Der Herrgott ist mir noch ein Leben schuldig
Die Zeit verfliegt als wenn sie Flügel hätte
so dumm ich bin weiß ich doch was mir droht
das letzte Glimmen einer Zigarette
nur einen Wimpernschlag entfernt vom Tod
Ich war kein guter Mensch und auch kein schlechter
ich bin nicht stolz auf alles was ich tat
ich glaube andre waren selbstgerechter
auch wenn ich selten um Vergebung bat
Ich hab gesündigt und geliebt
und ich war niemals sehr geduldig
und auch wenn es kein Morgen gibt
mir ist der Herrgott noch ein Leben schuldig
Ich hab mich nie für wen verbogen
war für das Glück manchmal zu scheu
ich hab gelogen und betrogen
aber ich war auch gut und treu
Aus Stolz machte ich vieles schlimmer
aus Schaden wurde ich nicht klug
ich gab mein Bestes und zwar immer
doch oft war es nicht gut genug
Ich hab gesündigt und geliebt
und ich war niemals sehr geduldig
und auch wenn es kein Morgen gibt
mir ist der Herrgott noch ein Leben schuldig
Ich bin zu weit gegangen
Dein Blick der mich aus Neugier traf
und Fragen in den Morgen warf
die keine Antwort lohnen
weil wir zwar in der selben Bahn
und doch verschiedne Strecken fahrn
zu anderen Stationen
Ich geb dir diesen Blick zurück
ich brauch dich nicht zu meinem Glück
der Wunsch ist zu vermessen
selbst wenn du mir entgegen eilst
und mit mir diese Sehnsucht teilst
werd ich dich doch vergessen
Ich bin zu weit gegangen
und bei jedem neuen Schritt
trage ich die Schuld der Jahre
in ein andres Leben mit
denn ich bin zu weit gegangen
um mich jetzt noch umzudrehn
von mir bleiben nur die Spuren
die in deinem Blick verwehn
Dein Blick der mich zum Bleiben rief
schnitt beinah eine Schicht zu tief
in meine schlichten Pläne
und zu gern ging ich darauf ein
ein Teil von deiner Welt zu sein
die ich ersehne
Ich geb dir diesen Blick zurück
er scheint mir viel zu nah am Glück
vermag mich aufzuwühlen
denn wenn du mir entgegen gehst
als ob du meine Angst verstehst
kann ich den Schmerz schon fühlen
Ich bin zu weit gegangen
und bei jedem neuen Schritt
trage ich die Schuld der Jahre
in ein andres Leben mit
denn ich bin zu weit gegangen
um mich jetzt noch umzudrehn
von mir bleiben nur die Spuren
die in deinem Blick verwehn
Ich bin zu weit gegangen
in mir ist alles stumm
kann nicht zu dir gelangen
kehr niemals wieder um
Das Warten
Der Mensch ist nicht geschaffen fürs Alleinsein
ihn dürstet es nach andrer Stimmen Klang
nach Freunden, nach Gefährten, nach Geliebten
allein wird er an Leib und Seele krank
Das Leben gleicht dem Meer in vielen Dingen
mal ist es rau, mal ist es einfach still
wir sind wie Schiffe die mit Wogen ringen
und man bekommt nur selten was man will
So viele liebe ich auf viele Arten
wenn manches sich da auch im Wege steht
doch du alleine bist für mich das Warten
das ganz gewiss niemals zu Ende geht
Man sucht sein Leben lang nach irgendeinem
als wär man weiter nichts als ein paar Schuhe
die manchmal drücken, doch im Grunde passen
man wähnt sich sicher, kommt beinah zur Ruhe
Doch nichts hält ewig, auch nicht ein Paar Treter
man läuft so lang darin bis man vergisst
dass sie kaputt gehn früher oder später
und man dann wie am Anfang barfuß ist
So viele liebe ich auf viele Arten
wenn manches sich da auch im Wege steht
doch du alleine bist für mich das Warten
das ganz gewiss niemals zu Ende geht
Dein Lachen ist auch nicht mehr was es mal war
Die Küche sieht aus wie ein Schlachtfeld
der Dackel wie ein General
er wedelt mit seinem Schwänzchen
und denkt: Ihr könnt mich doch mal
Du schläfst zu lange und ich träume schlecht
und wenn wir uns streiten dann hat keiner recht
ich fand heut im Abfluss schon wieder ein graues Haar
und dein Lachen ist auch nicht mehr das was es mal war
Ein Apfel vergammelt am Fenster
wir mögen ihn beide nicht
doch er scheint sich gut zu amüsieren
schließlich hat der dort Frischluft und Licht
Du züchtest Tulpen, ich züchte Neurosen
wie wär’s wenn wir um den Abwasch mal losen
oder ihn einfach stehen lassen bis nächstes Jahr
denn das Leben ist auch nicht mehr das was es mal war
Ein Klempner kämpft mit der Heizung
der Dackel biss ihm ins Ohr
nicht einmal, nicht zweimal, nein dreimal
bis der Klempner nach Punkten verlor
Du pflegst den Klempner, ich lieber den Dackel
du würdest nicht merken wenn ich die Bude abfackel
so verliebt streichst du dem halbtoten Klempner durchs Haar
und die Liebe ist auch nicht mehr das was sie mal war
Die Einzigartigkeit der Frage
Du kannst alles über mich wissen
ohne mich im geringsten zu kennen
du kannst in fremden Universen
Sterne nach uns benennen
Du kannst mich zum Teufel schicken
oder direkt in dein Zimmer
du kannst tun was du willst
du kannst tun was auch immer
Als ob ich je eine Wahl gehabt hätte
als ob ich nicht wüsste wohin uns das führt
du hast so getan als wenn du mich nicht siehst
und mich doch viel zu tief berührt
