Poems for no one

 

Die Band heißt „Poems for Laila“

noch nie was von denen gehört

doch der originelle Name

ist mir drei Euro neunzig wert

Ich hör die CD am Computer

Mein Fazit lautet: Na ja

Ich glaube, wär ich diese Laila

wäre ich längst nicht mehr da

 

Sie hatten sogar einen Major-Deal

bei Polydor und Tim Renner

der Kerl ist mir höchst sympathisch

und was Musik angeht ein echter Kenner

Er zieht dieses Jahr in den Wahlkampf

vielleicht schaut er ja mal vorbei

er kandidiert in meinem Bezirk

doch ich wähl die Tierschutzpartei

 

Da bekommen alle gleich einen Hals

wenn ich ihnen davon erzähle

dabei ist es doch mein eigenes Ding

wem ich trau und wen ich wähle

Tiere sind Lebewesen

wird Zeit dass es jeder checkt

keine Legebatterien, keine Tierversuche

behandelt sie mit Respekt

 

Schaue ich aus meinem Fenster

seh ich den Fitness-Club gegenüber

da machen sie ständig Tai Chi

etwas leiseres wäre mir lieber

Die Trainerin schreit Kommandos

als bilde sie Navy Seals aus

vor Schreck steh selbst ich manchmal stramm

und spende ihr dafür Applaus

 

Ich müsste auch mal trainieren

für die Muskeln und gegen den Bauch

ich spiel Fußball auf der Playstation

im Zweifel tut es das ja auch

Da ich keine Laila kenne

(mein Freundeskreis ist beschränkt)

hab ich „Poems for Laila“

einer Kollegin geschenkt

 

 

 

 

 Was macht eigentlich Klaus?

 

Lang nicht gesehen

und doch wiedererkannt

Samstag auf dem Markt

am Käsestand

Ein verlegenes Lächeln

„Du, ich muss nach Haus

es ist schon spät

und was macht eigentlich Klaus?“

 

Zehn Jahre früher

zu dritt auf Gomera

fiel das Lügen uns leichter

und der Abschied viel schwerer

 

Die ersten Falten

und schon etwas mehr Bauch

ich weiß du denkst an früher

und weißt ich tu es auch

Doch weil es keinem hilft

sprechen wir es nicht aus

„Es ist zu spät

und was macht eigentlich Klaus “

 

Zehn Jahre früher

zu dritt auf Gomera

fiel das Lügen uns leichter

und der Abschied viel schwerer

 

Ob er etwas ahnte

machte es ihm was aus

hat er uns verziehen

„Wie geht es eigentlich Klaus?“

 

 

 

 

 Ich bin auch nur was ich tu

 

Das Zimmer fragt nach helleren Tapeten

der Fiskus bittet um ein Rendezvous

der Rotbarsch klappert albern mit den Gräten

und ich bin auch nur was ich tu

 

Der Regen drückt sich heftig an die Scheiben

die Cola stürzt sich mutig in den Gin

ein Blatt Papier ließe sich gern beschreiben

und ich weiß auch nicht wirklich wer ich bin

 

Der Fensehpastor tröstet alle Seelen

nur meine passt noch immer nicht dazu

ich würde gerne einem Menschen fehlen

und wünschte so sehr dieser Mensch wärst du

 

 

 

 

 Was ich dir hinterlasse

 

Was ich dir hinterlasse

wenn ich mal nicht mehr bin

sind Worte, nichts als Worte

find du darin die Sinn

 

Find Trost darin und Liebe

denn lieg ich erst im Grab

sind diese Worte alles

was ich noch für dich hab

 

 

 

 

 Sonderporto für Abschiedsbriefe

 

Sonderporto für Abschiedsbriefe

das wäre ein echt cooler Trend

tiefschwarze Marken mit Sensenmännern

dass man die Briefe als solche erkennt

 

Dann könnte man sich vorher entscheiden

Lieber gleich öffnen oder noch etwas leiden

Damit ich solch Porto nicht zahlen muss

mach ich immer per SMS Schluss

 

 

 

 

 Es glühen die Kessel

 

Es glühen die Kessel. Es sprühen die Funken.

Deutsche Waffen aus deutschem Stahl.

Es profitieren die bekannten Halunken.

Und das auch noch nach der nächsten Wahl.

 

Und der Wahl danach und der Wahl danach auch.

Und der Wahl in zehntausend Jahren.

Das ist hier Usus, das ist hier Brauch.

Darüber ist sich jeder im Klaren.

 

Politiker, Waffenhändler und Schieber.

Alle kommen auf ihre Kosten.

Deshalb sorgen die gewissenlosen Betrüger

dafür dass die Kessel nie rosten.

 

Ein Freudenfeuer liegt im Funkenflug.

Ein Versprechen von Macht und Moneten.

Davon bekommen sie niemals genug.

Doch genau dafür sollte man beten.

 

 

 

 

 Nachts auf dem Dach

 

Heut Nacht wurde ich plötzlich wach

und sah zwei Menschen auf dem Dach

die standen da ganz dicht am Rand

völlig romantisch Hand in Hand

 

Ich dachte mir: Die wollen springen

da sollte man was Schönes singen

was ihnen in so einer Nacht

das Springen angenehmer macht

 

Das ist nicht edel, sondern Pflicht

nur singen kann ich leider nicht

doch hab ich mich nicht lang geziert

sondern Gedichte rezitiert

 

Die eigenen. Das ist doch klar.

Und staunend lauschte mir das Paar.

Bevor es sprang. Ich dachte nur:

Wer schätzt heut noch Literatur?

