Einflugschneise

 

Im vierzehnten Stock im Plattenbau-Ghetto

steh ich bisweilen rauchend auf dem Balkon

die Asche landet zwischen „Aldi“ und „Netto“

und sie fliegt viel schneller als Gedanken davon

Aus den Kläranlagen steigen Düfte und Gase

wer einen Job hat der hat sich schon von hier verpisst

auch der Kinderspielplatz ist keine Oase

weil manch Junkie dort seine Spritzen vergisst

 

Und wenn du mich fragst

wie ich das empfinde

dreh ich mich im Winde

und sage ganz leise:

Ich kann dich nicht hören

die Flugzeuge stören

scheiß Einflugschneise

 

Zwar hat diese Siedlung symmetrische Maße

es gibt auch eine Kirche seit einiger Zeit

doch man traut sich abends kaum auf die Straße

da machen die Gangs sich auf den Parkplätzen breit

Man kann in der Ferne noch Wälder erkennen

bei gutem Wetter und bei klarer Sicht

sofern sie nicht grade wieder Abfall verbrennen

dann sieht man die Hand vor den Augen nicht

 

Und wenn du mich fragst

wie ich das empfinde

dreh ich mich im Winde

und sage ganz leise:

Ich kann dich nicht hören

die Flugzeuge stören

scheiß Einflugschneise

 

Im vierzehnten Stock im Plattenbau-Ghetto

steh ich bisweilen rauchend auf dem Balkon

das Schicksal hat für uns nichts Gutes in petto

ich glaube wir kommen nicht mehr davon

 

 

 

 

 Rotes Licht

 

Es ist tiefe Nacht am Hafen

und der Wind singt eine Weise

für die Schiffe die dort schlafen

nach der langen weiten Reise

Nur die trunkenen Matrosen

schlafen in solch Nächten nicht

Geld klimpert in ihren Hosen

und sie suchen Rotes Licht

 

Laut krächzt Lulu's Papagei:

„Leute geht bloß nicht vorbei

Eure Wünsche werden wahr

in Lulu's Bar“

 

Schwere Drinks und leichte Mädchen

warten hier auf jeden Mann

wenn er Lust auf etwas Spaß hat

und die Zeche zahlen kann

Doch um Lulu zu besitzen

da reicht das noch lange nicht

denn ihr Herz gehört nur einem

doch der scheut das Rote Licht

 

Es ist dunkle Nacht am Hafen

und Lulu denkt oft daran

wie sie sich hier draußen trafen

und warums nichts werden kann

Er war leider schon vergeben

ihre Reize halfen nicht

er ging in sein altes Leben

ihr blieb nur das Rote Licht

 

Oft krächzt Lulu's Papagei:

„Weine nicht das geht vorbei

jeder liebt dich der dich sah

in Lulu's Bar“

 

Schwere Drinks und leichte Mädchen

warten hier auf jeden Mann

wenn er Lust auf etwas Spaß hat

und die Zeche zahlen kann

Doch um Lulu zu besitzen

da reicht das noch lange nicht

denn ihr Herz gehört nur einem

doch der scheut das Rote Licht

 

Schwere Jungs und leichte Mädchen

wilde Spiele – schnelles Geld

weiche Laken – harte Fäuste

das alles ist Lulus Welt

Doch ihr Herz ist ganz woanders

auch wenn sie nie davon spricht

er hat es mit fort genommen

ihr bleibt nur das Rote Licht

 

 

 

 

 Der späte Bus

 

Der kalte Kaffee

die furchtbaren Leute

das trostlose Gestern

das traurige Heute

die schlechten Filme

die dummen Witze

die Schmerzen im Bauch

die klebrigen Sitze

 

Der späte Bus geht in zehn Minuten

um ihn zu kriegen muss ich mich mächtig sputen

 

Der scheußliche Regen

der bellende Hund

der Sprung in der Scheibe

der zuckende Mund

Die nörgelnde Frau

die dreckigen Schuh

der fehlende Stolz

und Du

 

Der späte Bus geht in fünf Minuten

wenn ich dich heut nicht seh wird mein Herz verbluten

 

Die trübe Funzel

das klägliche Brot

der hustende Mond

der lächelnde Tod

 

Die trockene Zunge

der schüchterne Kuss

das Silberpapier

der verspätete Bus

 

Der späte Bus geht in drei Sekunden

und die Liebe wird heute noch wiedergefunden

 

 

 

 

 Versprochen Jochen

 

Hallo Jochen, wie geht's?

Lang nichts von dir gehört

Nein, nein, keine Sorge

du hast nicht gestört

Was ich mache? Meinst du jetzt?

Na, das Gleiche wie immer

Ich sitze hier rum

in meinem Zimmer

 

Ob ich noch schreibe? Ha, ha

Was für eine Frage

Ich schreibe bei Nacht

und ich schreibe am Tage

Ich und JuttaS Nein, nicht mehr

sie ist nicht mehr hier

jetzt hab ich endlich Platz

für das ganze Papier

 

Nein, wirklich, mein Lieber

das war kein Scherz

ich steh mehr auf Tiefsinn

und sie auf Kommerz

Ich verhökere doch nicht

meine Kunst, mein Gewissen

für einen Urlaub im Harz

oder ein paar Sofakissen

 

Und du so? Professor?

Was, schon drei Kinder?

Du trinkst nicht mehr?

Na ja, das ist auch gesünder

Ich brauch das, weißt du

so war’s immer schon

nein, nicht zum Vergessen

nur zur Inspiration

 

Die andren? Ich weiß nicht

Max lebt in Bremen

Nein, der meldet sich nicht

Ja, der sollte sich schämen

Mal treffen? Ich weiß nicht

ich hab selten Zeit

Das Schreiben, du weißt schon

Doch, doch, tut mir leid

 

Mich mal melden? Natürlich

Gar kein Problem

Vielleicht können wir uns

im Sommer mal sehn

Da schreibe ich selten

die Hitze, du weißt?

