So leicht legt man keinen Irren um
Franky hat sich einen Tripper geholt
und schluckt jetzt Penicillin
das hat er der Schlampe von gegenüber
in zehn Jahren noch nicht verziehn
Ich sag: „Wichs lieber Alter
das ist nicht so gefährlich
und außerdem, wer außer dir selbst
meint es schon mit dir ehrlich?“
Franky hält mich jetzt für einen Guru
und meint ich solle Unterricht geben
wo ich die Jugend erleuchte
für ein erfüllteres Leben
Er würde den Manager machen
das wär allemal besser als Büro
er verschwindet vor meiner Antwort
für drei Stunden auf dem Klo
Franky muss jetzt ständig kacken
liegt wohl an dem Penicillin
das hat er der Schlampe von gegenüber
in zwanzig Jahren noch nicht verziehn
Ich rate ihm zu Haferschleim
und hau mir eine Pizza rein
das wird mir Franky ganz sicher
in dreißig Jahren noch nicht verzeihn
Als die Windräder in den Krieg zogen
Die Windräder haben eines Tages gedacht
„Ab heute sind wir Soldaten“
In Zweierreihen zogen sie in die Schlacht
als könnten sie es kaum erwarten
dem Feind wer immer das nun auch sei
endlich gegenüber zu stehen
um ihn noch ehe der Tag vorbei
vom Antlitz der Erde zu wehen
Der Plan war im Grunde ja auch nicht verkehrt
doch wie Feinde leider so sind
war denen das alles den Aufwand nicht wert
sie sagten nur: „Macht nicht so viel Wind“
Synonym
Körperertüchtigung für Fette
ist nicht das gleiche wie
Breitensport
Interessant
Juliane findet meine Texte interessant
Da liegt es doch wohl auf der Hand:
Ich finde Juliane interessant
So gibt dann ein das andere
und keiner gibt es zu
Sie fragt verlegen: Ich ?
Ich sag verlegen: Du
Andere zerreden zu leicht die Ästhetik
schieben es auf die Genetik
und manche auf das Wetter
Poesie eignet sich nie als Lebensretter
Juliane mag jetzt Boygroups
Ich sehne mich nach Groupies
Dafür stellt man uns sicher irgendwann vor Gericht
Jeder bekommt was er verdient
Wie maßlos ist Verzicht?
Manches hält
manches zerbricht
so interessant sind Juliane
und meine Texte nicht
Golgatha
Kein Morgen der dem Morgen glich
an dem die Welt mich sterben sah
kein Wort das meinem Schmerz gerecht
als soviel Unrecht mir geschah
Oh Vater warum hast du mich verlassen
du lehrtest mich zu lieben, nicht zu hassen
du lehrtest mich zu sprechen
wo jede Stimme schwieg
als sei mein Leid dein Sieg
an jenem Tage in Golgatha
Die Dornenkrone, welch ein Hohn
für deinen dir ergebnen Sohn
ich kam als König, ging als Mann
so sah ich mich von Anfang an
und nicht erst in Golgatha
Maria Magdalena
wie seltsam es doch scheint
dass einzig du allein
vor meinem Tode schon um mich geweint
im Hause Simon
Die Sünden die ich dir vergab
der Glaube der mit mir verstarb
das Wissen und die Pein
nie so vollkommen rein zu sein
wie deine Liebe
Dass ich nun heut in deinem Sinn
erwacht und auferstanden bin
und niemand der sich gläubig nennt
den Klang noch meiner Stimme kennt
nur du allein Maria – meine Liebe
Als ich ans Kreuz genagelt war
und keinen Freund mehr um mich sah
als selbst mein Vater mich verließ
warst du mein Weg ins Paradies
an jenem Morgen in Golgatha
Dein liebend Herz
geleitet mich
jetzt da ich wenig königlich
jetzt da ich Mensch sein kann und Mann
sieh nicht empor – sieh mich nur an
ich bin dir gleich
Maria
geliebte Sünderin
Flügellahm
Die Vergleiche hinken
hinken durch mein Haus
poltern, stolpern, fallen
mit der Tür hinaus
flügellahm doch furchtlos
stehen sie Spalier
und geh ich hindurch
applaudiern sie mir
Die Vergleiche hinken
hinken zart und fein