 

 

 

 

 Radoslav B. am Tage seines Todes

 

Die Augen sind mir müde

ich seh nicht dein Gesicht

sieh du für mich den Morgen

sieh du für mich das Licht

 

Und wenn die Schwalben fliegen

an einem Sommertag

erinner du dich doch für mich

wie lange ich hier lag

auf Stroh und Stein gebettet

die Wunden voll von Sand

den Fuß stets angekettet

an diese kalte Wand

 

Mein Henker kommt am Morgen

erlöst mich von dem Leid

den Schlägen und den Tritten

und der gestohlnen Zeit

 

Und wenn die Schwalben fliegen

über das weite Meer

wird hier ein andrer liegen

liebe auch ihn so sehr

sprich Mut ihm zu und Hoffnung

an diesem dunklen Ort

denn außer unsrem Glauben

nahm man uns alles fort

 

Das Recht auf unsre Würde

das Recht ein Mensch zu sein

und nur der Tod – mein Freund du weißt –

kann meine Seele noch befrein

 

Die Augen sind mir müde

ich seh nicht dein Gesicht

sieh du für mich den Morgen

sieh du für mich das Licht

 

 

 

 

 Mädchen vom Feld

 

Man kann sich mit vielem den Tag versauen

man nehme zum Beispiel die Deutsche Bahn

da kann man stundenlang aus dem Fenster schauen

ohne auch nur einen Kilometer zu fahrn

 

Setzt sich der Zug schließlich mal in Bewegung

- was, wie man mir sagte, ab und an doch geschieht -

betrachtet man gelangweilt oder mit Erregung

jede Reisende die man dann dort so sieht

 

Man begegnet einer Menge vornehmer Damen

die sind ausnahmslos sehr modisch gekleidet

und tragen bisweilen ein „von“ im Namen

was sie von anderen sehr unterscheidet

 

Solche spreche nicht offen über ihre Gelüste

die werden manchmal von Blicken schon rot

dann heben und senken sich ihre Brüste

ich kannte mal eine die schämte sich tot

 

Man hat nicht viel von solch einer Bekanntschaft

selbst wenn sie mitunter den Augen gefällt

besser man späht hinaus in die Landschaft

und schaue nach den Mädchen draußen auf dem Feld

 

Die laufen barfuß in der strahlenden Sonne

und haben ein Lächeln in ihrem Gesicht

für die ist das Leben Freude und Wonne

und die schämen sich auch ihrer Wünsche nicht

 

Strebt man daher nach einer schnellen Romanze

so beachte man nicht die Damen von Welt

die sind verstockt hinter dem feinen Glanze

besser hat man es mit den Mädchen vom Feld

 

 

 

 

 Grinsen, Frankie, grinsen

 

Blaulicht im Rotlichtviertel

Stillstand im Nahverkehr

Wir wollten nach St.Pauli

Doch das will uns nicht mehr

 

Mit zwanzig war es super

mit dreißig noch okay

Am nächsten Tag der Kater

tut heut doppelt so weh

 

Grinsen, Frankie, grinsen

Mal wieder abgebrannt

Kein Geld für Sprit und Fluppen

und Stress am Taxistand

 

Wir haben keiner Fliege

jemals etwas getan

doch die Welt geht vor die Hunde

selbst Maria lebt vegan

 

Sie kann uns nicht mehr leiden

dabei weiß sie genau

die Katze lässt das Mausen nicht

und nachts sind alle Katzen grau

 

Grinsen, Frankie, grinsen,

das ist so eine Nacht

aber wir haben schließlich

schon ganz andres mitgemacht

 

Wieder mal die Daumen raus

und die Nasen in den Wind

wir sind nicht was sie glauben

wir sind nur was wir sind

 

 

 

 

 Ein Schiff legt ab

 

Ein Schiff legt ab. Ein Mädchen winkt.

Man kennt das zur Genüge.

Es ist egal worauf man trinkt.

Es bleibt doch eine Lüge.

 

Der Skipper fordert ein „Ahoi!“

sobald die Wellen tosen.

Der See allein nur war er treu.

So wie seine Matrosen.

 

Ein Schiff legt ab. Ein Mädchen winkt.

Schon wartet der Atlantik.

Wenn es nicht heimkommt sondern sinkt

dann ist das auch Romantik.

 

 

 

 

 Streichen Sie das besser aus dem Protokoll

 

Herr Ankläger, ich bitte Sie,

das ist doch lächerlich.

Und das soll nun ein Rechtsstaat sein?

Weiß Gott, ich schäme mich.

Das ist nur Zeitverschwendung

frisst Steuergelder auf

Solche wie meinen Mandanten

gab es doch zuhauf

 

Er kann sich nicht erinnern

was wohl keinen verwundert

sehn Sie sich ihn doch an

er ist beinah einhundert

Das alles ist schon so lang her

Was soll die Litanei?

So lang man nichts beweisen kann

war er nicht dabei.

 

Und schließlich war nicht alles schlimm

Manches war sogar toll

Entschuldigung, streichen Sie das

besser aus dem Protokoll

 

Was sollte man denn machen?

Wer hat sich was getraut?

Es ging ja letzten Endes

auch um die eigne Haut.

Was den Menschen dort geschah

ist wirklich unaussprechlich

Und mein Mandant ist nicht nur alt

sondern auch sehr gebrechlich

 

Wenn er sich erinnern könnte

fühlte er sich wohl elendig

doch wenn er ins Gefängnis muss

macht dies keinen lebendig

Wo bitte sind die Zeugen denn?

Die mit den Fingern zeigen?

Was kann denn mein Mandant dafür

dass Tote schweigen?

