Es heißt die Tage würden wieder länger

 

Es heißt die Tage würden wieder länger

Von trüben Scheiben perlt der letzte Frost

und selbst ich alter Wintermüßiggänger

schäle mich mühsam aus dem Winterrost

 

Der Wind hat aufgehört schneidig zu brennen

und streichelt sanft die blasse schlaffe Haut

Es ist ein Wiederkommen und Erkennen

denn man ist miteinander doch vertraut

 

Das Gras beschließt zu wachsen und zu grünen

und man tritt leichter in den Tag hinaus

Nicht lang dann summen auch die ersten Bienen

und junge Mädchen sehen schöner aus

 

Im weiten Feld zirpen die Grillenfänger

und ich leg frische Blumen auf dein Grab

Es heißt die Tage würden wieder länger

auch wenn ich nicht mehr viele Tage hab

 

 

 

 

Du bist Sturm in meinen Gedanken

 

Ich hätte dir so viel zu sagen

im Grunde wäre es ganz leicht

doch wenn ich dann nach Worten suche

gibt es keines das für dich reicht

Ich könnte sagen du seist mutig

du seist stolz und talentiert

und trotzdem hätte ich dich damit

nur auf Begriffe reduziert

 

Ich könnte sagen du seist wunderschön

ich hab nie etwas Schöneres gesehn

aber wenn man das Sonnenlicht beschreibt

ist es doch nur schwacher Glanz

der in den Worten übrig bleibt

 

Du bist Sturm in meinen Gedanken

es ist als hätte sich der Himmel aufgetan

meine ganze Welt gerät ins Wanken

und aus dem Sturm wird langsam ein Orkan

 

Ich hätte dir so viel zu sagen

aber ich hab es nicht gewagt

weil eines Tages jemand kommen wird

der all das zu dir sagt

was ich heut in dir sehe

und was du für mich bist

dann werde ich mich für dich freun

weil das der Lauf der Dinge ist

 

Ich könnte sagen du seist wunderschön

ich hab nie etwas Schöneres gesehn

aber wenn man das Sonnenlicht beschreibt

ist es doch nur schwacher Glanz

der in den Worten übrig bleibt

 

Du bist Sturm in meinen Gedanken

es ist als hätte sich der Himmel aufgetan

meine ganze Welt gerät ins Wanken

und aus dem Sturm wird langsam ein Orkan

 

Ich hätte dir so viel zu sagen

weil uns so wenig Zeit nur bleibt

aber es gibt das Wort noch nicht

das dich beschreibt

Ich hätte dir so viel zu sagen

du weißt warum ich es nicht tu

das einzige andre Wort für Schönheit

das ich kenne lautet: Du

 

 

 

 

 Alles was Du bist

 

Alles was Du bist will ich sein

Alles was ich bin?

Ich bin Dein

 

 

 

 

 Die schlafende Stadt

 

Die schlafende Stadt, sie kennt meinen Gang

im Mondlicht singt sie mir Lieder

fast all ihre Straßen ging ich schon entlang

nur dort find ich mich wirklich wieder

 

Der Schatten des Jungen der ich einmal war

winkt aus dem zerbrochenen Fenster

ich kann mich erinnern an manch schlechtes Jahr

die Zeit zeigt mir viele Gespenster

 

Mein Weg führt mich durch die breiten Alleen

hier stand ich einst staunend als Knabe

in Gedanken kann ich die Panzer noch sehn

bei manch feierlicher Parade

 

In der Ferne thront majestätisch das Schloss

dort gab es einst rauschende Feste

wer die nicht privilegiert im Ballsaal genoss

der balgte draußen sich um die Reste

 

War’s Kurfürst, war’s Kaiser, ich weiß es nicht mehr

weiß nur noch von den zwanzig Mätressen

aber das ist schon Jahrhunderte her

und geriet beinah ins Vergessen

 

So folg ich dem stillen Fluss in der Nacht

und verweile auf seinen Brücken

manch Streuner wird hier zur Wache gebracht

kann er sich nicht klammheimlich verdrücken

 

Im Nachtasyl brennt zu jeder Zeit Licht

und am Bahnhof warten die Luden

etwas weiter macht der Jahrmarkt grad dicht

doch man riecht noch den Zauber der Buden

 

Die schlafende Stadt, sie kennt meinen Schritt

im Mondlicht singt sie mir Lieder

und so sehr ich bei Tage auch an ihr litt

ihre Nächte versöhnen mich wieder

 

 

 

 

 Warum ich kein Minister werden kann

 

Ich wollt mal Minister werden

doch dafür ist es zu spät

Es gibt in jedem Ressort schon einen

der davon rein gar nichts versteht

 

Hab kein Plagiat vorzuweisen

und bin auch in keiner Partei

Der Traum von der großen Karriere

in der Politik ist vorbei

 

Mir mangelt es auch an Vitamin B

Mein Papa saß in keinem Aufsichtsrat

und Opa hat sich nicht auf Kosten der Juden

ein kleines schönes Vermögen erspart

 

Ich habe auch keinen Adelstitel

und Macht macht mich irgendwie schwächlich

Mein größter Makel ist jedoch wohl

Ich bin leider nicht bestechlich

 

Man nennt so etwas Berufskrankheit

doch die gibt es nur selten im Land

Wenn in der Politik jemand sein Gewissen entdeckt

bedeutet das Ruhestand

 

 

 

 

 Du gehst dahin auf fremden Wegen

 

Du gehst dahin auf fremden Wegen

du schönes, stolzes Menschenkind

du gehst dahin mit meinem Segen

während die Zeit so schnell verrinnt

 

Ob breite Straßen, enge Gassen

du findest deinen Weg allein

dennoch wirst du niemals verlassen

oder gar ohne Liebe sein

 

Du gehst dahin mit festem Schritte

und nimmst das Leben wie es ist

gewährte Gott mir eine Bitte

wünschte ich dass Du glücklich bist

 

                Für Melanie

 

 

 

 

 Die Serviette

 

Ein Sonntag voll gepflegter Langeweile

man sitzt auf der Terrasse und trinkt Tee

im Kopf erschließt sich mir grad eine Zeile

als ich verdrießlich in den Himmel seh

 

Da treiben wunderschöne weiße Wolken

und mahnen an des Dichters täglich Pflicht

mir fällt nur ein: „Die werden nie gemolken“

doch daraus mach ich sicher kein Gedicht

 

Ich stehle der Cousine die Serviette

und kritzle darauf einen Einfall hin

ach wenn ich doch nur mehr Servietten hätte

dann käme mir noch bessres in den Sinn

 

Die Tante naht und schwenkt vergnügt die Kanne

mit Kaffee - so steigt sie in meiner Gunst -

doch unterläuft ihr leider eine Panne

er fließt auf meine Hose und die Kunst

 