Ach, wie schade

dass du im Sommer verreist

 

Doch Jochen, ich freu mich

versteh das nicht so

ich würd gerne noch quatschen

doch muss dringend aufs Klo

Ich wollte dich auch schon,

fand nur nicht die Nummer

Nein, nein mir geht‘s gut

ich hab keinen Kummer

 

Du Jochen, jetzt wirklich

sei mir nicht bös

mir drückt die Blase

das macht mich nervös

Ich melde mich sicher

klar doch, versprochen

noch in diesem Leben

Versprochen Jochen

 

 

 

 

 Hinter den Bergen der Tod

 

Die Alpenveilchen blühen

gepriesen die Natur

und auf den Gipfeln glühen

die Eiskristalle nur

den Kurgast zu erfreuen

der hier auf Wanderschaft

den Weg nicht wird bereuen

zu frischer Lebenskraft

 

Hier fließen Bier und Bäche

hier jodelt selbst der Specht

hier wird die eigne Schwäche

zum fest verbrieften Recht

auf Saus und Braus und Völlerei

im stillen Abendrot

ganz fern erscheint die Böllerei

der Kampf, der Krieg, der Tod

 

Hinter den Bergen tobt die Schlacht

hier nur das pralle Leben

nicht lang darüber nachgedacht

das wird es immer geben

Hier liegt der Frohsinn blank und frei

hier muss man keine Leichen sehn

ein Urlaubsgruß – was ist dabei?

Man schreibt: Es ist zum Sterben schön

 

 

 

 

 Harlekins Nacht

 

Judy läuft durch eine Stadt

die tausend ungestellte Fragen hat

und sieht sich an den kalten Bildern

längst vergessener Künstler satt

in dieser Galerie

wo man dein Herz am Eingang nimmt

und es in einen Rahmen presst

und hofft dass das Ergebnis stimmt

 

dass man zufrieden ist mit dem

was höchstens fremden Wünschen gleicht

und im Ergebnis nie die Schönheit

ihres kühnsten Traums erreicht

 

Und Judy weiß sie müsste fliehen

durch die langen dunklen Gänge

aus dem Haus das keine Seele hat

nur angsterfüllte Enge

die sie in den Wahnsinn treibt

bis sie in dieser kranken Welt

in den tiefen kalten Schatten

ihrer eignen Seele fällt

 

Das ist Harlekins Nacht

und er bittet sie zu bleiben

um inmitten all der Toten

seine Art von Spott zu treiben

und sein Lächeln zwingt sie schutzlos

immer vor ihm auf die Knie

und sie weiß er wird sie nehmen

aber gehen wird er nie

 

Judy flieht vor einem Feind

der tausend unerfüllte Pläne hat

er sieht sich an der Furcht

in ihrem kleinen Herzen satt

in dieser Galerie

wo er in jeder Sternennacht

aus ihrem jungen Körper

ein verbotenes Kunstwerk macht

 

bis er zufrieden ist mit dem

was seine Hand in ihr zerstört

wenn er ihr grausam klarmacht

dass sie ihm allein gehört

 

Und Judy weiß sie müsste fliehen

durch die langen dunklen Gänge

aus dem Haus das keine Seele hat

nur angsterfüllte Enge

die sie in den Wahnsinn treibt

bis sie in dieser kranken Welt

in den tiefen kalten Schatten

ihrer eignen Seele fällt

 

Das ist Harlekins Nacht

und er bittet sie zu bleiben

um inmitten all der Toten

seine Art von Spott zu treiben

und sein Lächeln zwingt sie schutzlos

immer vor ihm auf die Knie

und sie weiß er wird sie nehmen

aber gehen wird er nie

 

 

 

 

 Weder noch

 

Wenn der Mensch vom Affen abstammt

muss man dann Bananen hassen

oder wenigstens aus Anstand

unbeachtet liegen lassen

oder folgt man gleich dem Strauß

und gräbt seinem Kopf ein Loch?

Wird dann alles besser oder schlechter?

Weder noch

 

Und wenn du mich dann so ansiehst

mit der Frage in den Augen

ob wir beide uns nie trennen

oder doch zum Glück nicht taugen

und ob ich dich nicht mehr liebe

oder vielleicht doch

was soll ich dazu schon sagen?

Weder noch

 

 

 

 

 Eigentlich ganz nette Leute

 

Sie tragen Kleidung, Schuhe und Uhren

sie fahren Autos und haben Frisuren

sie sparen für den Urlaub, gehen zu den Wahlen

und müssen auch ihre Steuern bezahlen

 

Sie spielen Lotto und kaufen bei Aldi

hören Wolfgang Petry und manchmal Vivaldi

sie haben Pickel wie andere auch

Probleme mit Kindern, dem Job und dem Bauch

 

Sie sind von Menschen kaum zu unterscheiden

auch wenn sie Menschlichkeit oftmals vermeiden

 

Eigentlich ganz nette Leute

wollen doch nur ihre Ruh

eigentlich ganz nette Leute

ein wenig wie ich und wie du

 

Sie haben schon unter Adolf geschwiegen

es ging ihnen gut und man träumte von Siegen

und wenn man heut Asylanten vermöbelt

dann wird im Geist ganz schnell mitgepöbelt

 

Am Stammtisch da werden die Masken gelüftet

die Grenzen verschoben, die Herzen vergiftet

Deutschland den Deutschen und hoch mit dem Glas

da brennen die Öfen und da zischt das Gas

 

Sie sind von Menschen kaum zu unterscheiden

darum kann man sie auch im Alltag gut leiden

 

Sie sind :

Eigentlich ganz nette Leute

mit denen man auskommen kann

eigentlich ganz nette Leute

man sieht ihnen selten was an

 

Eigentlich ganz nette Leute

Gehören nicht fast alle dazu?

Eigentlich ganz nette Leute

Doch nicht ganz wie ich und du

 

 

 

 

 

Der Seelenverkäufer

 

Dies ist die Geschichte des fünfzehnjährigen Timothy Boltons, der sich im Jahre des Herren 1716 in Plymouth an Bord einer wurmstichigen Brigg namens „Albatros“ begab und hernach nie wieder gesehen wurde.