 

Und schließlich war nicht alles schlimm

Manches war sogar toll

Entschuldigung, streichen Sie das

besser aus dem Protokoll

 

 

 

 

 Gießen

 

Ich bitte Sie freundlichst bleiben Sie ruhig

ich müsste Sie sonst leider erschießen

sagt der Bankräuber und ich denke

So höfliche Menschen gibt es doch nur in Gießen

 

 

 

 

 Die Prinzessin von nebenan

 

Sie wohnt nicht in einem Märchenschloss

sondern im Plattenbau

hat keine goldne Krone auf

sondern ist oft schon mittags blau

Sie hat auch keine Kutsche

vor der zehn Pferde laufen

sie nimmt ihr altes Fahrrad

um bei „Lidl“ einzukaufen

 

Kein Ritter steigt vom edlen Ross

um ihr Herz zu rauben

ihr Fernseher läuft immerzu

und sie hat müde Augen

sie hat so müde Augen

 

Die Prinzessin von nebenan

sucht keinen Prinzen – sie sucht einen Mann

keinen der ihr das Blaue vom Himmel verspricht

sondern der ihr nur sagt: Ich verlasse dich nicht

Die Prinzessin von nebenan

kämpft sich durchs Leben so gut sie kann

ohne Job, ohne Zukunft und ohne Halt

dabei ist sie erst knapp neunzehn Jahre alt

 

Sie lebt nicht in einem Märchenland

sondern in Friedrichshain

hat keinen Hofstaat der ihr folgt

sondern ist meistens ganz allein

Sie kennt auch keine Feen

die ihr was gutes wollen

und ihre Träume sind schon lang

im Häusermeer verschollen

 

Kein Wunder stellt sich jemals ein

und sie verliert den Glauben

dass sich je etwas ändern wird

und sie hat müde Augen

sie hat so müde Augen

 

Die Prinzessin von nebenan

sucht keinen Prinzen – sie sucht einen Mann

keinen der ihr das Blaue vom Himmel verspricht

sondern der ihr nur sagt: Ich verlasse dich nicht

Die Prinzessin von nebenan

kämpft sich durchs Leben so gut sie kann

ohne Job, ohne Zukunft und ohne Halt

dabei ist sie erst knapp neunzehn Jahre alt

 

 

 

 

 B7

 

Jana spült die Gläser

es ist erst kurz nach vier

außer mir und Einbein-Erwin

ist weiter keiner hier

Er erzählt seit 10 Minuten

immer den gleichen Witz

Jana rollt mit den Augen

ich werf Münzen in den Schlitz

 

Drück B7 und die Jukebox explodiert

alle sterben bevor jemand es kapiert

es gibt einen lauten Knall

unsre Asche fliegt ins All

ich wart schon lang darauf dass es passiert

 

Da war Feuer über Dresden

mein Großvater war da

er wurde niemals müde

zu berichten was er sah

Manche sind der Meinung

er hätte den Verstand verloren

er sah Marmorengel weinen

das hat er mir geschworen

 

Drück B7 und die Jukebox explodiert

alle sterben bevor jemand es kapiert

es gibt einen lauten Knall

unsre Asche fliegt ins All

ich wart schon lang darauf dass es passiert

 

Jana ist leicht panisch

ein Touristenpulk aus Schweden

möchte sich besaufen

doch kann nicht verständlich reden

Einbein-Erwin kippt vom Hocker

vor Schreck pisst er sich ein

manche Party kann dich töten

ich hoffe das wird so eine sein

 

Drück B7 und die Jukebox explodiert

alle sterben bevor jemand es kapiert

es gibt einen lauten Knall

unsre Asche fliegt ins All

ich wart schon lang darauf dass es passiert

 

 

 

 

 Identität

 

Vor dem Fenster Sonne

in den Augen Schnee

Antidepressiva

und Kamillentee

Hier kann ich nicht bleiben

schon morgens ist es spät

ich hab keine Ahnung

wohin die Welt sich dreht

 

Alle stellen Fragen

nach meinem Gemüt

Türen haben Augen

und der Teppich blüht

Hier will ich nicht leben

schon atmen fällt mir schwer

ich hab keine Ahnung

wo es besser wär

 

Draußen herrscht ein König

der von mir nichts weiß

er treibt seine Hunde

keuchend übers Eis

Wenn er einmal tot ist

wird es ewig Nacht

und wir werden wünschen

wir wären nie erwacht

 

 

 

 

 Orchideen

 

Das Jahr verblüht auf seine eigne Weise

fast unbemerkt, so wie es immer war

es regt ein Widerwillen sich nur leise

denn jedem alten folgt ein neues Jahr

 

Dabei sollten wir Menschen doch wohl wissen

kostbar ist jedes Jahr und jeder Tag

wenn wir vom Leben uns erst trennen müssen

scheint Zeit uns nicht mehr als ein Wimpernschlag

 

Dass Orchideen uns überstehn

und ewig blühn – es wäre schön

Ich werd nie müd dich anzusehn

vielleicht sind wir ja Orchideen

 

Die Wissenschaft strebt nach einer Erklärung

die Religion hält sich am Glauben fest

Verstand jedoch ist nicht die rechte Währung

mit der ein Wunder sich erwerben lässt

 

Es liegt kein Sinn im Klagen und im Trauern

das stete Wasser höhlt den stärksten Stein

wir müssen um uns selbst zu überdauern

mehr als die Summe unsrer Träume sein

 

Dass Orchideen uns überstehn

und ewig blühn – es wäre schön

Ich werd nie müd dich anzusehn

vielleicht sind wir ja Orchideen

 

 

 

 

 Langsame Helden

 

Wir stoßen uns wund an alltäglichen Dingen

die uns im Regelfall furchtbar misslingen

wir greifen das Wort auf das andre verloren

und haben uns pünktliches Frühstück geschworen

 

Wir schleichen ums Glück wie trächtige Katzen

und blähn uns wie Airbags bis wir irgendwann platzen

 

Dies ist keine Zeit für langsame Helden

der Sommer ist tot und wir tanzen auf Glas

wir holen viel nach – Abitur und Affären

und haben davon mehr Bauchweh als Spaß

Dies ist nicht der Ort für schiere Verzweiflung

der Zeitgeist verlangt einen mutigen Blick

dies ist keine Zeit für langsame Helden

sie wirft uns beide um Jahre zurück

 

