Da saßen wir
Da saßen wir – dem Bettrand sehr verbunden
da saßen wir, wie Ehepaare sitzen
und Worte haben wir nicht viel gefunden
wir sprachen zwar und kamen schnell ins Schwitzen
Doch hatten wir uns nichts zu sagen und zu geben
Gewohnheit ist ein äußerst träges Tier
es lauert regungslos ein halbes Leben
doch irgendwann schnappt es dann doch nach dir
Da saßen wir uns sahn uns auf die Hände
ganz ohne Unterlass die halbe Nacht
und hätte diese Nacht nicht irgendwann ein Ende
wir hätten es bis in die Ewigkeit gemacht
Muckenwald starb
Muckenwald starb. Ich erinner mich wohl.
Er hatte ein freundliches Wesen.
Sein Atem roch angenehm nach Menthol.
Und er hat gerne gelesen.
Sein Schreibtisch geräumt. Als wenn’s ihn nie gab.
Das Büro schickte einen Strauß Rosen.
Wird Muckenwald ungemein freuen im Grab.
Lieber wären ihm Pflaumen in Dosen.
Muckenwald starb. Ich konnte ihn leiden.
Er hat nie vor Überlastung geklagt.
Still war er und äußerst bescheiden.
Und selten wurde ihm Nettes gesagt.
Sein Platz neu besetzt. Es braucht seine Zeit
an den Neuen sich zu gewöhnen
Jünger ist er und grinst immer breit.
Und beim Arbeiten hört man ihn stöhnen.
Muckenwald starb. Was er hinterließ?
Ich kann es nun wirklich nicht sagen.
Zwar sprachen wir mal über das und auch dies
doch zu mehr darf man mich nicht befragen.
Hatte er Kinder? Einen Hund? Eine Frau?
Mir ist als wenn er was erwähnte
doch ich erinnere mich nicht genau.
Und weiß auch nicht wonach er sich sehnte.
Muckenwald starb. Ganz ohne Getöse.
Und hinterlässt eine Lücke.
Nicht nur deshalb bin ich ihm böse.
Man springt nicht einfach so von der Brücke
Unvergessen
Am ehesten bleibt dir unvergessen
was im Leben du nicht besessen
doch erflehtest, ersehntest und fast...
und dann doch nicht bekommen hast
Was ist es?
Was ist es das uns zwingt und drängt
der Heimat zu entfliehen
was ist es das uns führt und lenkt
wohin will es uns ziehen?
Ist es das Fernweh nur allein
nach Sonne und nach Wärme
treibt es uns über Stock und Stein
sind wir nur Vogelschwärme?
Ist es nur Sehnsucht die uns treibt
nach unerforschten Weiten
so dass uns gar nichts andres bleibt
als die Flügel auszubreiten?
Was ist es das mich zaudern lässt
der Kälte zu enteilen
was hält seit jeher mich so fest
und lässt mich hier verweilen?
Was leugnet mancher oft und gern
und spricht es selten aus?
Mir ist die Fremde viel zu fern
denn Heimat heißt Zuhaus
Naiv
Man belegte dich mit Adjektiven
und lag damit meistens reichlich schief
von den Worten die sie oftmals riefen
nenn ich beispielsweise mal „naiv“
Wollten damit Dummheit suggerieren
denn du kanntest weder Bach noch Brecht
doch dem lässt sich sehr einfach parieren
Kannten die dich? Siehst du, ich hab recht
Waren Bach und Brecht auch Prominente
du warst ihnen weiter nichts als fremd
dafür aber kennt dich die Polente
und du gibst sehr gern dein letztes Hemd
Doch selbst das will dir noch nicht genügen
gibst das letzte Höschen noch dazu
deshalb müsste ich auch kräftig lügen
um zu sagen jemand wär wie du
Bleib naiv und weiter leicht zu haben
aus den andren spricht nur blanker Neid
die Natur verteilt all ihre Gaben
jederzeit mit viel Besonnenheit
Und sagt man von dir du wärst nicht helle
oder flüstert gar etwas wie Schlampe
dann glaub mir ich brauch auf alle Fälle
dich und nicht etwa ne Taschenlampe
Ryanne
Sie trägt das Kleid vom gestrigen Abend
das sie sich von ihrer Schwester lieh
und tänzelt barfuß am Ufer entlang
mit ein paar blauen Flecken am Knie
Sie hat die kostbare Schleife verloren
Rote Locken fallen ungezähmt in ihr Gesicht
Sie summt ein altes gälisches Lied
und der Regen kümmert sie nicht
Sie hat zu viel getrunken
und zu laut gelacht
und sich nichts aus dem Zorn
der alten Weiber gemacht
Sie nennen sie Hexe und warnen die Knaben
die dunkle Gedanken und Sehnsüchte haben
vor Ryanne und ihren grünen Augen
die Männern die Vernunft und manch anderes rauben
Lass sie reden und bleib so frei und wild
Schreib dein eigenes Buch, mal dein eigenes Bild
Trag deinen Stolz wie einen Schild
vor dich her
Du bist nicht wie sie – du bist mehr
Sie steht allein in der stürmischen Höhe
zwischen schroffen Felsen, Ginster und Klee
und blickt völlig in sich selbst versunken
hinab auf die wilde irische See
Über ihr sammeln sich die schweren Wolken
und verdunkeln den noch jungen Tag
Sie fürchtet sich nicht vor den verächtlichen Blicken
und niemand wird erfahren bei wem sie lag
Sie hat zu viel getrunken
und zu laut gelacht
und sich nichts aus dem Zorn
der alten Weiber gemacht
Sie nennen sie Hexe und warnen die Knaben
die dunkle Gedanken und Sehnsüchte haben
vor Ryanne und ihren grünen Augen
die Männern die Vernunft und manch anderes rauben
Lass sie reden und bleib so frei und wild
Schreib dein eigenes Buch, mal dein eigenes Bild
Trag deinen Stolz wie einen Schild
vor dich her
Du bist nicht wie sie – du bist mehr
Vergessen will ich sein
Vergessen will ich sein, ihr teuren Brüder
der Sommer ging, der Sommer kommt nie wieder
was haben wir getrunken, was haben wir gelacht
nun ist mein Licht erloschen, mein Pfad führt in die Nacht
Vergessen will ich sein, ihr sollt nicht klagen
stattdessen zehren von den guten Tagen
an denen Freundschaft uns verband
und selbst im schlimmsten Streit nicht schwand
ich kann von euch auch heut nur Gutes sagen
Vergessen will ich sein, ihr schönen Frauen
Tempel der Lust müsst ihr nun andren bauen
habt Dank für eure Anmut, habt Dank für eure Pracht
nun ist mein Licht erloschen, mein Pfad führt in die Nacht
Vergessen will ich sein, ihr sollt nicht klagen
stattdessen zehren von den leichten Tagen
an denen Liebe uns verband
an denen wir so hell gebrannt
ich kann von euch auch heut nur Gutes sagen
Vergessen will ich sein, ihr sollt nicht klagen
ihr habt mein Schiff durch manchen Sturm getragen
Vergessen will ich sein, wenn ihr verblieben
die Lebenden allein die sollt ihr lieben
Differenzen
Man hält uns im Freundeskreis
für das perfekte Paar
und es ist schon richtig
dass es früher mal so war
Doch wir haben uns inzwischen
leicht verzettelt und verrannt
aber deshalb geb ich dich
noch lang nicht aus der Hand
Es ist nicht weiter wild
es ist ja nur….