 

Vater starb im letzten harten Winter

und wir leiden seitdem bittre Not

meine kleine Schwester hustet ständig

in den Straßen haust der Schwarze Tod

 

Mutter näht im Kämmerlein die Kleider

doch die Funzel spendet ihr kaum Licht

sie ist längst schon blind auf einem Auge

und hat tiefe Furchen im Gesicht

 

Auf den Stufen balgen sich die Ratten

und ein kalter Wind bläst nachts herein

es reicht für uns drei nicht mehr zum leben

Mutter bitte sieh es endlich ein

 

Ich muss gehn hier gibt es keine Arbeit

kaum ein Schornstein der noch kräftig raucht

doch im Hafen warten große Schiffe

dort wird eine starke Hand gebraucht

 

Wenn die wilden Wellen dir die Richtung zeigen

und es weht ein guter Wind

wird die Fahrt sich schnell dem Ende neigen

und bringt dir zurück dein Kind

 

Gestern starb der Erste Maat am Fieber

und der Käpt`n kommt nicht mehr an Deck

längst verfault das Wasser in den Fässern

und im Laderaum ist schon ein Leck

 

Frost und Nebel rauben uns die Sinne

gnadenlos bestraft uns die Natur

wir pumpen erschöpft in Wechselschichten

Wasser aus dem Schiff rund um die Uhr

 

Elmsfeuer tanzt oben in den Wanten

niemand wagt sich mehr ins Krähennest

unter unsren Planken knirscht das Treibeis

Neptun hält den müden Vogel fest

 

Spöttisch peitscht der Sturm mir in die Augen

fetzt die Segel kurzerhand entzwei

und ich flehe laut zu meinem Schöpfer

Wann ist dieser Alptraum bloß vorbei?

 

Wenn die wilden Wellen dir den Abgrund zeigen

und es weht ein böser Wind

wird die Fahrt sich schnell dem Ende neigen

und die See nimmt dir ein Kind

 

 

 

 

 Spiegel

 

Einen neuen Spiegel

aus den alten Scherben

und es besser machen

diesmal nicht verderben

 

Doch beim ersten Blick

da erkennt man schon

dies ist nicht mehr Liebe

- nur die Reflektion

 

 

 

 

 Mittlerer Westen

 

Hier gibt es Shopping-Malls und Parkraumzonen

und Menschen die in Reihenhäusern wohnen

Frauen die alle fast die gleichen Kleider tragen

und vor den Häusern stehen deutsche Wagen

 

Die Gärten sind symmetrisch und die Hecken gestutzt

die Hunde angeleint, die Autos stets geputzt

der Müll lässt sich in bunten Tonnen trennen

und auf den Dächern protzen Parabolantennen

 

Schulbus, Post- und Bofrostwagen

sehr gepflegte Grünanlagen

Wohlstand, Harmonie und Schutz

keine Spur von Angst und Schmutz

 

Dies ist der mittlere Westen

hier lebt man seit jeher am besten

und ganz egal was auf der Welt auch geschieht

nichts davon dringt ins Naherholungsgebiet

 

Die Kinder tragen Markenschuh

und hier herrscht ständig Mittagsruh

die Wäsche immer weiß und frisch

man kennt und grüßt und achtet sich

 

Seniorentreffs und Bürgerwehr

man schätz hier das Gemeinwohl sehr

und sonntags früh im Gotteshaus

betet man sich die Seelen aus

 

Schulbus, Post- und Bofrostwagen

sehr stabile Wertanlagen

Anstand, Sauberkeit, Moral

und perfekte Partnerwahl

 

Dies ist der mittlere Westen

hier lebt man seit jeher am besten

und ganz egal was auf der Welt auch geschieht

nichts davon dringt ins Naherholungsgebiet

 

 

 

 

 Cowboys in Basra

 

Sie landen im Schutz der Nacht

vor fremden Blicken geschützt

man wird sie erst bemerken

wenn ihr Mündungsfeuer blitzt

Sie erhalten geheime Order

wurden von den Besten trainiert

die Stoßtruppe des Westens

effizient wird der Feind massakriert

 

Sie zielen mit Lasergewehren

auf jeden Leib der sich regt

bald hat der Wind des Vergessens

sich über die Wüste gelegt

 

Cowboys in Basra

in Bagdad und Mosul

sie schießen aus der Hüfte

sie sind unglaublich cool

Cowboys in Basra

Minenfeldrodeo

doch sie wären viel lieber

daheim in Idaho

 

Sie rollen mit leichten Panzern

über die Leichen im Sand

die meisten von Frauen und Kindern

soviel zum Widerstand

Das Gebiet ist gesäubert

Uncle Sam triumphiert

dabei hätte der Feind

auch ohne Krieg kapituliert

 

Sie zielten mit Flammenwerfern

auf alles was sich bewegt

bald hat der Wind des Vergessens

sich über die Toten gelegt

 

Cowboys in Basra

in Bagdad und Mosul

sie schießen aus der Hüfte

sie sind unglaublich cool

Cowboys in Basra

Minenfeldrodeo

doch sie wären viel lieber

daheim in Idaho

 

 

 

 

 

 Die Liebe ist ein Einzelkind

 

Die Liebe ist ein blödes Gör

es treibt sie hin, es treibt sie her

kein Wunder dass es mir echt stinkt

wenn dann noch jemand von ihr singt

 

Viel lästiger als ein Infekt

und jeder Mensch wird angesteckt

ich finde Seuchen fies und schlecht

drum ist die Liebe mir nicht recht

 

Warum ist bloß niemand immun?

Man muss doch was dagegen tun

 

Die Liebe ist ein Einzelkind

für das Reale völlig blind

verwöhnt, verzogen und verehrt

kein Wunder wenn sich niemand wehrt

 

Die Liebe ist ein Einzelkind

und wie halt solche Bälger sind

nutzt sie jede Gelegenheit

einfach aus reinem Zeitvertreib

 

Die Liebe ist ne dumme Sau

glaubt mir ich kenne sie genau

sie lebt sich aus ganz ungehemmt

und keine Bosheit ist ihr fremd

 

Da hab ich lieber Ohrenweh

oder einen verstauchten Zeh

und ganz egal was sie verspricht

ich weiß sie hält es sicher nicht

 

Warum steht mir bloß keiner bei?