Wir suchen nach Halt in stilsicheren Phrasen

die wir was weiß ich wo mal hörten – mal lasen

wir putzen uns raus zum eignen Begräbnis

und protzen dann nachher: Was für ein Erlebnis

 

Wir jubeln uns hoch nur um zu erleben

dass da nichts mehr ist was wir uns noch geben

 

Dies ist keine Zeit für langsame Helden

der Sommer ist tot und wir tanzen auf Glas

wir holen viel nach – Abitur und Affären

und haben davon mehr Bauchweh als Spaß

Dies ist nicht der Ort für schiere Verzweiflung

der Zeitgeist verlangt einen mutigen Blick

dies ist keine Zeit für langsame Helden

sie wirft uns beide um Jahre zurück

 

Dies ist keine Zeit für langsame Helden

sie wirft uns beide um Jahre zurück

 

 

 

 

 Mein Ringelnatz

 

Ich saß auf einer Wiese

und schrieb dort ein Gedicht

es war für Anneliese

doch die verstand es nicht

 

Ich warf es in die Oder

oder einen Nebenfluss

trank einen Becher Soda

und schrie: Ich mache Schluss

 

Da sprangst du mit ins Wasser

mit traurigem Gesicht

und hauchtest – merklich blasser –

Ich liebe dein Gedicht

 

Und unten bei den Fischen

war für uns reichlich Platz

hörte dich blubbernd zischen:

Mein süßer Ringelnatz

 

 

 

 

 Jenseits des Glockenschlags

 

Man nennt diesen Ort: Vornehme Gegend.

Vor zehn Jahren war das sicher wahr.

Damals war die Welt noch sehr bewegend.

Heute ist sie nur noch ein Basar.

Träume werden billig feilgeboten.

Unterm Schleier liegt ein fernes Land.

Manche sprechen ständig mit den Toten.

Andre fressen Priestern aus der Hand.

 

Menschenköpfe neigen sich gen Mekka.

Und die gute alte Sonne sticht.

Ich geh lieber erst einmal zum Bäcker.

Und bin froh: Der Bursche betet nicht.

 

Jenseits des Glockenschlags ist nur noch Stille.

Ich seh wie sich die Menschenmenge teilt.

Bis zuletzt bleibt uns der freie Wille.

Ganz gleich welch Los auch immer uns ereilt.

 

Im Parlament sitzen die Spekulanten

und schachern wild um eines Volkes Seele.

Sie waren da als manche Bücher brannten.

Nur frag ich mich, wem ich das noch erzähle.

Die Jugend treibt betäubt in das Fatale

Der Rest steht mit dem Rücken an der Wand.

Keine Identität und Ideale.

Ein schwerer Sturm fegt übers Heimatland.

 

Der Wahnsinn hat inzwischen schon Methode.

Die forschen Stiefel üben ihren Schritt.

Der Zeitgeist klüngelt eifrig mit der Mode.

Und alle Dummen machen fröhlich mit.

 

Jenseits des Glockenschlags ist nur noch Trauer.

Ein Brandmal das niemals so ganz verheilt.

Die Menschheit wächst aber sie wird nicht schlauer.

Und sie verdient das Los das sie ereilt.

 

 

 

 

 Fritten

 

Die Fritten baden fröhlich im Fett

Der Hund hat sein Futter erbrochen

Mutter singt mit dem Radio im Duett

Vater ist Zigaretten holen seit Wochen

 

Das Baby ist vollgekackt bis zum Hals

Der Opa stopft seine Pfeife

Die Fritten freuen sich auf das Salz

Die Töchter duften nach Seife

 

Sie teilen sich das Baby und auch den Mann

Irgendjemand muss sie schließlich versorgen

Und auch wenn er das heute noch nicht kann

vielleicht kann er es ja morgen

 

In den Fabriken gibt es Arbeit genug

doch dafür ist der Herr sich zu fein

Er macht lieber Geschäfte nah am Betrug

doch viel bringen die auch nicht ein

 

Auf dem Fensterbrett glucksen die Tauben

verlangend nach einem Stück Brot

Sie sind die einzigen die noch an etwas glauben

Im Hof stinkt es nach Abfall und Tod

 

Die Polizei hat nach Vater gefragt

Darauf konnte man irgendwie wetten

Natürlich hat niemand ein Wort gesagt

Der ist ohnehin nicht zu retten

 

Das Baby spuckt den Brei durchs Zimmer

Es lässt sich eben gern bitten

Mutter sagt dann wie immer:

Der Schreihals will Fritten

 

 

 

 

 Der Zeitvogel

 

Eine Klinik am Stadtrand

geschlossener Raum

und der Arzt sagt zu Kim:

"Erzähl von dem Traum"

Sie sieht durch ihn durch

und weiß nicht was er meint

denn es ist kein Traum

wenn der Schatten erscheint

 

Das Flügelschlagen

das langsamer wird

wenn es sich in ihre Seele verirrt

 

Und sie schaut zu dem Mann

der davon nichts weiß

schließt ihre Augen

und flüstert ganz leis:

 

"Der Zeitvogel stirbt

es wird kalt auf der Welt

wenn sein Leib aus den Wolken

zu uns runterfällt

Der Zeitvogel stirbt

ich spür seinen Schmerz

sein Atem ist flach

und ich hör kaum sein Herz"

 

Der Arzt gibt ihr Spritzen

und tröstet wie immer

"Keine Angst kleine Kim

es wird nicht mehr schlimmer

Wir erhöhen die Dosis

um null Komma zehn

bald bist du geheilt

kein Problem - du wirst sehn"

 

Das Flügelschlagen

vor seinem Gesicht

ist laut genug doch er hört es nicht

 

Und Kim sieht ihm an

ihm ist alles egal

doch bevor sie einschläft

sagt sie noch einmal:

 