Man mag mich sonntags wenn man will verbrühen

doch bitte, bitte schont mir die Servietten

nun kann ich mich nur noch vergeblich mühen

die schönen Worte sind nicht mehr zu retten

 

 

 

 

 Der Mensch

 

Der Mensch ist ein vortreffliches Studienobjekt

Das liegt doch wohl auf der Hand

Man möchte kaum glauben was man alles entdeckt

durchleuchtet man seinen Verstand

 

All diese wunderbaren Neuronen

geben ein eindrucksvolles Gewimmel

Bei Frauen mag der Verstand wohl im Kopfe wohnen

Bei Männern öfter im Pimmel

 

 

 

 

 

 Du bist zurück auf deinem Stern

 

Das konnte nie gut gehen

das war uns doch klar

zwei zu große Egos

bedeutet Gefahr

Klein beizugeben

lag uns beiden nicht

wir wollten die Kür

doch haben versagt bei der Pflicht

 

Muss man sich erst kennen

ums sich zu trennen?

Darf man noch vorher

genüsslich verbrennen?

 

Du bist zurück auf deinem Stern

und ich hab dich noch immer gern

wenn ich dich ab und an mal sehe

mit anderen in deiner Nähe

bist du mir doch nicht völlig fern

 

Du sagtest damals:

Was kann schon passieren?

Scheiß auf die Statistik

lass es uns probieren

Zwei Boxer im Ring

kein Schlag ging daneben

es war schön und verrückt

dieses schmerzhafte Leben

 

Muss man sich erst kennen

ums sich zu trennen?

Darf man noch vorher

genüsslich verbrennen?

 

Du bist zurück auf deinem Stern

und ich hab dich noch immer gern

wenn ich dich ab und an mal sehe

mit anderen in deiner Nähe

bist du mir doch nicht völlig fern

 

Wenn wir uns heut aus Zufall treffen

dann sind wir beide nicht allein

doch unsre Augen sagen offen

Das kann noch nicht das Ende sein

 

 

 

 

 Julchen

 

Julchen, ach Julchen

mein schönes Kind

weißt du nun

wo die Engel sind?

Spielst mit ihnen

und sammelst Klee

der Herr Doktor sagte

es tat dir nicht weh

 

Julchen, mein Julchen

der Vater klagt still

weil er bei seinem

Julchen sein will

Julchen, mein Julchen

die Mutter klagt laut

streichelt nie mehr

deine rosige Haut

 

Julchen, ach Julchen

wir haben gedacht

der böse Husten

geht über Nacht

doch immer heißer

wurd deine Stirn

trotz Kamille und Fenchel

trotz Apfel und Birn

 

Julchen mein Julchen

der Vater klagt still

weil er bei seinem

Julchen sein will

Julchen mein Julchen

die Mutter klagt laut

streichelt nie mehr

deine rosige Haut

 

Julchen, ach Julchen

ein Jahr ist vorbei

dein Brüderlein

kam Anfang Mai

Nun kommt man nur selten

noch an dein Grab

hat fast vergessen

dass es dich gab

ach, Julchen

 

 

 

 

 Das Leben ist zu schlau für mich

 

Im Café treff ich Olli

der quatscht vom großen Deal

ich sag ich hab was vor

denn mir wird das zu viel

Ich habe mit der Börse

absolut nichts am Hut

ich kann im Grunde gar nichts

aber das kann ich recht gut

 

Ich träum mich in den Tag rein

und auch wieder raus

nur sieht die Welt danach

nicht anders aus

 

Das Leben ist zu schlau für mich

versperrt mir jede Tür

das Leben ist zu schlau für mich

oder ich zu doof dafür

 

Mona macht jetzt in Mode

Karsten schreibt ein Buch

und mir graut schon vor Sonntag

da kommt Mutter zu Besuch

Die wird als erstes wieder

in meinen Kühlschrank schaun

und mir mit klugen Worten

den ganzen Tag versaun

 

Ich träum mich in den Tag rein

und auch wieder raus

nur sieht die Welt danach

nicht anders aus

 

Das Leben ist zu schlau für mich

versperrt mir jede Tür

das Leben ist zu schlau für mich

oder ich zu doof dafür

 

Jeder sagt mir fehlt der Antrieb

- als ob ich ein Auto wär -

ich glaub mir fehlt viel mehr

 

 

 

 

 Du hast dein Herz im Kino verloren

 

Du hast dein Herz im Kino verloren

es lag dort herum zwischen Popcorn und Bier

ich hatte noch Platz in der Hosentasche

darum nahm ich es mit nach Hause zu mir

 

Nun steht es hier rum und nimmt mir den Platz weg

und ist nach einer Woche schon ganz eingestaubt

ich hab Angst es fällt irgendwann auseinander

und ich weiß nicht wie man es wieder verschraubt

 

Ich dachte du würdest dich schnell bei mir melden

ich hab schließlich überall inseriert

doch du kommst wohl ganz gut ohne das Ding klar

oder hast du den Verlust noch nicht registriert

 

Du hast dein Herz im Kino verloren

es lief ein alter Schinken mit Gregory Peck

vielleicht geschieht Mädchen wie dir so was häufig

eh man sich versieht da ist das Herz weg

 

Ich weiß nicht darf ich es so einfach behalten

wie einen zugelaufenen Hund

vielleicht ist das ja moralisch verwerflich

ich hoffe dir gehts gut und du bist gesund

 

Vielleicht besorge ich einen Rahmen

und hänge mir dein Herz an die Wand

vielleicht geb ich dem Herz sogar einen Namen

denn deiner ist mir leider ganz unbekannt

 

 

 

 

 Brief und Siegel

 

Als Deutscher darfst du Arschloch sein

das nimmt dir keiner übel

das ist historisch fest verbürgt

darauf Brief und Siegel

 

Das ist durchaus von Vorteil

und geschichtlich auch belegt

dass sich der Deutsche gern mal

grenzenlos fortbewegt

 

Man legt sein Badehandtuch

mal eben über Polen

und morgen kann man sich vielleicht

auch Frankreich wieder holen

 

Als Deutscher darfst du Arschloch sein

doch du beziehst nie Prügel

das ist wissenschaftlich fest fundiert

darauf Brief und Siegel

 

Im Gegenteil, die ganze Welt

und vornehmlich die Jugend

spricht voll Achtung überall

gern von der deutschen Tugend

 

Da wär das nimmermüde Streben

und der unerhörte Fleiß

Disziplin und strenge Ordnung

vom Kleinkind bis hin zum Greis

 

Als Deutscher darfst du Arschloch sein

und hast doch nie kapiert

warum der ganze Rest der Welt

dir Arschloch applaudiert

 

 

 

 

 Meine Freundin schreibt: Horst Heilmann hat Grippe

 

Horst Heilmann hat Grippe

Warum ich das schreib

Na, damit du weißt

warum ich noch bleib.