Haun wir die Liebe doch zu Brei

 

Die Liebe ist ein Einzelkind

für das Reale völlig blind

verwöhnt, verzogen und verehrt

kein Wunder wenn sich niemand wehrt

 

Die Liebe ist ein Einzelkind

und wie halt solche Bälger sind

nutzt sie jede Gelegenheit

einfach aus reinem Zeitvertreib

 

Die Liebe ist ein Einzelkind

Weiß jemand wer die Eltern sind?

Die ist doch so total verschlampt

ruf bitte wer das Jugendamt

 

Die Liebe ist ein Einzelkind

für das Reale völlig blind

verwöhnt, verzogen und verehrt

kein Wunder wenn sich niemand wehrt

 

Die Liebe ist ein Einzelkind

und wie halt solche Bälger sind

nutzt sie jede Gelegenheit

einfach aus reinem Zeitvertreib

 

 

 

 

 Die Strafraum-Schwalbe

 

Ei guck da kommt sie geflogen

graziös, einfach wunderschön

der Schiedsrichter ist ihr gewogen

und es ist leicht zu verstehn

 

dass gefesselt von soviel Anmut

die ein schlichtes Gemüt nicht begreift

er der Fairness arges nun antut

und pfeift

 

 

 

 

 Nach der Zukunft

 

Immigranten aus Japan wohin wir auch blicken

sie schießen Fotos und lächeln uns tot

wer weiß was für Plunder sie hier verticken

Schwertfisch aus der Tube und atmendes Brot

Sie überschwemmen den Markt mit ihren Organen

und haben alle Knöpfe im Ohr

vielleicht kommt das Ende früher als wir ahnen

ich hab ja auch sonst nichts besonderes vor

 

Der Weltuntergang sucht noch nach Sponsoren

ich weiß nicht ob uns da draußen wer hört

vielleicht gab man uns schon lange verloren

wir haben jede natürliche Ordnung gestört

 

Ich will nichts mehr wissen

ich werde nichts vermissen

ich habe gelitten und ich habe geliebt

nun kann man nur warten

Tee trinken und raten

ob es ein Leben nach der Zukunft gibt

 

Man druckt schon T-Shirts mit dem magischen Datum

die Mayas haben es schon damals gewusst

Therapeuten bieten kostengünstig Beratung

man verteilt Tabletten gegen Traurigkeit und Frust

Eine Hotline zur Deadline, eine prima Sache

sie setzen Azubis ans Telefon

wenn ich da anrufe und herzhaft lache

erschießt sich der ein oder andere schon

 

Der Weltuntergang sucht noch nach Sponsoren

ich weiß nicht ob uns da draußen wer hört

vielleicht gab man uns schon lange verloren

wir haben jede natürliche Ordnung gestört

 

Ich will nichts mehr wissen

ich werde nichts vermissen

ich habe gelitten und ich habe geliebt

nun kann man nur warten

Tee trinken und raten

ob es ein Leben nach der Zukunft gibt

 

 

 

 

 Foto von Gott

 

Kommen Sie näher – ich hab Sie erwartet

ich hab etwas das Ihnen sicher gefällt

hat man Sie verfolgt – waren Sie verschwiegen

und vor allem: Wo ist das Geld ?

 

Die Tagebücher von Rasputin

sind nur kalter Kaffee dagegen

das hier ist Dynamit – das ist hochexplosiv

das wird die Menschheit bewegen

 

Ich hab ein Foto von Gott

es ist garantiert echt

man sieht ihn im Profil

und er wirkt sehr geschwächt

Ich hab ein Foto von Gott

und mein Informant

hat es sozusagen

aus erster Hand

 

Sehen Sie selber – es gibt keinen Zweifel

allein die Umgebung spricht schon für sich

das ist nicht getürkt – das ist keine Fälschung

mein Freund ich zieh Sie doch nicht übern Tisch

 

Die Liebesbriefe von Dschingis Khan

sind nur laue Suppe dagegen

das hier ist ein Knüller und kein Pausenfüller

das wird die Gemüter erregen

 

Ich hab ein Foto von Gott

es ist garantiert echt

man sieht ihn im Profil

und er wirkt sehr geschwächt

Ich hab ein Foto von Gott

und mein Informant

hat es sozusagen

aus erster Hand

 

Wovor haben Sie Angst?

Er wird Sie nicht verklagen

es gibt kein Risiko

Sie sollten es wagen

Ich will nur zehn Mille

für dieses Bild

schlagen Sie ein Mann

und der Handel gilt

 

Das ist ein Foto von Gott

wie noch niemand ihn sah

das geht den Menschen

sicher sehr nah

Dies ist ein Foto von Gott

der sichre Beweis

und glauben Sie mir

alles hat seinen Preis

 

 

 

 

 Sie umarmte mich nur als sei sie meine Schwester

 

Es war alles geplant und bestens arrangiert

das Bier kaltgestellt und die Pommes frittiert

Max hatte CDs von Nirvana dabei

und Julia sagte dass mein After-Shave spitze sei

Ich hab das Bett frisch bezogen, war beim Friseur

kaufte Wunderkerzen und manchen Kram mehr

es gab Pfannkuchen, Würstchen und natürlich auch Sekt

ich hab vorher gefragt welche Sorte ihr schmeckt

 

Als es dann zwölf war hat jeder jeden geküsst

und ich hatte geglaubt dass es nun soweit ist

doch es war wirklich ein Scheiß-Silvester

sie umarmte mich nur als sei sie meine Schwester

 

Jochen hockte mit Karin stundenlang auf dem Klo

Max rauchte sein Zeugs und grinste dabei froh

ich hab gekocht und serviert und hab abgeräumt

und in wachem Zustand wild von ihr geträumt

Sie sah aus wie ein Filmstar nur noch sehr viel besser

und ich gebe zu ich war scharf wie ein Messer

ich berührte sie ein- zweimal unterm Tisch

und dachte sie will es genauso sehr wie ich

 

Als es dann zwölf war hat jeder jeden geküsst

und ich hatte geglaubt dass es nun soweit ist

doch es war wirklich ein Scheiß-Silvester

sie umarmte mich nur als sei sie meine Schwester

 

Als dann die letzten Raketen himmelwärts stiegen

hab ich begriffen ich werde sie nicht kriegen

und dann hockte ich heulend bis morgens um vier

zwischen den Resten der Party und trank Dosenbier

Es lief noch immer Nirvana und ich konnte sie verstehn

ich fühlte mich so beschissen als sei ich Kurt Cobain

wie ein trauriger Held in einem billigen Western

was zum Teufel soll ich denn mit Schwestern?