wir haben Differenzen
sexueller und politischer Natur
Ich weiß wie du aussiehst
nach ner durchgemachten Nacht
wenn dich selbst das beste Make-up
nicht mehr werbewirksam macht
Und du kennst all die Plätze
an die ich mich begeb
wenn ich Depressionen habe
und meine Neurosen pfleg
Es ist nicht weiter wild
es ist ja nur….
wir haben Differenzen
sexueller und politischer Natur
Alles ist okay
solange wir uns noch verstehn
und der Rest….
na ja, wir werden sehn
Der Schatten von Marlon Brando
Die Musicbox spinnt
in Rickys Café
sie kratzt wie mein Hals
und der schmierige Schnee
schmiegt sich beinah schüchtern
an dreckige Scheiben
und ich weiß nicht recht
was soll ich dir heut schreiben
Dass ich pleite bin
und der Wagen nicht läuft
dass der Mann neben mir
seinen Kummer ersäuft
dass die Fritten nicht schmecken
und ich immer denk
jeder Blick der vorbeigeht
ist wie ein Geschenk
Ich glaub es gibt nichts mehr
was mich noch erreicht
der Schatten von Marlon Brando vielleicht
und die Platte mit Sprung
die sich unendlich dreht
„Love me, please love me“
doch ich fühl mich zu spät
Die Kellnerin guckt
wie ein Hähnchen im Grill
und gleich wird sie mich fragen
ob ich noch was will
dann könnt ich ihr verraten
ich hab nie gemocht
wenn eine Fremde
Kaffee für mich kocht
Ich wart auf den Zug
rauch eine Zigarette
und schreib dir einen Brief
auf der rosa Serviette
Du wirst ihn nie lesen
und nie etwas wissen
von meinem Gefühl
dich heut Nacht zu vermissen
Doch sonst gibt es nichts mehr
was mich noch erreicht
der Schatten von Marlon Brando vielleicht
und die Platte mit Sprung
die sich unendlich dreht
„Love me, please love me“
doch ich fühl mich zu spät
Ich habe den Mond in der Heimat vergessen
Sie zog in die Wohnung ein schräg gegenüber
trug meist ein Kopftuch und war ziemlich scheu
man merkte ihr an sie ging nicht gern nach draußen
denn alles war für sie so fremd und so neu
Nicht jeder Blick der sie traf war sehr freundlich
das spürte sie schnell und ihr wurde klar
wie wenig wichtig das was sie fühlte
hier in der Fremde allen anderen war
Manchmal im Treppenhaus wenn wir uns sahen
kamen wir ins Gespräch und nach einiger Zeit
fing sie offener an von sich zu erzählen
und von ihrem Land das so fern war und weit
Ich habe den Mond in der Heimat vergessen
ich mag euren nicht – denn er spricht nicht mit mir
er ist kalt wie die Menschen in euren Städten
wenn es irgendwie geht dann bleib ich nicht hier
Ich wusste darauf auch nicht viel zu entgegnen
ich bin hier geboren und komme zurecht
und vielleicht ist hier vieles nicht wie es sein soll
aber nicht absolut alles ist schlecht
Es ist niemals leicht neue Freunde zu finden
wenn man fremd ist in einem anderen Land
doch auch hier gibt es Menschen die ohne Hass sind
und du findest manch helfende Hand
Ich weiß nicht ob sie meinen Worten vertraute
ich weiß nicht einmal ob ich selber es tu
vielleicht bin auch ich einmal in der Fremde
und jemand anders hört mir dann zu
Ich habe den Mond in der Heimat vergessen
ich mag euren nicht – denn er spricht nicht mit mir
er ist kalt wie die Menschen in euren Städten
wenn es irgendwie geht dann bleib ich nicht hier
Das bleierne Schweigen
Sie stehen schon wartend vor ihrem Haus
und du steigst aus dem Wagen
so selbstgefällig sehen sie aus
ich frag mich wie kannst du das ertragen?