ich bind solche Klötze
mir ganz gern ans Bein
Freaks wie wir
Du siehst in ihren Blicken was man von dir denkt
und bist doch froh dass jemand dir Beachtung schenkt
denn dass dich jemand sieht war dir bisher nicht klar
du dachtest immer du wärst völlig unsichtbar
Dein Daddy hat dir eine Therapie bezahlt
da hast du jeden Tag ein neues Bild gemalt
leider fand er sie wären ziemlich krank
drum liegen sie versteckt in seinem Kleiderschrank
Ich lauf den ganzen Tag verträumt und stumm
mit einem leeren Tagebuch im Kreis herum
und bleib dabei genauso unbeschrieben
es ist nur folgerichtig dass wir zwei uns lieben
Freaks wie wir die geben auf sich acht
damit das Leben sie bloß nicht gewöhnlich macht
sie trotzen der Vernunft wenn’s sein muss mit Gewalt
und sind einander Licht und Halt
Ich glaub Realität findet nicht wirklich statt
sie ist nur ein Begriff auf meinem Krankenblatt
der dort genauso unbestimmbar bleibt
wie die Tabletten die man mir verschreibt
Die Welt besteht aus Mustern die man erst erkennt
wenn sie der Blick beständig in die Netzhaut brennt
wo alles sich neu ordnet und zerfließt
wenn man für einen Augenblick die Augen schließt
Du fängst manchmal die Schatten an der Wand
allein durch eine Geste deiner Hand
die Kälte wird dadurch ganz einfach fortgetrieben
es ist nur folgerichtig dass wir zwei uns lieben
Freaks wie wir die geben auf sich acht
damit das Leben sie bloß nicht gewöhnlich macht
sie trotzen der Vernunft wenn’s sein muss mit Gewalt
und sind einander Licht und Halt
Was Gott wenn ich nicht wäre?
Was Gott wenn ich nicht wäre?
Wenn ich das Leben vermied?
Machte es einen Unterschied?
Reichte es dir nicht zur Ehre?
Was Gott wenn ich nicht wäre?
Gäbe es einen Ersatz?
Nähme jemand dann meinen Platz?
Oder wäre dort nur Leere?
Lublin
Die verstörten Augen
unschuldig groß
begraben in Mutters
staubigem Schoß
In der Hand eine Puppe
und Wladimir spricht:
"Was auch immer geschieht
macht hier unten kein Licht"
Die Mauern knirschen
Putz fällt herab
Hanna kauert im Dreck
und die Luft wird zu knapp
Ihre Hand hält die Puppe
niemand sonst ist mehr da
und sie ruft in das Dunkel:
"Wo bist du Mama?"
Zwei Wochen später
gräbt man sie aus
und ein deutscher Soldat
findet die Puppe
und nimmt sie mit nach Haus
Schmetterlinge im Schnee
Mir tränen die Augen? Was du nicht sagst
Keine Sorge es ist nur der Rauch
Sehr aufmerksam, danke – nett dass du fragst
Ob ich dich...? Noch immer? Doch...auch
Komm wir spielen ein Spiel
sag mir was ich seh
halt die Augen dir zu
zähl bis zehn und dann geh
Da liegen Schmetterlinge im Schnee
und mein Herz ist ein einsamer Reiter
Mir brennt das Gesicht. Wir zwei? Lieber nicht.
Der Weg führt bis hier und nicht weiter
Angebot und Nachfrage
Wir züchten kleine Hitlers.
Die sind wirklich ganz niedlich.
Vielleicht für ihren Garten?
Auf Wunsch auch völlig friedlich.
Ob arrogant und eitel.
Sensibel oder zart.
Na klar, mit Seitenscheitel
und Oberlippenbart.
Die können schön marschieren.
Bis zum Wadenkrampf.
Und jede Zeile rezitieren
aus: Mein Kampf.
Wir züchten kleine Hitlers.
Im Dutzend gibt’s Rabatt
denn es wäre doch traurig
wenn jemand keinen hat.
Werben sie ihre Freunde.
Verschenken sie ein paar.
Ein jeder gute Deutsche
verdient ein Exemplar.
Auch Freunde aus dem Ausland
leiden hier keine Not.
Wir haben Putin, Kim und Erdogan
im Sonderangebot.
Wir züchten kleine Hitlers.
Biologisch abbaubar.
Nun sagen sie mal selbst:
Ist das nicht wunderbar?