Es ist wie es ist und es ist gut so
ich stelle mich dir und der Lage
die Dummheit einer ganzen Generation
liegt in der Einzigartigkeit der Frage
Wir sind wie wir sind und es ist gut so
auch wenn ich es kaum ertrage
die Schönheit unsres ganzen Planeten
liegt in der Einzigartigkeit der Frage
Du kannst alles von mir fordern
oder gar nichts von mir erwarten
du kannst dir wünschen was noch geschieht
oder bereuen was wir schon taten
Du kannst mich zur Hölle jagen
oder direkt in dein Leben
du kannst haben was immer du willst
und ich werd es dir geben
Als ob ich je eine Wahl gehabt hätte
als ob ich nicht wüsste wohin uns das führt
du hast so getan als wenn du mich nicht siehst
und mich doch viel zu tief berührt
Es ist wie es ist und es ist gut so
ich stelle mich dir und der Lage
die Dummheit einer ganzen Generation
liegt in der Einzigartigkeit der Frage
Wir sind wie wir sind und es ist gut so
auch wenn ich es kaum ertrage
die Schönheit unsres ganzen Planeten
liegt in der Einzigartigkeit der Frage
Feten ohne Mädchen
Rico hat Geburtstag
und lädt zwanzig Kumpel ein
es gibt Bier und Erdnussflips
Bier und abgestandnen Wein
Aus den Boxen dröhnen
schöne Songs der 80er Jahre
aber uns fällt sehr schnell auf
die Party ist nicht ganz das Wahre
Denn hier fehlt die ganze Zeit
doch die holde Weiblichkeit
Wer will schon Feten ohne Mädchen
Partys ohne Fraun?
Da geht man doch nur hin
um wieder abzuhaun
Da kommt man nicht aus Freude
da kommt man nur aus Pflicht
wen soll man da küssen
Jungs küssen sich nicht
Klar es gibt Gelegenheiten
wo die Weiber stören
in der Kneipe und beim Fußball
weil sie da nicht hingehören
Aber wenn man feiern will
kann man sie schon gebrauchen
sonst kann man nur fressen
saufen oder rauchen
Denn ohne holde Weiblichkeit
tun wir uns nur selber leid
Wer will schon Feten ohne Mädchen
Partys ohne Fraun?
da geht man doch nur hin
um wieder abzuhaun
Da kommt man nicht aus Freude
da kommt man nur aus Pflicht
denn gibt es keine Titten
lohnt sich der Aufwand nicht
Nichts kann uns die Stimmung
so absolut versaun
wie Feten ohne Mädchen
Partys ohne Fraun
Es schweigt der gute Mond
Es schweigt der gute Mond in deinen Augen
dein Herz ist sieben Leben weit entfernt
ich würde nur zu gerne daran glauben
ich hätte irgendwas daraus gelernt
Was du mir lässt sind nicht mal Illusionen
ich blute aus und bin fast völlig leer
du zeigtest mir dass Träume sich nicht lohnen
was nützt mir diese Weisheit, bitte sehr?
Du kannst so leicht von neuen Ufern sprechen
wie selbstbewusst und kalt du plötzlich klingst
vielleicht freut es dich ja mich zu zerbrechen
pass nur gut auf dass du mir nicht ertrinkst
Denn vor den neuen Ufern liegen Meere
die rauer sind als du dir träumen lässt
ich harre hier und füge mich der Leere
wer hält dich jetzt bei starkem Seegang fest?
Es schweigt der gute Mond in deinen Augen
ich glaub ich mag sie nie mehr wiedersehn
ich weiß dass sie zur Ehrlichkeit nicht taugen
und sang- und klanglos mit dir untergehn
Der Mann der zu sterben vergaß
Er sitzt den ganzen Tag auf der Terrasse
und kommt Besuch schickt er ihn wieder fort
wenn überhaupt sprach er mit Schwester Agnes
mit anderen sprach er niemals ein Wort
Er wohnt seit vierzig Jahren in dem Zimmer
im dritten Stock die letzte Tür im Gang
man findet nichts dort was persönlich wäre
nur seine Kleidung liegt ganz ordentlich im Schrank
Hat keine Fotos, schreibt auch niemals Briefe
man sah auch nie dass er die Zeitung las
er sitzt nicht mit den anderen beim Essen
- der Mann der zu sterben vergaß
Einmal im Monat kommt der Doktor zur Kontrolle
nicht aus Notwendigkeit sondern aus Pflicht
er wurde nie bestellt und nie benötigt
Probleme gabs seit vierzig Jahren nicht
Seit Schwester Agnes in ne andre Stadt zog
schwieg er total, zehn Jahre ist das her
er bleibt für alle anderen ein Rätsel
sie denken vielleicht stirbt er niemals mehr
Er tut nichts weiter, schaut nur in die Ferne
die Augen trübe längst wie blindes Glas
und niemand weiß worauf er hier noch wartet
- der Mann der zu sterben vergaß
Und keiner weiß was wirklich in ihm vorgeht
erlaubt sich Gott vielleicht mit ihm nen Spaß
er ist inzwischen über hundertfünfzehn
- der Mann der zu sterben vergaß
Ich zähle rückwärts
Du hast mich im Atlantik gefunden
ich paddelte grad mit den Ohren im Meer
und träumte davon dass ich nochmal sechzehn
und Sophie Marceaus Tamagotchi wär
Dein Mund war gnadenlos rot wie die Sonne
und du sprachst nur besoffenes Spanisch
ich hab deine Haare zu Zöpfen geflochten
und dir erklärt: Nähe macht mich stets panisch
Ich wusste dass sie uns im Hotel vermissten
denn hier schießt man gern auf Pauschaltouristen
Ich zähle rückwärts dann bleibt uns mehr Zeit
und du trinkst den Mitternachtsmond für mich breit
wir sind ohnehin schon zu weit raus geschwommen
lass uns einfach sehen wie weit wir noch kommen