Du hast gemeint es wär an der Zeit
zu vergessen und zu vergeben
dabei tut es ihnen kein wenig leid
geh nicht zurück in dieses farblose Leben
Die Gesichter der Nachbarn von Neugier geplagt
reiben sich an den Gardinen
du hast dich tatsächlich hierher gewagt
das mag wohl Respekt verdienen
Steig wieder ein, tu dir das nicht an
es kann doch zu nichts führen
die verschlagene Frau, der boshafte Mann
du kannst nichts in ihnen berühren
Sie sind was sie sind, sie sind was ich seh
wie viel Schwäche willst du ihnen zeigen?
Ich weiß genau sie tun dir wieder weh
in ihrer Hölle aus bleiernem Schweigen
Sie stehen schon lauernd vor ihrem Haus
was hast du ihnen noch zu sagen?
Glaub doch nicht sie breiten die Arme jetzt aus
bitte komm zurück in den Wagen
Du hast gemeint es wär an der Zeit
zu vergessen und zu vergeben
doch ich weiß dafür ist man niemals bereit
geh nicht zurück in dieses trostlose Leben
Die Gesichter der Nachbarn von Neugier geplagt
drücken sich an die Scheiben
du hast dich tatsächlich zurück gewagt
wirst du diesmal für immer bleiben?
Steig wieder ein, tu dir das nicht an
es kann doch zu nichts führen
die verschlagene Frau, der boshafte Mann
du kannst nichts in ihnen berühren
Sie sind was sie sind, sie sind was ich seh
wie viel Schwäche willst du ihnen zeigen?
Ich weiß genau sie tun dir wieder weh
in ihrer Hölle aus bleiernem Schweigen
Steig wieder ein, ich bringe dich fort
diese Haus hat keine offenen Türen
vergeude für sie kein einziges Wort
du darfst dich nicht wieder verlieren
Steig wieder ein, ich bringe dich fort
beug vor ihnen nie mehr deinen Rücken
das war und wird niemals ein glücklicher Ort
lass dich nicht mehr unterdrücken
Steig wieder ein, tu dir das nicht an
es kann doch zu nichts führen
die verschlagene Frau, der boshafte Mann
du kannst nichts in ihnen berühren
Sie sind was sie sind, sie sind was ich seh
wie viel Schwäche willst du ihnen zeigen?
Ich weiß genau sie tun dir wieder weh
in ihrer Hölle aus bleiernem Schweigen
Das Internat
Es gibt gute Gründe die Eltern haben
sich gegen gewöhnliche Schulen zu sperren
denn wir bereiten den vorlauten Knaben
den Weg zu stattlichen Herren
Die Bildung des Körpers und auch des Geistes
verlangt nach einer führenden Hand
die muss mitunter hart sein – das Leben beweist es
Züchtigung fördert selbst den geringsten Verstand
Bald können sie fehlerfrei konjugieren
nicht nur in Deutsch sondern auch in Latein
doch erwischen wir sie beim Onanieren
schmieren wir ihnen die Penisse mit Pferdemist ein
Bald wird ein fester Bund aus der wilden Horde
den es bei Wind und Wetter zum Sportplatz treibt
da purzeln tagein, tagaus die Rekorde
sofern man nicht grad an Sonetten schreibt
Gewiss der Aufenthalt hier ist nicht billig
und für die jungen Flegel anfangs ein Schock
So mancher erweist sich zunächst nicht als willig
doch erfährt dann die Gnade von Riemen und Stock
Schon bald ist es ein dressierter Haufen
der gehorcht, pariert und sich duckt
Jawohl, Erziehung lässt sich durchaus kaufen
Die Bildung ist dann das Nebenprodukt
Flügel aus Blei
Im goldenen Käfig
war ich zu lang
eine Nachtigall
die für dich nur sang
und wagte kaum
zu hoffen
die Käfigtür
stünde je offen
Einen Moment
hast du nicht aufgepasst
ich nutzte die Chance
und ich flog fast
dann kam der Fall
und du hast gelacht:
Was hast du dir
dabei nur gedacht?
Was nutzt es ein Vogel zu sein
und frei
- mit Flügeln aus Blei?
Du dachtest mein Stolz
wär für immer gebrochen
und ich käme zu dir
zurück gekrochen
und vielleicht kann ich
wirklich nicht siegen
doch dann bleibt mir
der Traum noch vom Fliegen
Besser ein Vogel zu sein
und frei
- selbst mit Flügeln aus Blei
Lass uns lachen beim Scheiden
Lass uns lachen beim Scheiden
und glauben dass uns noch etwas eint
Vorwürfe vermeiden
und alles was unbillig scheint
Innig die Hände noch drücken
als wolle man nicht wirklich gehn
und sich schwören mit feuchten Blicken
sich in Kürze wieder zu sehn
Lass uns nicht feilschen um Dinge
die ohnehin nicht von Wert
um Immobilien und Ringe
und den Wagen in dem man grad fährt
Einfach auf alles verzichten
quasi als letztes Geschenk
nicht über den anderen richten
und nicht tun als wär es hier zu eng
Lass uns die Würde bewahren
und glauben dass uns Gutes bleibt
wenn nach all diesen Jahren
die Zeit uns sonst wo hin treibt
Einfach in Anstand verweilen
und tun als wenn es nicht lang braucht
bis alle Wunden verheilen
und aller Ärger verraucht
Lass uns lachen beim Scheiden
nicht streiten um Kind oder Haus
keiner von uns soll leiden
wir haben anderen etwas voraus
Die Vernunft möge siegen
es braucht keinen groben Klotz
keinen Grund um sich zu bekriegen
oder für Falschheit und Trotz
Lass uns weinen im Stillen
wenn wir einander nicht sehn
wenn wir trotz festem Willen
unser Scheitern absolut nicht verstehn
Wenn aus tiefen Herzen wir trauern
und immer mehr zweifeln am Sinn
wenn wir das Ende bedauern
und nicht wirklich wissen wohin
Mich trugen leichte Schuhe
Mich trugen leichte Schuhe
aus Leinen und aus Bast
durchs Leben ohne Ruhe
nun endlich mach ich Rast
Hab manchen Berg erklommen
und lief an Fluss und Meer
wo ich heut angekommen
da stören sie nur sehr
Sie gingen nicht verloren
sie blieben stets intakt
doch als ich einst geboren
warn meine Füße nackt
Am Ziel nun meiner Wege
- endlich wieder Zuhaus
wo ich mich nieder lege -
zieh ich sie wieder aus
Vater war ein Seemann
Vater war ein Seemann
und hat oft und gern erzählt
von den vielen fremden Häfen
und wie sehr das Meer ihm fehlt
Mutter war dagegen
nicht so interessant
denn sie kam nie weiter
als bis an den Ostsee-Strand
Vater war ein Seemann
und sein Finger der zog Kreise
auf dem Globus und den Karten
ging er nochmal auf die Reise
Mutter hat dagegen
nur das Geschirr gespült
und sich Zeit ihres Lebens
in der Heimat wohlgefühlt
Und das Erbgut dieser beiden
hält sich bei mir die Waage
kann mich nicht so recht entscheiden
wohin ich mein Bündel trage
Ob mich ferne Strände rufen
oder ich verwurzelt bin
ich scharr ständig mit den Hufen
aber komm nirgendwo hin
Vater war ein Seemann
keine Küste war ihm fremd
irgendwann hat ihn die Liebe
aber doch an Land geschwemmt
Mutter war geübt im Warten
es gab viel im Haus zu tun
heute fragen ihre Blicke:
Und was nun?