Du bist all die Fremden
Wir haben viel Zeit miteinander verbracht
du hast mich oft an den Rand des Wahnsinns gebracht
da ist vieles was ich dir niemals verzeih
du bist noch Teil meines Lebens – doch ich bin von dir frei
Du hast mich klein gemacht um selbst größer zu scheinen
deine Ignoranz brachte mich oft zum Weinen
ich hab so lang versucht das Gute in dir zu sehen
doch mein Herz begann längst eigene Wege zu gehen
Du bist all die Fremden
die nur Schattenrisse sind
die am Rand des Bildes bleiben
Irrwege im Labyrinth
Du bist all die Fremden
die nur blenden und sich häuten
die mir Narben hinterließen
und mir längst nichts mehr bedeuten
Ich hab mir Mühe gegeben um dich zu ergründen
doch da war nichts von Wert für mich zu finden
ich hab mich traurig in eine Ecke verkrochen
und vieles in mir ist in den Jahren zerbrochen
Du hieltest mich immer wie einen Hund an der Leine
doch ich bin nicht so wehrlos wie ich dir erscheine
ich kämpf nicht mehr um uns, ich kämpf nur noch für mich
denn in deiner Welt dreht sich doch nur alles um dich
Du bist all die Fremden
die nur Schattenrisse sind
die am Rand des Bildes bleiben
Irrwege im Labyrinth
Du bist all die Fremden
die nur blenden und sich häuten
die mir Narben hinterließen
und mir längst nichts mehr bedeuten
Ich hab am Anfang viel zu viel in dir gesehen
wollte dir nur gefallen und dich verstehen
doch all die Mühe und Liebe war so vergebens
doch ich hasse dich nicht – du bist noch Teil meines Lebens
Du bist all die Fremden
die nur Schattenrisse sind
die am Rand des Bildes bleiben
Irrwege im Labyrinth
Du bist all die Fremden
die nur blenden und sich häuten
die mir Narben hinterließen
und mir längst nichts mehr bedeuten
Gott ist ein Laptop
Zuckerberg, Dell und Jobs
die drei Weisen aus dem Abendland
durchquerten die Wüste der Unwissenheit
und führten uns in das Heilige Land
Wir wurden online erleuchtet
lebendig sein heißt eingeloggt
und Bill Gates hat uns Jüngern
die zehn Gebote gebloggt
Das Orakel von Delphi heißt Google
was immer man liest es ist wahr
und Gott ist ein Laptop,
Gott ist ein Smartphone
und das Internet ist der Altar
Die ganze Welt ist ein Netzwerk
das virtuell erzittert
bis auch der letzte Zweifler
endlich facebooked und twittert
Wir beten täglich zur Firewall
dass uns kein Virus befällt
und das Apple im Garten Eden
die Kontrolle behält
Das Orakel von Delphi heißt Google
was immer man liest es ist wahr
und Gott ist ein Laptop,
Gott ist ein Smartphone
und das Internet ist der Altar
Verwildert
Trag mich nicht mehr in deinen Gedanken
ich bin es nicht wert – du liebst dich kaputt
ich kann dir die Zeit deiner Treue nicht danken
alles zerfällt – es bleibt nur der Schutt
Klammer dich nicht an Erinnerungsfetzen
richte dich auf und komm von mir los
ich würde dich nur immer wieder verletzen
stell dich vor mir niemals mehr selber bloß
Denn ich bin verwildert – im Herz, in der Seele
ich hab keinen Anstand – kenne keine Moral
ich hab es satt dass ich dich so sehr quäle
warum triffst du nicht eine bessere Wahl
Versuch mich nicht mehr in dein Weltbild zu rücken
mir war dieser Rahmen von jeher zu klein
warum nur baust du mir immer noch Brücken
gesteh dir die Nutzlosigkeit endlich ein
Verweiger dich nicht meinem letzten Geständnis
ich will von dir keine Absolution
geh einfach dahin – akzeptier mein Bekenntnis
und erwarte von mir keinen besseren Lohn
Denn ich bin verwildert – im Herz, in der Seele
ich hab keinen Anstand – kenne keine Moral
ich hab es satt dass ich dich so sehr quäle
warum triffst du nicht eine andere Wahl
Schande des Dschungels
Es gibt da so einen Politiker
zu dem fällt mir spontan ein:
Man muss nicht Tarzan heißen
um König der Affen zu sein
Schulmedizin
Sie versprechen dir Heilung und ein langes Leben
neue Organe wollen sie dir geben