Glaub bloß nicht er würde

unter all den Leuten

mir halb so viel nur

wie du bedeuten

 

Ich hab mir das schließlich

nicht ausgesucht

der Koffer war gepackt

die Fahrt schon gebucht

Sogar Fensterplatz

im Raucherabteil

aber Horst Heilmann

ist nicht ganz heil

 

Ja, ja, ich sprech nicht

so schön Deutsch wie du

aber Horst Heilmann

hört mir trotzdem zu

und es ist mir

noch niemals passiert

dass er mich

so wie du korrigiert

 

Horst Heilmann hat Grippe

die ist fürchterlich

aber du denkst natürlich

nur wieder an dich

Ich komm ja gewiss

dann halt übermorgen

ich mach mir momentan

um Horst Heilmann Sorgen

 

Er hat hohes Fieber

38 Grad

kein Wunder also

dass er mich bat

zur Vorsicht

an seinem Bett zu bleiben

Horst Heilmann sagte

das soll ich dir schreiben

 

Das ist mir peinlich

ich seh dein Gesicht

und weiß genau

du verstehst nicht

warum ich nicht komme

doch ich komme ja bald

ist nur erst mal

Horst Heilmanns Stirn wieder kalt

 

Er liegt da so hilflos

in seinem Bett

sagt er wüsste nicht

wenn er mich jetzt nicht hätt

ob es ihm gelänge

den Tag zu überstehn

doch ich bin ja da

um nach ihm zu sehn

 

Er schlummert jetzt friedlich

auch ich geh zur Ruh

doch vorher deck ich

Horst Heilmann noch zu

Denn drei Zehen ragen

aus dem Bett heraus

im Schlaf sieht Horst Heilmann

komisch aus

 

Hab etwas Geduld

nur noch zwei Tage

du weißt ich komm auch

wenn ich das sage

Ich fühl mich ja auch

ohne dich so allein

ich hoffe du fängst dir

nicht auch Grippe ein

 

Ich reibe Horst Heilmann

gleich seine Brust ein

aber ich hoffe

dir wird bewusst sein

ich mache dass nur

rein medizinisch

zwischen mir und Horst Heilmann

ist alles ganz klinisch

 

Horst Heilmann röchelt

dir einen Gruß

ihm tropft der Schweiß

und zuckt der Fuß

Um genauer zu sein

es ist der rechte

ach wenn ich doch nur

ihm Erleichterung brächte

 

Horst Heilmann sagt

kann sein dass er stirbt

und er will nicht dass er

unsre Romanze verdirbt

Er haucht: Fahr zu ihm

also damit meint er dich

Gott, Horst Heilmann

ist wirklich fürsorglich

 

Ich mess nochmal Fieber

in seinem Po

Horst Heilmann ist tapfer

lächelt dabei froh

doch scheint zu entschwinden

wie bekämpft man den Schwund

Horst Heilmann haucht:

Vielleicht Mund zu Mund

 

Ach Liebster ich kann

jetzt nicht weiterschreiben

ich muss doch

bei Horst Heilmann bleiben

Er zittert so sehr

krallt sich in meinen Arm

ich leg mich auf ihn

und halte ihn warm

 

Du denkst : Wieso warm

nun er ist jetzt kalt

trotz seinem Fieber

das heißt er stirbt bald

Er sagt heldenhaft:

„Ach lass mich krepieren“

ich muss jetzt Horst Heilmann

schleunigst massieren

 

Horst Heilmann ist wohl

auf mein Kleid allergisch

bekommt rote Flecken

und ich zieh energisch

das dumme Kleid aus

huch ich bin jetzt nackt

und Horst Heilmann hat mich

im Fieber gepackt

 

Ich lieg auf Horst Heilmann

doch sei dir bewusst

ich lieg dort zur Pflege

und nicht aus Lust

Mir scheint er ist Pflege

nicht so gewöhnt

er zuckt unter mir

und er stöhnt

 

Armer Horst Heilmann

er kollabiert

seine Körperfunktionen

sind unkontrolliert

Zwischen ihm und dem Tod

da bin nur noch ich

und ich wollte noch schreiben:

Ich liebe dich

 

Horst Heilmann ist jetzt

völlig im Wahn

ich schreib dir lieber nicht

was er getan

er hat sozusagen

Schaum vor dem Mund

ich hoffe nur

er wird trotzdem gesund

 

Horst Heilmann liegt dort

völlig ermattet

doch keine Angst

er wird nicht bestattet

Es geht ihm sichtlich besser

er wirkt nicht mehr so krank

und Horst Heilmann entrichtet

aus der Ferne dir Dank

 

 

 

 

 Vorfilm

 

Ich sitz in einem Kino, Montag vormittag um zehn

eine Zeit zu der andre langsam zur Uni gehen

oder in den Supermarkt um Gemüse einzukaufen

oder mit Nike-Turnschuhn durch Grünanlagen laufen

 

Mein Fahrrad lehnt bedrohlich nah am Parkverbot

an einer alten Linde mit dem Hinterrad im Hundekot

und meine Finger sind noch fettig von Cheeseburgern und Fritten

doch ich hab mich nicht getraut um „Hakle feucht“ zu bitten

 

Ich würde gerne rauchen doch ich habs mir abgewöhnt

und bin um diese Zeit auch noch nicht völlig zugedröhnt

sonst würd ich diese Gier nach Nikotin vielleicht nicht spüren

und ließe mich zu irgendwas gesünderem verführen

 

Ich sitz in einem Kino nur um nicht durchzudrehn

doch werd wie ich mich kenne schon nach dem Vorfilm gehn

das hat nichts mit dem Film zu tun und auch nicht mit dem Tag

obwohl ich Kino eigentlich am Mittwoch lieber mag

 

Ich hab mich heute nicht gewaschen und nicht mein Haar gekämmt

und wenn hier was nach Schweiß stinkt ist es mein Unterhemd

ich mach das aus Gewohnheit und um mich täglich zu entscheiden

mag ich mich vielleicht heute mal etwas besser leiden

 

Ich sitz in einem Kino nur um irgendwo zu sein

nicht grade unter Menschen doch auch nicht ganz allein

so schlage ich die Zeit tot, manchmal schlägt sie zurück

wir bringen uns nur selten wirklich Glück

 

 

 

 

 Die fröhlichen Friesen

 

Ich mag die Weißwurst-Cowboys

aus dem allertiefsten Bayern

die mit ihren lila Kühen

bis zum Alpenglühen feiern

Und ich liebe auch die Schwaben

die so heftig Spätzle mampfen

dass sich ihre Bäuche blähen

und die Nasenflügel dampfen

 