Und das Erbgut dieser beiden
hält sich bei mir die Waage
kann mich nicht so recht entscheiden
wohin ich mein Bündel trage
Ob mich ferne Strände rufen
oder ich verwurzelt bin
ich scharr ständig mit den Hufen
aber komm nirgendwo hin
Telefonbuch
Der See der zum Hotel gehört
plätschert ganz selbstvergessen
da fällt den Enten auch nicht ein
geworfnes Brot zu essen
Sie mögen Badegäste nicht
und kommen schnell dahinter
im Sommer mag es wärmer sein
doch schöner ist’s im Winter
Und auf der Terrasse hätte ein Gast
beinah den letzten Whisky verpasst
Ich such im Telefonbuch
ob es mich wirklich gibt
ich weiß nichts weiter als:
Ich habe dich zu sehr geliebt
Der Oberst spricht von Kriegen
die Tochter spricht von Kunst
und vierzehn junge Gecken
werben um ihre Gunst
Wenn sie sich duellieren
dann tun sie mir nicht leid
nur bitte wenn es möglich ist
nicht grad zur Mittagszeit
Und auf der Terrasse hätte ich fast
den ersten Regen des Sommers verpasst
Ich such im Telefonbuch
ob es mich wirklich gibt
ich weiß nichts weiter als:
Ich habe dich zu sehr geliebt
Ein Page wird grad eben
von einem Wagen überrollt
und der Chauffeur sagt grinsend
Trinkgeld hat er wohl nicht gewollt
Der einbeinige Hampelmann
Er redete nie. Ging nicht aus dem Haus.
Der Vater war tot. Auch der Vater hieß Klaus.
Sein Zimmer war klein. Er liebte die Wände.
Manchmal zitterten sie. Manchmal seine Hände.
Sein einbeiniger Hampelmann
fing oft von selbst zu strampeln an
Das war eine Sache der Symmetrie
Phantomschmerz abwärts vom Knie
Er redete nie. Oft kamen Leute.
Die sprachen vom Wetter, von gestern, von heute.
Mutter brachte ihm immer das Essen.
Er hat es meist auf dem Teller vergessen.
Er redete nie. Man kam mit Geschenken.
Er wollte nicht danken. Nicht einmal dran denken.
Er sah aus dem Fenster. Nur Wolken und Spatzen.
Dann hielt er die Luft an und hoffte zu platzen.
Sein einbeiniger Hampelmann
fing oft von selbst zu strampeln an
Das war eine Sache der Symmetrie
Phantomschmerz abwärts vom Knie
Du bist eine von denen
Du bist eine von denen
die am Hafen stehn in der Nacht
und du suchst nach dem fiebrigen Sehnen
das so manchen zu dir gebracht
Du weißt dass sie schlecht von dir sprechen
denn sie stammen aus besserem Haus
doch wenn sie sich vergnügen und zechen
sehen sie wie jeder andere aus
Du bist eine von denen
die am Hafen stehn in der Nacht
ich vergleiche euch gerne mit Schwänen
die nichts ahnen von ihrer Pracht
Auch wenn sie ihre Namen verschweigen
wollen sie es doch lebendig und warm
und die Finger die sonst auf dich zeigen
kennen dann keine Scheu, keine Scham
Du bist eine von denen
die am Hafen stehn in der Nacht
euer Stolz rührt mich oft zu Tränen
ich hab nie gering von euch gedacht
Schwestern des Sturms
Die letzten Worte sind geschrieben
der letzte Mut verbraucht
das Herz zu schwach zum Lieben
in Schwermut abgetaucht
Wer trinkt um zu vergessen
vergisst nicht warum er trinkt
er vergisst stattdessen nur
dass die Welt um ihn versinkt
Ich steh hier mit den Schwestern des Sturms
so tödlich kalt und wunderschön
mit Augen die zu tief in meine Seele sehn
Sie wissen von den Dingen
die man niemandem erzählt
vom Scheitern und Gelingen
und allem was mich quält
Sie legen ihre Hände
auf meinen müden Leib
ich weiß ich find Erlösung
wenn ich bei ihnen bleib
Ich steh hier mit den Schwestern des Sturms
so tödlich kalt und wunderschön
mit Augen die zu tief in meine Seele sehn
Ihr Atem teilt das wilde Meer
bis es mir still zu Füßen liegt
mein Körper ist unendlich schwer
doch meine Seele fliegt
Ich geh heut mit den Schwestern des Sturms
so tödlich kalt und wunderschön
um ihre Welt zu sehn
Jesus-TV
Geht nicht aus dem Haus ohne mich zu grüßen
drückt den Knopf sonst werdet ihr es büßen
des Herren Satelliten sind längst überall
vernehmt meine Botschaft von Trost und Sündenfall
Preiset mich am Morgen – lobet mich am Abend
schaut mein heiliges Programm
schart euch um den Kasten mit all euren Lasten
seht euch meine Predigt an
Ich bin Fleisch von eurem Fleisch
bin Prophet und Bote
ich mach euer Leben reich
- stärkt mir die Quote
Kyrie Halleluja ich mach euch den Himmel blau