es kostet dich nichts als eine Unterschrift
und schon trinkst Du Satans Gift
Ich weiß keiner von uns kommt wirklich davon
in den Händen der Hure von Babylon
wir sind schmutzig und unrein und ohne Gewissen
und ich lege dir eine Rose aufs Kissen
dann geh ich hinaus in den blutroten Morgen
um Zigaretten und Benzin zu besorgen
und ich kehre nicht um, ich spiele das Spiel
so sind die Regeln, so lautet der Deal
Schulmedizin darauf kannst du wetten
kann deinen Arsch vor der Hölle nicht retten
wir sind einfach dran, wir sind viel zu alt
unser Blut ist längst kalt
Du weißt daß alle Straßen in der Wüste enden
wo schöne Gaukler deine müden Augen blenden
und jemand kam den langen Weg von Nazareth
und wacht die ganze Nacht an deinem Totenbett
Ich weiß keiner von uns kann diesem Ort entfliehn
wo uns die Schatten gierig ins Verderben ziehn
wir waren dumm, wir haben es ja so gewollt
nun bleiben uns nichts weiter als die Rose und der Colt
dann gehn wir dahin wo uns niemand helfen kann
dort fängt die Zeit des Leidens und des Feuers an
und ganz egal wie sehr wir um Erlösung flehn
wir werden niemals mehr das Licht des Himmels sehn
Anna Schmidt
Ich kannte sie noch als Anna Schmidt
Heute nennt sie sich Chantal
Mit sehr weich gesprochenen A’s
und ein klein wenig Hall
Sie ist im Internet sehr präsent
Dort hab ich sie wiedergefunden
Sie ist gesprächiger als damals in der Schule
50 Euro für knapp zwei Stunden
Vor Verdun
Sie liegen vereint im Schützengraben
das Sturmgewehr in der Hand
sie sprechen nicht von der Angst die sie haben
Sie rufen: „Fürs Vaterland!“
Sie sind Söhne und sie sind Väter
die man in der Heimat vermisst
sie sind Opfer und sie sind Täter
wer weiß schon genau was er ist?
Mancher Leiche, behangen mit Orden,
rinnt noch das Blut aus dem Mund
und wie immer wenn Völker sich morden
weiß hinterher keiner den Grund
Im Wattenmeer
Es ist als würd sich die Natur verneigen
vor ihrem Schöpfer zur Erinnerung
die Wasser die dort sinken und dort steigen
von dieser hin zu jener Dämmerung
vermitteln uns ein flüchtiges Verstehen
vom Kreislauf den das Leben für uns schreibt
ein permanentes Kommen oder Gehen
es gibt nichts was jemals beständig bleibt
Hölderlin
Hölderlin, du wilder Sohn der Sterne
ewig wirst du unvergessen sein
dein war das Geschenk der wirren Ferne
diese Welt war deinem Geist zu klein
Hölderlin, du Hüter dunkler Flammen
edler Sohn von mäßigem Geschlecht
es zählt nicht woher die Menschen stammen
Freiheit ist ihr höchstes Gut und Recht
Hölderlin, du König ohne Krone
unverstanden doch zutiefst verehrt
nimm von mir nun dies Gedicht zum Lohne
wer nach dem Höchsten strebt lebt nicht verkehrt
Friedrich Hölderlin
*20.03.1770 - †07.06.1843
Sterbebett
Lächelnd dankt sie der Lüge
die mein Mund ihr bringt
doch weiß sie um die Wahrheit wohl
wenn erst ihr Blick in meinen sinkt
und draußen singen Nachtigallen
das kann selbst heute ihr gefallen
wo sie darauf wartet
dass ihr eignes Lied verklingt
Schuldig
Ich bin schuldig
ich möchte mich nicht verteidigen
ihre Intelligenz nicht beleidigen
ich bin so schuldig dass es mir schon fast
im Gesicht geschrieben steht
ich bin schuldig
so schuldig wie es nur irgend geht
Ich bin schuldig des Hochmuts
und der Völlerei
auch von Wollust und Neid
spreche ich mich nicht frei
ich bin schuldig
so schuldig wie es nur geht
Auch Faulheit und Geiz
hatten stets ihren Reiz
und mein Zorn
war enorm
ich bin schuldig
so schuldig wie es nur geht
Ich hab jede Sünde
mehrfach begangen
und in vollem Bewusstsein
damit angefangen
ich bin schuldig
so schuldig wie es nur geht
Und so beug ich mein Haupt
Hohes Gericht
aber bitte vergessen Sie nicht
welch mildernder Umstand
trotz allem noch für mich spricht
Ich war schuldig
und zwar zu jeder Zeit
auch der Liebe
und der Menschlichkeit
Wildgänse
Ein grauer Schleier über grauen Häusern.