Ob West – ob Ost

ob Nord – ob Süd

ich habe alle Deutschen lieb

 

Jedoch die fröhlichen Friesen

sind mir die Liebsten von allen

sind sie auch meistens so seltsam

dass sie keinem andren gefallen

Ja, ja die fröhlichen Friesen

vertrauen Fremden nicht gleich

sie werfen mit Schafen nach dir

und verstecken sich hinter dem Deich

 

Ich mag die Brandenburger

die heimlich und verstohlen

sich ihre Zigaretten

billig aus Polen holen

Bei mir haben Westfalen

einen Stein im Brett

aber ich find im Grunde

die ganze Menschheit nett

 

Ob West – ob Ost

ob Nord – ob Süd

ich habe alle Menschen lieb

 

Jedoch die fröhlichen Friesen

sind mir die Liebsten von allen

sind sie auch meistens so seltsam

dass sie keinem andren gefallen

Ja, ja die fröhlichen Friesen

vertrauen Fremden nicht gleich

sie werfen mit Schafen nach dir

und verstecken sich hinter dem Deich

 

Ich mag die Afrikaner, die Amis und Mongolen

die Inder und Maoris, Kroaten, Türken, Polen

 

Doch wer die fröhlichen Friesen nicht schätzt

sollte das ändern – am besten gleich jetzt

ihr Humor ist erfrischend und trocken

sie knüpfen dich auf an den Socken

oder jagen ins Watt dich bei Flut

- find ich gut

 

 

 

 

 Das Universum und du

 

Über den Rand deiner Kaffeetasse

siehst du mich fragend an

Was darf ich heute für dich sein, Baby

Psychiater, Freund oder einfach ein Mann?

Und spülst du diesmal den Lippenstift ab

Ich fühl mich hier kaum noch zu Haus

denn mittlerweile sehn meine Tassen

wie ein Tuschkasten aus

 

Ich weiß ich müsste mal spülen

doch du lässt mir keine Zeit

und wenn einem die Worte ausgehn

dann grinst man einfach nur breit

 

Das Universum und du

bleiben für mich unergründlich

nicht dass ich Angst davor hab

nur mein Magen ist etwas empfindlich

Das Universum und du

haben eine Menge gemeinsam

immer wenn ich euch betrachte

fühl ich mich unbedeutend und einsam

 

Du hast eine Art die mich verrückt macht

ich weiß nicht ob das positiv ist

mein Kopf ist ein Hohlraum der von dem was er lernt

das Allermeiste wieder vergisst

Ich tu längst nichts mehr aus Überlegung

ich reagier nur noch aus Instinkt

und ich such mir mit Sicherheit immer das Schiff aus

das als erstes versinkt

 

Ich weiß ich sollte wohl gehen

doch du hältst mich zu fest

du kannst all das nur machen

weil mein Herz es dich machen lässt

 

Das Universum und du

bleiben für mich unergründlich

nicht dass ich Angst davor hab

nur mein Magen ist etwas empfindlich

Das Universum und du

haben eine Menge gemeinsam

immer wenn ich euch betrachte

fühl ich mich unbedeutend und einsam

 

Es ist völlig gleich was ich denke

es ist ganz egal was ich tu

am Ende sind da doch immer

das Universum und du

 

 

 

 

 Sugar-Daddy

 

Seine Limousine kreuzt nachts auf der roten Meile

denn er findet selten Schlaf, hat reichlich Zeit und Langeweile

und so zieht er durch die Clubs und genießt das pralle Leben

einfach frei sein, heftig feiern und mal kräftig einen heben

 

Klar er ist schon in dem Alter wo die Rente nicht mehr fern ist

wenn er einem Mädchen flüstert: Du weißt, dass du mein Stern bist

könnte das schon peinlich enden, doch er ist ein Mann von Welt

und dort wo sein Charme versagt tut es zur Not sein Geld

 

Sugar-Daddy, Sugar-Daddy

komisch dass du es nicht leid bist

wie du deiner Jugend nachrennst

und die meiste Zeit nur breit bist

Sugar-Daddy, Sugar-Daddy

wann wirst du es endlich schnallen

es sind nur noch deine Scheine

die den anderen gefallen

 

Auch ein Playboy sollte seine Grenzen mal erkennen

und sich von so manchem Laster langsam aber sicher trennen

wenn die jungen Dinger die morgens neben ihm erwachen

hinter seinem Rücken über seine Falten lachen

 

Klar man kann sich mit der Kohle eine ganze Menge kaufen

sich die Welt wenn‘s sein muss wirklich etwas schöner saufen

aber nach dem schärfsten Ritt und einer Prise teurem Schnee

tun einem bei der Landung nicht nur die alten Knochen weh

 

Sugar-Daddy, Sugar-Daddy

komisch dass du es nicht leid bist

wie du deiner Jugend nachrennst

und die meiste Zeit nur breit bist

Sugar-Daddy, Sugar-Daddy

wann wirst du es endlich schnallen

es sind nur noch deine Scheine

die den anderen gefallen

 

 

 

 

 Wenn‘s nicht weh tut

 

Wieder einmal kämpft man mit der Lüge

man ahnt fast den Fuß schon in der Tür

und was dann kommt kennt man zu Genüge

trotzdem findet man kein Wort dafür

 

Man sucht Trost in Durchhalteparolen

hat das schließlich schon oft mitgemacht

es ist fast wie sich die Grippe holen

aber die heilt manchmal über Nacht

 

Wenn’s nicht wehtut war es keine Liebe

wenn du schlafen kannst läuft was verkehrt

fühlt es sich nicht an als würd man sterben

dann war es nichts wert

 

Abschied lässt sich nicht im Voraus üben

selbst wenn man sich für ganz clever hält

fängt der Himmel an sich zu betrüben

stürzt man aus den Wolken in die Welt

 

Dann kann man sich noch so sehr verstellen

und den Freunden sagen : „Mir geht’s gut“

die Verzweiflung kommt in kleinen Wellen

und aus denen wird die große Flut

 

Wenn’s nicht wehtut war es keine Liebe

wenn du schlafen kannst läuft was verkehrt

fühlt es sich nicht an als würd man sterben

dann war es nichts wert

 

Mancher wünscht sich eine harte Schale

oder hätte gern ein Herz aus Stein

doch die Liebe kennt nur das Banale :

Überglücklich und tottraurig sein

 

Wenn’s nicht wehtut war es keine Liebe

wenn du schlafen kannst läuft was verkehrt

fühlt es sich nicht an als würd man sterben

dann war es nichts wert

 

 

 

 

 Die Lebenden

 

Du bist einfach so gestorben

das hab ich dir nicht verziehn

hab mir für das Scheiß-Begräbnis

Jochen’s Anzug ausgeliehn

War nicht wirklich richtig schwarz

deshalb blieb ich im Schatten stehn

außerdem hab ich gedacht

mich will eh kein Schwein da sehn

 