mit zehn Werbepausen stündlich .........Jesus TV
Senkt die Häupter meine Lieben, faltet frisch und frei die Hände
und dann schaut mir in die Augen, unermüdlich ohne Ende
lasst mich ein Gebot euch mit Ernst verkünden:
Zappen meine Schäfchen ist die schwerste Sünde
Ich bin Fleisch von eurem Fleisch
bin Prophet und Bote
ich mach euer Leben reich
- stärkt mir die Quote
Kyrie Halleluja ich mach euch den Himmel blau
mit zehn Werbepausen stündlich .........Jesus TV
Schaltet niemals aus und um – in Gottes Namen
Hosianna – Amen
Mascha
Mascha, du kennst die Stimmen
die sich im Wind verliern
auf Schiffen ohne Häfen
wo Herzen schnell erfriern
Wenn Heimat nur ein Wort ist
warum tut es so weh
wenn ich an solchen Tagen
die Welt mit deinen Augen seh?
Wir teilen eine Sprache
die sucht und schmerzt und brennt
in der man sich verlieren kann
und an der man sich erkennt
Wir sind nur Geister, Mascha
wir haben keinen Ort
zwei Schatten nur im Nebel
bald spült die Flut uns fort
Such nicht nach einem Sinn
es konnte keinen geben
vielleicht sehn wir uns wieder
in einem andren Leben
Das sind die Straßen, Mascha
auf denen du einst gingst
mit deinem wilden Lachen
so viele Herzen fingst
Selbst wenn die Liebe tötet
und man vieles bereut
mir fehlen deine Träume
und deine Worte heut
Wir teilen eine Sprache
die sucht und schmerzt und brennt
in der man sich verlieren kann
und an der man sich erkennt
Wir sind nur Geister, Mascha
wir haben keinen Ort
zwei Schatten nur im Nebel
bald spült die Flut uns fort
Such nicht nach einem Sinn
es konnte keinen geben
vielleicht sehn wir uns wieder
in einem andren Leben
Die Schizophrene
Ich bin von mehr als einem Geist besessen
am besten ist, ihr seht erst gar nicht hin
vielleicht gelingt es euch dann zu vergessen
wie ähnlich ich doch euren Ängsten bin
Ungemütlich
Sitzen wir in froher Runde
kommt manch Wort aus deinem Munde
und es gibt eins das genügt
schon bin ich nicht mehr vergnügt
Warum immerzu mich quälen
und von Ecuador erzählen
wo mein Schweigen doch beweist
dass kein Arsch gern dahin reist
Du bist so ungemütlich
denn du denkst viel zu südlich
mancher findet das echt niedlich
doch es ist nicht eben friedlich
sondern eher so wie Gift
weil es auch mich betrifft
Du liegst geografisch schief
Süden ist sehr relativ
und um dir das zu beweisen
lass uns doch nach Nürnberg reisen
Dort muss man auch nicht riskieren
in der Wildnis zu campieren
denn wenn ich das richtig seh
gibt’s dort Heizung und WC
Du bist so ungemütlich
denn du denkst viel zu südlich
mancher findet das echt niedlich
doch es ist nicht eben friedlich
sondern eher so wie Gift
weil es auch mich betrifft
Schon dein letzter Freund fand
dass dein Fernweh echt nicht prickelt
und hat nur für dich
Google Earth entwickelt
Landschaft ohne Königin
Da steht ein Holzkreuz am Straßenrand
wo der Tod ein paar billige Seelen fand
ich hab davon in der Zeitung gelesen
sie waren alle erst um die zwanzig gewesen
Von der Disco nach Haus mit zwei Promille
ein Knall, ein paar Schreie und dann nur noch Stille
was haben wohl ihre Eltern gedacht
als es klingelte mitten in der Nacht?
Das Leben hängt an einem seidenen Faden
wir alle haben Sünden auf uns geladen
und trotzdem macht es keinen Unterschied
wen es zuerst erwischt im Feindgebiet
Schau mich an
ich bin nur ein alter Mann
ich steck noch knietief drin
in der Landschaft ohne Königin
Mancher glaubt er hätte den Tod betrogen
durch ein Übermaß an Sex und an Drogen
oder einen Handel mit ihm abgeschlossen
und deshalb ausgiebig sein Leben genossen
Doch unsere Namen stehen auf Listen
es gibt einen Plan und es gibt Fristen
und es ist ganz egal was auch immer wir tun
gegen das Schicksal ist niemand immun
Das Leben hängt an einem seidenen Faden
auch wenn wir die Hände in Unschuld baden
es macht trotzdem keinen Unterschied
wen es zuerst erwischt im Feindgebiet
Schau mich an
ich bin nur ein alter Mann
ich steck noch knietief drin
in der Landschaft ohne Königin
Eden steht längst in Flammen
und wir alle zusammen
folgen ob alt oder jung
dem Weg in die Dämmerung
Sag mir was ich bin
wo gehe ich hin
in dieser Landschaft ohne Königin?