Die Landschaft wirkt fast wie ein Aquarell.
In Wäschekörben stapelt sich der Alltag.
Der Himmel wird nie wirklich richtig hell.
Auf Höfen hausen drei Generationen.
So tief verwurzelt mit dem kargen Land.
Die Köpfe tief gesenkt vor den Ikonen
beten sie um den Mut zum Widerstand.
Sie würden eher einem Zaren dienen
als diesem so verhassten Mann
für dessen Schuld sie hart und bitter sühnen
und der dem Land nur Feuer bringen kann.
Die Wildgänse sind alle fortgeflogen.
Die Taiga liegt im stillen Abendschein.
Ein Kind, um seine Zukunft längst betrogen,
schläft sanft zu Balalaikaklängen ein.
Eden brennt
Die Harley-Madonna öffnet ihr Haar
nur an diesem besonderen Tag im Jahr
dann sammeln sich die Soldaten am Fluss
und kämpfen um einen Kuss
Sie wirft eine blutrote Rose ins Wasser
der Himmel wird schwarz, doch der Mond wird blasser
ein Wanderer schreitet durchs steinige Tal
und die Kinderprinzessin weint wieder einmal
Ein Balg des Teufels im Feuer geboren
wer es nur ansieht ist für immer verloren
es nimmt seine Mutter zur Braut
und saugt ihr das Blut aus der Haut
Und der Narr haucht es jedem ins Ohr den er kennt:
„Eden brennt“
Entweihte Priester liegen erschlagen
für die Geier bereit in den eisigen Tagen
und hundert Galgen am Wegesrand
weisen den Weg ins Niemandsland
Der Wanderer klettert über die Leichen
und kann doch niemals das Ufer erreichen
wo die Madonna sich lachend entblößt:
„Komm in mich dann wirst du erlöst“
Und das Balg des Teufels wächst und gedeiht
im Zeichen der Schlange spürt es seine Zeit
es tötet die Mutter, es braucht sie nicht mehr
es hat stattdessen längst ein eigenes Heer
Und der Narr haucht es jedem ins Ohr den er kennt :
„Eden brennt“
Der Schlächter führt die Armee der Hölle
durch die Länder der Welt wie eine blutige Welle
und die Kinderprinzessin in ihrem Palast
wird von unvorstellbarer Kälte erfasst
Nur der Wanderer steht zwischen ihr und dem Grauen
wie lang kann sie auf seine Kraft noch vertrauen
er kniet vor ihr nieder „Herrin segnet mein Schwert
Euer Leben ist mir tausend Tode wert“
Und der Narr lacht dem Schlächter ins Ohr:
„Seht Euch vor“
Die Gewissheit der Liebe
Ich weiß von Mut, von Hoffnung und Glauben
und von der Suche nach dem ewigen Licht
die Dummheit der Menschen mag mir vieles rauben
die Gewissheit der Liebe raubt sie mir nicht
Finde mich
Finde mich wenn ich in leichten Schuhen
zwischen windbewegten Gräsern lauf
und am Kiosk wo die Fischer sitzen
etwas Brot und Zigaretten kauf
Wenn ich mich dann in die Dünen lege
bis das Sonnenlicht die Fluten küsst
ist das Glück für mich beinah vollkommen
es fehlt jetzt nur noch dass du bei mir bist
Finde mich wenn ich im Beiboot schlafe
sanft geschaukelt von dem Wellenspiel
mit dem warmen Wind in meinen Haaren
und dem Mondlicht westwärts überm Kiel
Wenn ich meinem eignen Herzschlag lausche
bis die Zeit mich in der Welt vergisst
ist die Freiheit unvermutet greifbar
es fehlt jetzt nur noch dass du bei mir bist
Finde mich bevor ich mich verliere
solange ich noch unvollkommen bin
presse deinen Mund auf meine Lippen
und gib dich haltlos meiner Sehnsucht hin
Finde mich und halt mich fest für immer
fang mit mir ein neues Leben an
liebe mich als gäbe es kein morgen
finde mich – weil niemand sonst es kann
Finde mich wenn ich den Schienen folge
ohne Pläne für den nächsten Tag
und die Leute meinen Anblick meiden
weil ich keinen feinen Anzug trag
Wenn der Schlamm der aufgeweichten Pfade
die zerschlissnen Wanderstiefel frisst
weiß ich dass ich keinem etwas schulde
es fehlt jetzt nur noch dass du bei mir bist
Finde mich bevor ich mich verliere
solange ich noch unvollkommen bin
presse deinen Mund auf meine Lippen
und gib dich haltlos meiner Sehnsucht hin
Finde mich und halt mich fest für immer
fang mit mir ein neues Leben an
liebe mich als gäbe es kein morgen
finde mich – weil niemand sonst es kann
Mach es weg
Der möblierte Herr
hat mich angefasst
und dann…
dann hat er nicht aufgepasst
So ein Dreck!
