägt sie Lack und Leder
oder macht dir die Ordensschwester
und du winselst: Bitte noch fester
In ihrer Uniform bringt sie enorm
den schlaffsten Schlappmann noch in Form
dir wird vor Angst erst heiß dann kalt
wenn sie mit ihrer Peitsche knallt
Und ist dir diese Kur zu lax
gibt es ne Ladung Kerzenwachs
Domina Deluxe
sie kennt alle Tricks
krümmt dir Haut und Haar
für ihr Honorar
Domina Deluxe
Hüterin des Glücks
schlägt dich windelweich
in ihr Himmelreich
Manchmal da ignoriert sie dich
bis du bettelst: Bestrafe mich
und wenn du ihre Stiefel küsst
begreifst du dass du wertlos bist
Ihr Rohrstock fordert deinen Mund
du liegst in Ketten, bist ihr Hund
und sie kennt so verboten viele
sinnlich brutale Fesselspiele
Domina Deluxe
sie kennt alle Tricks
krümmt dir Haut und Haar
für ihr Honorar
Domina Deluxe
Hüterin des Glücks
schlägt dich windelweich
in ihr Himmelreich
Der Gärtner
Die Farbe abgeblättert vom alten Herrschaftshaus
der Wind pfeift durch die Scheiben, das Dach sieht brüchig aus
Die Tür hängt in den Angeln, schwingt manchmal hin und her
und drinnen ist es dunkel, längst lebt dort niemand mehr
Der Garten ist verwildert, der Rasen nicht gemäht
doch oben auf dem Hügel da ist ein Rosenbeet
das immer noch gepflegt wird und frei von Moos und Sand
in all den langen Jahren den Winter überstand
Der Gärtner ist geblieben als die Lady schlafen ging
um die Rosen zu behüten, weil ihr Herz an ihnen hing
Der Gärtner ist geblieben, tut noch immer seine Pflicht
und es ist als lebt die Lady wenn er mit den Rosen spricht
Manchmal da quietscht die Schaukel, die an der Ulme hängt
dort hat der Lord der Lady den goldenen Ring geschenkt
und die Kapelle spielte in dieser Sommernacht
so war es niemals wieder doch er hat oft daran gedacht
Als dann der Krieg ins Land zog stand sie auf dem Balkon
und winkte den Soldaten, ihr Mann zog auch davon
Er kehrte niemals wieder in dieses Haus zurück
und wie die schöne Lady verfiel es Stück für Stück
Der Gärtner ist geblieben als die Lady schlafen ging
um die Rosen zu behüten weil ihr Herz an ihnen hing
Der Gärtner ist geblieben, tut noch immer seine Pflicht
und es ist als lebt die Lady wenn er mit den Rosen spricht
Vorbei die Zeit der Feste, erst ging das Personal
dann blieben auch die Freunde aus, der Lady war‘s egal
Das war nicht mehr die Welt, wie sie sie einst verstand
und in den letzten Stunden hielt der Gärtner ihre Hand
Sie sprach mit matter Stimme: „Was ist mit mir geschehn?
Du musst die Rosen pflegen, sie dürfen nicht vergehn
Und wenn mein Gatte heimkehrt dann grab die Schönste aus
und stell sie in sein Fenster, er liebt Rosen im Haus“
Ganz der Alte
Ich glaub, ich wäre besser nicht gekommen
ich ahnte es schon in der Wohnungstür
hab damals von dir zu viel mitgenommen
sag darum oft: Ich kann doch nichts dafür
Du thronst noch immer wie ein fetter Kaiser
auf deinem Platz neben der Fensterbank
und sprichst auch keineswegs ein wenig leiser
dein Anblick macht mich immer noch ganz krank
Ganz der Alte
ganz der verbohrte Mann
dem sein Kind
nie etwas recht machen kann
ganz der kalte
herzlose, mürrische Greis
der von Liebe und Güte
nicht das mindeste weiß
ganz der Alte
Noch immer gewohnt harsch zu befehlen
noch immer der Herrscher in deinem Haus
noch immer gewillt alle boshaft zu quälen
doch die Untertanen gehen dir langsam aus
Nur die kleine Frau kann sich noch nicht wehren
und lernt es im Leben wohl nie dich zu hassen
meine eigene Scham ist leicht zu erklären
es war falsch sie mit dir hier alleine zu lassen
Ganz der Alte
ganz der verbohrte Mann
dem sein Kind
nie etwas recht machen kann
ganz der kalte
herzlose, mürrische Greis
der von Liebe und Güte
nicht das mindeste weiß
ganz der Alte
Ich glaub, ich wäre besser nicht gekommen
ich wusste es schon in der Wohnungstür
ich bin auch nur wegen Mutter gekommen
und nicht wegen dir
Der Wegweiser ins Nichts
Am Feld parkt ein ratloser Wagen
dem geht schon die Ahnung voraus
in Kürze wird mich jemand fragen
nach Dorf, nach Hof oder Haus
Wir lieben es Fremde zu necken
auch wenn sie es selten verstehn
manche Leiche wird man entdecken
andre werden nie wieder gesehn
Der Städter nennt das wohl: Schändlich
Das ist absolut nicht korrekt
es ist provinziell oder ländlich
und wen kümmert schon wo er verreckt?