ich zähle rückwärts, dann bleibt uns mehr Zeit
Eine Möwe hatte poetischen Dünnschiss
der Wind heulte laut wie ein verzogenes Kind
wir trieben wie Bretter auf den öligen Wellen
und dachten dass wir bald in Afrika sind
Meine Lippen waren salzig wie gammliger Hering
du hast sie trotzdem ständig geküsst
und wär mein Spanisch etwas besser gewesen
hätt ich dir gesagt wie irre du bist
Ich hoffe dass sie nicht nach uns suchen
sondern uns einfach nur als Verluste abbuchen
Ich zähle rückwärts dann bleibt uns mehr Zeit
und du trinkst den Mitternachtsmond für mich breit
wir sind ohnehin schon zu weit raus geschwommen
lass uns einfach sehen wie weit wir noch kommen
ich zähle rückwärts, dann bleibt uns mehr Zeit
Der Schatten den ich auf dich warf
Der Schatten den ich auf dich warf
hat gar vortrefflich dich gekleidet
ich wusste dass ich es nicht darf
und dass dein Herz darunter leidet
denn du warst einem schon versprochen
der sich so sehr nach dir verzehrt
für mich hast du den Schwur gebrochen
dabei bin ich es gar nicht wert
Der Schatten den ich zu dir trug
bot keine Wärme, keinen Schutz
er war nichts weiter als Betrug
und diente nur dem Eigennutz
Der Schatten den ich auf dich warf
ist viel zu kalt und viel zu groß
du würdest ihm so gern entfliehen
und kommst doch niemals von ihm los
Der Schatten den ich auf dich warf
hat seine Macht noch nicht verloren
hast du auch einem anderen
Treue und Redlichkeit geschworen
Der Schatten den ich auf dich warf
erschien dir so verlockend süß
bis dich die harte Wahrheit traf
und ich dich in das Dunkel stieß
Doch du vermagst dich nicht zu trennen
von diesem Schmerz der dich beglückt
du weißt du wirst an mir verbrennen
du bist vor Sehnsucht ganz verrückt
Der Schatten den ich zu dir trug
bot keine Wärme, keinen Schutz
er war nichts weiter als Betrug
und diente nur dem Eigennutz
Der Schatten den ich auf dich warf
ist viel zu kalt und viel zu groß
du würdest ihm so gern entfliehen
und kommst doch niemals von ihm los
Der Schatten den ich auf dich warf
hat seine Macht noch nicht verloren
hast du auch einem anderen
Treue und Redlichkeit geschworen
Der Schatten den ich auf dich warf
trennt dich von Liebe und von Licht
du bist so süchtig nach dem Fieber
das dich verwandelt und zerbricht
Der Schatten den ich auf dich warf
ist wie das Feuer meiner Hände
und du willst ihm allein gehören
ist deine Kraft auch längst am Ende
Du bist meinen Träumen zu nah
Du hast mich angerufen
und gefragt: „Bist du grad nackt ?“
Na ja, sehr diplomatisch
ist das nicht grad verpackt
Ich würde ja was sagen
und machen was ich kann
nur ist es grad nicht günstig
Oma schläft nebenan
Du bist furchteinflößend und bös
und machst mich viel zu nervös
Denn du bist nicht einfach nur so vorhanden
du bist nicht einfach nur mal eben so da
du bringst kein Flugzeug sicher zum landen
du bist meinen Träumen zu nah
Du sitzt vor deiner Webcam
bekifft und völlig blau
und das um zehn Uhr vormittags
das glaubt mir keine Sau
Und dann flüsterst du heise :
„Kommst Du nicht in mein Bett
dann stelle ich mein Video
jetzt gleich ins Internet“
Du bist furchteinflößend und bös
und machst mich viel zu nervös
Denn du bist nicht einfach nur so vorhanden
du bist nicht einfach nur mal eben so da
du bringst kein Flugzeug sicher zum landen
du bist meinen Träumen zu nah
Du buchst uns einen Urlaub
vierzehn Tage Bali
sagst: “Vergiss den Pass nicht“
Ich brauch eher Zyankali
Malen nach Zahlen
Du hast Einbauküche als Glück definiert
und mir die Rechnung dafür präsentiert
ich ging sprachlos hinaus auf den Balkon
dort flog mein Herz mit den Schwalben davon
und was für dich hier noch übrig blieb
all die ungedeckten Schecks unterschrieb
war nur ein trauriger Rest
der dich auf bessere Zeit hoffen lässt
All die nie eingelösten Versprechen
sind wie unaufgeklärte Verbrechen
was uns bleibt unter Schmerzen und Qualen:
Malen nach Zahlen
Malen nach Zahlen
mehr wird es nie sein
die Leinwand unsres Lebens
gehört dir allein
Malen nach Zahlen
du hast die Gabe
alles zu übertünchen
doch mir bleibt keine Farbe
Ich hab zum Atmen doch kaum noch Raum
zwischen Nussbaumschrankwand und Gummibaum
ich sehne mich nach tödlichen Waffen
und frage mich wie es andere schaffen
Tag für Tag so ein Leben zu führen
ohne Beklemmung dabei zu verspüren
vielleicht ist es ja wahr
und ich bin nur nörgelnder Narr
All die nie eingelösten Versprechen
sind wie unaufgeklärte Verbrechen
was uns bleibt unter Schmerzen und Qualen:
Malen nach Zahlen
Malen nach Zahlen
mehr wird es nie sein
die Leinwand unsres Lebens
gehört dir allein
Malen nach Zahlen
du hast die Gabe
alles zu übertünchen
doch mir bleibt keine Farbe
Jeder Zentimeter verplant und vermessen
nur meinen Freiraum hast du vergessen
träum etwas schneller, ich verstehe dich nicht
ich fühl mich wie im Keller und sehn mich nach Licht