"Der Zeitvogel stirbt

es wird kalt auf der Welt

wenn sein Leib aus den Wolken

zu uns runterfällt

Der Zeitvogel stirbt

ich spür seinen Schmerz

sein Atem ist flach

und ich hör kaum sein Herz"

 

 

 

 

 Neigung

 

Ich habe mich dir zugeneigt

ein Baum mit harter Rinde

doch dir hab ich mich weich gezeigt

du sahst den Narr – das Kinde

 

Ich habe mich für dich verrenkt

ein Baum mit starken Ästen

für dich hab ich mich leicht verschenkt

tat es zu deinem Besten

 

Ich habe mich für dich gebeugt

ein Baum mit graden Zweigen

von Liebe hat mein Sein gezeugt

so wollt ich mich dir zeigen

 

Ich hab mich dir zugeneigt

ein Baum mit harter Rinde

du hast mir was ich bin gezeigt

nämlich ein Blatt im Winde

 

 

 

 

 Eine Straße die Freiheit heißt

 

Eine Straße die Freiheit heißt

stehn lauter Nutten drauf rum

hat das nun was zu bedeuten

ist das genial oder dumm?

 

Man könnte doch auch zum Beispiel

da eine Schule errichten

oder eine Deponie

wo sie Raketen vernichten

 

Oder ein Museum

für Uschi Obermaier

ich meine: Hallo Uschi

wann war die Liebe je freier?

 

Man könnte Blumen da pflanzen

und sie am besten auch gießen

oder den Bundestag

dort kurzerhand erschießen

 

Eine Straße die Freiheit heißt

da fällt mir so vieles ein

aber Nutten, Mensch, Nutten

das muss nun wirklich nicht sein

 

 

 

 

 Mit der Hand an der Waffe

 

Harald B. war vierundvierzig

und Versicherungsvertreter

das Geschäft lief nicht sehr rosig

abends wurde es oft später

Die Kredite wuchsen ständig

durch die Zinsen auf das Haus

und er sah an manchen Tagen

fast wie achtundachtzig aus

 

Seine Frau war sehr viel jünger

und sie wollte was erleben

etwas von dem süßen Leben

doch das konnt er ihr nie geben

Also zog sie los mit Kerlen

die so alt warn wie sein Sohn

und er hockte ganz verzweifelt

nächtelang vorm Telefon

 

Als der Umsatz nicht mehr stimmte

wurde Harald B. entlassen

und entdeckte dass es leicht ist

Gott und diese Welt zu hassen

Wenn man abgebrannt und down ist

alle über einen lachen

wird es Zeit für einen Schlussstrich

muss man etwas anders machen

 

Harald B. war vierundvierzig

und zu lange Fußabtreter

wer ein Leben lang sein Maul hält

wird vom Opfer leicht zum Täter

Seine Frau stand in der Haustür

sagte ihm: „Ich lass mich scheiden“

und da brachen alle Dämme

er wollte nicht länger leiden

 

Mit der Hand an der Waffe

saß er achtundvierzig Stunden

auf dem Boden vor der Leiche

dann hat ihn sein Sohn gefunden

Und mit starrem Blick nach unten

sagte er: „Du musst verstehn

ich tat alles nur für sie

und da kann sie doch nicht gehn“

 

 

 

 

 Brügge

 

Annemarie du wirst allmählich flügge

du siehst beinahe schon zum Naschen aus

dich zieht es diesen Sommer wohl nach Brügge

ich bleib – wie immer – hier, also zu Haus

 

Ich sollte dich nun wohl vor Brügge warnen

selbst wenn dich dieser Rat vielleicht verstört

man zählt ein Kind wie dich dort zu den Damen

man hat von Brügge einiges gehört

 

Sie schmeicheln dort mit wüsten Komplimenten

verdrehen jungen Mädchen schnell den Kopf

und geizen später mit den Alimenten

ich hoffe du hast Grips unter dem Schopf

 

Du könntest diesem Schicksal wohl entrinnen

wenn du mit mir jetzt…..ganz egal wohin

du würdest dabei einiges gewinnen

so selbstlos wie ich immer zu dir bin

 

Dann gingest du als Frau und nicht als Mädchen

und wenn dich dann ein übler Strolch verführt

sagst du: „Es gibt bereits in meinem Städtchen

jemanden der mich sehr intim berührt“

 

So würdest du den Sommer überstehen

und die Versuchung wär dir einerlei

und wenn wir uns im Herbst dann wiedersehen

wär Brügge längst vergessen und vorbei

 

 

 

 

 Inventur

 

Die Gegenwart macht Inventur.

Sie rechnet auf. Sie rechnet ab.

Die Menschheit gegen die Natur.

Da wird die Zukunft recht knapp

 

 

 

 

Domina Deluxe

 

Sie lebt First Class rund um die Uhr

Jet Set Madonna – Luxus pur

ihr Business ist von jener Art

wo man am großen Geld nicht spart

Deshalb ist sie auch niemals klamm

hat einen festen Kundenstamm

die Wirtschaftskrise war nie schlimmer

doch ihre Sparte die boomt immer

 

Sie hat ein breites Repertoire

von hart bis hin zu ganz bizarr

 

Domina Deluxe

sie kennt alle Tricks

krümmt dir Haut und Haar

für ihr Honorar

Domina Deluxe

Hüterin des Glücks

schlägt dich windelweich

in ihr Himmelreich

 

Bei ihr kommst du unter die Räder

für dich da trägt sie Lack und Leder

oder macht dir die Ordensschwester

und du winselst: Bitte noch fester

In ihrer Uniform bringt sie enorm

den schlaffsten Schlappmann noch in Form

dir wird vor Angst erst heiß dann kalt

wenn sie mit ihrer Peitsche knallt

 

Und ist dir diese Kur zu lax

gibt es ne Ladung Kerzenwachs

 