Und jetzt sagt er:
Mach es weg
Ich wollt es Mama sagen
doch er sagt: Sei still
Er fragt mich nicht
was ich denn will
So ein Dreck!
Er sagt nur:
Mach es weg
Er gibt mir Geld
und eine Adresse
und sagt er schlägt mich
wenn ich ihn erpresse
So ein Dreck!
Ich behalt es, Du Arsch
Geh weg!
Erstschlagserklärung
„Ich bitte Sie“ sagt der Minister
und wird dabei nahezu intim
„so ein Erstschlag hat auch was Gutes
und ist durchaus legitim
Weil Angriff die beste Verteidigung ist
und damit das Öl auch morgen noch fließt
es gibt tausend Gründe
und unsere Kinder
werden uns irgendwann danken
- beim Tanken“
Britta
Ein Foto von Hilde Meier
im Rucksack der Heilsarmee
ich lief in Richtung Cuxhaven
und auf den Dünen lag Schnee
Vergaß die Kühe zu melken
und meiner Mutter zu schreiben
ich wollte nur noch vergessen
und möglichst unerkannt bleiben
Ein halb erfrorener Engel
saß zitternd am Straßenrand
ich pflückte ihm eine Blume
da ist er mir nachgerannt
Britta - teilte meine Zeit
und ihre Zigaretten
wir schliefen warm und weich
auf moosbedeckten Betten
ich und Britta
Britta - teilte meinen Weg
und ihre Illusionen
wir träumten oft davon
an einem Strand zu wohnen
ich und Britta
Ein Foto von Hilde Meier
treibt im Nordostseekanal
ich hab sie lang schon vergessen
ihr Blondschopf ist mir egal
An Mutter denke ich manchmal
doch zugegeben nicht oft
sie hockt jetzt sicher vorm Ofen
und hat auf Nachricht gehofft
Ein glücklich lächelnder Engel
läuft singend neben mir her
wir zwei sind Freunde geworden
auf unsrem Weg Richtung Meer
Britta - teilte meine Zeit
und ihre Zigaretten
wir schliefen warm und weich
auf moosbedeckten Betten
ich und Britta
Britta - teilte meinen Weg
und ihre Illusionen
wir träumten oft davon
an einem Strand zu wohnen
ich und Britta
Der gute Neger
Gespräche im Stadion
oder am Tresen
sind immer schon
sehr erhellend gewesen
Man hört von der Empörung
über offene Grenzen
und von den Bimbos
mit riesigen Schwänzen
Doch ein Rassist
greift vermittelnd ein
denn der gute Neger
spielt für ihren Verein
Hippokrates
Einst haben die Herren Doktoren geschworen
zunächst die Menschen zu heilen
bevor sie zum Golfplatz enteilen
doch das Handicap bei Kassenpatienten
verläuft linear zum Verfall der Renten
und der dreieinhalbfache Satz
gehört auf die Rechnung
und nicht auf den Platz
also hat man sich mal eben besprochen
und den Eid dann eilig gebrochen
und in ihrer Erklärung konnte man lesen:
Hippokrates ist halt kein Golfer gewesen
Zwei Dicke auf der Brücke
Zwei Dicke auf der Brücke
von Angesicht zu Angesicht
sie fanden keine Lücke
und weichen wollten beide nicht
Der eine sprach: "Ich kam vor dir"
Der andre sprach: "Nein, ich"
So standen beide lange hier
und schimpften fürchterlich
Unter hinter ihnen war es laut
weil eine Menschenmenge
sich bis weit an die Ufer staut
in furchtbarem Gedränge
Zwei Dicke in der Mitte
anstatt nun nachzugeben
haben sie sich gestritten
wie’s oftmals ist im Leben
Keiner wich einen Meter weit
man spuckte, fluchte - boxte auch
und rieb sich eine lange Zeit
dort Aug in Aug und Bauch an Bauch
Zwei Dicke auf der Brücke
von Angesicht zu Angesicht
sie fanden keine Lücke
und weichen wollten beide nicht
Und dass sie heut dort nicht mehr stehn
liegt an der Schwerkraft Tücke:
Der Klügere gibt schließlich nach
In diesem Fall: Die Brücke
Vor dem Fenster
Vor dem Fenster klopft der Regen
und es weht ein harter Wind
wie soll ich zum Schlaf mich legen
ohne Wissen um mein Kind?