Ich weiß ja Tote soll man nicht mehr hassen

schlimmer ist wenn dich die Lebenden verlassen

 

Die Lebenden sitzen an dem großen Tisch

fressen, saufen und reden über dich

und scheinbar erinnert sich keiner an den Mist

es ist schon erstaunlich wie beliebt du plötzlich bist

nur ich sitz da und würde gerne schrein:

Für mich wirst du weiter nur ein Arschloch sein

 

Du bist einfach abgehauen

da war ich fünf Jahre alt

und wenn ich mal nach dir fragte

wurden Mamas Augen kalt

Hab dir damals oft geschrieben

dass ich noch hoffe und warte

doch nicht einmal zum Geburtstag

schicktest du mir eine Karte

 

Ich weiß ja Tote soll man nicht mehr hassen

schlimmer ist wenn dich die Lebenden verlassen

 

Die Lebenden sitzen an dem großen Tisch

fressen, saufen und reden über dich

und scheinbar erinnert sich keiner an den Mist

es ist schon erstaunlich wie beliebt du plötzlich bist

nur ich sitz da und würde gerne schrein:

Für mich wirst du weiter nur ein Arschloch sein

 

Deine neue Familie wirkt wirklich sehr betrübt

vielleicht hast du das Vatersein bei mir ja nur geübt

und als du abgehauen bist, hast du vielleicht gedacht

„Ich weiß beim nächsten Mal wie man es besser macht“

 

Ich weiß ja Tote soll man nicht mehr hassen

doch du hast mich schon lang vor deinem Tod verlassen

 

 

 

 

 

 Bleib mein Vielleicht

 

Menschen kommen, Menschen gehen

teilen manchmal ihre Zeit

manche Spur sieht man verwehen

manche Wahl tut einem leid

 

Leben ist Bewegung

alles ist im Fluss

du wirst nie verstehen

warum ich gehen muss

 

Jedes Vorher hat ein Nachher

jeder Anfang führt zum Ende

und die Zeit ist grausam

sie rinnt uns nur durch die Hände

Was besessen geht verloren

und weil mir das nicht reicht

will ich dich nicht haben

Bleib mein Vielleicht

 

Man liebt sich, man betrügt sich

man macht sich etwas vor

man trauert all den Träumen nach

die man auf dem Weg verlor

 

Liebe ist vergänglich

ist nur schöner Schein

denn im Grunde ist doch

jeder Mensch allein

 

Jedes Vorher hat ein Nachher

jeder Anfang führt zum Ende

und die Zeit ist grausam

sie rinnt uns nur durch die Hände

Was besessen geht verloren

und weil mir das nicht reicht

will ich dich nicht haben

Bleib mein Vielleicht

 

Ich weiß dieser Weg

ist alles andere als leicht

doch liebst du mich so wie ich dich

dann bleibe mein Vielleicht

 

 

 

 

 Wonach sollen wir jetzt noch süchtig sein

 

Violinenverkleisterte Liebesschwüre

treiben mich wie du weißt aus der Türe

ich renn auf die Straße wo die Eitelkeit wohnt

und bieg lachend meinen Körper unterm Plastikmond

 

Die Avantgarde trifft sich heut bei Aldi

jeder Schlagerfuzzi hält sich für Vivaldi

und ich vertrinke grinsend mein Kleingeld

ich bin auch nur ein trauriger Teil dieser Scheinwelt

 

Mir fällt alles schwer

und mir fällt nichts mehr ein

wonach sollen wir jetzt noch süchtig sein?

 

Heut koksen sie schon in den Sportarenen

oder jagen sich Müsli-Light in die Venen

die Widerstandskämpfer sind modisch adrett

und fallen vor Mitternacht müde ins Bett

 

Selbst der Sex war früher um einiges besser

und die Kids spielen statt mit Murmeln lieber mit Messern

der Tabak ist zu teuer – die Mädchen zu treu

und jeder Arsch definiert sich tagtäglich neu

 

Mir fällt alles schwer

und mir fällt nichts mehr ein

wonach sollen wir jetzt noch süchtig sein?

 

Die Welt ist verdrahtet, das All schon vermessen

man kann alles haben aber nichts mehr vergessen

mein Maul ist zu groß, doch mein Kopf ist zu klein

da passt kein einziger Vorwurf mehr rein

wonach, sag mir wonach sollen wir jetzt noch süchtig sein?

 

 

 

 

 Loblied auf die Chormädchen

 

Er begann als Solist

wie das eben so ist

man denkt sich in so einer Lage

der Applaus gehört dann einem allein

und vor allem die Gage

 

Doch schließlich hatte er begriffen:

Ein Duett schützt ein wenig bei Pfiffen

 

Im Trio ist`s bisweilen eher ungemütlich

denn zu dritt einigt man sich nicht immer gütlich

so wurde daraus recht bald ein Quartett

das war nett

 

Und schwimmt man dann oben auf der Welle

braucht man ein Orchester, eine ganze Kapelle

mit Bass und mit Pauke, mit Schlagzeug und Flöte

mit Triangel, Mundorgel, Alphorn und Tröte

 

Anfangs fuhr er noch Bahn, dann mit einem VW-Bus

weil ja schließlich das Instrumentarium mit muss

dann wars ein Transporter denn mit der Zeit so

benötigt man auch eine eigene Lightshow

 

Heut spielt er in der obersten Liga

mit eigenem Chor und eigenem Flieger

und jetzt erst als Star wurde ihm richtig klar

wie einsam er früher nach Konzerten oft war

 

Er ist ein großes Licht und kein kleines Rädchen

das wissen alle, auch seine Chormädchen

und er bring jeder Einzelnen bei wie es klingt

wenn sie das hohe „C“ mit ihm singt

 

 

 

 

 Ein Tag wird kommen

 

Ich weiß ein Tag wird kommen

wo wir die Welt verstehn

wir wünschen dann benommen

er möge schnell vergehn

 

Man will ja gar nicht wissen

was sich da so enthüllt

was bleibt noch zu vermissen

wenn alles sich erfüllt

 

Kann sein dass wir erkennen

es gab nie einen Zweck

die Grenzen die uns trennen

wären ganz einfach weg

 

Der Grund für Streit und Kriege

hätt niemals existiert

und all die schönen Siege

wären dann ausradiert

 

Was wir zu wissen meinten

wär nicht mehr existent

all das worum wir weinten

plötzlich nicht mehr präsent

 

Ich weiß ein Tag wird kommen

wo wir die Welt verstehn

wir wünschen dann benommen

er möge schnell vergehn

 

 

 

 

 Wohin auch immer ich reise

 