Sprich von mir
Sprich nicht von Straßen und Zügen
als wärst du schon nicht mehr hier
als würd dieser Ort nicht genügen
wenn du schon sprichst – sprich von mir
Sprich nicht von Bergen und Flüssen
so als ob ich dich verlier
du solltest es besser wissen
wenn du schon sprichst – sprich von mir
Sprich nicht von Wüsten und Meeren
merkst du denn nicht wie ich frier?
Hör auf es mir zu erklären
wenn du schon sprichst – sprich von mir
Sprich nicht von Abschied und Suche
und von den Zweifeln an mir
wenn du nicht schweigst dann verfluche
ich alle Worte von dir
Die vergessene Armee
Weißt du wie man sie nannte?
„Die vergessene Armee“
Sie lagen eingekesselt
monatelang im Schnee
Sie hatten nur die Order
dem Feind zu widerstehn
wussten sie würden niemals
ihre Liebsten wiedersehn
Schneeblind und halb verhungert
manch Glied taub und erfroren
harrten sie bei der Flagge
der sie die Treue schworen
Umstellt von den Kanonen
und um den Schlaf gebracht
durch wildes Trommelfeuer
bei Tag und auch bei Nacht
So mancher der zum Himmel sah
und einen Stern erkannte
fand Trost darin dass dieser auch
am Heimathimmel brannte
Welchen Ausweg hat ein braver Mann
als sich zum Krieg zu melden?
Und die Kadaver die es braucht
spottet man dann als Helden
Wenn man euch nun Verbrecher nennt
ist das zwar zu verstehen
aber dass ihr auch Opfer wart
mag mancher heut nicht sehen
Ihr habt der Welt viel Leid gebracht
ich muss euch nicht vergeben
ihr habt genug schon durchgemacht
und wolltet nichts als leben
Immer an der Leitplanke entlang
Puls auf hundertachtzig – Tacho noch zehn mehr
kurz daran gedacht wie es wohl in München wär
Warum nicht Bremen sondern ausgerechnet München?
Keine Ahnung – aber irgendwas muss sich der Mensch ja wünschen
Immer gut zu Fuß gewesen – aber damit schlecht gefahrn
besser sich die Mitleidstour einfach mal ersparn
die Töchter andrer Väter haben auch schöne Bausparverträge
und wo ein Wille ist gibt es bekanntlich Wege
Immer an der Leitplanke entlang und nur nicht umsehn
da ist nichts wonach es sich zu schauen lohnt
und vor allem bloß nicht anhalten und umdrehn
den letzten Kilometerstein schluckt grade der Mond
Die Windschutzscheibe ist fast am Zerspringen
sie kann das Lied der Räder noch nicht singen
doch mit der Zeit wird sie sich dran gewöhnen
wie an die Amseln die im Tiefflug dröhnen
Der Lack mag sich auch nicht so recht entscheiden
in diesem tristen beigen Farbton stur zu bleiben
ein helles Rot wär eher angemessen
wenn man eh schon dabei ist zu vergessen
Immer an der Leitplanke entlang und nur nicht umsehn
da ist nichts wonach es sich zu schauen lohnt
und vor allem bloß nicht anhalten und umdrehn
den letzten Kilometerstein schluckt grade der Mond
Und der Himmel sieht aus wie ein versteinerter Strand
in ihm verliert sich das schwarz-weiße Band
wenn man ihn betrachtet von fern
ist das Auto nur ein weiterer Stern
Die Menschen sind gut
Die Menschen sind gut. Was gibt’s da zu lachen?
Gott schuf sie nach seinem Ebenbild.
Also muss man sich keine Gedanken mehr machen
solange diese Gewissheit noch gilt.
Doch wenn man diese Formel näher ergründet
zwickt einem Unbehagen im Bauch.
Weil der Umkehrschluss sich zu leicht findet:
Die Menschen sind schlecht. Gott dann wohl auch
Nachtzug
Ein Zug verkehrt auf Gleisen
zwischen Warschau und Berlin
man sieht dort jene reisen
die in die Fremde ziehn
mit Koffern voll von Träumen
festgezurrt mit Glück
die wenigsten davon
kehren jemals zurück
Und die Gesichter in den Scheiben
sind Geister die verloren bleiben
zwischen Abfahrt, Ankunft und dazwischen
reicht ein Hemdsärmel um sie fortzuwischen
Nachtzug
Zuflucht der Hasardeure
einzige Insel in der Leere
Ort der Tragödien und Geschichten
der Schleier die sich niemals lichten
der müden Blicke und der großen Posen
Heimat der Heimatlosen
Nachtzug
Ein Zug rollt über Schienen
verschlingt hungrig die Zeit
zwischen den Kilometern
der Vergeblichkeit
und er hält an Orten
die man vergaß
kaum dass man
ihre Namen las
Und die Gesichter in den Scheiben
sind Geister die verloren bleiben
zwischen Abfahrt, Ankunft und dazwischen
reicht ein Hemdsärmel um sie fortzuwischen
Nachtzug
Zuflucht der Hasardeure
einzige Insel in der Leere
Ort der Tragödien und Geschichten
der Schleier die sich niemals lichten
der müden Blicke und der großen Posen
Heimat der Heimatlosen
Nachtzug
Ich will nicht zu Rudolfs Party
Ich hab null Bock auf Krawatte