Domina Deluxe

sie kennt alle Tricks

krümmt dir Haut und Haar

für ihr Honorar

Domina Deluxe

Hüterin des Glücks

schlägt dich windelweich

in ihr Himmelreich

 

Manchmal da ignoriert sie dich

bis du bettelst: Bestrafe mich

und wenn du ihre Stiefel küsst

begreifst du dass du wertlos bist

Ihr Rohrstock fordert deinen Mund

du liegst in Ketten, bist ihr Hund

und sie kennt so verboten viele

sinnlich brutale Fesselspiele

 

Domina Deluxe

sie kennt alle Tricks

krümmt dir Haut und Haar

für ihr Honorar

Domina Deluxe

Hüterin des Glücks

schlägt dich windelweich

in ihr Himmelreich

 

 

 

 

 Der Gärtner

 

Die Farbe abgeblättert vom alten Herrschaftshaus

der Wind pfeift durch die Scheiben, das Dach sieht brüchig aus

Die Tür hängt in den Angeln, schwingt manchmal hin und her

und drinnen ist es dunkel, längst lebt dort niemand mehr

 

Der Garten ist verwildert, der Rasen nicht gemäht

doch oben auf dem Hügel da ist ein Rosenbeet

das immer noch gepflegt wird und frei von Moos und Sand

in all den langen Jahren den Winter überstand

 

Der Gärtner ist geblieben als die Lady schlafen ging

um die Rosen zu behüten, weil ihr Herz an ihnen hing

Der Gärtner ist geblieben, tut noch immer seine Pflicht

und es ist als lebt die Lady wenn er mit den Rosen spricht

 

Manchmal da quietscht die Schaukel, die an der Ulme hängt

dort hat der Lord der Lady den goldenen Ring geschenkt

und die Kapelle spielte in dieser Sommernacht

so war es niemals wieder doch er hat oft daran gedacht

 

Als dann der Krieg ins Land zog stand sie auf dem Balkon

und winkte den Soldaten, ihr Mann zog auch davon

Er kehrte niemals wieder in dieses Haus zurück

und wie die schöne Lady verfiel es Stück für Stück

 

Der Gärtner ist geblieben als die Lady schlafen ging

um die Rosen zu behüten weil ihr Herz an ihnen hing

Der Gärtner ist geblieben, tut noch immer seine Pflicht

und es ist als lebt die Lady wenn er mit den Rosen spricht

 

Vorbei die Zeit der Feste, erst ging das Personal

dann blieben auch die Freunde aus, der Lady war‘s egal

Das war nicht mehr die Welt, wie sie sie einst verstand

und in den letzten Stunden hielt der Gärtner ihre Hand

 

Sie sprach mit matter Stimme: „Was ist mit mir geschehn?

Du musst die Rosen pflegen, sie dürfen nicht vergehn

Und wenn mein Gatte heimkehrt dann grab die Schönste aus

und stell sie in sein Fenster, er liebt Rosen im Haus“

 

 

 

 

 Ganz der Alte

 

Ich glaub, ich wäre besser nicht gekommen

ich ahnte es schon in der Wohnungstür

hab damals von dir zu viel mitgenommen

sag darum oft: Ich kann doch nichts dafür

Du thronst noch immer wie ein fetter Kaiser

auf deinem Platz neben der Fensterbank

und sprichst auch keineswegs ein wenig leiser

dein Anblick macht mich immer noch ganz krank

 

Ganz der Alte

ganz der verbohrte Mann

dem sein Kind

nie etwas recht machen kann

ganz der kalte

herzlose, mürrische Greis

der von Liebe und Güte

nicht das mindeste weiß

ganz der Alte

 

Noch immer gewohnt harsch zu befehlen

noch immer der Herrscher in deinem Haus

noch immer gewillt alle boshaft zu quälen

doch die Untertanen gehen dir langsam aus

Nur die kleine Frau kann sich noch nicht wehren

und lernt es im Leben wohl nie dich zu hassen

meine eigene Scham ist leicht zu erklären

es war falsch sie mit dir hier alleine zu lassen

 

Ganz der Alte

ganz der verbohrte Mann

dem sein Kind

nie etwas recht machen kann

ganz der kalte

herzlose, mürrische Greis

der von Liebe und Güte

nicht das mindeste weiß

ganz der Alte

 

Ich glaub, ich wäre besser nicht gekommen

ich wusste es schon in der Wohnungstür

ich bin auch nur wegen Mutter gekommen

und nicht wegen dir

 

 

 

 

 Der Wegweiser ins Nichts

 

Am Feld parkt ein ratloser Wagen

dem geht schon die Ahnung voraus

in Kürze wird mich jemand fragen

nach Dorf, nach Hof oder Haus

 

Wir lieben es Fremde zu necken

auch wenn sie es selten verstehn

manche Leiche wird man entdecken

andre werden nie wieder gesehn

 

Der Städter nennt das wohl: Schändlich

Das ist absolut nicht korrekt

es ist provinziell oder ländlich

und wen kümmert schon wo er verreckt?

 

So hat halt jeder das Seine

und wer das nicht einsieht der büßt

ich lasse den Hund von der Leine

dass er mir die Gäste begrüßt

 

Das Moor schluckt ohne zu klagen

jeden den es dahin zieht

es wäre nicht falsch zu sagen

dies ist ein Naherholungsgebiet

 

 

 

 

 Wie wir zu Barbaren wurden

 

Die Dschungelcampschlampe

hält sich nicht für dämlich

philosophiert über Sex

und das einvernehmlich

mit dem katholischen Priester

dem die zarten Knaben

den letzten Saft aus den Lenden

gestohlen haben

 

Ein Comedian – schon abgehalftert

im besten Fall noch dritter Klasse

gibt auch noch gern seinen Senf dazu

denn beim Fernsehen macht man noch richtig Kasse

 