Er kehrte als ein anderer heim
Er war Surfer, sagt Andy
und nach kurzem Zögern fiel ihm noch ein
Keine Welle konnte je hoch genug für ihn sein
aber jetzt, ich weiß nicht
er kehrte als ein anderer heim
Cora sagt, er spielte Gitarre
und träumte davon mal ein Rockstar zu sein
Er hat oft am Strand für mich gesungen
aber jetzt ist er mir fremd
er kehrte als ein anderer heim
Er war immer mein Liebling, sagt Mutter
so unschuldig, zart und klein
keiner Fliege tat er je was zuleide
was ist nur geschehen
er kehrte als ein anderer heim
Ich kann mich nicht erinnern, sagt er
ich hab nie verlangt ein Held zu sein
die Granatsplitter schmerzen
und ich vermisse mein Bein
ich kam zwar zurück, doch ich kehrte nicht heim
Jemen
Ich wollte letzten Samstag
auf die Bahamas jetten
und musste unterwegs
Flug 34 retten
Ich trank grade Martini
(geschüttelt nicht gerührt)
als eine Stimme rief:
„Ihr werdet jetzt entführt“
Ich kannte diese Stimme
und dachte: So ein Dreck
Jim hätt ich gern getroffen
stattdessen ist es Jack
"Hi Jack, du alter Hijacker
geh mir nicht auf den Wecker
probier es statt als Terrorist
doch lieber mal als Bäcker
Und überhaupt du solltest dich
jetzt so etwas von schämen
Tahiti wär ja noch okay
doch kein Arsch will nach Jemen“
Er fiel mir in die Arme
und es brach aus ihm heraus
„Du hast ja so leicht reden
der Arbeitsmarkt sieht übel aus
Mir wird der Job ja so versaut
denn früher oder später
lande ich auf dem Abstellgleis
wegen der Selbstmordattentäter“
Ich sagte „Ich verstehe
doch es hat keinen Zweck
sich deshalb so zu grämen
wirf deine Waffe weg
Hi Jack, du alter Hijacker
geh mir nicht auf den Wecker
probier es statt als Terrorist
doch lieber mal als Bäcker
Und überhaupt du solltest dich
jetzt so etwas von schämen
Tahiti wär ja noch okay
doch kein Arsch will nach Jemen“
Dann gingen wir ins Cockpit
und ich nahm seine Glock mit
gab sie dem Co-Piloten
und hab mich angeboten
- damit sie ihn nicht würgen -
fortan für Jack zu bürgen
Zwei Paar Schuhe
Wenn schon die Philosophen
entnervt ins Wasser gehn
wie sollen grade wir
dann Rettungsringe sehn
Ich mag es nicht mehr glauben
was man uns stets verspricht
der Tunnel hat ein Ende
doch da ist keine Spur von Licht
Die Dinge die wir wissen
die Dinge die wir wollen
die Dinge die uns schließlich
gnadenlos überrollen
Der Krieg und der Frieden
das Chaos und die Ruhe
das Leben und der Tod
Zwei Paar Schuhe
Man könnte meditieren
oder nach Mekka gehn
seine Neurosen pflegen
und in die Sterne sehn
Man könnte vieles machen
doch besser man macht’s nicht
der Tunnel hat ein Ende
doch da ist keine Spur von Licht
Die Dinge die wir suchen
die Dinge die wir haben
die Dinge die uns irgendwann
gnadenlos begraben
Der Krieg und der Frieden
das Chaos und die Ruhe
das Leben und der Tod
Zwei Paar Schuhe
Etwas Licht
Man hatte auf dem Schulhof
mein Pausenbrot geklaut
du hast mir deins gegeben
und mich traurig angeschaut
Liebe….Liebe war es vielleicht nicht
doch du brachtest diesem Jungen etwas Licht
Als ich im Krankenhaus war
da kamst du jeden Tag
bliebst bis dein Kopf ganz müde
auf meinen Füßen lag
Liebe….Liebe war es vielleicht nicht
doch du brachtest diesem Jungen etwas Licht
Kannst du dich erinnern
wie wild der Sommer war
das Salz auf unsren Lippen
mein Gesicht in deinem nassen Haar
Liebe….Liebe war es vielleicht nicht
doch du brachtest diesem Jungen etwas Licht
Als es dann passierte
schämten wir uns hinterher
und schworen hoch und heilig
Niemals wieder mehr
Liebe….Liebe war es vielleicht nicht
doch du brachtest diesem Jungen etwas Licht
Dass uns heut Welten trennen
lässt sich nur schwer verstehn
wo wir uns so gut kennen
sollten wir die Wahrheit sehn
Liebe….Liebe war es und sonst nichts
das ist es was diesem Jungen heut das Herz zerbricht
Schüchtern grüßt der Sommer aus der Ferne
Alle die du kennst sind nicht zuhause
du bist deshalb etwas deprimiert
in der Schule läutet es zur Pause
und das Freibad wird grad renoviert
Tauben streiten sich um Toastbrotscheiben
Kinderwagen sausen schnell vorbei
Väter putzen emsig Autoscheiben
und die Sonne schaut mal kurz vorbei
Schüchtern grüßt der Sommer aus der Ferne
sei doch nicht beleidigt, wink zurück
du betonst du ständest nicht so gerne
so weit schattenabwärts hinterm Glück
Auf ner Parkbank knutschen sich Gestalten
fuselleicht beschwipst vom Morgentau
du fragst dich was soll man davon halten
doch das stört ansonsten keine Sau
Polizisten wollen wen verhaften
würfeln stundenlang um das Delikt
bis sie kurz vor Feierabend rafften
dass die halbe Welt nicht richtig tickt
Schüchtern grüßt der Sommer aus der Ferne
sei doch nicht beleidigt, wink zurück
du betonst du ständest nicht so gerne
so weit schattenabwärts hinterm Glück
Warum lässt du dich nicht einfach treiben
stellst dich in den schmalen Streifen Licht?