 

 

 

 

 Vom Lastkran der eine Schiffssirene sein wollte

 

Ich steh am Hafenbecken

und recke meinen Hals

würd Sterne gern entdecken

- find Wolken bestenfalls

Längst rosten mir die Glieder

Regen küsst mein Metall

die Schrauben stöhnen wieder

Kalt bin ich überall

 

Doch du mein stolzes Schiffchen

treibst mutig durch die Nacht

trägst Kohlen Richtung Hamburg

gib bloß gut auf dich acht

 

Wär ich deine Sirene

dann bräuchtest du kein Licht

mein Ton würd dich geleiten

durch Nebel, Nacht und Gischt

Doch ich bin nur ein Lastkran

wie fern ich dir auch bleib

werf ich doch meinen Schatten

hinab auf deinen Leib

 

 

 

 

 

 Freunde in der Fremde

 

Vergilbte Klassenfotos

in einem Schuhkarton

mein süßer Vogel Jugend

zu schnell flog er davon

und ich weiß nur zu gut

er kehrt gewiss nie wieder

verloschen ist die Glut

und schwer ist sein Gefieder

 

Freunde in der Fremde

denkt ihr heut an mich?

An die wilden Zeiten?

Fühlt ihr euch wie ich?

Irgendwie betrogen

und einander fern?

Freunde in der Fremde

ich sähe euch heut gern

 

Nur noch Momentaufnahmen

von unbeschwerter Zeit

noch jenseits aller Sorgen

erfüllt von Heiterkeit

waren wir einst wie Götter

so stolz und stark und frei

heut zählen wir die Tage

das Leben schleicht vorbei

 

Freunde in der Fremde

denkt ihr heut an mich?

An die wilden Zeiten?

Fühlt ihr euch wie ich?

Irgendwie betrogen

und einander fern?

Freunde in der Fremde

ich sähe euch heut gern

 

Seid ihr mir auch heut noch

so vertraut und nah

trotz der vielen Jahre

wo ich euch nicht sah?

 

Freunde in der Fremde

denkt ihr heut an mich?

An die wilden Zeiten?

Fühlt ihr euch wie ich?

Irgendwie betrogen

und einander fern?

Freunde in der Fremde

ich sähe euch heut gern

 

 

 

 

 Nimm dies Lied und flieg

 

Sie steht vor dem Rathaus

mit dem Benzinkanister

und weiß wenn alles gut geht

erwischt sie drei Minister

Verraten von der Schwester

überall Polizei

sie klaut ein schwarzes Pferd

und lacht dabei

 

Ein Hubschrauber, fünf Wagen

eine lange Jagd bei Nacht

die Nation hängt am TV

und hofft dass man sie fertig macht

 

Nimm dies Lied und flieg

und verlasse den Planeten

ich werde ein Licht entfachen

und für deine Seele beten

Nimm dies Lied und flieg

du bist nicht mehr allein

all meine Gedanken

werden bei dir sein

 

Man schießt ihr das Pferd

unter dem Körper weg

sie macht einen Salto

und landet hart im Dreck

Zwanzig Mündungsläufe

zielen auf ihr Gesicht

doch ich weiß genau

lebend kriegt man sie nicht

 

Ein Hubschrauber, fünf Wagen

eine lange Jagd bei Nacht

die Nation hängt am TV

und hofft dass man sie fertig macht

 

Nimm dies Lied und flieg

und verlasse den Planeten

ich werde ein Licht entfachen

und für deine Seele beten

Nimm dies Lied und flieg

du bist nicht mehr allein

all meine Gedanken

werden bei dir sein

 

Nimm dies Lied und flieg

sie dürfen dich nicht kriegen

heute sollen sie lernen:

Träume können siegen

Nimm dies Lied und flieg

flieg auf leichten Schwingen

durch die kalte Nacht

und lass dich nie bezwingen

 

 

 

 

 Liebende

 

Lass mich dem Pochen deines Herzens lauschen

im Schlaf wenn nichts als Frieden in dir ist

mit keinem auf der Welt mag ich dann tauschen

wenn du so nah und ruhig bei mir bist

 

Am Tag sind deine Worte scharfe Messer

zu schmerzhaft gehst du mir unter die Haut

ich rede mir nicht ein es würde besser

dafür ist dieser Krieg mir zu vertraut

 

Du kämpfst mit Waffen die mir deutlich zeigen

wie wenig ich im Grunde für dich bin

der Abstand den du nimmst, die Flucht, das Schweigen

führen zu einem kalten Ende hin

 

Lass mich das Pochen deines Herzens hören

im Schlaf erkenn ich deine Melodie

am Tag weiß ich wirst du das Lied zerstören

ich glaub so einsam liebte ich noch nie

 

 

 

 

 An den falschen Stellen gelacht

 

Wir haben uns nicht mehr sehr viel zu sagen

und das macht auch durchaus Sinn

denn so können wir uns noch halbwegs ertragen

wir hören einfach nicht hin

 

Wenn doch dann käme wohl viel auf den Tisch

das wäre fatal sowohl für mich wie für dich

dabei war doch von Anfang an klar

dass ich für dich nicht der Richtige war

 

Was hast du bloß von mir erwartet

was hast du nur von mir gedacht?

Ich habe doch schon vom ersten Tag an

immer an den falschen Stellen gelacht

 

Wir gehen uns gut und gern aus den Augen

und haben uns dabei doch immer im Blick

es gibt wenig wofür wir gemeinsam noch taugen

doch keinesfalls taugen wir noch fürs Glück

 

Ich trag dir nichts nach, du wirfst mir nichts vor

da ist außer Zeit nichts was man wirklich verlor

und es war doch von Anfang an klar

dass ich für dich nicht der Richtige war

 

Was hast du bloß von mir erwartet

was hast du nur von mir gedacht?

Ich habe doch schon vom ersten Tag an

immer an den falschen Stellen gelacht

 

 

 

 

 Postlagernd Alaska

 

Sicherlich fragst du dich oft

was ist aus mir geworden?