Sie diskutieren mit eitlem Gewese

zwei Stunden lang ein Loch in jeden Käse

Sie wissen nicht wo Anatolien liegt

aber sie schwafeln über Kurden

Viel mehr jedoch würde mich interessieren

wie wir eigentlich zu Barbaren wurden

 

Die Dschungelcampschlampe

hat seit dem heutigen Tag

- ach wie weltbewegend -

einen Buchvertrag

Wegen ihrer Grammatik-Allergie

schreibt das allerdings ihr Lover

Ist ja egal, Hauptsache sie zeigt

ihre Titten schön prall auf dem Cover

 

Der Comedian und der Priester

tuscheln derweil über Pädophilie

und sind sich erstaunlich einig

Das ist im besten Fall auch nur Comedy

 

Sie diskutieren mit eitlem Gewese

zwei Stunden lang ein Loch in jeden Käse

Sie wissen nicht wo Anatolien liegt

aber sie schwafeln über Kurden

Viel mehr jedoch würde mich interessieren

wie wir eigentlich zu Barbaren wurden

 

Ein energischer Herr von der CSU

ist auch noch da und stimmt allem zu

bis auf der Sache mit den Kurden

- Ich weiß jetzt wie wir zu Barbaren wurden

 

 

 

 

 Der Löwe

 

Der Löwe aus Stein vor dem Rathausportal

sah hinab auf die Stadt am Tag vor der Wahl

und wünschte sich von den ehrbaren Greisen

zum Abendmahl ein paar zu verspeisen

 

Denn er hatte sie schon vor Jahren gesehn

mit den Hakenkreuzfahnen am Festplatz stehn

jene die heute mit schneeweißen Haaren

beteuern wie ahnungslos sie damals waren

 

Nun klopfen sie Schultern – nun schütteln sie Hände

die Herren der Lüge – die Meister der Wende

und jeder achtet sie und mag sie gern

denn Serbien ist nahe aber Belsen ist fern

 

Der Löwe aus Stein vor dem Rathausportal

sah in Gesichter voll Angst und voll Qual

er erlebte das Grauen hier zur Genüge

den Gestank, die Schreie, das Pfeifen der Züge

 

Er kannte die Opfer und zählte die Leichen

sah die Wahrheit schnell der Bequemlichkeit weichen

und die Henker werfen sich noch in die Brust

und sagen sie hätten von gar nichts gewusst

 

In Amt und Würden die Folterknechte

pochen woanders auf Menschenrechte

und jeder achtet sie und mag sie gern

der Irak ist nahe aber Dachau ist fern

 

Der Löwe aus Stein vor dem Rathausportal

sah hinab auf die Stadt am Tag vor der Wahl

und mahnte die Hüter der Demokratie :

Ein System könnt ihr wechseln – Menschen ändert ihr nie

 

 

 

 

 Abstand

 

Einst hielten sie sich an den Händen

in dem Glauben dass nichts sie je trennt

damit hat es längst sein Bewenden

sie wurden mit den Jahren sich fremd

 

Sie halten sich fest an so vielem

nur einander halten sie nicht

nichts blieb von den starken Gefühlen

und die Liebe erlosch wie ein Licht

 

Heut halten sie sorgsam den Abstand ein

um die Grenzen zu respektieren

Könnte es noch einmal wie früher sein?

Sie scheuen sich es zu probieren

 

Sie halten sich auf, sie halten sich ab

sie halten sich an stumme Verträge

so werden sie es halten bis in ihr Grab

sie kennen halt keine anderen Wege

 

 

 

 

 Ich hab ein Problem

 

Ich hab ein Problem

ich will es gar nicht bestreiten

mit Unterwürfigkeit

und mit Obrigkeiten

 

 

 

 

 Sturmzeit

 

Jeder deiner Sätze fängt mit „Vielleicht“ an

Die Welt dreht sich weiter und alles um dich

Die Kids tragen T-Shirts mit deinem Gesicht drauf

Dein Manager poppt Zwillinge unter dem Tisch

Der Chor deiner Fans gratuliert a-capella

Die Videowand wirft dich quer durch den Raum

Ich glaub wenn ich viel trinke dann sterbe ich schneller

oder erwache aus diesem Traum

 

Es ist Sturmzeit Baby, das wollt ich dir sagen

nur Narren gehen so spät aus dem Haus

Mir schlägt diese Party und noch viel mehr auf den Magen

mach dir nichts draus, ich kotz mich nur aus

 

Dein Guru aus Tibet jongliert mit Bouletten

Fünf halbnackte Mädchen rennen über den Flur

Wer kann mich vor deinem Erfolg jetzt noch retten?

Ein Schuss in den Kopf oder Mutter Natur

Dein Stylist schnupft Koks mit deinem Dackel

sie haben ohnehin schon die gleiche Frisur

und wenn mich irgendwer fragend anschaut

sag ich: „Verzeihung ich bin es nur“

 

Es ist Sturmzeit Baby, das solltest du wissen

nur Narren gehen so spät aus dem Haus

Ich wollte dich schlagen und ich wollte dich küssen

aber inzwischen will ich nur noch hier raus

 

Groupies und Bodyguards wohin ich auch schaue

einige tanzen barfuss im Kartoffelsalat

in allen Ecken wird gelacht und gesoffen

und auf den Sitzmöbeln wird sich eifrig gepaart

 

Es ist Sturmzeit Baby, das wollt ich dir sagen

nur Narren gehen so spät aus dem Haus

Mir schlägt diese Party und noch viel mehr auf den Magen

mach dir nichts draus, ich kotz mich nur aus

 

Es ist Sturmzeit Baby, das solltest du wissen

nur Narren gehen so spät aus dem Haus

Ich wollte dich schlagen und ich wollte dich küssen

aber inzwischen will ich nur noch hier raus

 

 

 

 

 Niemands Herr und niemands Knecht

 

Ein paar Münzen im Beutel

die Stiefel geschnürt

die steife Brise von vorne gespürt

teilt er sein Brot

mit dem ärmsten Hund

- der Vagabund

 