Du kannst flüchtig wie der Sommer bleiben
er stört sich an deinem Unmut nicht
Keith Richards Gitarre
Ich hab Keith Richards Gitarre geklaut
da hat er blöd aus der Wäsche geschaut
schon möglich dass er sich scheiße fühlt
denn er hat ja gerade noch drauf gespielt
Ich bin kein Groupie, will kein Souvenir
doch bei Gitarren werd ich zum Tier
kein Hausmittel hilft gegen diesen Drang
es packt mich halt, es ist so ein Zwang
Man gab mir ein Schlagzeug und Blasentee
Fenchel, Jasmin und auch LSD
hat mir 5 Therapeuten zugeteilt
doch sorry Freunde, ich bin nicht geheilt
Ich hab Keith Richards Gitarre geklaut
da hat er blöd aus der Wäsche geschaut
schon möglich dass er sich scheiße fühlt
denn er hat ja gerade noch drauf gespielt
Nun guckt er mich richtig grimmig an
und fragt: „Hast du denn ne Macke, Mann?“
Natürlich auf englisch, ist doch wohl klar
und ich sag auf deutsch: „Leider wahr“
Ich renn mit dem Teil fort durch die Nacht
auch wenn Jagger jetzt einen auf Jogger macht
ich bin in Übung, mich holt er nicht ein
Sorry Keith, das war echt gemein
Ich hab Keith Richards Gitarre geklaut
da hat er blöd aus der Wäsche geschaut
schon möglich dass er sich scheiße fühlt
denn er hat ja gerade noch drauf gespielt
Ich fühlte die Kälte bevor der Winter kam
Du siehst mich nicht mehr an wie früher
du kommst abends oft spät nach Haus
du sagst mir nicht was du getan hast
und meinen Fragen weichst du aus
Ich kenne dich schon viel zu lange
um diese Zeichen nicht zu sehn
mir liegt rein nichts an deiner Reue
ich möchte einfach nur verstehn
Du schmiegst dich nur noch aus Gewohnheit
am Abend kurz in meinem Arm
und ich fühlte die Kälte schon
lange bevor der Winter kam
Du trägst die Haare plötzlich offen
und schminkst dich nicht mehr so dezent
die Heimlichkeit macht mich betroffen
du warst mir nie vorher so fremd
Ich bin zu stolz dich anzubetteln
und ich frag dich nicht wer es ist
ich hab den Kampf längst aufgegeben
auch wenn du mir noch wichtig bist
Du schmiegst dich nur noch aus Gewohnheit
am Abend kurz in meinem Arm
und ich fühlte die Kälte schon
lange bevor der Winter kam
Manchmal da geht der Kelch zur Neige
und man merkt es erst viel zu spät
wie plötzlich sich manchmal der Wind dreht
jedoch dein Schweigen ist nur feige
So bleibt mir nichts als Zorn und Trauer
und dir vielleicht ein wenig Scham
aber ich habe schon gefroren
lange bevor der Winter kam
Lass uns Liebe machen
Kurz nach Mitternacht
und du siehst so schön aus
warum steigst du jetzt nicht
aus deinen Blue-Jeans raus
und kommst näher zu mir
ich bin so in dich vernarrt
und brauch jetzt etwas weiches
denn mein Tag war viel zu hart
Lass uns jetzt nicht reden
dafür fehlt die Zeit
ich will in dich fallen
ganz haltlos und ganz weit
Las uns Liebe machen
auf dem Bett und dem Balkon
im Stehen und im Liegen
bis uns schwindlig wird davon
Lass uns Liebe machen
auf dem Teppich und dem Tisch
von hinten und vorne
ich will weiter nichts als dich
Kurz nach Mitternacht
das Laken noch ganz glatt
komm lass es uns zerwühlen
ich hab die Ruhe satt
Brauch dich in meinen Armen
will dass du mich verwöhnst
und wenn ich in dich tauche
laut meinen Namen stöhnst
Lass uns jetzt nicht schlafen
so müd kann man nicht sein
zeig mir dein Paradies
und führe mich hinein
Lass uns Liebe machen
auf dem Bett und dem Balkon
im Stehen und im Liegen
bis uns schwindlig wird davon
Lass uns Liebe machen
auf dem Teppich und dem Tisch
von hinten und vorne
ich will weiter nichts als dich
Man ist nicht Herr seiner Zeit
Menschen traf ich an Kanälen
die lebten dort schon manches Jahr
und hatten viel zu erzählen
während ich auf der Durchreise war
Der eine sprach von jungen Hunden
ein andrer von Literatur
ein dritter kam nur schlecht über die Runden
und stahl deshalb meine Uhr
Während ich eilig ihm nachlief
und keuchend dreizehnmal „Schuft“ rief
machte die Erkenntnis sich breit:
Man ist nicht Herr seiner Zeit
Hildesheim
Conny war zwanzig da haute er ab
was hier so ablief ging ihm auf den Sack
die dämlichen Feten, die zickigen Bräute
der öde Bürojob, die spießigen Leute
Vielleicht Neuseeland oder Gomera
dort lebt es sich schöner und es ist viel leerer
da züchtet man Schafe und blickt auf die See
bescheißt die Touristen und döst im Café
Ein halbes Jahr später war er wieder hier
und sagte: „Da gibt es nur pisswarmes Bier
Kein richtiges Nightlife und nichts zu entdecken
da kann man nicht leben, da kann man nur verrecken
Neunzehnfünfundachtzig oder in diesem Dreh
zog Conny schließlich in eine WG
und man sah ihn in diesem Jahr
mit Joints in der Tasche und Blumen im Haar
Er hat mir erzählt, er wäre nun frei
hätte ab und an Trouble mit der Polizei
und auf der Demo, vermummt bis zum Kinn
warf er Steine und sprach „Das macht Sinn“
Mit dreißig sagte Conny: “Kumpel ich geh