So hat halt jeder das Seine
und wer das nicht einsieht der büßt
ich lasse den Hund von der Leine
dass er mir die Gäste begrüßt
Das Moor schluckt ohne zu klagen
jeden den es dahin zieht
es wäre nicht falsch zu sagen
dies ist ein Naherholungsgebiet
Wie wir zu Barbaren wurden
Die Dschungelcampschlampe
hält sich nicht für dämlich
philosophiert über Sex
und das einvernehmlich
mit dem katholischen Priester
dem die zarten Knaben
den letzten Saft aus den Lenden
gestohlen haben
Ein Comedian – schon abgehalftert
im besten Fall noch dritter Klasse
gibt auch noch gern seinen Senf dazu
denn beim Fernsehen macht man noch richtig Kasse
Sie diskutieren mit eitlem Gewese
zwei Stunden lang ein Loch in jeden Käse
Sie wissen nicht wo Anatolien liegt
aber sie schwafeln über Kurden
Viel mehr jedoch würde mich interessieren
wie wir eigentlich zu Barbaren wurden
Die Dschungelcampschlampe
hat seit dem heutigen Tag
- ach wie weltbewegend -
einen Buchvertrag
Wegen ihrer Grammatik-Allergie
schreibt das allerdings ihr Lover
Ist ja egal, Hauptsache sie zeigt
ihre Titten schön prall auf dem Cover
Der Comedian und der Priester
tuscheln derweil über Pädophilie
und sind sich erstaunlich einig
Das ist im besten Fall auch nur Comedy
Sie diskutieren mit eitlem Gewese
zwei Stunden lang ein Loch in jeden Käse
Sie wissen nicht wo Anatolien liegt
aber sie schwafeln über Kurden
Viel mehr jedoch würde mich interessieren
wie wir eigentlich zu Barbaren wurden
Ein energischer Herr von der CSU
ist auch noch da und stimmt allem zu
bis auf der Sache mit den Kurden
- Ich weiß jetzt wie wir zu Barbaren wurden
Der Löwe
Der Löwe aus Stein vor dem Rathausportal
sah hinab auf die Stadt am Tag vor der Wahl
und wünschte sich von den ehrbaren Greisen
zum Abendmahl ein paar zu verspeisen
Denn er hatte sie schon vor Jahren gesehn
mit den Hakenkreuzfahnen am Festplatz stehn
jene die heute mit schneeweißen Haaren
beteuern wie ahnungslos sie damals waren
Nun klopfen sie Schultern – nun schütteln sie Hände
die Herren der Lüge – die Meister der Wende
und jeder achtet sie und mag sie gern
denn Serbien ist nahe aber Belsen ist fern
Der Löwe aus Stein vor dem Rathausportal
sah in Gesichter voll Angst und voll Qual
er erlebte das Grauen hier zur Genüge
den Gestank, die Schreie, das Pfeifen der Züge
Er kannte die Opfer und zählte die Leichen
sah die Wahrheit schnell der Bequemlichkeit weichen
und die Henker werfen sich noch in die Brust
und sagen sie hätten von gar nichts gewusst
In Amt und Würden die Folterknechte
pochen woanders auf Menschenrechte
und jeder achtet sie und mag sie gern
der Irak ist nahe aber Dachau ist fern
Der Löwe aus Stein vor dem Rathausportal
sah hinab auf die Stadt am Tag vor der Wahl
und mahnte die Hüter der Demokratie :
Ein System könnt ihr wechseln – Menschen ändert ihr nie
Abstand
Einst hielten sie sich an den Händen
in dem Glauben dass nichts sie je trennt
damit hat es längst sein Bewenden
sie wurden mit den Jahren sich fremd
Sie halten sich fest an so vielem
nur einander halten sie nicht
nichts blieb von den starken Gefühlen
und die Liebe erlosch wie ein Licht
Heut halten sie sorgsam den Abstand ein
um die Grenzen zu respektieren
Könnte es noch einmal wie früher sein?