weil ich davon Ausschlag kriege
habe auch kein Rüschenhemd mehr
und nur eine Stubenfliege
Aber die am Hals zu tragen
wäre erstens nicht korrekt
zweitens summt sie leider ständig
drittens hat sie sich versteckt
Und da ich sogar im Frack kiff
taug ich wirklich nicht als Flaggschiff
Ich will nicht zu Rudolfs Party
denn er guckt meist so begossen
wie ein Zwergpinscher im Regen
auf die alten Trinkgenossen
Ich will nicht zu Rudolfs Party
denn da kann man nie gut tanzen
weil die ganzen Schicki-Mickis
Scheiße in die Köpfe pflanzen
Uh Mama Mama ich bleib hier
und trink lieber Dosenbier
Rudolf ist mir viel zu oll
der steht nicht auf Rock´n Roll
Ich käm mir da wie ein Schirm vor
würde absolut versteifen
meine Umwelt ignorieren
und mich selber nicht begreifen
Alle reden da chinesisch
oder intellektuell
ich krieg das nie auf die Reihe
und kapier das nicht so schnell
Und weil ich die Sache so seh
bringts mir mehr wenn ich aufs Klo geh
Ich will nicht zu Rudolfs Party
denn er guckt meist so begossen
wie ein Zwergpinscher im Regen
auf die alten Trinkgenossen
Ich will nicht zu Rudolfs Party
denn da kann man nie gut tanzen
weil die ganzen Schicki-Mickis
Scheiße in die Köpfe pflanzen
Uh Mama Mama ich bleib hier
und trink lieber Dosenbier
Rudolf ist mir viel zu oll
der steht nicht auf Rock´n Roll
Ich will nicht zu Onkel Rudolf
der sieht so verbissen aus
Mama da geh mal alleine
ich bleib doch lieber zu Haus
Die Sünderin
Da steht sie hilflos im Hagel der Steine
fleht um ihr Leben und ist alleine
blutend schon aus zahlreichen Wunden
Leib und Seele brutal geschunden
sinkt sie sterbend dahin
die Sünderin
Kein Blitz und kein Donner der die Mörder erschlägt
keine Hand die sich schützend über sie legt
der Himmel schweigt still,
so es Gott will
hartherzig und blind
erbarme Dich ihrer
auch sie ist dein Kind
Wie viele wurden in deinem Namen gequält?
Kanntest du ihre Namen, hast du sie gezählt?
Manche die auf dem Scheiterhaufen verbrannt
hat flehend noch deinen Namen genannt
doch du hast dich von ihr abgewandt
so dass sie ein schreckliches Ende fand
All die geknechteten und misshandelten Seelen
dachten auf dich Herr könnten sie zählen
doch am Ende da waren sie alle allein
vielleicht bist du selbst nur aus Stein
Kein Blitz und kein Donner der die Bösen erschlägt
keine Hand die sich schützend über uns legt
der Himmel schweigt still,
so es Gott will
hartherzig und blind
erbarme Dich meiner
auch ich bin dein Kind
Über uns
Da gehen Menschen durch die Straßen
deren Namen du nicht kennst
in einer Stadt wo du dir jede Nacht
dein junges Herz verbrennst
Du schreibst Briefe in die Heimat
die du anschließend zerreißt
und der Zug auf den du wartest
ist entgleist
Über uns das Weltall
unter uns der Tod
und dazwischen ein Kuss im Abendrot
Ich hab getan als wenn dein Lächeln
mich nicht in der Seele trifft
du hast getan als wären meine Blicke
weiter nichts als Gift
Und all die ungesagten Worte
die nun zwischen uns stehn
verlangen einfach nur den Mut
einen Schritt zu weit zu gehn
Über uns das Weltall
unter uns der Tod
und dazwischen ein Kuss im Abendrot
Wenn unsre Schatten sich berühren
und das Licht wird warm und weit
überwinden wir den Abgrund
der Unmöglichkeit
Die Tage der Clowns sind vorbei
Der Lack blättert ab von den Wagen
das Zelt tausendmal schon geflickt
die Pferde in schrecklichem Zustand
Traurigkeit wohin man auch blickt
Auf der Holzbank ein kleines Mädchen
das mit großen Augen uns winkt
während im Staub der Manege
schon das Lied vom Abschied erklingt
Wir kommen nie wieder
nie wieder hier her
wir kommen nie wieder
denn es gibt uns nicht mehr
Die Tag der Clowns sind vorbei
und vielleicht ist es ja einerlei
wenn niemand den Menschen das Lachen mehr bringt
kein Applaus im weiten Rund mehr erklingt
aber was gibt es dann stattdessen
wenn sie die Clowns vergessen?
Kein Geld für das Futter der Tiere
und kaum noch Kostüme im Schrank
die Artisten schon längst abgeworben
und die Gage geht gleich an die Bank
Das ist heute der letzte Auftritt
und das Zelt ist wieder fast leer
es reicht für ein paar müde Witze
und ein paar Tränen hinterher
Wir kommen nie wieder
nie wieder hier her
wir kommen nie wieder
denn es gibt uns nicht mehr
Die Tag der Clowns sind vorbei
und vielleicht ist es ja einerlei
wenn niemand den Menschen das Lachen mehr bringt
kein Applaus im weiten Rund mehr erklingt
aber was gibt es dann stattdessen
wenn sie die Clowns vergessen?