Ich kam weiter als erhofft

leb nun hoch im Norden

Dort wo längst kein Zug mehr fährt

und die Adler steigen

War es unsre Liebe wert?

Dazu muss ich schweigen

 

Hier seh ich in aller Ruh

wie die Lachse springen

und der Strom taugt wohl dazu

sie ins Meer zu bringen

Nur ein Huskie neben mir

treu an meiner Seite

wozu nur schreibe ich dir

aus der weißen Weite

 

Postlagernd Alaska

so sieht’s in mir aus

hab nicht mehr zu sagen

als den Gruß nach Haus

Postlagernd Alaska

falls Du wirklich schreibst

Es ist gut dass Du

in der Heimat bleibst

 

Menschen gibt es hier nicht viel

doch das war mein Wille

es ist ein gutes Gefühl

in der Wildnis Stille

Schnee so weit das Auge reicht

wohin ich auch lenke

mit den Jahren fällt es leicht

wenn ich an dich denke

 

Auf dem Schlitten tagelang

durch unberührte Weite

Wölfe heulen zum Gesang

stets an meiner Seite

Vielleicht gehst du grade heut

durch die lauten Straßen

und hast insgeheim bereut

dass wir uns nicht vergaßen

 

Postlagernd Alaska

so sieht’s in mir aus

hab nicht mehr zu sagen

als den Gruß nach Haus

Postlagernd Alaska

falls Du wirklich schreibst

Es ist gut dass Du

in der Heimat bleibst

 

 

 

 

 Absteigender Ast

 

Na hören Sie mal

wer will denn schon träumen

in diesen Zeiten

und dann noch von Bäumen?

 

Hab ich was übersehen

oder hab ich was verpasst?

Ich bin wie ein Käfer

wie ein Siebenschläfer

auf dem absteigenden Ast

 

Na sagen Sie mal

die Natur sei natürlich

das ist ein Trugschluss

und höchst ungebührlich

 

Hab ich was nicht verstanden?

Hab ich nicht aufgepasst

Ich bin wie ein Specht

wie das Menschengeschlecht

auf dem absteigenden Ast

 

Nun können Sie raten

wie fest ich mich lege

und woran ich beständig säge

Ja, Sie haben es erfasst

An dem absteigenden Ast

 

 

 

 

 

 Der Zug des Lebens

 

Am ersten Bahnhof das Signal noch leise

der Zug kommt an und alle steigen ein

man ahnt noch nichts von Ziel und Zweck der Reise

und ist am Anfang immer ganz allein

 

Der Fahrplan dem man folgt oft unverständlich

erst später gibt so manches einen Sinn

zunächst zeigt man sich dankbar und erkenntlich

und gibt sich still und stumm den Schienen hin

 

Der Zug des Lebens fährt auf vielen Gleisen

und manche Weiche scheint vorab gestellt

wir alle sind die meiste Zeit auf Reisen

doch sehen dabei wenig von der Welt

 

Wer kämpft kriegt einen guten Platz mit Aussicht

wer Pech hat fährt bloß dritter Klasse mit

und nur wer aus der breiten Masse raus sticht

findet im Rhythmus seinen eignen Schritt

 

In Koffern stapelt sich derweil Erlebtes

manch einer führt nur Träume im Gepäck

das Ungemach der Reise oftmals klebt es

an dir wie Reisestaub und Schienendreck

 

Der Zug des Lebens fährt auf vielen Gleisen

und manche Weiche scheint vorab gestellt

wir alle sind die meiste Zeit auf Reisen

doch sehen dabei wenig von der Welt

 

Den Schaffner der am Ziel der Reise wartet

bringt niemand um den wohlverdienten Lohn

egal mit welcher Hoffnung man auch startet

ein jeder kommt zur gleichen Endstation

 

 

 

 

 Löwenherz

 

Manchmal wenn du aufwachst

und den Himmel siehst

in Gedanken vor dem Tag

und seinen Konsequenzen fliehst

dich erinnerst wer du warst

und dich fragst wer du heut bist

dann ahnst du dass der leichte Weg

nicht der deine ist

 

Zwischen Hoffnung und Schmerz

zwischen Lieben und Hassen

suchst du nach einer Antwort

um endlich loszulassen

 

Du hast ein Löwenherz

wer dich liebt kann das sehen

wer sonst hätte den Mut

über Scherben zu gehen?

Du hast ein Löwenherz

niemand soll das bestreiten

und es steht dir bei

auch in dunklen Zeiten

 

Manchmal wenn du nachdenkst

was die Zukunft bringt

wenn das Meer in dir tobt

und der Kopf mit der Seele ringt

wenn du voran willst

und blickst doch zurück

dann ahnst du er ist weit

der Weg zum Glück

 

Zwischen Glauben und Trauer

zwischen Nehmen und Geben

suchst du nach einer Antwort

einem Sinn für dein Leben

 

Du hast ein Löwenherz

wer dich liebt kann das sehen

wer sonst hätte den Mut

über Scherben zu gehen?

Du hast ein Löwenherz

niemand soll das bestreiten

und es steht dir bei

auch in dunklen Zeiten

 

 

 

 

 Standortvorteil

 

Der Junge hinter dem Klavier

ich schätz mal fünfzehn Jahre

der trinkt doch Wasser und kein Bier

und hat ganz dünne Haare

Klar dass er unser Lied nicht spielt

da war der doch kaum geboren

oder wenn‘s hochkommt grade mal

noch feucht hinter den Ohren

 

Da sehn wir uns nun an

im Rauch deiner Zigarette

und mir wär wohler wenn ich jetzt

einen Standortvorteil hätte

 

Du redest nicht, ich bleibe stumm

so kommen wir nicht weiter

die Zeit geht auch nicht richtig rum

Abschied wär jetzt gescheiter

Doch halten wir noch etwas fest

an das wir kaum mehr glauben

und keiner will dem andren jetzt

die letzte Hoffnung rauben

 

Da sehn wir uns nun an

im Rauch deiner Zigarette

und mir wär wohler wenn ich jetzt

einen Standortvorteil hätte

 

Der Junge hinter dem Klavier

scheint mit uns mitzufühlen

ein andrer Grund fiel mir nicht ein

jetzt „Strangers in the night“ zu spielen

Der hat uns beide längst durchschaut

darauf halt ich jede Wette

viel schlimmer könnt es auch nicht sein

wenn ich einen Standortvorteil hätte

 

 

 

 

 

 Die Männer

 

Sie sitzen vor ihren Häusern

und atmen das Sonnenlicht

sie trinken auf sich und das Leben

zwischen Überfluss und Verzicht

 

Ihre Väter haben getötet

ihre Kinder spielen im Sand

und so weit ihre Augen schauen

liegt Stille über dem Land

 

Ihre Frauen pflanzen Tomaten

weiße Laken werfen sich in den Wind

sie vergessen in solchen Momenten

beinah dass sie Männer sind

 

 

 

 

 Deutsches Gedicht

 

Ich bin in Deutschland geboren

Bin ich schon deshalb verflucht?