Sie scheuen sich es zu probieren
Sie halten sich auf, sie halten sich ab
sie halten sich an stumme Verträge
so werden sie es halten bis in ihr Grab
sie kennen halt keine anderen Wege
Ich hab ein Problem
Ich hab ein Problem
ich will es gar nicht bestreiten
mit Unterwürfigkeit
und mit Obrigkeiten
Sturmzeit
Jeder deiner Sätze fängt mit „Vielleicht“ an
Die Welt dreht sich weiter und alles um dich
Die Kids tragen T-Shirts mit deinem Gesicht drauf
Dein Manager poppt Zwillinge unter dem Tisch
Der Chor deiner Fans gratuliert a-capella
Die Videowand wirft dich quer durch den Raum
Ich glaub wenn ich viel trinke dann sterbe ich schneller
oder erwache aus diesem Traum
Es ist Sturmzeit Baby, das wollt ich dir sagen
nur Narren gehen so spät aus dem Haus
Mir schlägt diese Party und noch viel mehr auf den Magen
mach dir nichts draus, ich kotz mich nur aus
Dein Guru aus Tibet jongliert mit Bouletten
Fünf halbnackte Mädchen rennen über den Flur
Wer kann mich vor deinem Erfolg jetzt noch retten?
Ein Schuss in den Kopf oder Mutter Natur
Dein Stylist schnupft Koks mit deinem Dackel
sie haben ohnehin schon die gleiche Frisur
und wenn mich irgendwer fragend anschaut
sag ich: „Verzeihung ich bin es nur“
Es ist Sturmzeit Baby, das solltest du wissen
nur Narren gehen so spät aus dem Haus
Ich wollte dich schlagen und ich wollte dich küssen
aber inzwischen will ich nur noch hier raus
Groupies und Bodyguards wohin ich auch schaue
einige tanzen barfuss im Kartoffelsalat
in allen Ecken wird gelacht und gesoffen
und auf den Sitzmöbeln wird sich eifrig gepaart
Es ist Sturmzeit Baby, das wollt ich dir sagen
nur Narren gehen so spät aus dem Haus
Mir schlägt diese Party und noch viel mehr auf den Magen
mach dir nichts draus, ich kotz mich nur aus
Es ist Sturmzeit Baby, das solltest du wissen
nur Narren gehen so spät aus dem Haus
Ich wollte dich schlagen und ich wollte dich küssen
aber inzwischen will ich nur noch hier raus
Niemands Herr und niemands Knecht
Ein paar Münzen im Beutel
die Stiefel geschnürt
die steife Brise von vorne gespürt
teilt er sein Brot
mit dem ärmsten Hund
- der Vagabund
Die Straße ist weit - die Erde ist rund
ein Lächeln spielt um seinen Mund
wenn er sagt:
Niemands Herr und niemands Knecht
das ist mein Recht
Bruderlos auf dieser Erde
Gefährte des Windes
kein Schaf in der Herde
teilt er sein Brot
mit dem ärmsten Hund
- der Vagabund
Die Straße ist weit und schlägt seine Stund
spielt ein Lächeln um seinen Mund
wenn er sagt:
Niemands Herr und niemands Knecht
das war mein Recht
Freaky Freitag
Die Tochter vom Boss lächelt mich an
dabei hab ich nichts ausgefressen
und natürlich kenn ich sie gut genug
ihre Unterwäsche hat sie vergessen
Das sind die Tage wo ich mich frag
wie viel Irrsinn kann man ertragen?