ich hab endlich gecheckt wo ich im Leben steh
Ich heirate Hilde und wir gründen ein Heim
sie ist Beamtin in Hildesheim“
Milder
Der Heine ist mir ein Bruder im Geist
war er auch um einiges wilder
er ist auch viel weiter als ich gereist
und beschrieb viel buntere Bilder
Woran unsre Herzen in Eintracht kranken
ist Deutschland damals wie heute
die Liebe selbst geriet nie ins Schwanken
für das Land, nicht für die Leute
Mich trieb es zur Spree, ihn an den Rhein
stets haben wir Verse geschliffen
mir wird man vieles wohl leichter verzeihn
doch ihn hat man eher begriffen
Der Heine ist mir ein Bruder im Geist
war er auch um einiges wilder
und was uns beiden das Alter beweist:
Man wird mit den Jahren doch milder
Fingerabdruck
Ich überführ dich all deiner Versprechen
keines davon geb ich dir zurück
du bist der Nektar meiner köstlichsten Schwächen
du bedeutest bedingungslos Glück
Deine Hand malt zärtliche Kreise
du schreibst dein Geständnis auf meine Haut
langsam entführst du mich auf eine Reise
ich hab mich deiner Unvernunft tief anvertraut
Dein Fingerabdruck ist ein klarer Beweis
du bist schuldig der Liebe – gib es doch zu
du brichst die Ketten und schmilzt das Eis
du bist der Grund für das was ich tu
Du legst für mich verlockende Fährten
ich folge dir blind in das Tal deiner Lust
ich frag mich warum wir uns nur nicht wehrten
du hast es von Anfang an schon gewußt
Dein Mund haucht leis diese herrlichen Lügen
ich lieg gut bei dir doch wir liegen schief
warum kann uns der Moment nicht genügen
wenn man so hoch fliegt dann fällt man auch tief
Mein Fingerabdruck ist ein klarer Beweis
ich bin schuldig der Liebe – ich geb es zu
ich brech die Ketten und schmelze das Eis
du bist der Grund für das was ich tu
Ich hab meine Sehnsucht überlebt
Mit achtzehn hab ich dich auf der Bühne gesehn
du sangst Rock’n Roll und du warst wunderschön
ich hab jeden Abend an deinen Lippen geklebt
doch du hast konsequent an mir vorbei gelebt
Mit zwanzig traf ich dich auf dem Arbeitsamt wieder
ich kannte noch immer all deine Lieder
doch das hat dir anscheinend nicht sehr imponiert
du hast nicht einmal meinen Kaffee probiert
Mit dreißig gab es dann ein Wiedersehen
hinter dir lagen inzwischen vier Ehen
und vor uns lag noch immer unerreichbar und weit
das unerfüllte Versprechen von gemeinsamer Zeit
Mit fünfzig bist du mir wieder begegnet
doch für uns hat es zu lange geregnet
und auch wenn dein Schatten noch an mir klebt
ich hab meine Sehnsucht überlebt
Das Möndäne
Hoch die Tassen so lange sie halten
das Jahr wird doch nie mehr so jung
was scheren uns all die Trauergestalten
wir bringen die Party in Schwung
Ich schnippe ein Heer von Oliven
der Gnädigsten ins Dekolleté
so macht man’s auf den Malediven
und es tut ja auch sonst keinem weh
In Schönheit zu sterben ist keine Sünde
sondern das wonach ich mich sehne
wenn ich mich morgen noch für lebendig befinde
trinke ich auf das Mondäne
Rückt näher zu mir ihr fröhlichen Zecher
und lasst uns in Unvernunft aalen
auf dass sie nie leer sind die herrlichen Becher
wir müssen noch früh genug zahlen
Jeder Rock den es an unsren Tisch zieht
verlangt danach drunter zu schauen
trägt man mir auch zu was man dort sieht
ich guck selbst anstatt euch zu vertrauen
In Leichtsinn zu sterben ist keine Sünde
sondern das wonach ich mich sehne
wenn ich mich morgen noch für lebendig befinde
trinke ich auf das Mondäne
Die treuesten Freunde trifft man beim Wein
so verkehrt also kann dieser Ort wohl nicht sein
In Hochmut zu sterben ist keine Sünde
sondern das wonach ich mich sehne
wenn ich mich morgen noch für lebendig befinde
trinke ich auf das Mondäne
Das Kreuz
Sie hat drei Kinder an den Krieg verloren
und eines noch bevor es geboren
hat dem Pech oft genug in die Augen geschaut
und dabei auf Gottes Wort vertraut
Aber es kommt mir so vor
als hätte der eine seltsame Art von Humor
Kriech zu Kreuze, sei fromm und sprich deine Gebete
dann kommt Gabriel mit der goldenen Trompete
und bläst dir auf dem Weg in den Himmel den Marsch
so ein Arsch
Ihr Mann ist vor Jahren ganz grausam krepiert
da war die Leitung nach oben wohl grade blockiert
der Krebs zerfraß ihm Magen und Darm
doch der Chef ersparte sich das Erbarmen
Vielleicht musste er ja grad mal etwas ruhn
oder hatte ganz dringend woanders zu tun
doch wenn ich an Auschwitz denk dann glaube ich
er schert sich einen Dreck um Menschen wie dich
Kriech zu Kreuze, sei fromm und befolg die Gebote
dann gehörst du zu der erlesenen Quote
denen man im Jenseits ein besseres Leben verspricht
doch das Kleingedruckte erzählen sie dir nicht
Wie viele Menschen sind im Namen des Herren gestorben
wie viele wurden von falschen Propheten verdorben
wie viele Kreuzritter gab es die kein Mitleid kannten
und wie viele Frauen die als Hexen verbrannten?