Schreibt euch hinter die Ohren:

Ich hab es mir nicht ausgesucht

 

Ich schwor keiner Fahne die Treue

ich hab keine Kriege geführt

ich hab weder Scham noch Reue

für die Taten von andren gespürt

 

Ich trag nicht die Schuld meiner Ahnen

ich hab keinen Grenzstein versetzt

mich muss man nicht ächten und mahnen

kein Mensch wurde von mir verletzt

 

Ich bin in Deutschland geboren

das kommt mir leicht aus dem Mund

und geht alle Hoffnung verloren

gehe ich mit ihr zugrund

 

 

 

 

 Brückenpfeiler – nach Mitternacht

 

Am Brückenpfeiler

ein Uhu hing

und glotzte einem Mann

der dort pisste

aufs Ding

 

Das gehört sich nicht

fand dieser Mann

doch er quatschte nicht gern

fremde Uhus nachts an

darum packte er schnellstens

sein Ding wieder ein

und ließ den Uhu

am Pfeiler allein

 

 

 

 

 Nachwort

 

So geh ich weiter durch mein kleines Leben.

Als hätte ich mein Schicksal selbst gewählt.

Ich habe außer Worten nichts zu geben.

Und was zu sagen war schon längst erzählt.

 

Man arrangiert sich mit der schlimmsten Lage.

Und leidet dabei doch nur scheinbar Not.

Manch andrer hätte wirklich Grund zur Klage.

Ich fürchte weder Einsamkeit noch Tod.

 

Ich bin mir selbst doch meistens treu geblieben.

Und war ein sehr bescheidener Poet.

Es heißt ein Dichter muss die Menschen lieben.

Was mich betrifft ist es dafür zu spät.

 

 

 

 

 Ein Hampelmann

 

Ein Hampelmann hing an der Wand

und starrte in die Leere

träumte vom Taka-Tuka-Land

und dass er Seemann wäre

 

Auf einem Schiff mit hohem Mast

würd er im Mastkorb sitzen

berührte dort die Sonne fast

sein Säbel würde blitzen

 

Und sähe er ein andres Schiff

- man darf es ruhig glauben -

würd er bevor man es begriff

es kurzerhand berauben

 

Sofern dann die Besatzung kreischt:

„Ach lass dich doch erweichen“

würd ihm Fässchen Rum vielleicht

als Beute auch schon reichen

 

Doch er ist nur ein Hampelmann

und kann den Rum nicht trinken

alles was er im Grunde kann

ist hampeln oder winken

 

Doch das auch nicht weil er es will

wie klar er das doch sieht

und er ist traurig und sehr still

bis man am Faden zieht

 

So hängt er da an seiner Wand

und leidet fürchterlich

wie gut ich doch sein Los verstand

er ist genau wie ich

 

 

 

 

 Direktor Schmidt bittet zum Diktat

 

Fräulein, hörten Sie? Ich bat

Sie soeben zum Diktat.

Also spitzen Sie den Stift

weil der Inhalt Sie betrifft

 

Stuhl bequem? Alles klar?

Wunderbar wieder Ihr Haar

Und der Rock. Und die Schuhe

Sie bringen mich aus der Ruhe

 

Bitte schreiben Sie jetzt mit:

„Ich liebe nur Direktor Schmidt“

 

Na, was gucken Sie jetzt so?

Rutschen rum auf Ihrem Po

Sie erlauben dass ich sag:

Den ich übrigens sehr mag

 

Kribbelt Ihnen schon das Knie

bei all meiner Poesie?

Wäre sicherlich gescheiter

ich diktiere einfach weiter 

 

Hallo: Schreiben Sie noch mit?

„Ich liebe nur Direktor Schmidt“

 

Fräulein, gibt es ein Problem?

Die Grammatik nicht genehm?

Brauchen Sie ne Pinkelpause?

Gehen wir zu mir nach Hause?

 

Stellen Sie sich nicht so an

ich bin doch auch nur ein Mann

und – womit ich’s besser treff -

ich bin immer noch Ihr Chef

 

Also schreiben Sie schon mit:

„Ich liebe nur Direktor Schmidt“

 

Gott, Sie schlafen beim Diktat ja beinah ein

schicken Sie mir doch besser die Praktikantin rein

 

 

 

 

 

 

 Wenn du stirbst

 

Wenn du stirbst dann werden

alle Kneipenwirte weinen

und die Sonne nicht mehr scheinen

es wird kalt auf Erden

wenn du stirbst

 

Viele Mütter können sich dann

ihrer Tränen nicht erwehren

müssen Kindern nun erklären

wer war dieser Mann

wenn du stirbst

 

Wenn du stirbst mein Freund

glaub mir das ist ein Scheiß-Gefühl

nicht umsonst ist wenn du stirbst

meist der Tod im Spiel

 

Wenn du stirbst dann werden

alle Buchmacher laut klagen

der Verlust kaum zu ertragen

ja es weinen selbst die Pferde

wenn du stirbst

 

Viele Freunde werden dann

vor Schmerz und Kummer wimmern

sich mit Wehmut dran erinnern

wie cool war dieser Mann

wenn du stirbst

 

Wenn du stirbst mein Freund

glaub mir das ist ein Scheiß-Gefühl

nicht umsonst ist wenn du stirbst

meist der Tod im Spiel

 

 

 

 

 Sie möchte

 