und wenn sie fragt ob ich sie will
werd ich nur Unverfängliches sagen
Die Musicbox ist beinah im Arsch
mal muss man sie streicheln, mal treten
da ist sie völlig anders als ich
ich werd nicht gern um etwas gebeten
Freaky Freitag du gibst mir den Rest
ich kam her um abzuschalten
doch es endet wie immer und ich lerne nie
mein dummes Maul auch nur einmal zu halten
Bridget gibt ihren Bruder im Kids-Club ab
und qualmt heimlich auf der Toilette
ich weiß dass sie denkt ich hätte es drauf
dass ich komme und dass ich sie rette
Es liegt so ein Nebel über Stadt
der wird sich sobald nicht mehr lichten
wer hier lebt der wird nie Geschichte schreiben
der wird vermutlich nicht mal davon berichten
Die Musicbox ist beinah im Arsch
mal muss man sie streicheln, mal treten
da ist sie völlig anders als ich
ich werd nicht gern um etwas gebeten
Freaky Freitag du gibst mir den Rest
ich kam her um abzuschalten
doch es endet wie immer und ich lerne nie
mein dummes Maul auch nur einmal zu halten
Die Lohntüte leer
ich fast schon voll
das nennt man Leben
ist Leben nicht toll?
Freaky Freitag du gibst mir den Rest
ich kam her um abzuschalten
doch es endet wie immer und ich lerne nie
mein dummes Maul auch nur einmal zu halten
Tequila Sunset
„Ein totes Pferd trägt dich nicht weit“
sagte der Mann mit dem Poncho zu mir
„und an heiligen Orten wie diesen
hält man nicht viel von Fremden wie Dir“
Ich fragte: „Hast Du eine Kippe, Amigo
und eine Ahnung wo ich hier bin
denn wenn ich das wüsste ergäb Dein Geschwafel
mit Sicherheit auch etwas mehr Sinn“
Er sagte: „Du bist da wo sie Gringos hassen
und Erinnerungen sterben anstatt zu verblassen
Du bist am Ende des Weges und Rande der Nacht
und Dein westlicher Gott hat hier keine Macht“
Wer hier stirbt stirbt nicht leicht
wer hier stirbt der stirbt lange
denn die Hitze des Tages
brennt wie das Gift einer Schlange
Doch was nicht jeder weiß
was kaum jemand bedacht
tödlich in der Wüste
ist auch die Kälte der Nacht
Ich sagte: „Mir ist gleich
woran ich verrecke
ich hätte lieber Tequila
anstatt eine Decke“
Und er lachte boshaft:
Was immer Dir auch gefällt
Lieber als Dein Leben
ist mir Dein Geld“
Er sagte: „Du bist da wo sie alle bluten
die Schlechten nicht weniger als die Guten
Du bist am Ende des Weges und Rande der Nacht
und Dein westlicher Gott hat hier keine Macht“
Wer hier stirbt stirbt nicht leicht
wer hier stirbt der stirbt lange
denn die Hitze des Tages
brennt wie das Gift einer Schlange
Doch was nicht jeder weiß
was kaum jemand bedacht
tödlich in der Wüste
ist auch die Kälte der Nacht
Hammerhai
Hämmert dir ein Hammerhai
beim Tauchen auf die Zehen
denk dir einfach nichts dabei
und tu als sei nichts geschehen
Betrunkene katholische Knaben
Sie stehen stramm vor der Fahne und reden von Ehre
als wenn der Krieg ein Kinderspiel wäre
der Priester verteilt seinen Segen reich
nur die winkenden Mütter sind etwas bleich
als der Flugzeugträger den Hafen verläßt
halten sie an den stolzen Vätern sich fest
Mit dreißig Knoten der Sonne entgegen
begeben sie sich in ein anderes Leben
das ist es wozu sie die Jungen erziehn
den Glauben an Gott und Disziplin
und beim allerletzten Urlaub an Land
sahn sie nicht daß der Tod schon bei ihnen stand
Ich frage mich welche Zukunft sie haben
die betrunkenen katholischen Knaben
heute sollen sie ihren Einstand begießen
und morgen dann auf Menschen schießen
Treueschwur, Fahneneid, Corpsgeist, Appelle
sie scheinen gerüstet für alle Fälle
sie sind bibelfest doch sie fragen sich nicht
ob Gewalt dem Geist Christi entspricht
sie ölen die Knarren, sie schärfen die Messer
und verdammt noch mal ja, sie wissen es nicht besser
Ich weiß dass sie keine Zukunft mehr haben
die betrunkenen katholischen Knaben
und wenn sie morgen ihr Leben verlieren
liegt das an Eltern, Priestern und Offizieren
Wer seine Kinder liebt
bedenkt sie mit anderen Gaben
adieu
ihr armen katholischen Knaben