Wohin auch immer ich reise

ich find nicht mehr was ich einst fand

mein wildes Herz wird ganz leise

und flüstert: Heimatland

 

Doch es gibt nichts mehr zu finden

von dem was ich niemals vergaß

sah die Namen von Freunden verschwinden

bei denen ich früher oft saß

 

Den wenigsten blieben Gräber

den meisten nicht einmal Mut

ich denk an die Schlesischen Weber

und an all das vergossene Blut

 

Das Neue entsteht aus Ruinen

die Landschaft passt sich wieder an

Züge rollen über die Schienen

zu den Orten wo alles begann

 

Man hat nach den Prozessen

das Land völlig neu ausstaffiert

und probt sich im Vergessen

als wäre nichts weiter passiert

 

Wohin auch immer ich reise

ich find nicht mehr was ich einst fand

mein wildes Herz wird ganz leise

und flüstert: Niemandsland

 

 

 

 

 Damals vor Schlecker

 

Da stand ein Typ mit Skateboard

und krassem Igelschnitt

damals direkt vor Schlecker

und fragte: „Kommst du mit?“

Ich fragte ihn wohin

aber das fand er kleinlich

also war mir die Frage

im Nachhinein dann peinlich

 

Er hatte einen Walkman

so hieß das damals noch

fragte mich: „Magst du Blumfeld?“

und ich sagte: „Doch, doch“

 

Damals vor Schlecker

schon ne Weile her

Blumfeld haben sich aufgelöst

und Schlecker gibt’s nicht mehr

Damals vor Schlecker

und Sommer war es auch

jetzt fehlen mir drei Dinge

die ich zum Leben brauch

 

Das wäre erstens Schlecker

das gab es überall

klein und überschaubar

ganz genau mein Fall

Das wäre zweitens Blumfeld

die hab ich so geliebt

und drittens dann den Sommer

den es nicht mehr gibt

 

Ich hab noch einen Walkman

nicht den modernen Kram

doch hör jetzt Tocotronic

die machen mehr Alarm

 

Damals vor Schlecker

schon ne Weile her

Blumfeld haben sich aufgelöst

und Schlecker gibt’s nicht mehr

Damals vor Schlecker

und Sommer war es auch

jetzt fehlen mir drei Dinge

die ich zum Leben brauch

 

Im Nachhinein betrachtet

bin ich nicht so schlecht dran

weil man auch bei Rossmann

einiges kaufen kann

Blumfeld find ich heut doof

bis auf das eine Stück

nur den verdammten Sommer

hätt ich doch gern zurück

 

 

 

 

 Hemisphäre

 

Wir sprechen nicht die selbe Sprache

und finden doch den gleichen Ton

wir stammen aus verschiednen Welten

Offenheit und Isolation

Wir beten nicht zum selben Herren

doch unsere Bitte die ist gleich

ein wenig Hoffnung und den Frieden

für dein irdisches Reich

 

Die Mauern die uns trennen

sind nicht aus Stein gebaut

es liegt an Regeln und Geboten

dass man nicht seinem Herzen traut

 

Ich wünschte, ich wäre

in deiner Hemisphäre

ich wünschte, es gäbe

mehr als die Leere

Ich wünschte, wir würden

einander vertrauen

ich glaube, wir könnten

die Brücken neu bauen

 

Wir tragen nicht die gleichen Kleider

wir essen nicht das selbe Brot

wir glauben nicht die gleiche Wahrheit

wir denken anders über den Tod

Wir lesen nicht die selben Bücher

wir haben nicht das gleiche Ziel

aber uns eint die gleiche Sehnsucht

wir wollen beide doch so viel

 

Die Gräben die uns trennen

sind überwunden irgendwann

an jedem Morgen, jedem Abend

sehn wir die gleiche Sonne an

 

Ich wünschte, ich wäre

in deiner Hemisphäre

ich wünschte, es gäbe

mehr als die Leere

Ich wünschte, wir würden

einander vertrauen

ich glaube, wir könnten

die Brücken neu bauen

 

Wir leben umterm gleichen Himmel

wir atmen Luft im selben Raum

es gibt Millionen Unterschiede

doch wenn man liebt dann zählt das kaum

 

 

 

 

 Alle müssen heim

 

Alle müssen heim, nur ich kann bleiben

aus den Fenstern flieht der Bratenduft

und die Wolken die vorüber treiben

schleudern große Schatten durch die Luft

 

Köpfe rufen Namen in die Felder

denn das Essen steht schon auf dem Tisch

ich jedoch geh tiefer in die Wälder

und ich denk wie immer nur an dich

 

Bei euch gibt es heut wieder Rouladen

und mit Sicherheit auch noch Kompott

aber mich hat keiner eingeladen

Vor dem Essen betet ihr zu Gott

 

Dein Vater kann mich nicht so gut leiden

mein Vater ist sicher schuld daran

irgendetwas steht zwischen den beiden

aber das geht uns doch gar nichts an

 

Dein Vater verkehrt nur mit Doktoren

und ihr habt sogar ein eignes Haus

mein Vater hat seinen Job verloren

und es sieht daheim nicht rosig aus

 

Deshalb ruft mich auch niemand zum Essen

wochentags fällt das bei uns meist aus

ich nutze die freie Zeit stattdessen

und geh weiter in die Welt hinaus

 

Hinterm Wald steht eine graue Mauer

was dahinter liegt das weiß ich nicht

meine Eltern sind da sicher schlauer

auch wenn man zu Haus davon nicht spricht

 

Alle müssen heim, nur ich kann bleiben

nach dem Essen kommen sie zurück

stürzen sich erneut ins wilde Treiben

und wissen dabei nichts von ihrem Glück

 

Mich hat man derweil mal kurz vergessen

du alleine hast an mich gedacht

und mir etwas von dem guten Essen

heimlich – unterm Pulli – mitgebracht

 

Während ich das Fleisch hinunterschlinge

sitzt du da und summst ein frohes Lied

ich lieb dich für eben solche Dinge

du siehst in mir was sonst keiner sieht

 

Alle müssen heim, lass uns noch bleiben

ich hab schon so oft daran gedacht

mich an deinem warmen Leib zu reiben

bevor das Leben uns zu Fremden macht

 

 

 

 

 Besser man nennt das Glück nicht beim Namen

 

Der Motor verreckt nach fünf Tagen Fahrt

kurz vor einem spanischen Städtchen

sie saß am Bordstein und wartete nur

so wie viele andere Mädchen

Er fing ihren Blick und ließ ihn nicht los

er war nur ein einsamer Spieler

und wusste schon vorher aus irgendeinem Grund:

Ihr Kuss schmeckt nach Salz und Tequila

 

Das Motel war billig, das Bett viel zu klein

doch besser so als alleine zu sein

und die Nacht ist ein Meer ohne Ufer

 