Sie möchte gern mal nach Brasilien fliegen

den Dalai Lama sehn und Kinder kriegen

sie möchte Filme drehen und mit Stäbchen essen

und mich will sie vergessen

Sie möchte gerne vor Neuseeland tauchen

die Pyramiden sehen und mal Haschisch rauchen

sie möchte Rosen züchten und Romane schreiben

und ich kann hier alleine bleiben

 

Sie hat viel vor, ich trag es ihr nicht nach

sie ist schon dabei sich zu entfernen

sie begreift mich schon lang nicht mehr

sie greift dafür jetzt nach den Sternen

 

Sie möchte gern mal hohe Stiefel tragen

und ohne nachzudenken ihre Meinung sagen

sie möchte Banjo spielen und durch den Dschungel krauchen

und mich kann sie dabei nun gar nicht brauchen

Sie möchte gern mal mit Delphinen schwimmen

und in Las Vegas beim Roulette gewinnen

Sie möchte sich blondieren und den Mont Blanc besteigen

und ich kann hier alleine bleiben

 

Sie hat viel vor, ich trag es ihr nicht nach

sie ist schon dabei sich zu entfernen

sie begreift mich schon lang nicht mehr

sie greift dafür jetzt nach den Sternen

 

Sie möchte gern in Madagaskar leben

und weiß mich wird es da nie geben

Sie hat viel vor, ich trag es ihr nicht nach

 

 

 

 

 Einen alten Baum verpflanzt man nicht

 

Sie sitzt auf der Holzbank vor ihrer Laube

teilt ein paar Krumen mit einer Taube

in ihrer Tasche die Räumungsklage

da steht schwarz auf weiß: 14 Tage

 

Sie ist fünfundachtzig und will nicht fort

sie lebte nie an einem anderen Ort

jede Erinnerung ist hier zuhaus

doch die Spekulanten schmeißen sie raus

 

Sie steht dem Fortschritt im Weg und in dieser Zeit

zählen Profite mehr als Menschlichkeit

 

Einen alten Baum verpflanzt man nicht

er hat seine Wurzeln geschlagen

jeder Jahresring und jede Schicht

zeugt von den gelebten Tagen

Einen alten Baum verpflanzt man nicht

seine Blätter würden verderben

wenn man ihn beugt und wenn man ihn bricht

wird er sterben

 

Ihre zwei Söhne wurden hier geboren

einen hat sie an den Krieg verloren

auch der andere starb genau wie ihr Mann

und der Winter ihres Lebens brach lange schon an

Sie ist zu schwach lange Wege zu gehn

es reicht grade um nach den Blumen zu sehn

um sie herum wird längst alles bebaut

nichts ist mehr gewohnt und vertraut

 

Sie steht dem Fortschritt im Weg und in dieser Zeit

zählen Profite mehr als Menschlichkeit

 

Einen alten Baum verpflanzt man nicht

er hat seine Wurzeln geschlagen

jeder Jahresring und jede Schicht

zeugt von den gelebten Tagen

Einen alten Baum verpflanzt man nicht

seine Blätter würden verderben

wenn man ihn beugt und wenn man ihn bricht

wird er sterben

 

 

 

 

 Küss ich oder kill ich dich?

 

Fast acht Jahre später

doch die gleiche Bar

und du grinst so frech

als ob nie was war

Kauf ich dir einen Drink?

Sollte ich lieber gehn?

Küss ich oder kill ich dich?

Mal sehn

 

Hass ich oder will ich dich?

Küss ich oder kill ich dich?

 

„Bin jetzt wieder solo“

flüsterst du mir zu

sag ich „Traumhaft, Süße“

oder „Dumme Kuh“?

Sag ich „Halt die Klappe“

oder „Lass uns gehn“?

Küss ich oder kill ich dich?

Mal sehn

 

Hass ich oder will ich dich?

Küss ich oder kill ich dich?

 

Hast dich kaum verändert

liegt wohl an dem Licht

Es noch einmal probieren

oder lieber nicht?

Fall ich wieder auf dich rein?

Manchmal war’s ja schön

Küss ich oder kill ich dich?

Mal sehn

 

Hass ich oder will ich dich?

Küss ich oder kill ich dich?

 

 

 

 

 Die Schönheit der Symmetrie

 

Die Sonne war so grade noch

über dem Friedhof aufgegangen

wo die katholischen Mädchen

mit glockenhellen Stimmen sangen

und während das was von dir blieb

in einem feuchten Loch verschwand

wischte der Priester deiner Mutter

die Tränen ab und hielt ihre Hand

 

Und ich stand da im Schatten

bat um eine Zigarette

und dachte an all die Worte

die ich dir noch zu sagen hätte

 

Die Schönheit der Symmetrie

begreifen die Menschen fast nie

doch du hast es immer verstanden

warum die Linien sich fanden

Die Schönheit der Symmetrie

erfüllt mich mit Melancholie

denn ohne dich sind die Kreise

bedeutungslos auf meiner Reise

 

Sie haben versucht dein Leben

in schöne Worte zu fassen

gemeinsam die Trauer zu teilen

und dich danach loszulassen

doch ich weiß all das von dir

was sich mit Worten nicht sagen lässt

und weit über die Trauer hinaus

halt ich das Beste von dir in mir fest

 

So bleib ich da im Schatten

und rauch meine Zigarette

und denke an all die Worte

die ich dir noch zu sagen hätte

 

Die Schönheit der Symmetrie

begreifen die Menschen fast nie

doch du hast es immer verstanden

warum die Linien sich fanden

Die Schönheit der Symmetrie

erfüllt mich mit Melancholie

denn ohne dich sind die Kreise

bedeutungslos auf meiner Reise

 

 

 

 

 Mit meinem Tod

 

Mein Tod der ginge mir nicht nah

könnt nur nicht drüber schreiben

schließlich wär ich dann nicht mehr da

Kein Grund jedoch zu bleiben

 

Ich käme damit wohl zurecht

den Spaß ihm zu verderben

doch wenn er kommt ist`s auch nicht schlecht

mir graut nicht vor dem Sterben

 

Mit meinem Tod käme ich klar

auf jeden Fall so eben

deiner jedoch ginge mir nah

denn mit ihm müsst ich leben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

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