Am Straßenrand das kleine Mädchen
das winkt und ganz schüchtern spricht:
Egal wohin ihr auch geht
die Clowns vergesse ich nicht
Die Tag der Clowns sind vorbei
doch es ist sicher nicht einerlei
wenn niemand den Menschen das Lachen mehr bringt
kein Applaus im weiten Rund mehr erklingt
und es gibt nichts stattdessen
die Clowns wird man niemals vergessen
Meine Schattenseiten
Vielleicht muss ich erst siebzig werden
um etwas Frieden zu finden auf Erden
doch verzeiht wenn ich lache:
Glaubt nicht dass ich es so lange mache
Die Freiheit des Dichters heißt Lebenskrise
das war von jeher auch meine Devise
wer glücklich ist schreibt nur Mist
wie schön wenn man traurig ist
Sie sind von Vorteil, meine Schattenseiten
das lässt sich absolut nicht bestreiten
gefallen sie Freunden und Familie auch nicht
so rücken sie mich doch ins rechte Licht
Der Hölderlin war in seinem Turm
weiß Gott alles andre als ein armer Wurm
der Wahnsinn ist auf alle Fälle
der Poesie erträglichste Quelle
Zwei, drei gute Texte reichen als Lohn
für eine mittlere Depression
doch den großen Wurf bekomm ich erst hin
wenn ich kurz vor dem Selbstmord bin
Sie sind von Vorteil, meine Schattenseiten
das lässt sich absolut nicht bestreiten
gefallen sie Freunden und Familie auch nicht
so rücken sie mich doch ins rechte Licht
Zu Ruhm und Ehre werden sie mich geleiten
meine hochgeschätzten, abgöttisch geliebten Schattenseiten
Sie wird in ihrer Schönheit sich verschwenden
Sie wird in ihrer Schönheit sich verschwenden
bedenkenlos dem Leben zugetan
dem Leben, das sie jetzt schon trägt auf Händen
sie neigt zur Größe, nicht zum Größenwahn
Sie wird sich ihrer selbst ständig besinnen
trägt nicht die Nase oben, nur den Kopf
jemand wie sie kann immer nur gewinnen
mit leichter Hand packt sie das Glück am Schopf
Sie wird aus kleinen Dingen Großes machen
denn sie ist nicht geschwätzig, nur beredt
sie kann über sich selbst auch herzhaft lachen
ist keine die in fremden Schuhen geht
Sie wird mit ihrer Sanftheit viel erreichen
überall dort wo Härte stets versagt
und sie geht ihren Weg nicht über Leichen
kein Hindernis bei dem sie je verzagt
Sie wird in ihrer Schönheit sich verschwenden
bedenkenlos dem Leben zugetan
dem Leben, das sie jetzt schon trägt auf Händen
sie neigt zur Größe, nicht zum Größenwahn
Immer die blöden Selbstmörder
Immer die blöden Selbstmörder
stehen dort auf der Brücke
wo ich meine Liebste stets treffe
und lassen kaum eine Lücke
Ich will doch nur etwas poussieren
im Sonnenuntergang
Doch die wollen sich massakrieren
„Sagt mal, dauert’s noch lang?
Die Marie sitzt schon in der Taxe
mir wird die Zeit langsam knapp
da werdet ihr doch wohl nicht glauben
ich nehm euch die Beichte noch ab
Jeder hat Gründe für alles
Das ist mit Sicherheit wahr
Mit Bestimmtheit kann ich nur sagen
Das Wasser da unten ist klar
Nun stellt euch nicht an wie Mädchen
der Tod ist auch nur gewöhnlich
springt endlich, ihr Verdammten
sonst schubse ich euch persönlich
Moment, mein Telefon klingelt
Marie – sie macht mit mir Schluss
Zur Seite ihr trödelnden Murkser
seht ihr nicht dass ich springen muss?“
Kleine Zeit
Kleine Zeit – gemeine Zeit
es war nie meine und deine Zeit
war geborgte Zeit
war verschenkte Zeit
es war nie deine und meine Zeit
Die Blumen haben nicht bunter geblüht
die Sterne haben nicht heller geglüht
die Wellen haben nicht höher geschlagen
doch das kann man hinterher immer sagen
Kleine Zeit – gemeine Zeit
es war nie meine und deine Zeit
war geborgte Zeit
war verschenkte Zeit
es war nie deine und meine Zeit
Die Flüsse sind nicht schneller geflossen
der Regen hat nicht stärker gegossen
die Bücher sind nicht dicker gewesen
und sie ließen sich auch nicht leichter lesen
Wie ein lautes Wort
an einem leisen Ort
leicht gesagt – schwer bereut
ist nicht anders als heut
und die Wege sind
noch genauso weit
es war weiter nichts
als eine kleine Zeit
Es war nie meine und deine Zeit
Möchtegernopfer/Zufallstäter
Ich bin die Axt im Walde
ich schlage planlos aus
du bist verwanzt, wirst überwacht
ich kenn dein Herz, dein Haus
Das Salz von deinen Tränen
süßer Geschmack der Angst
ich gebe dir den Terror
den du insgeheim verlangst
Möchtegerntäter und Zufallsopfer
eine Symbiose stiller Leiden-Schaft
du bist gern wehrlos und unterwürfig
ich prahle mit meiner Manneskraft
Du bist das Blatt im Sturmwind
getrieben und verloren
in meine harten Träume
bittend hineingeboren
Der Schorf auf deinen Wunden
niemals ganz verheilt
wir haben eine Liebe
zur Gewalt geteilt
Möchtegerntäter und Zufallsopfer
magisch ziehn uns unsre Triebe an
wir geben uns was uns kein andrer
auch nur ansatzweise geben kann
Halt den Mythos aufrecht
Spielen wir auf die Ostkurve zu
geht die Halbzeit nicht verloren
setzt du dir eine Mütze auf
hast du keine kalten Ohren
Bist du immer fleißig
wirst du es zu was bringen
Mädchenbands mag man
nicht unbedingt fürs Singen
Halt den Mythos aufrecht
weil uns sonst nichts bleibt
besser wenn man sich das
hinter die Ohren schreibt
Halt den Mythos aufrecht
glaub einfach daran
denn man hat ja sonst nichts
worauf man bauen kann
Echte Männer weinen nicht
außer es stirbt ein Pferd
wenn man zu spät zur Arbeit kommt
dann geht die Uhr verkehrt
Schwiegermütter mag man nicht
außer sie fallen ins Koma
die beste Frau von allen
ist immer noch die Oma
Halt den Mythos aufrecht
weil uns sonst nichts bleibt
besser wenn man sich das
hinter die Ohren schreibt
Halt den Mythos aufrecht
glaub einfach daran
denn man hat ja sonst nichts
worauf man bauen kann