Die Straße ist weit - die Erde ist rund

ein Lächeln spielt um seinen Mund

wenn er sagt:

Niemands Herr und niemands Knecht

das ist mein Recht

 

Bruderlos auf dieser Erde

Gefährte des Windes

kein Schaf in der Herde

teilt er sein Brot

mit dem ärmsten Hund

- der Vagabund

 

Die Straße ist weit und schlägt seine Stund

spielt ein Lächeln um seinen Mund

wenn er sagt:

Niemands Herr und niemands Knecht

das war mein Recht

 

 

 

 

 Freaky Freitag

 

Die Tochter vom Boss lächelt mich an

dabei hab ich nichts ausgefressen

und natürlich kenn ich sie gut genug

ihre Unterwäsche hat sie vergessen

Das sind die Tage wo ich mich frag

wie viel Irrsinn kann man ertragen?

und wenn sie fragt ob ich sie will

werd ich nur Unverfängliches sagen

 

Die Musicbox ist beinah im Arsch

mal muss man sie streicheln, mal treten

da ist sie völlig anders als ich

ich werd nicht gern um etwas gebeten

 

Freaky Freitag du gibst mir den Rest

ich kam her um abzuschalten

doch es endet wie immer und ich lerne nie

mein dummes Maul auch nur einmal zu halten

 

Bridget gibt ihren Bruder im Kids-Club ab

und qualmt heimlich auf der Toilette

ich weiß dass sie denkt ich hätte es drauf

dass ich komme und dass ich sie rette

Es liegt so ein Nebel über Stadt

der wird sich sobald nicht mehr lichten

wer hier lebt der wird nie Geschichte schreiben

der wird vermutlich nicht mal davon berichten

 

Die Musicbox ist beinah im Arsch

mal muss man sie streicheln, mal treten

da ist sie völlig anders als ich

ich werd nicht gern um etwas gebeten

 

Freaky Freitag du gibst mir den Rest

ich kam her um abzuschalten

doch es endet wie immer und ich lerne nie

mein dummes Maul auch nur einmal zu halten

 

Die Lohntüte leer

ich fast schon voll

das nennt man Leben

ist Leben nicht toll?

 

Freaky Freitag du gibst mir den Rest

ich kam her um abzuschalten

doch es endet wie immer und ich lerne nie

mein dummes Maul auch nur einmal zu halten

 

 

 

 

 Tequila Sunset

 

„Ein totes Pferd trägt dich nicht weit“

sagte der Mann mit dem Poncho zu mir

„und an heiligen Orten wie diesen

hält man nicht viel von Fremden wie Dir“

Ich fragte: „Hast Du eine Kippe, Amigo

und eine Ahnung wo ich hier bin

denn wenn ich das wüsste ergäb Dein Geschwafel

mit Sicherheit auch etwas mehr Sinn“

 

Er sagte: „Du bist da wo sie Gringos hassen

und Erinnerungen sterben anstatt zu verblassen

Du bist am Ende des Weges und Rande der Nacht

und Dein westlicher Gott hat hier keine Macht“

 

Wer hier stirbt stirbt nicht leicht

wer hier stirbt der stirbt lange

denn die Hitze des Tages

brennt wie das Gift einer Schlange

Doch was nicht jeder weiß

was kaum jemand bedacht

tödlich in der Wüste

ist auch die Kälte der Nacht

 

Ich sagte: „Mir ist gleich

woran ich verrecke

ich hätte lieber Tequila

anstatt eine Decke“

Und er lachte boshaft:

Was immer Dir auch gefällt

Lieber als Dein Leben

ist mir Dein Geld“

 

Er sagte: „Du bist da wo sie alle bluten

die Schlechten nicht weniger als die Guten

Du bist am Ende des Weges und Rande der Nacht

und Dein westlicher Gott hat hier keine Macht“

 

Wer hier stirbt stirbt nicht leicht

wer hier stirbt der stirbt lange

denn die Hitze des Tages

brennt wie das Gift einer Schlange

Doch was nicht jeder weiß

was kaum jemand bedacht

tödlich in der Wüste

ist auch die Kälte der Nacht

 

 

 

 

 Hammerhai

 

Hämmert dir ein Hammerhai

beim Tauchen auf die Zehen

denk dir einfach nichts dabei

und tu als sei nichts geschehen

 

 

 

 

 Betrunkene katholische Knaben

 

Sie stehen stramm vor der Fahne und reden von Ehre

als wenn der Krieg ein Kinderspiel wäre

der Priester verteilt seinen Segen reich

nur die winkenden Mütter sind etwas bleich

als der Flugzeugträger den Hafen verläßt

halten sie an den stolzen Vätern sich fest

 

Mit dreißig Knoten der Sonne entgegen

begeben sie sich in ein anderes Leben

das ist es wozu sie die Jungen erziehn

den Glauben an Gott und Disziplin

und beim allerletzten Urlaub an Land

sahn sie nicht daß der Tod schon bei ihnen stand

 

Ich frage mich welche Zukunft sie haben

die betrunkenen katholischen Knaben

heute sollen sie ihren Einstand begießen

und morgen dann auf Menschen schießen

 

Treueschwur, Fahneneid, Corpsgeist, Appelle

sie scheinen gerüstet für alle Fälle

sie sind bibelfest doch sie fragen sich nicht

ob Gewalt dem Geist Christi entspricht

sie ölen die Knarren, sie schärfen die Messer

und verdammt noch mal ja, sie wissen es nicht besser

 

Ich weiß dass sie keine Zukunft mehr haben

die betrunkenen katholischen Knaben

und wenn sie morgen ihr Leben verlieren

liegt das an Eltern, Priestern und Offizieren

 

Wer seine Kinder liebt

bedenkt sie mit anderen Gaben

adieu

ihr armen katholischen Knaben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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