In der Fremde seit drei Jahren
trägt es Stahlhelm und Gewehr
und was ich seitdem erfahren
macht mir meine Träume schwer
Ward fürs Leben doch geboren
und von äußerst sanfter Art
heut kauert es halb erfroren
irgendwo bei Stalingrad
Vor dem Fenster klopft der Regen
und es weht ein harter Wind
wie soll ich zum Schlaf mich legen
ohne Wissen um mein Kind?
Der Steiger
Du und dieser Berg – fast ein Leben
und Liebe ist es ganz sicher nicht
oft warst du nah dran aufzugeben
doch treu erfüllst du deine Pflicht
Du kennst jeden Balken im Stollen
und kommen die Männer herab
weil sie müssen, nicht weil sie wollen
klingt das wie Gelächter im Grab
Dieser Berg hat eine Seele
doch vor andren gibst du das nicht zu
manchmal wird dir eng in der Kehle
und er raubt dir Willen und Ruh
Längst wächst er auch in deinen Lungen
klaglos hast du das akzeptiert
er wurde von dir nie bezwungen
er hat dich nur akzeptiert
21 Gramm
Ein Wissenschaftler hat festgestellt
die Seele wiegt 21 Gramm
ich denke an Auschwitz und Buchenwald
an Verdun und an Vietnam
Die Erde müsste so leicht sein
dass sie die Umlaufbahn verlässt
Wohin also gehen die Seelen?
Oder besser: Was hält sie hier fest?
Anmerkung des Autors:
1901 wog der amerikanische Wissenschaftler
Duncan MacDougall sechs sterbende Patienten
und stellte fest, dass der Gewichtsverlust
zwischen den lebendigen und den toten
Patienten 21 Gramm betrug.
MacDougall folgerte, dass dies das Gewicht
der Seele sein müsse. Er vergiftete später
fünfzehn Hunde und stellte bei ihnen keinen
Gewichtsverlust fest. Er glaubte deshalb, dass
Hunde keine Seele besäßen.