Das Schicksal spinnt seine Fäden stets neu

mal sind’s Komödien, mal Dramen

und egal welche Rolle man darin auch spielt

besser man nennt das Glück nicht beim Namen

 

Sie stand vor dem Spiegel als wär sie allein

und strich sich die Nacht aus den Haaren

er lag auf dem Bett und zählte sein Geld

und wusste wie fremd sie sich waren

Sie senkte den Blick und ließ ihn gehn

er war nur ein einsamer Spieler

und auf seinen Lippen da spürte er noch

den Geschmack von Salz und Tequila

 

Der Morgen war kalt, die Stadt viel zu klein

sie waren gewohnt alleine zu sein

und der Tag ist ein Schiff ohne Anker

 

Das Schicksal spinnt seine Fäden stets neu

mal sind’s Komödien, mal Dramen

und egal welche Rolle man darin auch spielt

besser man nennt das Glück nicht beim Namen

 

 

 

 

 Ich hab versucht ein guter Mensch zu sein

 

Du gehst und ich kann nicht bestreiten

ich gab dir dafür manchen Grund

wir hatten verdammt harte Zeiten

und ich war ein durchtriebener Hund

Doch ich habe probiert mich zu ändern

letzten Endes hat es nicht gereicht

und ich beuge mich deinem Urteil

auch wenn ich denke du machst es dir zu leicht

 

Ich verlange nicht dass du bei mir bleibst

und ich rede dir auch nichts mehr ein

ich bitte dich nur mir zu glauben

Ich hab versucht ein guter Mensch zu sein

Ich lasse dich gehn wenn du gehn willst

und vielleicht kannst du mir nie verzeihn

doch trotz all der Fehler die ich machte

Ich hab versucht ein guter Mensch zu sein

 

Du gehst und ich kann dich verstehen

es war niemals einfach mit mir

und vielleicht würdest du untergehen

bliebst du nur einen Tag länger hier

Ich habe versagt und ich weiß es

du konntest nie ganz auf mich baun

ich hab dir zu viel zugemutet

warum solltest du mir noch vertraun?

 

Ich verlange nicht dass du bei mir bleibst

und ich rede dir auch nichts mehr ein

ich bitte dich nur mir zu glauben

Ich hab versucht ein guter Mensch zu sein

Ich lasse dich gehn wenn du gehn willst

und vielleicht kannst du mir nie verzeihn

doch trotz all der Fehler die ich machte

Ich hab versucht ein guter Mensch zu sein

 

Ich seh es in deinen Augen

doch gesteh es mir selber nicht ein

ich habe noch nicht verstanden

was es heißt ein guter Mensch zu sein

 

 

 

 

 Ahnenforscher

 

Wie weich dein Gesicht scheint

auf dem Hochglanzpapier

die Technik ein Segen

grad das braucht es hier

bei den Scans dieser Fotos

in neuem Format

hab ich weiß Gott nicht

an Farbe gespart

 

So wird meine Jugend

knallbunt anstatt grau

bis ich selbst kaum noch

der Erinnerung trau

 

Ich fälsche und schneide

und ich retuschiere

bis ich mich am Ende

ganz neu definiere

Was klein war wird groß

und was groß war wird klein

es ist schon von Vorteil

Ahnenforscher zu sein

 

Es macht dich ganz sicher

fuchsteufelswild

doch ein Mausklick löscht jetzt

den Mann auf dem Bild

der dort neben dir

vor dem Standesamt steht

auch wenn ich weiß :

50 Jahre zu spät

 

Ich nannte ihn Vater

du nanntest ihn Mann

sieh wie einfach er doch

verschwinden kann

 

Ich fälsche und schneide

und ich retuschiere

bis ich mich am Ende

ganz neu definiere

Was klein war wird groß

und was groß war wird klein

es ist schon von Vorteil

Ahnenforscher zu sein

 

Fünf Stunden nur, Mutter

zum Sichten und Sieben

ich hab unsre Geschichte

völlig umgeschrieben

und nun steht es dir frei

dieses Wunschbild zu sein

Ahnenforschern fällt halt

nichts besseres ein

 

 

 

 

 Sehr spezielle Damen

 

Es gibt da wirklich sehr spezielle Damen

die lieben es sich ständig auszuziehn

sie haben meistens einfallsreiche Namen

und landen schließlich auf Fotografien

 

Die kann in Magazinen man betrachten

- die les ich nicht, ich schwör bei meiner Ehre -

man fragt sich was die Damen sich wohl dachten

Bestimmt: Juchhu, jetzt mache ich Karriere

 

Nun ist Karriere, na ich sag mal: Relativ

Das sollte denen vorher jemand sagen

Sie lagen viel, doch oft genug auch schief

Und weniger als nichts kann man nicht tragen

 

Es gibt sie zwar – diese Karriereleiter

und man sagt sich (jedoch unter der Hand)

Man kommt dort ohne Höschen durchaus weiter

Noch weiter kommt man wohl ohne Verstand

 

Es gibt da wirklich sehr spezielle Damen

die haben ein besonderes Talent

doch man erspart sich wirklich viele Dramen

wenn man von diesen Damen keine kennt

 

 

 

 

 

 Mach Weibchen

 

Ich führe dich

an der kürzesten Leine

du hast Freude dabei

und weißt was ich meine

kennst jedes Kommando

bist darauf dressiert

daß mein wütendes Herz

nie die Fassung verliert

 

Komm schon mach Weibchen

sei folgsam und leide

ich weiß doch du liebst

daß ich für dich entscheide

In deiner Kolumne

zerreißt du jeden Sexist

doch ich weiß seit langem

wie du wirklich bist

 

Dort draußen die Harte

mit der steilen Karriere

kommt dir bei Nacht

die Lust in die Quere

an Unterwerfung

in härteren Händen

und du bestimmst mich

deine Qual zu beenden

 

Komm schon mach Weibchen

und sei die Schwache

das ist deine Erfüllung

nur bei dieser Sache

fühlst du dich lebendig

geliebt und begehrt

in dem Wissen

du bist (mir) nichts wert

 

 

 

 

 Der Wetterfrosch

 

Ein Wetterfrosch im engen Glas

betrachtete die Leiter

und draußen klopfte jemand an :

„Wird’s trübe oder heiter ?