All die Folterknechte und Inquisitoren
trifft man sie wieder an den himmlischen Toren?
Lässt Gott sie als treue Gefolgschaft hinein?
dann möchte ich lieber ganz tief unten sein
Kriech zu Kreuze, sei fromm, weih Christus dein Leben
du erhältst dann zum Dank den päpstlichen Segen
und zweifle nicht, weder jetzt noch später
er ist auf Erden Gottes Stellvertreter
Ich sehn ihn im Vatikan in den Schatzkammern lungern
während in Äthiopien die Kinder verhungern
er streicht er sich über den feisten Bauch
und sagt den Leidenden: Gott liebt euch auch
Aber es kommt mir so vor
als hätte der ne seltsame Art von Humor
Die Zeit vergeht schneller dort wo du nicht bist
Ich fühle mich wie ein Auffahrunfall
wie ein Kalenderblatt vom gestrigen Tag
wie ein Versprechen das niemand einlöst
wie ein Knochen den kein Hund mehr mag
Mit dem Rücken zur Wand
in Räumen aus Schweigen
wo die Augenblicke
sich gnadenlos zeigen
Auch wenn es dich nicht kümmert
weil du mich vergisst
die Zeit vergeht schneller
dort wo du nicht bist
Ich fühl mich wie ein getragenes Hemd
wie ein Surfer unter der Welle
wie ein ungeschriebener Brief
wie Odysseus am Eingang der Hölle
Mit geschlossenen Augen
hinter dem Steuer
vor Sehnsucht verrückt
auf den Straßen aus Feuer
Auch wenn es dich nicht kümmert
weil du mich vergisst
die Zeit vergeht schneller
dort wo du nicht bist
Efeu
Wer malte uns den Geistermond
an diesen finstren Himmel
ritt lachend in die Nacht davon
auf seinem dürren Schimmel
und ließ das Gras verfaulen
wo grad dein Leib noch lag
flößte dir seinen Atem ein
und raubte uns den Tag?
Wessen Antlitz schien so kalt und bleich
den Totenvögeln gleich?
Wie Efeu leg dein Haar um mich
auf dass ich schnell erblinde
denn diese Liebe bittersüß
bleibt dennoch eine Sünde
Wie Efeu leg dein Haar um mich
auf dass ich schnell erblinde
damit ich dich so lang ich leb
nur niemals wiederfinde
Wer führte uns in tiefster Nacht
den Weg hinab zum Fluss
besiegelte für uns den Bund
mit seinem kalten Kuss
und nahm mit einem Lächeln
zwei Seelen sich als Pfand
bevor er uns zurückließ
in diesem toten Land?
Wessen Antlitz schien so kalt und bleich
den Totenvögeln gleich?
Wie Efeu leg dein Haar um mich
auf dass ich schnell erblinde
denn diese Liebe bittersüß
bleibt dennoch eine Sünde
Wie Efeu leg dein Haar um mich
auf dass ich schnell erblinde
damit ich dich so lang ich leb
nur niemals wiederfinde
Wer führte uns auf diesen Pfad
und hat uns so verdorben
wer trieb uns zu der schändlich Tat?