Lothringen
Immer wenn die Geschichte nach Ehrfurcht verlangt
verspüre ich so ein Zittern
und ich hab tausendfach den Tabletten gedankt
wie leicht wär es sonst zu verbittern
angesichts dieser Felder im Wind
wo sie noch immer jener gedachten
die vor Vaterlandsstolz so völlig blind
bereit waren einander zu schlachten
Hier schlugen sie sich die Schädel ein
zwei Völker die Hölderlin lesen
und auch Meister Heine hat hier einen Schrein
vergangen ist längst was gewesen
Doch immer noch lässt die Angst mich nicht los
die Angst vor dem ewigen Schweigen
vielleicht reicht ein Gedanke doch bloß
den Verdammten aus den Gräbern zu steigen
Kilometerstein dreizehn
Spätsommer in den Wiesen
es glitzert Morgentau
in jenen Paradiesen
auf die ich achtlos schau
während der Hänger rollt
und mein Vater spricht
„Das hab ich nicht gewollt“
doch ich hör ihn nicht
Und da ist nichts was uns verbindet
auf dem endlos grauen Band
und der trostlos langen Reise
durch ein unerforschtes Land
Kilometerstein dreizehn
dreizehn – so wie ich
davor steht die Welt still
dahinter dreht sie sich
und die Träne im Auge
kommt nur vom Wind
denn ich glaube
ich bin vieles – nur kein Kind
Die Schmetterlinge fliegen
überall blüht der Raps
und Vater sagt: „Wir kriegen
bei Kutte einen Schnaps“
Das Geld ist längst versoffen
der Tank ist beinah leer
uns bleibt nur noch das Hoffen
ihm auf den Tod, mir auf das Meer
Und da ist nichts was uns verbindet
auf dem endlos grauen Band
und der trostlos langen Reise
durch ein unerforschtes Land
Kilometerstein dreizehn
dreizehn – so wie ich
davor steht die Welt still
dahinter dreht sie sich
und die Träne im Auge
kommt nur vom Wind
denn ich glaube
ich bin vieles – nur kein Kind
In der Frontscheibe spiegelt
sich ein müdes Gesicht
es nannte mich Sohn
doch ich kannte es nicht
Es war mir so fremd
wie die Straße voraus
und es fährt in den Tod
doch ich steig vorher aus
Kilometerstein dreizehn
dreizehn – so wie ich
davor steht die Welt still
dahinter dreht sie sich
und die Träne im Auge
kommt nur vom Wind
denn ich glaube
ich bin vieles – nur kein Kind
Glück
Ein Mann zeigt sich von seiner besten Seite
- sehr einfach wenn man reichlich davon hat -
die Frau jedoch sucht kurzerhand das Weite
das Wunder findet also heut nicht statt
Ich bin ein Schuft weil ich im Stillen jubiliere
ja ich missgönnte ihm von Herzen diesen Fang
weiß nicht ob ich mein Glück bei ihr probiere
zunächst jedoch sag ich dem Schicksal Dank
So nah – so dicht – so beinah beieinander
wir drei an diesem Tisch – dem guten Stück
der Augen Blicke kreisten umeinander
und fanden etwas herrenloses Glück
Ein Glück das sich vom nahen Tresen neigte
uns neckte, rief und lockte zuckersüß
das sich recht vorteilhaft ganz unumwunden zeigte
und uns dann völlig unverhofft verließ
Die Dame fort und der Galan betroffen
die Gläser leer – und das Gefühl vertraut
ich nehme teil an seinem klammen Hoffen
dass man dem Glück erneut ins Auge schaut
Vielleicht schon morgen hier an diesem Tische
kann´s sein dass es uns wieder sehr bewegt
wir werden weiter zappeln wie die Fische
wenn uns die Gunst der Stunde sanft erschlägt
Komm vorbei
Komm vorbei wenn der Sommer nicht mehr kommt
komm vorbei, denn einer muss ja kommen
komm vorbei und denk dir nichts dabei
ich hab die Tabletten pünktlich eingenommen
Komm vorbei und bleib nicht draußen stehen
komm vorbei, du liegst mir auf der Seele
komm vorbei und denk dir nichts dabei
wenn ich wieder mal den gleichen Mist erzähle
Komm vorbei und frag nicht deinen Anwalt
komm vorbei und spuck mir ins Gesicht
komm vorbei und denk dir nichts dabei
ganz so schlecht war es mit uns doch nicht
Unterbodenschutz
Blasser Mann im schwarzen Wagen
die Musik kaum zu ertragen
die Antenne rollt sich ein
und lässt ihn im Nichts allein
Die Düsen sprühn
das Wachs tropft flach
von irgendwo
aufs Autodach
Kein Wasserspiel
kein Frühlingsputz
er braucht nur Unterbodenschutz
kein Farbentraum
kein Sonntagsschmutz
sondern nur Unterbodenschutz
Ein Band rollt los
das Auto auch
und Wasser schießt
quer aus dem Schlauch
Es trommelt laut
ein nasser Schwall
verdeckt den Blick
nach überall
Der Mann lacht laut
und sieht nicht hin
er fühlt sich feucht
so mittendrin
Kein Wasserspiel
kein Frühlingsputz
er braucht nur Unterbodenschutz
kein Farbentraum
kein Sonntagsschmutz
sondern nur Unterbodenschutz
Waschparadies
verwunschener Ort
wasch mich nicht weg
spül mich nur fort