 

Beweg dich schon du dummer Frosch

und gib uns ne Prognose

sonst geht uns wieder der Bericht

ganz furchtbar in die Hose

 

Hock da doch nicht so krötig rum

so teilnahmslos und steif

wir sind auf Sendung oller Frosch

europaweit und live“

 

Da griff der Frosch zum Mikrofon

und sang „Things will get better

when you not care so much about

das Fernsehn und das Wetter“

 

 

 

 

 Die Gebärde

 

Da stehen wir und üben die Gebärde

die allumfassend unser Los beschließt

und wären dabei gern wie wilde Pferde

auf Weiden wo der Hafer eifrig sprießt

 

Wo nicht das Schicksal nach Erfüllung trachtet

und keine Zeit uns in die Enge treibt

wo wir allein mit uns so ganz umnachtet

all das sind was am Ende übrig bleibt

 

So stehen wir und proben die Gebärde

obwohl die Welt um uns längst haltlos wankt

was steht uns zu wo längst die ganze Erde

an solchen unerfüllten Taten krankt

 

 

 

 

 Streifschuss

 

Da steigt man also aus dem Zug

und lässt die Blicke streifen

hat nach Sekunden schon genug

und mag es nicht begreifen

welch Teufel einen wohl bewog

noch einmal herzukommen

es packt einen ein leichter Sog

und man fühlt sich benommen

 

Der alte Hansen steht beim Deich

er steht nur noch mit Mühe

bewacht müde sein kleines Reich

der Schafe und der Kühe

 

Streifschuss

knapp daneben

verletzt doch noch am Leben

man geht zwar in die Knie

doch ist nicht tot

es war nur Schrot

doch manche Wunden heilen nie

 

Herr Lehrer Lemke steht vorm Haus

noch immer schlank und sehr gestählt

doch sieht er nicht vollkommen aus

na klar, der Rohrstock fehlt

Bestimmt bezieht er schon Pension

kann keinen mehr verprügeln

na ja, vielleicht die Frau, den Sohn

man wird’s ihm nicht verübeln

 

Jetzt sieht er mich und er schaut weg

das ist ganz sicher klug

man scherte sich stets einen Dreck

ob er die Kinder schlug

 

Streifschuss

knapp daneben

verletzt doch noch am Leben

man geht zwar in die Knie

doch ist nicht tot

es war nur Schrot

doch manche Wunden heilen nie

 

Die Straße lang, ich kenn das ja

vergaß es nicht wie man sich fühlt

und der Friseur ist auch noch da

der gern an kleinen Kindern spielt

Der Bürgermeister feist und fett

weiht eben grad ein Denkmal ein

von Obersturmbannführer Klett

der soll stets unvergessen sein

 

Streifschuss

knapp daneben

verletzt doch noch am Leben

man geht zwar in die Knie

doch ist nicht tot

es war nur Schrot

doch manche Wunden heilen nie

 

Der See ist heut total verdreckt

da kann kein Mensch mehr baden

doch hinterm Rastplatz ganz versteckt

liegt noch Frau Müllers Laden

Sie hat mir meist Bonbons geschenkt

und hatte stets ein nettes Wort

ob sie wohl manchmal an mich denkt

sie sagte oft: Geh bloß schnell fort

 

Streifschuss

knapp daneben

verletzt doch noch am Leben

man geht zwar in die Knie

doch ist nicht tot

es war nur Schrot

doch manche Wunden heilen nie

 

 

 

 

 In Worten wie nur Träumende sie wagen

 

Mancher geht seine Wege

weil sie dort eben sind

mancher der keine Wege hat

geht einfach mit dem Wind

 

Mancher taugt wohl für Großes

mancher bleibt ewig klein

doch mir dagegen reicht es

einfach ich selbst zu sein

 

Du bist die ganze Welt für mich und mehr

und dennoch darf ich es dir niemals sagen

dabei begehre ich dich doch so sehr

in Worten wie nur Träumende sie wagen

 

Mancher lebt nur sein Leben

und denkt das wär genug

doch wenn man keine Träume hat

ist das nur Selbstbetrug

 

Mancher strebt nur nach Weisheit

mancher strebt nur nach Geld

doch mir dagegen reicht es

zu sein was dir gefällt

 

Du bist die ganze Welt für mich und mehr

und dennoch darf ich es dir niemals sagen

dabei begehre ich dich doch so sehr

in Worten wie nur Träumende sie wagen

 

Was brauche ich den Himmel und die Sterne

was nutzt mir jedes irdisch Gut

alles was ich begehr liegt in der Ferne

und trotzdem hab ich es in meinem Blut

und trotzdem hab ich dich in meinem Blut

 

Du bist die ganze Welt für mich und mehr

und dennoch darf ich es dir niemals sagen

dabei begehre ich dich doch so sehr

in Worten wie nur Träumende sie wagen

 

 

 

 

 Treuepunkte

 

Ich steh im Supermarkt

und das schon ziemlich lange

zwischen fremden Menschen

mitten in der Schlange

 

Es geht nicht wirklich vorwärts

fast jeder zahlt mit Karte

ich träum mit offnen Augen

und ich warte

 

Dann bin ich an der Reihe

und die Kassiererin fragt nett

ob ich vielleicht gern Treuepunkte hätt

 

Treuepunkte – da fragen Sie den Falschen

Treuepunkte hab ich noch nie gemacht

Treuepunkte – da gibt es sicher Bessre

was ich am Tag bekomm verspiel ich in der Nacht

Treuepunkte – vielleicht will sie der Herr dort

Treuepunkte stehen mir nicht zu

Treuepunkte – fragen Sie mal die Dame

ich verdiene keine für das was ich oft tu

 

Man sieht mich blöde an

als sei ich sehr gefährlich

dabei war ich doch nur

aus tiefstem Herzen ehrlich

 

Und wer da so verlegen

den Blick zu Boden senkt

der weiß wovon ich rede

und ich weiß was er denkt

 

Treuepunkte – da fragen Sie den Falschen

Treuepunkte hab ich noch nie gemacht

Treuepunkte – da gibt es sicher Bessre

was ich am Tag bekomm verlier ich in der Nacht

Treuepunkte – vielleicht will sie der Herr dort

Treuepunkte stehen mir nicht zu

Treuepunkte – fragen Sie mal die Dame

ich verdiene keine für das was ich oft tu

 

 

 

 

 Feuer

 

Nachts auf dem Spielplatz

nicht weit entfernt vom Hafen

zu einer Zeit

wo die Kinder schon längst schlafen

kletter ich manchmal

noch auf das Gerüst

und warte dort oben

bis du bei mir bist

 

Und weil man in solchen Nächten

nichts kluges sagen kann

zündest du deine Zigarette

schweigend an meiner an

 

Nachts auf dem Spielplatz

schaun wir in die Ferne

wippen mit den Füßen

und zählen die Sterne

merken dabei nur

wie die Zeit vergeht

weil man sich schon wieder

ne Zigarette dreht

 

Und weil man in solchen Nächten

nichts kluges sagen kann

zündest du deine Zigarette

schweigend an meiner an

 

Nachts auf dem Spielplatz

bleibt es ein Abenteuer

und in unsrem Schweigen

liegt verdammt viel Feuer


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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