Ach wärn wir nur gestorben
Die Schande lastet schwer auf uns
wir sind nichts als verloren
doch jener Geist der uns verdarb
wurd in uns selbst geboren
Je nach Laune oder Mann
Sie sagte „Ich geh zu Penny
dort gibt’s Wurst im Angebot“
ihr Alter hat nur genickt
und sah aus als wäre er tot
Sie räumte die Konten leer
fuhr bis an die Cote d’Azur
sein Blick irrte dann und wann
träge Richtung Wohnungstür
Je nach Laune oder Mann
geht sie fort oder kommt an
auch wenn sie schon mal vergisst
welcher Weg der kurze ist
Hat das ganze Geld verzockt
und so manches Herz gebrochen
deshalb kehrte sie zurück
nach fast achtundzwanzig Wochen
Und ihr Alter hockte dort
teilnahmslos und eingerostet
Sie sagte: „Du glaubst ja nicht
was die Wurst bei Penny kostet“
Je nach Laune oder Mann
geht sie fort oder kommt an
auch wenn sie schon mal vergisst
welcher Weg der kurze ist
Amelia
Du bliebst lang unverstanden
für ihre Welt zu wild
den Kleingeistern und Spießern
passtest du nicht ins Bild
denn über ihre Regeln
hast du nur gelacht
und dir von Kindesbeinen an
schon eigene gemacht
Du trugst den Kopf stets oben
und hast dich nicht verstellt
sie hatten lange vorher
ihr Urteil schon gefällt
Amelia - sie werden nie
wie du über die Wolken fliegen
sie sind zu dumm und viel zu klein
um ihre Ängste zu besiegen
Amelia – sie sähen gern
wärst du zu Kreuze nur gekrochen
doch du warst jenseits ihrer Weltsicht
und bis zum Ende ungebrochen
Du warst ihnen zu rebellisch
zu politisch engagiert
zu stolz und zu gebildet
und zu emanzipiert
doch über ihre Regeln
hast du nur gelacht
und dir von Kindesbeinen an
schon eigene gemacht
Du trugst den Kopf stets oben
und hast dich nicht verstellt
du taugtest niemals wirklich
für ihre heile Welt
Amelia - sie werden nie
wie du über die Wolken fliegen
sie sind zu dumm und viel zu klein
um ihre Ängste zu besiegen
Amelia – sie sähen gern
wärst du zu Kreuze nur gekrochen
doch du warst jenseits ihrer Weltsicht
und bis zum Ende ungebrochen
Amelia – sie werden nie
wie du die Grenzen überwinden
dem Horizont entgegen fliegen
und einen eignen Himmel finden
Für Amelia Earhart
Impuls
Manchmal hab ich den Impuls
deinen Teufel auszutreiben
doch dann atme ich tief durch
und lass es einfach bleiben
Dieser Job ist mir zu dreckig
und ich weiß ja was ich finde
ich bin ne verlorne Seele
und du bist ein Kind der Sünde
Ich hab viel zu viele Fehler
um mich davon rein zu waschen
und du lässt dir nicht verbieten
die verbotne Frucht zu naschen
Ich kenn alle deine Schlichen
du hast manchen Geist erweckt
du bist schuldig, ich geduldig
und wir beide sind befleckt
Manchmal hab ich den Impuls
uns die Augen auszureißen
sie an Krähen zu verfüttern
und zu leugnen wie wir heißen
Doch mir fehlt dazu die Stärke
und ich komm damit auch klar
du wirst niemals eine Dame
und ich bin kein Missionar
Wenn sie uns die Messe lesen
und die Spreu vom Weizen trennen
werden wir aus gutem Grund
vereint im Fegefeuer brennen
Niemand kann uns dann erlösen
unsre Taten uns vergeben
wir werden so einsam sterben
wie wir heut gemeinsam leben
Was Flügel hat möge fliegen
Wie weh wird mir in der Brust das Herz
seh einen Menschen ich der zerbrochen
mit all seiner Pein, all seinem Schmerz
der nicht gegangen ist sondern gekrochen
zur letzten Stätte schleppend sich hin
welch furchtbares Erlebnis
wenn ich schweigender Zeuge bin
von Untergang und Begräbnis
Da schaue ich mit schwerem Blick
den Schwalben nach wie sie ziehen
neide ihnen das unwissende Glück
der Gegenwärtigkeit zu entfliehen
wie sie dort steigen so leicht empor
und in den Winden sich wiegen
sagte ich gern auch den Menschen ins Ohr
Was Flügel hat möge fliegen
Ich reite ein totes Pferd
Im Autoradio läuft ein Song von Springsteen
er tourt grad wieder ohne Band
Was gibt’s noch neues? Vater ist im Krankenhaus
und ich hab mich endlich von Juliane getrennt
Ich hab beim Schreiben öfter mal Blockaden
vielleicht probier ich bald mal Yoga aus
mein Konto ist wie immer überzogen
und ich will heute einfach nicht nach Haus
Ich fahr vielleicht mal hoch zur Ostsee
wenn nur der Sprit nicht so scheißteuer wär
vielleicht penn ich einfach am Strand wie früher
dabei scheint mir als wärs ein halbes Leben lang her
Ich weiß nicht wozu alles das noch gut ist
grundsätzlich ist es sicher etwas wert
doch wenn man etwas näher rankommt sieht man
ich reite ein totes Pferd
Die Landschaft ist nicht mehr ganz so öde
wie sie es kurz nach der Wende mal war
es gibt inzwischen hier so viele Burger-Buden
dass man fast denkt man wäre in den USA
Am Straßenrand stehn überall Plakate
damit man nur die Wahlen nicht vergisst
schön wäre würde darauf auch stehen
dass du auf jeden Fall der Loser bist
Mit Politik ist es wie mit einer Beziehung
man legt sich auf das kleinere Übel fest
und wundert sich wie sich alles entwickelt
bis es nicht mehr aufzuhalten ist
Ich weiß nicht wozu alles das noch gut ist
grundsätzlich ist es sicher etwas wert
doch wenn man etwas näher rankommt sieht man
ich reite ein totes Pferd
Auskunft
Da steh ich nun
und soll Auskunft geben
an höherer Stelle
über mein Leben
Das sei so üblich
und außerdem Pflicht
ich frag verlegen:
„Tut’s auch ein Gedicht ?“
Das hat diese Herren
- schon sichtlich betagt -
offensichtlich bisher
noch keiner gefragt
und man berät Stunden
über meinen Betreff
bis jemand beschließt
„Fragen wir mal den Chef“
Der schwebt nun flugs
auf seiner Wolke herbei
und mault ungehalten
wie beschäftigt er sei
dann sieht er mich an
und murmelt: „Ach, Tom
nun sag schon dein Verslein
und komm“